Ammianus-Verlag

Zum Buch:

Vor Jahrhunderten soll zwischen Aachen, Jülich und Köln die wohlhabende und sagenumwobene Stadt Gression gelegen haben. Eines Tages fand sie ein jähes Ende.

Was aber hat es auf sich mit dem Atlantis des Rheinlands? War Gression eine spätantike römische Siedlung? Machte der Bergbau ihren angeblichen Reichtum aus? Ging die Stadt in einer Sintflut unter oder wurde sie von Feinden zerstört?

Die Trilogie um die charismatische Richarda von Gression hat sich des Themas belletristisch angenommen. Im Jahr 984, einer Zeit epochaler Umbrüche, wird Richarda unter merkwürdigen Umständen geboren. Vor ihr liegen die Höhen und Tiefen eines bewegten Lebens ...

Der Autor:

Günter Krieger, Jahrgang 1965, lebt in Langerwehe am Rand der Nordeifel. Bekannt wurde er durch seine Merode-Trilogie. Er verarbeitet vor allem Ereignisse des Mittelalters zu historischen Krimis und Romanen, viele seiner Werke beleuchten die Geschichte der Eifel und des Rheinlandes. Krieger ist Mitglied des Autorenkreises Historischer Roman »Quo vadis«. Im Ammianus Verlag erschien zuletzt sein generationsübergreifendes Mittelalterepos »Die gefangenen Seelen«.

Günter Krieger

Richarda von Gression

Band 1: Die Visionärin

Historischer Roman

Impressum

© 2015 Ammianus GbR Aachen

Alle Rechte vorbehalten. Der Druck, auch auszugsweise, die Verarbeitung und Verbreitung des Werks in jedweder Form, insbesondere zu Zwecken der Vervielfältigung auf digitalem oder sonstigem Wege sowie die Verbreitung und Nutzung im Internet dürfen nur mit ausdrücklicher und schriftlicher Genehmigung des Verlags erfolgen. Jede unerlaubte Verwertung ist unzulässig und strafbar.

Umschlaggestaltung: Thomas Kuhn
Kartenmaterial:
Agnieszka Krieger
Lektorat:
Angelika Kiel
Satz: Michael Mingers

Ebook-ISBN: 9783945025291
Print-ISBN: 978-3981228571

www.ammianus.eu
info@ammianus.eu
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Zitate

»Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.« Matthäus 5,3

Der Augenblick, an dem Richarda das Licht der Welt erblickte, muss ein besonderer gewesen sein. Vermutlich hielt die Welt kurz den Atem an. Paulinus von Hersfeld, »Vita Ricardae gressionensis«

Dramatis Personae

Gressiona:

Ricarda: die Königin

Agnes: Ricardas Leibsklavin, Christin

Lucius: Heermeister, Ricardas Verehrer

Grannus: Tempelpriester, Königinmacher

Claudius: Gehilfe des Brennus

Julian: christlicher Eiferer

Brenno: Pfortensklave

Tartula: Köchin

Publius: Centurio

Rymelsberg, Aeccheze, Jülich:

Richarda: charismatische Bauerntochter und Mystikerin

Gero: Richardas Bruder

Gunda: Richardas Schwester

Rothaid: Richardas Ziehmutter

Pippin: Richardas Ziehvater

Ortwin: der blinde Großvater

Judith: die Klausnerin

Gerhard: der Gaugraf

Tassilo: Sohn des Gaugrafen

Wigbert: Sohn eines Töpfers

Oda: Wigberts Schwester

Adam: Wigberts und Odas Stiefbruder

Eva: Wigberts und Odas Stiefschwester

Bartholomäus: Dorfpriester zu Aeccheze

Hiltrud: Richardas leibliche Mutter

Hadwig: Hiltruds Schwester

Madelgard: Frau des Schmieds

Weitere:

Theophanu: die Kaiserin

Otto: Sohn der Kaiserin

Magnus: Wandermönch

Meginher: Mönch aus Hersfeld

Konrad: Bruder der Klausnerin Judith

Klara: Schwester der Klausnerin Judith

Teil I. Kindheit

1. Kapitel

Im fünften Jahrhundert A.D.: Gressiona

Dreiundzwanzig Jahre war Ricarda alt, als ihr kleines Königreich unterging. Sieben Jahre hatte es Bestand gehabt. Und nun, an diesem trostlosen und unsagbar entsetzlichen Spätsommertag, musste sie erleben, wie Gressiona binnen weniger Stunden zerstört wurde. Zusammengekauert hockte sie mit ihrer Sklavin Agnes im Hypocaustum des Badehauses und lauschte dem Wüten der hunnischen Horden. Trotz des sintflutartigen Regens brannte die Villa nebenan lichterloh. Die Residenz einer Königin ha! Der stolze Adler des Pontifex Grannus war wohl in Wirklichkeit eine flügellahme Krähe gewesen.

Das laute Prasseln der Flammen wetteiferte mit dem Kriegsgeheul der Hunnen, dem Schnauben ihrer Pferde und dem Tosen des Unwetters. Feuchter, beißender Rauch drang in jeden Winkel des Verstecks. Der schreckliche Hustenreiz, der die beiden jungen Frauen quälte, war nichts im Vergleich zu dem, was ihnen blühte, wenn die Hunnen sie entdeckten. Doch auch wenn sie hier und heute überlebten, nichts würde mehr so sein, wie es gewesen war, ihre Welt veränderte sich an einem einzigen Tag, denn Gressiona ging unter.

»Wir werden hier elend ersticken, Herrin«, flüsterte Agnes, ihre Stimme zitterte.

»Irgendwann werden sie fertig sein mit ihrem Frevel«, entgegnete Ricarda bitter.

»Lass uns von hier fliehen, Herrin. Bevor sie uns finden.«

Ricarda schüttelte den Kopf. »Zu gefährlich, Agnes. Sie würden uns rasch entdecken.« Was sie dann mit ihnen anstellen würden, hatten sie vorhin mit eigenen Augen gesehen.

Im Stillen fragte sich Ricarda, warum sie noch hier hockten. Warum klammerten sie sich so sehr an dieses Leben? Alles, was sie besessen hatten, war verloren. Morgen früh, wenn die Sonne aufging, wäre Gressiona dem Erdboden gleichgemacht, die Villen, Höfe, alle Bauten der Umgebung nur noch rauchende Ruinen. Leichen und Tierkadaver würden in den Trümmern verrotten, denn niemand wäre mehr übrig, um die Toten zu bestatten. Vielleicht würde es einigen gelingen, sich vor den Hunnen in Sicherheit zu bringen die Stollen der Bergwerke mochten ein solcher Zufluchtsort sein –, aber selbst wenn sie dort ausharrten, bis die Gefahr vorüber wäre, hätten diese Menschen ihre Heimat unwiederbringlich verloren. Das kleine Heer, das Gressiona in den vergangenen sieben Jahren beschützt hatte, es existierte nicht mehr, die Pfeile der Hunnen hatten es ausgemerzt. Wie hatte man ernsthaft glauben können, eine Garnison schlecht ausgerüsteter Krieger könnte den bestialischen, entfesselten Horden der Hunnen siegreich begegnen?

Als einer der ersten Verteidiger hatte Lucius den Tod gefunden. Sein Ableben war ein Grund mehr, sich nicht länger verbissen an dieses Leben zu klammern.

Jeder, der dieser Hölle entkam, wäre gezwungen, in eine andere Gegend zu ziehen, um vor fremden Horden künftig geschützt zu sein. Wenngleich Ricarda bezweifelte, dass es solche Gegenden noch gab. Die Hunnen versetzten dem einst so mächtigen Imperium der Römer den endgültigen Todesstoß.

Gedankenvoll nahm Ricarda das bronzene Medaillon, das sie an einer Kette um ihren Hals trug, zwischen ihre Finger und rieb daran, ohne es anzusehen. Draußen stimmten die Hunnen ein schauriges Geheul an. Hätte das eigene Schicksal sie nicht so kalt gelassen, wäre ihr wohl ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen.

»Ist es nicht an der Zeit, sich dieses verfluchten Götzenbildes endlich zu entledigen, Herrin?«, fragte Agnes. Trotz der Ängste, die sie ausstand, lag ein Ausdruck der Missbilligung um ihren Mund.

Ricarda benötigte einen Augenblick, um zu begreifen, dass sie von dem Medaillon sprach. »Ach, Agnes«, sagte sie mit einem matten Lächeln.

»Warum willst du nicht einsehen, dass deine alten Götter tot sind? Dein Geliebter wusste es besser. Ist dir das himmlische Strafgericht nicht Beweis genug?«

Anmaßende Worte für eine Sklavin. Aber Ricarda würde nicht jetzt damit anfangen, sie mit Strenge zu behandeln. »Der Himmel kann doch nichts dafür, Agnes«, antwortete sie in einem Tonfall, mit dem man ängstliche Kinder beruhigt.

Die Sklavin begann zu weinen. Ricarda nahm das Medaillon vom Hals und warf es in die Dunkelheit.

»Siehst du, Agnes? Nun trage ich es nicht mehr. Jupiter soll hier verrotten! Bist du zufrieden?«

»Ja, Herrin. Du hast gut daran getan.« Sie schwiegen.

»Erinnerst du dich, wie alles begann?«, fragte Ricarda dann beinahe versonnen.

»Damals war noch alles möglich«, schluchzte die Sklavin.

Ricarda legte ihr tröstend einen Arm um die Schultern und dachte an Lucius. »Du hast recht«, sagte sie. »Alles war möglich.«

2. Kapitel

Sommer 984 A.D.

Das Gewitter kam unaufhaltsam näher. Judith aber, die Klausnerin, ließ sich weder durch die Lichtblitze, die ihre karge Behausung immerzu erhellten, noch durch das Donnergrollen beeindrucken. Bäuchlings lag sie auf dem Boden, die Arme ausgestreckt zum Kreuz, und betete zum Herrn. Nicht, weil das Unwetter sie verängstigt hätte in den Naturgewalten spürte sie vielmehr die Nähe des Gottes -, sie betete, weil es die Zeit der Vesper war. Außerdem gab es ein dringliches Anliegen, das sie dem Herrgott vortragen wollte.

Sie war eine hochgewachsene, etwa vierzigjährige Frau von hagerem Äußeren. Leicht höckerig war ihre Nase, hervorstechend die Wangenknochen; dennoch besaß ihr Antlitz etwas Anmutiges. Ein Gewand aus gröbstem Leinen diente ihr als Kutte, ihren Kopf bedeckte ein dunkles Schleiertuch. Früher, so sagte man Judith nach, sei sie Nonne in einem Kloster zu Köln gewesen. Da sie sich aber der strengen Priorin nicht unterordnen konnte, habe sie sich eines Tages aus dem Staub gemacht und dem Kloster den Rücken gekehrt. Um niemandem außer dem Herrgott mehr gehorchen zu müssen, war sie zur Klausnerin geworden. Mit eigenen Händen hatte sie im Wald unweit von Grecenich inmitten einer alten Ruine eine Klause für sich errichtet. Vor Urzeiten hatte hier eine stattliche Villa gestanden. Obwohl längst verfallen, ragten noch beachtliche Mauerreste aus dem Erdreich. Mit Baumhölzern und Lehm hatte Judith die Lücken geschlossen, ein Dach aus Stroh und Flechtwerk schützte sie vor Sonne, Wind und Regen. In dieser Klause lebte sie seit fast zwanzig Jahren ihre eigene Frömmigkeit.

Anfangs war sie von der Bevölkerung der umliegenden Dörfer und Weiler misstrauisch beäugt worden: Was sollte man nur halten von dieser merkwürdigen Fremden, der es offenbar nicht in den Sinn kam, so zu leben, wie man es von einer Frau erwartete? Die weder Eheweib noch Nonne war, sondern sich eigene Gesetze schuf?

Mit der Zeit wandelte sich das Misstrauen der Menschen zunächst in Duldsamkeit, später in Respekt. Was daran lag, dass Judith zu dem Ruf gelangte, Krankheiten durch die Kraft ihres Gebets heilen zu können.

Angefangen hatte alles mit einem Holzfäller, der sich bei seiner Arbeit im Wald die Axt ins eigene Bein schlug. Zufällig war Judith gerade in der Nähe und hörte die Schreie des Verletzten. Als sie ihn fand blutüberströmt lag er am Boden, umringt von drei hilflosen Gefährten -, da griff sie eine Handvoll Kräuter aus ihrem Korb und stopfte sie in die klaffende Wunde. Dabei sprach sie das Paternoster, und ohne ihre Hilfe wäre der Holzfäller jämmerlich verblutet. Später, als die Nachricht von seiner Rettung die Runde machte, war von blutstillenden Kräutern nicht mehr die Rede, sondern allein von Judiths heilendem Gebet. Zumal der Gesundete nicht einmal ein Hinken zurückbehielt.

Bald darauf kam eine Bäuerin aus Grecenich auf den Gedanken, ihren sterbenskranken Säugling zu der Klausnerin zu bringen, damit sie für ihn bete. Das Kind wurde gesund. Ähnlich erging es anderen Kranken, die Judith auf das Flehen besorgter Familienangehöriger hin in ihr Gebet einschloss. Der Klausnerin selbst wäre es lieber gewesen, man hätte sie damit verschont, aber als der Stein einmal ins Rollen gekommen war, ließ er sich nicht mehr aufhalten. Wäre einer der Kranken trotz ihrer Fürbitten gestorben, hätte man sie vielleicht bald in Ruhe gelassen. Nur: Dies geschah nicht. Neuerdings kamen auch Sünder zu ihr und ließen sich nicht eher abweisen, bis Judith sie von ihren Sünden losgesprochen hatte. Ihren Einwand, sie sei nur eine Klausnerin und besitze keinerlei priesterliche Vollmacht, wollte niemand hören.

So war es auch vorhin gewesen, als der Bauer Pippin bei ihr erschienen war. Er lebte am Fuß des Rymelsberges, eine knappe halbe Wegstunde entfernt. Dort gab es einige verstreute Behausungen von Bauern und Handwerkern, darunter Pippins Gehöft und die Werkstatt des Töpfers Sigurd.

Judith wusste, dass Pippin ein grobschlächtiger Kerl war, dem die Fäuste recht locker saßen. Auch sein Weib Rothaid hatte unter seiner Prügelwut zu leiden. Bleich und verängstigst hatte Pippin dreingeschaut, was Judith augenblicklich stutzig machte: Wenn sich ein Kerl wie Pippin fürchtete, dann musste etwas Außergewöhnliches geschehen sein.

Unter seinem Umhang hatte er etwas verborgen gehabt.

»Was willst du?«, fragte Judith schroff.

»Ich habe eine Sünde begangen.«

»Geh zu einem Priester. Ich kann nichts für dich tun!«

»Ein Priester? Pah, den Kerlen traue ich nicht.«

»Was willst du also?«

Er zögerte lange; dann holte er ein Bündel unter seinem Umhang hervor.

Judith erschrak. Das Bündel war ein toter Säugling. Ein weißes, lebloses Gesichtchen kam zum Vorschein, der kleine Hals durch ein Würgemal entstellt. Judiths Blick bohrte sich fest in Pippins Augen. »Hast du es umgebracht?«, fragte sie kalt.

Vermutlich war Pippin noch nie in seinem Leben so kleinlaut gewesen. »Ich wollte es nicht …«, stammelte er.

»Und dennoch hast du es getan. Warum?«

»Es schrie und wollte nicht mehr damit aufhören. Da habe ich …, aber ich wollte es nicht, ich schwöre es. Auf einmal atmete es nicht mehr …«

»Was bist du nur für ein Mensch. Dein erstes Weib hast du sie damals auch getötet?«

Pippin gab sich entrüstet. »Wieso fragst du mich das? Jedermann weiß, dass sie an einer Blutung starb.«

»Geh mir aus den Augen, Pippin.«

»Nicht bevor du mir vergeben hast.«

»Gott allein kann dir vergeben.«

»Dann bitte du ihn darum.«

Sie wusste nur zu gut, dass er nicht nachgeben würde. Ein Mann wie Pippin würde notfalls zur Gewalt greifen, wenn sie seinem törichten Anliegen nicht nachkam. Immerhin sorgte er sich um sein Seelenheil, das gab dem groben Klotz zumindest einen Hauch von Menschlichkeit. Betrübt musterte Judith den toten Säugling.

»Ein Mädchen, nicht wahr? Erst wenige Tage alt.«

Er nickte, starrte Judith in einer Mischung aus Ungeduld und Unbehagen an.

»Gib es mir«, forderte die Klausnerin ihn auf. Sie streckte ihm beide Hände entgegen. Nach kurzem Zögern übergab er ihr das Bündel.

»Was ist nun?«, fragte er nervös. »Kann ich mit Gottes Vergebung rechnen?«

»Ich werde beten und die Heiligen um ihre Fürsprache bitten. Das tote Kind lass bei mir.« Nicht einmal die Leiche wollte sie seiner Obhut überlassen.

»Muss man es denn nicht beerdigen?«, brummte er.

»Geh! Und komm morgen Abend wieder. Dann will ich dir sagen, ob Gott dir vergibt.«

»Zu keinem ein Wort darüber, hast du mich verstanden?« Seine Furcht vor den Feuern der Hölle war offenbar nicht so groß, dass er sich den drohenden Unterton verbissen hätte. Mit einem letzten missmutigen Blick auf das tote Kind verließ er Judiths Klause.

Zwei Stunden waren seitdem vergangen. Das Gewitter war inzwischen ganz nah, Blitz und Donner wüteten, Regen prasselte nieder. Judith beendete ihre Gebete und erhob sich. Ihre Aufmerksamkeit wandte sich wieder dem toten Säugling zu. Noch einmal nahm sie ihn in die Arme, wiegte ihn und summte ein Liedchen, als könnte sie ihn auf diese Weise wieder zum Leben erwecken. Ein grässlicher Bluterguss an seinem Hälschen zeugte von der Gewalt, die seinem jungen Leben ein Ende bereitet hatte.

Stimmen ließen Judith innehalten. Wer war es, der dem Unwetter trotzend den Weg zu ihrer Klause eingeschlagen hatte? Rasch legte sie das Bündel mit dem toten Säugling in eine dunkle Ecke, wo niemand es sehen würde.

Es waren die Stimmen zweier Mädchen, die laut miteinander sprachen, damit der Donner ihre Worte nicht verschluckte. Sie wirkten aufgeregt, vielleicht hatte das Gewitter sie mitten im Wald überrascht. Triefnass vom Regen erschienen sie an der Tür, deren Umrahmung aus Sandstein die Jahrhunderte überdauert hatte.

Scheu verstummten sie beim Anblick der Eremitin. Judith winkte sie herein. »Wer seid ihr?«, fragte sie die beiden.

Die Größere sie mochte etwa vierzehn Jahre zählen und war dürr und mager antwortete ihr mit gesenktem Kopf. »Ich bin Hadwig, ehrwürdige Mutter. Das hier ist meine Schwester Hiltrud. Dietrich und Uta sind unsere Eltern.«

Judith nickte. Dietrich und Uta waren leibeigene Bauern aus Grecenich und Erzeuger einer vielköpfigen Kinderschar mehr Kinder, als nach einer mäßigen Ernte ernährt werden konnten.

»Ihr dürft bleiben, bis das Gewitter vorübergezogen ist«, sagte Judith.

Die Mädchen wagten immer noch nicht, ihr ins Gesicht zu blicken. Irgendetwas stimmte nicht mit den beiden. Vermutlich war es nicht das Gewitter, das sie hierher getrieben hatte.

»Möchtet ihr etwas essen?«, versuchte Judith sie aus der Reserve zu locken. Doch eine Antwort erhielt sie nicht, wenngleich sie überzeugt war, dass die Mädchen Bärenhunger hatten.

Die Jüngere, Hiltrud sie war allenfalls zwölf, wirkte aber kräftiger und draller als die Schwester –, gab ein leises Stöhnen von sich. Fragend hob Judith die Brauen. »Fühlst du dich nicht wohl? Komm, setz dich dort auf den Hocker. Ich will Suppe für euch aufwärmen.«

Hiltrud rührte sich nicht. Ihr Mund war jetzt ein fester Strich. Als wollte sie weitere Schmerzlaute tunlichst vermeiden. Die Hände hielt sie steif vor ihrem Schoß verschränkt. Ihr Antlitz war noch bleicher als das ihrer Schwester.

»Sie …, sie bekommt ein Kind, ehrwürdige Mutter«, sagte Hadwig gepresst.

Natürlich! Warum war es ihr nicht gleich aufgefallen, dass das Mädchen schwanger war? Judith fiel es wie Schuppen von den Augen: ein Kind, das bald ein Kind gebären würde. Da war es wenigstens verzeihlich, dass sie dies erst mit Verspätung begriff. Zumal der weite Leinenkittel den Bauch des Mädchens vortrefflich tarnte.

»Süßer Jesus«, murmelte Judith. Die Frage nach dem Vater des Kindes stellte sie nicht, obgleich sie ihr auf der Zunge lag. Sie kannte das Wesen der Menschen und den Eigensinn junger Mädchen gut genug, um zu wissen, dass sie keine Antwort bekommen würde. Ohnehin war die Frage nach dem Vater zweitrangig, ungleich wichtiger war das Wohlergehen der werdenden Mutter. Dass Hiltrud Schmerzen litt, war unübersehbar. Nicht nur, dass das Mädchen Mutter werden sollte sie bekam das Kind schon jetzt!

»Hadwig, hilf deiner Schwester, wir müssen sie hinlegen!«, befahl sie mit Nachdruck und deutete auf die armselige Strohmatte, die ihr als Nachtlager diente. Die Leute mochten mit Gebetsanliegen oder gar, wie vorhin der gewalttätige Pippin, mit absurden Forderungen zu ihr kommen, doch auf eine Geburt war sie nun wirklich nicht vorbereitet. Wenn man ihr auch heilerische Kräfte nachsagte, so war bislang noch niemand auf den Gedanken gekommen, in ihr eine Hebamme zu sehen.

»Ziehen wir ihr die nasse Kleidung aus!« Judith tat ihr Bestes, um der Lage Herrin zu sein. Einmal erst war sie bei einer Geburt zugegen gewesen damals, als man eine niederkommende Straßenhure ins Kloster getragen hatte –, aber das lag sehr lange zurück. Gleichwohl, jedes Kind war ein Gottesgeschöpf, und mit dem lieben Gott stand Judith auf gutem Fuß. Wenn sie Ihn bat, ihr und dem Mädchen beizustehen, würde alles gut werden.

Bald lag Hiltrud nackt und keuchend auf der Strohmatte, Schweißperlen rannen ihr unaufhörlich übers Gesicht. Hadwig kniete daneben und hielt unbeholfen ihre Hand, während Judith unter dem Kessel ein Feuer entfachte, denn warmes Wasser würde sie brauchen, wenn es soweit war. Ein Blick auf das enge Becken der jungen Gebärenden verhieß Schwierigkeiten. Gott, lass das Mädchen am Leben, vermutlich ist es schuldlos an seiner Lage!, schickte sie ein erstes Stoßgebet Richtung Himmel.

Als das Köpfchen des Kindes bald darauf zwischen den geöffneten Schenkeln erschien, wusste Judith, dass der Herrgott sie einmal mehr erhören würde. Zwar schrie die junge Hiltrud, was ihre Lungen hergaben, aber die befürchteten Komplikationen blieben aus. Judith kniete vor ihr, sprach tröstend auf sie ein, während sie behutsam das Kind aus ihrem Schoß zog.

Die Zeit verrann, das Gewitter entfernte sich, noch einmal zuckte ein greller Blitz; dann hielt Judith das Neugeborene in ihren Händen, ein glitschiges, zartes Bündel Mensch, ein Mädchen, noch frei von jeder Sünde.

Hiltrud atmete schwer und schien das Schreien des Kindes nicht wahrzunehmen. »Du hast es geschafft«, flüsterte die Schwester ihr ins Ohr.

»Wann gehen wir nach Hause?«, fragte Hiltrud matt.

Judith wickelte das Neugeborene in ein Tuch, nachdem es von seiner Nabelschnur befreit war. »Eure Eltern wissen sie davon?« Die Frage galt der Älteren, denn Hiltrud war zu erschöpft für eine Antwort.

Hadwig schüttelte hastig den Kopf. »Nein, ehrwürdige Mutter.

Wir haben es die ganze Zeit über verheimlicht.«

Das hatte Judith vermutet. Der Bauch war dem Mädchen kaum anzusehen gewesen. Manchmal ließen Schwangerschaften sich vortrefflich tarnen. Die Mädchen mussten einen guten Grund dafür gehabt haben.

»Wer sonst weiß davon?«

»Niemand, ehrwürdige Mutter.«

Noch einmal überlegte Judith, die Frage nach dem Vater zu stellen, nahm aber erneut davon Abstand. Denn eins schien ihr gewiss zu sein, der Erzeuger des Kindes, wer immer es auch war, hatte sich an Hiltrud vergangen. Judith wollte nicht in Seelenwunden stochern, die Mädchen hatten eine schlimme Zeit hinter sich.

»Was gedenkt ihr jetzt zu tun?«, fragte Judith schroffer als beabsichtigt.

Hadwigs Augen weiteten sich angstvoll. »Wir können das Kind nicht mit nach Hause nehmen, ehrwürdige Mutter. Unser Vater würde uns …« Sie sprach es nicht aus, sondern schmiegte ihr Gesicht an die schweißnasse Wange der jüngeren Schwester, die, wie um der Welt zu entfliehen, ihre Augen fest verschlossen hielt.

»Und da seid ihr zu mir gekommen!«

»Was sollten wir denn tun, ehrwürdige Mutter?« Hadwigs Stimme war ein einziges Flehen. »Wir wussten einfach nicht wohin …«

»Schon gut.« Judith betrachtete nachdenklich den Winzling in ihren Armen. »Ich werde dafür sorgen, dass es dem Kind gut geht.« Hadwigs Augen leuchteten dankbar. Bestimmt lagen ihr unzählige Fragen auf der Zunge, aber sie wusste wohl, dass es nicht angebracht war, sie zu stellen. Die Eremitin hatte versprochen, sich um das Neugeborene zu kümmern, alles Weitere war momentan nicht von Wichtigkeit.

Hiltrud erwachte aus ihrem Schlummer. »Ich will heim«, wisperte sie.

»Du bleibst noch eine Weile liegen und ruhst dich aus«, bestimmte Judith. »Wenn das Gewitter vorübergezogen ist, könnt ihr gehen. Auch künftig werden ihr kein Wort über das Kind verlieren! Niemand darf davon erfahren! Habt ihr das verstanden?«

Hadwig nickte eifrig. »Wir versprechen es, ehrwürdige Mutter!« Später, nachdem die Mädchen gegangen waren, nahm Judith den toten Säugling des Pippin aus dem Bündel. »Armes Menschenkind«, flüsterte sie und formte mit dem Daumen ein Kreuz auf sein

Köpfchen. »Gleichwohl, der Herr hat sich etwas dabei gedacht.« Auch Elend hatte seinen göttlichen Sinn. Nichts geschah zufällig.

3. Kapitel

Der Tag danach ...

Erst am späten Abend, kurz vor Sonnenuntergang, erschien Pippin vor der Klause der Eremitin, wie sie es ihm befohlen hatte. Judith saß auf ihrer Steinbank neben der Eingangspforte. Pippin machte keinen Hehl daraus, dass er nur widerwillig ihrer Forderung nachkam. Breitbeinig baute er sich vor ihr auf. »Ich hätte Besseres zu tun, als abends durch den Wald zu streifen«, schnarrte er. Von seinem schlechten Gewissen war nichts mehr geblieben. Judith beschloss, ihm seine Sünde wieder eindringlich ins Gedächtnis zu rufen.

»Und was wäre das wohl, Pippin? Säuglinge um ihr junges Leben zu bringen?«

Immerhin gab er sich darauf etwas schuldbewusster. »Ich hab dir doch gesagt, es war nicht meine Absicht, sie umzubringen. Gott verzeiht alle Sünden, sagen die Pfaffen.«

»Wenn das so ist, warum bist du mit deiner toten Tochter zu mir gekommen?«

»Weil man sagt, dass deine Gebete wirksam sind. Hast du für mich gebetet? Wird der Herrgott mir vergeben?«

Sie ließ sich Zeit mit ihrer Antwort und starrte ihm so eindringlich in die Augen, dass Pippin den Blick vor ihr senkte.

»Gestern habe ich den Herrgott gerufen«, erklärte sie ungerührt.

»Ich habe ihn gebeten, gnädig mit dir zu sein.«

»Hat Er dir geantwortet?« Er traute sich wieder, in ihr maskenstarres Antlitz zu schauen.

»Ja, Pippin. Er gab mir Antwort.«

»Was hat er gesagt?« Er platzte beinahe, aber was blieb ihm übrig, als die Beherrschung zu wahren?

»Es ist ja nicht nur so, dass du getötet hättest, Pippin. Du hast es zudem im Jähzorn getan. Auch Jähzorn ist eine Todsünde.«

»Soll das heißen, dass diese Sünde mir nicht vergeben werden kann?«

»Der Herr wies mir einen Weg«, verkündete sie, und Pippin hob erwartungsvoll die Brauen. »Ich habe die ganze Nacht gebetet. Für dich, Pippin. Und für deine tote Tochter. Der Herr versprach mir, ein Wunder geschehen zu lassen, sofern du bereuen würdest. Ich sagte zu Ihm: ‚Herr, wie kann ich wissen, ob er seine Tat wirklich bereut?‘«

»Natürlich bereue ich«, sagte Pippin hastig, »warum hast du das in Frage gestellt?«

»Ich sagte zum Herrn, dass ich meine Hand nicht für dich ins Feuer legen könne. Aber ich bat Ihn, es darauf ankommen zu lassen, denn selbst der ärgste Sünder hat ein Anrecht auf Gnade sofern er die Sünden nicht noch einmal begeht.«

»Und welches Wunder will Er bewirken?«

»Er versprach, dein Kind wieder lebendig zu machen.«

Pippin schluckte schwer. »Frau, ich warne dich: Treib keinen Spott mit mir.«

Judith blieb unbeeindruckt. »Schon wieder willst du drohen? Ha, ich wusste es doch. Ein Kerl wie du wird in tausend Jahren nicht geläutert.«

Abwehrend hob er eine Hand. »So warte doch. Ich will dir nicht drohen. Aber einen Toten zum Leben erwecken? Das gibt es doch nur in der Bibel, oder?«

»Wenn du mich eine Lügnerin schimpfst, dann verschwinde. Ach, hätte ich meine Gebete doch bloß für Andere gesprochen. Was für eine sinnlose Zeitverschwendung.«

»So beruhige dich doch. Ich glaube dir ja. Nur muss ich das Wunder auch sehen können.«

»Vor allem musst du bereuen!«

»Ich bereue! Das sagte ich bereits. So glaub mir doch endlich.« Sie sah ihn lange an, als zweifelte sie immer noch an seiner Bereitschaft zur Sühne. Pippin trat von einem Fuß auf den anderen, schwieg aber, da er sein Seelenheil nicht weiter aufs Spiel setzen wollte. In den Baumkronen ringsumher ließen Vögel ihren Abendgesang vernehmen. In der Ferne zeterte ein Eichelhäher. Und aus dem Inneren der Klause war mit einem Mal das Wimmern eines Säuglings zu hören.

»Was ist das?«, fragte Pippin mit bebenden Lippen.

Judith ließ den Bauern nicht aus den Augen. »Deine Tochter. Ich sagte doch, dass ich den Herrn um ein Wunder bat.«

»Sie lebt?«

»Der Herr hat sie auferweckt, damit du fortan ein besserer Mensch werden kannst. Denn ein Mörder hätte es schwer, ins Himmelreich zu gelangen.«

»Ich will sie sehen!«

Mit dem Kinn wies sie zur Eingangspforte. Pippin zögerte kurz, dann ging er hinein. Judith folgte ihm nicht. Obwohl die Angelegenheit weiß Gott nicht belustigend war, hoben sich ihre Mundwinkel zu einem Lächeln. Pippin, so viel stand fest, würde den Schwindel nicht bemerken. Für ihn sah ein Säugling wie der andere aus.

Nach einer Weile trat er wieder nach draußen, in seinen Armen das wimmernde Kind.

»Sie braucht die Milch ihrer Mutter«, sagte Judith.

»Sie lebt«, murmelte er verblüfft und offenbar erleichtert, doch kein Meuchler zu sein.

Das Kind begann zu schreien. Auf Pippins Stirn erschien eine steile Falte. Judith hatte sich vorgenommen, ihm eine letzte, wirkungsvolle Mahnung mit auf den Weg zu geben, und baute sich vor ihm auf. Da sie groß gewachsen war, musste sie nicht zu ihm hochschauen. Sie roch seinen sauren Atem, fast berührten seine Bartstoppeln ihr Gesicht. Ihr selbstsicheres Auftreten verwirrte den Bauern, aber angesichts des Wunders, das er erlebte, schwieg er. Unter seinem rechten Auge zuckte ein Muskel.

»Nie wieder wirst du deine Hand gegen das Kind erheben, Pippin. Nie wieder, hast du das verstanden?« Judiths Stimme war nur ein Flüstern, aber die Drohung darin unmissverständlich, ihr Blick kalt wie eine Winternacht. »Auch wirst du künftig dein Weib nie wieder prügeln. Tust du es dennoch, wirst du dereinst in den ewigen Feuern der Hölle schmoren!«

Pippin nickte knapp, wollte sich eiligst mit dem Säugling davonmachen, aber sie packte ihn grob am Arm und hielt ihn fest.

»Nimm dir meine Worte zu Herzen, denn ich habe sie vom Herrn empfangen. Nicht ich drohe dir mit fürchterlichen Höllenstrafen, sondern Gott. Weißt du, welche Qualen die Sünder in der Hölle erleiden? Unauslöschliches Feuer umfängt die Verdammten, grässliche Teufel quälen sie immerfort mit glühenden Zangen. Doch Erlösung gibt es nicht, denn die Verdammung gilt für die Ewigkeit. Die Hölle ist endlose Pein und immerwährende Qual. All das wird dir widerfahren, du wirst heulen und mit den Zähnen knirschen. Zügle also deinen Jähzorn!«

»Ich werde tun, was du forderst«, beteuerte Pippin mit heiserer Stimme, »aber jetzt lass mich um Himmels Willen gehen, es wird immer dunkler.«

»Nicht vor der Nacht musst du dich fürchten, Pippin.«

Er wollte sich von ihr losreißen, aber Judith war noch nicht willens, ihn ziehen zu lassen. »Noch etwas lässt der Herrgott dir ausrichten: Bete jeden Tag, damit deine Schuld dir vergeben wird. Nicht allein deine Taten zählen, die Reue muss aus deinem Herzen kommen. Das Himmelreich musst du dir verdienen.« Sie blickte auf das Kind in seinen Armen. Inzwischen hatte es aufgehört zu weinen, als wollte es Judiths Worten lauschen. »Welchen Namen trägt das Mädchen?«, fragte Judith.

»Noch keinen«, antwortete Pippin. »Sie war noch nicht getauft, als …« Er nagte an seiner Unterlippe.

»Als du sie zu Tode prügeltest«, vollendete Judith an seiner Stelle. »Nun denn, Gott war einstweilen gnädig mit dir. Also sei klug und befolge fromm seine Weisung, damit du gerettet wirst. Das Mädchen lass auf den Namen Richarda taufen.« Sie ließ ihn los.

Pippin machte sich davon, als seien sieben Teufel hinter ihm her. Judith sah ihm nach, bis die Abenddämmerung ihn verschluckt hatte. Schon vermisste sie den Säugling mit den blauen, gewinnenden Äuglein, obwohl er ihre Aufmerksamkeit nur einen Tag und eine Nacht lang in Beschlag genommen hatte.

Rothaid, Pippins Weib, würde die Täuschung rasch bemerken. Aber, davon war Judith fest überzeugt, sie würde schweigen. Denn Schweigen war der einzige Schutz, den Rothaid besaß. Richarda würde sie über den Verlust des eigenen Kindes hinwegtrösten.

Richarda!

In der vergangenen Nacht hatte Judith einen merkwürdigen Traum gehabt. Neben ihrer Bettstatt hatte plötzlich eine geheimnisvolle Frau in einem kostbaren, aber fremd anmutenden Gewand gestanden. Gewänder dieser Art hatte Judith bislang nur an Reliefgestalten gesehen. Hin und wieder stieß man in der Gegend auf Steinplatten mit solcherlei Bildnissen, alt und verwittert zwar, aber manchmal noch gut zu erkennen. Vermutlich hatten sie einst heidnische Sarkophage geschmückt.

»Wer bist du?«, fragte Judith schlaftrunken.

»Ich bin Ricarda«, lautete die Antwort der Gestalt. »Einst war ich eine Herrscherin und lebte hier. Aber das war vor langer Zeit.«

»Ich habe nie von dir gehört, hohe Frau«, entgegnete Judith.

»Wie solltest du auch? Mein Reich bestand nur sieben Jahre. Dann kamen Feinde und zerstörten es. Kaum jemand überlebte.«

»Für deine Seele will ich beten.«

Die Erscheinung namens Ricarda deutete auf den schlafenden Säugling. »Das Mädchen sorg dafür, dass es meinen Namen erhält. Es soll fortführen, was mir misslang, weil ich Götzen anbetete.«

»Eine Herrscherin soll sie sein? Aber sie ist das Kind von Bauern.«

»Sorg dafür!«, beharrte die Frau, »mein Blut fließt in ihr. Das Blut einer Königin.«

Dann löste sie sich buchstäblich in Luft auf.