Robert H. Frank

Ohne Glück kein Erfolg

Der Zufall und der Mythos der Leistungsgesellschaft

Aus dem Englischen von Katrin Harlaß

dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München

Über Robert H. Frank

Robert H. Frank ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Cornell University in Ithaca, New York. Er veröffentlicht Bücher und schreibt Wirtschaftskolumnen für die ›New York Times‹.

Über das Buch

Wollen Sie wissen, in welchem Monat die meisten CEOs geboren wurden, und in welchen nicht? Wann die Hockeystars geboren werden? Wer in Experimenten den überzähligen Keks bekommt, und warum? Wie Al Pacino die Rolle in ›Der Pate‹ bekam?

 

Menschen, die Erfolg haben, sind oft talentiert und haben hart gearbeitet. Aber es gibt ebenso viele Menschen mit den gleichen Fähigkeiten, die etwas leisten und keinen Erfolg haben. Der Autor belegt anhand zahlreicher Studien, prominenter Beispiele und persönlicher Beobachtungen: Erfolg basiert vorrangig auf den Lebensumständen, ist also dem Glück zu verdanken.

 

Bill Gates ging auf eine Schule, die ihren Schülern unbeschränkten Zugang zu einem der ersten Time-Sharing-Terminals für Computer bot. Als er später einmal gefragt wurde, wie viele andere Teenager seines Alters eine solche Möglichkeit gehabt hätten, meinte er: »Wenn es weltweit 50 waren, würde mich das sehr wundern. Ich hatte als Jugendlicher einen besseren Zugang zur Softwareentwicklung als wohl jeder andere zu dieser Zeit.«

 

Den Zufall kann man nicht beeinflussen, die Lebensumstände verbessern schon. Eine Gesellschaft ist nur dann erfolgreich, wenn viele an ihrem Erfolg teilhaben. Dafür zu sorgen ist die Aufgabe aller, die am Gemeinwohl interessiert sind.

Impressum

SUCCESS AND LUCK

Copyright © 2016, Robert H. Frank

All rights reserved

Titel der amerikanischen Originalausgabe:

›Success and Luck. Good Fortune and the Myth of Meritocracy‹

Erschienen bei Princeton University Press 2016

© der deutschsprachigen Ausgabe:

2018 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München

›Fünfter Philosophensong‹ von Aldous Huxley:

deutsche Übersetzung von Werner von Koppenfels, in: ›Englische und amerikanische Dichtung. Band 3: Von R. Browning bis Heaney‹, hrsg. von Meller und Reichert, C.H. Beck 2000

Umschlaggestaltung: Katharina Netolitzky/dtv

 

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlags zulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

 

eBook-Herstellung im Verlag (01)

 

eBook ISBN 978-3-423-43293-1 (epub)

ISBN der gedruckten Ausgabe 978-3-423-28147-8

 

Ausführliche Informationen über unsere Autoren und Bücher finden Sie auf unserer Website www.dtv.de/ebooks

ISBN (epub) 9783423432931

Endnoten

[1]

Michael Young, Es lebe die Ungleichheit: Auf dem Wege zur Meritokratie, aus dem Engl. von Hans Theo Asbeck, Düsseldorf, Econ-Verlag 1961.

[2]

Michael Young, »Down with Meritocracy«, Guardian, 28. Juni 2001, http://www.theguardian.com/politics/2001/jun/29/comment.

[3]

Michael Lewis, »Don’t Eat Fortune’s Cookie«, Princeton University Press 2012 Baccalaureate Remarks, http://www.princeton.edu/main/news/ archive/S33/87/54K53/.

[4]

Nicholas Kristof, »Is a Hard Life Inherited?«, New York Times, 9. August 2014, http://www.nytimes.com/2014/08/10/opinion/sunday/nicholas-kristof-is-a-hard-life-inherited.html?_r=0.

[5]

Nicholas Kristof, »U.S.A., Land of Limitations?«, New York Times, 8. August 2015, http://www.nytimes.com/2015/08/09/opinion/sunday/nicholas-kristof-usa-land-of-limitations.html.

[6]

Das Experiment war Teil fortlaufender Forschungsarbeiten zur Untersuchung der Beziehung zwischen gesellschaftlichem Status und Moral. Siehe Paul K. Piff, Daniel M. Stancato, Stephane Cote, Rodolfo Mendoza-Denton und Dacher Keltner, »Higher Social Class Predicts Increased Unethical Behavior«, in: Proceedings of the National Academy of Sciences 109.11 (2013): S. 408691, http://www.pnas.org/content/109/11/4086.full.

[7]

Robert H. Frank, »Before Tea, Thank Your Lucky Stars«, New York Times, 26. April 2009, http://www.nytimes.com/2009/04/26/business/economy/26view.html?_r=0.

[8]

Fox Business News, »Luck Is the Real Key to Success?«, 7. Mai 2011, http://video.foxbusiness.com/v/3887675/luck-is-the-real-key-to-success/#sp=show-clips.

[9]

Terry Gross, »Fresh Air Remembers the Crime Novelist Elmore Leonard«, National Public Radio, 23. August 2013, http://www.npr.org/ player/v2/ mediaPlayer.html?action=1&t=1&islist=false&id=214831379 &m=214836712.

[10]

Branko Milanovic, »Global Inequality of Opportunity: How Much of Our Income Is Determined by Where We Live?«, in: Review of Economics and Statistics 97.2 (Mai 2015), S. 45260.

[11]

Vgl. z.B. Gary Marcus, »Mice, Men, and Fate«, New Yorker, 13. Mai 2013, http://www.newyorker.com/online/blogs/elements/2013/05/of-mice-and-men.html.

[12]

Alan Krueger, »The Rise and Consequences of Income Inequality in the United States«, Manuskript für einen Vortrag im Center for American Progress, 12. Januar 2012, https://milescorak.files.wordpress.com/2012/ 01/34af5d01.pdf.

[13]

Robert H. Frank und Philip J. Cook, The Winner-Take-All Society, Free Press, New York 1995.

[14]

Elizabeth Warren, Wahlkampfrede 2012 zur Schuldenkrise und zu fairer Besteuerung, http://elizabethwarrenwiki.org/factory-owner-speech/.

[15]

Vgl. Lant Pritchett, Let Their People Come: Breaking the Gridlock on Global Labor Mobility, Cambridge, MA: Center for Global Development, 2006.

[16]

Market Watch, »The Knot, the #1 Wedding Site, Releases 2014 Real Weddings Study Statistics«, 12. März 2015, http://www.marketwatch.com/ story/the-knot-the-1-wedding-site-releases-2014-real-weddings-study-statistics-2015-03-12.

[17]

Andrew M. Francis und Hugo M. Mialon, »A Diamond Is Forever and Other Fairy Tales: The relationship between Wedding Expenses and Marriage Duration«, Social Science Research Network, http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2501480.

[18]

»Share Your DMV Horror Stories«, http://www.early-retirement.org/ forums/ f27/share-your-dmv-horror-stories-273242.html.

[19]

Paul Lazarsfeld, »The American Soldier. An Expository Review«, in: Public Opinion Quarterly 13.3 (1949), S. 377404.

[20]

Duncan Watts, Everything is obvious (once you know the answer). How common sense fails us, Crown Business, New York 2011.

[21]

Siehe Ian Leslie, »Why the Mona Lisa Stands Out«, in: Intelligent Life, Mai/Juni 2014. http://moreintelligentlife.com/content/ideas/ian-leslie/ overexposed-works-art.

[22]

Watts, Alles ist offensichtlich (sobald man die Antwort kennt). Wie uns der gesunde Menschenverstand täuscht, Huber, Bern 2013, S.69.

[23]

Siehe Loren Kantor, »Casting Michael Corleone«, Splice Today, 1. April 2013, http://splicetoday.com/moving-pictures/casting-michael-corleone.

[24]

Hollywood Reporter, »Breaking Bad. Two Surprising Actors Who Could Have Taken Bryan Cranston’s Role«, 16. Juli 2012, http://www.hollywoodreporter.com/news/Breaking-bad-bryan-cranston-walter-white-amc-349840.

[25]

Robert K. Merton, »The Matthew Effect in Science«, in: Science 159.3810 (1968), S. 5663.

[26]

Ich war enttäuscht, wenn auch nicht überrascht, als Ned uns schon im darauffolgenden Jahr wieder verließ und an die University of Michigan ging. Danach bekleidete er diverse hochrangige Funktionen in der Washingtoner Politik. Als Mitglied des Direktoriums der US-Notenbank ist er vor allem wegen einer Aktennotiz von 2002 bekannt, in der er Notenbankchef Alan Greenspan mit scharfen Worten dazu aufforderte, etwas gegen die um sich greifende Immobilienblase zu unternehmen.

[27]

Eine umfassende Darstellung des Music-Lab-Experiments findet sich in Watts’ Alles ist offensichtlich.

[28]

Brett Martin, »Vince Gilligan. Kingpin of the Year 2013«, in: GQ, 13. November 2013, http://www.gq.com/story/vince-gilligan-men-of-the-year-kingpin

[29]

Malcom Gladwell, Outliers. The Story of Success, Little Brown and Company, New York 2008. Dt. Ausgabe: Überflieger Warum manche Menschen erfolgreich sind und andere nicht, aus dem Engl. von Jürgen Neubauer, Campus, Frankfurt a. M. 2009.

[30]

So zitiert von Gladwell in Outliers, S. 54f.

[31]

Leonard Mlodinow, Wenn Gott würfelt oder Wie der Zufall unser Leben bestimmt, aus dem Engl. von Monika Niehaus, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt-Taschenbuch-Verlag 2011, Kap. 10.

[32]

Gavin Weightman, The Frozen Water Trade, Harper Collins, New York 2003 (Hyperion 1764).

[33]

Gladwell, Outliers, Kap. 1.

[34]

Einige Autoren haben behauptet, Spieler, die Anfang des Jahres geboren seien, verdankten ihren Erfolg weniger der Tatsache, dass sie wirklich besser seien als vielmehr der Tatsache, dass sie von den Teams in der NHL als besser wahrgenommen würden. Siehe zum Beispiel Robert O. Deaner, Aaron Lowen und Stephen Cobley, »Born at the Wrong Time. Selection Bias in the NHL Draft«, PLOS One, 27. Februar 2013, http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0057753. Doch selbst, wenn das zutreffen sollte, gilt nach wie vor Gladwells Behauptung, dass ein aufsteigender Hockey-Star von Glück sagen kann, wenn er Anfang des Jahres geboren ist.

[35]

Elizabeth Dhuey und Stephen Lipscomb, »What Makes a Leader? Relative Age and High School Leadership«, in: Economics of Education Review 27 (2008), S. 173183.

[36]

Peter Kuhn und Catherine Weinberger, »Leadership Skills and Wages«, in: Journal of Labor Economics 23.3 (Juli 2005), S. 395436.

[37]

Qianqian Du, Huasheng Gaob und Maurice D. Levi, »The Relative-Age Effect and Career Success. Evidence from Corporate CEOs«, in: Economics Letters 117 (2012), S. 660662.

[38]

Liran Einav und Leeat Yariv, »What’s in a Surname? The Effects of Surname Initials on Academic Success«, in: Journal of Economic Perspectives 20.1 (2006), S. 175188.

[39]

Robert H. Frank und Philip J. Cook, The Winner-Take-All-Society, Free Press, New York 1995.

[40]

Sherwin Rosen, »The Economics of Superstars«, in: American Economic Review 71 (Dezember 1981): S. 845858; Zitat auf S. 845.

[41]

Chris Anderson, The Long Tail: Nischenprodukte statt Massenmarkt. Das Geschäft der Zukunft, aus dem Englischen von Michael Bayer und Heike Schlatterer, dtv, München 2009.

[42]

Anita Elberse, Blockbusters: Hit-Making, Risk-Taking, and the Big Business of Entertainment, Henry Holt, New York 2013.

[43]

Barry Schwartz, Anleitung zur Unzufriedenheit. Warum weniger glücklicher macht. Aus dem Engl. von Hainer Kober, Ullstein, Berlin 2006.

[44]

Die von den Verfechtern der Long-Tail-Theorie beschriebenen technologischen Veränderungen ermöglichen Ihnen eine informierte Beurteilung meiner Parteilichkeit. Hier können Sie sich einige der Musikvideos von »The Nepotist« ansehen: http://thenepotist.com/videos/.

[45]

Xavier Gabaix und Augustin Landier, »Why Has CEO Pay Increased So Much?«, in: Quarterly Journal of Economics 123.1 (2008): S. 49100.

[46]

Adam Smith, Der Wohlstand der Nationen, Buch 1, Kapitel 10.

[47]

The Conference Board, »Departing CEO Age and Tenure,« 13. Juni 2014,https://www.conference-board.org/retrievefile.cfm?filename=TCB-CW-019.pdf&type=subsite.

[48]

Thomas Piketty, Das Kapital im 21. Jahrhundert, aus dem Französischen von Ilse Utz und Stefan Lorenzer, C.H.Beck, München 2016.

[49]

High School Baseball Web, »Inside the Numbers«, http://www.hsbaseballweb.com/inside_the_numbers.htm.

[50]

Siehe Wikipedia, Liste der Leichtathletik-Weltrekorde, Männer, https://de.wikipedia.org/wiki/Leichtathletik-Weltrekorde und http://en.wikipedia.org/ wiki/Athletics_record_progressions

[51]

Da die Wahrscheinlichkeit, dass Kopf oben liegt, bei jedem Wurf 1/2 beträgt, liegt die Wahrscheinlichkeit, zwanzig Mal hintereinander Kopf zu werfen, bei (1/2)20, mithin bei 0,0000095367.

[52]

Carl Sagan, Aufbruch in den Kosmos, aus dem Amerikanischen von Birgit Ress-Bohusch, Heyne, München 1983.

[53]

Chris McKittrick, »Bryan Cranston: ›Without Luck You Will Not Have a Successful Career‹«, Daily Actor, 31. Oktober 2012, http://www.dailyactor.com/tv/bryan-cranston-acting-luck/.

[54]

Michael Mauboussin, The Success Equation, Cambridge, MA: Harvard Business Review Press, 2012.

[55]

Ein Großteil dieser Forschungen ist auf elegante Weise zusammengefasst in Daniel Kahneman, Schnelles Denken, langsames Denken, übersetzt von Thorsten Schmidt, München: Penguin 2016. Ein außerordentlich gut lesbarer Abriss darüber, wie diese Arbeiten für Wirtschaftswissenschaftler interessant wurden, findet sich in Richard H. Thaler, Misbehaving, W.W. Norton, New York 2015.

[56]

P. Cross, »Not Can but Will College Teachers Be Improved?«, in: New Directions for Higher Education 17 (1977): S. 115.

[57]

Ezra W. Zuckerman und John T. Jost, »What Makes You Think You’re So Popular? Self Evaluation Maintenance and the Subjective Side of the ›Friendship Paradox‹«, in: Social Psychology Quarterly 64.3 (2001): S. 207223.

[58]

College Board, Student Descriptive Questionnaire, Princeton, NJ: Educational Testing Service, 197677.

[59]

Richard Lustig, Learn How to Increase Your Chances of Winning the Lottery, Authorhouse, Bloomington 2010.

[60]

Charles T. Clotfelter und Philip J. Cook, »Lotteries in the Real World«, in: Journal of Risk and Uncertainty 4 (1991), S. 227232.

[61]

Nassim Nicholas Taleb, Narren des Zufalls. Die unterschätzte Rolle des Zufalls in unserem Leben. Aus dem Engl. von Patricia Künzel, btb, München 2013.

[62]

L.B. Alloy und L.Y. Abramson, »Judgment of Contingency in Depressed and Nondepressed Students: Sadder but Wiser?«, in: Journal of Experimental Psychology: General 108 (1979): S. 441485.

[63]

A.T. Beck, Depression: Clinical, Experimental, and Theoretical Aspects, Harper and Row, New York 1967.

[64]

L.B. Alloy und L.Y. Abramson, »Depressive Realism: Four Theoretical Perspectives«, in: L.B. Alloy (Hrg.), Cognitive Processes in Depression, Guilford, New York 1988, S. 22365.

[65]

Die Unterschätzung des Aufwands, den der Job mit sich bringt, ist natürlich äquivalent zur Überschätzung seiner Vorteile.

[66]

Für eine umfassende Diskussion dieser Neigung siehe George Ainslie, Picoeconomics, Cambridge University Press, Cambridge 2001.

[67]

Roy F. Baumeister und John Tierney, Die Macht der Disziplin: Wie wir unseren Willen trainieren können. Aus dem Engl. von Jürgen Neubauer, Goldmann, München 2014.

[68]

Roy Baumeister, zitiert von Kirsten Weir, »The Power of Self-Control«, in: Monitor on Psychology 43.1 (Januar 2012), S. 36.

[69]

K. Anders Ericsson, Ralf Krampe und Clemens Tesch-Romer, »The Role of Deliberate Practice in the Acquisition of Expert Performance«, in: Psychological Review 100.3 (1993), S. 363406.

[70]

Die Attributionstheorien in der Psychologie versuchen zu erklären, wie Menschen mit Hilfe von Informationen zur kausalen Erklärung von Ereignissen gelangen.

[71]

Bernard Weiner, Achievement Motivation and Attribution Theory, General Learning Press, Morristown 1974.

[72]

Daniel H. Robinson, Janna Siegel und Michael Shaughnessy, »An Interview with Bernard Weiner«, in: Educational Psychology Review (Juni 1996), S. 16574.

[73]

Jasmine M. Carey und Delroy Paulhus, »Worldview Implications of Believing in Free Will and/or Determinism: Politics, Morality, and Punitiveness«, in: Journal of Personality and Social Psychology 81.2 (April 2013), S. 130141.

[74]

R.F. Baumeister, E.A. Sparks, T.F. Stillman und K.D. Vohs, »Free Will in Consumer Behavior: Self-Control, Ego Depletion, and Choice«, in: Journal of Consumer Psychology 18 (2008), S. 413.

[75]

Thomas Gilovich, »Two Enemies of Gratitude«, Präsentation auf dem Greater Good Gratitude Summit, 7. Juni 2014, https://www.youtube.com/watch?v=eLnAbkdXgCo.

[76]

Ebd.

[77]

Thomas Gilovich und Shai Davidai, unveröffentlichtes Manuskript, 2015.

[78]

Ein ausgezeichneter Überblick darüber, wie Ansichten zum glücklichen Zufall über das politische Spektrum hinweg differieren, findet sich in Dean M. Gromet, Kimberly A. Hartson und David K. Sherman, »The Politics of Luck: Political Ideology and the Perceived Relationship between Luck and Success«, in: Journal of Experimental Social Psychology 59 (2015), S. 4046.

[79]

American Society of Civil Engineers, Report Card for America’s Infrastructure, 2013, http://www.infrastructurereportcard.org.

[80]

Donna M. Desrochers und Steven Hurlburt, »Trends in College Spending: 20012011; A Delta Data Update«, Delta Cost Project: American Institutes for Research, 2014, www.deltacostproject.org/sites/default/ files/products/Delta%20Cost_Trends%20College%20Spending%2020012011_071414_rev.pdf.

[81]

Robert Hiltonsmith, »Pulling Up the Higher-Ed Ladder: Myth and Reality in the Crisis of College Affordability«, www.demos.org/publication/pulling-higher-ed-ladder-myth-and-reality-crisis-college-affordability.

[82]

Phil Izzo, »Congratulations to Class of 2014, Most Indebted Ever«, Wall Street Journal, 16. Mai 2014, http://blogs.wsj.com/numbers/congatulations-to-class-of-2014-the-most-indebted-ever-1368/.

[83]

Bruce Bartlett, »Are the Bush Tax Cuts the Root of Our Fiscal Problem?«, New York Times, 26. Juli 2011, http://economix.blogs.nytimes.com/2011/ 07/26/are-the-bush-tax-cuts-the-root-of-our-fiscal-problem/.

[84]

Chunliang Feng, Yi Luo, Ruolei Gu, Lucas S. Broster, Xueyi Shen, Tengxiang Tian, Yue-Jia Luo, Frank Krueger, »The Flexible Fairness: Equality, Earned Entitlement, and Self-Interest«, PLOS ONE 8.9 (September 2013), http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371 %2Fjournal.pone.0073106.

[85]

Mechanical Turk, https://www.mturk.com/mturk/welcome.

[86]

John Locke, Zweite Abhandlung über die Regierung, 1689, Kap. 5, § 27, http://www.joachimschmid.ch/docs/PAzLockeJohZAbhaReg.pdf.

[87]

Daniel Kahneman, Jack L. Knetsch und Richard H. Thaler, »Anomalies: The Endowment Effect, Loss Aversion, and Status Quo Bias«, in: Journal of Economic Perspectives 5.1 (1991), S. 193206.

[88]

Liam Murphy und Thomas Nagel, The Myth of Ownership, Oxford University Press, New York 2001.

[89]

David DeSteno, Monica Y. Bartlett, Jolie Baumann, Lisa A. Williams und Leah Dickens, »Gratitude as Moral Sentiment: Emotion-Guided Cooperation in Economic Exchange«, in: Emotion 10.2 (2010), S. 28993.

[90]

Monica Bartlett und David DeSteno, »Gratitude and Prosocial Behavior: Helping When It Costs You«, in: Psychological Science 17.4 (April 2006), S. 31925.

[91]

Mamie Dickens, My Father as I Recall Him, Westminster, England: Roxburghe, 1897, S. 45.//Sulzbach/Saar, Charles-Dickens-Gesellschaft Deutschland, 2011, nicht auf Dt.

[92]

Robert A. Emmons und Michael E. McCullough, »Counting Blessings versus Burdens: An Experimental Investigation of Gratitude and Subjective Well-Being in Daily Life«, in: Journal of Personality and Social Psychology 84.2 (2003), S. 37789.

[93]

Martin E.P. Seligman, Tracy A. Steen, Nansook Park und Christopher Peterson, »Positive Psychology Progress: Empirical Validation of Interventions«, http://www.ppc.sas.upenn.edu/articleseligman.pdf.

[94]

Nancy Digdon und Amy Koble, »Effects of Constructive Worry, Imagery Distraction, and Gratitude Interventions on Sleep Quality: A Pilot Trial«, in: Applied Psychology: Health and Well-Being 3.2 (Juli 2011), S. 193206.

[95]

C. Nathan DeWall, Nathaniel M. Lambert, Richard S. Pond Jr., Todd B.  Kashdan, Frank D. Fincham, »A Grateful Heart Is a Nonviolent Heart: Cross-Sectional, Experience Sampling, Longitudinal, and Experimental Evidence«, in: Social Psychological and Personality Science 3.2 (März 2012), S. 23240.

[96]

Cityfile, »Steve Schwarzman’s $ 3 Mil. Birthday Bash: Any Regrets?«, Gawker, 30. Oktober 2008, http://gawker.com/502741/steve-schwarzmans-3-mil-birthday-bash-any-regrets.

[97]

James Surowiecki, »Moaning Moguls«, New Yorker, 7. Juli 2014, http://www.newyorker.com/talk/financial/2014/07/07/140707ta_talk_surowiecki.

[98]

Slate, http://www.slate.com/articles/business/it_seems_to_me/1997/ 05/ herb_steins_unfamiliar_quotations.single.html.

[99]

Scott Clemens und Robert Barnes, »Support for Same-Sex Marriage at an All-Time High«, Washington Post, 23. April 2015, https://www.washingtonpost.com/politics/courts_law/poll-gay-marriage-support-at-record-high/2015/04/22/f6548332-e92a-11e4-aae1-d642717d8afa_story.html.

[100]

William Yardley, »Gustavo Archilla, an Inspiration for Gay Marriage, Dies at 96«, New York Times, 15. Dezember 2012, http://www.nytimes.com/2012/12/16/nyregion/gustavo-archilla-whose-wedding-inspired-gay-marriage-advocates-dies-at-96.html?_r=0.

[101]

Zur Volatilität gesellschaftlicher Glaubenssysteme siehe Timur Kuran, Leben in Lüge: Präferenzverfälschungen und ihre gesellschaftlichen Folgen. Übers. von Ekkehard Schöller, Mohr Siebeck, Tübingen 1997.

[102]

Market Watch, »The Knot, the #1 Wedding Site, Releases 2014 Real Weddings Study Statistics«, 12. März 2015, http://www.marketwatch.com/ tory/the-knot-the-1-wedding-site-releases-2014-real-weddings-study-statistics-2015-03-12.

[103]

Andrew M. Francis und Hugo M. Mialon, »A Diamond Is Forever and Other Fairy Tales: The Relationship between Wedding Expenses and Marriage Duration«, Social Science Research Network, http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2501480.

[104]

Robert H. Frank, Adam Seth Levine und Oege Dijk, »Expenditure Cascades«, in: Review of Behavioral Economics 1.12 (2014), S. 5573.

[105]

Samuel Bowles und Yongjin Park, »Emulation, Inequality, and Work Hours: Was Thorsten Veblen Right?«, in: Economic Journal 115.507 (2005), F397–F412.

[106]

Robert H. Frank, The Darwin Economy: Liberty, Competition, and the Common Good, Princeton University Press, Princeton NJ 2011.

[107]

John Whitfield, »Libertarians with Antlers: What Robert H. Frank’s The Darwin Economy Gets Wrong about Evolution«, http://www.slate.com/articles/health_and_science/science/2011/09/libertarians_with_ antlers.html.

[108]

Nur, um sicherzugehen: Ein Merkmal kann aus der kollektiven Perspektive der Männchen durchaus unnötig sein, muss jedoch nicht unbedingt dysfunktional für die betreffende Spezies insgesamt sein. Wie Biologen schon seit Langem wissen, gibt es bei Arten, die sich über sexuelle Aktivitäten fortpflanzen, weit mehr Männchen, als gebraucht werden. Wenn also Wapitibullen wegen ihres großen Geweihs für Wölfe leichter zu fangen und zu töten sind, dann stellt dies für das Überleben ihrer Art dennoch keine allzu große Bedrohung dar. Aber darauf wollte ich gar nicht hinaus. Die einzige Behauptung, die ich anhand dieses Beispiels aufstellen wollte, ist die, dass Hirschbullen es vorziehen würden, ein gesegnetes Alter zu erreichen, anstatt vorzeitig getötet und gefressen zu werden.

[109]

Robert H. Frank, »The Frame of Reference as a Public Good, in: Economic Journal 107 (November 1997), S. 183247.

[110]

Milton Friedman, »The Spendings Tax as a Wartime Fiscal Measure«, in: American Economic Review 33.1, Teil 1 (März 1943), S. 5062.

[111]

William Neikirk, »Bipartisan Sponsors Unveil Tax-revamp Plan«, Chicago Tribune, 29. April 1995, http://articles.chicagotribune.com/1995-04-29/ news/9504290130_1_tax-reform-plans-usa-tax-flat-tax.

[112]

Alan D. Viard und Robert Carroll, Progressive Consumption Taxation: The X-Tax Revisited, AEI Press, Washington, DC. 2012.

[113]

Italo Calvino, Herr Palomar, aus dem Ital. von Burkhart Kroeber, Lizenzausgabe des Verlages Volk und Welt, Berlin 1987 (Carl Hanser Verlag München Wien, 1985), S. 17.

[114]

Ebd.

[115]

O.B. Bodvarsson und W.A. Gibson, »Gratuities and Customer Appraisal of Service: Evidence from Minnesota Restaurants«, in: Journal of Socioeconomics 23 (1994), S. 287302.

[116]

Harvey Hornstein, Cruelty and Kindness, Prentice Hall, Englewood Cliffs, NJ 1976.

[117]

Vgl. Robert H. Frank, Passions within Reason: The Strategic Role of the Emotions, W.W. Norton, New York 1988, Kap. 4.

[118]

Robert H. Frank, Thomas Gilovich und Dennis Regan, »The Evolution of One-Shot Cooperation«, in: Ethology and Sociobiology 14 (Juli 1993), S. 24756.

[119]

Adam Smith, Theorie der ethischen Gefühle, auf der Grundlage der Übers. von Walther Eckstein neu hrsg. von Horst D. Brandt, Felix Meiner Verlag, Hamburg 2010, S. 426.

[120]

Adam Satariano, Peter Burrows und Brad Stone, »Scott Forstall, the Sorcerer’s Apprentice at Apple«, Bloomberg Business, 12. Oktober 2011, http://www.bloomberg.com/bw/magazine/scott-forstall-the-sorcerers-apprentice-at-apple-10122011.html.

[121]

Jay Yarrow, »Tim Cook: Why I Fired Scott Forstall«, Business Insider, 6. Dezember 2012, http://www.businessinsider.com/tim-cook-why-i-fired-scott-forstall-201212.

[122]

Robert D. Putnam, Our Kids: The American Dream in Crisis, Simon and Schuster, New York 2015.

[123]

M.A. Fox, B.A. Connolly und T.D. Snyder, »Youth Indicators 2005: Trends in the Well-Being of American Youth«, Washington, D.C., US Department of Education, National Center for Education Statistics, Tabelle 21, http://nces.ed.gov/pubs2005/2005050.pdf.

[124]

Frank, Passions within Reason.

[125]

Mein herzlicher Dank gilt Yuezhou Huo für ihre kompetente Hilfe bei der Durchführung der in diesem Anhang dargestellten Simulationen.

Glück gehört zu den Dingen, die man in Gegenwart von Selfmade-Typen keinesfalls erwähnen darf.

E.B. WhiteWhite, E.B.

Fünfter Philosophen-Song

 

Abermillionen Spermatozoa,

Die alle leben:

Welch eine Sintflut – und nur ein Noah

Darf überleben.

 

Vielleicht steckte in dieser Abermillion

Minus eins ein Shakespeare – warum nicht?

Vielleicht auch ein neuer Newton, ein Donne –

Doch der Eine war ich.

 

Der drängt sich vor, schnappt die Arche, und Schluss –

Die Besseren sind abserviert!

Unerhört! Wärst du dreister Homunkulus

Nicht besser krepiert?

 

–Aldous HuxleyHuxley, Aldous (1920)

VORWORT

Wie wichtig ist es, Glück zu haben? Es gibt nicht viele Fragen, die Konservative und Liberale derart verlässlich voneinander scheiden, wie diese. Erstere führen korrekterweise an, dass Menschen, die große Reichtümer anhäufen, beinahe ausnahmslos extrem talentiert und fleißig sind. Letztere bemerken ebenfalls zu Recht, dass zahllose andere genau dieselben Qualitäten besitzen und trotzdem niemals viel verdienen.

In neuerer Zeit haben Sozialwissenschaftler herausgefunden, dass Zufallsereignisse in den Lebensläufen bedeutender Persönlichkeiten eine weitaus größere Rolle spielen, als sich die meisten Menschen jemals vorgestellt haben. In ›Ohne Glück kein Erfolg‹ wende ich die spannenden und teilweise unerwarteten Konsequenzen dieser Erkenntnisse an, um der Frage nachzugehen, wie die Rolle des glücklichen Zufalls in unserem Leben am besten charakterisiert werden kann.

Mein vorläufiger Untertitel für dieses Buch lautete ursprünglich »A personal perspective«. Ich hatte ihn gewählt, da ich Bedenken hatte, manche Leser könnten Widerspruch anmelden, falls sie nicht ausreichend deutlich darauf hingewiesen würden, dass meine Ausführungen auch zahlreiche Berichte über meine eigenen Erfahrungen mit Zufallsereignissen enthalten. Meine Lektoren in Princeton überzeugten mich jedoch, dass dieser Untertitel irrtümlicherweise suggerieren könnte, es handele sich um eine Autobiografie – was ›Ohne Glück kein Erfolg‹ ausdrücklich nicht ist. Ihre unausgesprochene, zweifellos jedoch berechtigte Sorge war die, dass Autobiografien von Nichtprominenten nur einen eher kleinen Kreis von Leuten interessieren.

Ich vertrete seit Langem die Auffassung, dass die Marktsysteme der meisten entwickelten Volkswirtschaften inzwischen meritokratischer sind als jemals zuvor in der menschlichen Geschichte. Daher zögerte ich zunächst, die von Princeton vorgeschlagene Alternative anzunehmen, die da lautete »Der Zufall und der Mythos der Leistungsgesellschaft«. Die Reaktion eines langjährigen Kollegen bestätigte meine Bedenken. Als ich ihm den Dummy für den Buchumschlag zeigte, lautete seine erste Frage: »Wieso sollte denn ein Unternehmen NICHT die am besten qualifizierten Bewerber einstellen?« Ich versicherte ihm, VetternwirtschaftVetternwirtschaft ebenso heftig abzulehnen wie er.

Selbstverständlich könnte in der Praxis kein System jemals perfekt meritokratisch sein. Doch meine letztliche Entscheidung, es bei »Der Zufall und der Mythos der Leistungsgesellschaft« zu belassen, hatte nicht viel zu tun mit der Sorge wegen etwaiger Überbleibsel von VetternwirtschaftVetternwirtschaft und Klassenprivilegien. Vielmehr traf ich sie, weil ich davon überzeugt bin, dass die Rhetorik der Meritokratie enormen Schaden angerichtet hat.

Den Begriff selbst prägte 1958 der britische Soziologe (und spätere Lord) Michael YoungYoung, Michael in einer bissigen Satire auf das britische Bildungssystem. In ›Es lebe die Ungleichheit: Auf dem Wege zur Meritokratie‹ argumentierte er, dass es unterm Strich die Lage eigentlich nur verschlimmert, wenn erfolgreiche Leute dazu ermutigt werden, ihren Erfolg in selbstherrlicher Weise ausschließlich ihren eigenen Anstrengungen und Fähigkeiten zuzuschreiben.[1] In einer Kolumne von 2001, in der er sich auf das Buch bezieht, stellt er fest, dass es zwar durchaus sinnvoll sei, Jobs nach den jeweiligen Verdiensten von Bewerbern zu vergeben, »das Ganze sich [jedoch] ins Gegenteil verkehrt, wenn jene, denen ein spezielles Verdienst zugebilligt wird, sich zu einer neuen sozialen Schicht zusammenschließen, die für andere keinen Platz mehr hat.«[2] YoungYoung, Michael war verärgert, dass der Begriff, den er in abwertendem Sinne gemeint hatte, derart schnell als lobendes Adjektiv vereinnahmt worden war.

In Gesellschaften, die einem meritokratischen Individualismus huldigen, grenzt die Aussage, Topverdiener hätten vielleicht auch ein klein wenig Glück gehabt, offenbar gefährlich nahe an den Vorwurf, sie würden nicht wirklich an die Spitze gehören, sie wären gar nicht die, die sie vorgäben zu sein. Die meritokratische Rhetorik scheint überdeckt zu haben, in welchem Ausmaß Erfolg und Scheitern oftmals ganz entscheidend von Ereignissen abhängen, die sich jeder individuellen Kontrolle entziehen. So beschrieb etwa Michael LewisLewis, Michael in seiner Rede vor den Absolventen der Princeton University des Jahrgangs 2012 die Kette höchst unwahrscheinlicher Ereignisse, die ihn zu einem reichen und berühmten Autoren gemacht hatten:

Eines Tages war ich zu einem Abendessen eingeladen. Zufällig saß ich neben der Ehefrau von einem, der ein ganz großes Tier an der Wall Street war, bei einer riesigen Investmentbank. Der Name der Bank war Salomon BrothersSalomon Brothers. Sie verdonnerte ihn mehr oder weniger, mir eine Stelle zu geben. Ich wusste so gut wie nichts über Salomon Brothers. Doch sie waren zufällig genau zur der Zeit vor Ort, als die Wall Street neu erfunden wurde – und sich in jenen Ort verwandelte, den wir alle kennen und lieben. Als ich dort ankam, gaben sie mir, fast ein bisschen rücksichtslos, genau den Job, von dem aus man den zunehmenden Wahnsinn am besten beobachten konnte: Sie machten mich zu ihrem hausinternen Experten für Derivate. Eineinhalb Jahre später händigte mir mein Arbeitgeber einen Scheck über mehrere Hunderttausend Dollar für die Beratung professioneller Investoren zu diesem Thema aus.[3]

Auf der Grundlage der Erfahrungen, die er bei Salomon BrothersSalomon Brothers gesammelt hatte, brachte LewisLewis, Michael 1989 den Bestseller heraus, der ihm zum Durchbruch verhalf: Dort beschreibt er, wie die Flut neuer Finanzmanöver, die in der Wall Street ihren Anfang nahm, die Welt veränderte:

Das Buch, das ich schrieb, trug den Titel ›Wall-Street-Poker‹ und verkaufte sich eine Million Mal. Ich war damals 28 Jahre alt. Ich hatte eine Karriere, ein bisschen Ruhm, ein kleines Vermögen und ein neues Lebensnarrativ. Plötzlich erklärten mir Leute, ich sei der geborene Schriftsteller. Wie absurd! Selbst ich konnte erkennen, dass da ein anderes Narrativ war, und dieses kam der Wahrheit wesentlich näher: das Narrativ vom Glück. Wie gut hatten die Chancen gestanden, bei dem besagten Abendessen den Platz neben dieser Dame von Salomon BrothersSalomon Brothers zugewiesen zu bekommen? Einen Job im besten Unternehmen der Wall Street zu ergattern, von dem aus ich die Geschichte einer Ära schreiben konnte? Auf der Stelle zu landen, von der aus ich den besten Blick auf die Geschäfte hatte? Eltern zu haben, die mich nicht enterbten, sondern bloß mit einem tiefen Seufzer meinten: »Dann tu’s halt, wenn du nicht anders kannst.« In Princeton diesem Professor für Kunstgeschichte zu begegnen, der das Gefühl, nicht anders zu können, in mir entzündete? Und überhaupt ausgerechnet nach Princeton zu gehen? Das ist nicht bloß falsche Bescheidenheit. Es ist falsche Bescheidenheit mit Pointe. Mein Fall illustriert sehr gut, wie Erfolg stets und ständig rein rational begründet wird. Die Leute hören es wirklich nicht gerne, wenn Erfolg als Glückssache abgetan wird – vor allem erfolgreiche Leute nicht. Je älter Menschen werden und je erfolgreicher sie sind, desto mehr verstärkt sich in ihnen das Gefühl, ihr Erfolg sei irgendwie unausweichlich gewesen. Sie wollen nicht zugeben, welch große Rolle der Zufall in ihrem Leben gespielt hat.

Nicholas KristofKristof, Nicholas, Kolumnist der ›New York TimesNew York Times‹, hat des Öfteren in dieselbe Kerbe geschlagen:

Es ist ein weit verbreiteter Trugschluss unter erfolgreichen Amerikanern: dass sie ihren Triumph lediglich harter Arbeit und Intelligenz verdanken.

In Wahrheit schlug ihre Stunde, als sie in amerikanische Mittelklassefamilien hineingeboren wurden, die sie liebten, ihnen Geschichten vorlasen, ihnen die Möglichkeit gaben, in der Kinderliga Baseball zu spielen, ihnen Bibliotheksausweise besorgten und den Musikunterricht bezahlten. Sie wurden schon auf Erfolg programmiert, da waren sie noch nichts weiter als befruchtete Eizellen.[4]

Dieser Trugschluss habe jedoch auch dunkle Aspekte, stellt Kristof fest. Einer davon bestünde darin, dass jene, die blind dafür seien, welche Vorteile sie selbst genössen, oftmals genauso blind seien gegenüber den Nachteilen, mit denen andere Menschen zurechtkommen müssten:

Die Folge ist eine gewisse Knauserigkeit auf politischer Ebene oder, bestenfalls, ein Mangel an Empathie gegenüber jenen, die sich alles hart erkämpfen müssen – was zum Teil die feindselige Einstellung gegenüber der Ausweitung der staatlichen Gesundheitsfürsorge Medicaid, der Unterstützung für Langzeitarbeitslose oder einer Anhebung des Mindestlohns als Inflationsausgleich erklärt.

KristofKristof, Nicholas zeichnet die Lebensgeschichte von Rick GoffGoff, Rick nach, einem Freund aus Kindertagen in seiner kleinen Heimatstadt in Oregon. Kurz nach dem Tod seiner Mutter – Goff war gerade fünf Jahre alt – verschwand sein alkoholkranker Vater und überließ den Jungen und seine drei Geschwister sich selbst. Leute, die GoffGoff, Rick kannten, beschreiben ihn als loyalen Freund. Außerdem, so heißt es, sei er »unglaublich intelligent« gewesen, wäre aber in der Schule nur sehr schlecht mitgekommen, und zwar wegen eines nicht diagnostizierten ADHS-Syndroms. Er ging noch vor dem Ende der zehnten Klasse von der Schule ab, arbeitete in Sägemühlen und Maschinenwerkstätten und wurde schließlich zu einem talentierten Maler – er bemalte Autos nach speziellen Kundenwünschen. Doch dann verletzte er sich bei einem Unfall ernsthaft an der Hand und hielt sich von da an mit einer kleinen Erwerbsunfähigkeitsrente und Gelegenheitsjobs über Wasser. Sein früher Tod im Alter von 65 Jahren im Juli 2015 war die unmittelbare Folge der Tatsache, dass er sich eine dringend notwendige Behandlung nicht leisten konnte, da er seiner Exfrau 600 Dollar gegeben hatte, um sie aus einer finanziellen Notlage zu retten.

Fazit KristofKristof, Nicholas:

Manche sind davon überzeugt, dass Erfolg ausschließlich etwas mit »Entscheidungen« und »persönlicher Verantwortung« zu tun hat. Ja, das sind schon reale Faktoren. Aber die Dinge liegen weitaus komplizierter.

»Reiche Kinder treffen eine Unmenge schlechter Entscheidungen«, notiert [der Stanforder Soziologe Sean] Reardon. »Aber diese ziehen einfach nicht dieselbe Art von Konsequenzen nach sich.«[5]

Michael LewisLewis, Michael schloss seine Rede in Princeton mit der Beschreibung eines Experimentes, das Psychologen an der University of California in Berkeley durchgeführt hatten.[6] Die Forscher hatten freiwillige Probanden in Gruppen zu jeweils drei Leuten, getrennt nach Geschlechtern, in kleine Räume gesetzt und ihnen die Lösung eines komplexen moralischen Problems aufgegeben, wie etwa den Umgang mit Betrug bei einer Prüfung. Ein Mitglied jeder Gruppe bestimmten sie vollkommen willkürlich als Gruppenleiter. Nachdem die Gruppen 30 Minuten lang ihr Problem erörtert hatten, betrat einer der Forscher den Raum, in der Hand einen Teller mit vier Keksen für die jeweils drei Freiwilligen.

Wer aß den überzähligen Keks? In allen Fällen war es der Leiter oder die Leiterin der Gruppe, obwohl, wie LewisLewis, Michael anmerkte: »Er oder sie über keinerlei besondere Vorzüge verfügte. Sie waren ja nur 30 Minuten zuvor vollkommen zufällig ausgewählt worden. Ihren Status verdankten sie also purem Glück. Aber sie hatten dennoch das Gefühl, den Keks verdient zu haben.«

LewisLewis, Michael fasste den Absolventen in Princeton gegenüber die Moral dieses Experiments wie folgt zusammen:

Sie alle sind, ganz allgemein gesprochen, zu Gruppenleitern bestimmt worden. Ihre Zulassung mag nicht vollkommen willkürlich erfolgt sein. Dennoch müssen Sie ihren willkürlichen Aspekt spüren: Sie sind die wenigen, die Glück hatten. Glück, was Ihre Eltern betrifft; Glück, was das Land betrifft, in dem Sie leben; Glück, dass es einen Ort wie Princeton, der glückliche Menschen aufnimmt, sie mit anderen glücklichen Menschen bekannt macht, und so ihre Chancen erhöht, sogar noch glücklicher zu werden, überhaupt gibt. Glück, weil Sie in der reichsten Gesellschaft leben, die es je auf Erden gab, zu einer Zeit, in der niemand von Ihnen erwartet, Ihre persönlichen Interessen für irgendetwas anderes zu opfern.

Jede und jeder Einzelne von Ihnen hat den Extra-Keks angeboten bekommen. Und Sie alle werden in Zukunft noch viel mehr Extra-Kekse angeboten bekommen. Und über kurz oder lang wird es Ihnen leichtfallen anzunehmen, dass Ihnen dieser Extra-Keks zusteht. Nach allem, was ich weiß, könnte das sogar zutreffen. Aber Sie werden glücklicher sein, und die Welt wird ein besserer Ort sein, wenn Sie zumindest vorgeben, dies sei nicht der Fall.

LewisLewis, Michael