Stefan Hammel
Grüßen Sie Ihre Seele!
Therapeutische Interventionen in drei Sätzen
Zu diesem Buch
Können »Grüße an die Seele« therapeutisch wirken? Und wenn ja, wie geht das? Auf den Spuren von Milton Erickson, dem Großmeister der Hynose, entwickelte Stefan Hammel eine Fülle an »Aufträgen an das Unbewusste«, die er in seinem neuesten Buch zu den unterschiedlichsten psychischen und psychosomatischen Störungen vorstellt. Damit der Klient den Auftrag an sein Unbewusstes erfolgreich »ausrichten« kann, bedarf es stimmiger Kontextbedingungen, die hier ausführlich geschildert werden. Der Aufbau positiver Erwartungen, offene Such- und Lernhaltungen und vor allem eine vertrauensvolle Beziehunge zum Therapeuten beschreiben den Rahmen, innerhalb dessen überraschende Interventionen überraschend wirksam sein können.
Klienten gelingt es oftmals gerade durch kurze und überraschende Interventionen in der Therapie, neue Perspektiven und Lösungsansätze für das eigene Problem zu finden. »kurz & wirksam« stellt in kompakter Form die effektivsten Kurzinterventionen praxisnah und bündig vor.
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Klett-Cotta
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Nachfolger GmbH, gegr. 1659, Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten
Cover: Jutta Herden, Stuttgart
unter Verwendung eines Fotos von © andrade/Adobe Stock
Gesetzt aus der Documenta von Kösel Media GmbH, Krugzell
Printausgabe: ISBN 978-3-608-89187-4
E-Book: ISBN 978-3-608-10988-7
PDF-E-Book: ISBN 978-3-608-20358-5
Dieses E-Book basiert auf der aktuellen Auflage der Printausgabe.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
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Einleitung: Naaman, oder: So einfach darf es doch nicht sein!
Kapitel I
Wie man die Seele grüßen kann
Grüße als Ultrakurzhypnose
Den Grüßen eine Bühne bauen
Die Struktur der Grüße
Herausgestellte und hereingeholte Leute
Die Sprache der Grüße
Probleme trennen, Lösungen verbinden
Metaphern und Sprachbilder
Die Nutzung des Nonverbalen
Grußabsender
Grußüberbringer
Grußadressaten
Die Reaktion auf Grüße erfragen
Die Wirkung von Grüßen testen
Grüße zur Verbesserung der Therapiewirkung
Die Selbstanwendung von Grüßen
Wenn die Seele zurückgrüßt
Kapitel II
Wann man die Seele grüßen kann
Effektivität der Therapie
Alles so anpassen, wie es noch besser ist
Das Problem lösen lassen
Nur 90 Prozent
Den Skeptiker zum stillen Beobachter machen
Der Minister für Zuversicht
Ich gehöre zu euch und mache es anders!
Die Klonin geht voraus
Trauma
Nur dorthin, wo es sicher ist
Nichts nimmt überhand
Gelassen an das Schlimme denken
Der Vorher-Nachher-Test
Der Vater in Ihrem Kopf
Himmelsreise
Manie
Bitte sanft landen
Depression
Skeptiker als externe Beobachter
Skeptiker als Beschützer gegen Enttäuschung
Den paradoxen Effekt der Skepsis nutzen
Vom Eise befreit
Die Füße am Ofen
Zwang, Tics, Stottern
Die gute Absicht beider Seiten
Bis ans Ende des Universums
Die Uhr einstellen
Wahn und Psychose
Das Traumweltprogramm
Konzentration aufs Kerngeschäft
Weiter so und raus hier!
Jedem das Seine
Traum- und Wachwelt – sowohl als auch
Bevor der Traum zum Albtraum wird
Träumen und Wachen – tue mehr desselben!
Wechsel des Betriebssystems
Trauer
Der unsichtbare zweite Teil
Die Größe des Schmerzes und die Größe der Liebe
Was sagt Ihre Mutter dazu?
Das Vermächtnis weitergeben
Grüße an das Kind im Bauch
Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein
In die Energie kommen
Deine beste Freundin
Die Urahnin mit dem Blick fürs Gute in dir
Auftritts- und Prüfungsangst
Lernen wie Spielen
Investieren
Schlaf
Gruß ans Schlaf-Ich
Schlafapnoe
Der angstfreie Atem
Der Schnarchengel
Schleuse zu!
Hahn zu!
Essen, Sucht, Gewohnheit
Ein gesundes Gewicht
Den Raucher in seiner guten Absicht unterstützen
Immunsystem
Die umgekehrte Infektion
Infektiös bis epidemisch
Allergie und Trauma
Verwechslung zweier Probleme
Muskulatur
Die Spannung umverteilen
Arbeit an der Takelage
Schmerz
Kopfschmerz im Warteraum
Zeitverzerrung
Die gute Absicht kehrt zurück
Gehör
Ohrreinigung
Die Kommunikation der Borstenmäuse
Gruß ans Ohr
Die fünf wissenschaftlichen Beobachter
Feineinstellung des Gehörs
Laut und leise, hoch und tief
Umgekehrt wird ein Ton draus!
Den Wächter nachschulen
Brandmelder
Andere somatische Anliegen
Karpaltunnelsyndrom
Die Rechts-Links-Konferenz
Erweiterte Körperpflege
Paar- und Familientherapie
Das unglückliche Paar da draußen
Die Leidende als Leibwächterin
Zwei gute Leibwächter
Das Paar in Ihrem Kopf
Das Paar in seinem Kopf
Himmlische Hausaufgabenhelfer
Anhang
Stichwortverzeichnis
Grüßeverzeichnis
Literatur
In den Zeiten der alten Assyrer, so wird berichtet, hatte sich der Feldherr Naaman eine Hautkrankheit zugezogen. »Er hat die Lepra«, flüsterten seine Diener und hielten sich, so gut sie konnten, auf Abstand. Der Feldherr suchte Rat bei seinem Leibarzt, doch der richtete gegen die Erkrankung nichts aus. Immer größere Teile seiner Haut wurden befallen, und sein Äußeres wurde zunehmend entstellt. Einmal erwähnte eine Magd, dass im Land Juda der Prophet Elisa wohne, der mit göttlicher Kraft solche Krankheiten heilen könne. Diese Nachricht wurde dem Feldherrn überbracht. Da schöpfte er Hoffnung und machte sich auf den Weg. So kam er mit Rossen und Wagen und vielen Geschenken am Haus des Propheten an. An der Tür erschien einer der Prophetenschüler, der sagte: »Mein Meister lässt dich grüßen. Geh und wasche dich siebenmal im Jordan, dann wirst du gesund werden.« Als Naaman das hörte, wurde er wütend: »Ich dachte, der Meister könnte selbst zu mir herauskommen, vor mich treten, die Hand zum Heiligtum erheben, den Namen Gottes anrufen und mich so von der Lepra befreien! Sind nicht die Flüsse von Damaskus größer und herrlicher als dieser armselige Bach, dass ich mich in ihnen waschen und gesund werden könnte?« So kehrte er um und zog im Zorn davon. Da wandten sich seine Diener an ihn und sagten: »Herr, wenn dir der Prophet etwas Großes aufgetragen hätte, hättest du es nicht getan? Wie viel mehr kannst du es tun, wenn er so etwas Geringes von dir erwartet . . .« Da stieg der Feldherr ab und tauchte siebenmal in den Jordan ein, wie der Mann Gottes es ihm hatte auftragen lassen. Und seine Haut wurde rein wie die eines jungen Mannes, und er wurde gesund1.
Warum wollte der Feldherr die Therapie zuerst nicht mitmachen? Wenn ich mir gestatte, die alte Geschichte aus einem modernen Blickwinkel zu betrachten, finde ich zwei mögliche Gründe:
Zum einen sah Naaman sich und sein Problem nicht genügend gewürdigt. Der Prophet schritt an ihm, seiner Biographie, seinem Leid vorbei gleich zur Lösung. Er machte sich noch nicht einmal die Mühe, seinen Besucher kennenzulernen und ihm zuzuhören. So etwas nehmen viele Menschen übel – obwohl das Befassen mit Lösungen statt mit Problemen an sich der schnellere Weg sein könnte. Manchmal machen wir es auch umgekehrt: Wir verbringen viel Zeit damit, Probleme von Klienten zu würdigen, bevor wir mit ihnen Lösungen suchen können, die es auch gleich gegeben hätte. Und manchmal scheinen Klienten eine Lösung oder Heilung gar als Missachtung ihrer Person anzusehen – als ob sie mit dem Problem gewissermaßen verheiratet wären.
Zum anderen hat der Prophet eine Lösung angeboten, die viel zu einfach und viel zu unlogisch klang. Der Feldherr sah sich in seiner Intelligenz missachtet. Er wollte etwas Anspruchsvolles, auf seinem Niveau oder allenfalls darüber.
Manchmal ist es schwer, Menschen für einfache Lösungen zu schwierigen Problemen zu gewinnen.
Kapitel I
Der Mensch, ob wir ihn nun als »Psyche« (»Identität«, »Persönlichkeit«, »Mentalität«) oder als »Körper« (»Stoffwechsel«, »Gehirn«, »Erbgut«) betrachten, ist zweifellos komplexer, als wir ihn je beschreiben können. Unser denkendes Bewusstsein ist ein winziger Teilaspekt davon, dem es nicht vergönnt ist, das Ganze zu verstehen und wirklich angemessen in die Funktion dieses Ganzen einzugreifen. Wie kann unser Bewusstsein in seiner offensichtlichen Begrenztheit dazu beitragen, Lösungen für einen komplexen Organismus zu finden, die dieser nicht von vornherein selbst findet?
Die Antwort müsste einfach genug sein, um der Begrenztheit des Geistes gerecht zu werden, und komplex genug, um der Komplexität des ganzen Organismus zu entsprechen.
Eine Möglichkeit wäre, den Körper zu bitten, bestimmte Unterscheidungen, Verknüpfungen, Umformungen, Regulationsmechanismen und Priorisierungen vorzunehmen, ohne ihm vorzuschreiben, wie er das tut, und ohne diese Bitten wie starr auszuführende Befehle vorzutragen.
Die Bilderwelt der Träume und die körperlichen und emotionalen Erfahrungen, die wir machen, könnten das Terrain sein, auf dem unser denkender Geist und der Rest unseres Gehirns und Körpers sich begegnen. Die Sprachen des Körpers, der Emotionen und der Träume könnten als Sphäre der Begegnung dienen, als Brücke zwischen der rätselhaften Tiefendimension von Körper und Seele und der wachen Bewusstheit unseres denkenden Geistes.
Man darf sich den Organismus wohl als eine Einheit vorstellen, in der eine Sprache gesprochen wird oder in der Übersetzer zwischen verschiedenen Teilsystemen operieren, um die Einheit des Ganzen zu ermöglichen. Das heißt dann auch, dass die Vorschläge, die der denkende Geist dem übrigen Organismus unterbreitet, dort verstanden werden und dass diese Vorschläge, wenn es dem Organismus förderlich und möglich ist, umgesetzt werden.
Die Grüße, von denen dieses Buch handelt, überlassen dem Organismus das »Wie« der Selbststeuerung und Selbstheilung und geben ihm doch mit den begrenzten Möglichkeiten des Denkens Impulse, wie er möglicherweise besser als zuvor für sich sorgen könnte.
Sie überlassen das, was der denkende Geist nicht zu tun vermag, der rätselhaften Innenwelt der Seele und des Körpers, die wir manchmal »das Unbewusste« nennen. Damit geben sie dem Denken ein Instrument an die Hand, mit dem es den Organismus in seiner Arbeit unterstützen kann.
Auch Milton Erickson hat gelegentlich Grußbotschaften von wenigen Sätzen an die Stelle einer erwarteten Hypnosebehandlung oder anderen Therapie gesetzt. Die Wirkungen seiner Interventionen ähnelten durchaus denen, die von Elisas Ansatz überliefert sind. Einmal kam eine Frau mit Schuppenflechte zu Erickson in die Praxis. Erickson sah sich die befallene Hautstelle an und sagte zu ihr: »Sie haben nur ein Drittel so viel Schuppenflechte, wie Sie glauben . . . Sie haben ein wenig Schuppenflechte und viele Emotionen.« Die Frau war zwei Wochen wütend auf Erickson, bis sie bemerkte, dass ihre Schuppenflechte verschwunden war2.
Als eine Form selbsthypnotischer Konditionierung habe ich vor vielen Jahren angefangen, mit meinen Körperteilen zu reden, etwa, indem ich meinen Fuß, in welchem ich einen pulsierenden Schmerz spürte, bat: »Probiere einmal aus, die Phase des Schmerzes zeitlich sehr verkürzt zu erleben und die angenehmen Zwischenzeiten stark zu verlängern.«3 Zu meinem Zahn, der nach einer Behandlung hypersensitiv geworden war, sagte ich: »Lieber Backenzahn, du hast recht, dass du dich meldest. Denn deine Aufgabe ist es, zu schmerzen, wenn du verletzt wirst. Aber die Missempfindungen, die du jetzt erzeugst, gehören in eine frühere Zeit. Erinnere dich noch einmal intensiv an jene Zahnbehandlung. Bringe den Schmerz, den du jetzt hast, dorthin . . . und dann lass ihn dort, in jener Situation, die einmal war und jetzt vorüber ist.«4 Beide Male endeten die seit Monaten bestehenden Schmerzen innerhalb von Minuten. In dieser Zeit experimentierte ich auch damit, gesunde und kranke Körperteile miteinander ins Gespräch zu bringen, damit die kranken von den gesunden lernen, wie »gesund« geht5. Auch diese Interventionen bewährten sich ausgezeichnet.
Die erste Klientin, bei der ich mich erinnere, im Stil der Grüße gearbeitet zu haben, war eine zehnjährige Schülerin, die so intensiv in ihren Träumen lebte, dass sie für Lehrer und Mitschüler nicht erreichbar war. Ich fragte sie, wie ihr Gehirn heiße, und schlug vor, es zu bitten: »Liebes Fräulein Gehirn, könntest du mir dabei helfen, mich immer zu konzentrieren, wenn meine Lehrerin mir die Hausaufgaben erklärt?« Fräulein Gehirn werde sicher antworten: »Natürlich kann ich das, liebe Anna, du hast mich nur noch nie danach gefragt.« Ich überlegte, Anna könnte dann sagen: »Dann bitte ich dich jetzt darum«, und Fräulein Gehirn werde antworten: »Aber selbstverständlich, liebe Anna!6«
Mit Grüßen im engeren Sinn experimentierte ich das erste Mal, als ich einen Klienten nach der Therapiestunde zur Tür begleitete. Der Patient litt unter der zwanghaften Vorstellung, jemand aus seiner Familie könne ernsthaft erkranken und er werde es nicht rechtzeitig bemerken, um helfen zu können. Beim Verabschieden sagte ich zu ihm: »Schöne Grüße auch an Ihre Angst. Ich finde, sie hat schon viel für Sie getan. Ich finde sogar, dass sich Ihre Angst in Anerkennung ihrer Verdienste einen Urlaub verdient hat. Vielleicht kann Ihre Angst diese Anerkennung von Ihnen annehmen? Sie kann ja vorsichtshalber ihr Handy mitnehmen, und Sie können sie anrufen, wenn Sie einen Rat von ihr brauchen.« In der darauffolgenden Stunde berichtete der Klient: »Seit der letzten Stunde ist es mir besser gegangen«, erklärte der Mann. »Wenn ich wieder Angst hatte, dann habe ich einfach an Ihre Grüße gedacht.« Ich verwendete nun bei diesem Klienten Interventionen dieser Art in größerer Dichte, und die Störung löste sich innerhalb weniger Sitzungen auf7.
Ich sammelte weitere Erfahrungen und kam zu dem Ergebnis, dass die Klienten im Wesentlichen alles, was ich ihrem Gehirn oder Körper, ihrer Seele oder Angst oder Allergie ausrichten ließ, mit erstaunlicher Präzision, Gründlichkeit und Nachhaltigkeit umsetzten8. Das Resultat solcher Grüße ist überwiegend das Gleiche, als hätte man den Klienten in tiefe Trance versetzt und ihm die Suggestion gegeben, mit dem im Gruß bezeichneten Verhalten und Erleben aufzuwachen und dieses zu behalten.
Wozu nun hypnotisieren, wenn dasselbe Ergebnis anders schneller erreicht werden kann? Beobachtungen wie die oben beschriebenen führen mich dazu, insgesamt nur noch selten mit klassischer Hypnose im Sinne der Induktion einer Tiefentrance zu arbeiten. Dabei möchte ich keineswegs die Effektivität der Arbeit mit Hypnose in Abrede stellen. Ihrer Wirksamkeit nach stellen sich die »Grüße an die Seele« für mich nun vielmehr als eine Ultrakurzhypnose dar.
Natürlich benötigen solche Interventionen einen Kontext, in dem sie sich entfalten können, und eine Dramaturgie, die ihre Wirkung verstärkt.
Bildlich gesprochen: Sicher könnte man einen Kinofilm auf die Schlüsselszene reduzieren und dem geneigten Publikum kurz erklären, wie es dazu kam und was danach noch geschieht. Aber dieses Kinoerlebnis würde im Besucher weniger nachhallen, als wenn die zentrale Szene konsequent angebahnt und zielstrebig auf ein eindrucksvolles Ende hin weiterentwickelt wird.
In ein anderes Bild gefasst: Wie die Saat nicht auf den unbestellten Acker geworfen und dann ohne weitere Pflege ihrem Schicksal überlassen wird, so wird man den hier dargestellten Interventionen eine Umgebung bereiten wollen, in der sie gedeihen können. Ich möchte also skizzieren, womit der Ertrag von Kurzinterventionen gefördert werden kann.
Die meisten Maßnahmen, die dazu dienen, Kurzinterventionen wirksam zu machen, sind allerdings selbst Kurzinterventionen. Die Folgenden haben sich besonders bewährt.
Erfahrungsgemäß ist es nützlich, wenn beim Klienten eine Erwartungshaltung, verbunden mit Neugier und Spannung, aufgebaut wird. Man kann etwa
den Klienten darauf hinweisen, dass vom telefonischen Vorgespräch bis zur ersten Sitzung meist bereits signifikante Verbesserungen stattfinden, und ihn bitten, diese zu beobachten9,
einen »womöglich überraschend schnellen« Prozess ankündigen oder die Wirkung einer angekündigten Intervention vorher als »wahrscheinlich sehr verblüffend« bezeichnen,
bedauern, dass man »mit Ihnen nicht viel Geld verdienen« wird,
mit Mimik, Gestik, Atem und Stimme vor und während zentraler Interventionen Neugier und freudige Erwartung zeigen,
wahrnehmbare Unterschiede im spontanen Verhalten des Klienten beschreiben und dann erwartungsvolle Fragen stellen: »Ich sehe, Sie atmen jetzt viel tiefer. Was ist hier anders?«,
erleichtert ausatmen, um das Unbewusste des Klienten zum Miterleben von Erleichterung einzuladen.
In traumatisierenden Situationen erlernen Menschen in Sekunden neue, oft ungünstige Verhaltensmuster, die sie jahrzehntelang stabil aufrechterhalten, auch wenn sie vergessen haben, was der Auslöser des Verhaltens war. Warum sollte man nicht ebenso innerhalb von Sekunden hilfreiche neue Muster erlernen, die ein Leben lang halten? Die Effizienz von Kurzinterventionen steigert sich in dem Maß, in dem die Therapie
emotional erfahrbar,
sinnlich wahrnehmbar (also sichtbar, hörbar, fühlbar),
räumlich erlebbar,
handlungsorientiert und
dramatisch inszeniert wird.
Diese Elemente treten bereits in der Geschichte Naamans deutlich hervor, sie sind zentrale Aspekte vieler Therapien Milton Ericksons und lassen sich in der therapeutischen Arbeit in vielfältiger Weise bestätigen.
Dass die Therapie emotional und dramatisch gestaltet sein darf, bedeutet nicht, dass die Therapie von schmerzlichen Erinnerungen auch schmerzhaft sein müsste, um zu wirken. Es ist nie hilfreich, die Klienten während der Therapie in eine Situation zu bringen, in der sie belastende Erfahrungen nochmals mit den Gefühlen von damals durchleben müssten, und es ist immer möglich, eine Traumatherapie so zu gestalten, dass der Klient nicht nochmals großem Schmerz ausgesetzt zu werden braucht.