
Über den Autor
Hinter dem Namen Erin Hunter verbergen sich gleich mehrere Autorinnen. Während Victoria Holmes meistens die Ideen für die Geschichten hat und das gesamte Geschehen im Auge behält, bringen Cherith Baldry und Kate Cary die Abenteuer der Katzen-Clans zu Papier. Ebenfalls aus der Feder dieses erfolgreichen Autorinnenteams stammt die Bären-Fantasyreihe SEEKERS.
Impressum
Dieses E-Book ist auch als Printausgabe erhältlich
(ISBN 978-3-407-81050-2)
www.beltz.de
© 2009 Beltz & Gelberg
in der Verlagsgruppe Beltz · Weinheim Basel
Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten
© Working Partners Limited
Die Originalausgabe erschien 2003 unter dem Titel
Warrior Cats – Forest of Secrets
bei HarperCollins Children’s Books, London
Aus dem Englischen von Klaus Weimann
Lektorat: Susanne Härtel
Umschlaggestaltung/Artwork: Hauptmann und Kompanie
Werbeagentur, München/Zürich, Hanna Hörl
E-Book: Beltz Bad Langensalza GmbH, Bad Langensalza
ISBN 978-3-407-74275-9
Für Schrödi, der mit dem SternenClan jagt,
und für Abbey Cruden,
die den richtigen Feuerherz getroffen hat
Besonderen Dank an Cherith Baldry
WARRIOR CATS
In die Wildnis (Band 1)
Feuer und Eis (Band 2)
Geheimnis des Waldes (Band 3)
Vor dem Sturm (Band 4)
Gefährliche Spuren (Band 5)
Stunde der Finsternis (Band 6)
WARRIOR CATS
Die neue Prophezeiung
Mitternacht (Band 1)
Mondschein (Band 2)
Morgenröte (Band 3)
Sternenglanz (Band 4)
Dämmerung (Band 5)
Sonnenuntergang (Band 6)
WARRIOR CATS
Die Macht der drei
Der geheime Blick (Band 1)
Fluss der Finsternis (Band 2)
Verbannt (Band 3)
Zeit der Dunkelheit (Band 4)
Lange Schatten (Band 5)
Sonnenaufgamg (Band 6)
WARRIOR CATS
Special Adventure
Feuersterns Mission
Das Schicksal des WolkenClans
Blausterns Prophezeiung
WARRIOR CATS
Die Welt der Clans
Das Gesetz der Krieger
Alle Abenteuer auch als Printausgaben und Hörbücher bei Beltz & Gelberg
www.warriorcats.de
DIE HIERARCHIE DER KATZEN
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Anführer |
BLAUSTERN – blaugraue Kätzin mit einer Spur Silber um die Schnauze |
Zweiter Anführer |
TIGERKRALLE – großer, dunkelbraun getigerter Kater mit ungewöhnlich langen Vorderkrallen |
Heiler |
GELBZAHN – alte, dunkelgraue Kätzin mit einem breiten, flachen Gesicht; Mentorin von RUSSPFOTE – dunkelgraue Kätzin |
Krieger |
(Kater und Kätzinnen ohne Junge) WEISSPELZ – großer, weißer Kater; Mentor von MAISPFOTE DUNKELSTREIF – schlanker, schwarzgrau getigerter Kater LANGSCHWEIF – Kater mit hellem Fell und schwarzen Streifen; Mentor von WIESELPFOTE STURMWIND – schnellfüßiger, gescheckter Kater GLANZFELL – sehr hellgraue Kätzin mit ungewöhnlich blauen Augen MAUSEFELL – kleine, schwarzbraune Kätzin; Mentorin von DORNENPFOTE FEUERHERZ – hübscher Kater mit rotem Fell; Mentor von WOLKENPFOTE GRAUSTREIF – langhaariger, rein grauer Kater; Mentor von FARNPFOTE BORKENPELZ – dunkelbraun getigerter Kater SANDSTURM – helle, gelbbraune Kätzin |
Schüler |
(über sechs Monde alt, in der Ausbildung zum Krieger) WIESELPFOTE – schwarz-weißer Kater FARNPFOTE – goldbraun getigerter Kater WOLKENPFOTE – langhaariger, weißer Kater MAISPFOTE – Kätzin, weiß mit hellbraunen Flecken DORNENPFOTE – goldbraun getigerter Kater |
Königinnen |
(Kätzinnen, die Junge erwarten oder aufziehen) FROSTFELL – schönes, weißes Fell und blaue Augen BUNTGESICHT – hübsch gescheckt GOLDBLÜTE – helles, gelbbraunes Fell FLECKENSCHWEIF – hell gescheckt; älteste Königin in der Kinderstube |
Älteste |
(ehemalige Krieger und Königinnen, jetzt im Ruhestand) KURZSCHWEIF – großer, dunkelbraun getigerter Kater, dem ein Teil des Schwanzes fehlt KLEINOHR – grauer Kater mit sehr kleinen Ohren; ältester Kater im DonnerClan FLICKENPELZ – kleiner, schwarz-weißer Kater EINAUGE – älteste Kätzin im DonnerClan mit hellem Fell; fast ganz blind und taub TUPFENSCHWEIF – einst hübsche, schildpattfarbene Kätzin mit einem wunderbar gefleckten Fell |
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Anführer |
NACHTSTERN – alter, schwarzer Kater |
Zweiter Anführer |
HELLPELZ – dünner, grauer Kater |
Heiler |
TRIEFNASE – kleiner, grau-weißer Kater |
Krieger |
STUMMELSCHWEIF – brauner, gescheckter Kater NASSFUSS – grau gescheckter Kater; Mentor von EICHENPFOTE |
Königinnen |
DÄMMERWOLKE – kleine, gescheckte Kätzin |
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Anführer |
RIESENSTERN – schwarz-weißer Kater mit sehr langem Schwanz |
Zweiter Anführer |
LAHMFUSS – schwarzer Kater mit verkrüppelter Pfote |
Heiler |
RINDENGESICHT – brauner Kater mit kurzem Schwanz |
Krieger |
MOORKRALLE – gesprenkelter, dunkelbrauner Kater FETZOHR – getigerter Kater; Mentor von LAUFPFOTE KURZBART – junger, braun gescheckter Kater |
Königinnen |
ASCHENFUSS – graue Kätzin MORGENBLÜTE – schildpattfarbene Kätzin |
Ältester |
KRÄHENFELL – alter, schwarzer Kater |
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Anführer |
STREIFENSTERN – riesiger, hell getigerter Kater mit schiefem Kiefer |
Zweiter |
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Anführer |
LEOPARDENFELL – ungewöhnlich getupfte goldene Kätzin |
Heiler |
SCHMUTZFELL – langhaariger, hellbrauner Kater |
Krieger |
SCHWARZKRALLE – rauchschwarzer Kater; Mentor von BLEIPFOTE STEINFELL – grauer Kater mit Kampfnarben an den Ohren; Mentor von SCHATTENPFOTE SILBERFLUSS – hübsche, schlanke, silbern gestreifte Kätzin |
Königinnen |
NEBELFUSS – dunkelgraue Kätzin MOOSPELZ – schildplattfarbene Kätzin |
Älteste |
GRAUTEICH – dünne, graue Kätzin mit schütterem Fell und Narben an der Schnauze |
KATZEN AUSSERHALB DER CLANS |
BRAUNSCHWEIF – langhaariger, dunkelbraun getigerter Kater, blind; früher als BRAUNSTERN Anführer des SchattenClans MIKUSCH – schwarz-weißer Kater; lebt auf einem Bauernhof nahe am Wald PRINZESSIN – hellbraun getigerte Kätzin mit auffällig weißer Brust und weißen Pfoten; ein Hauskätzchen RABENPFOTE – schlanker, schwarzer Kater mit weißer Schwanzspitze WULLE – pummeliges, zutrauliches schwarz-weißes Kätzchen; lebt in einem Haus am Waldrand |
PROLOG
Mit eisiger Kralle hielt die Kälte den Wald gefangen, die Felder und das Moorland. Alles war von Schnee bedeckt und glitzerte schwach unter dem Neumond. Nichts durchbrach die Stille im Wald, außer dem gelegentlichen sanften Rauschen von Schnee, der von Baumästen glitt, und dem schwachen Rascheln trockenen Schilfs im Wind. Sogar das Murmeln des Flusses war verstummt unter dem Eis, das von einem Ufer zum anderen reichte.
Am Rande des Gewässers bewegte sich etwas. Ein großer Kater tauchte aus dem Schilf auf, das Fell in der Farbe vertrockneten Farns gegen die Kälte aufgeplustert. Ungeduldig schüttelte er den Schnee von den Pfoten, in den er bei jedem Schritt einsank.
Vor ihm mühten sich mit leisem, klagendem Miauen zwei winzige Junge voran. Sie wateten durch den puderigen Schnee. Ihr Fell war an Beinen und Bauch zu eisigen Klumpen verklebt, aber jedes Mal, wenn sie anhalten wollten, schob sie der Kater weiter.
Die drei Katzen stapften am Fluss entlang, bis dessen Lauf sich verbreiterte. Nicht weit vom Ufer entfernt war eine kleine Insel von dichtem Schilf umgeben. Trockene braune Stängel stießen durch das Eis. Verkümmerte, blattlose Weiden verbargen hinter ihren schneebedeckten Ästen das Innere der Insel.
»Wir sind fast da«, miaute der farnfarbene Kater aufmunternd. »Ich gehe vor.«
Er rutschte die Uferböschung hinab auf einen schmalen zugefrorenen Pfad, der durch das Schilf führte, und sprang auf die trockene, hart gefrorene Erde der Insel. Das größere der beiden Jungen krabbelte hinter ihm her, doch das kleinere rutschte auf dem Eis aus, blieb zusammengekauert liegen und miaute mitleiderregend. Der Kater wartete einen Augenblick, dann sprang er zu dem Kleinen zurück und versuchte es auf die Pfoten zu stoßen, aber es war zu erschöpft. Er leckte die winzigen Ohren, tröstete ungeschickt das hilflose Häuflein, dann hob er es am Nackenfell hoch und trug es auf die Insel.
Hinter den Weiden lag unterbrochen von einigen Büschen offenes Land, auf dem kreuz und quer im Schnee die Pfotenspuren vieler Katzen verliefen. Die Lichtung schien verlassen, aber aus dem Verborgenen wurde der Kater von hell funkelnden Augen beobachtet. Er lief auf das größte Gebüsch zu und drang durch den Wall verschlungener Äste in das Lager.
Die eisige Kälte wich der Wärme einer Kinderstube und dem Geruch von Milch. In einem tiefen Nest aus Moos und Heidekraut säugte eine graue Katze ein einzelnes gestreiftes Junges. Sie hob den Kopf, als der Kater sich näherte und sanft das kleine Junge ablegte. Das andere kam hinter ihm hereingestolpert und versuchte, in das Nest zu krabbeln.
»Eichenherz?«, miaute die Katze. »Was hast du da?«
»Zwei Junge, Grauteich«, antwortete Eichenherz. »Willst du sie annehmen? Sie brauchen eine Mutter, die sich um sie kümmert.«
»Aber …« Grauteichs bernsteinfarbene Augen schauten erschrocken. »Wessen Junge sind das? Sie gehören nicht zum FlussClan. Wo hast du sie her?«
»Ich habe sie im Wald gefunden.« Eichenherz sah die Katze nicht an, während er sprach. »Sie haben Glück gehabt, dass vor mir kein Fuchs auf sie gestoßen ist.«
»Im Wald?«, miaute die Königin ungläubig. »Eichenherz, rede nicht mit mir, als hätte ich nur Mäuseverstand! Welche Katze würde ihre Jungen allein im Wald zurücklassen, besonders bei diesem Wetter?«
»Streuner vielleicht oder Zweibeiner. Woher soll ich das wissen? Ich konnte sie jedenfalls nicht dalassen, oder?« Der Kater stupste das Kleinere mit der Nase an. Dessen winzige Rippen hoben und senkten sich beim Atmen. »Grauteich, bitte … Deine anderen Jungen sind gestorben, und die hier werden auch sterben, wenn du ihnen nicht hilfst.«
Trauer bewölkte die Augen der Katze. Sie blickte hinab auf die beiden Jungen. Ihre winzigen rosa Mäulchen waren aufgesperrt und sie miauten jämmerlich. »Ich habe genug Milch«, murmelte sie, eher zu sich selbst. »Natürlich nehme ich sie auf.«
Eichenherz seufzte erleichtert. Er hob erst ein Junges auf, dann das andere und legte sie ganz nah an Grauteich heran. Die schob sie sanft an ihren Bauch neben ihr eigenes Junges, wo die beiden sofort gierig zu saugen begannen.
»Ich verstehe das immer noch nicht«, miaute sie, als die beiden Jungen ihren Platz gefunden hatten. »Warum sollten zwei Junge allein im Wald sein, mitten in der Blattleere? Ihre Mutter ist sicher ganz verzweifelt.«
Der farnfarbene Kater stieß mit einer kräftigen Vorderpfote in ein Stück Moos. »Ich habe sie nicht gestohlen, wenn du das meinst.«
Die Katze blickte ihn eine Weile an. »Nein, das glaube ich nicht«, miaute sie schließlich. »Aber du erzählst mir nicht die ganze Wahrheit, oder?«
»Ich habe dir alles gesagt, was du wissen musst.«
»Nein, hast du nicht!« Ihre Augen funkelten vor Ärger. »Was ist mit ihrer Mutter? Ich weiß, wie es ist, Junge zu verlieren. Ich würde das keiner Katze wünschen.«
Eichenherz hob den Kopf und starrte sie an. Ein leichtes Knurren stieg aus seiner Kehle empor. »Ihre Mutter ist wahrscheinlich irgendeine streunende Katze. Kümmere dich einfach um die Jungen, bitte!« Der Kater drehte sich abrupt um und schob sich aus der Kinderstube hinaus. »Ich bringe dir etwas Frischbeute«, rief er über die Schulter zurück.
Kaum war er verschwunden, beugte sich die Katze zu den Jungen hinab und rieb mit der Zunge über ihr Fell, um sie zu wärmen. Der schmelzende Schnee hatte ihren Geruch fast weggewaschen, obwohl Grauteich noch die Düfte des Waldes erkennen konnte, von toten Blättern und gefrorener Erde. Aber darunter lag schwächer noch etwas anderes.
Sie hielt inne. Hatte sie das wirklich gerochen oder bildete sie sich das nur ein? Sie senkte wieder den Kopf und öffnete den Mund, um die Gerüche der Jungen einzuatmen.
Ihre Augen öffneten sich weit und sie starrte in die dunklen Schatten am äußeren Bereich der Kinderstube. Sie hatte sich nicht geirrt. Das Fell dieser beiden mutterlosen Jungen, deren Herkunft Eichenherz nicht enthüllen wollte, trug unverkennbar den Geruch eines feindlichen Clans!
1. KAPITEL
Eisiger Wind wirbelte Feuerherz Schnee ins Gesicht, als er sich mühsam die Schlucht hinab auf das Lager zubewegte. Zwischen den Zähnen hielt er fest eine Maus, die er gerade getötet hatte. Die Flocken fielen so dicht, dass er kaum sehen konnte, wohin er ging.
Der Duft der Frischbeute stieg ihm in die Nase und das Wasser lief ihm im Munde zusammen. Er hatte seit der letzten Nacht nichts gegessen, ein grimmiges Zeichen, wie rar Beute in der Zeit der Blattleere war. Hunger nagte in seinem Bauch, aber er würde das Gesetz der Krieger nicht brechen; erst musste der Clan versorgt werden.
Glühender Stolz vertrieb für kurze Zeit die Kälte des Schnees, der sein feuerfarbenes Haarkleid bedeckte, als er sich an den Kampf erinnerte, der vor nur drei Tagen stattgefunden hatte. Mit den anderen DonnerClan-Kriegern war er dem WindClan zu Hilfe geeilt. Der war von den anderen Clans angegriffen worden. Viele Katzen waren in diesem Kampf verletzt worden, daher war es umso wichtiger, dass diejenigen, die noch jagen konnten, Beute nach Hause brachten.
Feuerherz schob sich durch den Ginstertunnel ins Lager und stieß dabei den Schnee von den stachligen Ästen herab. Er zuckte mit den Ohren, als ihm die kalten Klumpen auf den Kopf fielen. Die dornigen Bäume um das Lager herum boten etwas Schutz vor dem Wind, trotzdem war die Lichtung in der Mitte des Lagers verlassen. Wenn der Schnee so hoch lag, blieben die Katzen lieber in ihren warmen Höhlen. Abgebrochene Baumstümpfe und die Äste eines umgestürzten Baumes ragten aus der Schneedecke hervor. Eine vereinzelte Pfotenspur führte vom Bau der Schüler quer zu dem Brombeerdickicht, in dem die Jungen versorgt wurden. Als Feuerherz die Fährte sah, musste er daran denken, dass er selbst jetzt keinen Schüler mehr hatte, nachdem Rußpfote beim Donnerweg verletzt worden war.
Er trottete über den Schnee zur Lagermitte und ließ die Maus auf die angesammelte Frischbeute fallen, nahe beim Gebüsch, in dem die Krieger schliefen. Es war ein jämmerlich kleines Häufchen. Die Beutetiere, die man noch finden konnte, waren mager und ausgemergelt, kaum ein Maulvoll für einen hungrigen Krieger. Bis zur Blattfrische würde es keine fetten Mäuse mehr geben und bis dahin waren es noch viele Monde.
Feuerherz wollte gerade erneut auf die Jagd gehen, als hinter ihm ein lautes Miauen ertönte. Er wirbelte herum. Aus dem Bau der Krieger schob sich Tigerkralle, der Zweite Anführer des Clans.
»Feuerherz!«
Der junge Krieger trottete durch den Schnee auf Tigerkralle zu, senkte respektvoll den Kopf, bemerkte aber trotzdem, dass der riesige gestreifte Kater ihn mit durchdringenden, bernsteinfarbenen Augen anstarrte. Alle seine Vorbehalte gegen Tigerkralle schossen ihm durch den Sinn. Tigerkralle war stark, angesehen und ein herausragender Kämpfer, aber Feuerherz wusste, dass sein Herz voller Finsternis war.
»Heute Abend brauchst du nicht noch einmal auf die Jagd zu gehen«, knurrte Tigerkralle. »Blaustern hat dich und Graustreif für die Große Versammlung ausgewählt.«
Feuerherz’ Ohren zuckten vor Aufregung. Es war eine Ehre, die Anführerin des Clans zur Großen Versammlung zu begleiten, auf der sich bei Vollmond alle vier Clans friedlich trafen.
»Iss jetzt was«, fügte der dunkle Krieger hinzu. »Wir ziehen bei Mondaufgang los.« Daraufhin stakste er über die Lichtung auf den Hochfels zu, wo Blaustern, die Anführerin des Clans, ihren Bau hatte. Dann blieb er plötzlich stehen, drehte seinen massigen Kopf zu Feuerherz zurück und zischte: »Aber entscheide dich endlich, zu welchem Clan du bei der Großen Versammlung gehörst.«
Feuerherz sträubte sich das Fell vor Wut.
»Warum sagst du das?«, fragte er mutig. »Glaubst du, ich wäre meinem eigenen Clan nicht treu?«
Der Zweite Anführer drehte sich zu ihm um, und Feuerherz musste sich zusammennehmen, um vor der drohenden Haltung des Kriegers nicht zurückzuschrecken. »Ich habe dich in der letzten Schlacht beobachtet.« Die Stimme des getigerten Katers war ein tiefes Grollen und seine Ohren hatte er flach angelegt. »Ich habe es gesehen. Du hast diese FlussClan-Kriegerin entkommen lassen«, fauchte er.
Feuerherz zuckte zusammen, seine Gedanken flogen zurück zum Kampf im Lager des WindClans. Tigerkralles Behauptung traf zu. Er hatte eine FlussClan-Kriegerin ohne einen Kratzer entkommen lassen, aber nicht aus Feigheit oder Treulosigkeit. Die Kriegerin war Silberfluss gewesen. Ohne dass der übrige DonnerClan davon wusste, war Graustreif, sein bester Freund, in die Kriegerin verliebt, und Feuerherz konnte es nicht über sich bringen, ihr etwas anzutun.
Er hatte sein Bestes getan, um seinen Freund davon abzubringen, Silberfluss weiter zu treffen – ihre Beziehung widersprach dem Gesetz der Krieger und brachte beide in große Gefahr. Aber nie würde er Graustreif verraten.
Außerdem hatte Tigerkralle kein Recht, irgendeine Katze der Treulosigkeit zu bezichtigen. Er selbst hatte am Rande der Schlacht gestanden und zugesehen, wie Feuerherz gegen einen FlussClan-Krieger um sein Leben kämpfte, und er hatte sich abgewandt, statt ihm zu helfen. Und das war noch nicht einmal der schwerste Vorwurf, den Feuerherz gegen den Zweiten Anführer erheben konnte. Er hatte ihn im Verdacht, Rotschweif, den früheren Zweiten Anführer des DonnerClans, ermordet zu haben. Und er vermutete sogar, dass Tigerkralle plante, Blaustern, ihre große Führerin, zu beseitigen.
»Wenn du glaubst, ich bin nicht loyal, dann erzähle es Blaustern«, miaute er herausfordernd.
Tigerkralle zeigte knurrend die Zähne, ließ sich in die Kauerstellung fallen und streckte die langen Krallen aus.
»Ich brauche Blaustern damit nicht zu belästigen«, fauchte er. »Mit einem Hauskätzchen wie dir werde ich schon alleine fertig.«
Er starrte Feuerherz noch eine Weile an. Doch Feuerherz wurde plötzlich klar, dass neben dem Misstrauen auch eine Spur Angst in den funkelnden Bernsteinaugen lag. Tigerkralle fragt sich, wie viel ich weiß, dachte Feuerherz unwillkürlich.
Tigerkralles Schüler Rabenpfote war Zeuge von Rotschweifs Ermordung gewesen, und der Zweite Anführer hatte deshalb versucht, ihn zu töten und so zum Schweigen zu bringen. Daher hatte Feuerherz seinen Freund zu Mikusch gebracht, einem Einzelläufer, der in der Nähe eines Zweibeinerhofs jenseits des WindClan-Territoriums lebte. Feuerherz hatte auch versucht, Blaustern Rabenpfotes Geschichte zu erzählen, aber die wollte nicht glauben, dass ihr Stellvertreter ein derartiges Verbrechen begangen haben könnte.
Während Feuerherz nun Tigerkralle anfunkelte, empfand er wieder diese alte wütende Hilflosigkeit. Er fühlte sich, als hätte ihn ein umgestürzter Baum auf dem Boden festgenagelt.
Tigerkralle wandte sich ohne ein weiteres Wort um und stolzierte davon. Während Feuerherz ihm nachblickte, hörte er ein Rascheln aus dem Bau der Krieger und sah Graustreif den Kopf durch die Äste strecken.
»Was um Himmels willen machst du da?«, miaute Graustreif. »Tigerkralle so herauszufordern! Er wird Krähenfraß aus dir machen!«
»Keine Katze hat das Recht, mich treulos zu nennen«, entgegnete Feuerherz.
Sein Freund senkte den Kopf und leckte ein paarmal rasch das Fell an seiner Brust.
»Tut mir leid, Feuerherz«, murmelte er. »Ich weiß, an allem sind nur ich und Silberfluss schuld.«
»Nein, das seid ihr nicht«, widersprach Feuerherz. »Tigerkralle ist das Problem, nicht ihr.« Er schüttelte sich den Schnee aus dem Fell. »Komm, wir essen was.«
Graustreif schob sich ganz aus dem Bau heraus und sprang hinüber zu dem Haufen Frischbeute. Feuerherz folgte ihm, wählte eine Wühlmaus aus und trug sie zurück zum Bau der Krieger. Sein Freund legte sich neben ihn.
Weißpelz und ein paar andere ältere Krieger schliefen noch zusammengerollt in der Mitte des Gebüschs, aber ansonsten war der Bau leer. Ihre schlafenden Körper wärmten die Luft und durch die dichte Decke aus Ästen war kaum Schnee eingedrungen.
Feuerherz genehmigte sich einen großen Happen Wühlmaus. Das Fleisch war zäh und sehnig, aber er war so hungrig, dass es ihm köstlich schmeckte. Viel zu schnell war die Maus aufgegessen, aber immer noch besser als gar nichts. Und sie würde ihm die Kraft geben, die er brauchte, um zur Großen Versammlung zu ziehen.
Als auch Graustreif seine Mahlzeit mit ein paar gierigen Bissen verschlungen hatte, legten sich die beiden Kater eng nebeneinander und pflegten sich gegenseitig das Fell. Für Feuerherz war es eine Erleichterung, sich mit Graustreif wieder die Zungen zu geben nach der beunruhigenden Zeit, in der es so aussah, als ob die Liebe des grauen Kriegers zu Silberfluss seine Freundschaft mit Feuerherz zerstört hätte. Obwohl er sich immer noch Sorgen machte wegen der verbotenen Affäre des Freundes, war doch nach der Schlacht die Freundschaft zwischen den beiden zu neuem Leben erwacht. Sie mussten einander trauen, wenn sie die lange Jahreszeit der Blattleere überleben wollten. Und mehr als das: Feuerherz wusste, dass er Graustreifs Unterstützung gegen Tigerkralles zunehmende Feindseligkeit brauchte.
»Ich frage mich, welche Neuigkeiten wir heute Nacht zu hören bekommen«, murmelte er seinem Freund ins Ohr. »Ich hoffe, der FlussClan und der SchattenClan haben ihre Lektion gelernt. Der WindClan wird sich jedenfalls nicht wieder aus seinem Territorium vertreiben lassen.«
Graustreif schob sich unbehaglich hin und her. »In der Schlacht ging es nicht nur um die Territorien«, sagte er. »Es ging um Beute, die noch rarer ist als sonst. Die FlussClan-Katzen sind am Verhungern, seitdem die Zweibeiner in ihr Territorium eingedrungen sind.«
»Ich weiß.« Feuerherz zuckte mitfühlend mit den Ohren. Er verstand, dass sein Freund den Wunsch hatte, den Clan seiner Freundin zu verteidigen. »Aber einen anderen Clan aus seinem Territorium zu vertreiben, ist nicht die Lösung.«
Graustreif murmelte zustimmend, dann schwieg er. Feuerherz ahnte, wie er sich gefühlt haben musste. Es war erst ein paar Monde her, dass sie zusammen den Donnerweg überquert hatten, um den WindClan zu suchen und nach Hause zu bringen. Dennoch sympathisierte Graustreif wegen seiner Liebe zu der silbernen Katze auch mit dem FlussClan. Es gab keine einfachen Antworten. Der Mangel an Beute war für alle vier Clans sehr schwierig, jedenfalls bis die Blattleere ihre grausame Umklammerung des Waldes lockerte.
Unter der gleichmäßigen Bewegung von Graustreifs Zunge wurde Feuerherz schläfrig. Doch als außerhalb des Baus Zweige raschelten, schreckte er auf. Tigerkralle kam herein, gefolgt von Dunkelstreif und Langschweif. Alle drei ließen sich eng beieinander in der Mitte des Gebüschs nieder und sahen ihn drohend an. Feuerherz beobachtete sie mit zusammengekniffenen Augen. Gern hätte er ihr Gespräch belauscht. Allzu leicht konnte er sich vorstellen, dass sie etwas gegen ihn planten. Seine Muskeln verspannten sich, als ihm wieder einmal klar wurde, dass er in seinem eigenen Clan niemals sicher sein würde, solange Tigerkralles Niedertracht ein Geheimnis blieb.
»Was ist los?«, fragte Graustreif und hob den Kopf.
Feuerherz streckte sich und versuchte sich wieder zu entspannen.
»Ich trau ihnen nicht«, murmelte er und zuckte mit den Ohren in die Richtung von Tigerkralle und den beiden anderen.
»Das kann ich dir nicht verdenken«, sagte sein Freund. »Wenn Tigerkralle jemals das mit Silberfluss herausfindet …« Ihn schauderte.
Feuerherz drückte sich tröstend fester an die Flanke seines Freundes und spitzte weiter die Ohren. Vielleicht konnte er doch etwas von dem auffangen, was der Zweite Anführer sagte. Er glaubte, seinen eigenen Namen zu hören, und war versucht, etwas näher heranzukriechen, aber im selben Augenblick erregte er Langschweifs Aufmerksamkeit.
»Was starrst du so, Hauskätzchen?«, zischte der gestreifte Krieger. »Der DonnerClan will nur loyale Katzen.« Und damit wandte er Feuerherz den Rücken zu.
Der sprang sofort auf die Pfoten. »Und was gibt dir das Recht, meine Treue infrage zu stellen?«, fauchte er. Langschweif beachtete ihn nicht.
»Jetzt reicht’s mir aber!«, sagte Feuerherz wütend zu Graustreif. »Ganz sicher verbreitet Tigerkralle Gerüchte über mich.«
»Aber was kannst du schon dagegen tun?« Sein Freund schien vor der Feindseligkeit des Zweiten Anführers resigniert zu haben.
»Ich möchte noch einmal mit Rabenpfote reden«, antwortete Feuerherz. »Vielleicht erinnert er sich noch an etwas anderes, das in der Schlacht passiert ist, und mir helfen könnte, Blaustern zu überzeugen.«
»Aber Rabenpfote lebt jetzt beim Hof der Zweibeiner. Du müsstest den Weg durch das ganze WindClan-Territorium nehmen. Und wie willst du erklären, warum du so lange vom Lager weg bist? Dadurch würden Tigerkralles Lügen nur noch glaubhafter erscheinen.«
Doch Feuerherz war bereit, dieses Risiko einzugehen. Er hatte Rabenpfote niemals nach Einzelheiten gefragt, wie vor all den Monden Rotschweif in der Schlacht gegen den FlussClan umgekommen war. Damals war es wichtiger gewesen, den Freund vor Tigerkralle in Sicherheit zu bringen. Jetzt musste er herausbekommen, was genau Rabenpfote gesehen hatte. Feuerherz war mehr und mehr davon überzeugt, dass sein Freund etwas wusste, das Tigerkralles Gefährlichkeit für den Clan beweisen würde.
»Ich gehe heute Nacht«, flüsterte Feuerherz. »Nach der Großen Versammlung. Ich werde mich davonschleichen. Wenn ich Frischbeute mitbringe, kann ich behaupten, dass ich jagen war.«
»Du gehst ein hohes Risiko ein«, sagte Graustreif mit einem schnellen, liebevollen Lecken. »Aber Tigerkralle ist nicht nur dein, sondern auch mein Problem. Wenn du gehst, komme ich mit.«
Es hatte aufgehört zu schneien, und die Wolken waren abgezogen, als die DonnerClan-Katzen, darunter Feuerherz und Graustreif, das Lager verließen und durch den Wald zum Baumgeviert zogen. Der schneebedeckte Boden leuchtete in dem weißen Licht des Vollmonds und auf den Ästen und Steinen glitzerte der Frost.
Eine Brise blies ihnen entgegen, wirbelte den Schnee auf und trug ihnen den Geruch vieler Katzen zu. Feuerherz zitterte vor Erregung. Die Territorien aller vier Clans trafen sich in dieser heiligen Senke, und zu jedem Vollmond erklärten die Clans einen Waffenstillstand, um sich bei den vier großen Eichen zu treffen, die in der Mitte der Lichtung mit den steilen Wänden standen.
Feuerherz reihte sich hinter Blaustern ein, die sich schon niedergekauert hatte, um die wenigen letzten Schwanzlängen zum Rand des Abhangs zu kriechen und hinab in die Talsenke zu schauen. Ein Fels erhob sich mitten auf der Lichtung zwischen den Eichen, im Schnee wirkten seine gezackten Umrisse tiefschwarz.
Während Feuerherz auf das Zeichen der Anführerin zum Abstieg wartete, beobachtete er, wie sich dort unten die anderen Clan-Katzen begrüßten. Er sah funkelnde Augen und gesträubtes Fell, als der WindClan auf die Katzen von FlussClan und SchattenClan traf. Niemand hatte die jüngsten Kämpfe vergessen, und gäbe es nicht den Waffenstillstand, würden die Katzen sich nun gegenseitig mit den Krallen ans Fell gehen.
Feuerherz erkannte Riesenstern, den Anführer des WindClans, der in der Nähe des Großfelsens saß, neben sich Lahmfuß, seinen Stellvertreter. Nicht weit entfernt von ihnen hockten nebeneinander Triefnase und Schmutzfell, die Heiler von SchattenClan und FlussClan, und blickten auf die anderen Katzen. In ihren Augen spiegelte sich der Mond.
Neben Feuerherz hatte Graustreif die Muskeln angespannt. Seine gelben Augen glühten vor Erregung, als er hinab in die Talsenke starrte. Feuerherz folgte seinem Blick und sah Silberfluss aus dem Schatten auftauchen. Ihr schönes, schwarz-silbernes Haarkleid leuchtete im Mondlicht.
Feuerherz unterdrückte einen Seufzer. »Pass auf, wer dich sieht, wenn du mit ihr redest«, warnte er seinen Freund.
»Keine Sorge«, miaute der. Mit den Vorderpfoten knetete er den harten Boden und sehnte den Augenblick herbei, in dem er wieder mit seiner Freundin zusammen sein konnte.
Feuerherz schaute zu Blaustern hinüber, ob sie nun das Signal zum Abstieg zur Lichtung geben würde, aber da sah er Weißpelz zu ihr treten und sich an ihrer Seite in den Schnee kauern.
»Blaustern«, hörte er den weißen Krieger murmeln, »was willst du über Braunschweif sagen? Wirst du den anderen Clans erzählen, dass wir ihn beherbergen?«
Feuerherz wartete angespannt auf Blausterns Antwort. Braunschweif war vorher unter dem Namen Braunstern der Anführer des SchattenClans gewesen. Er hatte Kampfstern, seinen eigenen Vater, ermordet und Jungtiere aus dem DonnerClan gestohlen. Als Vergeltung hatte der DonnerClan Braunsterns eigenem Clan geholfen, ihn zu vertreiben und hinaus in den Wald zu jagen. Nicht lange danach war das Lager des DonnerClans von Braunstern und einer Bande streunender Katzen angegriffen worden. In diesem Kampf hatte Gelbzahn, die Heilerin des DonnerClans, Braunstern die Augen ausgekratzt, und nun war Braunschweif ein Gefangener, blind und besiegt. Obwohl der ehemalige Anführer seines vom SternenClan verliehenen Namens beraubt war und streng bewacht wurde, wusste Feuerherz, dass die anderen Clans es nicht gutheißen würden, dass der DonnerClan ihn nicht getötet oder zum Sterben in den Wald getrieben hatte.
Blaustern behielt die Katzen unten auf der Lichtung im Auge. »Ich werde nichts sagen«, antwortete sie Weißpelz. »Es betrifft die anderen Clans nicht. Für Braunschweif ist jetzt der DonnerClan verantwortlich.«
»Mutige Worte«, knurrte Tigerkralle, der auf der anderen Seite der Anführerin saß. »Oder schämen wir uns für das, was wir getan haben?«
»Der DonnerClan hat keinen Grund sich zu schämen, dass er Mitleid gezeigt hat«, entgegnete Blaustern kühl. »Aber ich sehe keinen Anlass, warum wir unnötig Ärger herausfordern sollten.« Bevor Tigerkralle widersprechen konnte, sprang sie auf die Pfoten und wandte sich an die übrigen Katzen ihres Clans. »Hört zu«, verkündete sie. »Keiner soll vom Angriff der streunenden Katzen reden oder Braunschweif erwähnen. Das sind ausschließlich Angelegenheiten unseres Clans.«
Sie wartete, bis von den versammelten Katzen zustimmendes Miauen ertönte. Daraufhin zuckte sie mit dem Schwanz, das Zeichen, dass sich die DonnerClan-Katzen nun zu den anderen Clans gesellen konnten. Blaustern preschte durch die Büsche den Abhang hinab, Tigerkralle direkt hinter ihr. Seine gewaltigen Pfoten stoben durch den Schnee.
Feuerherz setzte hinter ihnen her. Doch kaum war er aus dem Gebüsch ins Freie geglitten, sah er, dass Tigerkralle in der Nähe stehen geblieben war und ihn misstrauisch betrachtete.
»Graustreif«, zischte Feuerherz leise über die Schulter zurück, »ich glaube nicht, dass du heute mit Silberfluss verschwinden solltest. Tigerkralle hat …«
Doch da war sein Freund schon nicht mehr neben ihm, und als er sich umblickte, sah er ihn hinter dem Großfelsen verschwinden. Einen oder zwei Herzschläge später strich Silberfluss um eine Gruppe von SchattenClan-Katzen herum und folgte ihm.
Feuerherz seufzte. Er blickte zu Tigerkralle und fragte sich, ob der auch gesehen hatte, wie die beiden sich entfernten. Aber der Zweite Anführer hatte sich zu Kurzbart vom WindClan gesellt und so legte sich Feuerherz’ gesträubtes Schulterfell wieder an.
Er schritt ruhelos über die Lichtung und fand sich in der Nähe einer Gruppe von Ältesten wieder, die aus Flickenpelz aus dem DonnerClan und anderen, die er nicht kannte, bestand. Sie kauerten unter einem Stechpalmengebüsch mit glänzenden Blättern, wo nicht so viel Schnee lag. Während er mit einem Auge nach Graustreif Ausschau hielt, ließ er sich nieder, um den Ältesten zuzuhören.
»Ich kann mich an eine Blattleere erinnern, die noch schlimmer war als diese hier«, sagte ein alter schwarzer Kater. Seine Schnauze war silbern und seine Flanken trugen die Narben vieler Kämpfe. Sein kurzes, löchriges Fell roch nach WindClan. »Der Fluss war mehr als drei Monde zugefroren.«
»Du hast Recht, Krähenfell«, stimmte ihm eine gestreifte Katze zu. »Und Beute war auch rarer, sogar für den FlussClan.«
Einen Herzschlag lang war Feuerherz überrascht, dass zwei Älteste aus kürzlich verfeindeten Clans so ruhig miteinander reden konnten, ohne sich hasserfüllt anzufauchen. Aber schließlich waren es Älteste, überlegte er. Sie mussten in ihrem langen Leben viele Kämpfe erlebt haben.
»Junge Krieger heutzutage«, fügte der alte schwarze Kater mit einem Blick auf Feuerherz hinzu, »die wissen nicht, was wirkliche Not ist.«
Feuerherz trat mit seinen Pfoten die toten Blätter unter dem Busch und bemühte sich, respektvoll zu wirken. Flickenpelz kauerte sich dicht neben ihm nieder und zuckte freundlich mit dem Schwanz.
»Das muss in dem Jahr gewesen sein, als Blaustern ihre Jungen verloren hat«, erinnerte sich der Älteste aus dem DonnerClan. Feuerherz spitzte die Ohren. Ihm fiel ein, dass Tupfenschweif einmal etwas über Blausterns Junge gesagt hatte, die geboren wurden, unmittelbar bevor sie Zweite Anführerin des Clan geworden war. Aber er hatte nie erfahren, wie viele Junge Blaustern gehabt hatte oder wie alt sie gewesen waren, als sie starben.
»Und erinnerst du dich an das Tauwetter in dieser Blattleere?«, unterbrach Krähenfell seine Gedanken. Die Augen des Ältesten blickten ins Leere, als er sich in seinen Erinnerungen verlor. »Der Fluss in der Schlucht war fast bis zu den Dachshöhlen angeschwollen.«
Flickenpelz schauderte. »Ich kann mich gut erinnern. Der DonnerClan konnte den Bach nicht überqueren, um zur Großen Versammlung zu kommen.«
»Viele Katzen sind damals ertrunken«, erinnerte sich traurig die Königin aus dem FlussClan.
»Beutetiere auch«, ergänzte Krähenfell. »Und die Katzen, die überlebt haben, sind beinahe verhungert.«
»Möge der SternenClan dafür sorgen, dass es diesmal nicht so schlimm wird!«, miaute Flickenpelz nachdrücklich.
Krähenfell fauchte: »Die heutigen jungen Katzen würden niemals damit zurechtkommen. Wir waren zäher damals.«
Feuerherz konnte sich nicht zurückhalten. »Wir haben jetzt auch starke Krieger!«
»Wer hat dich denn um deine Meinung gebeten?«, knurrte der zänkische alte Kater. »Du bist ja kaum mehr als ein Junges!«
»Aber wir …« Feuerherz brach ab, denn ein lautes Jaulen ertönte und alle Katzen verstummten. Er sah vier Katzen oben auf dem Großfelsen als Silhouetten im silbernen Mondlicht.
»Pssst!«, zischte Flickenpelz. »Die Versammlung beginnt gleich.« Er zuckte mit den Ohren in Richtung Feuerherz und schnurrte leise: »Kümmere dich nicht um Krähenfell. Er würde sogar am SternenClan was auszusetzen finden.«
Feuerherz blickte Flickenpelz dankbar an, schob die Pfoten unter sich und machte es sich bequem.
Riesenstern, der Anführer des WindClans, begann mit einem Bericht, wie seine Katzen sich nach der jüngsten Schlacht gegen den FlussClan und den SchattenClan erholten. »Einer unserer Ältesten ist gestorben«, sagte er, »aber alle unsere Krieger werden überleben – um zu einer anderen Zeit wieder zu kämpfen«, fügte er bedeutungsvoll hinzu.
Nachtstern legte die Ohren an und kniff die Augen zusammen, während Streifenstern ein drohendes Knurren tief aus der Kehle ausstieß.
Feuerherz kribbelte das Fell. Wenn die Anführer nun einen Kampf begannen, würden dann auch ihre Katzen kämpfen? War das jemals passiert auf einer Großen Versammlung? Gewiss würde doch nicht einmal Nachtstern, der mutige neue Anführer des SchattenClans, den Zorn des SternenClans herausfordern, indem er den heiligen Waffenstillstand brach!
Während Feuerherz besorgt die empörten Katzen beobachtete, trat Blaustern vor.
»Das ist eine gute Nachricht, Riesenstern«, miaute sie gewandt. »Wir alle sollten uns freuen, dass der WindClan wieder neu erstarkt.«
Ihre blauen Augen glänzten im Mondlicht, als sie die Anführer von SchattenClan und FlussClan ansah. Nachtstern wich ihrem Blick aus, und Streifenstern senkte den Kopf, sein Ausdruck war undurchdringlich.
Es war der SchattenClan gewesen, der unter der grausamen Herrschaft von Braunstern den WindClan vertrieben hatte, um seine eigenen Jagdgründe auszuweiten. Dann hatte sich auch der FlussClan die Flucht des WindClans zunutze gemacht und in dessen verlassenem Territorium gejagt. Nach Braunsterns Vertreibung hatte Blaustern die anderen Anführer jedoch überzeugen können, dass das Leben im Wald auf vier Clans beruhte und der WindClan daher zurückkehren müsste. Feuerherz schauderte, als er an die lange und beschwerliche Reise dachte, die er mit Graustreif unternommen hatte, um den WindClan zu suchen und in sein Territorium im kahlen Hochland zurückzubringen.
Das erinnerte ihn daran, dass er noch einmal das Hochland durchqueren musste, um Rabenpfote zu suchen. Unruhig rutschte er hin und her. Er freute sich nicht auf diese Reise. Wenigstens ist der WindClan dem DonnerClan gegenüber freundlich gesonnen, dachte er. Daher sollten wir unterwegs nicht angegriffen werden.
»Die Katzen des DonnerClans erholen sich ebenfalls«, fuhr Blaustern fort. »Und seit der letzten Großen Versammlung sind zwei unserer Schüler Krieger geworden. Sie heißen jetzt Borkenpelz und Sandsturm.«
Zustimmendes Miauen kam von den Katzen unterhalb des Großfelsens – hauptsächlich, bemerkte Feuerherz, aus dem DonnerClan und dem WindClan. Er warf einen Blick auf Sandsturm, die mit stolz erhobenem Kopf dasaß.
Die Große Versammlung verlief jetzt friedlicher. Feuerherz erinnerte sich an die letzte Zusammenkunft, auf der sich die Anführer gegenseitig vorgeworfen hatten, außerhalb ihres eigenen Territoriums zu jagen, aber niemand erwähnte das jetzt. Eine Rotte streunender Katzen unter Braunschweifs Führung war dafür verantwortlich gewesen, aber die Nachricht, dass diese Streuner das Lager des DonnerClans angegriffen hatten und vernichtend geschlagen worden waren, hatte sich anscheinend noch nicht verbreitet. Blausterns Geheimnis um den blinden Braunschweif war also sicher.
Im Anschluss an das Treffen sah sich Feuerherz nach Graustreif um. Wenn sie Rabenpfote suchen wollten, mussten sie jetzt bald aufbrechen, solange die anderen Katzen sich noch in der Senke aufhielten und nicht sehen konnten, wohin sie gingen.
Die Blicke von Feuerherz und Wieselpfote, Langschweifs Schüler, trafen sich. Wieselpfote saß mitten in einer Gruppe junger Katzen aus dem SchattenClan. Schuldbewusst wandte er den Blick ab. Zu jeder anderen Zeit hätte Feuerherz ihn wahrscheinlich herangerufen und ihm gesagt, er solle seinen Mentor für den Heimweg suchen, aber in diesem Augenblick kam es ihm nur darauf an, Graustreif zu finden. Er vergaß Wieselpfote, als er seinen Freund erblickte, der ihm entgegenkam. Silberfluss war nicht zu sehen.
»Da bist du ja!«, rief Graustreif und seine gelben Augen leuchteten.
Feuerherz konnte sehen, wie sehr ihm die Große Versammlung gefallen hatte, obwohl er daran zweifelte, dass sein Freund den Reden genau zugehört hatte.
»Bist du bereit?«, miaute er.
»Du meinst, Rabenpfote suchen gehen?«
»Nicht so laut!«, zischte Feuerherz und blickte sich ängstlich um.
»Ja, ich bin bereit«, sagte der graue Krieger, diesmal leiser. »Ich kann nicht gerade behaupten, dass ich scharf darauf bin. Aber wenn ich auf diese Weise Tigerkralle loswerde … falls du inzwischen nicht eine bessere Idee hast?«
Feuerherz schüttelte den Kopf. »Das ist die einzige Möglichkeit.«
Die Talsenke war noch voller Katzen, die sich allmählich bereit machten, in ihre vier verschiedenen Richtungen aufzubrechen. Niemand schien auf die beiden Freunde zu achten, bis sie fast den Hang erreicht hatten, der zum Hochland des WindClan-Territoriums führte.
Doch da ertönte hinter ihnen ein Miauen: »Hallo, Feuerherz! Wo geht ihr hin?«
Es war Sandsturm.
»Äh …« Feuerherz warf Graustreif einen verzweifelten Blick zu. »Wir nehmen den langen Weg heim«, improvisierte er hastig. »Moorkralle vom WindClan hat uns von einem Bau mit jungen Kaninchen erzählt, gerade noch in unserem Territorium. Wir dachten, wir könnten etwas Frischbeute mitbringen.« Plötzlich kam ihm der Gedanke, dass Sandsturm anbieten könnte mitzukommen. Daher fügte er rasch hinzu: »Kannst du bitte Blaustern Bescheid sagen, wenn sie fragt, wo wir geblieben sind?«
»Sicher.« Sandsturm gähnte und entblößte einen Mundvoll scharfer weißer Zähne. »Ich werde in meinem schönen warmen Nest an euch denken, wie ihr hinter Kaninchen herrennt!« Mit einem Zucken der Schwanzspitze trottete sie davon. Feuerherz war erleichtert. Er hatte sie nicht gern belogen.
»Lass uns gehen«, zischte er Graustreif zu. »Bevor uns noch jemand sieht.«
Die beiden jungen Krieger glitten in den Schutz der Büsche und krochen den Hang hinauf. Oben blickte Feuerherz einen Augenblick zurück und vergewisserte sich, dass ihnen niemand folgte. Dann setzten die beiden über den Rand der Senke, rasten auf das Moor zu und auf den Zweibeinerhof dahinter.
Das ist die einzige Möglichkeit, wiederholte Feuerherz im Stillen. Er musste die Wahrheit herausfinden. Nicht nur wegen Rotschweif und Rabenpfote, sondern um des ganzen Clans willen. Tigerkralle musste Einhalt geboten werden … bevor er erneut die Gelegenheit hatte zu töten.
2. KAPITEL
Feuerherz beschnüffelte misstrauisch einen Pfad, auf dem der Schnee von Zweibeinerfüßen niedergetrampelt war. Lichter leuchteten aus dem Zweibeiner-Nest und irgendwo in der Nähe konnte er einen Hund bellen hören. Voller Unruhe fiel ihm ein, dass Mikusch ihm erzählt hatte, die Zweibeiner ließen ihre Hunde nachts von der Kette. Hoffentlich würde er Rabenpfote finden, bevor die Hunde ihn und seinen Freund bemerkten.
Graustreif schlüpfte gerade durch den Zaun und trottete auf ihn zu. Der eisige Wind presste ihm das graue Fell fest an den Körper.
»Riechst du was?«, fragte er.
Feuerherz hob den Kopf, prüfte die Luft, und fast sofort entdeckte er den Geruch, den er suchte, schwach, aber vertraut. Rabenpfote!
»Hier ist er!«, miaute er.
Er kroch den eisigen Pfad entlang und folgte vorsichtig dem Geruch bis zu einem Spalt unten an einem Scheunentor, wo das Holz verrottet war.
Er schnüffelte, sog den Duft von Heu und den kräftigen, frischen Geruch von Katzen ein.
»Rabenpfote?«, flüsterte er. Als keine Antwort kam, wiederholte er lauter: »Rabenpfote?«
»Feuerherz, bist du das?« Ein überraschtes Miauen kam aus der Dunkelheit hinter dem Tor.
»Rabenpfote!« Feuerherz zwängte sich durch den Spalt und war froh, so dem Wind zu entkommen. Die Gerüche der Scheune hüllten ihn ein, und das Wasser lief ihm im Munde zusammen, als er den Duft von Mäusen entdeckte. Die Scheune war schwach vom Mondlicht erleuchtet, das durch ein kleines Fenster hoch oben im Dach hereinfiel. Zuerst mussten sich seine Augen an das Dämmerlicht gewöhnen, doch dann konnte Feuerherz die Katze erkennen, die ein paar Schwanzlängen vor ihm stand.
Sein Freund Rabenpfote sah noch geschmeidiger aus als bei ihrer letzten Begegnung – und wohlgenährt. Feuerherz überlegte, wie vergleichsweise mager und heruntergekommen er selbst dagegen wirken musste.
Rabenpfote schnurrte glücklich, als er zu Feuerherz herangetrottet kam und dessen Nase mit seiner berührte.
»Willkommen«, miaute er. »Schön, dich zu sehen.«
»Und es ist schön, dich zu sehen«, maunzte Graustreif, der sich hinter Feuerherz durch den Spalt im Tor hereindrängte.
»Habt ihr den WindClan sicher zurück in sein Lager gebracht?«, fragte Rabenpfote. Die beiden hatten bei ihm übernachtet, als sie auf einer gefährlichen Reise den WindClan nach Hause geführt hatten.
»Ja«, antwortete Feuerherz. »Aber das ist eine lange Geschichte. Wir können nicht …«
»Nanu, was ist denn hier los?«, unterbrach ihn das Miauen einer weiteren Katze.
Feuerherz wirbelte herum, legte die Ohren an, kampfbereit. Dann erkannte er Mikusch, den schwarz-weißen Einzelläufer, der bereitwillig sein Zuhause mit Rabenpfote teilte.
»Hallo, Mikusch«, miaute Feuerherz beruhigt. »Wir müssen mit Rabenpfote reden.«
»Hab ich mir gedacht«, miaute Mikusch. »Und es muss wichtig sein, wenn ihr deswegen bei diesem Wetter über das Moorland kommt.«
»Ja, es ist wichtig«, stimmte Feuerherz zu. Er blickte den ehemaligen Schüler des DonnerClans an. Die Dringlichkeit ihrer Unternehmung ließ sein Fell prickeln. »Rabenpfote, wir dürfen keine Zeit verlieren.«
»Ich lass euch allein«, erbot sich Mikusch. »Fühlt euch wie zu Hause und jagt. Wir haben genügend Mäuse hier.« Er nickte den Besuchern freundlich zu und zwängte sich unter dem Tor nach draußen.
»Jagen? Wirklich?«, miaute Graustreif. Auch Feuerherz schmerzte der Magen vor Hunger.
»Natürlich«, sagte Rabenpfote. »Hört mal, warum esst ihr nicht zuerst etwas? Dann könnt ihr mir erzählen, warum ihr hier seid.«
»Ich weiß mit Sicherheit, dass Tigerkralle Rotschweif getötet hat«, beteuerte Rabenpfote. »Ich war dort, und ich habe gesehen, wie er es getan hat.«
Die drei Katzen kauerten auf dem Heuboden der Scheune. Die Jagd hatte nicht lange gedauert. Nach den verzweifelten Bemühungen, im verschneiten Wald Beute zu machen, erschien die Scheune den hungrigen DonnerClan-Katzen wie ein Mäuseparadies. Jetzt hatte Feuerherz sich aufgewärmt und sein Magen fühlte sich angenehm voll an. Er hätte sich gern zusammengerollt und in dem weichen, duftenden Heu geschlafen, aber die Zeit war knapp. Er und Graustreif mussten zum Lager zurückkehren, bevor ihre Abwesenheit bemerkt wurde.
»Erzähl uns alles, woran du dich erinnerst«, drängte er Rabenpfote.
Der starrte vor sich hin. Seine Augen waren dunkel, als er in Gedanken zu der Schlacht bei den Sonnenfelsen zurückkehrte. Feuerherz konnte sehen, wie der schwarze Kater sich in seinen Erinnerungen verlor und erneut die ganze Angst durchlebte.
»Ich war an der Schulter verwundet«, begann er, »und Rotschweif – ihr wisst ja, er war damals unser Zweiter Anführer – befahl mir, mich in einem Spalt im Felsen zu verstecken, bis ich ungefährdet entkommen könnte. Ich wollte gerade losrennen, da habe ich gesehen, wie Rotschweif einen FlussClan-Kater angriff. Ich glaube, es war Steinfell, der graue Krieger. Rotschweif hat ihn umgestoßen, und es sah so aus, als wollte er gerade seine Krallen in ihn schlagen und ihn ernsthaft verletzen.«
»Warum hat er es dann nicht getan?«, unterbrach ihn Graustreif.
»Eichenherz ist aus dem Nichts aufgetaucht«, erklärte Rabenpfote mit bebender Stimme. »Er hat Rotschweif mit den Zähnen am Nackenfell gepackt und von Steinfell weggezogen. Steinfell ist dann weggerannt.«
Rabenpfote hielt inne. Unwillkürlich kauerte er sich zusammen, als hätte er vor etwas in seiner Nähe Angst.
»Was weiter?«, drängte Feuerherz sanft.
»Rotschweif hat Eichenherz angefaucht und ihn gefragt, ob die Krieger des FlussClans denn unfähig wären, ihre eigenen Kämpfe auszutragen. Rotschweif hatte Mut, denn der Zweite Anführer des FlussClans war doppelt so groß wie er. Und dann hat Eichenherz etwas Merkwürdiges gesagt: ›Keine Katze aus dem DonnerClan wird diesem Krieger jemals etwas antun!‹«
»Was?« Graustreifs Augen verengten sich zu gelben Schlitzen. »Was soll denn das bedeuten? Bist du sicher, dass du das richtig gehört hast?«
»Ganz sicher«, bestätigte Rabenpfote.
»Aber die Clans kämpfen doch die ganze Zeit miteinander«, sagte Feuerherz. »Was ist so Besonderes an Steinfell?«
»Ich weiß es nicht«, sagte Rabenpfote.
»Und was hat Rotschweif dann getan, nachdem Eichenherz das gesagt hatte?«, fragte Graustreif.
Rabenpfote riss die Augen auf. »Er hat sich auf Eichenherz geworfen. Er hat ihn einfach umgestoßen, unter einen felsigen Überhang. Ich … ich konnte sie nicht sehen, aber ich hörte ihr Knurren. Und dann war da ein Rumpeln und das Gestein ist auf sie draufgestürzt!« Zitternd verstummte er.
»Sprich bitte weiter«, drängte Feuerherz. Es tat ihm leid, Rabenpfote so quälen zu müssen, aber er musste die Wahrheit erfahren.
»Ich habe Eichenherz kreischen hören und sah seinen Schwanz unter den Felsbrocken herausragen.« Er schloss die Augen, als wollte er den Anblick ausschließen, dann öffnete er sie wieder. »In dem Augenblick habe ich Tigerkralle hinter mir gehört. Er hat mir befohlen, zum Lager zurückzukehren, aber ich war nur ein kurzes Stück gegangen, als mir klar wurde, dass ich keine Ahnung hatte, wie es nach dem Felssturz um Rotschweif stand. Also bin ich zurückgekrochen, vorbei an all den fliehenden FlussClan-Kriegern. Und als ich zu den Felsen gelangte, kam Rotschweif aus dem Staub gestürzt. Sein Schwanz war erhoben und sein Fell gesträubt, aber er war unverletzt, ohne Kratzer. Und er ist direkt in Tigerkralle hineingerannt, der sich im Schatten aufhielt.«
»Und da hat dann …«, begann Graustreif.