Kevin Hearne
DER ERBE DER JEDI-RITTER
Aus dem Englischen
von Andreas Kasprzak
Kevin Hearne
DER ERBE DER JEDI-RITTER
Aus dem Englischen
von Andreas Kasprzak
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Die amerikanische Originalausgabe erschien unter dem Titel
»Star Wars™ Heir to the Jedi«
bei Del Rey/The Ballantine Publishing Group, Inc., New York.
1. Auflage
Deutsche Erstveröffentlichung Dezember 2015
bei Blanvalet, einem Unternehmen der Verlagsgruppe
Random House GmbH, München
Copyright © & ™ 2015 LUCASFILM LTD.
Translation Copyright © 2015 by Verlagsgruppe
Random House GmbH, München
Umschlaggestaltung: Isabelle Hirtz, Inkcraft,
nach einer Originalvorlage
Cover Art Copyright: © 2015 by Lucasfilm Ltd.
Jacket illustration: Larry Rostant
Jacket design: Scott Biel
Redaktion: Rainer Michael Rahn
ue · Herstellung: sam
Satz: omnisatz GmbH, Berlin
ISBN: 978-3-641-14915-4
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Es war einmal vor langer Zeit
in einer weit, weit entfernten Galaxis …
Die Zerstörung des Todessterns hat der angeschlagenen Rebellen-Allianz neue Hoffnung geschenkt. Doch die gnadenlose Verfolgung durch Darth Vader und die imperiale Flotte fordert ihren Tribut von den Ressourcen der Allianz. Gegenwärtig halten sich die Rebellen im Äußeren Rand versteckt, von wo aus sie nach einem dauerhafteren Stützpunkt und neuen Verbündeten suchen, die sie mit dringend benötigten Waffen und Ausrüstung versorgen.
Luke Skywalker, der Held der Schlacht von Yavin, hat sich auf die Seite der Rebellen geschlagen und stellt sein bemerkenswertes Können als Pilot in jeder Mission unter Beweis, die seine Vorgesetzten ihm zuteilen. Doch seine allzu kurze Zeit unter den Fittichen von Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi geht ihm ebenso wenig aus dem Kopf wie die stetig wachsende Gewissheit, dass die Beherrschung der Macht für ihn den Schlüssel zum Sieg über das Imperium darstellt.
Ohne die Mentorschaft des alten Ben, aber entschlossen, der Rebellion auf jede nur erdenkliche Weise zu dienen, sucht Luke nach Wegen, um seine Machtfähigkeiten zu verbessern und zu perfektionieren …
1. Kapitel
Jetzt, da Ben tot ist, gibt es niemanden mehr, der all meine Fragen beantworten könnte. Diese traurige Tatsache wird mir jedes Mal von Neuem bewusst, wenn ich mich frage, was ich nun tun soll. Sein braunes Gewand hätte ebenso gut aus reinem Mysterium gewoben sein können; er trug es und ließ auf dem Todesstern nichts weiter von sich zurück. Ich weiß, dass Han nicht viel von der Macht hält, doch wenn der Körper eines Mannes beim bloßen Kontakt mit einem Lichtschwert einfach verschwindet, geht das weit über »simple Tricks und Unsinn« hinaus.
Und ich weiß, dass die Macht existiert. Ich habe sie gespürt.
Um genau zu sein, tue ich das noch immer, aber das Gefühl ist so ähnlich, als wüsste man, dass etwas im Sand vergraben ist, während man mit dem Speeder darüber hinwegbraust. Man sieht Wellen an der Oberfläche, Hinweise darauf, dass sich darunter irgendwas bewegt – vielleicht etwas Kleines, vielleicht etwas Riesiges –, das außerhalb deines Blickfelds ein vollkommen anderes Dasein führt. Und obwohl es ungefährlich und lohnend sein kann nachzusehen, was sich da unter der Oberfläche tummelt, besteht ebenso die Möglichkeit, dass es das Letzte ist, was man im Leben tut. Ich brauche jemanden, der mir sagt, wann ich im Sand graben soll und wann besser nicht.
Während der Schlacht von Yavin glaubte ich einige Male, Bens Stimme zu hören, doch jetzt bin ich mir nicht sicher, ob das tatsächlich der Fall war. Vielleicht habe ich mir das auch bloß eingebildet; vielleicht hat mein Unterbewusstsein zu mir gesprochen – mein Wunschdenken. Seitdem ist Ben stumm geblieben, und ich habe nicht das Gefühl, als könnte ich mit sonst jemandem über die Macht sprechen. Gegenwärtig ist mein engster Vertrauter ein blauweißer Astromech-Droide.
Han und Chewie sind unterwegs und versuchen, genügend Credits zu verdienen, um ihre Schulden bei Jabba dem Hutten zu begleichen. Sie haben das ganze Geld, das sie als Lohn für ihren Einsatz in der Schlacht von Yavin bekamen, längst wieder verspielt, und jetzt sind sie wieder genauso pleite und verzweifelt wie zuvor. Die Galaxis sollte sich also in Acht nehmen.
Leia hat sich zusammen mit den Anführern der Allianz-Flotte in den Sujimis-Sektor zurückgezogen, wo sie sich bei einem Eisplaneten versteckt halten, für den sich seit den Klonkriegen niemand mehr interessiert hat. Allerdings würde sie vermutlich ebenso ungern von meinen Sorgen hören, wie ich sie ihr erzählen möchte. Sie hat wesentlich wichtigere Dinge zu tun, als ihre Zeit damit zu vergeuden, mir meine Verunsicherung auszureden. Dreipeo ist bei ihr und fühlt sich für seine Vorhersagen drohenden Unheils in über sechs Millionen Kommunikationsformen vermutlich wie üblich nicht genügend gewürdigt. Somit steht es Erzwo und mir frei, einen Auftrag für Admiral Ackbar zu erledigen.
Man hat mich nach Rodia entsandt, in dem Bestreben, für die Allianz eine geheime Versorgungsroute zu erschließen. Das Wort »Schmuggel« wird nicht gern gehört – Ackbar hat ernste Probleme mit der Sache an sich, doch die Wahrheit ist, dass die Allianz gar nicht anders kann, als zu schmuggeln, wenn sie weitermachen will. Da das Imperium versucht, unsere Nachschublieferungen zum Äußeren Rand zu unterbinden, indem es gezielt Schmuggler-Nester aushebt, und es für uns auf den altbekannten Schwarzmärkten im Kern zu gefährlich ist, müssen wir uns nach anderen Bezugsquellen umsehen. Rodia steht zwar unter imperialer Kontrolle, doch Leia meinte, dass der Chekkoo-Clan auf dem Betu-Kontinent womöglich gewillt ist, mit uns zusammenzuarbeiten. Sie sagte, die Chekkoos verachten den momentan herrschenden Chattza-Clan und sind hochspezialisiert in der Herstellung von Waffen, Rüstungen und anderer Ausrüstung, die wir für unseren Kampf gegen das Imperium gut gebrauchen können. Leia war davon überzeugt, dass sie sich dem Imperium allein schon deshalb widersetzen würden, um den Chattza-Clan zu ärgern, was wir uns zunutze machen könnten. Mon Mothma stand dem Vorschlag unschlüssig gegenüber, doch Ackbar überraschte alle, indem er Leia unterstützte, und das gab den Ausschlag.
Keine Ahnung, wie Ackbar es schafft, schwierige Diskussionen gleich im Keim zu ersticken. Vielleicht liegt es an seinem »aalglatten« Wesen, dass ihn niemand herauszufordern wagt. Ich jedenfalls werde mich hüten, mich mit ihm anzulegen.
Sobald das weitere Vorgehen feststand, meldete ich mich freiwillig für die Mission, und sie stellten mir eine wundervolle Privatraumyacht zur Verfügung. Hätte ich es gewagt, mit meinem X-Flügler in den rodianischen Raum einzutreten, hätte das etliche Alarmglocken klingeln lassen, doch eine kleine Yacht mit minimaler Bewaffnung ist kaum der Rede wert. Als Erzwo und ich das Schiff zum ersten Mal im Hangar der Verheißung sahen, einer der Fregatten der Allianz, konnten wir uns ein anerkennendes Pfeifen nicht verkneifen. Die Yacht war ein echtes Prachtstück und machte einiges her.
Sie war rotmetallic lackiert, mit silbernen Verzierungen. Das Cockpit und die Wohnquartiere befanden sich im vorderen Teil des Schiffs, und die Flügel wölbten sich nach hinten wie ein Halbmond, der daran denkt, sich vollends zu entfalten. Das Heck sah ein bisschen aus wie ein Keks, von dem jemand ein Stück abgebissen hat, und war mit großen Sublichttriebwerken, Störsendern, Sensoren und Schildgeneratoren vollgepackt. Von vorne oder von den Seiten war die geballte Leistungsfähigkeit, die in dem Schiff steckte, nicht erkennbar – aus diesen Perspektiven kündete die Yacht allein von Luxus und Dekadenz –, doch das Heck verriet jedem, der einem an den Fersen klebte, dass er nicht allzu lange würde mithalten können. Das Schiff war auf Geschwindigkeit ausgelegt, höchstwahrscheinlich auch für Spionagezwecke, während es gleichzeitig den Eindruck erweckte, nichts anderes als das Spielzeug eines reichen Geschäftsmanns zu sein.
»Hübsch, nicht wahr?«, sagte eine Stimme, die mich dazu brachte, den Blick von der Raumyacht abzuwenden. »Das ist die Wüstenjuwel. Die fliegen dann jetzt wohl Sie.« Die Sprecherin war eine groß gewachsene Frau mit dunkler Haut und krausen Locken, die ein schmales Gesicht einrahmten. Sie schenkte mir ein freundliches Lächeln, das ich erwiderte.
»Ist das Ihre Yacht?«, fragte ich.
»Ja. Na ja, eigentlich gehört sie meinem Vater. Doch sowohl sein Schiff als auch seine Tochter stehen gegenwärtig der Allianz zur Verfügung. Bin erst letzte Woche hierhergekommen.« Sie streckte mir eine Hand hin. »Nakari Kelen. Freut mich, Sie kennenzulernen.«
»Kelen?«, sagte ich, ergriff ihre Hand und schüttelte sie. Sie hatte einen starken Händedruck, und ich legte meinen Kopf schief, während ich ihren Namen und den des Schiffs im Geiste einem größeren Kontext zuordnete. »Irgendwelche Verbindungen zu den Kelen-Biolaboren auf Pasher?«
Ihre Augen weiteten sich. »Ja! Fayet Kelen ist mein Vater. Stammen Sie von Pasher?«
»Nein, von Tatooine.«
»Ah, auch ein Wüstenplanet. Dann verstehen Sie ja, warum mich Raumschiffe so faszinieren, die einen weit von zu Hause wegbringen können.«
»Ja, das verstehe ich sehr gut. Ich bin Luke Skywalker.«
»Oh, ich weiß, wer Sie sind«, entgegnete sie und ließ ihre Hand schließlich aus meiner gleiten. »Man hat mir erklärt, dass Sie mein Schiff für so eine Art Geheimmission brauchen, aber niemand sagte mir, dass Sie von Tatooine kommen.«
»Na ja, so geheim ist die Sache auch wieder nicht. Um ehrlich zu sein, das Ganze ist eher so etwas wie ein langweiliger Geschäftsausflug, aber mit diesem Schiff wird kein Imperialer auf die Idee kommen, dass ich der Allianz angehöre.«
»Das hoffe ich. Mein Baby ist stilvoll und elegant und der Rebellion gegenüber offiziell nicht sonderlich gewogen.«
»Apropos ›nicht sonderlich gewogen‹: Darf ich Sie was fragen?«
Nakari nickte.
»Ich habe mich schon immer gefragt, warum Ihr Vater seine Biolabore ausgerechnet auf Pasher betreibt. Eigentlich würde man doch denken, dass ein Dschungelplanet für ein solches Unternehmen besser geeignet wäre, allein schon deshalb, weil es dort viel mehr Flora und Fauna gibt.«
Sie zuckte mit den Schultern. »Er hat auf Pasher klein angefangen. Wie sich zeigte, gibt es für das Gift und die Drüsen von Sandsteinskorpionen und Stachelspinnen medizinische Anwendungsmöglichkeiten.« Sie wies mit dem Kinn auf die Wüstenjuwel. »Sehr lukrative Anwendungsmöglichkeiten.«
»Scheint mir auch so.«
»Was haben Sie auf Tatooine so getrieben?«
»Feuchtfarmen. Spektakulär öde. In manchen Wochen war es so langweilig, dass ich mich tatsächlich darauf gefreut habe, zur Tosche-Station zu fahren, um ein paar … Energieumwandler abzuholen. Hah!«
»Was ist?«
»Mir ist gerade eingefallen, dass ich meine letzte Lieferung nie abgeholt habe. Ich frage mich, ob sie wohl noch dort ist?«
»Wir haben doch alle noch unerledigte Angelegenheiten, nicht wahr?« Das war eine ziemlich unerwartete Wendung des Gesprächs, und ich fragte mich, was es damit auf sich hatte. Um ehrlich zu sein, ich fragte mich, was sie überhaupt hier machte? Für gewöhnlich neigen die Wohlhabenden nicht dazu, sich in Rebellionen verwickeln zu lassen. Allerdings musste ich zugeben, dass sie nicht wie das privilegierte Kind eines Biotechnologie-Magnaten gekleidet war. Sie trug einen Wüstentarnanzug und braune Stiefel mit dicken Sohlen; an ihrer linken Hüfte saß ein Blaster, und sie hatte sich etwas auf den Rücken geschnallt, das wie ein kompakter Projektilwerfer aussah; er wurde von einem Lederriemen an Ort und Stelle gehalten, der diagonal über ihren Oberkörper verlief.
Ich deutete mit dem Finger auf das Gewehr. »Jagen Sie damit Sandsteinskorpione?«
»Ja. Blaster taugen dafür nicht. Ihre Panzer sind zu hitzeabweisend.«
»Das hab ich schon mal irgendwo gehört.«
»Und da heutzutage so viele Leute blastersichere Körperpanzer tragen, ist eine altmodische Waffe, die die Panzerung durchschlägt, überraschend effektiv, wenn man damit umzugehen weiß.«
»Jagen Sie noch anderes?«
»Natürlich. Tatsächlich war ich vor Kurzem auf Tatooine und habe dort einen Kraytdrachen erledigt. Seine Perlen haben es mir ermöglicht, die Juwel ein wenig aufzumotzen. Sie ist zwar nach wie vor Dads Schiff, aber ich habe sie ziemlich aufwändig modifiziert, und ich hoffe, dass ich bald genügend Credits zusammen habe, um sie ihm abzukaufen. Kommen Sie, ich zeige Ihnen mein Baby.«
Wir beide grinsten. Ich war ein bisschen aufgeregt und froh, in diesem eisigen Teil der Galaxis jemanden mit einem ähnlichen persönlichen Hintergrund getroffen zu haben. Zwar kann ich in dieser Hinsicht nur für mich selbst sprechen, nicht für Nakari, aber jemandem mit ähnlichen Erfahrungen zu begegnen, füllte für mich einen Gutteil der Leere hier draußen auf, und das umso mehr, weil sie offensichtlich genau verstand, warum Raumschiffe so wichtig sind: Sie bringen einen von den Wüsten weg – und wenn auch bloß für eine kleine Weile –, um einen fast in dem Glauben zu wiegen, dass man dort nicht verkümmern wird, emotional wie körperlich. Nicht, dass der Rest der Galaxis freundlicher wäre als die Sanddünen. Mein alter Kumpel Biggs zum Beispiel liebte das Fliegen genauso sehr wie ich, schaffte es, Tatooine hinter sich zu lassen, und starb dann in der Schlacht um Yavin. Er fehlt mir, und manchmal frage ich mich, ob er wohl irgendetwas anders gemacht hätte, wenn er gewusst hätte, dass er nie wieder einen Fuß auf einen Planeten setzen würde, sobald er an Bord dieses X-Flüglers kletterte? Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass er den Einsatz trotzdem geflogen wäre, weil er glaubte, dass die Sache es wert sei, dafür zu sterben, und das Risiko akzeptabel, doch ich schätze, ob er tatsächlich so dachte, werde ich niemals erfahren. Die Zerstörung des Todessterns hat das Imperium nicht zu Fall gebracht, und die Rebellion geht weiter, sodass ich nichts weiter tun kann, als darauf zu hoffen, dass sich die nächste Mission als jene erweist, die den Imperator stürzt und dem Opfer meines Freundes die Bedeutung verleiht, die es verdient.
Über die Laderampe der Wüstenjuwel gelangten wir in den schmalen Gang hinter dem Cockpit. Bedauerlicherweise diente die Rampe gleichzeitig als Fußboden, und solange sie runtergelassen war, konnten wir nicht weitergehen – ein klarer Designfehler –, deshalb schlossen wir sie und ließen den armen Erzwo allein auf dem Hangardeck zurück, damit es uns möglich war, das Cockpit zu betreten.
Nakari wies auf die Luken zu beiden Seiten des Gangs. »Kombüse und Waschraum links, Kojen und Wartungszugang auf der rechten Seite«, erklärte sie. »Ihr Droide kann sich hier einstöpseln. Außerdem gibt es jede Menge Notfallproviant und Überlebensausrüstung, die ausgesprochen nützlich ist. Atemmasken, ein aufblasbares Floß und dergleichen. Die Kojen sind ziemlich schlicht, muss ich leider sagen. Ich habe all meine Credits in Geschwindigkeit und Tarnsysteme gesteckt.«
»Eine kluge Investition«, versicherte ich ihr. »Wer an einer panischen Flucht von einem Sternzerstörer keinen Gefallen findet, kann mit Kojen ohnehin wenig anfangen, geschweige denn mit luxuriösen.«
Sie wedelte mit einem Finger vor meinem Gesicht hin und her. »Ja, genau! Ganz genau! Ich sehe schon, wir ticken verdammt ähnlich. Und das ist gut, weil ich mein Schiff gern wiedersehen möchte.«
»Ich würde …« Ich brach abrupt ab, weil ich unbewusst beinahe erwidert hätte: Ich würde Sie gern wiedersehen. Glücklicherweise wurde mir jedoch noch rechtzeitig klar, dass sie das vermutlich falsch verstehen und als unglaublich plumpen Flirtversuch werten könnte. Darum beendete ich den Satz mit: »… sagen, das wäre gut für uns beide.« Ich hoffte, dass ihr die unbeholfene Pause entgangen war.
»Absolut.« Sie winkte mich vorwärts. »Nach Ihnen.«
»Danke.« Fünf weitere Schritte führten mich ins Cockpit, wo ich mich in den Sessel auf der linken Seite sinken ließ. Nakari legte eine Hand auf die Rückenlehne meines Sitzes und deutete mit der anderen auf die Instrumentenreihen. »Das Baby verfügt über hochmoderne Störsysteme und Sensoren von Sollust. Da haben wir einen Holoschirm, der vergleichsweise schlicht ist, weil ich lieber diese leistungsstarken Deflektorschilde haben wollte, und die Zwillingssublichttriebwerke links und rechts lassen einen schneller durchs All sausen, als einen X-Flügler. Oh, und für weite Strecken hat das Schiff einen 8.0-Hyperantrieb.«
»Wow. Irgendwelche Waffen?«
»Eine Laserkanone, die direkt unter der Stelle versteckt ist, wo ich gerade stehe. Sobald man sie scharf macht, wird ein Zielerfassungsdisplay aktiviert.«
Ich zuckte innerlich zusammen. »Nur eine Kanone?«
»Das Schiff ist dazu gedacht, abzuhauen und einen so lange am Leben zu halten, bis man die Schwierigkeiten hinter sich gelassen hat. Am besten ist es natürlich, gar nicht erst in irgendwelche Schwierigkeiten zu geraten.«
»Verstanden.«
»Gut.« Sie klopfte mir auf die Schulter. »Sichere Reise, Luke.«
Ich drehte mich in meinem Sitz um, überrascht über das abrupte Ende der Führung. »Hey, danke. Was machen Sie denn so in der Zwischenzeit?«
Sie öffnete die Einstiegsrampe und wies mit einem Daumen auf den Schaft des Gewehrs hinter ihrer Schulter. »Ich bilde einige Soldaten als Scharfschützen aus. Wir gehen runter, um auf Orto Plutonia auf gefrorene Ziele zu feuern. Ich bin ziemlich beschäftigt.« Ihr Blick schweifte durch den Hangar, und etwas ließ sie lächeln. »Ich glaube, Ihr Droide kann es kaum erwarten, an Bord zu kommen.«
»Ist er Ihnen im Weg?«
»Ein bisschen.«
Sie begann die Rampe hinabzusteigen, und ich rief ihr nach, während sie außer Sicht verschwand: »Tut mir leid! Er macht Ihnen sofort Platz!«
Einige Sekunden später rollte Erzwo ins Schiff, und ich fand den Schalter, mit dem sich die Rampe hinter ihm sichern ließ. Er zwitscherte ungeduldig und schien sauer auf mich zu sein, doch wie üblich verstand ich nicht, was genau er sagte. »Du kannst dich rechts einklinken«, sagte ich; der Droide setzte seine elektronische Schimpftirade fort, während er in Position ging.
Wir mussten mehrere verschiedene Hyperraumstraßen nehmen, um vom Sujimis-Sektor nach Rodia zu gelangen, und mir gefiel die Art und Weise, wie sich die Juwel fliegen ließ, weshalb unsere Reise vermutlich ein wenig länger dauerte, als zwingend erforderlich gewesen wäre. Glücklicherweise jedoch waren wir nicht in Eile, und ich genoss jede Sekunde des Trips. Die Juwel zu steuern war das reinste Vergnügen, und im Gegensatz zu meinem X-Flügler, der vom schrillen elektronischen Heulen des Triebwerks erfüllt wurde, war es im Cockpit der Raumyacht wunderbar leise.
Erzwo installierte auf dem Bordcomputer der Juwel ein Programm, das seine digitalen Piepslaute in lesbare Sprache umwandelte. Seine Worte scrollten über den Holoschirm, auf den Nakari mich hingewiesen hatte, und ich ließ die Gegensprechanlage des Schiffs eingeschaltet, damit er hören konnte, was ich sagte.
»Bring uns nach Llanic, Erzwo. Wir müssen dort einen Zwischenstopp einlegen, um zu sehen, ob wir jemanden finden können, der bereit ist, für uns zu schmuggeln, falls wir mit Rodia ins Geschäft kommen.«
Llanic befand sich an der Kreuzung der Llanic-Gewürzroute und der Triellus-Handelsroute und wimmelte derart von Schmugglern und anderen zwielichtigen Gestalten, dass Ben Kenobi den Ort vermutlich als »erbärmlichen Pfuhl des Abschaums und der Verkommenheit« bezeichnet hätte, auch wenn Llanic nicht halb so heruntergekommen war wie Mos Eisley. Hier wurde jede Menge illegaler Credits umgesetzt, was auch der Grund war, weshalb das Imperium die dortigen Machenschaften im Auge behielt. Leia hatte mich mit allen relevanten Informationen vertraut gemacht und gewarnt, dass Moff Abran Malfour häufig auf der Gewürzroute unterwegs war. Er stellte sozusagen die imperiale Präsenz dar, die der aktuellen Position der Allianz-Flotte am nächsten war. Ich konnte nicht riskieren, ihn womöglich auf den Gedanken zu bringen, dass sich die Flotte irgendwo in seinem Sektor aufhielt.
Als ich das System erreichte, rechnete ich zwar damit, dass der Schirm jede Menge Kontakte anzeigen würde, doch die Masse, mit der ich dann konfrontiert wurde, hatte ich nicht erwartet. Fast augenblicklich tauchte einer von Moff Balfours Sternzerstörern auf, auch wenn er zu weit entfernt war, um mich mit seinem Traktorstrahl zu erwischen oder mir sonst irgendwie gefährlich zu werden. Wesentlich näher dran waren zwei TIE-Jäger, die gerade ein Schiff verfolgten, das außerstande zu sein schien, ihnen viel Widerstand entgegenzusetzen. Die Jäger feuerten auf das Schiff, dessen Schilde im Augenblick noch standhielten, doch ich bezweifelte, dass das noch lange so bleiben würde, insbesondere da das Vehikel langsamer war als die TIEs. Fast konnte ich das nicht näher zu bestimmende Rattern und Klappern an Bord des Schiffs hören, das weniger auf einen katastrophalen Schaden hindeutete, als vielmehr auf einen allgemeinen Zustand der Baufälligkeit und die unmittelbar bevorstehende Zerstörung. Ich dachte, dass das kein sonderlich fairer Kampf war, doch ich hatte nicht die Absicht, mich einzumischen, bis ich feststellte, dass das Schiff von kupohanischer Bauart war. Die Kupohaner hatten der Allianz in der Vergangenheit bereits mehrfach beigestanden und würden dies möglicherweise wieder tun.
Nicht, dass sich notwendigerweise Kupohaner an Bord befanden, oder sogar Kupohaner, die der Allianz freundlich gesonnen waren. Es gab unzählige Gründe, warum es besser gewesen wäre, mich um meine eigenen Angelegenheiten zu kümmern und das Schiff seinem Schicksal zu überlassen, doch zwei Dinge hielten mich davon ab. Erstens: Wenn sie das Imperium derart ärgerten, waren sie zumindest potenziell auf meiner Seite. Und zweitens: Da ich ihnen helfen konnte, sollte ich das auch tun, zumal niemand zugegen war, der mir in diesem Punkt hätte widersprechen können.
»Erzwo, berechne schon mal einen Kurs raus aus dem System«, erklärte ich und beschleunigte auf Abfanggeschwindigkeit. »Hinterher werden wir schleunigst von hier verschwinden müssen. Und halte dich irgendwo fest.« Der Schwerkraftgenerator würde ihn zwar am Boden festhalten, jedoch nicht verhindern, dass die Fliehkräfte der extremen Flugmanöver, die uns bevorstanden, ihren Tribut von ihm forderten. Normalerweise saß er sicher im Droidensockel meines X-Flüglers, sodass man sich um solche Dinge keine Gedanken machen musste, aber das hier war etwas anderes.
Ich aktivierte die bescheidene Laserkanone des Schiffs und wartete, bis das System bereit war; dann steuerte ich seitlich auf die TIE-Jäger zu. Ich fuhr die Deflektorschilde hoch und rief die Zielerfassung auf. Ein Blick auf die Schiffe genügte, um zu wissen, dass sich die TIE-Piloten an dem Sternzerstörer orientierten, von dem sie gestartet waren; sie hatten eine ungefähre Ahnung, wo »oben« war, und hielten daran fest, was im Weltall eine eingeschränkte und sogar gefährliche Sichtweise ist. Sobald man sich außerhalb der Atmosphäre befindet, haben oben und unten keine wirkliche Bedeutung mehr. Ich zog die Yacht im Sinkflug ganz bewusst in eine Rolle, brachte die Nase so in Position, dass ich den vorderen der beiden TIE-Jäger im Visier hatte, und feuerte.
Die Lasersalven der Wüstenjuwel waren blau und zu Dreierstrahlen gebündelt. Die erste Salve ging komplett daneben, doch die zweite erwischte den TIE-Jäger und zerstörte ihn. Der andere TIE drehte nach links ab, um auszuweichen, und ich zog die Yacht nach oben, in der Absicht, einen Looping zu fliegen und dann erneut in den Sinkflug überzugehen; das kupohanische Schiff war nach wie vor in Bewegung und wurde fürs Erste nicht länger von Imperialen verfolgt.
Ich rechnete damit, dass der TIE kehrtmachen und versuchen würde, mich ins Visier zu bekommen, und einige Sekunden lang sah alles genau danach aus, doch dann drehte der Raumjäger bei, um seinen Angriff auf das kupohanische Schiff fortzusetzen. Das kam mir ausgesprochen seltsam vor: eine tödliche Gefahr zu ignorieren und jemandem freies Schussfeld auf dein ungeschütztes Schiff zu gewähren, nur um ein fliehendes Zielobjekt zu verfolgen. Ich konnte es kaum glauben und vergewisserte mich, dass sich kein weiteres Schiff auf meinen Scannern befand, das ich irgendwie übersehen hatte und das im Hinterhalt lauerte, doch in unmittelbarer Nähe gab es bloß mich, den verbliebenen TIE und den Kupohaner. Zwar schien es, als sei gerade ein ganzes Geschwader zusätzlicher TIE-Jäger von dem Sternzerstörer gestartet, aber bis die eintrafen, würde es eine Weile dauern.
»Die wollen dieses Schiff um jeden Preis zerstören«, sprach ich meine Gedanken laut aus. Vermutlich hatte der TIE-Pilot vom Sternzerstörer einen Befehl erhalten, der unter dem Strich in etwa so lautete: »Eliminier den Kupohaner oder komm gar nicht erst zurück.« Was mich betraf, so war das umso mehr ein Grund, dem kupohanischen Schiff beizustehen.
Ohne befürchten zu müssen, dass auf mich gefeuert wurde, brachte ich die Yacht erneut in Position und schoss auf den TIE-Jäger, der gerade sein Bestes gab, um den kupohanischen Transporter in Stücke zu ballern. Die Schilde des Kupohaners hielten dem Sperrfeuer stand; der TIE-Jäger hingegen wurde beim ersten Treffer meines Lasers zerfetzt.
»Erwischt«, sagte ich und überprüfte von Neuem die Position des Sternzerstörers. Noch war er nicht in Reichweite, doch der Zerstörer flog mit Höchstgeschwindigkeit, um aufzuholen, und das TIE-Geschwader war noch immer einige Standardminuten entfernt. »Vielleicht kriege ich ja ein paar Antworten, was hier eigentlich los ist. Erzwo, bereite den nächsten Sprung vor und versuch, eine Verbindung zu dem kupohanischen Schiff herzustellen.«
Die Antwort des Droiden erschien auf meinem Holoschirm: SPRUNGBEREIT. INITIIERE KONTAKT.
»Gut. Ich hoffe, die können noch …« Ich brach ab, als das kupohanische Schiff in den Hyperraum sprang, ohne sich auch nur für meine Hilfe zu bedanken. »Tja, ich schätze, sie können noch springen. Wir sollten ihrem Beispiel folgen. Bring uns in den Hyperraum, sobald du so weit bist, Erzwo.«
Als ich die Laserkanone deaktivierte, wich die Anspannung aus meinen Schultern, doch meine Mundwinkel verzogen sich vor Bedauern, als die Sterne zu Schemen verschwammen und während des Sprungs als Streifen am Cockpitfenster vorbeizischten. Irgendwie war ich enttäuscht. Ich fragte mich, wer sich wohl an Bord dieses Schiffs befand, warum das Imperium so erpicht darauf war, diese Wesen zu töten – und ob es die Sache wert gewesen war, dafür meine Mission zu gefährden und dieses Schiff auf die imperialen Suchlisten zu bringen? Für die Besatzung des kupohanischen Schiffs war es das zweifellos, immerhin lebten sie noch. Ich hingegen war mir nicht sicher, ob ich der Allianz mit meinem Handeln tatsächlich einen Gefallen getan hatte, und als ich nun Gelegenheit hatte, die Situation objektiv zu beurteilen, wurde mir klar, wie unüberlegt meine Entscheidung gewesen war. Jetzt war ich gezwungen, Llanic komplett zu streichen und geradewegs nach Rodia zu fliegen, in der Hoffnung, dort vor irgendwelchen Imperialen einzutreffen, die nach mir suchten.
Hoffentlich würde es auf Rodia gut für mich laufen. Vielleicht würden Leia und Admiral Ackbar es mir dann nachsehen, dass ich dem Imperium auf die Zehen getreten bin, obwohl wir uns doch eigentlich bedeckt halten wollten.