1. Auflage
Deutsche Erstausgabe August 2020
ISBN: 978-3-7526-5030-3
Herstellung und Verlag: BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt
Illustrationen: Julia Spindler
Alle Rechte, einschließlich dem des vollständigen oder auszugsweisen
Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.
Impressum
Julia Spindler
Clessgasse 65
1210 Wien
julia-spindler@gmx.at
Für meine Cousinen,
Ida & Valerie
Henry war ein kleiner Pandabär, der in einer Höhle nahe an einem Bambuswald wohnte. Er war wie viele andere Bären auch. Er liebte es Schmetterlinge zu jagen, im Wald zu spielen und danach abends müde und zufrieden in seiner Höhle einzuschlafen.
Trotzdem bemerkte Henry, dass er ein bisschen anders war, als die anderen Bären, die in seiner Nähe wohnten. Denn alle anderen Bären, die er kannte, hatten hellbraunes oder dunkelbraunes Fell. Henry war der Einzige mit einer schwarzweißen Fellfarbe. Er war auch der Einzige, der gern Bambus aß. Deswegen lachten ihn die anderen Bären oft aus.
„Du bist ja gar kein richtiger Bär!“, sagten sie oft, wenn sie Henry sahen, „echte Bären sind braun und essen Honig. Du bist ein komisches Tier!“
Henry war oft einsam und traurig. Er wünschte sich nichts mehr als gute Freunde. Freunde, denen sein schwarzweißes Fell gefiel. Oder Freunde, die selbst schwarzweiß und Henry somit ähnlich waren.
Als Henry eines Tages Bambus für sein Abendessen sammelte, begegnete er Frederik, einem großen Braunbären mit seinem kleinen Bruder.
„Hey Henry!“, rief Frederik, „warum sammelst du Bambus? Weißt du denn nicht, dass richtige Bären Honig, Himbeeren und Brombeeren essen?“
„Er ist doch gar kein richtiger Bär!“, rief Frederiks kleiner Bruder, „er ist nur irgendein komisches Tier mit schwarzweißem Fell! Richtige Bären sind braun, so wie ich!“
„Ich bin ein richtiger Bär!“, verteidigte sich Henry, „nur ein Pandabär und kein Braunbär!“
„Schau dir doch mal dein komisches Fell an“, lachte Frederik, „du kannst dich gar nicht im Wald verstecken, weil du ganz schwarzweiß bist. Gib es zu, ein Pandabär ist einfach ein komisches Tier!“
Die beiden Braunbären lachten noch lange über Henry. Das machte Henry sehr traurig. Warum mochten ihn die anderen Bären nicht? Gefiel denn wirklich niemandem sein schwarzweißes Fell? Und war er vielleicht wirklich kein richtiger Bär?
In dem Wald, in dem Henry wohnte, war ihm noch nie ein anderes schwarzweißes Tier begegnet. War das denn wirklich so seltsam?
Henry überlegte. Er wollte nicht glauben, dass er das einzige schwarzweiße Tier auf der großen, weiten Welt war. Das konnte doch gar nicht sein! Und so hatte er eine Idee…
„Ich werde eine Reise machen!“, beschloss Henry, „eine Reise, einmal um die ganze Welt! Und ich werde alle schwarzweißen Tiere suchen, die es auf der Welt gibt. Dann werden alle sehen, dass es gar nicht komisch ist, schwarzweißes Fell zu haben. Und Freunde finde ich dann bestimmt auch.