Lustige Reise-Geschichten
Wenn dir das Leben eine Zitrone gibt,
vergiss nicht nach Salz und Tequilla zu fragen!
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Wohin Du auch gehst -
gehe mit ganzem Herzen
Konfuzius (551 v. Chr. – 479 v. Chr.)
1990 sind wir von der Schweiz nach Argentinien ausgewandert.
Wir, das heisst meine Frau Ursula, unser Sohn Adrian und ich, Peter.
Unser Hobby, das reisen wurde 1997 zu unserem neuen Beruf, da haben wir die Firma Reisen Argentinien gegründet.
Wenn einer eine Reise tut – dann kann er was erzählen, stimmt zu hundert Prozent.
Was wir nun an lustigen und komischen Episoden in all den Jahren erleben durften, haben wir in diesem Buch zusammen gefasst, ebenso unser Abenteuer mit einem Indianer-Stamm und dem Schamanen.
Da sich unsere Ex-Reisegäste in den Geschichten erkennen werden, haben wir die Namen teilweise geändert.
Peter Glaus, ist in der Schweiz aufgewachsen, und war über zwanzig Jahre erfolgreich in der Gastronomie tätig. Die üblichen 16 Stunden Arbeit-Tage und der damalige Personalmangel haben den Autor 1990 dazu bewogen mit der Familie in ruhigere Gefielde zu siedeln.
Der Familienrat beschloss, das neue Leben in Argentinien zu starten. Eine Entscheidung die sie nie bereut haben.
Der Autor im Internet:
www.reisenargentinien.com
Es ist ein schöner, interessanter und abwechslungsreicher Beruf.
Viele der Reisenden nehmen allerdings an, dass Angehörige dieser Berufsgattung sich den ganzen Tag am Strand amüsieren und ein unbeschwertes, sorgenfreies Leben führen.
Der Alltag sieht etwas anders aus. Die Reiseleitung versucht, den Reisegästen den Aufenthalt im fremden Land so angenehm wie möglich zu machen und den Urlaub zu verschönern.
Wenn man die Minibusse auch noch persönlich fährt, ist dies mit sehr viel Verantwortung verbunden.
Mitbringen muss er auch ein gutes Allgemeinwissen, er muss Fremdsprachen beherrschen, ganz nebenbei ein guter Psychologe, und manchmal noch ein Computerfachmann sein.
Reiseleiter sind Individualisten, vielleicht die letzten Romantiker in einer Welt, die trotz aller Hetzerei noch ein wenig von dem enthält, das man sich in der heutigen Zeit bewahren sollte:
Liebe zum Beruf, die Bereitschaft, anderen Menschen zu dienen, Ihnen dabei zu helfen, die Welt kleiner werden zu lassen und ihnen die Schönheiten des Landes zu zeigen.
Sein Charakter
Der Argentinier ist temperamentvoll, aber gleichzeitig gelassen. Er legt Wert auf Ordnung, ist aber auch ein Meister der totalen Improvisation.
Ueberschwengliche Herzlichkeit, überschäumende Lebensfreude, grosszügige Gastfreundschaft aber auch eine liebenswürdige Unzuverlässigkeit prägen seinen Charakter. Wie also entstand der Argentinier, wer sind sie?
Eine recht schwierige Frage, stellt man sie einem Argentinier erhält man oft zur Antwort:
Wir wissen heute noch nicht, sind wir Europäer oder Südamerikaner.
Nun folgen die lustigen Reise-Episoden die wir mit unseren Reise-Gästen erleben durften:
Tatort: Quartier Recoleta in Buenos Aires.
Aus der ganzen Welt strömen Touristen hierher, um die imposanten Marmor-Mausoleen zu bewundern. Viele Nationalhelden, und andere bekannte Persönlichkeiten haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden, unter anderem auch Evita Peron. Der Friedhof ist das teuerste Stück Land von ganz Argentinien. Gegründet wurde er im Jahre 1882. Alles was Rang und Namen hat möchte hier begraben werden. Die Warteliste um hier eine Grabstätte zu erwerben ist immens lang.
Hannes und Mark besuchten an einem herrlich warmen Sommertag den weltberühmten Friedhof von Recoleta, schlenderten danach durch den angrenzenden kunterbunten Markt und entschlossen sich im nahe gelegenen Cafe eine Erfrischung zu sich zu nehmen.
Es war der letzte Reisetag. Am anderen Tag stand die Heimreise auf dem Programm.
Entspannt lassen sich die zwei im Gartenrestaurant das Bier schmecken, knabbern Nüsschen und beobachten die hübschen Mädels welche in stolzem Gang vorbei schlendern.
Den Rucksack und die Fototasche stellten sie unter ihre Gartenstühle.
Die Ruhe währte allerdings nicht lange da sich direkt vor ihrem Tisch zwei jüngere Männer in die Haare gerieten. Es wurde gerempelt begleitet von einer Tirade Schimpfwörter, bestimmt nicht von der feinsten Art. Der etwas kleinere Kerl war ziemlich jähzornig und versetzte dem Gegner einen perfekten Kinnhaken worauf der zu Boden ging und einen Stuhl umriss.
Endlich mischten sich andere Passanten ein und trennten die beiden Streithähne.
Tatsächlich beruhigten sich die zwei. Es wurde von beiden Seiten noch etwas geflucht, danach gingen die zwei ihre Wege.
Mark rief den Ober und bezahlte die zwei Bier. Kurz danach wollten sich die zwei auf den Weg zum Taxi-Stand machen, als Hannes mit Schrecken feststellte das seine Fototasche verschwunden war. Und dies am letzten Reisetag nach dieser einmalig schönen 23 Tage Reise durch Nord-Argentinien. Hannes war am Boden zerstört.
Die teure Canon-Kamera war weg und noch schlimmer, 16 Filme mit je 36 Aufnahmen. Sie erzählten dem Kellner was passiert war. Dieser meinte, solche Diebstähle seien hier leider an der Tagesordnung. Er vermute, dass das vorausgegangenen Gerangel nur gespielt war und eine Drittperson die momentane Unaufmerksamkeit ausgenutzt hat um die Fototasche zu klauen. Völlig deprimiert kamen sie eine halbe Stunde später im Hotel an. Der Angestellte an der Reception, welchem sie den Vorfall erzählten meinte, sie sollten auf der Polizeistation eine Anzeige erstatten, damit die Versicherung in Deutschland wenigstens die Kamera bezahlt. Also ging es mit dem Taxi zum Polizei-Posten. Glücklicherweise konnte einer der Polizeibeamten englisch, sodass die Anzeige problemlos aufgenommen werden konnte. Der Beamte meinte allerdings, die Chance die Gauner zu erwischen sei sehr gering.
Als sie wieder im Hotel eintrafen, wedelte der Rezeptionist mit der rechten Hand in welcher er einen grossen, dicken Briefumschlag hielt.
Adressiert war dieser mit Hannes Namen.
Hannes öffnete den Umschlag, vor lauter Staunen blieb sein Mund eine Weile offen.
Im Umschlag befanden sich alle 16 Filme.
Hannes kamen vor Rührung die Tränen.
Beigelegt war auch ein Brieflein. Hier die Uebersetzung:
Verehrter Herr
Bitte entschuldigen Sie, dass wir Sie bestohlen haben. Gott möge uns verzeihen, aber das Leben ist hart. Wir hoffen, Ihnen mit der Rückgabe der Filme eine kleine Freude zu bereiten.
Wenn Sie jetzt noch zur Polizei gehen und eine Diebstahlanzeige machen, erhalten Sie zu Hause von der Versicherung bestimmt das Geld um eine neue Kamera zu kaufen. (Wirklich eine tolle Kamera.)
Behalten Sie bitte Argentinien trotzdem in guter Erinnerung. Auch Diebe haben ein Gewissen.
Nun erst wurde Hannes klar, das die Fototasche, sein Handgepäck, mit seinem Namen und der Hotelanschrift versehen war.
Als sich am Abend die ganze Reisegruppe von 7 Personen wieder trafen, war Hannes voll des Lobes über argentinische Diebe. Er war so glücklich, dass er das ganze Reise-Team zum Abendessen einlud. Auch der Vino tinto floss in Strömen.
Tatort: Posadas
Wir kamen mit unserer netten Gruppe an einem Freitag Nachmittag in Posadas an.
Posadas liegt im Norden von Argentinien am Fluss Parana und ist eine Grenz-Stadt zu Paraguay. Von hier sind es nur noch dreihundert Kilometer zu den Wasserfällen von Iguazu. Das besondere an diesem Tag:
Herbert, einer der Reiseteilnehmer hatte Geburtstag. Aus diesem Grund lud er seine drei Kumpels bereits um 18 Uhr zu einem Drink ein.
Abgemacht war, dass wir uns um zwanzig Uhr im Restaurant Gerencia treffen um gemeinsam das Abendessen zu geniessen. Das Restaurant liegt nur siebzig Meter vom Hotel entfernt.
Pünktlich wie es sich gehört, waren Verena, Claudia, Ursula und ich im Restaurant. Von Herbert und seinen Freunden keine Spur. Wir genehmigten uns also einen Apero und warteten. Es wurde halb neun, als die vier endlich eintrafen, man bemerkte sofort dass die Boys nicht nur einen Drink intus hatten.
Alle vier waren prächtiger Laune. Wir bestellten riesige Steaks und zwei Flaschen Cabernet Sauvignon und liessen es uns schmecken. Um viertel nach zehn servierte der Kellner bereits die sechste Flasche Rotwein.
Man hat ja nur alle Jahre einmal Geburtstag meinte Herbert, allerdings war schon ein deutliches lallen zu hören. Und weil die Stimmung so ausgelassen war, wurde noch eine Runde Cognac bestellt.
Dieser Absacker gab dem lieben Herbert allerdings den Rest, er bat mich die Rechnung zu bezahlen, Du kriegst das Geld morgen von mir zurück, aber ich muss jetzt ins Bett.
Eine halbe Stunde später, es war fast Mitternacht brachen auch wir auf und spazierten zum Hotel Posadas. Ursula und ich waren keine zehn Minuten in unserem Zimmer, als an unserer Tür geklopft wurde.
Michael, welcher mit Herbert das Zimmer teilt, erklärte uns, das Herbert nicht im Zimmer sei. Wo wollte er in seinem Zustand wohl noch hin, fragte ich Michael.
Nirgends erklärte er bestimmt. Herbert ist ein Angsthase der geht nie alleine weg, auch nicht besoffen. Nun war guter Rat teuer. Michael und ich beschlossen, trotzdem die nähere Umgebung nach Herbert abzusuchen.
Michael ging zum Hauptplatz um dort zu suchen, während ich die naheliegenden Bars unter die Lupe nehmen wollte. In keiner der Bars war Herbert zu finden, so machte ich mich auf den Weg ins Casino, aber auch dort war er nicht.
Wieder im Hotel erwartete mich Michael schon, auch er war nicht fündig geworden.
Was nun? Ich erzählte die Geschichte dem diensthabenden Angestellten an der Reception.
Dieser lachte, und erwiderte: Ganz klar der ist mit einer Chica (Mädchen) abgehauen.
Dies dementierte Michael heftig. Auf keinen Fall, das ist nicht Herberts Art. Als uns Antonio der Angestellte endlich glaubte, riet ich ihn für uns in den Spitälern nach zu fragen, ob ein deutscher Tourist eingeliefert worden sei. Gesagt – getan, aber in keinem der drei Spitäler wurde ein Ausländer behandelt.
Schliesslich rief Antonio bei der Polizei an.
Gleiche Frage: Habt ihr einen Ausländer verhaftet oder gab es eine Schlägerei? Nichts von alldem. Für einen Freitag, sei die Nacht überraschend ruhig. Auch für den Polizisten war der Fall klar. Ein Chica ist schuld! Sie wissen ja selber wie viele schöne Mädchen es in Posadas gibt. Damit hatte er allerdings recht.
Michael schwor bei allem was im heilig ist, das Herbert einfach nicht der Typ sei, der in einem fremden Land ein Mädchen aufgabelt.
Inzwischen war es zwei Uhr am morgen, was machen, war die bange Frage. Zuerst schickte ich Michael ins Bett, hat ja keinen Sinn, wenn zwei hier warten. Um drei Uhr hielt ich es nicht mehr aus und fuhr mit dem Taxi direkt zur Polizei. Wieder hörte sich die Polizei die Story an und wieder wurde eine Chica vorgeschoben. Erst als ich mit der Faust auf den Schreibtisch schlug und entschieden dementierte, erbarmte sich der Polizei-Chef und nahm die Personalien Herberts auf. Er erklärte, wir fertigen nun ein A5 Flyer mit einer Vermissten-Meldung an und faxen dies an die Polizeistellen und an den Zoll.
Einigermassen zufrieden fuhr ich zurück zum Hotel. Beim warten macht man sich schon Gedanken. Was machen wenn der Vermisste nicht auftaucht? Setzten wir die Reise ohne ihn fort? Sicher muss man seine Angehörigen und die deutsche Botschaft informieren.
Antonio hatte Mitleid und servierte mir einen dampfenden Kaffee. Den hatte ich nötig, es war nun fast sechs Uhr am morgen.
Ich war halb am einschlafen, als mich Michael weckte. Er ist hier, teilte er mir mit.
Was für eine Erleichterung! Aber nicht allzulange mischte sich das wohlbefinden mit Wut.
Was ist geschehen, warum hat er uns alle an der Nase herumgeführt?
Folgendes ist passiert: Herbert kam ziemlich betrunken ins Hotel und wollte ins Zimmer 504 in der fünften Etage. Irrtümlicherweise drückte er im Lift den Knopf für die vierte Etage.
Er wusste noch, das sein Zimmer am ende des Korridors lag. Der Knauf der Türe liess sich öffnen. Er hinein ins Zimmer und mit den Kleidern und den Schuhen ins Bett. Natürlich ist er sofort eingeschlafen. Um halb sieben morgens ist er erwacht und hat mit Schrecken festgestellt, das Michael nicht im Zimmer ist, und auch nicht sein Koffer oder sonst irgend etwas. Im Flur hat er festgestellt, dass er in der vierten Etage im Zimmer 404 seinen Rausch ausgeschlafen hat. Also schlich er nach oben in den fünften Stock um Michael guten Tag zu sagen.
Antonio konnte überhaupt nicht begreifen wieso sich die Türe öffnen liess, normalerweise schnappt das Schloss ein und die Türe kann man nicht mehr öffnen.
Vermutlich hat das Zimmermädchen die Türe nicht richtig geschlossen. Nun könnte man meinen Ende gut – alles gut. Beinahe!
Wir setzten die Reise fort und kamen am Mittag in Puerto Iguazu an. Zu sagen ist, das die Angelegenheit Herbert sehr beschäftigte, er war mäuschenstill und total zerknirscht. Zum Abendessen hat er nur Mineralwasser getrunken.
Am Tag darauf stand der Besuch der Wasserfälle auf brasilianischer Seite auf dem Programm.
Um acht Uhr fuhren wir los, und waren zehn Minuten später an der Grenze. Ich übergab die Pässe dem Zollbeamten und nun ging das Theater los. Herbert war ausgeschrieben, mit dem Befehl, ihn anzuhalten. Jetzt erinnerte ich mich an die Zeit auf der Polizeistation und der Vermisstenmeldung. Sofort klärte ich den Beamten auf, doch meine Erklärung interessierte ihn nicht die Bohne. Herbert musste aussteigen und wurde in eine Arrestzelle gesteckt.
Nun ging es los mit richtiger südamerikanischer Bürokratie. Faxe wurden gesendet, Telefonate geführt, ich wurde verhört wie ein Schwerstverbrecher. Um es kurz zu machen:
Nach über drei Stunden wurde Herbert entlassen und wir durften weiterreisen.
Ende gut - alles gut.
PS. Während der weiteren Reise wurde Herbert von seinen Kollegen am laufenden Band gehänselt, er tat uns fast ein wenig leid.
Tatort: In den Anden
Für Eisenbahnliebhaber besteht in Salta die Möglichkeit mit dem Tren de las Nubes (Zug in die Wolken) die Anden zu erklimmen.
Das ganze Spektakel dauert rund 15 Stunden.
Der Zug fährt um 7 Uhr morgens ab, und kehrt zwischen 23 und 24 Uhr zurück.
Der Zug ist eine grossartige Ingenieurleistung.
Er verwendet keine Zahnräder, nur mit Hilfe von Kehren und Spiralen meistert er den Aufstieg auf 4279 Meter. Dort hält er schliesslich am Polvorilla-Viadukt (63 Meter hoch und 224Meter lang), einer eindrucksvollen Spannbrücke aus Stahl.
Während des Aufstiegs bekommen Sie unvergessliche Bilder zu sehen und von oben hat man eine einmalige Aussicht auf die Andenlandschaft.
Immer dabei die vielen Anden-Lamas.
Ein Arzt fährt mit, falls jemand Herz-oder Kreislaufprobleme hat.
Der Zug verfügt über Speisewagen, und ist auch sonst äusserst komfortabel eingerichtet.
Die Kosten sind relativ hoch. 140 US Dollar pro Person
Inbegriffen: ein kleines Frühstück, und ein Mittagsimbiss.
Auch Ruth und Gabriel entschlossen sich, die Fahrt mit dem Zug zu absolvieren.
Wir brachten die zwei morgens um 6 Uhr zum Bahnhof in Salta. Man sah, es wird ein prächtiger Tag im Monat Juni. Tagsüber werden es immer noch gegen zwanzig Grad, Nachts kühlt es allerdings rasch ab. Pünktlich um sieben Uhr setzte sich der Zug in Bewegung.
Spektakulär zieht die Andenlandschaft vorüber, an der man sich nicht satt sehen kann.
Um 14 Uhr erreicht der Zug den erwähnten Polvorilla Viadukt.
Danach verlassen die 500 Reisenden den Zug und haben Gelegenheit sich den Anden-Ort San Antonio de los Cobres anzusehen. Das Leben ist hart in dieser Höhe. Nachts wird es in den Wintermonaten bis zu zwanzig Grad unter Null. Dies sieht man den Einheimischen auch an.
Gesichter die vom Leben gezeichnet sind. Die meisten Männer arbeiten in der Kupfermine.
Ein harter aber gut bezahlter Job. Die Frauen verarbeiten die Wolle der Lamas zu schönen Ponchos und Pullover, die sie dann den Touristen verkaufen.
Um 16:30 Uhr heisst es wieder einsteigen. Die Zug-Fahrt zurück nach Salta beginnt.
Gemächlich fährt der Zug bergab. Nach einer halben Stunde gibt es noch einmal einen Foto-Stopp. Die Lichtverhältnisse sind perfekt. Das Bergmassiv der Anden erstrahlt in seiner ganzen Schönheit. Weiter geht es ………. oder sollte es gehen der Zug macht keinen Wank mehr. Ueber die Lautsprecher werden die Passagiere beruhigt. Wir haben eine kleine Panne und bitten sie um etwas Geduld. Emsig schwirren die Angestellten um die Lokomotive herum.
Immer wieder versucht der Lokomotiv-Führer den Zug in Bewegung zu setzen. Ohne Erfolg.
Es wird rasch Dunkel und es wird kalt. Die Klima-Anlage ist ausgestiegen.
Der Mechaniker hat nun Funk-Kontakt mit Salta und erklärt was passiert ist. Die Empfehlung lautet, eine Stunde zu warten und solange nicht zu versuchen, den Zug zu starten.
Eigentlich wäre es jetzt an der Zeit, im Speisewagen das Abendessen einzunehmen.
Aber, kein Strom, kein essen. Der Zug steht still auf einer Höhe von über dreitausend Meter.
Die Aussentemperatur beträgt minus 14 Grad.
Die Passagiere frieren und verlangen Decken.
Für 500 Passagiere stehen gerade mal 54 Wolldecken zur Verfügung. Eine ganz miese Organisation. Die Reisenden werden mit Wasser versorgt, hätten aber lieber Kaffee oder Tee.
Um acht Uhr abends wird versucht die Lok zu starten. Sie erwacht kurz zum Leben aber nach ein paar Sekunden würgt der Motor wieder ab.
Auch die folgenden Versuche bleiben erfolglos.
Die Japaner sind die ersten die sich lauthals Beschweren. Die Angestellten sind total überfordert. Man steht wieder in Funk-Kontakt mit Salta. Nun wird versprochen, Busse nach oben zu schicken. Es sind zwar von Salta nur etwas über hundert Kilometer, davon sind aber vierzig Kilometer Schotter von der schlimmsten Sorte. Die Strasse ist nicht einmal drei Meter breit. Sogar mit einem normalen PW benötigt man von Salta nach San Antonio de los Cobres gute vier Stunden.
Ruth und Gabriel frieren, die Laune ist auf dem absoluten Tiefpunkt. Kinder weinen, Erwachsene streiten sich um die Decken, viele versuchen mit dem Handy nach Salta zu telefonieren, aussichtslos, kein Empfang.
Um 1:30 Uhr erscheint unten auf der Pass-Strasse der erste Bus. Direkt zum Zug kann er nicht fahren, das heisst die ersten 50 Passagiere müssen in stockdunkler Nacht, über Stock und Stein gute dreihundert Meter bis zum Bus gehen. Ganze drei Taschenlampen stehen zur Verfügung um die karge Landschaft etwas zu beleuchten. Die Gruppe Japaner hat es geschafft, sie dürfen in den ersten Bus.
Nach und nach kommen weitere drei Busse.
Ruth und Gabriel sind immer noch auf der Warteliste. 215 Passagiere sind nun in den vier Bussen. Diese fahren nun im Konvoi Richtung Salta. Man glaubt es nicht, aber es gelang den Verantwortlichen in Salta nicht weitere Busse zu organisieren. Nun wurden Taxis angeheuert, und das Militär.
Unsere zwei Reise-Gäste wurden um drei Uhr morgens mit dreissig anderen Passagieren in einen Militär-Lastwagen verfrachtet.
Wenigstens erhielten sie Decken, Heizung hatte das Fahrzeug keine.
Es wurde acht Uhr am Morgen als die zwei halb erfroren im Hotel in Salta eintrafen.
Man offerierte den Betroffenen einen Reisegutschein um ein anderes mal die Zug Fahrt wiederholen zu können. Alle haben dankend abgelehnt.
Die Stadt Salta hat dann Anklage gegen die Bahngesellschaft erhoben. Das Gericht verbot weitere Fahrten mit dem Zug, bis die Ursachen der Panne genau abgeklärt seien.
Der Zug in die Wolken fuhr dann über ein halbes Jahr nicht mehr. Die Direktoren wurden entlassen und ersetzt.
Tatort: Esteros del Ibera
Wir sind mit unserer Vierer-Gruppe auf dem Weg von Federacion in den Oasenort Colonia Carlos Pellegrini. Es ist einer unserer absoluten Lieblingsorte.
Der Ort liegt in einem riesigen Naturschutzgebiet von gut 13.000 qkm.
Viele Lagunen und Flüsse von dem der Seen Komplex Esteros del Ibera das Wahrzeichen ist. Man braucht wahrhaftig nicht ins Pantanal nach Brasilien zu fahren, die Natur ist hier schöner und die Tiere sind besser geschützt.
Rund 25% des Parkes besteht aus Sumpfgebiet und ist Heimat von unzähligen Tierarten.
Wir unternehmen jeweils eine Wanderung durch den Dschungel und bekommen enorm viele freilebende Tiere zu sehen.
Ganz sicher Affen, Sumpfhirsche, Wasserschweine, Erdmännchen, Füchse und viele, auch exotische Vogelarten, (es leben über 300 Vogelarten hier).
Die Landschaft ist absolut einzigartig, die Bewohner liebenswürdig und gastfreundlich.
Man fühlt sich wie in einer anderen Epoche.
Unsere Mit-Reisenden staunen. Enten, Hühner Pferde bevölkern die Naturstrassen.
Ochsen ziehen mühsam die Karren mit den Unterschiedlichsten Güter durch die Gegend.
Ueber die Naturstrassen fahren wir direkt an die grosse Lagune wo auch der beinahe undurchdringliche Urwald beginnt.
Hier parkieren wir das Auto.
Wir machen uns sofort auf den Weg nach der Suche eines Parkwärters. Schliesslich finden wir im Schatten eines Ceibo-Baumes gleich alle drei. Das Mate Gefäss geht von Hand zu Hand.
Ein Wort zum Mate.
Mate ist das Nationalgetränk in Argentinien Es wird aus getrockneten, fermentierten und gemahlenen Blättern des Yerba-Strauches gewonnen. Mate trinken ist hier eine Kulthandlung. Jeder Besuch, jedes Gespräch beginnt mit einem Mate. Er ist Symbol der Gastfreundschaft.
Er wird immer nur aus einem Gefäss und aus der gleichen „bombilla“ Saugröhre getrunken.
Eine ganze Reihe gesundheitsfördernden Eigenschaften werden dem Aufgussgetränk zugeschrieben, wie anregend für Nerven und Muskeln, für die Magensaftbildung, Kreislaufstärkend auf Grund des starken Koffeingehaltes, hilfreich bei der Verdauung.
Durch seine gerbende Wirkung hilft er äusserlich bei Ekzemen. In Europa ist er als Arzneimittel zugelassen, wird aber auch in Teeläden verkauft.
Nach der Begrüssung wird uns Mate angeboten um danach mit Fragen bombardiert zu werden. Man hört uns an dass wir keine Argentinier sind. Aus welchem Land kommt ihr? Warum seid ihr in Argentinien? Gefällt es euch hier?
Wir beantworten alle Fragen und stellen danach selber welche. Vor allem interessiert uns welche Aufgaben man als Parkangestellter in diesem grossen Naturschutzgebiet zu bewältigen hat. Breitwillig geben Jose, Rafael und Juan Auskunft. Alle drei lieben sie die Natur und die Tiere und möchten an keinem anderen Ort arbeiten, obschon der Zustrom an Touristen sehr gering ist.
Das Sumpfgebiet ist einfach zu wenig bekannt die Anfahrtswege zu beschwerlich. Es sind Bestrebungen im Gange das Naturreservat in einen Nationalpark umzuwandeln.
Dadurch erhoffen sich die drei einen Aufschwung. Jose spricht noch Guarani die Sprache der Ureinwohner. Sie wird tief im Hals gesprochen und tönt etwas seltsam.
Ibera, wie das Reservat im Volksmund genannt wird, kommt aus der Indio-Sprache und bedeutet leuchtendes Wasser. Man versteht das sofort, denn jetzt gegen Abend funkelt die Wasseroberfläche richtig schön.
Wir verabreden uns für den anderen Tag. Um 8 Uhr soll es mit dem Boot durch die riesige Lagune gehen um all die Tiere und Pflanzen zu beobachten. Wir verabschieden uns und machen uns auf den Weg zu unserem Auto. Madeleine geht mit Riesenschritten voraus und hat schon bald an die hundert Meter Vorsprung.
Ein leichter Wind streicht durch die Bäume und lässt bunte Blätter sanft zu Boden schweben. Der Hitze wegen haben wir die Schiebetür des Autos offen gelassen, denn hier kann nun wirklich nichts passieren. Plötzlich vernehmen wir einen markerschütternden Schrei, welcher nur von Madeleine stammen kann. Wir spurten los und sehen Madeleine mit Riesen-Sätzen im Urwald verschwinden.
Alles rufen nützt nichts, sie ist schneller als eine Gazelle.
Beim Auto angekommen staunen wir nicht schlecht, als wir im innern des Wagens Bewegungen wahrnehmen. Vorsichtig nähern wir uns, und erblicken eine ausgewachsene Wildkatze, welche neugierig unser Gepäck beschnüffelt.
Sie lässt sich auch nicht aus der Ruhe bringen als wir bis zu einem Meter am Auto sind.
Soeben steht sie mit den Vorderbeinen auf unsere Reisetasche und guckt durch die Scheibe nach draussen, sicher mal eine andere Perspektive für das schön getigerte Tier. Ich bemühe mich inzwischen den unverhofften Gast aus unserem Auto zu locken, doch er knurrt mich drohend an und schnüffelt weiter an der Tasche herum ohne mich jedoch aus den Augen zu lassen. Erst als ich die Autotüre auf der anderen Seite öffne macht die Bergkatze, um so eine hat es sich gehandelt einen Satz aus dem Auto und sucht mit weiten Sprüngen das Weite.
Wir schwärmen nun aus und suchen Madeleine.
Ursula ist es, die sie findet. Die arme zittert immer noch am ganzen Körper, so sehr hat das süsse Kätzchen sie erschreckt.
Schliesslich können wir sie dazu bewegen, einen anständigen Schluck Whisky zu trinken.
Das hat Madeleine dann beruhigt.
Fazit - Madeleine ist danach nie mehr im Sturmschritt voraus marschiert.
Tatort: Trelew
Normalerweise sind wir mit Gruppen bis zu maximum sieben Personen unterwegs. Es gab aber auch Ausnahmen. So meldeten sich 32 Personen aus Slowenien an und zwar alles Nonnen und Mönche. Pater Paul hat uns ein Bild gesandt wo alle 32 Personen sehr andächtig am beten sind. Das hiess für uns kurze Hosen zu Hause lassen und uns auf drei seriöse Wochen einstellen. Im weiteren mussten wir einen richtigen Reisebus mieten um die bevorstehende Reise durch Nord- und Süd-Argentinien absolvieren zu können.
An einem Donnerstag im Januar waren wir also auf dem Flughafen in Buenos Aires und warteten auf die Ankunft der Nonnen und Mönche. Der Flug war pünktlich. Die Passagiere von Iberia kamen schon nach kurzer Zeit durch die Passkontrolle. Allerdings war von Mönchen und Nonnen weit und breit nichts zu sehen. Als auch der letzte Passagier die Abfertigungshalle verliess, waren wir ziemlich ratlos. Wo waren unser Reisegäste?
Ich beschloss mich am Schalter der Iberia zu erkundigen. Auf dem Weg dorthin erblickte ich eine Gruppe Frauen und Männer. Alle hatten gelbe Mützen auf und waren in Freizeit-Kleidung. Waren sie das? Ich ging zur Gruppe und erkundigte mich bei einem Herrn nach Pater Paul.
Und da war er. In Jeans, einem bunten T-Shirt und Turnschuhen. Ziemlich wohlgenährt, sein Bäuchlein schaukelte beachtlich hin und her.
Nachdem ich ein paar mal leer geschluckt hatte erfolgte die Begrüssung. Auch Ursula blickte total verdattert in die Welt. So stellt man sich einfach keine Kirchenleute vor. Nach und nach haben wir uns erholt und machten uns auf den Weg zu unserem Reisebus. Wir wussten noch nicht, dass drei sehr stressige Wochen auf uns warteten. Nachdem wir uns im Hotel einquartiert hatten, es war fast zwölf Uhr, meinte Pater Paul, sie hätten Hunger und Durst. Auf der anderen Strassen-Seite des Hotels befindet sich das ausgezeichnete Restaurant Establo. Hier brachten wir die Gruppe unter. Der Hunger hielt sich in Grenzen, aber durstig waren sie alle. In zwei Stunden wurden 19 Flaschen Malbec geköpft.
In gehobener Stimmung besuchten wir danach das Boca-Quartier und San Telmo. Auch der Abend verlief feucht-fröhlich, 21 Flaschen Rotwein wurden herunter gespült.
Wir fielen an diesem Abend todmüde ins Bett.
Am anderen Tag ging die Reise los in Richtung Patagonien. Es war noch nicht zehn Uhr als wir bemerkten dass im Bus in kleinen Plastikbechern Getränke herum gereicht wurden. Man glaubt es nicht, es war Sligovitz.
Daran haben wir uns dann schnell gewöhnt, es war ein Prozedere das sich täglich wiederholte.
Alle 32 Teilnehmer haben einen Liter Sligovitz mitgebracht. Einmal am Tag wurde eine kleine Messe abgehalten, das waren dann die Minuten wo alle fromm, lieb und leise waren.
Am dritten Tag kamen wir dann in Trelew an.
Die Stadt ist das Sprungbrett um die grösste Magellan-Pinguinen-Kolonie weltweit zu besuchen. Punta Tombo heisst der Ort am atlantischen Ozean.
Ganz klar etwas vom spektakulärsten was Patagonien zu bieten hat.
Kaum hat man das Auto verlassen, sind die Pinguine da, allein zu zweit oder in Gruppen bahnen sie sich ihren Weg zum Meer und zurück.
Tausende und abertausende dieser trolligen Tiere kreuzen unsere Wege. Wenn man wollte könnte man sie ohne weiteres berühren, sie haben keine scheu vor uns Menschen, und genau so neugierig wie wir sie beobachten, beäugen sie uns.
Ihre Nester und Brutstätten bauen sie bis zu 500 Meter vom Meer entfernt, und man hört die krächzenden Rufe, und sieht die eigenartigen Verrenkungen und Verbeugungen wenn sie sich begrüssen oder bei der Pflege der Jungtiere ablösen. An Land erscheinen einem die watschelnden „Oberkellner“ etwas träge, dies ändert sich aber sofort, wenn man sieht wie pfeilschnell und elegant sie sich im Wasser bewegen.
Wir sind überzeugt, dass einige der Nonnen sich unter den Pinguinen sehr wohl gefühlt haben.
Um 16 Uhr waren wir zurück im Hotel. Pater Paul nahm mich auf die Seite und sagte mir dass Schwester Maria seit zwei Tagen heftige Bauchschmerzen habe und die Medikamente die sie dagegen einnahm nichts nützten. Die ärztliche Versorgung in Argentinien ist gratis auch für Touristen. Also begeben wir uns ins Spital. Wir waren nur kurz im Wartesaal als Maria schon an die Reihe kam. Dem zuständigen Arzt, ein sehr sympathischer Mann voller Lachfalten, erklärte ich, dass wir mit einer Gruppe Nonnen und Mönche auf reisen seien, und Maria seit zwei Tagen starke Bauchschmerzen habe. Danach ging er mit Maria ins Behandlungszimmer.
Nach zwanzig Minuten erschien er wieder und sagte: Wir müssen röntgen. Ich finde nichts.
Kurze Zeit darauf erschien er mit dem Röntgenbild und schüttelte fortwährend den Kopf und sah Maria tadelnd an. Zu mir sagte er: Ich solle bitte übersetzen. Sagen Sie der Dame, sie sei schwanger. Wie bitte, platzte ich heraus. Uebersetzen Sie, was ich gesagt habe, sagte er mit strengem Blick. Also tat ich wie geheissen. Maria, der Arzt sagt Sie seien schwanger. Den Blick den mir Maria zuwarf werde ich nie vergessen. Sie erwiderte, das kann nicht sein.
Die Antwort übersetzte ich für den Arzt. Er aber sagte: Sagen Sie ihr, der Befund sei ganz eindeutig. Ich übersetzte. Maria setzte sich in ihrem Stuhl kerzengerade auf und man sah wie es in ihrem Hirn rotierte. Sie wurde bleich, ihre Hände zitterten …… da brach der Doktor in schallendes Gelächter aus. Er konnte sich fast nicht mehr erholen und kicherte noch lange vor sich hin. Na siehst Du, sagte er zu mir, die hat ein schlechtes Gewissen.
Danach wurde er wieder ernst und sagte: Wie kann man so in die Ferien fahren.
Sie haben einen Nierenstein in der grösse einer Apfelsine. Das müssen sie schon wochenlang gespürt habe. Maria war sichtlich erleichtert und gab zu, schon in Slowenien ab und zu Bauchschmerzen verspürt zu haben.
Der Arzt mit seinem Humor und seinem Spass an derben Witzen verpasst ihr eine Spritze.
Die soll bewirken, dass mit der Operation gewartet werden kann bis sie wieder zu Hause ist.
Er verabschiedete Maria, und danach mich wobei er mir kumpelhaft zuzwinkerte.
Tatort: Esteros del Ibera
Ein paar mal pro Jahr reisen wir zu diesem lieblichen Ziel. Der Ort liegt wie schon erwähnt in einem riesigen Naturschutzgebiet von gut 13.000 qkm.
Viele Lagunen und Flüsse von dem der Seen Komplex Estero del Ibera das Wahrzeichen ist.
Ein Paradies für unzählige Tier-Arten. Auch die Angler kommen hier voll auf ihre Rechnung.
Vor allem gefragt ist die Fischerei auf Süsswasser-Dorados. Durchschnittlich wiegt so ein Dorado zwischen sieben und zehn Pfund. Es wird hauptsächlich mit der Fliege gefischt.
Der goldfarbene Dorado ist ein sehr kämpferischer, schlauer Fisch. Er attackiert, springt, taucht unter, sucht Schutz unter Steinen, manch einem gelingt die Flucht.
Ausser den Dorados wimmelt es hier von Tiger Welsen. Die Einheimischen nennen sie Surubi. Beim Biss eines Surubis merkt man sofort den Unterschied zum Dorado, er flüchtet rasant und springt nicht.
Herr Meier, ist ein begeisterter Angler. Wir konnten organisieren, dass er mit den Einheimischen auf Fischfang gehen durfte. Er war etwas nervös, den spanisch konnte er nicht. Gefischt wurde in einem Seitenarm des Rio Corrientes.
Im Gegensatz zu den Einheimischen hatte Herr Meier eine Top Ausrüstung. Die Angelrute von Herr Meier wurde zum Ereignis. Eine super moderne Rute der Gewichtsklasse 6 Also, Rute vorbereiten, und auswerfen. In der Eile hatte er vergessen den Sonnenhut aufzusetzen. Er legt die Rute ins Gras und entfernt sich um den Hut zu holen. Kaum ist er zwei Meter entfernt hört er ein zischendes sssssssssssssss und ein Platsch. Seine Rute hatte sich verabschiedet und schwimmt zügig von dannen. Schon bald ist sie mitten auf dem Fluss.
Die Einheimischen können sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Da muss ein dicker Brocken angebissen haben, die Rute ist hoffnungslos verloren, denn hier leben auch die gefürchteten Piranhas, die bei den hier lebenden Kaimanen ganz oben auf der Speisekarte stehen. Herr Meier flucht wie ein Rohrspatz. So etwas ist ihm noch nie passiert.
Nun, ein Fischer wie er, hat natürlich eine zweite Angel Rute dabei. Mit der hat er mehr Glück und fängt auch innert zwei Stunden drei prächtige Dorados. Teilweise waren die Bisse aber so heftig, dass das Vorfach brach und Fliege und Fisch verloren gingen.
Dies passierte den Einheimischen nicht, sie fingen mit den einfachen Bambus-Ruten bedeutend mehr. Am späteren Nachmittag ging es zurück. Die Fischer bereiteten Mate zu. Da entstand folgender Dialog.
Herr Meier: Ich gratuliere euch zu dieser fantastischen Fangquote.
Warum seid ihr nicht länger geblieben, und habt mehr Fische an Land gezogen.
Die Fischer: Weil wir nicht mehr benötigen, die Fische reichen um unsere Familien die nächsten Tage zu ernähren.
Herr Meier: Das macht ihr falsch. Man muss die Fische packen wenn diese hier sind.
Wenn ihr zu viel habt, könnt ihr diese verkaufen, und euch etwas Luxus gönnen.
Fischer: Wir haben Luxus in Hülle und Fülle.
Eine herrliche Natur, fast immer blauer Himmel und ein geruhsames Leben.
Herr Meier:
So, könnt ihr leben wenn ihr älter seid. Warum baut ihr nicht eine Fisch-Fabrik und exportiert die Fische, ihr würdet alle sehr reich.
Fischer: Geld ist für uns nicht wichtig, wir sind mit dem was wir haben zufrieden und glücklich.
Herr Meier: Aber was macht ihr mit dem Rest des Tages.
Fischer: Nach dem Mittag spielen wir mit unseren Kindern, danach ist die Siesta, dann folgt ein Spaziergang mit meiner Frau.
Es folgt das Abendessen, danach trinken wir mit den Freunden ein Glas Wein, musizieren ein bisschen und freuen uns auf den nächsten Tag.
Herr Meier: Da ist Hopfen und Malz verloren.
Tatort: Boca Quartier
Es gibt in Buenos Aires ein paar Quartiere die man Nachts meiden sollte. Die Gefahr eines Ueberfalls ist einfach zu gross.
Selbstverständlich teilen wir dies unseren Reisegästen mit.
Das Boca Quartier, das Quartier Once und der Bahnhof Constitucion sind tabu.
Aber es gibt halt immer wieder „Schlaumeier“ die alles besser wissen. So erklärte uns Max dass er heute Abend nicht mit zum essen kommt, er hätte was anderes vor. Es war der zweitletzte Reisetag, wir waren zusammen bereits 19 Tage unterwegs. Max war während der ganzen Reise ein bisschen schwierig. Am morgen war es immer der letzte, hatte auch ständig was zu meckern, sei dies nun die Temperatur im Auto, die (nur für ihn) zu kurze Mittagspause oder es lief die falsche Musik im Autoradio und so weiter.
Wir fünf anderen verabredeten uns um 20 Uhr, um im Restaurant Establo zu schlemmern.
Die Steaks waren wie immer hervorragend, der Kellner charmant und witzig.
Um 22:30 bezahlten wir die Rechnung und begaben uns ins Hotel, wo wir beschlossen uns noch einen Schlummerdrunk zu genehmigen.
Wir sassen gemütlich an der Bar und besprachen das Programm für den nächsten Tag.
Wir wollten am letzten Tag in Buenos Aires das Tigre-Delta besuchen. Das Venedig von Südamerika, nur dreissig Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Der Rio Parana mündet aus dem Norden Brasiliens kommend nach 4500km in den Rio de la Plata.
Er bildet vor der Mündung ein riesiges 270.000 Hektar umfassendes Fluss-Delta, das einmalige Tigre Delta.
Tausende von Stadtbewohnern suchen am Wochenende und an Feiertagen in dieser fast tropischen Vegetation, in dieser dichtbewachsenen Inselwelt Erholung.
Ceibos, Palmen, Weiden aller Art, Pappeln, Mirthen, Lorbeer, Jasmin, Azaleen, Hortensien, sämtliche Obstbäume, alles wächst hier in Hülle und Fülle geradezu um die Wette.
Einmalig schön ist die Fahrt mit dem Boot durch das Labyrinth der Kanäle.
Insgesamt zählt man über 300 Flüsse und Flüsschen mit einer Gesamtlänge von über zweitausend kilometer.
Ruderer, Wasserskifahrer und Segler beleben das farbenprächtige Bild.
Wir wurden bei unseren Diskussionen unterbrochen weil in der Hotel-Lobby Tumult entstand.
Aufgeregt kam Jose, ein Hotel-Angestellter und forderte mich auf sofort mitzukommen, ein Gast von uns sei in Schwierigkeiten. Das Bild das sich mir bot, bleibt ein Leben lang in meiner Erinnerung. Da stand unser Max mitten in der Hotel-Lobby und zwar nackt!
Neben ihm stand ein Mann, wie sich später heraus stellte ein Taxifahrer und hielt ihm von der Seite her eine Bodenmatte eines Autos vor seine Blösse. Ich ging auf Max zu, wollte ihn irgendwie beruhigen, kam aber nicht dazu. Das Gesicht von Max, seine komische Figur, es ging nicht anders ich bekam einen Lachanfall, mir liefen die Tränen nur so herunter, ich unternahm einen neuen Anlauf, aber wieder kam der Lachanfall, mein Kiefer schmerzte, der Bauch tat weh, dann sah ich wieder den grimmig dreinblickenden Max und es ging von neuem los. Endlich erschien der Hotel-Portier mit einer Decke und hüllte Max damit zu.
Auch ich beruhigte mich und musste nun aber den bitterbösen Blick von Max erdulden.