Für Lugh und Ferris
Was kann dieses Buch leisten?
Auf der Trendtheorie von Charles Henry Dow aufbauend, erklärt es die Grundbestandteile des Tradings, und zwar für verschiedene Anlageklassen (Börseninstrumente). Darunter finden sich Beispiele aus den Bereichen Aktien und Future (Terminmarkthandel).
Nach der grundsätzlichen Einführung in die Trendbestandteile werden zwei Bereiche Besonderes beleuchtet:
Zum einen der Handel aus der Korrektur heraus und darauf aufbauend das Aktienscanning in Kombination mit der Trendtechnik. Immer wieder kehrend ist der Multi-Timeframe Ansatz, der einen problemlosen Vergleich der Trendgrößen erst möglich macht.
So gut das geschriebene Wort in einem Buch auch ist, so schwierig ist es, Kursabläufe und Erklärungen nur anhand von Bildern und Charts zu erklären. Um diese Problematik zu umgehen, finden Sie unter www.einfach-traden-lernen.net weiterführende Videos.
In diesen Videos wird Schritt für Schritt das behandelte Kapitel erklärt und anhand von Beispieltrades vertieft.
Somit hat der Leser die Möglichkeit Stück für Stück das Gelesene aus dem Buch im Video zu verstärken und durch die Kombination Buch & Video seinen größtmöglichen Nutzen daraus zu ziehen.
Was kann das Buch nicht leisten?
Die in diesem Buch erklärten Trendbestandteile sind sicher in den Medien und verschiedensten Bücher hinreichend und noch ausführlicher erklärt worden. Also soweit keine neue Erfindung.
Vielmehr sind die Trendbestandteile nur ein Puzzlestein in dem gesamten Handelsstil.
Es geht also vielmehr darum, den Handelsstil in allen Facetten zu beschreiben und nicht um noch eine theoretische Abhandlung über die Entstehung eines Trends. Das Buch lebt von den Erklärungen und den darin dargestellten Beispielen.
Um die Lektüre dieses Fachbuches etwas abwechslungsreicher zu gestalten, ist als Überleitungen zwischen den Kapiteln die Geschichte von Daniel und Manfred eingebettet worden. Alles beginnt auf Mallorca, wo Daniel einen Sommer lang traden lernt.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Start und lesen Sie das Buch zwar mit dem nötigen Ernst aber gerne auch mit einem gewissen Augenzwinkern. Denn Börsenhandel ist und bleibt nur Mittel zum Zweck – es ist das Vehikel, um seine eigene Lebensqualität und sein Lebenskonzept umzusetzen.
Ihr Carsten Umland
Die in diesem Buch dargestellten Charts sind mit der Trading-Plattform von WH SelfInvest entstanden.
Der NanoTrader ist einzigartig. Diese Plattform ermöglicht manuellen und (halb-)automatischen Handel von CFDs, Futures und Forex. Programmierkenntnisse sind nicht erforderlich. Dutzende Strategien anerkannter Trader sind in der Plattform programmiert und stehen kostenlos zur Verfügung.
WH SelfInvest
Niedenau 36
D – 60325 Frankfurt am Main
www.whselfinvest.de
info@whselfinvest.de
Warum traden Sie? Was ist Ihre Intention, gerade an der Börse zu handeln? Wieso werden Sie nicht Eisverkäufer in der Sahara?
Warum will man unbedingt am Börsenhandel teilhaben, warum nicht einem normalen Bürojob nachgehen?
Die Erkenntnisse, die sich aus den Antworten ergeben, werden anhand von Praxisbeispielen und unseren beiden Protagonisten Daniel und Manfred im Detail beleuchtet.
Daniel ist ein junger Mann, Anfang 30, mit sportlicher Figur und kurzem Haar.
Manfred hingegen ist ein gestandener Börsenhändler, der sich trotz seiner fast 50 Jahre erstaunlich gut gehalten hat. Die sportliche Erscheinung verdankt er seinen Hobbies Schwimmen und Radfahren.
Flughafen Stuttgart. Eine lange Schlange von Menschen steht am Check-in-Schalter. Daniel fragt sich, warum es immer die gleichen Szenen sind, wenn Touristen nach Mallorca fliegen. Entweder trägt der Mann von Welt ein T-Shirt mit dem Aufdruck »Kneipentour Malle« oder die Familie bestellt während des Fluges einen Tomatensaft und die Frau bekommt einen Piccolo.
»Ihren Ausweis bitte«, reißt ihn die nette blonde Frau am Schalter aus seinen Tagträumen. Daniel legt das Gepäck auf das Förderband und gibt ihr den Ausweis. »Oh, sie bleiben aber lange auf Mallorca, wohl kein Urlaub, oder?« »Nein, eher nicht, ich bereite mich auf meinen neuen Beruf vor.« Beruf, dachte Daniel, ja das trifft es am besten. Drei Monate traden lernen bei Manfred, einem Börsenhändler, dessen Haus in der Inselmitte von Mallorca liegt.
Der Flug verlief ruhig und auch die Gepäckabfertigung war schnell erledigt. Nun stand Daniel draußen bei fast 30 Grad im Schatten an der Cafeteria am Parkhaus und wartete darauf, dass ihn Manfred abholte. Daniel fieberte schon seit Wochen auf diesen Tag hin, dass er jetzt traden lernen würde. Gewiss, den heiligen Gral würde Manfred auch nicht bei sich versteckt haben. Aber das war auch nicht entscheidend. Vielmehr ging und geht es darum, sich dem Börsenhandel professionell zu widmen und mit einem guten theoretischen Grundwissen nicht auf Versuch und Irrtum zu setzen.
Das war das Ziel: einfach traden lernen.
Zur Begrüßung gab es ein herzliches Hallo, als kenne man sich schon ewig. Es wurde schnell das Gepäck im Wagen verstaut, und dann fuhren Manfred und Daniel auf einer kleinen Landstraße vorbei an nach Sommer duftenden Oliven- und Orangenhainen in Richtung Inca, der drittgrößten Stadt der Insel.
Auf dem Weg vom Flughafen unterhielten die beiden sich angeregt über ihre bisherigen Erfahrungen an der Börse.
»Ich finde Daytrading spannend, schnelle Entscheidungen, kein Rumgehampel, Positionen nur während eines Tages halten. Das will ich lernen.«
»Daniel, es gibt hier auf der Insel ein Sprichwort: Je länger man hier wohnt, desto weiter entfernt ist Palma.«
»Palma? Das sind doch nur 30 Kilometer, da ist man doch in 20 Minuten in der Stadt.«
»Genau, es ist nicht die Entfernung, es ist die Zeit, die man schon auf der Insel lebt. Was ich damit sagen will ist: Je länger du an den Märkten handelst, desto wahrscheinlicher wirst du dich vom Daytrading verabschieden wollen. Nicht weil du es nicht kannst, sondern, weil es dir schlicht zu anstrengend ist. Aber trotzdem gehören die Kenntnisse zum Daytrading in deinen ›Werkzeugkoffer‹.
Die eigentliche Frage ist doch: ›Warum willst du traden lernen und nicht Eisverkäufer in der Sahara werden?‹ Traden ist doch nur Mittel zum Zweck.«
Daniel hörte aufmerksam zu. Diese Frage hatte er sich noch gar nicht gestellt. Für ihn ging es immer darum, das Handwerk des Börsenhandels zu erlernen.
So weit hatte er gedanklich noch gar nicht ausgeholt. Geht es in Wahrheit darum festzustellen, welcher Trader-Typ ich bin und welche Ziele ich habe? Würde ich diese Frage umfassend beantworten, wäre das der Grundstein für meine Ausbildung!
Während der weiteren Autofahrt sprachen Manfred und Daniel über die Lebensqualität auf Mallorca und dass man jeden Tag genießen sollte. »Wer weiß schon, was der morgige Tag bringen wird«, hatte Manfred in einem Nebensatz gesagt. Nach einer guten halben Stunde bogen die beiden in einen unscheinbaren Feldweg ein.
Nicht schlecht für ein Haus, dachte sich Daniel. Das Haus, wohl eher ein Anwesen, war das, was man in Deutschland eine Finca nennt. Ein mallorquinischer alter Bauernhof mit Orangenbäumen, Olivenhainen und – um das Klischee perfekt zu machen – selbstredend mit einem Pool mit römischem, rundem Einstieg. Der Eingang zur Finca war durch ein großes gusseisernes Tor gesichert. Manfred betätigte den Knopf auf der Fernbedienung und das Tor glitt lautlos zur rechten Seite.
»Willkommen auf der ›Bolsa de Mallorca‹, Daniel«, was so viel heißt wie ›Die Börse Mallorca‹.
Ich zeige dir jetzt dein Zimmer und du kannst deine Sachen auspacken. Danach können wir einen leckeren Mandelkuchen essen und das weitere Vorgehen für deine Ausbildung in diesem Sommer besprechen.« »Klingt, gut, freu mich schon.«
Die Finca war in L-Form gebaut und bestand aus einem Haupthaus sowie einem Nebengebäude. Das Haupthaus besaß im vorderen Teil einen großen Koch- und Essbereich und nach hinten jeweils ein Badezimmer und die Schlafräume. Ein klassisches Wohnzimmer gab es nicht. Im oberen Bereich gab es zwei weitere Schlafräume.
Im Nebengebäude befand sich im unteren Bereich ein sonnendurchflutetes Büro mit bodentiefen Fenstern und zwei Schreibtischen und jeweils drei Bildschirmen und PCs. Der obere Teil diente als Gästezimmer.
Manfred zeigte Daniel sein Zimmer im Gästehaus. »Wir treffen uns dann in einer halben Stunde unten auf der Terrasse.« Beim Auspacken seines Koffers ließ Daniel ein Gedanke, mehr eine Frage, nicht mehr los: »Warum will ich Trader werden? Was für ein Trader-Typ bin ich?«
»Das fängt ja gut an, ich will traden lernen und werde gleich mit einer Frage nach dem Sinn des Lebens konfrontiert.« Er musste schmunzeln und machte sich auf den Weg hinunter zur Terrasse, wo Manfred schon an einem rustikalen Tisch aus Olivenholz saß. Auf dem Tisch stand Mandelkuchen und für jeden ein Café con leche. Ein anregendes Gespräch rund um das Thema Lebensqualität und persönliche Ziele begann.
*
Die Frage »Welcher Trader Typ bin ich« ist, so trivial sie zu sein scheint, nicht ganz einfach zu beantworten.
Zunächst geht es darum festzuhalten, mit welchen Zielen der Trader an den Börsenhandel herangeht. Es erscheint sinnvoll, sich mit diesem Gedanken etwas länger zu befassen, da hierdurch letztendlich nicht nur die Handelsweise, sondern auch die zu handelnden Märkte und Börseninstrumente festgelegt werden.
Der Einfachheit halber wird dieser Zielfindungsprozess in mehrere Abschnitte unterteilt.
Auch ein Marathon fängt mit dem ersten Schritt an. Trading ist kein 100-Meter-Sprint, sondern immer ein Marathon.
Der erste Schritt, um ernsthaft mit Trading anzufangen, besteht wie in allen anderen Dingen, die Sie sich vornehmen, darin sich über seine eigenen Ziele im Klaren zu sein.
Dies sind die Kernfragen, die in Ihre Überlegungen mit einfließen sollten. Um dies zu konkretisieren, gehen Sie am besten stufenweise vor.
Zuerst nehmen Sie sich ein paar ruhige Minuten oder Stunden und lassen Ihre Gedanken völlig ohne Begrenzungen umherstreifen. Denken Sie darüber nach, was Sie im Trading erreichen möchten – und warum. Notieren Sie die so gefundenen Punkte auf einer Liste.
Wenn Sie jetzt eine Liste mit Ideen haben, definieren Sie, ob diese Ziele überhaupt realistisch sind. Wenn also jemand mit starkem Asthma im Alter von 70 Jahren Marathon-Weltmeister werden will, ist das eher unrealistisch. Alles, was in den Bereich der Märchen fällt, streichen Sie heraus. Ihre Liste enthält nun nur noch Themen, die auch objektiv gesehen realisierbar sind.
Nun sollten nur noch einige wenige Ziele übrig geblieben sein. Können Sie sich zu 100 Prozent für diese Zielsetzungen verbürgen? Was, wenn Ihr privates Umfeld Sie auslacht, kritisiert, Sie einen Dummkopf nennt? Sind Sie dann immer noch standhaft und glauben daran? Welche Argumente haben Sie in der Diskussion mit Ihren Mitmenschen parat, um Ihre Ziele zu verteidigen?
Diese nicht unerhebliche Auseinandersetzung mit Ihren Bedürfnissen und Zielen bereitet Sie intensiv darauf vor, dass Sie zu Ihren Zielen stehen. Es geht darum, Argumente zu finden, die es Ihren Mitmenschen plausibel machen, warum Sie sich gerade diesem Thema widmen.
Hilfreich ist es, sich diesen Themen aus den zuvor betrachteten Punkten nun konkret zu widmen. Möglichst in positiver Art und Weise. Diese Art der Denkweise nennt man Hin-zu-Formulierungen. Sie möchten sich auf ein Ziel zubewegen, nicht von etwas wegbewegen. Der Unterschied liegt in der Denkhaltung.
Hin-zu-Formulierungen sind positiv, Weg-von-Formulierungen wollen immer etwas vermeiden. Die Ziele sollten Sie so konkret wie möglich formulieren.
Ein Beispiel für eine Hin-zu-Formulierung: »Ich möchte innerhalb der nächsten fünf Jahre mit meiner Familie in einem eigenen schönen Haus mit Garten in Stuttgart wohnen.«
Diese Art der Ansprache formuliert Ihr Ziel in positiver Weise.
Als Nächstes ein Beispiel einer Weg-von-Formulierung: »Ich will versuchen, mein Kapital in den nächsten Jahren an der Börse nicht zu verlieren.«
Die Grundaussage dieser Formulierung ist die Befürchtung, sein Kapital an der Börse zu verlieren. Nicht gerade rosige Aussichten, oder?
Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist, dass Sie sich auch für den Fall Gedanken machen sollten, wenn Sie Ihr Ziel erreicht haben. Gerade zielorientierte Menschen fallen regelrecht in ein mentales Loch, wenn ihre Vorgaben und Wünsche erfüllt sind.
Um bei dem oben formulierten Beispiel zu bleiben:
Was passiert, wenn die fünf Jahre vergangen sind und Sie nun glücklich mit Ihrer Familie im trauten Eigenheim wohnen?
Welche Wünsche, welche Herausforderungen stehen dann auf Ihrer Liste?
Welche Ziele auch immer Sie aufgeschrieben haben, übernehmen Sie die volle Verantwortung dafür. Ein berühmter Investor hat einmal gesagt: »Erfolg ist ganz einfach: Bestimme deine Ziele und bezahle den Preis dafür.« Dies ist ein Schlüsselpunkt Ihres Handelns. Nur wenn Sie bereit sind, für Ihr Tun und Handeln die Verantwortung zu übernehmen, werden Sie zu Ihren Zielen stehen und mögliche Maßnahmen daraus ableiten. Ansonsten bleiben sie nur Worthülsen.
Finden Sie heraus, welche persönlichen Eigenschaften Sie bei Ihren Zielen unterstützen können. Welche besonderen Merkmale und Fähigkeiten haben Sie, die Ihnen auf Ihrer Reise helfen werden? Wenn Sie zum Beispiel ein Mensch sind, der analytisch und strukturiert arbeitet, aber für Entscheidungen eher länger braucht, weil das Für und Wider erst besprochen werden muss, dann ist dies im Daytrading, wo Entscheidungen innerhalb kurzer Zeit getroffen werden müssen, eher kontraproduktiv.
In längerfristigen Trading-Varianten wie im Aktientrading oder im Rohstofftrading jedoch, bei denen Positionen über Nacht gehalten werden, haben Sie genug Zeit, um die Argumente und Trading-Ideen zu analysieren.
Entscheidend ist, dass Sie sich dieser persönlichen Stärken bewusst sind und Ihren Handelsstil an der Börse daran ausrichten.
Machen Sie sich schon jetzt Gedanken darüber, was Ihnen auf dem Weg zu Ihrem Ziel an Schwierigkeiten entstehen könnte. Überlegen Sie sich, mit welchen Maßnahmen Sie diese Stolpersteine umgehen können, oder ob Sie Ihren Weg zum Ziel anpassen müssen. Was passiert, wenn Sie hohe Verluste gemacht und daher kein Kapital mehr zum Traden haben? Was passiert, wenn Ihnen Ihr Sohn ein Glas Milch über die PC-Tastatur kippt, während Sie am Traden sind?
Letztendlich dienen alle diese Gedanken und Themen dazu, dies in einem Plan zu fixieren. Dieser Plan hat noch nichts mit dem später zu erstellenden Trading-Plan zu tun, sondern beschreibt Ihre Ziele, einerseits im Trading, andererseits Ihre Lebensziele.
Diese Gedanken dienen dazu, dass Sie einen roten Faden erhalten und die Frage: »Warum trade ich?« konkret beantworten können. Sicher können Sie jetzt entgegnen, dass Sie einfach nur möglichst schnell reich werden wollen. Das sollte aber im Trading nicht das Ziel sein. Trading ist nur Mittel zum Zweck. Der Börsenhandel dient nicht dazu, Ihre Langeweile zu bekämpfen, sondern soll Sie Ihren persönlichen Lebenszielen näherbringen.
Leitgedanken
Exemplarisch zusammenfassend kann die Frage: »Welcher Trader-Typ bin ich?« beantwortet werden, indem die vorangegangenen Punkte nun nacheinander abgearbeitet werden:
Wenn Sie zum Beispiel in Ihrem Lebenskonzept gerne den Fokus auf mehr Unabhängigkeit und mehr Familien- und Sportaktivitäten legen, dann wollen Sie sicher nicht den ganzen Tag vor dem PC-Bildschirm sitzen und die Kursverläufe studieren. Somit kommt das klassische »Daytrading« für Sie weniger infrage, das Handeln von Aktien und Rohstoffen von einem Tag bis mehreren Wochen gewinnt hingegen an Attraktivität.
Sind Sie aber eher der Typ Mensch, der es nicht erträgt, Trading-Positionen über Nacht zu halten, und können unter Anspannung und Druck schnelle Entscheidungen treffen, dann ist der Bereich »Daytrading« ein Werkzeug im Börsenhandel, das zu Ihnen passen könnte.
*
Nach dem besten Mandelkuchen, den er bisher gegessen hatte, dachte Daniel, dass Manfred immer so zielgerichtet wirkt. Jetzt hatte er auch die Antwort auf das »Warum?«.
Manfred hatte sich vorher Gedanken gemacht, was er im Leben erreichen möchte und welchen Preis er dafür zu zahlen bereit ist. Das zeigten auch die in vertrauter Atmosphäre erzählten Schicksalsschläge, die Manfred sein Leben hatten umkrempeln lassen.
So neigte sich ein schöner Sommernachmittag bei angenehmen 29 Grad im Schatten dem Ende entgegen. Daniel stand auf der Terrasse. Die Sonne ging direkt hinter dem Hügel in einiger Ferne unter und die Orangen- und Olivenbäume warfen lange Schatten auf den Boden. Morgen sollte es losgehen, hatte Manfred gesagt. Als Abendprogramm wollten die beiden ins Dorf fahren, dort gab es heute Abend eine Fira de Augusto. Ein kleines, mallorquinisches Dorffest.
Gott sei Dank wurde es nicht übermäßig spät auf dem Dorffest. Manfred und Daniel hatten das Fest kurz nach Mitternacht verlassen und saßen nun nach einem kurzen Frühstück und starkem Kaffee im Büro. Manfred schaltete den PC ein und startete die Trading-Software. Ein kurzer, geübter Blick verschaffte ihm einen Überblick über die Märkte in Übersee. Manfred nahm die Vorgaben aus den asiatischen Märkten gerne als Frühindikation dafür, wie sich am Vormittag die europäischen Märkte entwickeln könnten. Am Nachmittag, so war seine Erfahrung über die Jahre, würden die US-Märkte wieder die Stimmung beherrschen.
Es war immer die gleiche Routine von Manfred. Der Arbeitsablauf hatte sich in den Jahren der Händlertätigkeit stetig verfeinert, war aber in den Grundzügen doch gleich geblieben. Manfred liebte Routinen. Sie gaben ihm Halt und Struktur in dem Chaos des Börsenuniversums.
Das war auch das Thema, das er mit Daniel heute besprechen wollte – neben Sport und die Sonne genießen.