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Jan Flieger

Verfolgung durch die grüne Hölle

Die Haifisch-Bande auf Zeitreise, 3. Teil

ISBN 978-3-86394-497-1 (E-Book)

 

Die Druckausgabe erschien 2000 im Arena Verlag GmbH, Würzburg.

Gestaltung des Titelbildes: Ernst Franta
 

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Die Haifisch-Bande

Julia,

neun Jahre alt, ist immer gestylt und trägt meistens Markenklamotten aus Luxusläden. Trotzdem kann man mit ihr Pferde stehlen. Was sie toll findet: Tiere, gute Schulnoten, Spice Girls. Sie will mal Tierärztin werden (obwohl sie Angst vor Mäusen hat!).

Vanessa,

neun Jahre, hat meistens Jeans an und T-Shirts mit Werwolfmotiven. Sie ist superabenteuerlustig und hat vor nichts und niemandem Angst. Sie mag Piratenbücher und Tic Tac Two (Jazzy am meisten). Will mal Action im Beruf, zum Beispiel bei einer Sondereinheit der Polizei.

Long Basti,

zehn Jahre alt, heißt eigentlich Sebastian. Er ist Vanessas Bruder und genau das Gegenteil von ihr: ruhig und bedächtig. Er trägt meist T-Shirts, die mindestens zwei Nummern zu groß sind, Schlabberhosen und eine Gletscherbrille. Was ihm am wichtigsten ist: Immer cool bleiben!

Specki,

eigentlich Peter, zehn Jahre alt und ziemlich dick. »Specki« nennen ihn nur seine besten Freunde. Ein witziger Typ, der noch dazu ziemlich schlau ist, weil er ständig irgendwelche Sachbücher liest. Was er nicht mag: Skins. Und wenn die anderen über sein Gitarrenspiel lästern.

Das gefälschte Götterbild

Beinahe die ganze Haifisch-Bande will ihren Treffpunkt verlassen, die alte, stillgelegte Fischfabrik mit dem abgebrochenen Schornstein. Alle wollen zur großen Maya-Ausstellung gehen.

Alle bis auf einen: Spocky. Er steht am Fenster seines Fotolabors und beobachtet mit einem Fernglas den Himmel. Wie immer trägt er seine intergalaktischen Kopfhörer mit integriertem Empfänger und Antenne und lauscht aufgeregt undefinierbaren Geräuschen. Vielleicht endlich die heiß ersehnten Signale von Außerirdischen? »Boooh ey! Da sind se!«, ruft er aus.

Als Vanessa ihn am Ärmel zieht, winkt er nur ab und schneidet eine Grimasse.

»Da kann man nichts machen«, stellt Long Basti fest und rückt seine Gletscherbrille zurecht. Seine Baseballkappe sitzt wie immer verkehrt herum auf seinem Kopf.

»Ist doch alles Angabe«, schimpft Vanessa. »Der ist voll blöd!«

Aber Long Basti ist viel zu cool, um sich über Spocky aufzuregen. Coole Typen wie er regen sich grundsätzlich nicht auf. Nie!

»Du nervst, Vanessa«, sagt er nur und grinst überlegen auf seine Schwester herab.

Vanessa streckt ihm die Zunge heraus. Sie ist echt sauer. Long Basti lässt mal wieder den großen Bruder raushängen. Ätzend!

Die vorsichtige Julia sagt lieber nichts. Mit einer zornigen Vanessa will sie keinen Ärger haben. Sie bewegt nur ein wenig den Kopf, sodass die blonden Haare auf den Schultern tanzen. Specki hat seine Baseballkappe wieder so tief in das Gesicht gezogen, dass man seine Brille kaum noch sieht. Er unterdrückt ein Grinsen. »Das musst du locker sehen«, sagt er beschwichtigend zu Vanessa und klopft ihr auf die Schulter. »Die beiden Ritterfreaks kommen schließlich auch nicht mit. Na ja - vielleicht warten sie schon vor dem Museum. Hier sind sie jedenfalls nicht.«

Aber auch Specki bekommt nur Vanessas lange Zunge zu sehen.

Alle lassen sie die Finger über die Zähne des präparierten Haifischs gleiten, der an zwei Fäden an der Decke aufgehängt ist und durch den Raum zu schwimmen scheint.

Die Kinder poltern die rostige Eisentreppe hinab; allen voran läuft Maja. Zur Feier des Tages ist sie wie eine Indianerin gekleidet. Maja hat einen echten Klamottentick. Heute trägt sie ein Lederkleid, das mit farbigen Fransen verziert ist, und zusätzlich zu ihrer Haifischzahn-Kette ein Halsband aus bunten Glasperlen. Ihr kleines, rotes Zauberköfferchen muss sie natürlich auch mitnehmen. Sogar ins Museum! Will sie da etwa weiße Mäuse loslassen?

Ihr folgen die drei »Cliquendetektive«, Spürnase Nosy, der dickliche Mehmet mit seiner Ratte »Mäuschen« auf der Schulter und natürlich Tine. Vielleicht will Tine, die so gerne geheime Schriften entschlüsselt, sich nun die Mayaschrift vornehmen?

Vanessa, Specki, Julia und Long Basti verlassen als Letzte die Fabrik. Sie latschen hinter den anderen über den unkrautbewachsenen Hof und traben dann in Richtung Museum. Als sie die Bahngleise überqueren, kommen ihnen zwei wild winkende Typen entgegen: die Ritterfreaks!

Alex läuft so schnell, dass ihm beinahe die Brille von der Nase rutscht. Er trägt seinen dunkelblauen Kapuzenpullover mit dem aufgestickten Anker. Svenja keucht hinter ihm her.

»Beeilung«, feuert Vanessa sie an. »Wir dachten schon, euch haben Monster geschnappt.«

»Halt die Klappe, Vanessa«, erwidert Svenja, »wir sind doch wohl pünktlich, oder?«

Gegenüber vom Bahnhof ist das Museum, ein lang gestrecktes, zweigeschossiges Backsteingebäude, in dessen erster Etage die Mayaausstellung auf sie wartet.

Vor dem Museum befindet sich ein großer Aufsteller mit einem Plakat, auf dem eine Pyramide abgebildet ist. Natürlich keine ägyptische Pyramide, sondern eine indianische, so wie die Maya sie gebaut haben.

»Die sehen ganz anders aus als die ägyptischen«, belehrt Specki die Clique. »Sie haben keine Spitze, sondern oben eine Plattform, auf der meist ein Tempel stand. Die Maya-Pyramiden hat man im Urwald gefunden, völlig überwuchert.«

»Du solltest Schuldirektor werden«, kommt es von Vanessa. »Du bist ja schlauer als drei Lehrer zusammen.«

In der Ausstellung sind sie beinahe unter sich. Nur eine alte Frau ist noch da - die Aufsicht. Sie trägt eine dicke Hornbrille. Vanessa ist der Meinung, sie sehe aus wie eine Schleiereule. Specki grient. »Hast du denn schon mal eine Schleiereule gesehen?«

»Blödmann!«, blafft Vanessa ihn an.

»Eine Ausstellung nur für uns«, freut sich Julia und bestaunt einige zierliche grüne Skulpturen in einer Glasvitrine: eine Schildkröte, ein Herz, ein Äffchen.

»Nur für mich, meinst du wohl!«, witzelt Maja und stellt sich neben sie.

Nosy ist schon einen Raum weiter. »He, hier kann man auch einen Film sehen!«, ruft er den Freunden zu. Mehmet kommt sofort angetrabt und auch die anderen finden sich schnell in dem kleinen Nebenraum mit der Leinwand ein, denn der Film über die Maja hat soeben begonnen.

In einem gewaltigen Ausgrabungsgelände, eingerahmt von dichtem tropischem Regenwald, sieht man prächtige Pyramiden und Tempelanlagen.

»Total genial!«, flüstert Julia beeindruckt. »Eine Stadt mitten im Dschungel. Das gibt’s doch gar nicht!«

»Der Film hat keine Action«, mault Mehmet. Auch die Ratte Mäuschen blickt uninteressiert drein. Mehmet mag keine Museen. Und Ratten sind wahrscheinlich genauso museumsscheu, es sei denn, es läuft gerade eine Käseausstellung. Nun werden Stelen gezeigt, hohe, aufrecht stehende Steine, auf denen wichtige Ereignisse im Leben von Maya-Herrschern eingemeißelt sind: Thronbesteigung, Heirat und große Siege. Auf der Vorderseite befindet sich ein Porträt des jeweiligen Herrschers, eingerahmt von merkwürdigen Schriftzeichen. Tine macht große Augen und leckt sich die Lippen, als sie hört, dass von der Maya-Schrift bisher nur wenige Zeichen entziffert worden sind.

»Langweilig hoch hundert«, stöhnt Vanessa leise auf.

Dann schwenkt die Kamera zu einer merkwürdigen Figur mit Rüsselnase und gefährlich aussehenden Reißzähnen, die aus jedem Mundwinkel herausragen.

»Chac - der Gott des Regens«, verrät der Sprecher. »Wenn er durch das himmlische Reich schritt und mit seiner Axt auf einen harten Gegenstand schlug, sprangen Funken, die auf der Erde als Blitze einschlugen. Das Dröhnen seines Axtschlages rollte als Donner über den Himmel.«

»Toller Typ«, spottet Vanessa.