Wussten Sie, dass das Betrachten der Farbe Rot Ihr Kurzzeitgedächtnis verbessert? Dass Orange Ihre Kommunikationslust erhöht und Sie ein in Türkis gestrichenen Räumen verbrachter Tag besser schlafen lässt? Dass ein grünes Kleidungsstück schlagfertiger macht, in Mauve gehaltene Wände die Lust steigern und Picassos Blaue Periode vielleicht nur ein Beleuchtungsfehler der Museen ist?
Der französische Farbdesigner Jean-Gabriel Causse hat die neuesten neurowissenschaftlichen Studien zusammengetragen und beweist: Ob in der Mode, im Alltag oder bei der Arbeit, Farben beeinflussen unser Empfinden und Verhalten maßgeblich. Mit seinem Buch, das in Frankreich zum Bestseller wurde, ist Causse ein Kunststück gelungen. Es vermittelt alles, was man über die Kraft der Farben nur wissen kann – auf so kurzweilige Weise, dass man vor lauter Lesevergnügen gar nicht bemerkt, wie viel man lernt.
Jean-Gabriel Causse, Jahrgang 1969, ist Mitglied des »Comité Français de la Couleur«. Er lebt in Paris und Tokio. In Japan ist er als Farbdesigner von Modemarken wie Jil Sander tätig. In Frankreich hat er die farbliche Gestaltung mehrerer Kliniken sowie von Kaufhäusern verantwortet.
JEAN-GABRIEL CAUSSE
Aus dem Französischen
von Pauline Kurbasik
Titel der Originalausgabe:
L’étonnant pouvoir des couleurs
Paris, Editions du Palio 2014
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten
sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt.
Alle Rechte, auch die der Übersetzung, des Nachdruckes und der Vervielfältigung des Buches oder von Teilen daraus, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren), auch nicht für Zwecke der Unterrichtsgestaltung – mit Ausnahme der in den §§ 53, 54 URG genannten Sonderfälle –, reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Copyright © 2014 by Jean-Gabriel Causse
Published by arrangement with Melsene Timsit & Son Scouting
Agency and Marco Vigevani & Associati Agenzia Letteraria
Alle Rechte der deutschen Ausgabe:
© 2015 Carl Hanser Verlag München
Internet: http://www.hanser-literaturverlage.de
Herstellung: Denise Jäkel
Umschlaggestaltung und Motiv: Hauptmann & Kompanie Werbeagentur, Zürich
Datenkonvertierung E-Book: Kösel Media, Krugzell
ISBN 978-3-446-44475-1
E-Book-ISBN 978-3-446-44476-8
EINLEITUNG
FARBEN VERSTEHEN
Farbwahrnehmung
Farbtemperatur
Wie viele Farben gibt es?
Farbwahrnehmung in der Tier- und Pflanzenwelt
Die Synästhesie
Reproduktion von Farben
Optische Täuschung
FARBEINFLÜSSE
Farben der Gefahr und der physischen Dominanz
Entspannende und kreative Farben
Farben, Lernen und Produktivität
Die Farbe der Überzeugung
Farben der Sexualität
Farben und Sport
Farben und Geschmackswahrnehmung
Farben und Geruchssinn
Farben und Produkte oder Verpackungen
Farben, die weißer waschen
Farben und Pharmakologie
Farben und Kaufanreiz
Farben und Online-Handel
Ihre Lieblingsfarben tun Ihnen gut
Farbwahl
Wie Licht Farben beeinflusst
Farbtherapie
DIE RICHTIGE FARBWAHL
Farbsymbolik
Feng Shui und Farbeinflüsse
Farben bei der Inneneinrichtung
Farben und Bekleidung
Farben der Reihe nach
Blau Rot Rosa Grün Schwarz
Grau Weiß Violett Türkis Gelb
Orange Braun/Kastanienbraun/Beige
FAZIT
Vokale, ein Gedicht von Arthur Rimbaud
ANHANG
Farbsymbolik in der ganzen Welt
Anmerkungen
Quellen
Für ihre Mitarbeit danke ich: Professor David Da Fonseca, der Ärztin Agnès Trébuchon, Alain Timsit, Laurence Le Du, Eric Peyre, Pascal Mollaret, Janine Demiddealer, Robin Gillet, Alexandra Arizanovic, Claire Célario, Alexandra Gaber, Benoit Mahé, Bruno Lavagna, Agnès Sotty, Isabelle Garnerone, Christine Pourcelot, Marion Lamarque, Laure Vouzellaud, Annabel Salomon, Olivier Guillemin, Suzanne Marest, Pascal Lefieux, Béatrice Calderon, Bruno Philippart und meiner Frau, Elodie Causse.
Ich danke meinem Verleger Jean-Jacques Salomon für sein Vertrauen und seine Geduld …
Für Capucine, Arthur und deren grün-graue Augen.
Jean-Gabriel Causse
Stellen Sie sich vor, Sie studieren an einer amerikanischen Universität und absolvieren den berühmten IQ-Test. Auf Ihrem Blatt steht groß und in Rot Ihre Bewerbernummer. Sie haben die Nummer 87.
Vielleicht sind Sie wegen des bedeutsamen Ereignisses ein wenig angespannt, Sie wollen unbedingt ein gutes Ergebnis erzielen. So, wir fangen an, Sie haben 20 Minuten. Sie sind voll konzentriert. In diesem Moment gibt es allein den Test, die Zeit läuft. Wie Sie wissen, zählt jede Sekunde, schließlich wollen Sie so viele Fragen wie möglich beantworten. Und – Ende. Sie geben Ihren Bogen ab und sind ganz zufrieden mit sich, weil der Test vorbei ist. Gut gemacht!
Und nun stellen Sie sich vor, Sie wären ein anderer Student derselben Universität und Ihre Bewerbernummer stünde nicht in Rot, sondern in Schwarz auf dem Bogen. Zunächst erkennen Sie die Nummer gar nicht, weil Sie mit den Gedanken ganz woanders sind. Sie reden sich ein, der Test habe mit Ihrem Studiengang nur wenig zu tun. Sie spüren keinen Druck und nehmen die Sache auf die leichte Schulter, weil es sie bloß »irgendwie« interessiert, ob sie so intelligent sind, wie Ihre Mutter denkt. Und los geht’s. Sie lesen die erste Frage und finden sie einfach. Sieh mal einer an, wenn alle Fragen so leicht sind, wird Maman aber glücklich sein. Und was ist, wenn Maman richtig lag? Sie lächeln und gehen zur nächsten Frage über. Aber da ist der Test auch schon zu Ende. Die Bögen werden eingesammelt. Dabei sind Sie sind doch noch gar nicht fertig. Und wenn schon. Falls das Ergebnis miserabel ist, wird Maman nichts davon erfahren …
Diese Studie gab es wirklich. Sie wurde 2007 an der Universität Rochester in der Nähe von New York durchgeführt. Dabei wurde der Einfluss der Farbe Rot auf IQ-Tests untersucht. Die Nummerierung war nur ein Vorwand. Die Forscher wollten bloß wissen, ob allein die Farbe der Zahl einen Einfluss auf die Ergebnisse haben würde. Die Studierenden mit einer roten Nummer haben auf viel mehr Fragen geantwortet, aber auch viel mehr Fehler gemacht als die Gruppe mit der schwarzen Zahl. Schlussendlich haben sie im Durchschnitt schlechter abgeschnitten. Schlussfolgerung: Rot sorgt für Stress, der die Gedankengänge beeinflusst, und zwar ganz unbemerkt. Das zeigt sich an einem signifikanten Punkteverlust bei einem IQ-Text.1
Wir werden gemeinsam die neusten wissenschaftlichen Studien über psychische oder physiologische Beeinflussungen durch Farben entdecken. Sie werden sehen, die Ergebnisse sind so spektakulär wie verkannt. Farben nehmen Einfluss auf unser Verhalten, unser Selbstbewusstsein, unsere Befindlichkeit, unser Konzentrationsvermögen, unsere Wünsche, unsere sportliche Leistungsfähigkeit, unsere körperliche Kraft. Ja, auch das körperliche Leistungsvermögen wird von Farben beeinflusst!
Sie werden auch lernen, wie sehr Farben unser Verhalten beeinflussen, und zwar immer und überall. Aus praktischer Sicht erlauben uns die Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Untersuchungen eine gezielte Farbwahl: bei der Kleidung, Wohnungseinrichtung, der Ausstattung eines Büros oder eines Verkaufsraums, der Gestaltung von gängigen Konsumgütern etc.