Für Nike. Für Johannes. Für Pino.
Meine besten Freunde, Schätze und Liebsten.
1. Dezember
Hallo, ich bin’s, Soja!
Obwohl erst der 1. Dezember ist, habe ich schon das schönste Weihnachtsgeschenk bekommen: Mein Frauchen und ich sind vor ein paar Tagen umgezogen, und zwar genau in Brunos Straße, nur drei Häuser weiter. Das bedeutet: Ich kann Bruno jetzt besuchen, so oft ich will!
Bruno ist darüber nicht so begeistert wie ich. Doch ich muss ihn im Auge behalten, denn so wie es aussieht, geht es ihm gesundheitlich gar nicht gut. Das darf er aber auf keinen Fall erfahren … Ich werde alles dafür tun, damit es ihm bis Heiligabend besser geht!
Als ich gestern bei Bruno war, habe ich ihm gesagt, dass es für mich das größte Geschenk ist, jetzt so nah bei ihm zu wohnen. Bruno hat gemeint, dass Geschenke Fluch oder Segen sein können. Ich weiß nicht, was er meint. Ich finde Geschenke immer toll!
Ah, sein Frauchen und Herrchen fahren gerade mit ihrem Auto in die Garage. Sein Frauchen lächelt, als sie mich sieht.
»Hallo, Soja! Bruno ist oben. Willst du mit reinkommen?« Natürlich will ich das.
»Wir müssen uns dringend um ihn kümmern«, erzählt das Frauchen dem Herrchen, als wir die Treppe hochlaufen. »Der Arzt hat gesagt, wenn er bis Weihnachten nicht deutlich abnimmt, verfettet sein Herz und gibt bald seinen Geist auf!«
Was sagt sie da? Brunos Herz gibt seinen Geist auf? Bedeutet das etwa, dass er … stirbt?! Oh nein!
Als das Frauchen die Tür aufschließt, begrüßt Bruno seine Menschen hocherfreut, wird aber schlagartig still, als er mich sieht. Seine Lefzen, gerade noch ein breites Grinsen, rutschen – plumps – nach unten. Das Einzige, was ihn wieder versöhnt, sind die Fleischwurststücke, die ihm das Frauchen in der Küche abschneidet. Mich ignoriert er. Pfff! Wieso darf er eigentlich Fleischwurst fressen, wenn sein Herz verfettet ist?
»Halt!«, rufe ich daher, als er das zweite Stück Wurst herunterschlingen will. Bruno verschluckt sich.
»Was ist los?«, will er wissen. »Darf man jetzt nicht mal in seinem eigenen Haus ein Stück Wurst fressen?«
»Es ist nicht gut für dich. Für dein Herz, verstehst du?«, frage ich vorsichtig.
»Meinem Herz geht es gut«, sagt Bruno unbekümmert und will wieder in die Wurst beißen.
»Nein! Tu es nicht!«, rufe ich, schnappe mir schnell das Stück und laufe aus der Küche. Der Wurstgeruch steigt in mein empfindliches, vegetarisches Näschen. Püh.
Bruno ist mir dicht auf den Fersen. »Komm zurück!«
Zum Glück kommt sein Frauchen gerade in den Flur.
»Bruno hat wohl mit dir geteilt?«, meint sie belustigt, als sie das Stück Wurst zwischen meinen Zähnen sieht. »Braver Hund!« Sie öffnet mir die Tür.
»Nichts habe ich! Diese verflixte Miezekatze ist eine gemeine Diebin!«, regt sich Bruno auf. Doch das versteht sein Frauchen natürlich nicht.
Ich mache, dass ich wegkomme. Draußen im Garten spucke ich die grässliche Wurst unter einem Busch aus. Geschafft. Igittigitt!
Ich atme auf. Ich habe Bruno vor dem sicheren Tod gerettet. Ich finde, dafür könnte er ruhig ein bisschen dankbarer sein!
2. Dezember
Wenn es um Fitness geht, ist die sportliche Soja die perfekte Freundin. Bruno sieht das völlig anders. Erst, als er ein ganz bestimmtes Zauberwort hört, ist er bereit, sich zu bewegen. Na ja, ein bisschen jedenfalls.
Ich bin eher der gemütliche Typ, wenn du verstehst, was ich meine. Ich kann einfach so herumliegen und habe dabei Spaß. Soja dagegen muss immer rumzappeln und permanent fällt ihr was ein, das sie unbedingt mit mir besprechen will. Mir macht Stille nichts aus. Wenn es ganz still ist, kann ich am allerbesten vom Fressen träumen! Das geht nicht, wenn ständig jemand neben einem Yoga macht. Das macht die Katze nämlich: Yoogaaa! Solche Verrenkungen braucht doch kein Hund!
Heute Morgen hat sie behauptet, der Dezember sei der beste Monat, um ein paar Pfunde zu verlieren. Wer’s glaubt, wird selig! Warum vertilgen die Menschen dann bitte im Dezember Massen an Plätzchen und Lebkuchen?
Ich lege mich jetzt erst mal wieder hin und halte ein ausgiebiges Adventsnickerchen. Der Dezember ist nämlich die beste Zeit für Nickerchen!
Moment, höre ich da etwa schon wieder Sojas Gemaunze vor unserer Tür? Das gibt’s doch nicht, sie ist heute schon zum zweiten Mal hier! Will sie morgen etwa drei Mal kommen, übermorgen vier Mal und am 24. Dezember vierundzwanzig Mal?!
»Hör zu«, sagt Soja ohne ein »Hallo«, als ich ihr die Tür mit der Pfote öffne. »Hast du schon mal von einer Schnitzeljagd gehört?«
»Schnitzel was?«, frage ich. Wörter, die nach Fressbarem klingen, interessieren mich.
»Schnitzeljagd!«, wiederholt Soja lauter. »Sind jetzt etwa auch noch deine Ohren verfettet?« Sie schlägt sich mit der Pfote vors Maul.
»Nein, wieso?«, frage ich.