Jeder Moment hat seine eigene Stimmung.
Ich dichte manchmal morgens
Wenn das Graue begleitet den neuen Tag.
Zuweilen des Abends der Mond
Verhilft mir zum Finden ein Worüber, ein Was.
An helleren Tagen die Bäume
Mit Frucht und raschelndem Blättergewerk
Zeigen mir das Andere oder das Eine,
Was Wert sein mag mir
Und Anlass zum Reimen.
IMPRESSUM
Copyright für Text. Graphik, Foto:
Michael Müller
Herstellung und Verlag:
BoD - Books on Demand GmbH
Norderstedt
Deutschland
ISBN 9783753474779
Zum Inhalt dieses Buches:
Gedichte und Texte, die sich um Alltägliches, um Augenblicke, auch um existentielle Themen des Autors ranken.
Reflexionen über das Erleben oder Verhindern von Geschichten, abhängig von den Prägungen aus eigener Lebenserfahrung bis hin zu einer (vielleicht) neu entstandenen Entscheidungsfreiheit.
Über den Autor:
Michael Müller, Jahrgang 1958, hat zum Ende seiner Berufstätigkeit (er arbeitete als Apotheker, Yogalehrer, Psychotherapeut (HPG)), begonnen, über seine Erlebnisse zu schreiben. Inspiriert von den bis heute sieben Jakobswegen, seinen Erfahrungen mit Zen, aber auch aus einem alltäglichen Leben heraus, entstanden seit 2015 zahlreiche Texte, Briefe und Gedichte, von denen hier eine Auswahl zusammengeführt ist.
Michael Müller lebt mittlerweile wieder in seiner alten Heimatstadt Bottrop.
1. Vorwort
2. Aufgelesenes vom Wegesrand
Tag für Tag
übers Jahr
3. Vom Menschsein
4. Texte, Geschichten, Briefe
5. Vom Jakobsweg
6 . Geschichten vom „Herrn Lehmann“
7. Statt eines Nachwortes
WIR SIND SCHON SO LANGE GEGANGEN. ....
Beim Telefonieren mit einem alten Freund fiel dieser Ausdruck.
Er entstand im Zusammenhang mit dem Plan, im nächsten Jahr gemeinsam nach Auschwitz zu fahren, aus einer inneren Notwendigkeit heraus und mit einem "in unsere ganz eigene Zeit und für's Bestehen Dürfen des eigenen Lebens in einem Heute" passend.
Darin die Zweifel, dass die Gedenkstätte überlaufen sein wird von den vielen, die durch ihr Dasein uns Verhinderung und Störung bedeuten könnten.
Dass es diese Phantasie gibt ist bereits Zeichen dafür, wie tief, auf fatale Weise "erfolgreich", die uns angetane Prägung über unsere Eltern, diese als Kinder im Nationalsozialismus aufgewachsen, noch heute in uns wirkt.
Sie ist als "Grosse Störbarkeit" durch die anderen Menschen noch immer und bis ins Mark verwurzelt in uns. Statt Mitmensch wird ein Feind gezeugt darin, das gibt es als innere Wahrheit, jenseits einer moralischen Bewertung und immer noch. Das ist wahrlich schlimmes Erbe.
Dass ich über das Jakobsweg-Gehen mit den langen Wegen, auch mit jenem mir so teuer gewordenen Freund, die Anfänge anderer Erfahrungen machen durfte, das ist ein grosses Glück.
Aus einer selbst gewählten Ferne heraus war meine mir eigene übergrosse Störbarkeit gebannt, ermöglichte in den Phasen tiefer Kontemplation und innerer Verbundenheit mit den Menschen aus meinem Leben eben diese grundlegend andere Sicht:
Die Anderen nicht zwanghaft als Störung, ewige Verhinderung, sondern als Menschen-Brüder und Menschen-Schwestern zu begreifen, alle hilfreich auf ganz eigene Arten und "von Haus aus", wertvoll jedweder, zart, empfindsam, bedürftig, feige und mutig, fehlbar, grausam, voller Zweifel oder Liebe irgendwann mal, und so vieles mehr, wie ich selbst. Aber nicht im Kern und schicksalhaft unumstößlich feindlich.
Darin zu wachsen und Erfahrungen machen mag letztendlich dies mich genau davor retten, darin unterzugehen.
Ein Anfang ist gemacht. Der Ausdruck "Wir sind schon so lange gegangen..." will auch davon schon sprechen.
Ein Verbleiben in dem Alten über einen Rückzug und dem Schaffen quasi einer Immunität, einer unguten Ressource von "SICH NICHT STÖREN LASSEN", auch ein Aufteilen darin mit generell gesetzten "Ja's und Nein's" schwingt dennoch mit, bleibt Option.
Wenn die Nacht Erinnern bleibt verschlossen,
Wohlig, spannend, Lust am träumen,
Übrig ist am Morgen ohn Konkretes:
Alles machbar, wichtig, nötig,
Alles gut und schön und neu und frisch,
Nichts genaures weiss man nicht.
Dann kehrt ruhiges Sein ein.
Vogel singt die zweite Strophe,
Koffer rollert auf dem Trottoir.
Wind mit Lächeln fächelt
Rasenmäher brummt vertraulich
Kaffee schmeckt wie lange nicht
Zug fährt mit Ratter- ra- dat
Wolken ziehen ruhig zum Freunde hin.
Hoch der Mond
Und hell am Himmel.
Dann:
Einmal abgelenkt
Mit tätig werden
Nur noch Wolken,
Wind.
Wie schon so oft,
Tee und Gedichte,
Geteilte Geschichten,
Halten an Händen.
Guter neuer Tag.
Die Einsamkeit hängt sich an die Seele an,
Wird Hintergrund und Tönung des Gewese.
Der frühe Morgen spendet Dunkelheit und Ruhe.
Mit Vorsicht zart die ersten Frühlings-Vögel heben ihre Stimmen an.
So vorbestimmt im dämmrig grauem Lichte,
Mag's noch geprägt von Träumen aus der Nacht sein,
Der neue Tag schleicht unerbittlich, ungebeten,
Sich ein ins einsam und allein für sich sein.
So ist ein Teil mit Trost, sich selber spendend, beschäftigt,
Suchen nach dem Guten in der eigenen Geschichte.
Ein anderer Teil, vielleicht ist dies der jüngste,
Hofft auf ein gutes Wort von guten Engeln
Zum tiefem Einverständnis für dies Dasein nötig.
Die Nacht zieht sich zurück,
Gibt Raum der Dämmerung.
Der neue Tag fängt an in Stille,
Gebet der Vögel mittendrin.
Es ist die Zeit der frühen Morgenstunden,
Die lassen schwingen, geben Stimmung,
Die - voll von Ahnung -, Traumgeschehen
Den Rahmen geben für's gelebte Leben.
Es scheint fast so, als bräuchst das graue Dunkel
In dem kein scharf geschnittner Schatten könnte sein,
Zum finden Sinn und passen zueinander
Das Fremde in dem andern, zu sich selbst und Weltgeschehen.
Wenn die Nacht mit ihren Träumen
Das Zeitliche segnet.
Wenn der Wind die Blätter
Sanft umstreichelt,
Äpfel finden
Ihre Röte.
Wenn die Glocke von der Kirche
Schickt dir
Ihr Geläute.
Du darin mit Platz und Räumen darfst
Aufgehoben sein.
Junger Spatz fliegt
Von Ast zu Ast.
Daran die Lust im Landen
Wassertropfen
Zu Fall zu bringen.
Und das
Immer immer wieder.
Bereitschaft zu dem Tätig Werden bald schon nicht mehr nötig.
Die Sterne fort ins Unsichtbare.
Die Sonne schiebt, der halbe Mond geht stetig weiter.
Noch überwiegt das Grau, Pastell die Farben.
Die Vögel sind darin schon im Geschäft, gesellig.
Was alles war im Nächtlichen,
Ist nun vorbei, getan, zum Ende.
Magst ruhig die Türen schliessen hinter dir.
Und gehen frisch und müd in deinen neuen Tag.
Wenn Wolken sind geschaukelt
Zu Comics, stark im Ausdruck,
Derweil ein Flugzeug zieht
A-typisch Bahn zu fernrem Ziel. -
Ein Hund, -- der kläfft dazu --.
Der Abend jung, noch scheut die Dämmerung vor hellen Himmeln,
Der Regen hat die Lüfte rein und kühl gemacht.
Die kleine Stadt ist emsig noch und laut im Hin und Her und mit Gewimmel,
Vögel singen allerort ihr wohlgesetztes Abendlied.
Gedanken zu den lieben Menschen ziehen fort an weit entfernte Orte.
Verbundenheiten aus Entfernung zeigen sich.
Kein Hehl von wegen nicht gemeinsam ausgemachtem,
Sie alle in ihr eignes Leben eingesponnen.
Der Abendstern zeigt schliesslich sich an wohlbekanntem Ort,
Das Firmament tauscht seine Farben ein zum dunkel werden.
So überlässt der volle Tag der Nacht das Feld.
Gibt Zeit zum tiefen Schlaf,
behütet von den Engeln,
Die ewig helfen mit den Träumen
Beim Puzzeln eignen Lebens.
Der halbe Märchenmond
Gross artig
Die Zeit stutzt ihn
Ach, so schnell.
Der Mond, so hell,
Dass weit ich Schatten werfe.
Die Halde, in der Nacht,
Begehbar so
Und ruhig der Tag verklingt.
Mond in Wolken
Hell und klar.
Entlässt den grellen Tag
Zu einer ruhigen Nacht.
Und so fein liebevolles eingebettet Sein
Klingt zart noch nach.
In dieser hellen Sommernacht.
Der helle Stern sei ihm Begleitung,
Gefährte, Kontrapunkt, Bezug.
Auf dass wir sehen, merken dürfen zur Gewissheit,
Ein Himmelszelt für alle Seelen, gleichsam,
Zum Trost, zum eigne Kraft neu finden,
Und auch so manches andre in uns selbst,
Kann finden guten Platz
Für eine Gute Nacht.
Des Nachts der Regen ist gekommen,
Zum Bleiben länger als ansonsten.
Mit Lärm und Pladdern auf das Dach.
Der tiefe Schlaf wird unterbrochen
Ein Lauschen ganz und gar.
Es ist, als ob die Welt lässt los
Das angespannte Warten,
Auf ihn, der lange ausgeblieben war.
Die reifen Äpfel fallen nun
Scheint's leichter,
Auf nass gewordne Erde.
Ein Hauch Erfüllung liegt darin,
Von endlich Angekommen sein.
In alledem, wie paradox,
Die grosse Stille greifbar und present.
Mein Bett, geteilt nur mit der einen Spinne,
Mit langen Beinen stakt zum warmen Platz.
So ist der Herbst, so mag man meinen,
Die Nächte werden laut und stetig dunkler.
Der helle Mond, die tausend Sterne,
Verdeckt durch schwarze Wolken,
Nur Erinnerung.
Samstag Abend auf der Halde
Ein Mensch, ganz still.
Die eine Krähe,
Nachtgebet.
Der halbe Mond -
Und Wolken.
Der einen Krähe Krächz
In Ruhe -
Sonst nichts.
Der Mond ist Sichel, spitz und fein.
Die Abendwolken dort, wo ich heut war.
Die grosse Ruhe friedvoll kehret ein,
In Häusern, Herzen, Städten.
Und dann
Grad überm Horizont im Westen
Die Sternschnuppe.
Die Welt steht stumm und kühl,
Der halbe Mond gibt hell der Sonne neuen Tag.
Das Lichte kündet von erneuerbarem Schwur
So still und fromm der Mensch hält ein
Geschäftigkeiten mittemang.
Wenn die Sicht
Im Morgennebel
Gibt dem Zweifel
Kalt Kulisse
Gibt es mich
Oder doch Schemen
Gibt Gewissheit
Fremdes Herzblut einzig
Gruß und Botschaft
Frommer Hinweis
Mit Musik
Und denk an dich.
Der Schnee kommt in der tiefen Nacht daher,
Löst ab den stolzen Vollen Mond.
Legt zart und weiß sich über Menschen Dächer,
Der Bäume Äste, karges Land.
Die Welt steht still in fein gewebtem Mantel,
Darin die winterlich gedämpften Stimmen.
Das laute Treiben endlich so zur Ruh.
Der Krähen Krächz'
Tut Teil dazu.
Noch junges Schneeweiss nächtens ändert
Des innren Liedes Tonart, Tempo, Tremolo.
Der Herzen Schlagen, Seelen Sprechen
Lässt ab in Stille
Das Dissonante so.
Es mag zwar wirken wie ein grosses Zaubern,
Was da geschieht, einzig mit Schnee und Flocken.
Jedoch von solchem Wandeln ganzer Welten,
Die alten Märchen, zahlreich,
erzählen immer mal davon.
So findet statt wie selbstverständlich
Einkehr in friedevolles Denken an …,
Zum Feiern Gottes vorbestimmte Ordnung
Das sonst so eitle Trachten
Schließt leicht sich an.
Das alles hat schon lange einen Namen:
Gemeinhin begrüßt als "der Advent"
Wenn dann auch noch der frühe Schnee mag tun das Seine,
Ein gut Gelingen sollte leicht sein,
Als Frohe Zeit den Menschen allen,
Als ein Geschenk.
Wie Krähen nicht den Winter so vertauschen,
Verziehen sich in hellres Land,
Wenn Reif und Diesigkeiten schwer und eisig
Die Welt hüllt rauh und ewig düster ein.
Ganz schwarz gekleidet, aufgeplustert.
Geselligkeit, zu zweit, zu dritt.
Vornehm wach auf kargen Ästen,
Von Bäumen, diese schlafend, stumm und stur.
Der Nebel sammelt sich in tropfend Tau ganz leise,
Das zur Erde fallen so hält an, verzögert sich,
Der ewig geltend Kreislauf aufgehalten,
Verlangsamt für den stillen Augenblick.
Bergsilhouetten nah im Nebel schemenhaft
Das Krähenkrächz gibt fein Kulisse
Erst leis, der ruhigen Stimmung angepasst,
Erst später laut und deutlich, forderlich.
Die Kirchenglocke mahnt zur In-sich-Kehr
Erinnert an die Ewigkeit
Der Träume Schemen, noch so nah,
Gibt Ahnung, Wehmut in dem Ganzen.
So sammeln sich aus allen Teilen dieser Welt
Die jungen und die alten Männer,
Selbstbewusst und ewig doch verloren,
In dieser Stimmung, morgendlich.
Ratlos, staunend, Augen reibend,
Die Träume aus den Nächten sind noch warm,
Zum Schauen, Rauchen, Suchen nach Begleitung,
In einen neuen Tag zu gehen.
Nach dieser Zeit voll Ouvertüre,
Setzt schliesslich ein das laute Krächzen allenthalben.
So wie die Sonne auflöst wabernd Nebelfalten,
Die Krähen steigen auf im Pulk und werden laut.
Und fliegen fort in weite Himmel,
Als schwarze Schar und wahrlich königlich.
Auf Spanisch NAVIDAD FELIZ.
Gute Wünsche allenthalben
Gern und fröhlich auch von mir.
Mit Gott und eben auch mal ohne,
Eben schön noch und dann hässlich.
Dankbar sein für "So soll's sein!".
Versprengt, getrennt, zerronnen,
Nichts und niemand mitnehmbar.
Nirgends bleibt sie stehn, die Zeit.
Das im Ganzen nehmen,
Froh zum Feiern, - lieben,
Dafür lohnt's zu leben.
Ein volles Jahr zur Neige geht
Es hat getaugt zu manchem.
Ein bisschen müd hat's mich gemacht.
Zum Ruhen kam ich wenig.
Zufrieden? Ja und dafür Dank sei.
Nichts gibt's zum mäkeln oder bereun.
Das Neue mag wohl kommen,
Mit Drehbuch und ohn' Vorurteil.
Aus Spanien diesesmal,
Weit fort, im fernen Malaga,
Die guten Nächte hier verbracht,
Die Tage voll mit neuen Worten, unvermag,
Als Schüler, frei und selbst gewollt.
Gute Wünsche, wohl bedacht,
Freude auf ein weitres neues Jahr
Das Jahrzent, so jung noch, Mag es kommen!
Wird so bringen manches,
Was zum beieinander bleiben
Seinen Anteil geben mag.
So gehen die Menschen jeweils ihre eignen Wege,
Mal trifft's sich und dann wieder nicht.
Im Grunde sind doch alle vornehm,
Voll mit Schicksal, Zeiten gut und böse.
Getroffen wird ein jeder,
Das hilft zum Füreinanderstehn.
Ach, die alte Füchsin
War wohl nächtlicher Besuch. -
Spuren im Schnee.
Erst, wenn der Regen, schwer und kalt aus dunklen Wolken fällt.
Die Häuser nass und feucht und klamm,
Zeigt sich die schöne Stadt mit allem,
Was sonst in hellem Sonnenschein
Dem Fremden bleibt verborgen.
So wahr und klar ist dann die Hässligkeit,
Mit ihr erscheint Charakter.
Die Tage reichlich länger schon,
Kalt und windig ist's, dazu die Nässe,
Die Handschuhe werden nicht vergessen,
Die Ohren rot, wenn Fahrtwind sie umgibt.
Die Nase läuft und Schneuzen lohnt sich.
Die Sonnenauf- und -untergänge dauern,
Der Übergang zur Nacht gibt eigne Zeit,
Und Farbenpracht, dann Dämmerung.
Zum Sehen, auf die Reise schicken
Das Sehnen zum Vermissen,
Taugen Vogelschwärme, hoch am Himmel,
In Formation und Eindrücke erweckend,
Als ob sie sicher wüssten,
Wohin die lange Reise mag gehen.
Ach, du stiller
Krank gewordner Wald...
Sogar die Krähe
Hält ein die Ruh'.
Die Tage, sie kommen und sie gehen,
Es gibt ein bisschen Winterliches,
Mit glatten Stegen, Morgennebeln,
Und auch gemütlich in den Stuben,
Mit Kerzenschein, und gut versorgt,
Diversen Leckereien,
Musik und Lesen,
Was jemand einst erdacht
Und aufgeschrieben hat.
Das gute Mütterliche,
Was weder manches hinterfragt,
Noch ewig kritisch mahnen mag,
Stattdess so sein lässt,
Wie's auch kommen mag.
Gleich einem Schlaflied,
Welches dir geruht,
Zur guten Nacht,
Und freiem Träumen,
Bei dem das Gute wundergleich
Besiegen mag das Ungemach.
So wohl behütet,
Kann sein, wir sollen sein,
Nichts fordert auf,
Uns ewig neu uns zu besinnen,
Und Antwort geben,
Auf die noch ungestellten Fragen.
Der Winter hilft,
Gibt Zeit zum Schlafen,
Im Frühling erst
Soll's Neu und Frisch und Anders werden.
Der Mensch in alten Zeiten,
Der kannte das und
Liess ganz selbstverständlich
Sich darauf ein,
Und blieb daheim,
Am Herd, am Haus,
Am Heim.
Ein Milan hinterm Haus,
Ist das die Möglichkeit?
Fast mühsam, torkelnd steigt er auf zunächst,
Doch dann der schnelle Übergang
Zum Segeln, Schweben. ruhiges Kreisen,
Entschwinden frei und einzeln.
Die vorlauten Krähen, da wo die Alten wohnen,
Schmerzhaft laut in ihrem Chor.
Aufdringlichkeit, Markierung des Terrains.
Trotziges Bestehen auf eigne Kolonie.
Die eiligen Schwalben hoch am Himmel,
Flinkes Kurven, Eleganz und Tanz.
Es hat was von Geschäftigkeit,
Im Pulk. ---
Aus den Büschen und Hecken dann
Das Ich und Du.
Zweisame Bezogenheit.
Gespräche mit Pausen
Das Warten auf Antwort,
Erneutes Erwidern.
Bestätigung des Seins
In Takt und Rhythmus,
Die beide ganz für sich sprechen
Dazwischen.
Ein Rauschen führt mich zum Erwachen
Es ist ein Schwällen um mich her
Ein Ebben, zartes Auf und Ab.
Regentropfen wie an Fäden -
Kein Wind
Bringt Durcheinander.
Der Schaum da,
Wo Pfützen sind nach kurzer Zeit.
Gurgeln, Strudeln
In den Gullis.
Die Luft entspannt sich,
Gibt ihre Hitze frei
Der Kühle.
Feine Blitze, leises Grollen -
Im Hintergrund - Begleitmusik
Umgebung und Kulisse zeugend.
Das Ende dann : ein neue Anfang
Vogelrufe überall
Die Pfützen werden Wolkenspiegel
Die Kirchenglocken mahnen zum Gebet.
Freund besucht.
Dann:
Hoch über der 224
Der Gänse Schar im Geschwader. ---
Es ist nur eine Übung.
Des Nachts zog Kälte übers Land.
Die Wärme, viele Tage während,
gebrochen in der Frühe.
Die Täler dicht gefüllt mit zähem Nebel.
Auf Gras und Land lag schwer der kalte Tau.
Der Weg, noch gut zu sehen, führt zügig aus dem Dorf heraus,
Vom äußern Rand der Herberge.
Das Feuchte durchtränkt bereits die Luft.
Das Licht, durch graue Wolken scheinend,
färbt alles ein,
bleiern, düster. -
Kein Wind,
Der könnt Bewegung bringen,
Ein Ändern führt herbei.
Die Farben zeigen sich verwandelt:
Grüntöne wirken dumpf und fahl,
Das Grün der Wiesen kraftlos ,
Auch das der Kräuter am Wegesrand.
Der Bäume Rinde, Zweige dunkel jetzt,
Fast schwarz.
Matt wirkt das Gelb im Ginster,
Kraftlos ganz und gar.
Der helle Sand des Weges,
Fast grell sonst in der Sonne Glanz,
Mit seinen feinen Prismen,
Jetzt trüb, ins Matschige verzogen.
Dagegen andere Farben jetzt,
Das frische Grün des jungen Farns,
Im trüben Licht ein Glühen
Wie aufgedreht, voll frischer Kraft.
Dazu das sonst so Unscheinbare
Weissgrau der Flechten, nun
Leuchtend, aufgehellt und intensiv,
Hauptattraktion am alten Stamm.
Das Konzert der Farben
Spielt eine neue Symphonie ,
In Tönung, Tonung anders,
Als sonst, mit Unterschied.
Ich fühle Neugier kommen
Auf dieses Andere grad.
Derweil wurde der Morgen älter. Die kräftge Sonne half dabei, die Wolken, dichter, dunkler, undurchdringlich werden zu lassen.
Noch immer zeigte sich kein Wind. Stattdessen feinster Niesel, kaum zu sehen, in der Luft schwebend statt zu fallen.
Der Niesel hielt sich, weder sich verstärkend, noch gänzlich sich auflösend. Es schien, als wenn er warten würde auf's Signal, das die Richtung vorgeben könnte. --- Schließlich gab es Wind und es setzte der Regen ein, der zu der Landschaft passte.
Nächtens Gewitter
Nah und laut
Im Krachen.
Morgens
glänzen tausend Wassertropfen
An der Bäume Blätter.
Elf Störche fliegen torkelnd
Gen Bodensee.
Wie elegant der eine Milan
Zieht ruhig derweil im Kreise.
Das Wochenende, an dem die Pflanzen zeigen ihre Fülle.
Vorbei das zögerliche Warten auf die rechte Zeit.
Gewonnen hinterm Haus hat die Magnolie.
Auf einmal froh geschmückt mit ihrer Blütenpracht.
Die beiden Bäume zwischen Sitz und Garten
Wettstreiten noch, wer's eher schaffen mag von ihnen.
Das Brechen auf der tausend Knospen
Wohl vorbereitet
Schon seit vielen Tagen.
Am Sonntag auf dem Weg nach Bad Pyrmont,
Am Wegesrand die Hecken grau noch, ohne frische Farben,
Dann, auf dem Rückweg in der abendlichen Sonne,
Das erste zarte Grüne all über all.
Wolkenlos und warm
Die Luft lädt ein zum draußen sein.
Familienausflugssonntagswetter.
Der Papa fährt vor, hat Plan und Vorschlag,
Die Mama, als Nachhut, so kann nichts passieren,
Das Kind, das eine, das kleine,
Dazwischen, zum fahren, zum schauen,
Sich und das Fahrrädchen auszuprobieren.
Der Garten
Gibt den Ort und Rahmen.
Gestalt
Ergibt sich
Nach und nach.
Wir lernen
Uns erkennen
Kein selbstverständlich Einverständnis
Zu Beginn.
Kein Master-Plan
Von Anfang an,
Ein freies Werden,
Stückwerk.
Nicht Fremdem folgen
Auf Impulse warten
Für jeweilige Eigenarten.
Im Entstehen ewig
Nur Zwischenstufen,
Unfertig, zeitlich vorläufig.
Mir mag es so gefallen,
Dem Garten scheint's egal.
Ab und an ein Vogel
Auf den frischen Beeten.
Ein junger Hund
Kommt zu Besuch.
Zum Tollen,
Schnuppern frische Erde.
Der Blick von der Terrasse