Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Der Umgang mit Medien erlebt im Moment einen geradezu dramatischen Umbruch. Kaum jemand nimmt noch ein Buch zur Hand, dagegen ist das Smartphone zur universellen Informationsquelle geworden, mit dem jeglicher Informationsbedarf leicht und schnell gedeckt werden kann.

Auch Technische Dokumentation muss diesem Trend folgen und elektronisch und mobil leicht verfügbar werden. Dazu müssen wir Technischen Redakteure das, was wir bisher professionell auf Papier publiziert haben, zukünftig auf Tablet und Smartphone bringen.

Dieses Buch möchte vor allem unsere redaktionellen Fähigkeiten updaten:

Stöbern Sie!

Dieses Buch ist im Prinzip so geschrieben, dass Sie es von vorne bis hinten lesen können. Aber wer tut das schon? Fachbücher werden meistens quergelesen, entsprechend dem Vorwissen und der individuellen Fragestellung.

Auch in diesem Buch können Sie stöbern, querlesen, sich inspirieren lassen… Schön wäre es aber, wenn Sie nach und nach das ganze Buch lesen.

Praktische Beispiele

Dieses Buch ist (erstmal) text- und papierorientiert aufgebaut und publiziert, wobei ich mich bemühe, das redaktionelle Wissen zu systematisieren.

Praktische Beispiele zu Einzelaspekten finden Sie als Link bei den entsprechenden Textstellen.

Alle Beispiele stehen auf der Internetseite:

Beispiele auf Tablet oder Smartphone ansehen

Sie können die Beispiele gut auf dem Tablet oder Smartphone ansehen.

Der Aufruf über Codes ist dabei besonders praktisch, da Sie keine langen Internetadressen eintippen müssen.

Kontakt zum Autor

Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, können Sie gerne mit dem Autor in Kontakt treten.

Dietrich Juhl

www.juhl.de

dietrich@juhl.de

Danke

Folgende Firmen haben meine Arbeit unterstützt.
Vielen Dank dafür!

Thesen

1 Wir (TRs) können Papier

Texte, Bilder, Strukturen… durchdacht, optimiert…

2 elektronische Dokumentation ist erst mal textbasiert

alles ist (erst mal) so, wie wir es bisher auf Papier gemacht haben

3 Was ist elektronisch (erst mal) anders?

Zugriff über kleinen Bildschirm

Inhalt auf kleinem Bildschirm

Tabellen und Bilder dürfen nicht zu groß sein

Volltextsuche ist möglich

andere Bedienung (der Doku)

4 Ansprüche werden größer

gewünscht wird ein direkter Zugang zur Info (gezielte Frage, gezielte Antwort)

möglichst wenig Antwort (zur gezielten Frage)

leicht verständliche Antworten (z.B. Video wird bevorzugt)

offen für neue Erfahrungen (z.B. Augmented Reality)

5 Was kann besser werden durch elektronisch?

andere Text-Darstellungstechniken (Aufklapptexte, Popups…)

andere Zugänge zum Inhalt

multimediale Darstellung einzelner Informationseinheiten

neue Benutzeroberfläche (auch Sprachsteuerung, Sprachausgabe…)

Einbindung der Tablet / Smartphone Hardware (Kamera, Bluetooth, macID…)

6 Was kann die Zukunft bringen?

Ganz andere Ordnungen (unserer Inhalte)

Ganz andere Zugänge (Navigation)

Ganz andere Darstellungen (der Inhalte)

1Einleitung

1.1Definition und Abgrenzung

Unter elektronischer Dokumentation möchte ich hier jede Technische Dokumentation verstehen, die elektronisch gespeichert und über entsprechende elektronische Ansichtsgeräte dargeboten wird.

  • Im Moment kennen wir vor allem starre, textbasierte Formen eventuell ergänzt durch multimediale Einheiten wie z.B. Videos oder Simulationen.
  • In Zukunft sind aber auch andere Darstellungsformen denkbar und das Dokumentationssystem kann mit dem Anwender, dem beschriebenen Gerät und der Umgebung kommunizieren, um die Information auf den Benutzer oder die Situation auszurichten.
  • Letztlich sind aber auch Hilfesysteme denkbar, die wie ein Avatar Fragen beantworten oder den Anwender gezielt führen.

Im Moment wird es vor allem um die ersten beiden Ausprägungen gehen.

Bedienoberfläche und integrierte Anleitung

Noch vor der Dokumentation steht die (gute) Bedienoberfläche des zu beschreibenden Gerätes, die durch Gestaltung teilweise schon zur richtigen Bedienung führt.

Die in die Bedienoberfläche integrierte Anleitung in Form von ausführlichen Erläuterungen, Tooltipps, integrierter Hilfe (z.B. Popups) oder als geführter Vorgang (z.B. Wizzard) würde ich zur Technischen Dokumentation rechnen, aber nicht hier bei der elektronischen Dokumentation betrachten wollen.

M.E. ist es in den meisten Fällen besser, die Informationen bereits ins Produkt zu integrieren (z.B. Popups, Wizzards), als sie in einem zweiten Medium (Papier oder elektronisch), das erst zugeordnet werden muss, anzubieten.

1.2Ansichtsgeräte, mobile Endgeräte

Elektronische Dokumentation kann über diverse Ansichtsgeräte dargestellt werden.

Bekannt sind zum Beispiel im Moment:

  • PC, Laptop
  • Tablet
  • Smartphone
  • eBook-Reader
  • Datenbrille

1.3Formate

Formate, in denen elektronische Dokumentation gespeichert wird sind vor allem:

PDF PDF als die elektronische Form von Papierseiten
CHM Compiled HTML Help, wie es in Windows Onlinehilfen benutzt wird
ePub ePub, als ein Standardformat für eBooks
HTML 5 HTML 5 ist das Standardformat, wie es vor allem im Web benutzt wird. In diesem Format können sehr viele Darstellungsformen realisiert und auch multimediale Inhalte eingebunden werden.
Apps Häufig werden auch eigene Apps angeboten, die dann eine oder mehrere Dokumentationen enthalten.

1.4Bereitstellungsmedien

Je nach Anwendungsfall, kann die Dokumentation auf einem der folgenden Medien erfolgen (nach tekom, intelligent information initiative 2015):

  • Papier (klassische Handbücher),
  • On-Screen (im Gerät eingebettete Information),
  • Online (über das Web zugängliche oder herunterladbare Informationen),
  • Mobil (über "Smart Devices" wie Telefone oder Tablets nutzbar) oder
  • Augmented Reality (über Datenbrillen oder mobile Geräte visualisiert)

1.5Online- / Offline

Elektronische Dokumentation kann online oder offline bereitgestellt werden.

Offline

Die Dokumentation ist bereits lokal gespeichert und kann vom Ansichtsgerät direkt angezeigt werden.

  • Vorteil: es muss keine Online-Verbindung bestehen und die Datei kann schnell geladen werden.
  • Nachteil: die Dokumentation ist möglicherweise schon veraltet. Außerdem können keine weiteren Funktionen wie zum Beispiel Feedback oder eine statistische Auswertung realisiert werden.

Online

Die Dokumentation liegt irgendwo auf dem Server und wird im Moment der Benutzung von dort geladen. Das hat Vor- und Nachteile.

  • Vorteil: es wird immer die neueste Dokumentation bereitgestellt.
  • Nachteil: es muss eine Online-Verbindung bestehen. Je nach Verbindung und Datenvolumen können lange Wartezeiten stören.

Online plus

Bei einer Online-Verbindung können zusätzliche Features benutzt werden:

  • individuelle Aufbereitung
  • mit Rückkanal
  • Möglichkeit einer Benutzungsstatistik

1.6Sinnvolle Anwendungen

Vorneweg möchte ich Ihnen hier ein paar Beispiele zeigen, um die elektronische Dokumentation jetzt schon „anfassbar“ zu machen.

Juhl‘sche Strukturen

Bitte beachten Sie, dass ich mich in diesem Buch vielfach auf die von mir geschaffenen 5 Inhaltskategorien aus meinem Buch beziehe.

Dietrich Juhl, Technische Dokumentation:

Praktische Anleitungen und Beispiele, 3. Auflage, Springer-Verlag 2015
Siehe auch: Code juhl1

Im o.g. Buch beschreibe ich, dass für Anleitungen fünf Inhalte wichtig sind und unterschieden werden sollen.

  • Die Leistungsbeschreibung beschreibt, was das Gerät kann und welchen Nutzen der Anwender davon hat.
  • Die Gerätbeschreibung erklärt den Aufbau, die Einzelteile und vor allem die Bedienelemente des Geräts.
  • Die Beschreibung der Handlung (meistens der wichtigste Teil der Anleitung) leitet den Benutzer an, einzelne Handlung auszuführen.

    Sie wird meist als Handlungsanweisung ausgeführt, kann aber auch anders sein (z.B. Abbildung des Handlungsergebnisses, Bediensystematik…)

  • Die Funktionsweise beschreibt (falls nötig), wie das Gerät (innendrin) funktioniert.
  • Die Technischen Unterlagen sind eine sinnvolle Zusammenstellung von Tabellen, Beschreibungen, Plänen, Zeichnungen…

1.6.1Gesamtdoku versus Einzelaspekt

Normalerweise schreiben und gestalten wir eine Gesamtdokumentation mit allen wichtigen Informationen zum Produkt.

Solche Anleitungen sind häufig hundert oder mehrere hundert Seiten lang.

Die Informationen sind in einem Kapitelsystem hierarchisch angeordnet,

  • so dass ein Benutzer linear lesen kann (von vorne nach hinten)
  • bedarfsweise lesen kann (z.B. wie geht eine bestimmte Handlung) oder
  • gezielt auf eine Information zugreifen kann (z.B. welches Leuchtmittel für die Bremsleuchte?)

Eine solche Gesamtdoku mobil zu machen ist das Eine.

Zum anderen möchten wir vielleicht nur einen Einzelaspekt als separates Dokument elektronisch anbieten, z.B.:

  • Eine Handlungsanweisung als Video (z.B. Schneekette montieren)
  • Eine Handlungsanweisung als Augmented Reality (z.B. Kühler ausbauen).
  • Einen (individualisierten) Wartungsplan als Blätteranleitung zum Abhaken.
  • Eine (sinnvolle) Vorgehensweise bei der Fehlersuche als verzweigte Handlung.

Solche Einzelanleitungen können durchaus sinnvoll sein. Sie müssen aber findbar (URL, QR…) und / oder in ein Gesamtdokusystem eingebunden sein.

1.6.2Gesamtdoku auf dem PC

Schon seit Langem ist es üblich, Technische Dokumentation für den PC zu liefern.

  • Bei Software wird die Hilfe häufig als HTML-Help-Datei (chm, Windows) zur Verfügung gestellt. Die meisten Software-Hersteller verzichten darauf, eine Papierdokumentation zu liefern oder anzubieten.
  • Auch eine druckbare Version in PDF wird meist zusätzlich angeboten.

    (Die könnte sich der Anwender ausdrucken, wenn er eine gedruckte Version bevorzugt. Die Erfahrung zeigt, dass Anwender das früher getan haben, der Trend aber eindeutig zurückgeht).

  • Maschinenbauer liefern meist noch Papier und zusätzlich PDF (Papier wg. der gefühlten gesetzlichen Verpflichtung, PDF zusätzlich für den wahlweisen Gebrauch. Gibt es eigentlich eine Untersuchung, was der Anwender bevorzugt und benutzt?)
  • Anlagenbauer liefern traditionsbedingt (und häufig vertraglich gefordert) noch Papierdokumentation (die oft mehrere Ordner umfasst).

    Eine PDF-Version wird meist mitgeliefert, wobei diese häufig ein Unterverzeichnis mit einer Menge Zulieferer-Dokumentation enthält.

  • Hersteller von elektronischen Geräten liefern vielfach eine Papierversion und geben die Möglichkeit das Gleiche noch einmal als PDF herunterzuladen (bei verlorener Anleitung…)
  • Manche Hersteller (wieder vorwiegend elektronischer Geräte) liefern eine verkürzte Papieranleitung mit (nur für den Hauptnutzen) und bieten eine umfangreiche Anleitung zusätzlich als PDF an.

    z.B. Smartphones, Drucker, Kameras, Fotoapparate.

  • Viele Anleitungen (vor allem Anleitungen für Webtools) werden als HTML nur online zur Verfügung gestellt, z.B. Self-HTML, PHP, JQuery…
    • Meistens sind das Nachschlageanleitungen.
    • Einführungen in das Thema gibt es vielfach von freien Autoren, die diese als Buch (und / oder eBook) anbieten.

1.6.3Gesamtdoku auf dem Tablet

Wenn es für den Einsatz der Dokumentation wichtig ist, jederzeit und auch mobil auf Informationen zugreifen zu können, ist es sinnvoll, die Doku in einem Tablet-tauglichen Format anzubieten, z.B.:

  • Installationsanleitung für Geräte, die irgendwo installiert werden müssen, z.B. Heizungsanlage, Alarmanlage, Baustoffe…
  • Technische Dokumentation für Piloten und Techniker, die auch während des Fluges auf alle Informationen zugreifen können müssen.
  • Bedienungsanleitung für eine Drohne, auf die der Pilot auch auf dem Feld zugreifen kann.
  • Bedienungsanleitung für einen PKW, die auch unterwegs verfügbar sein soll.

Gebräuchlich sind im Moment immer noch PDFs (ggf. in einer Tablet-optimierten Form) vielfach aber auch HTML oder proprietäre Apps.

1.6.4Gesamtdoku auf dem Smartphone

Die Gesamtdoku auf einem Smartphone kann m.E. nur sinnvoll sein, wenn die Information immer, zum Beispiel auch im Notfall, verfügbar sein muss.

In diesem Fall nimmt der Anwender auch eine unkomfortable Navigation und die Darstellung auf dem kleinen Bildschirm in Kauf.

Vielleicht besteht aber auch der Bedarf (beim Anwender), eine Anleitung in Mußezeiten zu lesen, z.B. beim Warten. Der Anspruch ginge dann vielleicht mehr in Richtung „stöbern“, sich inspirieren lassen.

Tatsächlich gibt es Anleitungen auf dem Smartphone, z.B.

  • Bedienungsanleitung iPhone 6, als eBook mit 600 Seiten.

Inwieweit das Navigieren, Suchen und Lesen ein Vergnügen ist, möchte ich dahingestellt lassen.

iphone