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© 2021 Wolfgang Hans Werner Pade

Rundreise Japan

Tokio bis Miyajima

Herstellung und Verlag:
BoD-Books on Demand GmbH, Norderstedt
ISBN: 9783754361764

Vorwort

Liebe Leser,

mein Name ist Wolfgang Pade und Reisen ist meine große Leidenschaft, bereits mit vierzehn Jahren reiste ich, mit gleichaltrigen Freunden, allein durch Europa, mit sechzehn waren alle Länder Europas und Nordafrikas mehrfach besucht.

Egal ob mit dem Zug, Bus, Auto, Motorrad, Flugzeug, Schiff, Segelboot oder Kreuzfahrtschiff, ich wollte hinaus in die Welt, um mir diese anzuschauen, es spielte für mich keine Rolle ob ich im Zelt, einem fünf Sterne Hotel oder auf einem Segelboot, bzw. Kreuzfahrtschiff nächtigte.

Erleben wie es wo anders auf der Welt zu geht, Landschaften bestaunen, Tiere beobachten und Menschen kennenlernen, so wie deren Gebräuche, Kulturen und Lebensart zu erkunden. Das faszinierte mich schon mein ganzes Leben lang, das war meine Motivation, mein Antrieb, so bereiste ich inzwischen alle Kontinente, viele ferne Länder, mit fremdartigen Kulturen, gänzlich anderen Glaubensrichtungen, anderen Lebenseinstellungen, so wie auch mit deutlich unterschiedlichen, aber interessanten Essgewohnheiten.

Inzwischen bin ich etwas älter geworden und arbeite als Ingenieur in einem großen Konzern. Seit dem siebenundzwanzigsten Lebensjahr bin ich mit meiner Frau Silvia verheiratet, gemeinsam haben wir zwei Söhne.

Hier wird das Erlebte auf einer Rundreise durch Japan, auf der Insel Honshu von Tokio bis Miyajima, berichtet.

Dieses Buch zeigt einen Einblick in das wunderschöne Japan, mit seinen fantastischen Landschaften und einer sehr langen traditionellen Kultur, sowie das trendige Land mit modernen Superlativen.

Dieser Reisebericht enthält 147 Farbfotos.

Reiseverlauf

1. Frankfurt 10. Shirakawago
2. Tokio 11. Ise
3. Nikko 12. Kyoto
4. Kamakura 13. Nara
5. Fuji Hakone NP 14. Himeji
6. Matsumoto 15. Hiroshima
7. Nagano 16. Miyajima
8. Yamanouchi 17. Nagoya
9. Takayama 18. Frankfurt

Ich hoffe sie haben Interesse bekommen und möchten mein Buch lesen, dazu wünsche ich viel Freude.

Wolfgang Hans Werner Pade

Es ist kurz vor Weihnachten und das Wetter ist unangenehm kalt und schmuddelig, damit meine ich, das wir Bodennebel haben und Schneematsch auf der Straße liegt. Das gestreute Salz taut den Schnee auf der Fahrbahn nur schleppend auf. Es weht ein unangenehmer Wind durch unser Wohngebiet und die Bewohner trauen sich kaum aus den Häusern, weil die Gefahr auszurutschen, sich einen grippalen Infekt zu holen, oder einfach nur kalte Füße zu bekommen, groß ist. So sitzen die meisten Nachbarn, wie wir, im warmen Wohnzimmer, langweilen sich und schauen ab und zu aus dem Fenster, um zu prüfen, ob sich eventuell das Wetter bessert.

Da sich die Wetterlage nicht ändert schauen wir uns eine fantastische Dokumentation im Fernsehen über eine Reise durch Japan an und begeistern uns über die wunderschönen Filmaufnahmen die dort von der Inselgruppe gezeigt wurden. Meine Frau Silvia ist so beeindruckt und würde gerne solch eine einzigartige Rundreise in das "Land der aufgehenden Sonne" unternehmen.

Das sehr dicht besiedelte Land Japan, mit seinen über hundertsechsundzwanzig Millionen Einwohnern, ist eine Inselnation im Pazifik, dort gibt es wunderschöne Kaiserpaläste, gebirgige Nationalparks und tausende von Schreinen und Tempeln zu besichtigen. Einmal im Leben mit dem weltberühmten Hochgeschwindigkeitszug "Shinkansen", der auf den Hauptinseln die großen Städte verbindet und dabei Geschwindigkeiten bis dreihundertsechzig Kilometer pro Stunde erreicht zu reisen, wäre schon fantastisch. Es wurden die subtropischen Traumstrände von Okinawa gezeigt, so wie die ganz gegenteiligen, renommierten Skigebiete von Hokkaido. Tokio ist berühmt für seine gewaltigen Wolkenkratzer, die in dem erdbebengeschüttelten Land, sehr sicher konstruiert und gebaut wurden. Natürlich gibt es in so einer großen Stadt, mit über vierzehn Millionen Einwohnern, jede Menge Shoppingtempel, die die Herzen der Frauen höher schlagen lassen. Tokio ist aber auch für seine Popkultur sehr bekannt.

Das wir nicht alles anschauen können ist uns klar, aber einen kleinen Teil auf einer Rundreise würde uns schon gefallen. Nach dem Film beschließen wir, so eine Rundreise durch Japan zu suchen und zu buchen. Tagelang schauen wir uns dazu Kataloge und Onlineangebote aller großen u. namenhaften Anbieter an, zudem prüfen wir die Anzeigen der Tageszeitungen und Prospekte der Gesellschaften, die solche Touren in ihren Wurfsendungen integriert haben.

Die Entscheidung fiel nicht leicht, zumal die Angebote nicht so einfach zu durchschauen waren, mal war die Reise mit allen Eintrittspreisen, Ausflügen und Essen vor Ort inkludiert, ein andermal wurde alles separat angeboten, oder gar eine Mischung aus beiden Varianten. Dies alles musste verglichen und bewertet werden, denn wir als alte Schwaben hatten nichts zu verschenken.

Letztendlich entschieden wir uns für ein Paket mit inkludiertem Hin- und Rückflug, den meisten Eintrittspreisen, den Übernachtungshotels mit Frühstück, so wie der organisierten Reise eines erfahrenen deutschsprachigen Reiseleiters vor Ort. Die organisierte Rundreise startete am Montag den sechsundzwanzigsten März in Frankfurt und die Ankunft des Rückfluges erfolgte am Sonntag den achten April. Ein wenig abschreckend war der lange Flug von über zwölf Stunden und die zusätzlich knappe Stunde Flugzeit von Frankfurt nach München, so wie dem rund zweistündigen Aufenthalt auf dem Hinflug in München. Dafür erfolgte der Rückflug von Japan direkt nach Frankfurt. An dem Reiseprogramm gefiel uns auch sehr gut, dass die Reisegruppen klein und überschaubar sind, denn sie liegen zwischen zehn bis maximal zwanzig Personen.

Auf die japanische Kirschblüte waren wir ebenfalls gespannt, weil diese genau in unsere Reisezeit hinein fiel. Diese Zeit der jap. Kirschblüte ist eines der wichtigsten Symbole in der japanischen Kultur. Sie steht für Schönheit, Aufbruch und Vergänglichkeit. Im japanischen Kalender wird durch die Kirschblüte der Frühling eingeläutet und dies ist für die Japaner ein Höhepunkt in ihrer Kultur.

Die Rundreise führt uns von Tokio bis nach Miyajima und wird uns die wichtigsten Facetten von Zentraljapan bis nach Westjapan zeigen.

Wir freuten uns schon sehr auf diese interessante und schöne Reise in das "Land der aufgehenden Sonne".

Leider wurde Silvia kurz vor Reiseantritt krank und so entschieden wir uns, dass ich die Reise alleine antreten werde. Das war sehr schade, zumal sie sich so auf die Reise freute, aber so sollte es nun sein.

Das war mir nicht recht, aber dies war unsere gemeinsame Entscheidung. Einen ganz kleinen Trost hatte ich, denn ich konnte ihr anschließend von der Reise berichten und mich als unauffälliger Beobachter in die Reisegruppe einbringen.

Dann kam der Tag der Abreise u. ich machte mich alleine auf den Weg, um diese kleine abenteuerliche Reise nach Japan zu erleben. Von Illingen fuhr ich mit dem Zug nach Frankfurt, um dort um dreizehn Uhr fünfzehn den Flug mit der Lufthansa nach München zu erreichen. Beim Einchecken am Terminal hielt ich immer wieder die Augen auf, um zu prüfen, wer denn eventuell eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer unserer Reisegruppe sein könnte. Da kamen relativ viele in Frage, weil die meisten Gäste des Flugzeuges sich leger gekleidet hatten und von einem Geschäftsreisenden zu einem Urlauber kein Unterschied zu erkennen war. Dies lag an der langen Flugzeit, deshalb wollte es sich jeder möglichst bequem machen u. entspannt reisen, nur die Gäste der ersten Klasse stachen etwas heraus.

Die Lufthansa mit der Flugnummer LH 106 hob pünktlich ab und kam nach einer knappen Stunde in München an. Dort hatten die Gäste nach Japan rund zwei Stunden Zeit, um den Anschlussflug der Lufthansa LH 714 von München nach Tokio-Haneda zu erreichen. Viele Gäste nutzten die Zeit um sich im Flughafen etwas umzuschauen, einen Kaffee zu trinken, oder im Duty Free Shop ein wenig zu bummeln. Die Zeit verging relativ schnell und so saßen alle wieder im Lufthansa Flug, um pünktlich um sechzehn Uhr fünfzehn Richtung Tokio zu fliegen.

Eine Reihe schräg vor mir saß ein Paar, die nicht unwesentlich jünger als ich waren, mit ihrem erwachsenen Sohn. Ihr blondes Haar trug sie etwas kürzer, sie war sehr schlank und um die ein Meter sechzig groß.

Eine freundliche Ausstrahlung hatte sie, insbesondere wenn sie lächelte. Erkennen konnte ich ihre Mitreisenden nicht so gut, weil sie vom Sitz verdeckt wurden. Vor dem Paar saß ein junges Pärchen und sie schleuderte ständig ihr langes blondes Haar durch die Gegend, ebenso konnte sie ihren schlanken Körper nicht still halten und bewegte sich ständig. Damit machte sie im Flugzeug alle ganz nervös. Sie war der reinste Quälgeist, weil auch ihre Stimmbänder ständig in Aktion waren. Die Fluggäste um sie herum waren etwas genervt von dieser unruhigen und übernervösen Art, dass sogar das Paar hinter ihr leise anfing zu tuscheln und sich über die junge Frau beklagte. Ich dachte mir nur, die wird sicher nicht in unserer Reisegruppe sein, weil sich so junge Menschen nicht für Japan interessieren.

Der Flug verlief sehr ruhig und so freute ich mich auf das Menü in unserem Flugzeug. Die Flugbegleiterin überreichte mir nach dem Aperitif die Speisekarte. Der gefaltete Speiseplan enthielt ein wenig Werbung und die angebotenen Speisen wurden in Deutsch, Englisch u. japanischer Sprache geschrieben. Es gab japanische Gerichte, die von erfahrenen japanischen Köchen nach traditionellen Rezepten zubereitet wurden. Die Vorspeise bestand aus einem gemischten Salat der Saison mit French Dressing und danach Grüntee-Nudeln mit Wasabi und Schnittlauch. Das Hauptgericht konnte ausgewählt werden, es gab gegrillte Hähnchenbrust mit Barbecuesauce, Kürbisgemüse und Maispüree oder Katsu Curry mit paniertem Schweineschnitzel an japanischer Currysauce und mariniertem roten Rettich, dazu gedämpfter Reis mit Erbsen. Zum Dessert wurde eine Beerenschnitte gereicht. Vor der Ankunft gab es noch ein warmes Frühstück mit Omelette, Brötchen, Marmelade und Käse. Natürlich mit Orangensaft, Kaffee oder japanischen Tee.

Besonders angetan waren die Fluggäste von der Getränkeauswahl an Bord des Flugzeuges. Denn es gab Sekt, Rot- und Weißwein, Spirituosen, deutsches Bier, Mineralwasser, Erfrischungsgetränke und Säfte, so wie frischen Kaffee oder Tee. Die Lufthansa kredenzte zudem japanische Spezialitäten wie grüner Tee und Oolong. Die meisten Herren orderten gerne u. oft die alkoholischen Getränke, natürlich nur um die Flugangst zu bekämpfen.

Kurz vor dem Landeanflug hatten wir noch einen herrlichen Blick auf die Japanischen Alpen. Dort lag u.a. ein schöner See mitten in den gewaltigen Bergmassiven, dessen Spitzen noch mit weißem Schnee bedeckt war. Von hier oben im Flugzeug hatten wir einen schönen ersten Eindruck von Japan, dem Land der aufgehenden Sonne".

Pünktlich um zehn Uhr fünfzig setzte unser Flugzeug auf der Landebahn des Zielflughafens Tokio-Haneda sachte auf. Viele Gäste waren noch vom Flug ganz erschlagen und übermüdet, dem einen oder anderen stand der übermäßige Alkoholkonsum im Gesicht. Es gab aber auch Passagiere denen die Angst der Landung anzusehen war, oder Leute die vor Freude nervös wurden, weil sie sich auf den Aufenthalt in Japan freuten.

Nach dem Ausstieg und der üblichen Prozedur in einem internationalen Flughafen, dies war der Empfang der abgegebenen Koffer, die Passkontrollen, Einreiseformulare prüfen, Fingerabdrücke und ein Kamerafoto für die Behörden der Flugsicherheit / Beamten in Japan. Alles lief schnell und unkompliziert, so wie auch sehr gut geordnet und organisiert im Flughafen Haneda ab. Nachdem wir die Behördengänge hinter uns hatten, wurden wir sehr herzlich u. ganz persönlich von unserer Reiseleiterin in Empfang genommen.

Sie hielt eine Tafel unserer Agentur als Erkennungszeichen in ihrer Hand und registrierte natürlich alle Teilnehmer der Rundreise. Die Reiseleiterin hieß Ingrid u. war eine zierliche, drahtige und sportliche Frau im reiferen Alter. Der Kurzhaarschnitt passte sehr gutzu ihrem natürlich grau meliertem Haar und ihre Brille ließ sie zudem intelligent wirken. Auf mich machte sie einen sehr freundlichen und kompetenten Eindruck. Ich war gespannt, ob dies so blieb, oder sich noch änderte. Sie trug eine graue enge Jeans, ein rotes T-Shirt und darüber eine graue Lederjacke mit einem breiten Kragen, zudem um die Hüften eine dunkle Gürteltasche.

Ingrid erzählte uns, dass sie mit dem gleichen Flugzeug, wie wir, aus München angereist war und diese Tour zwei Mal pro Jahr in jede Richtung organisiert und begleitet. Üblicherweise sind auf dieser Rundreise meistens Rentner oder überwiegend ältere Teilnehmer, aber diesmal war Ingrid ganz überrascht, dass so viele junge Menschen, als Paar, verheiratet oder Single in der Gruppe waren. Sie entschuldigte sich für die große Gruppe von achtunddreißig Personen, dies lag daran, dass zwei Gruppen zusammengelegt wurden, weil ein Reiseleiter leider gesundheitsbedingt kurzfristig ausgefallen war. Da konnte der Veranstalter nicht mehr so schnell reagieren und die zwei Gruppen wurden zusammengelegt, damit beide Rundreisen stattfinden konnten. Schmunzelnd teilte sie uns mit, dass diese Reisegruppe "Geisha Nr.3" heißt.

Plötzlich hörte ich die Stimme der unruhigen Dame aus dem Flugzeug ein paar Reihen vor mir wieder, das Paar mit ihrem erwachsenen Sohn, das im Flieger schräg vor mir saß zuckte sogar leicht zusammen, denn sie hatten vermutlich gehofft, dass diese Frau, mit ihrem großen roten Koffer, nicht zur Reisegruppe gehört.

Als alle Gäste der Gruppe anwesend waren liefen wir zum Reisebus, um in unser gebuchtes Hotel zu fahren. Die Reisegruppe ließ diese unruhige Person als Erstes in den Bus steigen. Sie platzierte sich ganz vorne im Bus. Das Paar mit ihrem erwachsenen Sohn aus dem Flugzeug und ich setzten uns ganz nach hinten im Bus, um eine ruhige und entspannte Fahrt zu haben. Der Bus füllte sich ausnahmsweise von hinten nach vorne, vermutlich hatten auf dem Hinflug auch andere die Qualitäten ihrer Stimme und das übernervöse Verhalten dieser Dame registriert.

Ein älteres Paar, von den achtunddreißig Teilnehmern, stieß erst im Bus zu uns, denn sie sind individuell angereist. Obwohl es eine Gruppenreise war, gab es die Möglichkeit vor oder nach der Rundreise früher anzureisen oder gar zu verlängern. Dieses ältere Paar war mit einem anderen Flug angereist, um sich einem Flug mit bequemen Schlafbetten zu gönnen. Schon beim Einnehmen der Sitzplätze konnte der Herr das nicht oft genug wiederholen und prahlte immer wieder damit. Er hatte das starke Bedürfnis jedem mitzuteilen, dass er doch wohlhabend ist und sich das leisten könnte.

Im Bus stellte Ingrid uns unseren Busfahrer namens Ito-sun vor. Er war von mittelgroßer Statur, schlank und freundlich. Natürlich hatte er schwarzes kurzgeschnittenes Haar, wie alle Japaner in seiner Altersklasse, das er zu einem angedeuteten Seitenscheitel kämmte. Sein gepflegtes Gesicht wurde von einem Oberlippenbart und einem Kinnbart gekennzeichnet.

An diesem Tag trug er eine weite schwarze Buntfaltenhose, ein hellblaues langärmliches Hemd und darüber eine schwarze ärmellose Weste mit Stehkragen. Leider sprach er überhaupt kein Deutsch, begrüßte uns dafür aber auf Japanisch sehr laut und freundlich.