Cover

Die Probleme unserer Epoche sind extrem komplex geworden, dabei hat die vorherrschende Art in Wirtschaft und Politik, Lösungen zu finden, die Probleme oft noch verschärft. Albrecht von Müller, Leiter des Parmenides Center for the Study of Thinking, zeigt, dass wir den Herausforderungen nicht nur mit technischen Mitteln begegnen können – sondern vor allem mit einer Veränderung unserer Denkweise. Dabei ist die Zunahme der Komplexität eine Begleiterscheinung der konstellativen Selbstentfaltung unserer Welt, die von der Entstehung der Materie über die des Lebens bis hin zum menschlichen Geist und unserer modernen Zivilisation reicht. Um Selbstentfaltung zu verstehen, brauchen wir ein grundlegend neues Verständnis von Zeit und Wirklichkeit.

Vita:

ALBRECHT VON MÜLLER, geboren 1954, promovierte über das Thema »Zeit und Logik«. Danach arbeitete er viele Jahre als Wissenschaftler in der Max-Planck-Gesellschaft und lehrt bis heute Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ergänzend zur Forschung hat er sich immer auch für die praktische Umsetzung der Erkenntnisse interessiert und engagiert. Im Bereich der Theorie der Zeit und in Fragen der Rüstungskontrolle arbeitete er mit Carl Friedrich von Weizsäcker zusammen und war u. a. Direktor des European Center for International Security (EUCIS). Er hat große Organisationen und verschiedene Regierungen und Persönlichkeiten beraten, darunter Nelson Mandela und Michail Gorbatschow. 2001 gründete er die Parmenides Stiftung (www.parmenides-foundation.org), deren Aufgabe die interdisziplinäre Erforschung komplexen Denkens ist.

ALBRECHT VON MÜLLER

Die Selbstentfaltung
der Welt

Eine Einladung, Zeit und Wirklichkeit
neu zu denken und mit Komplexität
anders umzugehen

Siedler

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Copyright © 2020 by Siedler Verlag, München, in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München

Redaktion: Fabian Bergmann
Umschlaggestaltung: Rothfos & Gabler, Hamburg
Umschlagabbildung[en]: © Adobe Stock/Hakki Arslan
Satz: Vornehm Mediengestaltung GmbH, München
Reproduktion: Reproline mediateam, Unterföhring

ISBN 978-3-641-20675-8
V001

www.siedler-verlag.de

Inhalt

Eine Vorbemerkung in vier Schritten

Eine erste Skizze des Gedankenganges, eine kleine »Gebrauchsanweisung« zum Buch sowie einige ergänzende, persönliche Bemerkungen

Dank an Gesprächspartner und Mitwirkende

0. Eine skizzenhafte Rekonstruktion unserer heutigen Denkfalle

Die kategorialen Grundlagen des neuen Denkansatzes

1. Das Phänomen der Zeit noch einmal von Grund auf neu denken

2. Die Selbstentfaltung der Wirklichkeit im Zeit-Raum der Gegenwart

3. Mit Kant über Kant hinaus: Die Existenz kategorialer Apparate

4. Drei sich ergänzende chrono-ontologische Portraits unserer Welt

5. Das Ideal zwingender Beweise im faktischen Wirklichkeitsaspekt

6. Die Eckpfeiler der Theorie eines autogenetischen Universums

Ein neues Bild der Natur

7. Die iterative Selbstentfaltung von Materie, Leben und Geist

8. Quantenreduktion und schwarze Löcher als inverse Übergänge

9. Die phylo- und ontogenetische Selbstkonstitution des Lebendigen

10. Bewusstsein und Geist als weitere Stufen emergenter Selbstentfaltung

11. Eine vereinheitlichte Theorie der Strukturbildungsprozesse

12. Die borromäische Topologie einer neuartigen Modest ToE

Ein neues Bild des Menschen

13. Ort und Würde des Menschen in einem autogenetischen Universum

14. Ein neuer Blick auf unser Denken und das Phänomen der Vernunft

15. Die Logik des Konstellativen als Stärke der natürlichen Sprache

16. Die konstitutive Unentscheidbarkeit der Frage nach der Freiheit

17. Die Erfahrung des Guten und Schönen, des Glücks und von Sinn

18. Umrisse einer neuen Ethik der konstellativen Selbstentfaltung

Eine menschheitsgeschichtliche Ortsbestimmung

19. Der großartige, aber selbstimmunisierende Wurf des Aristoteles

20. Das Facticity Imprisonment unseres Denkens und seine Folgen

21. Zeit als Entzug und das Streben nach Macht, Besitz und Kontrolle

22. Eine Rekonstruktion der zivilisatorischen Selbstgefährdungsspirale

23. Zur Komplementarität von künstlicher und natürlicher Intelligenz

24. Die Konvergenz von Ethik und Eigennutzen als einmalige Chance

Die Komplexitätsfalle und ihre Überwindung

25. Die Komplexitätsfalle als zusätzliche Herausforderung

26. »Cognostics« als neue Form der Erforschung menschlichen Denkens

27. Vier wichtige Ergebnisse und ein neues Verständnis von Denken

28. Der nächste Schritt in der Evolution menschlicher Denkfähigkeit

29. Neue Horizonte für Medizin, Erziehung, Strategie und Demokratie

30. Neue Zielgrößen und Instrumente für Wirtschaft und Politik

Die Umrisse einer globalen Kurskorrektur

31. Die Notwendigkeit einer menschheitsgeschichtlichen Kurskorrektur

32. Die Idee der Menschenwürde als unverhandelbarer Ausgangspunkt

33. Joint Option Space Unfolding als fraktales Handlungsparadigma

34. Ein vierdimensionaler Verhaltenskodex als neuer Ordnungsrahmen

35. Globaler Dialog, ökonomische Anreize und militärisches Back-up

36. Die Neugestaltung des Nord-Süd-Verhältnisses als Lackmustest

Chance und Verantwortung Europas

37. Die Rolle und Verantwortung Europas in den kommenden Jahrzehnten

38. Der Niedergang und die Wiedergeburt des europäischen Projekts

39. Eine 3-Ebenen-Architektur mit Auf- und Abstiegsmöglichkeiten

40. Europa als Pionier einer partizipatorischen Weltinnenpolitik

41. Die Nutzung der Vielfalt: Europa als Lern- und Innovationslabor

41.1. Die Notwendigkeit integrierter Politikkonzepte

41.2. Die Theorie archimedischer Gestaltungspunkte

41.3. Die Neuausrichtung der Bildungspolitik

41.4. Die Neuausrichtung der Wirtschafts- und Innovationspolitik

41.5. Die Neuausrichtung der Demokratie und des öffentlichen Sektors

41.6. Die Neuausrichtung der Innen-, Justiz- und Migrationspolitik

41.7. Die Neuausrichtung der Haushalts-, Steuer- und Abgabenpolitik

41.8. Die Neuausrichtung der Gesundheits-, Sozial- und Umweltpolitik

42. »Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.«

Philosophische Zwischenbemerkung vor dem dritten Durchgang

Übersicht zum dritten und ausführlichsten Durchlaufen der neuen Sicht von Zeit und Wirklichkeit

I. Die kategoriale Grundlegung eines Denkansatzes, in dem Fakten »nur« die Spuren des Wirklichkeitsgeschehens sind

I.a. Die Existenz und Bedeutung kategorialer Apparate, die unser Denken sowohl ermöglichen wie auch limitieren

I.b. Die drei sich ergänzenden chrono-ontologischen Portraits eines autogenetischen Universums und die Logik des Konstellativen

I.c. Gegen-Wart als der Zeit-Raum und der Modus der konstellativen Selbst-Entfaltung eines autogenetischen Universums

II. Ein erweitertes und vertieftes Verständnis der Natur

II.a. Quantenphysik und Relativitätstheorie als Beschreibungen unterschiedlicher chrono-ontologischer Portraits

II.b. Von einer vereinheitlichten Theorie der Strukturbildung zur Rekonstruktion der Phylo- und Ontogenese des Lebendigen

II.c. A Modest ToE: Eine offene, aber kohärente Theorie der iterativen Selbst-Entfaltung von Materie, Leben und Geist

III. Ein neues Bild des Menschen

III.a. Die entscheidenden Charakteristika des menschlichen Geistes sowie die Gründe und Folgen ihres derzeitigen Übersehen-Werdens

III.b. Die modulare Grundstruktur menschlichen Denkens und dessen Verhältnis zur natürlichen Sprache

III.c. Von einer neuen Selbst-Verortung des Menschen und seiner Aufgabe zum Ethos des Joint Option Space Unfolding

IV. Von der Rekonstruktion der Krise unserer Zivilisation zur Perspektive einer menschheitsgeschichtlichen Kurskorrektur

IV.a. Von der post-sokratischen Symmetriebrechung zum zunehmenden Facticity Imprisonment unseres Denkens

IV.b. Die lange Geschichte und die Gründe des Scheiterns der Suche nach einem reicheren Zeit- und Wirklichkeitsbegriff

IV.c. Von der Explosion unserer instrumentellen Machtfülle und der Spirale zivilisatorischer Selbstgefährdungen zu den Umrissen einer menschheitsgeschichtlichen Kurskorrektur

V. Das neue Forschungsgebiet »Cognostics« und die Aufgabe, Komplexität zu bewältigen und Prozesse der konstellativen Selbstentfaltung mitzugestalten

V.a. Von den theoretisch-konzeptionellen Grundlagen zu neuen methodologischen Ansätzen für erfolgreiches Handeln

V.b. Das neue Forschungsgebiet »Cognostics« und eine visuelle Denksprache als »Dampfmaschine« für das Zeitalter explodierender Komplexität

V.c. Weitere Cognostics-Module und zwei Beispiele für konkrete Anwendungen

VI. Die Notwendigkeit einer zivilisationsgeschichtlichen Kurskorrektur und warum sie am ehesten von Europa initiiert werden kann

VI.a. Von der Selbstgefährdungsspirale unserer Zivilisation über die Rolle und Verantwortung Europas zu einer »Partitur« der Erneuerung

VI.b. Eine weiterentwickelte Begründung sowie neue Gestaltungsprinzipien und Prozeduren für das Projekt der Einigung Europas

VI.b.1. Die Menschenwürde als Grundwert und dessen spezifische Ausprägung in Europa

VI.b.2. »Europäisch-ordoliberale Subsidiarität« (EOS) als fraktales Gestaltungsprinzip des zukünftigen Europa

VI.b.3. Vom heutigen One Size Fits All zu einer flexiblen 3-Ebenen-Architektur

VI.b.4. Neue, faszinierende Formen der demokratischen Partizipation

VI.b.5. Vier neue methodologisch-politikhandwerkliche Ansätze für Zeiten hoher Komplexität und raschen Wandels

VI.c. Zwei integrierte Politikkonzepte, zum einen für die binnenpolitische Erneuerung Europas und zum anderen für den Aufbau eines neuen globalpolitischen Ordnungsrahmens

VI.c.1. Die binnenpolitische Erneuerung Europas

VI.c.2. Europa als Proponent und Katalysator einer partizipatorischen Weltinnenpolitik

Authentische Gegen-Wart als Weg zu Weisheit und Glück

On the Author

Über das Buch

Personenregister

Bildnachweis

Abbildung 1

Meinen vier Kindern
Tiziana, Raphael, Maximilian
und Constantin sowie ihrer ganzen
Generation gewidmet, denn sie
werden die anstehenden Kurskorrekturen
im Wesentlichen umsetzen müssen

Probleme kann man niemals mit
derselben Denkweise lösen,
durch die sie entstanden sind.

Albert Einstein

Vernunft ist die Fähigkeit,
ein Ganzes als Ganzes wahrzunehmen.

Carl Friedrich von Weizsäcker

It is quite likely that the 21st century will reveal
even more wonderful insights than those we
have been blessed with in the 20th. But for this to
happen, we shall need powerful new ideas, which
shall take us in directions significantly different
from those currently being pursued. Perhaps
what we mainly need is some subtle change in
perspective – something that we all have missed …

Roger Penrose

   Der Versuch, das Ganze als Ganzes noch mal neu zu denken, kann nichts anderes sein als work in progress. Aus diesem Grund versuchen wir, die Momentaufnahme des gedruckten Textes mit Möglichkeiten des interaktiven Nach- und Weiterdenkens zu verbinden. Über diesen QR-Code kommt man in einen »Denkraum«, in dem die einzelnen Themen kommentiert und vertiefend weiter diskutiert werden können. Die Hoffnung ist, dass auch dort die im Folgenden vorgestellte Kombination einer sprachbasierten Wiedergabe von Überlegungen mit einer die Orientierung erleichternden visuellen Repräsentation der wichtigsten Schritte des jeweiligen Gedankenganges aufgenommen und weiter genutzt werden kann.

In dem »Denkraum« sind sämtliche Abbildungen aus dem Buch in höchster Qualität der Darstellung nochmal zugänglich gemacht.