Das Foto Praxis-Buch orientiert sich an den Tierfotografie-Workshops von Regine Heuser, die sie mit großem Erfolg seit vielen Jahren anbietet. Ziel ist, neben einer Einführung in die Grundkenntnisse der Bildgestaltung im Allgemeinen und der Fotografie im Besonderen, ein Gespür für das richtige Motiv, das richtige Setting und den richtigen Moment zu entwickeln. Lassen Sie uns keine Zeit verlieren und lernen Sie jetzt das grundlegende Know-how der Tierfotografie kennen, um diese Fotos in Zukunft selbst schießen zu können.
108 MM :: F/4 :: 1/1250 S :: ISO 160
Eine tiefe Aufnahmeposition – ich kniete auf dem Boden – macht das Bild spannender.
Sind gelungene Tierfotos am Ende immer nur geglückte Schnappschüsse? Oder kommt es auch hier auf das richtige Handwerk an? Und wenn ja: Wie kann man dieses Handwerk erlernen?
Meist erweist sich das Fotografieren von Haustieren als sehr schwierig und nicht selten als Geduldsprobe, denn entweder sind die Tiere es nicht gewöhnt, für einen Moment stillzuhalten, und schauen im entscheidenden Moment nicht in die Kamera, oder es fehlt die passende Idee, wie Sie das Tier charaktergerecht in Szene setzen können.
Unterm Strich muss man leider häufig feststellen, dass die Ergebnisse trotz stundenlanger Arbeit und großer Mühe immer noch zu wünschen übrig lassen. Ergibt sich mal eine Situation, die passt, ist das Bild nicht scharf, die Belichtung falsch, oder die Farben sehen merkwürdig aus. Und ist es zufällig mal ganz gut geworden, wissen Sie nicht mehr, wieso es funktioniert hat, das Ergebnis lässt sich nicht reproduzieren.
220 MM :: F/5.6 :: 1/500 S :: ISO 200
Jeder, der eine Kamera besitzt, die manuelle Einstellungen zulässt, kann seine Ergebnisse schon um Längen verbessern! Dass Sie lernen, Ihre Kamera zu »steuern«, ist der erste Schritt zu besseren Bildern.
Für Anfänger ist es oft schwer, zu entscheiden, was man in welcher Reihenfolge an der Kamera alles einstellen muss. Viele scheuen die manuellen Einstellungen, weil die Zusammenhänge für einen Anfänger oft nicht leicht zu verstehen sind. Die Bedienungsanleitung einer Kamera hilft häufig ebenfalls nicht weiter. Zwar kann man nachlesen, was die Kamera alles kann, aber um wirklich gute Fotos zu schießen, hilft sie nicht. Einige meiner Workshop-Teilnehmer haben schon Kurse besucht, in denen teilweise stundenlang Theorie vermittelt wurde, die Praxis kam aber zu viel kurz. Es werden Formeln und Berechnungen erklärt, die so mathematisch und für Anfänger so unverständlich sind, dass viele danach total frustriert sind. Theorie und Praxis parallel zu vermitteln, ist meiner Meinung nach ideal. Das Erklärte wird sofort ausprobiert, und so werden die Zusammenhänge viel schneller klar. Sie brauchen also kein Mathematikstudium, um perfekte Fotos zu schießen.
Automatikprogramme sind eine Erfindung moderner Kameras und erleichtern das Knipsen, aber nicht das Fotografieren!
Fotografieren Sie nur mit Vollautomatik und Motivprogrammen, oder nutzen Sie auch halb automatische Belichtungsmodi wie Zeitautomatik (A, Av) und Blendenautomatik (S, Tv)? Sind Sie mit Ihren Ergebnissen nicht zufrieden? Nur wenn Sie lernen, Ihre Kamera manuell einzustellen, haben Sie die volle Kontrolle über das Ergebnis. Keine Angst, es ist nicht so kompliziert, wie es auf den ersten Blick scheint.
Nicht immer auf Augenhöhe
Als grobe Regel gilt der Grundsatz, »immer auf Augenhöhe« zu fotografieren. Diese Regel breche ich in der Pferdefotografie jedoch sehr häufig. Auf Augenhöhe ist man bei den meisten Pferden, wenn man selbst steht.
- Fotografiere ich ein Pferd aus dem Stehen heraus, wirken die Bilder oft langweilig und haben keine Spannung.
- Fotografiere ich jedoch kniend oder sogar im Sitzen, wirkt ein Pferd oft viel majestätischer.
Probieren Sie das einfach mal aus und entscheiden Sie dann, was Ihnen besser gefällt.
Um Bildergebnisse zu verbessern, muss erst einmal keine teure Profiausrüstung angeschafft werden. Viel sinnvoller ist es, dass Sie lernen, Ihre Kamera zu beherrschen, und dass Sie sich mit dem Thema Bildgestaltung beschäftigen. Dabei ist nur wichtig, dass Sie eine Kamera nutzen, die manuelle Einstellungen zulässt, damit Sie die Ergebnisse erzielen, die Sie möchten, und keine Zufallsprodukte. Aufrüsten kann man dann später immer noch.
Leider glauben viele, dass eine teure Kamera automatisch dazu führt, dass die Fotos besser werden. Das ist nicht der Fall. Das Allerwichtigste ist, dass man seine Kamera beherrscht, die grundlegenden Zusammenhänge der Technik versteht und den fotografischen Blick schult.
Anfängern empfehle ich, für den Einstieg in die Fotografie erst einmal eine einfachere Ausrüstung anzuschaffen, um sich mit der Technik vertraut zu machen. Profikameras haben ein zu großes Leistungsspektrum, das gerade Anfänger oft überfordert. Erst wenn man weiß, was einen später als Fotothema besonders interessiert, und wenn man etwas geübter ist, kann man Stück für Stück seinen Anforderungen entsprechend aufrüsten. Erst dann ist es auch sinnvoll, in ein gutes Objektiv zu investieren. Gute Objektive sind zwar teuer, aber lieber ein sehr gutes Objektiv als viele Fehlkäufe, die mit der Zeit auch einiges an Geld verschlingen.
Jeder, der eine Kamera besitzt, die manuelle Einstellungen zulässt, kann seine Ergebnisse schon um Längen verbessern. Zu erlernen, die eigene Kamera gezielt zu steuern, ist der erste Schritt zu besseren Bildern.
Viele Kameras haben eine Überbelichtungswarnung. Das kann hilfreich sein, weil die überbelichteten Stellen im Display blinken und Sie sofort erkennen, welche Bildbereiche betroffen sind. So können Sie auch zusätzlich zum Histogramm beurteilen, ob die überbelichten Bereiche akzeptabel sind oder korrigiert werden müssen. Wenn nun, wie in unserem Beispiel, der komplette Himmel rund um das Pferd blinken würde, Ihre Kamera Ihnen also eine Überbelichtung signalisiert, können Sie dies vor Ort sofort korrigieren.
Ich empfehle Ihnen, im Rohdatenformat RAW zu fotografieren, weil Sie hier die Möglichkeit haben, z. B. Belichtungsfehler später am Computer zu korrigieren. Aufnahmen im RAW-Format vertragen Korrekturen besser, weil ein größerer Kontrastumfang erfasst wird. Im Lieferumfang Ihrer Kamera ist in der Regel auch eine entsprechende Software, sprich ein RAW-Konverter, enthalten. Ich arbeite ausschließlich im RAW-Format.
Wenn Sie im RAW-Format fotografieren, sehen Sie auf dem Kameradisplay nur eine JPEG-Vorschau, die aus der RAW-Datei erzeugt wird. Deshalb sehen Bilder auf den Kameradisplays meist sehr gut aus und wirken später am Rechner etwas farblos.
Wenn Sie anfangs noch unsicher sind, ob Sie sich mit den RAW-Daten anfreunden können, speichern Sie beide Dateiformate. So können Sie später an Ihrem Computer ausprobieren, wie Sie Ihre RAW-Daten verarbeiten und eventuell berichtigen können. Zur Not haben Sie dann ja immer noch eine JPEG-Datei.
Falsch
175 MM :: F/2.8 :: 1/500 S :: ISO 100 :: SEHR SONNIG
Dieses Beispiel zeigt ein stark überbelichtetes Foto. Das Pferd ist silberfarben statt schwarz – gruselig.
Welche Möglichkeiten haben Sie jetzt, um das Bild richtig zu belichten?
Richtig
200 MM :: F/3.2 :: 1/800 S :: ISO 100 :: SEHR SONNIG
Bei diesem Bild wurde die Blende etwas weiter geschlossen und zusätzlich die Verschlusszeit leicht erhöht.
Hintergrund in Unschärfe
Haben Sie die Möglichkeit, das Pferd sehr weit vom Hintergrund (z. B. Hecken, Waldrand etc.) entfernt zu platzieren, können Sie versuchen, die Blende etwas zu schließen. Ist die Distanz vom Motiv zum Hintergrund entsprechend groß, verlieren Sie auch bei einer etwas weiter geschlossenen Blende nicht die Freistellung, das heißt, der unscharfe Hintergrund bleibt erhalten.
200 MM :: F/3.2 :: 1/1000 S :: ISO 100 :: SEHR SONNIG
Hat das Pferd sehr dunkle und sehr helle Farben, ist eine exakte Belichtung besonders wichtig. Achten Sie darauf, dass sowohl das weiße als auch schwarze Fell die schöne Durchzeichnung behalten. Hier ist ein Blick auf das Histogramm ebenfalls nützlich. Ein Ausschlag ganz rechts zeigt Ihnen eine Überbelichtung an, der Ausschlag ganz links eine Unterbelichtung, sodass Sie dies direkt vor Ort korrigieren können.
Der Weißabgleich steuert die Farbgebung des Sensors. Die Einstellung sollte zur verwendeten Lichtquelle passen. Wenn Sie in Räumen fotografieren, können Ihre Bilder einen leichten Gelbstich aufweisen, in Büroräumen kann aufgrund der Bürobeleuchtung das Foto grünstichig ausfallen. Wenn Sie draußen in Schattenbereichen fotografieren, werden die Bilder blaustichig. Das passiert, wenn der Weißabgleich in Ihrer Kamera nicht korrekt eingestellt wurde.
Wenn Sie mit Ihrer Kamera vorwiegend im JPEG-Format aufnehmen, müssen Sie den Weißabgleich in Ihrer Kamera richtig einstellen, bevor Sie fotografieren. Nachträglich kann per Software der Farbstich zwar entfernt werden, das ist aber bei Bildern im JPEG-Format nicht empfehlenswert, da Sie hier Qualitätsverluste in Kauf nehmen müssen. Stellen Sie also den Weißabgleich direkt beim Fotografieren richtig ein.
Beispiel einer Kameraeinstellung für den automatischen Weißabgleich sowie vorgegebene Weißabgleichseinstellungen für Sonne, Schatten, Bewölkt und andere.
Fotografieren Sie aber im RAW-Format, können Sie den Weißabgleich auch später am Computer durchführen. Das entspricht meiner Arbeitsweise. Ich lasse die Weißabgleichseinstellung immer auf AWB (automatischer Weißabgleich), und falls mir die Farbtemperatur nicht gefällt, kann ich sie später noch ändern. In der Outdoor-Fotografie bei sonnigem Wetter oder nur leicht bewölktem Himmel liefert meine Kamera im Modus AWB perfekte Ergebnisse.
Tipp
Wenn Sie den vorgegebenen Weißabgleich in Ihrer Kamera anpassen möchten und z. B. im Wald mit vielen Schattenbereichen fotografieren, kann es sein, dass mit der Einstellung des Weißabgleichs auf Schatten die Bilder zu gelbstichig werden. Versuchen Sie dann alternativ mal die Einstellung Bewölkt.
Es besteht aber auch die Möglichkeit, den Weißabgleich manuell auf einer rein weißen Fläche oder auf einer zertifizierten Graukarte (18%iges Grau) durchzuführen. Das ist besonders wichtig in schwierigen Mischlichtsituationen oder in der Studiofotografie. Ist das bei einer Aufnahmesituation der Fall, muss der Weißabgleich manuell durchgeführt werden.
Dazu fotografieren Sie zuerst eine rein weiße Fläche oder besser eine Graukarte und danach das Motiv. Nach dem Shooting öffnen Sie dann am Computer in Adobe Camera Raw zunächst das Bild mit der Graukarte. Mit dem Weißabgleichswerkzeug (einer Pipette) klicken Sie dann auf die Graukarte und haben so den richtigen Weißabgleich für alle Fotos dieser Aufnahmeserie.
Manueller Weißabgleich Step by Step:
1. Jede hochwertige Kamera hat eine Einstellungsmöglichkeit für den manuellen Weißabgleich. Rufen Sie diese Funktion auf und bestätigen Sie sie.
2. Anschließend fotografieren Sie eine ausreichend beleuchtete Fläche, die in Ihrer geplanten Aufnahme als reines Weiß erscheinen soll. Steht keine rein weiße Fläche zur Verfügung, können Sie den manuellen Weißabgleich auch mit einer 18%igen Graukarte durchführen, die es im Fotofachhandel zu kaufen gibt.
3. Stellen Sie dann auf die rein weiße Fläche bzw. die Graukarte scharf, drücken Sie den Auslöser und warten Sie die Rückmeldung der Kamera ab. Alle nun folgenden Aufnahmen werden mit Bezug auf das von Ihnen angemessene Referenzbild automatisch von der Kamera farblich korrigiert.
Um die Vorgänge beim Weißabgleich besser zu verstehen, fotografieren Sie als Referenzfläche doch einfach mal eine rote, grüne oder blaue Fläche. Sie werden sehen, dass die Kamera bei den nächsten Fotos diese Fläche mehr oder weniger weiß zeigt, die restlichen Farben im Bild aber entsprechend anpasst und sie somit verfälscht wiedergibt.
Die richtige Belichtung ist die Basis jedes Fotos. Deshalb vertiefen wir nun das grundlegende Know-how zum Zusammenspiel von Blende, Verschlusszeit und ISO-Empfindlichkeit. Sobald Sie auf den Auslöser der Kamera drücken, wird der Verschluss geöffnet, und durch die Blende hindurch fällt Licht auf den Sensor, der es an den Prozessor der Kamera zur Aufbereitung und Speicherung der Aufnahme weiterleitet. Beginnen wir mit der präzisen Abstimmung von Blende und Verschlusszeit.
120 MM :: F/2.8 :: 1/2000 S :: ISO 100
Hier sehen Sie ein normal belichtetes Foto und das dazugehörende Histogramm. Das Histogramm auf dem Kameramonitor zeigt keine Über- oder Unterbelichtung, das heißt, starke Ausschläge ganz links oder rechts sind nicht vorhanden. Aufgrund dieses Histogramms können wir von einer ausgewogenen Belichtung ausgehen.
Um ein korrekt belichtetes Foto zu bekommen, müssen Verschlusszeit und Blende präzise aufeinander abgestimmt sein. Nur bei jeweils ganz bestimmten Blende-Verschlusszeit-Paaren stimmt die Belichtung. Wird einer der beiden Werte für gestalterische Zwecke verändert, muss der andere Wert entsprechend angepasst werden. Das sind die drei Parameter, ohne die bei der richtigen Belichtung nichts geht:
1. Blende: Steuert die Lichtmenge, die durch das Objektiv einfällt. Je kleiner der Blendenwert, desto größer die Blendenöffnung, desto mehr Licht fällt ein.
2. Verschlusszeit: Festgelegtes Zeitintervall, in dem Licht durch das Objektiv auf den Sensor fallen kann.
3. ISO-Wert: Gibt die Lichtempfindlichkeit des Aufnahmesensors an. Je höher der ISO-Wert, desto weniger Licht ist erforderlich, um eine richtig belichtete Aufnahme zu bekommen.
Beispiel: Eine Anpassung des ISO-Werts von 100 auf 200 bedeutet, dass die gleiche Helligkeit bei der halben Belichtungszeit erreicht wird, ohne die Blende zu verändern.
Die Blende steuert aber nicht nur in Verbindung mit der Verschlusszeit die Lichtmenge, sondern ist auch ein wichtiges Gestaltungsmerkmal.
Von links nach rechts: Blende f/2.8, Blende f/5.6, Blende f/11
Je kleiner der Blendenwert, desto größer die Blendenöffnung, desto mehr Licht fällt ein. Je größer der Blendenwert, desto kleiner die Blendenöffnung, desto weniger Licht fällt ein.
Die Blendenwerte werden als sogenannte Blendenreihe (siehe Tabelle) angegeben. Die in der Tabelle aufgeführten Blendenwerte finden sich auch bei den meisten Kameras in der Blendeneinstellung. Damit die Stufen jedoch feiner sein können, werden die Abstände zwischen den Hauptblendenstufen noch mal in zwei oder drei Zwischenstufen geteilt.
Blendenreihe
1 :: 1.4 :: 2 :: 2.8 :: 4 :: 5.6 :: 8 :: 11 :: 16 :: 32 :: 45 :: 64 :: 90 :: 128
Blendenzahl und Blendenöffnung
Bei Zoomobjektivbeschreibungen sieht man häufig die Bezeichnung »f/3.5-5.6«. Klar ist, dass die Werte 3.5 bis 5.6 die kleinstmögliche Blendenzahl, sprich größte Blendenöffnung, angeben. Hierbei steht der Wert 3.5 für den Blendenwert in der Weitwinkeleinstellung und der Wert 5.6 für die Teleeinstellung. Das Kürzel »f« steht eigentlich für »focal length«, den englischen Begriff für Brennweite.