Originally published in the USA by

Shippensburg, PA USA

under the title

Seeker, by Dian Layton

Copyright © 2010 Dian Layton, USA

Alle Rechte vorbehalten. Dieses Buch ist durch Copyright Gesetze geschützt.

Kein Teil dieser Publikation darf ohne vorherige schriftliche Zustimmung des

Heraus–gebers in irgendeiner Form und auf keine Art reproduziert, gespeichert

oder übertragen werden – weder elektronisch, mechanisch, mit Fotokopie,

Aufnahme, oder andere – außer kurze Zitate in gedruckten Artikeln.

Deutsche Übersetzung: Susanne und Andreas Vogel

Lektorat: Tabea Kummer

Satz: Cup of Joy Ministries, Winterthur

Schriftzug Sucher: Ute Droß, handschrift-mehralsworte.de

Bibelzitate meist dem Sinn entsprechend

aus dem Englischen übernommen.

Sonst Neues Leben Bibel,

© SCM-Verlag GmBH & Co. KG, D-71087 Holzerlingen

© 2018 – Cup of Joy Ministries

8400 Winterthur – Schweiz

www.cupofjoy.ch

Herstellung und Verlag:

BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt, Deutschland

– www.bod.ch /.de

ISBN: 9783746039640

Widmung

Dieses Buch ist Suchenden überall gewidmet.

Gehe mit dem König und dein Leben wird mit Abenteuern gefüllt sein!

Inhaltsverzeichnis

  1. Das Abenteuer beginnt
  2. Gerettet vom Drachen
  3. Das Geheimnis der blauen Tasche
  4. Auf der Suche nach Rastloser-Wanderer
  5. Der Träumer
  6. Rüstung des Lichts
  7. Träger des Königreichs

Einleitung

In Hebräer 13,8 steht, dass Jesus derselbe ist, gestern, heute und für immer. Als er auf der Erde lebte, erzählte Jesus Geschichten. Er hat sich nicht verändert; er erzählt immer noch Geschichten. Ich glaube, dass Jesus einen nie endenden Vorrat an Geschichten hat, die er erzählen kann. Als ich vor vielen Jahren betete, fragte ich Gott, wie Kindern deutlich machen kann, wie er ist. Ich wollte ihnen die aufregende, erstaunliche, verblüffende und lustige Person vorstellen, als die ich Jesus als Erwachsene kennengelernt hatte. Ich las Daniel 11,32, wo es heißt: „Die Menschen, die ihren Gott kennen, sollen stark sein und Heldentaten vollbringen.” Ich dachte darüber nach. Die Menschen, die ihren Gott kennen – nicht nur an ihn glauben – diese Menschen werden stark sein (im Innern) und sie werden Abenteuer erleben! Ich dachte an die Kinder in unserer Gemeinde und realisierte, dass viele von ihnen zwar an Gott glaubten… aber ich fragte mich, wie viele ihn tatsächlich kannten. Also betete ich: „Herr, bitte gib mir Ideen, wie ich dich den Kindern vorstellen kann. Bitte erzähle mir eine Geschichte.” Und genau dort und dann bekam ich eine Idee von einem König und einer Gruppe von Kindern, die im Königreich ‘Freude-und-Frieden’ lebten, aber den König nicht wirklich kannten… und das Abenteuer begann…

Das Abenteuer
beginnt

Kapitel 1

‘Sucher’ öffnete sein Fenster und atmete die frische Morgenluft tief ein. Perfekt! dachte er. Ich kann es kaum erwarten, heute wieder auf der Achterbahn zu fahren!

Das Kinn auf beide Hände aufgestützt schaute Sucher träumend aus dem Fenster. Von ferne konnte er die Flaggen des ‘EgoParks in Selbstsucht’ leuchtend flattern sehen. Gestern, wie so viele andere Tage, hatten Sucher und seine Freunde – nur an sich selbst denkend – im EgoPark verbracht. (In einen Vergnügungspark zu gehen ist nicht falsch; aber zum ‘EgoPark in Selbstsucht’ zu gehen, ist sehr falsch.)

Die Clowns im EgoPark hatten gestern eine neue Achterbahn eröffnet und die Kinder ermutigt, damit zu fahren so oft sie wollten. Außerdem hatten sie riesige Kostproben von Süßigkeiten verteilt. Die EgoPark Süßigkeiten wurden nach einem speziellen Geheimrezept der Clowns hergestellt. Die Süßigkeiten waren so lecker, dass je mehr die Kinder davon aßen, sie umso mehr davon haben wollten. Auch wenn ihre Mägen sich in der Nacht jeweils extrem schlecht anfühlten, war alles woran sie denken konnten, am nächsten Tag wieder zum EgoPark zu gehen, um noch mehr Süßigkeiten zu essen.

An die Süßigkeiten zu denken machte Suchers Mund wässrig. Für einen langen Moment schloß er seine Augen und leckte seine Lippen. Plötzlich wurde Suchers Tagtraum durch die Stimme seiner Mutter unterbrochen. „Sucher! Es ist Zeit, dass wir losgehen zur Feier des Königs. Bist du bereit?”

Die Feier des Königs … oh nein! Sucher hatte die Feier des Königs komplett vergessen. Es war ein besonderer Tag, jede Woche mit Spaß, Lachen und gutem Essen im ‘Großen Thronsaal‘. Die Musiker des Königs spielten ihre Instrumente und sangen neue Lieder für den König. Die Schlossdiener servierten das beste Essen, das es auf der Welt gab; und die Hofnarren spielten Spiele und Theaterstücke. Die Hofnarren brachten die Leute so sehr zum Lachen, dass ihnen die Tränen in die Augen schossen und jegliche Traurigkeit, die in ihren Herzen versteckt war, weggewaschen wurde.

Aber da gab es ein sehr erstaunliches Problem mit der Feier. Die Kinder mochten sie nicht. Sie mochten sie überhaupt nicht. Je mehr Zeit sie in Selbstsucht verbrachten, desto ungeduldiger wurden sie bei der Feier und desto respektloser und ungehorsamer wurden sie zu Hause. Das Einzige, was für die Kinder des Königreichs von Bedeutung war, waren sie selbst.

Suchers Mutter rief wieder: „Bist du bereit, Sucher?”

Sucher seufzte: „Nun gut, ich schätze, ich kann die Süßigkeiten und die Achterbahn für heute vergessen.” Er griff im Wandschrank nach seinen Kleidern für die Feier und knallte die Tür wieder zu.

Suchers Stimmung war düster und still, als er mit seiner Mutter ‘Zufriedenheit’ und seiner Schwester ‘Moira’ durch die Straßen der Stadt ging. Als sie den ‘Großen-Felsen’ am Anfang des ‘Geraden-und-schmalen-Weges’ erreichten, konnte Sucher es nicht länger ertragen. Er stoppte und bat Zufriedenheit: „Mama! Muss ich zur Feier des Königs gehen?”

Zufriedenheit versuchte, ihre Verwunderung zu verbergen. Sie räusperte sich und sagte: „Moira, geh du mal vor. Dein Bruder und ich brauchen einen Moment alleine, um uns zu unterhalten.” Als Moira weit genug entfernt war, wandte sich Zufriedenheit ihrem Sohn zu. „Sucher! Du weißt sehr genau, dass wir jede Woche zur Feier des Königs gehen. Wir gehen jetzt schon für Jahre jede Woche dorthin, seitdem der König uns aus der Stadt der ‘Angst’ in Sein Königreich gebracht hat. Was ist los mit dir?”

Sucher wimmerte: „Ich will heute in den EgoPark gehen.”

„Es scheint mir, dass du neuerdings viel zu viel Zeit in diesem EgoPark verbringst, Sucher!”

„Aber Mama! Die Feier des Königs ist langweilig!”

Zufriedenheit schüttelte traurig ihren Kopf. „Ach, Sucher, wenn du nur den König kennen würdest, dann würdest du es lieben zur Feier zu gehen.” Zufriedenheit seufzte schwer und drehte sich wieder in Richtung des Geraden-und-schmalen-Weges. „Komm schon.”

Sucher und seine Mutter gingen den Weg entlang. Das wunderschöne weiße Schloss mit seinen goldenen Verzierungen glitzerte im Sonnenlicht. Der königliche Türsteher stand wartend an der riesigen Eingangstür, um die Dorfbewohner von ‘Frieden-und-Einheit’ willkommen zu heißen. Er lächelte Sucher und Zufriedenheit an, als sie in das Schloss traten und durch den spiegelblank geputzten Flur in Richtung des Großem Thronsaals des Königs gingen.

Nachts hatte Sucher immer wieder von diesem Flur geträumt. Er hatte davon geträumt, dass er seine Schuhe auszogen hatte, um vom einen bis zum anderen Ende des Flurs zu rutschen. Manchmal hatte er geträumt, dass er und die anderen Kinder zusammen rutschten waren. Und manchmal hatte er sogar geträumt, dass es ihm möglich war, das Schloss zu erforschen. Nun fragte er sich, ob es dort wohl noch andere auf Hochglanz polierte Flure gab, und er fragte sich auch, was sich in den Türmen des Schlosses verbarg.

Sucher blickte auf und bemerkte, dass seine Mutter ihm schon weit voraus war und am Eingang zum Großen Thronsaal auf ihn wartete. Als Sucher sich beeilte aufzuholen, erlebte er mit seinen Füßen einen Hauch von Rutschen auf dem blitzeblanken Boden des Flurs.

Kapitel 2

Drei große Tische waren gedeckt und bereit für die Königsfeier. Als Sucher und Zufriedenheit den Großen Thronsaal betraten und sich an den Banketttisch setzten, winkte Sucher seinen Freunden zu. Suchers Freunde waren sehr interessante Kinder. ‘Hoff-So’, ‘Weiß-So’ und ‘Ja’ waren immer vertrauensvoll und kontaktfreudig. ‘Spaßi’, ‘Fröhlich’ und ‘Froh’ liebten es, Spaß zu haben. ‘Schlurfer’ und ‘Lahm’ sprachen immer gleichzeitig und sehr langsam. ‘Tüdel’ und ‘Tu’ diskutierten immer, wer von den beiden etwas tun würde.

Die Akrobaten und Jongleure des Königs liefen in den Raum und schlugen Räder und machten Saltos quer durch den Saal. Die Hofnarren des Königreichs teilten den Dorfbewohnern farbig leuchtende Bänder und Luftschlangen aus und die Feier begann. Die Dorfbewohner standen auf, als Dutzende von Musikern begannen für den König Musik zu machen. Einige Leute klatschten, einige tanzten und einige bewegten die Bänder und Luftschlangen. Gelächter und Musik füllte den Großen Thronsaal und ergoss sich immer weiter in die Welt-jenseits-des-Königreichs, um denen Hoffnung zu bringen, die innehalten würden, um zuzuhören.

Danach brachten die Schlossdiener goldene Tabletts beladen mit Essen hinein, die den Dorfbewohnern auf gläsernen Tellern serviert wurden (diese können nicht zerbrechen, auch wenn du sie versehentlich fallen lässt). Appetitliche Gerüche füllten die Luft. Es gab Servierplatten voll mit gebratenem Fleisch, Gemüse und Früchten aller Art und warme Brote frisch vom königlichen Ofen. Die Platten mit Süßspeisen waren für jedermann bereitgestellt, um sich selbst zu bedienen, wann immer man wollte – weil die Süßspeisen der Feier nicht nur lecker waren, sie waren auch gesund. Alles Essen am königlichen Bankett machte seine Leute gesund und stark. Die Dorfbewohner hörten jetzt auf zu tanzen. Sie füllten ihre Gläser mit prickelndem Wasser vom Trinkbrunnen des Großen Thronsaals und setzten sich an die Tische, um die Mahlzeit zu genießen. Jedermann war glücklich. Jedermann, das heißt alle außer Sucher und seine Freunde. Sie stocherten unaufhörlich in ihrem Essen herum und dachten an den EgoPark.

„Es ist so langweilig!” murmelte Sucher vor sich hin. „Alles, was man hier macht ist singen, singen, singen! Und es ist alles die Schuld des Königs!”

Sucher blickte wütend in Richtung Thron, aber was er dort sah, überraschte ihn total. Der König, der normalerweise lächelte und freundlich war, lächelte nicht. Der König, der normalerweise mitsang mit den Leuten, sang nicht. Stattdessen war der große König von Freude-und-Frieden sehr, sehr traurig. Sucher hatte noch nie eine solche Traurigkeit auf jemandes Gesicht gesehen; und der Ärger, den er innerlich gespürt hatte, verschwand augenblicklich. An seine Stelle trat eine tiefe Betroffenheit für den König. Sucher machte sich ernsthaft Sorgen.

Als Sucher den König ansah, traten die Musik und das Gelächter der Feier in den Hintergrund. Warum war der König traurig? Kümmert es denn niemand? Wie konnten die Dorfbewohner nur so laut singen, wenn sich der König so fühlte? Hatte denn niemand bemerkt, dass der König heute nicht mit ihnen mitgesungen hatte. Sucher zerrte an seiner Mutter. „Mama, sieh mal den König an. Warum ist er so traurig?” Zufriedenheit blickte von ihrem Essen auf. „Hmmm? Ich weiß es nicht, Sucher; jetzt iss deine Mahlzeit.”

„Aber Mama, sieh ihn einfach an! Etwas ist verkehrt. Warum singt der König heute nicht mit uns?”

Zufriedenheit legte einen Finger auf ihre Lippen und flüsterte: „Ich weiß nicht, warum der König traurig ist, Sucher! Sei einfach zufrieden wie ich – und genieße das Bankett!” Dann sah Zufriedenheit den Schmerz in Suchers Augen. „Mach dir keine Sorgen, Sucher”, sagte sie. „Wenn den König etwas plagt, wird er sich schon selbst darum kümmern.”

Sucher begann, an seinem Essen herumzuknabbern, aber er konnte nicht aufhören über den König nachzudenken. Er sah wieder in Richtung Thron. Es machte einfach keinen Sinn! Dort, umgeben von Gelächter und Gesang von seinen Leuten, war der König traurig. Warum? Dann stellte Sucher fest, dass der König zum dritten Banketttisch hinübersah. Dorfbewohner von Frieden-und-Einheit füllten jeden Platz an den anderen zwei Tischen, aber der dritte Tisch war leer. Er war voll bedeckt mit Essen, aber niemand war dort, um es zu genießen. Während Sucher sich darüber Gedanken machte, passierte etwas Unerwartetes.

Plötzlich drehte sich der König um, sah Sucher direkt an, beugte sich vor und zwinkerte ihm zu!

Suchers Augen wurden groß vor Verwunderung. Er zerrte stärker an seiner Mutter. „Mama! Der König! Er hat mir zugezwinkert!”

„Oh? Das ist nett, Sucher. Iss jetzt dein Essen.”

„Aber Mama! Der König hat mir zugezwinkert! Er hat mir wirklich zugezwinkert!” Einen Finger auf ihren Lippen und der Blick seiner Mutter brachten Sucher dazu, sich wieder seinem Essen zuzuwenden. Für einige Momente kaute er geräuschlos. Dann drehte er seine Augen wieder vorsichtig in Richtung des Königs. Eine Welle von Entzücken und Überraschung überspülten ihn. Der König sah ihn immer noch direkt an! Als Suchers Augen die seinen trafen, beugte sich der König vor und zwinkerte wieder.

„Mama! Der König! Er hat mir wieder zugezwinkert!”

„Das ist nett, Sucher. Iss –dein – Essen!”

Sucher aß sein Essen, aber er schaute weiter zum König. Der König sah zu Sucher; Sucher sah zum König … und so begann etwas in Suchers Herz zu geschehen.

Kapitel 3

An diesem Abend als sich Sucher fürs Bett fertig machte und Zufriedenheit kam, um ihm Gute Nacht zu sagen, fragte Sucher: „Mama, könntest du mir bitte nochmals erzählen, was der König für uns getan hat? Ich meine, erzähle mir von dem Ort, an dem wir früher gewohnt haben.”

Zufriedenheit setzte sich und erinnerte sich. „Angst”, sagte sie mit einem Schaudern. „Wir lebten in Angst – die ganze Zeit über, jeden Tag. Es war so schrecklich, Sucher. Ich bin froh, dass du damals noch ein Baby warst und du dich an diese Tage nicht mehr erinnerst. Du erinnerst dich nicht mehr an den Drachen…” Sucher richtete sich auf: „Oh ja! Erzähl mir wieder von dem Drachen!”

Zufriedenheit schauderte: „Hässlich, ekelhaft, widerlich, stinkend. Er hatte die schreckliche Angewohnheit in seiner Nase zu popeln und laut zu rülpsen – einfach um unanständig zu sein. Der Drache hauchte andauernd Gedanken in uns hinein – Gedanken der Angst… der Angst vor allem und jedem.”

„Angst vor allem und jedem?” wiederholte Sucher.

Zufriedenheit nickte traurig: „Wir hatten Angst nach draußen zu gehen, aber wir hatten noch mehr Angst drinnen zu bleiben. Wir hatten Angst vor Menschen, aber wir hatten noch mehr Angst alleine zu sein. Wir hatten Angst vor der Dunkelheit und Angst vor dem Licht. Wir hatten Angst vor allem und jedem! Die ganze Zeit über, jeden Tag… lebten wir in Angst.”

Zufriedenheit schien wie verloren zu sein in den schrecklichen Erinnerungen. Sucher rief sie sanft zurück: „Aber Mama… Mama… der König veränderte alles, richtig?“

Zufriedenheit lächelte: „Ja, Sucher der König veränderte alles! Er befreite uns von der Angst. Eines Tages marschierte er ins Dorf, sah dem Drachen direkt in die Augen und begann zu singen!”

Sucher war erstaunt, „Singen?”, wiederholte er. Er erinnerte sich nicht, diesen Teil der Geschichte vorher schon gehört zu haben!

Seine Mutter nickte: „Das war eine seltsame Sache, vor einem Drachen zu singen, findest du nicht auch? Aber es klappte! Der König sang darüber, keine Angst haben zu müssen und zu vertrauen und zu glauben. Und als er sang wurde der Drachen kleiner und kleiner und kleiner bis er verschwand!”

„Wow!” rief Sucher.

„Danach brachte der König uns alle, die wir in Angst gelebt hatten, ins Dorf Frieden-und-Einheit hier in seinem Königreich.” Zufriedenheit fuhr fort: „Und er lehrte uns, ein Lied zu singen, wann immer der Angst-Drache versuchen würde, uns wieder zu ängstigen. Es ging so…”

Uhky, puhky, spuki, Angst.

Du hast kein Recht so nah’ zu sein!

Im Namen des Königs, geh’ weg von hier;

Angst, geh’ weg, geh’ weg, geh’ weg!

Angst, geh’ weg!

Sucher war beeindruckt. „‘Im Namen des Königs, geh weg von hier.’ Wow. Wenn du das sagst, dann geht der Angst-Drachen weg?”

Seine Mutter nickte, „Wenn du das sagst, dann muss jeder Drachen weggehen. Der Name des Königs ist wie eine gewaltige Waffe, und wenn du seinen Namen gegen Drachen gebrauchst, wissen sie, dass sie in große Schwierigkeiten geraten sind!” Zufriedenheit legte ihren Arm um Suchers Schulter. „Sucher, ich bin so froh, dass wir über all das gesprochen haben. Es war wichtig mich zu erinnern, was der König für uns getan hat. Ich bin viel zu zufrieden mit dem Leben hier in Frieden-und-Einheit gewesen. Ich sollte mehr ein Sucher sein!”

Sucher lächelte seine Mutter an. Dann hielt er inne und sagte: „Mama, erinnerst du dich, wie der König mir heute an der Feier zugezwinkert hat? Nun, Ich habe darüber nachgedacht und ja, ähm, kann ich den König so kennenlernen, wie du ihn kennst?”

„Oh, ja, Sucher! Wenn du wirklich willst! Das ist sehr, sehr wichtig. Menschen können im Königreich leben… sie können jede Woche am Banketttisch des Königs essen… aber niemand wird den König je kennen, außer wenn er wirklich will.”

Zufriedenheit lehnte sich etwas zurück und schaute Sucher in die Augen. „Willst du wirklich?”

„Ah-ha”, nickte Sucher feierlich.

Zu seinem Erstaunen schüttelte Zufriedenheit ihren Kopf und verschränkte ihre Arme. „Nein. Du musst es wirklich wollen! Willst du wirklich, Sucher?”

Sucher dachte nach. Er dachte an seine Freunde. Er dachte an den EgoPark in Selbstsucht. Er dachte über die Clowns, die Fahrten auf den Bahnen und die Süßigkeiten nach. Aber dann dachte Sucher darüber nach, wie der König ihn angesehen hatte und plötzlich war keines dieser Dinge mehr von Bedeutung. „Ja”, sagte er mit fester Überzeugung. „Ja, ich will wirklich!”

„Okay!”, Zufriedenheit lächelte und stand auf. „Dann kannst du morgen gehen, um den König zu sehen; ganz alleine!”

„Morgen?”, Sucher war überrascht. „Den König sehen? Ganz alleine?”

„Morgen. Den König sehen. Ganz alleine”, bestärkte ihn Zufriedenheit, während sie ihn mit seiner Decke zudeckte. „Gute Nacht, Sucher. Träum süß.” Sie löschte das Licht und schloß sanft die Tür hinter sich.

„Wow!”, sagte Sucher zu sich selbst: „Ganz alleine den König sehen! Was werde ich zu ihm sagen? Was wird er zu mir sagen?

Was werden wir sagen? Hmm… Ich übe besser. Also…“

„Ich sollte sehr förmlich sein, stehen und sagen: ‘Guten Tag, Euer Majestät.’ Oder … vielleicht sollte ich freundlicher sein und sagen: ‘Hallo, Euer Majestät.‘“

„Hmm… oder vielleicht…“, Sucher zwinkerte, „ich sollte Spaß haben und sagen: ‘Hey, Euer Majestät! Was geht so ab?!‘”

Sucher lachte und schüttelte dann seinen Kopf. „Aber nein, das ist nicht die richtige Art mit dem König zu sprechen. Ich werde sagen, ‘Guten Tag, Euer Majestät!’ Das ist das Beste (gähn). Sieh nur, gestern war alles, was ich wollte, in den EgoPark zu gehen, aber jetzt … (gähn) will ich den König … kennenlernen.”

Sucher schlief ein und träumte die ganze Nacht vom König und dem Schloss mit dem langen, auf Hochglanz polierten Flur.

Kapitel 4

Am nächsten Morgen, als der Hahn krähte, sprang Sucher aus dem Bett, zog sich an, rannte die Treppe hinunter, aß Frühstück und steuerte auf die Tür zu. Seine Mutter stand lächelnd dort und hielt ihm seine Zahnbürste entgegen. „Uups! Ich habe total vergessen meine Zähne zu putzen!” Schnell putzte Sucher seine Zähne und umarmte seine Mutter. „Tschüss, Mama! Ich gehe zum König!”

„Ganz alleine”, sagte Zufriedenheit mit einem Lächeln. Sucher rannte durch die Straßen von Frieden-und-Einheit in Richtung Schloss. Doch dann, je näher er zum Geraden-und-schmalen-Weg kam, desto weniger selbstbewusst fühlte er sich. Er ging langsamer. „Ich werde zum König gehen”, schluckte er und marschierte noch langsamer. „Ganz alleine?

Er stand beim Großen-Felsen, am Fuße des Hügels und sah zum Schloss hoch. „Wow. Der Gerade-und-schmale-Weg schien mir noch nie so gerade und so schmal”, sagte er, indem er von verschiedenen Winkeln her guckte. „Nun gut, ich übe besser, was ich sagen werde: ‘Guten Tag, Euer Majestät‘. ‘Guten Tag, Euer Majestät!‘” Sucher richtete sich auf und atmete tief durch. „OK, jetzt los!”

Er wollte gerade loslaufen, als er plötzlich die Stimmen seiner Freunde hörte, Hoff-So, Weiß-So und Ja; Spaßi, Fröhlich und Froh; Schlurfer und Lahm und Tüdel und Tu. Wie immer waren Suchers Freunde mit den Clowns vom EgoPark zusammen. Alle kamen zu ihm gerannt, indem sie vergnügt ihr Lied sangen…

EgoPark! EgoPark! Wir gehn’ gerne

den ganzen Tag in den EgoPark!

Rauf und runter, rundherum und rundherum,

lustig geht es rundherum,

Deshalb gehn’ wir gerne zum EgoPark.

So weit er sich zurückerinnern konnte, hatten Sucher und die anderen Kinder dieses Lied gesungen. Es war eine fröhliche, eingängige kleine Melodie. Es schien ihnen zu schmecken, so viele Süßigkeiten zu bekommen und Spaß zu haben, so viel man wollte, doch wenn ein Kind einmal innegehalten hätte, um genauer hinzusehen oder angehalten hätte, um wirklich darüber nachzudenken, wie selbstsüchtig sie handelten, dann hätten sie hinter die fröhlichen Clownmasken gesehen. Sie hätten direkt durch die Verkleidung einen sehr üblen Drachen gesehen, der sich unter dem harmlosen Clownkostüm versteckte. Und sie hätten erkannt, dass die EgoPark Clowns ein anderes Lied sangen, wenn die Kinder nicht zuhörten. Es war ein widerliches Lied:

Hier ist der EgoPark in Selbstsucht

Und wir haben die Königskinder geschnappt.

Ah, ha ha ha; Ah ha ha ha ha ha.

Ah, ha ha ha ha ha ha.

Heute flüsterten die Clowns sich zu und popelten nervös in ihren Nasen, als sie beobachteten, wie die Dorfkinder zu Sucher rannten.

Spaßi rief laut: „Hallo Sucher. Komm schon! Wir gehen in den EgoPark!”

„Ko-o-omst du, S-S-Sucher?”, fragten Schlurfer und Lahm gemeinsam.

„Nun, Ich will es doch hoffen!”, rief Hoff-So aus.

„Ich weiß es!” sagte Weiß-So.

„Ja, ja, natürlich wird er!”, nickte Ja energisch.

Sucher antwortete ein bisschen zaghaft: „Na ja, nein. Genau genommen, ich komme nicht! Ich werde heute nicht in den Ego-Park kommen.”

Was!?”, riefen seine Freunde laut.

Was!?”, riefen die Clowns noch lauter. Sie hatten still zugehört, aber jetzt traten sie rasch in Aktion. Sie zogen ihre EgoPark Ballone und Süßigkeiten hervor, stellten sicher, dass ihre Masken richtig saßen und eilten zu den Kindern hin. „Hier gibt es leckere, leckere Süßigkeiten für euch, Kinder”, lächelten sie. „Und bedenkt, es gibt mehr und mehr und noch mehr Süßigkeiten, die im EgoPark heute auf euch warten!”

Die Kinder füllten ihre Hände mit Süßigkeiten und stopften ihre Münder damit voll. Aber Sucher schüttelte seinen Kopf und stieß die Clowns weg. „Ich will nichts von euren Süßigkeiten!”, sagte er bestimmt. Die Clowns und die Kinder waren völlig schockiert. „Keine Süßigkeiten?”

„W-w-was ist los, S-S-Sucher?”, stotterten Schlurfer und Lahm.

„Bist du k-k-krank oder s-s-so etwas?”

„Ja!”, Sucher fühlte, dass Mut sein Herz erfüllte. „Ich bin krank von diesem EgoPark! Manchmal tut mir nach diesen Fahrten der Kopf weh. Und manchmal wird mir echt schlecht!”

Die Kinder antworteten: „Aber die Süßigkeiten schmecken prima. Wir denken nicht, dass es etwas Besseres geben kann als das!” Sucher streckte sich aufrecht und erwiderte: „Nun ja, ich denke aber es könnte sein! Und ich will es herausfinden! Ich werde den König treffen… ganz alleine!”

Was machst du?”, schrien die Kinder fassungslos.

Was machst du?”, wiederholten die Clowns. Bei der bloßen Erwähnung des Königs begannen ihre Körper zu zittern, und sie begannen nervös in ihren Nasen zu popeln (was ziemlich schwierig ist, wenn man eine Maske trägt).

Schlurfer und Lahm machten den Mund wieder auf: „K-k-komm schon, S-S-Sucher! Wir mussten n-n-nur gestern zu dieser l-l-langweiligen F-F-Feier gehen!”

„Ja!”, stimmte Hoff-So zu. „Komm schon, Sucher! Was ist denn los mit dir?”

„Nichts ist los mit mir!”, versuchte Sucher zu erklären. „Ich beginne nur gerade zu erkennen, dass das Königreich besser ist als der EgoPark – und ich werde jetzt zum König gehen!” Sucher drehte sich von seinen Freunden und den EgoPark Clowns weg und trat noch einmal seinen Weg in Richtung Schloss an.

Doch dann streckte einer der Clowns seinen Fuß von der Seite des Pfades in Suchers Weg, so dass dieser stolperte und hinfiel! Der Clown tat so, als wäre er überrascht: „Oh, du armes Ding! Was für ein übler Sturz! Warum setzt du dich nicht einfach dort drüben hin und nimmst dir eine kleine Süßigkeit, die wird dir helfen, dass du dich besser fühlst.” Er gab einem anderen Clown ein Zeichen, der Sucher rasch einige speziell schmackhafte Süßigkeiten anbot.

„Ich will eure Süßigkeiten nicht!”, schrie er, während er die Süßigkeiten zur Seite stieß. Als Sucher den Clown stieß, geriet dieser aus dem Gleichgewicht und fiel rückwärts auf den Boden… und als er fiel, verschob sich die Clownmaske. Sucher entdeckte die dunkle und schleimige Hässlichkeit unter der Maske, bevor der Clown die Maske schnell wieder zurecht rückte.

„Drachen!”, schrie Sucher. „Du bist überhaupt kein Clown. Du bist ein Drache!”, Sucher drehte sich zu den anderen Clowns.

„Du!”, rief Sucher, „du bist auch ein Drache!”

Die Kinder hatten sich zusammengedrängt, überrascht von Suchers ärgerlichem Ausbruch. Spaßi war die erste, die redete. „Sucher”, gluckste sie nervös: „du musst deinen Kopf beim Fallen richtig hart angestoßen haben! Bist du okay?”

Froh lachte: „Sucher, komm schon! Es gibt keine Drachen so nahe beim Königreich! Das sind nur Clowns. Das ist alles – nur Clowns.”

Die Clowns winkten und säuselten: „Das ist richtig Jungs und Mädels, wir sind nur süße kleine Clowns!”

Sucher schüttelte seinen Kopf. „Drachen”, wiederholte er. „Es sind Drachen und ihr Kinder solltet besser versuchen von ihnen loszukommen!”

Fröhlich nahm einen der Clowns an der Hand und lachte: „Seht alle her! Ich halte einen wirklich bösen Drachen fest! Ich bin sehr froh, dass er nicht beißt!” Der Clown lutschte unschuldig einen Lutscher, und die anderen Kinder lachten.

„L-L-Lasst uns nun zum EgoPark g-g-gehen”, sagten Schlurfer und Lahm gemeinsam.

„Ja!” stimmte Ja zu und warf ihre Locken zurück. „Kommt, wir lassen Sucher allein. Er muss jetzt auch los. Vielleicht gibt es noch mehr Drachen, die sich hier in der Gegend verstecken, dann wäre es gut, wenn er sie finden würde!” Ja tat so als würde sie in der Nase bohren und Drachen suchen. Die anderen Kinder lachten und begannen auch in ihren Nase zu popeln und machten sich über Sucher lustig.

„Das ist nicht witzig”, flüsterte er, während er versuchte die Tränen zurückzuhalten, die ihm in die Augen schossen. „Die Clowns sind Drachen! Ihr müsst vorsichtig sein!” Doch die Kinder lachten nur noch mehr. Die Clowns machten sich auch über Sucher lustig und einige der Kinder, sogar seine besten Freunde, beschimpften ihn mit gemeinen Worten. Es verletzte Sucher zwar sehr, aber trotzdem drehte er sich um in Richtung Gerader-und-schmaler-Weg. „Es macht mir nichts aus, wie ihr mich nennt”, sagte Sucher, als er die Tränen wegwischte, die aus seinen Augen geströmt waren. „Ich gehe jetzt den König besuchen!” Und damit begann er auf dem Weg in Richtung Schloss zu rennen.

Vom Fuß des Hügels her versuchten die Clowns und die Kinder ihn nochmals zu stoppen. „Der König ist langweilig Sucher!”, riefen sie. „Komm mit uns in den EgoPark! Wir haben Süßigkeiten für dich Sucher”, riefen die Clowns. „Viele, viele Süßigkeiten!” Während Sucher rannte, fuhren die Clowns und die Kinder fort ihm nachzurufen. Er hörte nicht auf ihre Stimmen, sondern konzentrierte sich darauf, was er dem König sagen wollte: „‘Guten Tag, Euer Majestät!’ Guten Tag, Euer Majestät!“ Schließlich gaben die Clowns und die Kinder auf und machten sich auf den Weg zum EgoPark in Selbstsucht.

Kapitel 5

Als Sucher das Schloss erreichte, sah er den königlichen Türsteher vor der Tür stehen. Es war eine riesige, weiße Tür mit wunderschönen, goldenen Zierleisten. Darüber stand in goldenen Buchstaben die Worte geschrieben: ‘Jeder, der will, darf ungehindert kommen.’ Aber Sucher achtete nicht auf die Worte. Seine Augen waren auf den königlichen Türsteher fixiert, der heute speziell forsch und dienstlich war. „Wer bist du?”, fragte der Türsteher, „und was willst du?”

„Mein Name ist Sucher, und ich möchte den König sehen”, antwortete Sucher möglichst überzeugend.

Der Türsteher beugte sich vor, musterte ihn mit zugekniffenen Augen und fragte mit strenger Stimme: „Willst du wirklich den König sehen?”

Sucher begann sich weniger selbstsicher zu fühlen. „Ah-ha”, antwortete er zögerlich.

Der Türsteher schüttelte seinen Kopf und verschränkte entschlossen seine Arme. „Nein. Du musst wirklich wollen! Willst du wirklich?”

Sucher antwortete nicht sofort. Er dachte zuerst nach… er dachte darüber nach, wie der König ihn angesehen hatte und wie der König ihm zugezwinkert hatte. Nun begann Sucher sich wieder sicherer zu fühlen. Er richtet sich stramm auf, atmete tief durch und antwortete dem königlichen Türsteher: „Yes Sir, ich möchte den König wirklich sehen!”

Der Türsteher lächelte und öffnete die Tür zum Schloss. „Großartig! Wer immer will – wer wirklich will – kann ungehindert kommen!” Der Türsteher führte Sucher ins Schloss hinein.

Suchers Knie zitterten und das Herz klopfte ihm bis zum Hals, als er mit dem Türsteher den langen blitzeblanken Flur hinunterging. Heute dachte Sucher nicht ans Rutschen, als er auf diesem Boden ging. Alles, woran er dachte, war den König zu sehen. „Guten Tag, Ihre Majestät. Guten Tag, Euer Majestät!”, übte er leise.

Als sie den Eingang des Großen Thronsaals erreichten, öffnete der Türsteher langsam die riesige Doppeltür. Er verbeugte sich vor dem König und streckte dann seine Hand in Richtung Sucher aus, während er dem Jungen ein Zeichen gab, in den Thronsaal einzutreten. Dann trat der Türsteher zurück, und Sucher ging ganz alleine hinein in die Gegenwart des Königs.

Sucher starrte auf den Boden, als er langsam Richtung Thron ging. Er war noch nie zuvor in diesem Raum gewesen, außer für die wöchentlichen Feiern. Heute war da kein Lachen und keine Musik der Dorfbewohner, auch kein glückliches Klirren von Schüsseln mit Essen, die herumgereicht wurden. Das einzige Geräusch im Großen Thronsaal war Suchers klopfendes Herz, seine Schritte, die sich dem Thron näherten und das Blubbern des Wassers im Brunnen. Schließlich stand er vor dem König; er hielt unruhig seine Hände zusammen. Ein langer Moment verging. Als Sucher sich endlich mutig genug fühlte aufzuschauen, war er überrascht und erleichtert zu sehen, dass der König ihm zulächelte. Es war ein sehr mitfühlendes und fröhliches Lächeln.

Sucher lächelte zurück und dann erinnerte er sich an seine Umgangsformen. Er kniete nieder, räusperte sich, atmete tief ein und begann seine eingeübte Begrüßung vorzutragen.

„Guten T–”. Etwas an der Art, wie der König ihn anlächelte, stoppte Sucher. Er wartete einen Moment und dann, bevor er Zeit hatte nachzudenken, sagte er: „Hallo.” Das Wort rutschte ihm einfach heraus. Das war ihm sehr peinlich. Warum hatte er das bloß gesagt? Man sagt nicht einfach ‘Hallo’ zu einem König! Aber der König lächelte noch mehr und sagte: „Hallo”. Es folgte eine kurze Stille bis Sucher wieder aufschaute. „Mein Name ist Sucher”, sagte er leise.

Der König beugte sich weiter zu ihm vor, sah Sucher direkt in die Augen und sagte genau so leise: „Ich weiß”.

Sucher schaute tief in die liebenswürdigen Augen des Königs und sagte mit seinem ganzen Herzen: „Ich möchte dich wirklich kennenlernen.”

Der König beugte sich noch näher zu ihm und sagte von ganzem Herzen: „Ich weiß. Komm, Sucher, ich werde dir mein Schloss zeigen!”

„Mir dein Schloss zeigen?”, wiederholte Sucher aufgeregt, während seine Augen immer größer wurden. „Du meinst, du willst mir wirklich dein Schloss zeigen?”

Der König lachte. „Ja! Und der erste Ort zu dem wir gehen werden, führt gerade den blitzeblanken Flur hinunter!” Sie gingen quer durch den Großen Thronsaal und standen zusammen am Ende des Flurs. Der König beugte sich vor und sagte sehr ernst:

„Zieh deine Schuhe aus, Sucher.”

Sucher fragte sich, ob der König sich Sorgen machte, dass er ihm den Boden zerkratzen würde oder so etwas. Ohne jedoch nachzufragen, zog er seine Schuhe aus.

Zu Suchers völligem Erstaunen zog der König auch seine Schuhe aus! Danach streckte der König sehr ernsthaft, aber mit lachendem Funkeln in seinen Augen seine Hand aus und ergriff Suchers Hand.

„Sollen wir?”, sagte der König und begann über den spiegelblanken Flur zu rutschen!

Das war bei weitem besser als jeder Traum, den Sucher je gehabt hatte; er hatte sich nie vorgestellt mit dem König höchstpersönlich auf dem Flur zu rutschen. Rauf und runter und hin und zurück glitten sie. Die Bediensteten schauten dem König und Sucher zu und schüttelten erstaunt ihre Köpfe: „Wir haben ihn noch nie vorher so gesehen!”, sagten sie zueinander. Der König sah ihren Gesichtsausdruck und lachte. Er lachte und lachte und lachte. Der Schall seines Lachens drang über die Schlosshalle hinaus, den Hügel hinunter und durch die Straßen von Frieden-und-Einheit. Die Dorfbewohner sahen von ihrer Arbeit auf, während Schauer des Glücks sie kurzzeitig überflossen. Das königliche Lachen drang weiter vor, bis es den EgoPark von Selbstsucht erreichte. Plötzlich schmeckten die Süßigkeiten, die die Kinder aßen, nicht mehr so gut, wie sie normalerweise schmeckten und die Fahrten schienen nicht mehr so aufregend. Die Kinder hielten ihre Bäuche, sahen sich um und realisierten, dass sie sich in ihrem Innern sehr, sehr leer fühlten.

Im Schloss streckte der König währenddessen seine Hand wieder nach Sucher aus. „Das machte Spaß!” sagte er. „Lass uns noch mehr rutschen!” Nach einer Weile nahm der König Sucher mit auf einen Rundgang durch das Schloss. Sie rutschten andere blitzeblanke Flure hinunter, kletterten geheime Türme hinauf und rannten Wendeltreppen hinunter. Sie erkundeten einige der verborgenen Teile des Schlosses. Suchers liebste Entdeckung war ein Wasserfall im Untergrund. Der Sprühnebel vom Wasserfall fühlte sich angenehm und erfrischend an.

Danach ordnete der König an, dass ein königliches Picknick-Mittagessen zubereitet würde. Er und Sucher aßen zusammen neben dem Fluss am Anfang des Geraden-und-schmalen-Weges. Sie verbrachten dort den Nachmittag mit Angeln und hüpften im Wasser von Stein zu Stein. Der König erklärte, wie das Wasser aus der Quelle des Großen Thronsaals den unterirdischen Wasserfall hinunterstürzt und in den Fluss fließt, aus dem jeder im Königreich das klare Wasser genießen kann. Sucher nahm einen großen Schluck vom sprudelnden Wasser und hörte den ganzen Nachmittag aufmerksam den wunderschönen Geschichten zu, die der König ihm über sein Königreich erzählte.

Kapitel 6

Als Sucher das Schloss des Königs am Abend verließ, war er so müde, dass er sofort einschlief. Der Hahn musste am nächsten Morgen wirklich laut krähen, um ihn zu wecken. Sucher sprang aus dem Bett, zog sich an, rannte die Treppe hinunter, aß sein Frühstück und steuerte auf die Tür zu. Seine Mutter stand da wie am letzten Morgen. Sie lächelte und hielt seine Zahnbürste in der Hand. „Uups! Ich habe wieder meine Zähne vergessen!” Sucher putzte schnell seine Zähne und umarmte dann seine Mutter. Aber heute war es nicht die normale kleine Umarmung. Heute umarmte Sucher sie so fest, dass sie überrascht nach Luft rang. „Tschüss Mama!”, sagte er mit Begeisterung, die aus seinen leuchtenden Augen kam. „Ich gehe zum König!“

„Ganz alleine”, sagte Zufriedenheit mit einem Lächeln. Sie winkte zum Abschied, blieb am Türrahmen angelehnt stehen und blickte Sucher nach, wie er in Richtung Gerader-und-schmaler-Weg lief. Ein tiefes Glücksgefühl erfüllte Zufriedenheits Herz, als sie daran dachte, dass ihr Sohn dabei war, den König kennenzulernen. „Ich habe nie begriffen, was wirkliche Zufriedenheitheit ist”, flüsterte sie zu sich selbst, „bis jetzt.”

Sucher erreichte den Weg und stoppte abrupt. Zu seiner Überraschung waren alle seine Freunde dort. Hoff-So, Weiß-So und Ja; Spaßi, Fröhlich und Froh; Schlurfer und Lahm; und Tüdel und Tu standen – auf ihn wartend – beim Großen-Felsen. Die Ego-Park Clowns versuchten eifrig Süßigkeiten und Ballone zu verteilen, aber die Kinder stießen sie immer wieder weg. Suchers Freunde verhielten sich sehr seltsam und zum Schrecken der Clowns verhielten sie sich total und äußerst langweilig.

EgoPark, EgoPark wir wollen

in den EgoPark jeden Tag.

Rauf und runter, rundherum und rundherum,

lustig geht es rundherum.

Wir lieben EgoPark so sehr,

aber manchmal tun diese Fahrten dem Kopf so weh.

Und manchmal fühlt sich mein Magen krank an;

aber die Süßigkeiten müssen doch noch rein –

denn ich glaube nicht, dass es noch was besseres gibt…

Sucher eilte zu seinen Freunden und sagte: „Oh, ja es gibt etwas! Es gibt etwas Besseres! Den König! Er ist viel besser! Er ist großartig!”

„Ist er?”, fragten die Kinder gleichzeitig.

Die Clowns boten krampfhaft Süßigkeiten und Ballons an, versuchten verzweifelt die Kinder abzulenken und verdeckten ihre Ohren, so dass sie nicht hören konnten, was Sucher sagte. (Dies war ganz schön schwierig für die Clowns, weil sie vor Angst bebten, als vom König gesprochen wurde. Tatsächlich zitterten sie so schlimm, dass sie kaum in ihren Nasen bohren konnten!)

„Ja, der König ist großartig!”, erwiderte Sucher mit Begeisterung. „Ich hatte gestern den besten Tag meines Lebens, und heute werde ich wieder einen haben!” Sucher trat auf den Geraden-und-schmalen Weg und drehte sich dann zu den Kindern um.

„Hey, ich habe gerade eine Idee! Warum kommt ihr nicht alle mit mir mit, um den König zu besuchen!”

Schnell drängten sich die Clowns zwischen Sucher und seine Freunde. Sie boten noch mehr Süßigkeiten und Ballons an. Sie hielten freie Tickets für EgoPark-Fahrten hin, aber die Kinder ignorierten sie. „Den König besuchen! Du meinst wir könnten das?”

„Sicher!”, antwortete Sucher. Er stieß die Clowns mit einer Kraft zurück, die jeden überraschte, besonders ihn selbst. Die Clowns wimmerten und winselten vor Schmerzen. Sucher trat näher zu seinen Freunden und dann fuhr er ernst fort: „Wenn ihr wirklich wollt! Wollt ihr wirklich?”

Die Kinder nickten. „Ah-ha.”

Sucher schüttelte seinen Kopf und verschränkte bestimmt seine Arme. „Ah-ha! Ihr müsst wirklich wollen! Wollt ihr wirklich? Ihr müßt wirklich wissen, was ihr wollt, denn sie fragen die ganze Zeit danach!”

„Ja!”, riefen die Kinder.

„Der EgoPark bringt mich nicht mehr zum Lachen, doch du Sucher siehst so glücklich aus!”, sagte Spaßi.

Die anderen stimmten zu. „Ja! Wir wollen wirklich den König kennenlernen!”

Die Clowns hatten sich von Suchers Stoß erholt und kamen jetzt wieder näher. Sie begannen mit extrem lieblich säuselndern Stimme zu sprechen: „Jungs und Mädchen, natürlich wollt ihr nicht wirklich den König kennenlernen! Der König ist langweilig, schon vergessen? Kommt mit uns. Wir haben noch mehr von unseren Süßigkeiten für euch, die nach unserem besonderen Geheimrezept hergestellt wurden!”

„Nein!”, schrien die Kinder gleichzeitig. „Wir wollen keine Süßigkeiten mehr von euch!”

Die Clowns taten so, als wären ihre Gefühle verletzt. „Keine Süßigkeiten?”, wimmerten sie. „Aber es ist so gut für euch! Hier, versucht dieses Stück. Es ist von unserem brandneuen auserlesenen Geheimrezept.” Die Clowns hielten ihnen farbig leuchtende, gedrehte Zuckerstangen hin.

Tüdel und Tu blickten einander an. „Denkst du, wir sollten ein kleines Stück versuchen?”

Schlurfer und Lahm stellten sich beschützend vor Tüdel und Tu hin und sprachen nachdrücklich zu den Clowns: „H-H-Habt ihr uns nicht gehört oder s-s-so? Wir wollen eure Süßigkeiten nicht!”

„Aber es sind sehr gute Süßigkeiten”, sagte einer der Clowns lieblich säuselnd. „Versuch mal!” Der Clown streckte seine Hand mit einer Zuckerstange aus. Schlurfer schob sie zur Seite und als er das tat, blieb die Ecke der Stange an der Maske des Clowns hängen und riss sie weg.

Die Kinder starrten entsetzt auf das hässliche, schleimige dunkle Gesicht. „Drachen!”