© 2020 Florian Fink Auflage 2
Herstellung und Verlag:
BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt
ISBN 978-3-7519-1244-0
Maleika Makoy:
Willkommen zurück zu meiner Geschichte. Dies ist jetzt der dritte und letzte Teil meiner Geschichte. Wir waren bei meinem absoluten Absturz angekommen. Man konnte mir nicht mehr helfen, weil meine Sucht stärker war und ich absolut nicht mehr ansprechbar war. Selbst meine Familie und die Hilfegruppe konnten mir nicht mehr helfen und meine geliebte Cousine Mazame wollte überhaupt nichts mehr von mir wissen und meine Tante Fixi war ein Geist und zeigte sich nicht mehr. Und es geschah noch viel mehr.
Selbst die Hilfegruppe brach auseinander, weil Kelly ausgestiegen war. Azame und Elisa-Ina versuchten mich vorerst noch alleine aus meiner Situation zu befreien. Es gelang ihnen aber nicht, da ich zu dieser Zeit einfach nur an meine tägliche Ration Wein gedacht habe und von Diebstählen besessen war. Selbst in 50 Jahren gelang es ihnen nicht. Man schrieb jetzt schon das Jahr 1755. Es war die Zeit des Rokoko oder auch Spätbarock genannt. Ringsum wurde alles noch viel feiner und übertriebener gestaltet. Frauen trugen zum Beispiel überbreite Kleider. Alles war so locker und schön. Aber ich trug zu dieser Zeit nach wie vor meine Lumpenkleidung. Und meine Haare waren nach wie vor verfilzt und ungewaschen. Aber meinen Glücksring hatte ich immer noch auf meinem Kopf. Nur dieser war schon ziemlich eingerostet.
Kelly, Azame und Elisa-Ina befanden sich in Fixis ehemaligen Laden, aber in der Welt der Sterblichen. Den Laden in der Hexenebene hatten sie schon umdekoriert. Jetzt waren sie dabei ihren Laden in der Welt der Sterblichen um zu dekorieren. „Wie oft wollen wir eigentlich noch den Laden umgestalten?“, fragte Kelly. „Das werden wir noch oft genug machen müssen. Unser Laden muss doch der Zeit angepasst werden. Alles ändert sich doch und wir müssen aktuell bleiben“, erklärte Azame. „Mit Zauberei würde das viel schneller gehen“, erwiderte Elisa-Ina.
„Hast du denn immer noch nicht daraus gelernt? Wir befinden uns in der Welt der Sterblichen und dort wird nicht gezaubert! Deine kleine Zauberei in der Welt der Sterblichen, hat dich doch deinen Zauberstab für 80 Jahre gekostet“, erinnerte Kelly. „Erinnere mich bitte nicht daran. Das ist furchtbar. Ich weiß gar nicht, ob ich nach diesem Entzug überhaupt noch zaubern kann“, sagte Elisa-Ina und verzog ihr Gesicht. „Warum sollst du denn nicht mehr zaubern können? Du bist doch eine Hexe. Das verlernt man nicht. Es ist uns doch angeboren“, erklärte Kelly. „Ich kriege ihn ja in dreißig Jahren wieder“, sagte Elisa-Ina erleichtert. „Na ja, ich könnte deiner Schwester sagen, dass du wieder an das Zaubern in der Welt der Sterblichen gedacht hast. Dann entzieht sie ihn dir für weitere zwanzig Jahre“, erwiderte Kelly und grinste Elisa-Ina an. „Das machst du nicht!“, platzte es aus ihr heraus. „Dann höre auf an das Zaubern in der Welt der Sterblichen zu denken“, erklärte Kelly. „Soll ich dir mal was sagen!
Ich finde es nicht gut, dass Du aus unserer Hilfegruppe ausgestiegen bist und einfach aufgibst, Maleika zu helfen“, sagte Elisa-Ina streng und zeigte auf Kelly.
„Lass mich bitte mit diesem Thema zufrieden. Das hat sich für mich erledigt.
Ich will damit nichts mehr zu tun haben. Maleika ist kaputt und verloren. Ihr kann man nicht mehr helfen. Sie hat diesen Weg gewählt und soll sich dort selber
wieder herausholen“, erklärte Kelly. Azame ging dann zum Bücherschrank und holte dort ein magisches Album heraus.
Dieses legte sie dann auf den vergoldeten Tisch und schlug es auf. Dort stand in silbernen Buchstaben der Name Maleika Makoy. Auf der ersten Seite befand sich ein Bild aus dem Jahr 1230, als Maleika noch ein kleines Hexenmädchen war. Sie trug ihren hellblauen Umhang und besaß noch ihre langen hellblonden Locken. In der rechten Hand hielt sie ihren Zauberstab nach oben. „Das Bild kenne ich ja gar nicht. Und das war Maleika?“, fragte Kelly überrascht. „Das war Maleika vor über 500 Jahren. Schaue dir dieses unschuldige Gesicht an. Und diesem Gesicht willst du nicht mehr helfen?“, fragte Elisa-Ina und machte einen Schmollmund. „Tut mir leid, aber ich kann das nicht mehr. Ich verkrafte das einfach nicht. Es tut mir weh zu sehen, was aus meiner Cousine geworden ist. Es tut einfach nur weh“, erklärte Kelly und fing an zu weinen. „So ist es richtig Kelly. Lass alles raus und dann geht es dir wieder besser“, sagte Elisa-Ina. „Und, hilfst du uns jetzt doch weiter, Maleika auf die richtige Bahn zurückzuführen?“, fragte Azame grinsend. „Nein!
Tut mir wirklich leid, aber ich kann das wirklich nicht mehr“, antwortete Kelly.
Außerhalb des Ladens befand sich dann eine hellblonde Hexe mit einem Schirm und einer extrem aufwendigen Frisur.
Bekleidet war sie mit einem violetten Oberteil, welches aufwendig bespickt mit Brillanten war. Dann trug sie noch einen überbreiten Rock. Dieser hob sich von den Röcken, die die anderen Frauen trugen extrem ab. Kelly sah sie dann und warnte:
„Oh nein, da kommt meine jüngere Schwester Bliem-Elise. Nehmt euch in Acht.“ „Du hast noch eine Schwester?“, wunderte sich dann Azame. „Ja, habe ich. Meine Schwestern sind Melli, Trixi und Bliem- Elise. Wobei Bliem-Elise meine jüngste Schwester ist. Sie ist erst 46 Jahre alt und die einzige Hexe in unserer Familie, die im Hochbarock geboren ist. Ihr Geburtsjahr war das Jahr 1709. Sie ist noch nicht so lange aus der Hexenschule draußen“, erzählte Kelly. „Und was ist so schlimm an ihr?“, fragte dann Azame. „Sie hat einen Spleen, wenn du verstehst was ich damit meine“, erklärte Kelly. „Dann ist sie also durchgeknallt“, sagte dann Azame. „Na ja, so durchgeknallt ist sie auch wieder nicht. Sie ist einfach nur eine richtige Tratschhexe, eine von der schlimmsten Sorte. Wenn sie einmal angefangen hat, kann sie nicht mehr aufhören ununterbrochen zu reden. Das geht dann stundenlang so“, erklärte Kelly. „Kelly, du kannst das aber auch ganz schön gut“, erklärte Azame und klopfte ihr auf die Schulter. „Oh, ich liebe Tratschhexen. Ich bin ja selber eine. Ich kann es kaum abwarten, wenn sie hier in den Laden kommt“, freute sich Elisa-Ina aufgeregt und zuckte sofort ihre Schreibfeder und ihr Buch, wo auf dem Umschlag in silbernen Buchstaben das Jahr 1755 stand. Dann kam Bliem-Elise schon in den Laden. „Oh, hallo Schwesterchen, wie geht es dir denn?“, fragte Bliem-Elise. „Ach, wie immer“, antwortete Kelly. „Ich habe wieder so viel zu erzählen. Das musst du dir unbedingt anhören.
Neulich war ich im Park und habe da zwei unförmige Frauen gesehen. Die konnten sich kaum bewegen. Ich frage mich, wie so etwas überhaupt ein Korsett tragen kann. Oh, wenn ich jetzt schon beim Thema Korsett bin. Ich habe mir ein neues Korsett gekauft. Gefällt es dir?“ „Ja, das ist nicht schlecht. Ich bin gerade sehr beschäftigt. Könntest du bitte deinen Mund mal für einen kurzen Moment halten? Ich muss mich nämlich konzentrieren“, erklärte Kelly. „Oh, du dekorierst deinen Laden um. Ich liebe den Barock. Ich wünschte, er würde nie zu Ende gehen. Es ist einfach nur ein tolles Lebensgefühl. Alles ist bunt, alle sind so fröhlich und gut gelaunt. Das darf einfach nicht zu Ende gehen. Was ich in der Hexenschule so alles über das Mittelalter gehört habe. Fürchterlich. Die Hexen, die diese Zeit erlebt haben, tun mir wirklich leid“, tratschte Bliem-Elise.
„Bliem, zufällig bin ich eine Hexe die das Mittelalter miterlebt hat, zwar nicht vollständig aber schon ein paar Jahrhunderte und so schlimm war es nun auch wieder nicht. Und jede Epoche geht irgendwann vorbei, auch das bunte Rokoko. Daran kannst du nichts ändern“, sagte Kelly. „Oh, das tut mir jetzt wirklich leid, Kelly. Das hatte ich vollkommen vergessen“, entschuldigte sich Bliem-Elise. „Ich konnte dir noch nicht mal meine Partnerin und meine Cousine vorstellen, weil du gleich angefangen hast zu tratschen“, erinnerte Kelly. „Oh, die habe ich ja vollkommen übersehen. Mit wem habe ich denn die Ehre?“, fragte dann Bliem. „Meine Cousine heißt Elisa-Ina und meine Freundin und auch Partnerin heißt Azame Merowig. Von ihr habe ich dir schon ein wenig erzählt“, stellte Kelly vor. „Oh, jetzt erinnere ich mich. Da war ich fünfzehn Jahre alt und noch in der Hexenschule. Hach, die Hexenschulzeit war so schön“, erinnerte sich Bliem-Elise. Anschließend flüsterte Elisa-Ina etwas in Azames Ohr. Diese nickte dann. „Ähm, Bliem-Elise. Wir haben da so eine konkrete Frage. Du gehst doch bestimmt gerne im Park spazieren“, fing Azame an. „Oh ja, ich liebe den Park. Dort gibt es immer so schöne Blumen und man sieht die verschiedensten Personen dort laufen. Das ist immer hochinteressant“, bestätigte Bliem-Elise. „Ist dir im Park jemand aufgefallen, der anders ist?“, fragte Azame. „Mal überlegen.“ Sie dachte dann scharf nach. Anschließend fiel es ihr wie Schuppen von den Haaren. „Ja allerdings. Da läuft so eine Person mit Lumpen herum. Das arme Ding. Sie hat immer zwei Flaschen Wein in den Händen. Sie trägt so einen rostigen Ring auf dem Kopf.
Ihre Haare sehen total schrecklich aus und ich glaube sie hat sogar ein Doppelkinn. Sie spricht immer mit sich selbst oder schaut dabei auf die Flaschen. Solche Personen können einem echt leidtun. Ich würde ihr am liebsten helfen, aber immer wenn ich sie anspreche ist sie betrunken und redet durcheinander“, erzählte Bliem-Elise. Azame ging dann zum Tisch und holte das magische Album. „Dann bekommst du jetzt die Möglichkeit zu helfen“, sagte Azame und zeigte ein Bild mit sich, Kelly, Alexandra Mara und Susi Schekoy. Maleika befand sich in der Mitte, fröhlich, gepflegt und gut aussehend.
Dieses Bild war so im Jahr 1250 entstanden. Bliem bekam große Augen, als sie das Bild sah. „Moment mal. Sie ist eine Hexe?“, stellte sie in Frage. „Ja, sie ist eine Hexe“, antwortete Azame. „Deshalb hat sie auch ein Doppelkinn. Aber hier sieht sie so anders aus. Sie erinnert mich hier auf dem Bild irgendwie an mich“, sagte dann Bliem-Elise. „Kein Wunder, sie ist deine Cousine und ihr Name ist Maleika Makoy“, erwiderte Azame. „Sie ist meine Cousine? Das ist ja furchtbar! Was ist mit ihr passiert? Wie kann aus so einer hübschen und nett aussehenden Hexe, eine weintrinkende und ungepflegte Herumtreiberin werden?“, fragte Bliem-Elise.
„Ach, das ist eine sehr lange Geschichte.
Es fing so an, dass sich in unserer Klasse eine böse Hexe mit dem Namen Fagatha Merrow befand. Sie hat Maleika immer geärgert, weil sie sie nicht leiden konnte und weil sie die beste Schülerin war“, erzählte Azame. „Ach, das kenne ich zu gut.
In meiner Klasse gab es auch zwei Hexen, die in irgendeiner Weise neidisch auf mich waren. Einmal, weil ich so gute Noten hatte und dann weil ich die hübscheste Hexe mit den besten Kleidern in der Klasse war.
Die anderen hatten nicht so hochwertige Kleider wie ich“, erklärte Bliem-Elise und gab dabei ein wenig an. „Und, wirst du uns helfen sie wieder auf den richtigen Weg zu bringen?“, fragte Azame. „Ja, ich werde euch helfen und tue auch noch viel mehr. Ich hole noch Gundel und Trixi mit dazu. Dann sind wir nämlich fünf Hexen. Und fünf Hexen können noch viel mehr bewirken“, sagte Bliem. Azame grinste dann zu Kelly. „Das werdet ihr nicht schaffen. Wir drei konnten sie noch nicht mal von ihrer Sucht wegbringen. Und wir haben alles Hexenmögliche getan. Sie ist so besessen von ihrem Wein, dass sie aggressiv wird wenn man ihn ihr wegnimmt“, sagte Kelly. „Wir können ja gerne eine Wette abschließen, dass wir es schaffen werden“, schlug Azame vor. „Und diese Wette habe ich dann schon gewonnen. Ihr werdet es noch nicht mal in 200 Jahren schaffen, Maleika wieder zur Vernunft zu bringen. Wenn ihr es schaffen solltet, wäre das ein Wunder“, sagte Kelly. „Abgemacht. Wir machen diese Wette. Und wenn wir es schaffen, dann wirst du uns für 100 Jahre verwöhnen“, sagte Azame.
„Und wenn ihr es nicht schafft, dann verzichtet ihr für 100 Jahre auf Klatsch und Leute“, erwiderte Kelly. Bliem-Elise und Elisa-Ina bekamen dann den starren Blick.
„WAS! Das ist ja noch schlimmer als Zauberstabentzug!“ „Und aufs Herumschnüffeln mit dazu“, sagte Kelly noch zum Schluss. Jetzt rastete Elisa-Ina aus.
„Sonst geht es dir noch ganz gut! Herumschnüffeln ist mein alles Liebste! Das kannst du nicht machen!“, zischte Elisa-Ina. „Oh doch, das würde dir auch mal gut tun, deine Nase nicht in Dinge zu stecken, die dich nichts angehen“, sagte Kelly. „Also so schlimm bin ich auch wieder nicht“, konterte Elisa-Ina. „Doch, manchmal schon. Ich tratsche auch sehr gerne, aber ich übertreibe es nicht“, sagte dann Kelly.
„Oh doch, du kannst genauso übertreiben.
Deshalb ist das total unfair, wenn wir dann für hundert Jahre auf Klatsch und Leute verzichten müssen und du tratschst dann vor unserer Nase fleißig weiter. Das Tratschen und Klatschen liegt nun mal in unserer Familie. Und darauf verzichten kann ich nicht“, sagte Elisa-Ina konsequent. „Es wäre doch nur für hundert Jahre“, beruhigte Kelly. „Das ist schon zu viel“, erwiderte Elisa-Ina. „Na gut, dann halt nur für dreißig Jahre. Das werdet ihr doch wohl schaffen“, schlug Kelly vor. „15 Jahre“, sagte Elisa-Ina dann. „Na gut.“
Sie hatten jetzt keine andere Wahl, als bei Kelly einzuschlagen. Anschließend marschierten sie zu der Waldhütte, die die Hexen benutzten um sich fern von den Sterblichen in die Hexenebene zu zaubern. „Dieses ständige Wegzaubern in der Waldhütte reicht mir so langsam. Ich finde das voll blöd. Es müsste so ein Schlüssel geben, mit dem man eine Tür in die Hexenebene öffnen kann. Dann müsste man nicht ständig zu dieser blöden Hütte laufen“, beschwerte sich Elisa-Ina. „Es gibt aber leider noch nicht so ein Schlüssel“, erwiderte Azame. Sie machten sich dann auf dem Weg zu Gundels Haus.
Gundels Haus lag in Witchforest, einem Ort der von vielen Wäldern umgeben war.
Er war sehr klein und dort lebten gerade mal 200 Hexen und Hexenmeister.
Gundels Haus stand direkt im Wald. Sie war die hiesige Ärztin und führte drei Arztpraxen. Eine war im Ort, in dem sie lebte, eine größere Praxis befand sich in Witchville und eine hatte sie in der Welt der Sterblichen. Sie war also sehr beschäftigt. Bliem, Azame und Elisa-Ina standen dann vor der Tür, die mit einem Klopfring verziert war. Mit diesem klopfte Bliem-Elise dann an die Tür. Danach ertönte eine Stimme. „Ich komme“, sagte diese im Singsang. Die Tür schwang dann mit einem Schwung auf und vor ihnen trat dann eine große Hexe mit sehr langen braunen Haaren. Diese waren zu einem Ring geflochten und bildeten einen spitz zu gehenden Bienenkorb. Auf der Nase saß eine herzförmige Brille.
Azame musste sich dann ein Kichern verkneifen. Wie sieht denn die aus, dachte sie. Als sie ihr aber dann genauer in das Gesicht schaute, erkannte sie sie wieder, da sie sie auf Fixis Trauerfeier schon gesehen hatte. Nur dort hatte sie die Haare offen und trug keine Brille. „Moment mal.
Ich kenne Sie doch. Waren Sie nicht die Hexe, die an Fixis Trauerfeier im Jahr 1528 so fürchterlich geweint hat?“, stellte Azame dann in Frage. Und schon liefen Gundel wieder die Tränen. „Ja, das war ich. Das war ja auch ein ganz fürchterlicher Tag für mich. Immerhin wurde ein Familienmitglied auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Sterblichen können manchmal richtig grausam sein“, sagte Gundel und schnäuzte sich in ein Tuch.
„Mir ging es genauso. Immerhin habe ich viele Jahre bei ihr im Laden gearbeitet.
Ich kannte Fixi schon, da war ich gerade mal fünf Jahre alt. Sie war mein Idol und sie wird es immer bleiben“, sagte Azame.
Als Gundel aufhörte zu weinen, wendete sie sich Bliem-Elise und Elisa-Ina zu. Diese erzählten ihr dann, warum sie zu ihr kamen und was ihr Anliegen war. „Eine Hexe mit Alkoholproblemen? Das ist richtig schlimm. Wir müssen sie so schnell wie möglich von diesem Zeug wegbringen. Es macht nicht nur Sterbliche kaputt sondern auch Hexen. Sie können ihre sämtlichen Zauberkräfte verlieren und verlieren sogar irgendwann ihre Unsterblichkeit“, erklärte Gundel. Jetzt waren alle geschockt. „Was! Maleika könnte ihre Zauberkräfte und ihre Unsterblichkeit verlieren!“ „Maleika? Den Namen habe ich doch schon irgendwo gehört.“ Gundel dachte dann nach und anschließend fiel es ihr wieder ein. „Ist das nicht die Tochter von Leika Makoy?“, stellte Gundel dann in Frage. „Ja, genau. Um sie geht es. Angefangen hat alles damit, dass sie ein E- in ihrer Hexenprüfung hatte. Am Anfang war sie aber noch relativ fleißig und hat sich sogar einen Job besorgt. Diesen hat sie aber nach fünf Jahren wieder gekündigt. Dann hat sie angefangen zu betteln. Später hat sie sich mit Eika V. angefreundet und das war dann ihr Untergang. Sie hat angefangen zu klauen und fand auch noch Spaß daran. Und dann später hat sie irgendwelche schwarzen Geschäfte mit Hexen auf der Abtrünnigen Gasse gemacht. Elisa-Ina, Kelly und ich haben das mit eigenen Augen gesehen. Und dann irgendwann kommen wir in den Park und finden Maleika total dreckig, mit rotem Gesicht und betrunken vor. Sie wusste noch nicht mal mehr, wer wir waren und wurde aggressiv, als ich ihr die Flasche Wein abnahm“, erzählte Azame. Gundels Gesicht verzog sich nun zu einem entsetzten Gesicht. „Das ist ja noch schlimmer, als ich gedacht habe. Wir müssen ihr so schnell es geht helfen. Wo genau finden wir denn Maleika?“, fragte Gundel. „Sie ist nach wie vor im Park. In der Welt der Sterblichen“, antwortete Azame. „Und da werden wir uns jetzt auf der Stelle hinzaubern“, sagte dann Gundel und zuckte ihren pinkfarbenen Zauberstab. „Zaubern wir uns jetzt direkt von hier in die Welt der Sterblichen?“, fragte Azame dann. „So ist es. Wir leben ja jetzt schließlich im 18. Jahrhundert. Es ist nicht mehr so, dass da draußen das düstere Mittelalter herrscht. Und außerdem landen wir in einem verborgenen Raum von meiner Praxis in der Welt der Sterblichen. Und da sieht uns kein Mensch“, erklärte Gundel. „Na ja, wenn du meinst“, erwiderte Azame. „Moment mal. Ich kann mich doch nicht wegzaubern. Ich habe doch gar keinen Zauberstab“, erinnerte Elisa-Ina. „Ach stimmt ja, den hat dir deine Schwester doch abgenommen“, sagte dann Azame. „Abgenommen? Wieso denn das?“, fragte dann Bliem-Elise neugierig.
„Weil Elisa-Ina es nicht lassen kann, in der Welt der Sterblichen irgendwelche kleinen Zauber zu machen“, antwortete Azame. „Oh, das ist natürlich richtig übel. Hast du in der Hexenschule nicht richtig aufgepasst? Es ist eine der obersten Hexenregeln, ich würde mal sagen die wichtigste Regel überhaupt, die besagt, dass man nicht in der Welt der Sterblichen zaubern soll“, erinnerte Bliem-Elise. „Oh doch, ich habe aufgepasst.“ „Und warum machst du es dann?“, fragte nochmals Bliem-Elise. „Weil ich nun mal Spaß an der Zauberei habe und diesen Spaß lasse ich mir nicht nehmen. Und so kleine Zaubereien sind unbedeutend“, verteidigte sich Elisa-Ina. „Da fällt mir gerade so eine kleine Geschichte ein. Da ging es um eine Hexe, die nur einen winzigen Zauber angewendet hat und damit einen riesigen Hexenkrieg entfacht hat. Diese Hexe wurde dann von ihren engsten Verwandten und Freunden verbrannt“, sagte Bliem-Elise. Elisa-Ina schluckte dann. „Du weißt so vieles nicht über Elisa-Ina. Sie hat sich zum Beispiel mal in ein Augustinerkloster geschlichen, um dort die Mönche auszuspionieren. Dazu hat sie sich sogar die Haare wie ein Mönch geschnitten und ist mit Kutte herumgelaufen. Bruder Indi nannte sie sich“, erzählte Azame. „OH! Du hast meine Klosternotizen gelesen! Das geht dich überhaupt nichts an, was ich im Kloster gemacht habe. Das ist streng geheim!“, zischte Elisa-Ina. „Ich kann nichts dafür, wenn du deine Notizen auf dem Tisch im Laden liegen lässt“, erklärte Azame und grinste. „Na, wie fühlt man sich jetzt, wenn jemand in seinen privaten Sachen herumschnüffelt?“, fragte dann Bliem. „Überhaupt nicht gut“, antwortete Elisa-Ina. „So, genug getratscht.
Ich tratsche zwar auch sehr gerne, aber jetzt geht das nicht. Wir müssen einem Familienmitglied helfen“, sagte Gundel.
Und mit einem Schlag zauberten sie sich dann weg.
Sie landeten dann in einem dunklen Raum, der an eine Besenkammer erinnerte und ziemlich eng war. „Aua! Du stehst auf meinem Fuß!“, jammerte Elisa-Ina. „Tut mir leid. Hier drinnen ist es einfach nur eng.“
Sie verließen dann den engen Raum und fanden sich in Gundels Praxis wieder, die relativ groß und gemütlich im Stil des Barocks eingerichtet war. „Sind wir auch wirklich in derselben Stadt?“, fragte Azame unsicher. „Ja, sind wir. In dieser Stadt befinden sich viele Hexen, die in der Welt der Sterblichen arbeiten. Selbst die Friseurhexe hat hier einen kleinen Salon.“ „Und Fixis bzw. jetzt unser Laden befindet sich auch in dieser Stadt“, sprach Azame rein. „Es ist sozusagen ein Zentrum für Hexen, die den Sterblichen helfen“, erklärte Gundel. „Die Stadt ist ja auch groß genug“, sagte dann Bliem-Elise. Und so verließen sie Gundels Praxis und machten sich auf den Weg in den Park.
Dort fanden sie dann wieder eine Spur von Weinflaschen. „Also so etwas! So eine Unverschämtheit. Diese Sterblichen nehmen überhaupt keine Rücksicht auf ihre Umwelt. Irgendwann werden sie in ihrem eigenen Dreck versinken“, sagte Gundel verärgert. Irgendwann sichteten sie eine heftig schwankende Person, mit einem rostigen Ring auf dem Kopf. Die Haare waren lang und verfilzt.
Bliem-Elise bekam einen Schock, als sie die Person sah. Gundel dagegen regte sich dann auf. „Aha, da haben wir ja unseren Übeltäter“, sagte sie wütend. „Gundel, das ist sie. Das ist Maleika“, erklärte Azame geschockt von dem Anblick. „Oh je, die schwankt ja jetzt richtig hin und her. Ein Wunder, dass sie noch laufen kann“, sagte Elisa-Ina. „Was! Das ist Maleika, das Familienmitglied, das wir retten wollen! Das ist ja noch schlimmer, als ihr es mir beschrieben habt!“, sagte Gundel geschockt.
„Ja, das ist sie. Kaum zu glauben, dass so etwas aus meiner besten Freundin geworden ist. Und früher war sie so fleißig, vorsichtig und nett“, erinnerte sich Azame und dachte an die Zeit zurück, wo Maleika noch normal war. „Und was wollen wir jetzt machen? Ich glaube kaum, dass sie reagieren wird, wenn wir sie ansprechen“, stellte Elisa-Ina in Frage. „Wir müssen das ganze psychologisch angehen. Wir gehen jetzt einfach zu ihr hin und quatschen sie an“, sagte Gundel und setzte ihre herzförmige Brille auf. Danach gingen sie zu Maleika. Diese schwankte und schwankte. Dabei sang sie ganz undeutliche Lieder und nahm einen Schluck Wein nach dem anderen. „Hallöchen, das ist doch heute ein richtig schönes Wetterchen zum Spazierengehen, findest du nicht auch“, fing Gundel an. „Kennen wir uns, hicks, hicks, hicks“, sagte Maleika mit rauchig, geschwollener Stimme. „Sagen wir es mal so, ich bin eine Freundin von deiner Mutter“, erwiderte Gundel. „Oh… wie schön. Meine Mutter hicks war richtig schöööööööön… hicks. Aber sie… hicks, hat miech schohn langehh ihm Stiech, hicks ge…lassen“, sagte Maleika. „Aber nein, sie hat dich überhaupt nicht im Stich gelassen. Im Gegenteil. Sie vermisst dich wie verrückt. Vor kurzer Zeit war sie bei mir gewesen und hat sich entsetzlich ausgeheult. Sie vermisst dich“, erzählte Gundel. „Ach, so…ein…hicks Unsinn, gluck, gluck, gluck. Die…brauch mi‘ nich‘ mer‘. Ich… hab einen… hicks neuen Freund, der mi‘ nie allein lassen wird. Hicks, hicks, hicks. Ja… mein Weini… wird mi‘ nie allein lassen“, stotterte Maleika und wäre fast umgefallen. Azame und Bliem konnten sie gerade noch auffangen. „Huiiiii, ich fliege. Huiiii. Hicks, hicks, hicks“, dann schlug sie plötzlich wie wild umher, „lass mi‘ los! Lass mi‘ los!“, fuhr Maleika besoffen und aggressiv fort.
Gundel griff dann nach der Weinflasche und wollte sie Maleika abnehmen. Doch diese wurde dann richtig aggressiv. Sie biss Gundel in die Hand, schlug ihr so ins Gesicht, das ihre herzförmige Brille hinunterfiel und trat nach ihr. Gundel lag dann ohne Brille und mit dicker, pochender Hand am Boden. „NEEIN! Finger weg von meinem geliebten Weini. Hicks, hicks, hicks. Den… kriegt… ihr nich‘“, sagte Maleika betrunken und küsste ihre Weinflasche. Danach drückte sie sie und fiel schnarchend um. Gundel stand dann auf und entstaubte sich. Anschließend setzte sie ihre Brille wieder auf. „Die hat ja jetzt vollkommen den Verstand verloren“, sagte Elisa-Ina ernst. „Sie hat mich gebissen!“, erwiderte Gundel zornig. „Wir hatten ja eigentlich gesagt, dass sie aggressiv wird, wenn man versucht die Flasche Wein abzunehmen“, erinnerte Azame.
„Das wird ein richtig großes Problem, sie von dieser Besessenheit wegzubringen. Das ist wie bei einem Besessenheitsfluch“, erklärte Gundel. „Wir müssen das aber schaffen. Es ist sehr wichtig“, erklärte Azame. „Die Arme kann einem richtig leidtun“, erwiderte Bliem-Elise. „Und wir werden das schon irgendwie schaffen, sonst bin ich keine Ärztin mehr“, sagte Gundel fest entschlossen.
Und so versuchten sie immer und immer wieder Maleika von ihrer Sucht wegzubringen, aber ohne Erfolg. Sogar mit der Hilfe von Trixi gelang es ihnen noch nicht, Maleika von ihrer Sucht wegzubringen. Sie wurden immer wieder zurückgeschmettert. Und so vergangen die Jahre. Als das Barock im Jahr 1770 zu Ende ging, war Bliem-Elise nicht richtig ansprechbar und fehlte in der Hilfegruppe.
„Bliem, du musst aber mitkommen“, sagte Azame. „Nein, ich kann nicht. Mein geliebtes Barock ist zu Ende gegangen“, jammerte Bliem und schnäuzte in ein seidenes Tuch. „Aber das ist doch kein Weltuntergang. Das Leben geht doch weiter“, erklärte Elisa-Ina, welche ihre Haare offen trug. Diese waren jetzt relativ lang. „Aber mein geliebtes buntes Barock ist zu Ende gegangen“, wiederholte Bliem-Elise. „Ich hatte ja gesagt, dass jede Zeit irgendwann zu Ende geht. Jetzt beginnt eine neue aufregende Epoche“, beruhigte Azame. „Es ist aber nicht dasselbe“, erklärte Bliem-Elise und schnäuzte erneut in das seidene Tuch. „Du wirst dich auch an diese Zeit gewöhnen. Ich weiß, du bist im Barock aufgewachsen und zur Schule gegangen. Vielleicht ist das deshalb für dich so schwierig, dich davon zu trennen“, erklärte Gundel. „Ich habe diese Zeit aber nur zur Hälfte miterlebt und das war viel zu wenig. Du hast es vollständig miterlebt“, erklärte Bliem-Elise. „Ja, ich habe es vollständig miterlebt. Es hatte aber auch seine unschönen Seiten. Ich sage nur König Ludwig XIV. und sein Absolutismus“, erklärte Gundel. „Also meine Schwester fand ihn richtig nett. Sie hat ihn richtig vergöttert und erzählt viel von ihm. Ich glaube sie hat sogar seinen königlichen Stab und eine Perücke von ihm. Auf jeden Fall gibt es bei ihr einen Schrank, der mit einem starken Zauber abgeriegelt ist. Da ist garantiert noch mehr Zeug von ihm drinnen. Auf jeden Fall darf ich an diesen Schrank nicht ran“, erklärte Bliem-Elise. „Vielleicht hat sie sogar noch eine richtige Beziehung mit ihm gehabt, war mit ihm verheiratet und so“, flüsterte Elisa-Ina zu Azame. „Also Elisa-Ina!“ „Wer weiß, wer weiß. Ich hätte vielleicht dort ein wenig herumschnüffeln sollen“, sagte dann Elisa-Ina. Bliem-Elise hing dann ihr Barockkleid in den Schrank und schloss die Türe ganz langsam. „Ich werde dich vermissen, mein geliebtes Barock“, sagte dann Bliem-Elise.
Was Gundel gesagt hatte, traf dann auch ein. Bliem-Elise gewöhnte sich an die neue Epoche, die der Klassizismus war und war wieder richtig fröhlich.
Die Jahre vergingen weiter und der Gruppe war es immer noch nicht gelungen Maleika zur Vernunft zu bringen. Sie blieb eine Herumtreiberin und Diebin und trank weiter ihren geliebten Wein. Die Gruppe hatte fast die Hoffnung aufgegeben, aber dann sammelten sie wieder Kraft. Ein Hoffnungsschimmer war die Tochter von Trixi, die Cä-Saria hieß, die ihren ersten Schultag hatte. Sie war eine sehr hübsche kleine Hexe mit geflochtenen langen Haaren, an dessen Enden sich rote Rosen befanden. Was an ihr auffiel war, dass sie anstatt eines Doppelkinns, ein rundes Kinn besaß. Sie war auch schon die zweite Hexe aus der Makoy Familie, die kein Doppelkinn mehr hatte. Die erste Hexe, die ohne das typische Doppelkinn auf die Welt kam war Liesel Makoy. Dies sorgte auch in der Hexenebene für viel Nachrichtenjubel. Und Liesel war auch die einzige Hexe in der Makoy Familie, die schwarze glatte Haare hatte. Schwarze Haare verband man häufig mit dunkler Magie, weil viele Hexen mit schwarzen Haaren böse waren. Dies machte Liesel in ihrer Schulzeit auch sehr große Probleme. Sie war aber keine böse Hexe sondern richtig nett. So viel zu üblen Vorurteilen.
Cä-Saria trug aufwendig verzierte Kleider in einem leichten Türkis und Pinkton. Das besondere an diesen Kleidern war, dass sie von der Hexen-Designerin Liesel Makoy, Trixis Cousine zweiten Grades angefertigt wurden, ohne Zauberei und mit sehr viel Liebe. Man schrieb jetzt das Jahr 1830.
Vor genau 600 Jahren hatte Maleika ihren ersten Schultag. Nur diese befand sich weiterhin auf der Straße und bekam Cä-Sarias ersten Schultag gar nicht mit.