Jörg Schneider

So komme ich in die Hölle

Ein Streifzug durch
den Irrsinn der Religion

1. Auflage Februar 2013

Titelbild: nimatypografik

©opyright 2012 by U-Line & Jörg Schneider

Lektorat: Franziska Köhler

Satz: nimatypografik

ISBN: 978-3-939239-59-8

Alle Rechte vorbehalten. Ein Nachdruck oder

eine andere Verwertung ist nur mit schriftlicher

Genehmigung des Verlags gestattet.

Hat Dir das Buch gefallen? Schreib Deine Meinung an gelesen@ubooks.de

Möchtest Du über Neuheiten bei Ubooks informiert bleiben?

Einfach eine Email mit Deiner Postadresse an:

katalog@ubooks.de

Ubooks-Verlag | U-line UG (haftungsbeschränkt)

Neudorf 6 | 64756 Mossautal

www.u-line-verlag.de


Einleitung

Religion ist eine unübersichtliche Sache. Den mühsamen Weg des Selberdenkens großräumig umbetend, sollte sie einen aber spätestens dann ins Grübeln bringen, wenn ihre grotesken Glaubenskonstrukte unter Androhung von Höllenfeuer ­verbieten, an Tagen, die mehr als zwei Vokale oder drei f im Namen haben, hochkant im Wok geschmolzenes Veganerfleisch zu trinken.

Nachträglich auszubügeln sind solche Vergehen in der Regel nur, wenn man direkt im Anschluss zur Buße ganz fest an ein Kamel, die Zahl sieben oder die Farbe Ocker denkt. Ebenso strafmildernd: Draußen ist es kälter als zehn Grad.

Was auf einen ersten scheuen Blick vielleicht ein klein wenig willkürlich erscheinen mag, hat jedoch durchaus Methode. Denn seit eh und je drohen Religionen unter Zuhilfenahme einer nicht verhandelbaren Gut-und-Böse-Kategorisierung bei Missachtung absurdester Lebensanleitungen mit nicht weniger als ewiger Verdammnis.

Die ist allerdings – einer von der Kirche ansonsten eher ­unbefleckt wahrgenommenen Logik gehorchend – erst nach dem Tod des Sünders anzutreten. Und diese Reihenfolge hat auch einen guten Grund.

Den drei großen monotheistischen Weltreligionen Christentum, Islam und Judentum kommen derlei chronologische Winkelzüge freilich ungemein entgegen, entziehen sich die angeblichen Konsequenzen allzu gottlosen Herumfuhrwerkens doch durch die partout nicht zu übertölpelnde Kommunikationshürde Tod recht geschmeidig jeder weltlichen und damit gleichsam diesseitigen Überprüfbarkeit.

Denn gerade für die Zeit nach dem Tod ist ja in punkto individueller Gestaltungsfreiheit mit einem gewissen Engpass zu rechnen. Alles in allem ein perfektes Szenario, um den erhobenen Zeigefinger gen Himmel zu stechen und zu drohen, dass sich die Balken biegen.

Eine taktische Übung, die in ihrer aggressiven Einfalt seit Jahrtausenden blitzsauber funktioniert und mit der sich die Kirche erstaunlicherweise auch heute noch, da Blitz und ­Donner solide erklärt sind, jede Menge Geiseln ergaunert.

Seltsam genug, zumal man mit dem Regelwerk der Reli­gion – Propheten, die den Zugang zur absoluten Wahrheit beanspruchen; heiligen Schriften, die man nicht infrage stellen darf; Funktionären, die den ganzen Firlefanz verkünden, und Inquisitoren, die jeden zur Rechenschaft ziehen, der dagegen verstößt – noch immer eine Schiene fährt, die man in ihrer unantastbaren Ignoranz ansonsten vielleicht höchstens noch vom DFB kennt. Neben der Kirche womöglich die einzige Institution, die ebenfalls seit Anbeginn der Zeit sämtlichen Formen der Aufklärung wacker zu trotzen vermochte – in ihrer beider Einzigartigkeit wahrscheinlich irgendwo anzusiedeln zwischen kleinem gallischen Dorf und Galapagosinseln.

Wer also die vermeintlich gottgewollten klerikalen Auflagen, nachzulesen in einem von anonymen Kopisten über Jahrhunderte hinweg aus alten Mythen zusammengestückelten heiligen Buch, nicht blindlings abnickt, landet folgerichtig schnurstracks im kochenden Kessel des Teufels. Und wozu?

Genau – zu Recht!!! Denn es geht ja nun auch anders.

Schließlich winken einem ordnungsgemäß gottgefällig Abdankenden postum allerlei prima Schmankerl und Belohnungen. Je nach Geschäftsmodell und spirituellem Anbieter beläuft sich das paradiesische Angebot auf eine veritable Bandbreite, die von Dutzenden williger Jungfrauen (pro Leiche) bis hin zu durchgehend guter Laune bei nerviger Musik reicht. Also ähnlich einem Tokio Hotel-Konzert oder dem Kommunionsunterricht.

Und was an religiösen Wahnvorstellungen schon immer für gut befunden wurde, kann doch nicht bereits heute, kaum ein paar Jahrtausende Menschheitsgeschichte später, schlecht sein?

Warum sich also nicht einfach weiterhin an den frühen Hirngespinsten, Wertesystemen und rituellen Brimborien einer archaischen Hirtenkultur orientieren?

Aber ist der jeweilige Gott wirklich eine so renitente Spaßbremse, wenn es um ein zeitgemäßes Aufpeppen seiner Hausordnung geht? Und hat eine aufgeklärte Menschheit das ­tatsächlich so bestellt? Egal auf welchen Namen?

Sollten wir nicht lieber, fernab konkurrierender Glaubens­bekenntnisse, alle von jenem gemeinsamen, universellen Geist beseelt sein, der einerseits ohne größere Probleme dazu imstande ist, so unsagbar schöne Dinge wie Weizenbier, Schweinebraten und Fallrückzieher zu ersinnen, dessen lustige bauern­schlaue Selbstironie aber andererseits auch die Kandidaten in Fernseh-Quizshows bei der Frage nach einem polnischen Gewerkschaftsführer aus den achtziger Jahren zwischen Karol Wojtyla und Pan Tau schwanken lässt?

Zu kurz gedacht? Mag sein, doch ich persönlich halte es bezüglich allzu scheinheiligem Gehusche ohnehin lieber mit den rationalen Überlegungen des gesunden Menschenverstandes und schließe diese Einleitung im Geiste einer grundsympathischen Bemerkung, die der Anekdote nach vor knapp zweitausend Jahren am See Genezareth gefallen sein soll:

«Es ist mir egal, wer dein Vater ist. Solange ich hier angle, geht mir keiner übers Wasser.»

1
Das monotheistische Ätschi-Bätsch-Prinzip

Dass man Gott wissenschaftlich nicht widerlegen kann, gilt vielen Gläubigen bereits als Beweis für dessen Existenz. Als einzige Legitimation ihrer infantilen Argumentation dient ein unanfechtbares Wahrheitsmonopol, basierend auf den Überlieferungen frühgeschichtlicher Analphabeten. Ein Kapitel über den Yeti, gemalte Beweise, vererbte Knebelverträge und eine intergalaktische Teekanne.

Seit Gott vor sechstausend Jahren innerhalb weniger Werktage die Erde erschuf, begleiten kulturhistorische und anderweitig gelagerte Irrtümer die Menschen auf ihrem Weg durch die Geschichte. Sei es aufgrund millionenfacher Verblendung, wie in den dreißiger und vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts im Rahmen der deutschen Dokusoap Verliebt in den Führer, oder einfach nur verursacht durch allgemeine Fehlinformation oder pures Desinteresse.

So glauben beispielsweise bis zum heutigen Tag einige Unbeirrbare, das Gießener Grab des Physikers Wilhelm Conrad Röntgen sei tatsächlich durchsichtig und die Wagneroper ­Lohengrin handle von einem Witwer, der mit seinen drei erwachsenen Söhnen und einem chinesischen Koch auf einer Ranch in Nevada lebt. Doch der wahrscheinlich mächtigste Irrglaube von allen dreht sich noch immer um Gott selbst.

Denn die vermeintliche Existenz eines personalen Gottes mit spezifischen menschlichen Fähigkeiten (nur eben etliche Nummern größer), eines imaginären Überwesens, gar eines Universalkonstrukteurs Daniel Düsentrieb’schen Ausmaßes, der je nach Bedarf in das Gesamtgeschehen auf der Erde, in ­Naturgesetze und die Schicksale sämtlicher Menschen eingreift und dabei alles und jeden nach dessen Gottgefälligkeitsgrad belohnt oder abstraft, ist ja selbst bei größter geistiger Anstrengung nicht zwingend die wahrscheinlichste aller Verschwörungstheorien.

Die Kirche sieht das freilich etwas anders, doch wer seit Jahrhunderten mit Schwert und Scheiterhaufen auf dem kleinen Dienstweg Nächstenliebe und Barmherzigkeit predigt, ist ­sicherlich auch gut beraten, an die Befugnis der betreffenden Instanz zu glauben, in deren Namen da gemetzelt wird. Vor allem dann, wenn als einzige Legitimation das unanfechtbare­ Wahrheitsmonopol eines heiligen Buches – basierend auf ­einem zuvor durch Generationen frühgeschichtlicher Analphabeten geschleusten Sammelsuriums beliebter Mythen und Märchen – herhalten muss.

Dennoch beharrt Religion großspurig auf dem alleinigen Zugangsrecht zu einer ewig gültigen, universellen Wahrheit. Und wer sich den verschrobenen Weltanschauungen der ­einzelnen Geschmacksrichtungen nicht anschließen oder unterordnen mag, dem droht laut der jeweiligen Sackgassensatzung das Fegefeuer des entsprechenden Anbieters. Als ganz besonders eifrig und konsequent im ordnungsgemäßen Verwalten, Aussortieren und Verschicken mutmaßlicher Sünder hat sich in seiner langen Horrorgeschichte das scheinheilig daherfrömmelnde Christentum hervorgetan und sich dergestalt – an vorderster Front mit dem bitteren Beigeschmack «katholisch» – in Sachen Verdammnischancen auf lange Sicht den Titel des unangefochtenen Branchenführers, quasi eines Hollywood der Höllenindustrie, gesichert.

Wie aber kommt man in die hierzulande gerne hofierte katholische oder eine andere Hölle? Was gilt es zu beachten, und lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt? Knifflige Fragen, deren gewissenhafte Beantwortung jedoch weniger einer geografischen Wegbeschreibung als einer metaphysischen Richtungsangabe bedarf, denn seit vielen Jahrhunderten dient die Hölle religiösen Genossenschaften als spekulatives Schreckensszenario und fixe Gruselgröße, um Menschen im kollektiven Würgegriff grotesker Allmachtsfantasien zu halten.

Aus diesem Grund taugt das Trugbild der Hölle auch besser als jedes andere zum Synonym für die leider umso realere Widersinnigkeit der Kirche, sich in trotziger Kleinkindmanier krampfhaft an ihrem absoluten Wahrheitsanspruch festzuklammern.

Doch es ist nicht die Aufgabe der Skeptiker, die unverhandelbaren Ansprüche religiöser Dogmen als ideologische Mogelpackung zu entlarven, sondern es liegt vielmehr an den Dogmatikern, ihre Thesen zu beweisen oder wenigstens in einem Maß zu begründen, das sich nicht auf die geistige Weltoffenheit eines metaphysischen Nordkoreas beschränkt. Zugegeben, keine­ allzu leichte Übung, zumal das gusseiserne Dauerargument «weil es so geschrieben steht» im Bereich der geistigen Reife nun mal noch gehörig Luft nach oben lässt. Platz hätte Gott also mehr als genug.

Aber wozu auch in die Höhe schweifen, wenn das Offensichtliche doch so naheliegt? In diesem Fall im Weltall. So kommt man nicht umhin, bereits an dieser Stelle die berühmte Teekannenanalogie des englischen Mathematikers und Philosophen Bertrand Russell aus dem Jahr 1952 zu bemühen, die sehr eindrucksvoll jenes infantile theologische Ätschi-Bätsch-Prinzip ad absurdum führt, nach dessen obskurer Logik Gott schon allein deshalb existieren müsse, weil man ihn eben ­wissenschaftlich nicht widerlegen kann.

«Wenn ich behaupten würde, dass es zwischen Erde und Mars eine Teekanne aus Porzellan gäbe, welche auf einer elliptischen Bahn um die Sonne kreise, so könnte niemand meine Behauptung widerlegen, vorausgesetzt, ich würde vorsichtshalber hinzufügen, dass diese Kanne­ zu klein sei, um selbst von unseren leistungsfähigsten Teleskopen entdeckt werden zu können. Aber wenn ich nun weiterhin auf dem Standpunkt beharrte, meine unwiderlegbare Behauptung zu bezweifeln sei eine unerträgliche Anmaßung menschlicher Vernunft, dann könnte man zu Recht meinen, ich würde Unsinn erzählen.

Wenn jedoch in antiken Büchern die Existenz einer solchen Teekanne bekräftigt würde, dies jeden Sonntag als heilige Wahrheit gelehrt und in die Köpfe der Kinder in der Schule eingeimpft würde, dann würde das Anzweifeln ihrer Existenz zu einem Zeichen von Exzentrizität werden. Es würde dem Zweifler in einem aufgeklärten Zeitalter die Aufmerksamkeit eines Psychiaters einbringen oder die eines Inquisitors in früherer Zeit.»

Ein weiterführendes Huldigen der ominösen heiligen Kanne möchte man in diesem Zusammenhang lieber gar nicht erst anregen, denn bei einer adäquaten Anbetung der Kanne wäre, wie von Russell bereits angedeutet, ein souveräner Abgang in Richtung geschlossene Anstalt wahrscheinlich nur noch schwer zu vermeiden. Aber vielleicht kämen dann im Gegenzug auch alle anderen, die nicht an die Existenz des intergalaktischen Gefäßes glauben, in eine Art Teekannenhölle, in der mit einem großen Hammer billige Porzellanimitate zerdeppert werden, dass es bis in alle Ewigkeit blasphemisch kracht und klirrt.

Doch viel entscheidender als das Dogma der Existenz eines heiligen Teekannenservices – erhältlich auch im dreifaltigen Modell Kanne Vater, Kanne Sohn, Kanne Heiliger Henkel – ist ja die Frage nach der Wahrscheinlichkeit eines solchen Himmelskörpers. Denn die leidige Nichtbeweisbarkeit der Teekanne wuchtet deren eventuelle Existenz nicht gerade auf eine satte Fifty-fifty-Quote. Beweisbarkeit und Nichtbeweisbarkeit halten sich also, so man sich ihnen mit gesundem Menschenverstand nähert, nicht unbedingt die Waage. Auch wenn es die Teekannendogmatiker nicht gerne lesen: Nach allem, was man heute weiß, spricht nicht allzu viel dafür, dass es eine solche Kanne gibt. Was natürlich nicht heißt, dass man sie nicht vielleicht doch noch irgendwann einmal entdeckt. Das wäre nichts weniger als eine Sensation und würde zumindest für die Weiten des Weltalls immerhin eine der wenigen tatsächlich unumstößlichen Wahrheiten eindrucksvoll beweisen: draußen nur Kännchen!

Der Unterschied zwischen Teekanne und handelsüblicher Religion oder Sekte ist allerdings der, dass man die Teekannenfundamentalisten sicherlich rechtzeitig wegsperren würde,­ ehe sie den Anhängern anderen heiligen Geschirrs im Streit ­darum, wer denn nun den kompletteren Satz Tassen im Schrank hat, die Schädel einschlagen. Doch ein solches Ätschi-Bätsch-Prinzip funktioniert ja auch ganz hervorragend auf anderen, weltlicheren Gebieten.

Wer erinnert sich beispielsweise nicht an das mitleiderregende Drehen und Wenden des früheren US-Außenministers Colin Powell im Februar 2003 vor den Vereinten Nationen? Wie er bar jeglicher Beweise für die Rechtfertigung eines präventiven Krieges gegen den Irak mit gemalten Bildern herumhantierte, die zwar nicht die gesuchten mobilen Chemiewaffenfabriken zeigten, wohl aber wie diese denn aussähen, so man denn ­welche fände.

Es war ein erbärmliches Schauspiel. Und gods own country, unter der Führung des vom Allmächtigen persönlich berufenen, christlich-fundamentalistisch gesalbten Kindskopfs George Walker Bush, interpretierte die Tatsache, dass die Waffeninspekteure seinerzeit im Irak trotz allerintensivsten Nachguckens nicht die geringste Spur von irgendwelchen Massenvernichtungswaffen fanden, als bombensicheren Beweis dafür, wie unglaublich raffiniert der dortige Diktator Saddam Hussein die Dinger versteckt haben musste.

Sie erkennen das Prinzip?

Ganz ähnlich, wenn auch ohne Blutvergießen und Kollateralschäden, verhält es sich übrigens auch bei den sogenannten Kryptozoologen, einer jedoch weitaus liebenswerteren, weil harmlos schrulligen Spezies.

Dieser von ernst zu nehmenden Biologen etwas belächelte Zweig der Zoologie widmet sich, wenn auch mit überschaubarem Erfolg, dem Entdecken bisher verborgener, im Idealfall mächtig mysteriöser Tierarten. Der Begründer dieser Bewegung, der Belgier Bernard Heuvelmans, umschreibt die Idee dahinter als «wissenschaftliche Studie von Tierformen, deren Existenz nur auf Zeugenaussagen oder Indizien oder auf Material, das jemand als ungenügend bewertet hat, basiert.»

Als die beiden prominentesten Forschungsobjekte seien hier das Ungeheuer von Loch Ness und dessen tibetanischer Kollege, der Yeti, erwähnt. Obwohl man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen darf, dass derlei Wesen ohne großes Wenn und Aber in den Bereich der Mythen gehören, werden Kryptozoologen nicht müde, nach ihnen zu suchen, und bestehen im Rahmen eines ähnlichen Ätschi-Bätsch-Prinzips darauf, dass seriöse Wissenschaftler immerhin auch nicht belegen können, dass Nessi und der Yeti nicht existieren.

Doch wie bereits erwähnt: Weder der Massenvernichtungswaffen-, der Teekannen-, der Fabelwesen- noch der Gottes­skeptiker sind in der Situation, Beweise für eine entsprechende­ Nichtexistenz bringen zu müssen. Es liegt an dem auf der jeweiligen Existenz Beharrenden, selbige vernünftig zu belegen. Und genau da sind wir in Sachen Religion wieder am Ausgangspunkt.

Denn während man auch im blitzeblankgebombten Irak rein gar nichts auch nur Chemiewaffenverwandtes gefunden hat und inzwischen (nicht ohne Stolz) zugeben musste, dass alles nur eine listige Finte war, um die amerikanischen Wirtschaftsinteressen im Nahen Osten zu wahren, der Teekannenanhängerschaft eventuell der Unterschied zwischen Mikro- und Makrokosmos einleuchtet und die Kryptozoologen einsehen müssen, dass die klimatischen und biologischen Bedingungen in schottischen Hochlandseen keine Plesiosaurier dulden, beharren die kirchlichen Dogmatiker noch immer trotzig auf der Existenz eines unsichtbaren Leithammels, weil das nun mal so in einem heiligen Buch steht.

Garniert wird diese etwas holprige Beweisführung immer wieder gerne mit dem kryptotheologischen Zusatz, dass Gott eben keine naturwissenschaftlichen Gleichungen zu befriedigen habe. Dem ist natürlich nichts entgegenzusetzen, aber dann sollte er sich doch bitteschön auch mit seiner metaphysischen Rolle zufriedengeben und keinerlei Anspruch auf eine alltagstaugliche Vormachtstellung erheben.

Denn Gott ist ja vor allem eine Frage seiner Definition. Wer ihn als die okkulte Quintessenz aus Hoffnung, Kraft und Liebe sieht, darin sein Seelenheil entdeckt und nach den ursprünglich philanthropisch geprägten, von der blutrünstigen Kirchengeschichte vergewaltigten Prinzipien der Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Toleranz handelt, liegt in Sachen eines zufriedenen und erfüllten Lebens ja alles andere als falsch. Ganz im Gegenteil.

Doch eine transzendentale Definition ist hier auch weniger Thema als die rechthaberische Variante eines nörgelnden und strafenden Oberaufsehers, in dessen Namen seine irdischen Schergen bei der Bearbeitung göttlicher Benimmregeln im Lauf der Geschichte mit unsympathischen Marginalien wie Rache, Folter, Tod und Verderben nicht gerade gegeizt haben. Oder um es mit den Worten des Kirchenkritikers Karlheinz Deschner zu sagen: «Es muss ein eigentümliches Vergnügen sein, von Jahrhundert zu Jahrhundert im Blut der Menschheit zu schwimmen und Halleluja zu rufen.»

Ein ähnlich ideologisches Gesamtversagen auf ganzer Linie lässt sich ansonsten höchstens noch mit der kompletten Umwandlung der alten Volksmundliste, was denn ein Mann in seinem Leben so zu erledigen habe – nämlich ein Haus zu bauen, einen Baum zu pflanzen und einen Sohn zu zeugen –, vergleichen, deren groteskes Negativ lediglich ein abgerissenes Haus, einen gefällten Baum und einen Schwangerschaftsabbruch vorzuweisen hat.

Zumal es ja auch nicht der Fall ist, dass es keine Alternativen gäbe, um ein nach moralischen und ethischen Wertvorstellungen sauber praktiziertes Leben zu führen, denn überraschenderweise bedarf es dazu keinerlei klerikaler Dachverbände. Werte brauchen keinen Gott. Und einen, dessen Vertreter sie mit Füßen treten, schon gleich gar nicht.

Wenn man die ganze Sache nämlich etwas objektiver betrachtet, müsste auch ein gläubiger Mensch eingestehen, dass sich etwa eine philosophische Herangehensweise an den Wahrheitsbegriff doch um einiges einleuchtender und nachvollziehbarer ausnimmt als ein stumpfsinniges Beharren auf den wunderlichen Dogmen einer heiligen Schrift. Dazu bedarf es lediglich der intellektuellen Fingerübung des Selberdenkens, die der Kirche allerdings noch nie sonderlich lag.

Denn die Wahrheit über Gott und die Welt kann doch bestenfalls eine Hypothese sein, die im Idealfall dem aktuellen Wissensstand der darüber Grübelnden entspricht. Eine solche Hypothese ist jedoch naturgemäß fehleranfällig und muss daher permanent überprüft und gegebenenfalls verbessert werden. Doch genau dieses Überdenken, ein stetiges Optimieren nach bestem Wissen und Gewissen, widerspricht jedem religiösen Denksystem, das sich auf eine ewig gültige, unumstößliche und allumfassende Wahrheit beruft.

Das bockige Verweigern eines solchen Modifizierens zeugt schlichtweg von einer geistigen Kurzsichtigkeit, die es noch geradeso von den trüb getönten Kontaktlinsen bis zur Innenseite ihrer beidseitig verspiegelten Sonnenbrillengläser schafft. Eine Unzulänglichkeit, die die Kirche aber nicht im Geringsten daran hindert, ihre diesbezügliche Borniertheit als moralische Linientreue abzufeiern. Vielmehr verschließt sie, gleich den berühmten drei Affen, Ohren, Mund und Augen und verweist wacker auf ihr gottgegebenes Ausschließlichkeitsmonopol.

Doch dummerweise plaudern die drei Offenbarungsreligionen nicht gemütlich bei Kaffee und Kuchen im interreligiösen Dialog darüber, wer denn nun den mächtigeren Freund Harvey anbetet, sondern die Anhänger der unterschiedlichen heiligen Schriften haben sich über Jahrhunderte bei der nachhaltigen Klärung dieser Frage gegenseitig immer wieder emsig die ­Betonköpfe abgebissen.

Und wie lächerlich dieser religiöse Schwanzvergleich um die noch alleinigere und wahrere Wahrheit als die der anderen beiden ist, lässt sich recht anschaulich anhand einer simplen Schlussfolgerung verdeutlichen, deren Logik selbst Vorschulkinder nicht vor unüberwindbare Hürden stellen dürfte – vorausgesetzt sie verfügen über die nötige geistige Reife und halbwegs logisches Denkvermögen oder zumindest den Willen zu logischem Denken. Allesamt Attribute, über die fromme Dogmatiker der entsprechenden Kirchen anscheinend nur in einem ausgesprochen überschaubaren Rahmen verfügen.

Jede der drei großen monotheistischen Religionen, Christentum, Judentum und Islam – die sich ja inhaltlich nicht ganz unerheblich voneinander unterscheiden und hier keiner ­Wertigkeit unterliegen sollen –, beharrt brecheisenfest darauf, dass ausschließlich ihr eigenes, vor vielen Jahrhunderten von ihren jeweiligen geistigen Gründervätern in weitgehender Ahnungslosigkeit zusammengeschraubtes Glaubenskonstrukt den exklusiven Stein der Weisen besitzt. Eine Behauptung, die nach den Gesetzen des spätestens seit Wer wird Millionär bekannten Ausschlussverfahrens nichts anderes bedeutet, als dass mindestens mal zwei Drittel des Gesamtangebotes blanker Unfug sein müssen. Man möchte beinahe seine Hand dafür ins Feuer legen – die in Zeiten der Inquisition als Brandgut leider nicht genügt hätte –, dass auch das dritte Drittel in eine ähnliche Richtung geht.

Eine Gleichung voller Unbekannter, die getreu den Grundsätzen des Ätschi-Bätsch-Prinzips einmal mehr Glauben mit Wissen verwechselt. Wenn auch aufgrund des gegenseitigen, seit Jahrhunderten andauernden Massakrierens zur Auslotung hanebüchener Machtverhältnisse auf weitaus handfestere Weise­ als das theoretische Herumblödeln mit gemalten Chemiewaffenfabriken.

Eine Diskussion, die in freier Wildbahn in etwa vergleichbar wäre mit einem unter normalen Umständen glücklicherweise­ weitaus weniger blutigen Streit zwischen Kindern, ob Super­man wohl einen Kampf gegen Obelix gewänne. Bleibt zu hoffen,­ dass es in der Praxis niemals zu einer solchen Keilerei kommen wird, denn dass die beiden potentiellen Streithähne tatsächlich existieren müssen, belegt ja eindeutig die amerikanische Beweisführung vor den Vereinten Nationen. Immerhin sind sowohl der Kryptonier wie auch der Gallier gezeichnet. Doch neben seiner Existenz ist das Erstaunlichste am bekanntermaßen unmaskierten Superman ohnehin die Tatsache, dass ihn in seiner Geheimidentität als Zeitungsreporter absolut niemand erkennt, nur weil er sich als Clark Kent bis zur Unkenntlichkeit mit einer Brille tarnt, über einen Scheitel verfügt und seine Unterhosen ordnungsgemäß unter seiner Hose trägt.

Und geht es Gott letztlich nicht ähnlich?

Wenn auch nicht in punkto Unterwäsche, sondern dahin gehend, dass ihn seine Anhänger selbst bei ganz genauem Hingucken nicht so recht als das erkennen wollen, was er nun mal ist? Ein von mehr oder weniger fantasievollen Menschen mit eigenwilligem Sinn für Realität ausgedachter Superheld?

Doch Superman und Obelix sind ja bei Weitem nicht die einzig verbrieften Superhelden respektive Gallier. Können also auch personell erweiterte Göttergruppierungen friedlich nebeneinander existieren? Denn wenn man mal die Streitereien der monotheistischen Religionen untereinander beiseite lässt, worauf gründet eigentlich deren Überheblichkeit gegenüber polytheistischen Glaubensgemeinschaften, also jenen, die vorsichtshalber gleich mehrere Götter anbeten anstatt nur einen einzigen? Sind bei der in unserem Grundgesetz verankerten Religionsfreiheit also nicht beispielsweise katholische Kirchenvertreter, die nicht an nordische oder indianische Göttersippen glauben, ebenso Atheisten und gehören, den eigenen Maßstäben­ folgend, wenn schon nicht in die Hölle geschickt, so doch wenigstens verbrannt, wie das ja bei frevelhaftem Nichtglauben lange zum guten Ton der katholischen Kirche gehörte?

Das wären sie rein formal-logisch natürlich schon, wenn sich der Kathole nicht auch hier prima selbst in den Schwanz beißen und sich routiniert auf seine, sprich die einzig gültige heilige Schrift und die damit einhergehende, sich selbst attestierte alleinige Wahrheit berufen würde.

Einem ähnlich in sich geschlossenen System vertraut die katholische Kirche ja seit einiger Zeit auch im Zuge der seit Roland Koch brutalstmöglichen Nachbereitung ihrer in die Tausende gehenden Missbrauchseinzelfälle. Hat man sich diesbezüglich doch tatsächlich nicht entblödet, eine von der katholischen Kirche selbst betreute Hotline, ein Sorgentelefon für die eigenen Opfer einzurichten.

Es handelt sich dabei um eine klerikale Melange aus Domian und Weißer Ring, bei der sich sowohl früher als auch frisch Missbrauchte im Nachhinein via Telefon bei den Arbeitskollegen ihrer Peiniger dafür entschuldigen können, sie so sehr in Versuchung geführt und vom rechten Weg abgebracht zu haben. Man mag sich lieber gar nicht vorstellen, wer da am offiziellen Leitungsende Betroffenheit vorgaukelt, aber es wird sicherlich jemand sein, der mit den «Kids» am Jugendzeltlagerfeuer auch skrupellos auf der Wandergitarre Satisfaction oder Smells Like Teen Spirit nach Noten runterstolpert.

Bei solchen Bock-zum-Gärtner-Strategien bleibt allein die Hoffnung, dass die Kirche tief drinnen selbst um ihre eigene Dreistigkeit weiß. Allein es fehlt der Glaube und bleibt wohl ebenso ein frommer Wunsch wie die Sehnsucht, dass sich Claudia Roth irgendwann einmal aus weniger als sieben Farben in eine Fernsehkamera empört.

Aber ist das Christentum im Gegensatz zu polytheistischen Religionen allein deshalb glaubwürdiger, weil seine anzubetende Personaldecke überschaubarer ist?

Ganz so allein steht Gott ja auch nicht da, sondern teilt seinen irdischen Ruhm, entgegen sonstiger Gewohnheiten, unter einer eigentümlichen heiligen Dreifaltigkeit auf. Ähnlich dem der Teekanne bestehend aus Vater, Sohn und dem Heiligen Geist. Dass dem etwas leicht Schizophrenes anhaftet, sei hier ausnahmsweise erst gar nicht ausführlicher durchdacht, genügt doch bereits ein Blick auf das katholische Bodenpersonal – homophobe Männer in Frauenkleidern –, um darin eine gewisse Methode zu entdecken.

Die Dreifaltigkeit haben die Christen übrigens, wie fast alle Bestandteile ihrer immer wieder gern als einzigartig deklarierten Religion, aus noch älteren Mythen übernommen. Als Beispiel sei hier nur die wesentlich ältere römische Trias, bestehend aus Jupiter, Juno und Minerva erwähnt, deren Schöpfer und Anbeter sich die Trio-Idee wiederum von den Griechen geliehen haben, bei denen Zeus, Hera und Athena ähnliche Rollen innehatten. Eine trilaterale Nummer, die in der Vergangenheit in Sachen Gewaltenteilung (mit Ausnahme der Marx-Brothers) aber noch nie anstandslos funktionierte. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass 1994 der Machtübernahmeversuch der SPD-Troika mit Scharping, Schröder und Lafontaine so grandios scheiterte, während Groucho, Harpo und Chico auch heute noch immer bestens harmonieren.

Ist ein einzelner Gott also doch besser als ein ganzer Verhau von ihnen? Nein, einer ist genauso unnötig wie mehrere.

All das Geglaube müsste einen ja auch nicht weiter stören, wenn es in einem Umfeld praktiziert würde, das andere nicht unaufgefordert mit einbezieht. Keiner hätte auch nur das Geringste dagegen einzuwenden, wenn jeder für sich selbst glaubt, was er eben gerne glauben möchte. Allerdings wird die hierzulande gesetzlich festgelegte Trennung von Staat und ­Kirche nicht einmal annähernd eingehalten. So ist beispielsweise die Kirchensteuer ein staatlich verordneter Mitgliedsbeitrag, den man quasi von Haus aus abzutreten hat, und zwar bis man aus eigener Initiative – wiederum für gutes Geld – aus der jeweiligen Vereinigung austritt.

Eine seltsame gesetzliche Machenschaft und in etwa das Gleiche, als gäbe es seit Jahrhunderten eine geheimnisvolle Weisung, die jedes neugeborene Kind von Geburt an automatisch dazu verpflichtet, pro Monat einen vom entsprechenden Anbieter hergestellten Kühlschrank zu erwerben. Wiederum so lange, bis man das Gerät schriftlich abbestellt. Gerade für die Generationen vergangener Jahrhunderte ein sehr bedenklich vererbter Knebelvertrag, da die Menschen seinerzeit noch nicht einmal Strom hatten. Aber Vertrag ist nun mal Vertrag. Allein es gibt von Natur aus keine religiösen Kinder oder generationsübergreifende Küchengerätsverpflichtungen. Nur weil die meisten Kinder in eine bestimmte Konfession geboren werden – und in aller Regel auch mit dieser sozialisiert werden –, ist das noch lange nicht deren eigene Entscheidung.

Genauso wenig gibt es Kinder, die von Geburt an einer bestimmten politischen Partei angehören, nur weil Papa stellvertretender Kassenwart der Ortsgruppe ist und Mama bei der internen Weihnachtsfeier das Wichteln organisiert. Es gibt keine per se konservativen, sozialdemokratischen, grünen oder ungelenk liberalen Kleinkinder. Es gibt sie ebenso wenig wie es katholische, evangelische, jüdische oder muslimische Kinder gibt. Man kann sogar, wenn auch schwer vorstellbar, davon ausgehen, dass es nicht einmal Kinder gibt, die von Geburt an Fans des FC Bayern sind.

Im Grundgesetz ist die Trennung von Staat und Kirche eindeutig festgelegt, dennoch wird Religion noch immer an staatlichen Schulen gelehrt und galt lange Zeit als versetzungsrelevant. Zudem sind ein Großteil gesellschaftlicher Institutionen wie Caritas, Diakonie oder diverse Krankenhäuser – obwohl hauptsächlich staatlich finanziert – ideologisch fest in kirchlicher Hand. Und dementsprechend werden dort auch deren personalpolitische Richtlinien befolgt, was in der Praxis bedeutet, dass die passende Konfessionszugehörigkeit noch immer Grundvoraussetzung für eine Anstellung ist. Und ein solches staatliches Festhalten an klerikalen Befehlsketten weist nun mal auch den fragwürdigen Praktiken der Kirche nicht unbedingt den Platz zu, der ihnen zusteht: den privat nachzugehender Ideologien, deren persönlichen Stellenwert jeder nach seinem eigenen Ermessen abwägen sollte, ohne unaufgefordert Nichtinteressierte zwangsrekrutieren zu wollen.

Doch bereits die Kleinigkeit mafiös organisierter, Jahrhunderte­ währender Schlachten um die Vorherrschaft allmächtiger ­Luftnummern – eine Tradition, die Millionen Menschen auf dem Gewissen (so vorhanden) hat – war ja keine Privatveranstaltung ohne erwähnenswerteren Kollateralschaden. Das war alles andere als privat. Auch ist es nicht sonderlich privat, junge Mädchen zu verstümmeln oder Frauen zu steinigen, weil deren angebliche Verfehlungen gegen die kranken Normen eines heiligen Buches verstoßen. Es ist nicht privat, Menschen anhand von lächerlichen Regeln ein Leben fernab jeder Selbstbestimmung aufzuzwingen. Und ganz bestimmt ist es nicht privat, bereits unsere Kinder mit solchem Schwachsinn zu füttern.

Zwar hält jeder halbwegs aufgeklärte Mensch die Hölle und den Teufel als realen Ort und reale Person zu Recht für völligen Unsinn, deren nicht minder absurde Voraussetzung, Religion, aber gilt noch immer als hof- und salonfähig.

Dass sich dieses Buch im Folgenden größtenteils auf die Absonderlichkeiten der katholischen Kirche konzentriert, soll natürlich keinesfalls relativieren, dass etwa die kollektive Zwangsneurose eines spirituellen Mitbewerbers, sich mehrmals täglich devot in einer sklavischen Unterwerfungsgeste in eine bestimmte Himmelsrichtung zu kauern und dem dort anzubetenden Gott dessen Mächtigkeit entgegenzusäuseln, eine irgendwie erstrebenswertere oder gar sinnvollere Übung ist.

Dergestalt bleibt zu hoffen, dass sich vor allem auch der jüdische Gläubige durch fehlende Beschreibungen seiner Traditionen nicht diskriminiert fühlt – der Niederschrift am Ende gar Antisemitismus untergejubelt wird –, nur weil die nicht weniger sonderbaren jüdischen Rituale nicht gleichberechtigt hinterfragt werden.

Die katholische Kirche präsentiert sich schlicht und ergreifend aufgrund der unglaublichen Diskrepanz zwischen ihrer­ Geschichte und dem Anspruch eines vermeintlich selig machenden Christentums als der lohnendste Proband. Nicht dass die fundamentalistischen Strömungen der beiden anderen ­monotheistischen Offenbarungsreligionen weniger dogmatisch und damit irgendwie erträglicher wären, sondern vielmehr aus der simplen Tatsache heraus, dass die wunderlichen Widersprüchlichkeiten der katholischen Kirche ihr hierzulande noch immer am unverfrorensten ins intellektuelle Insolvenzgesicht geschrieben stehen.

Der Hölle dürften wir damit wohl einen ersten beträchtlichen Schritt nähergekommen sein, denn eines ist so sicher wie das final alles abnickende Amen in der Kirche: Religion würde ohne das klerikal aufgebaute künstliche Schreckensszenario der Hölle nicht funktionieren. Die Angst der Menschen wäre ohne das teuflische Hirngespinst von Gottes Endlösung niemals so lange aufrechtzuerhalten gewesen.

Religion behauptet – neben Helmut Schmidt – den einzig wahren Zugang zur einzigen, ewig gültigen Wahrheit zu besitzen. Und die ist dummerweise eine inquisitorische Wahrheit, die in ihrer Prämisse eher an Clint Eastwoods Dirty Harry als an Jesus’ Idee der Nächstenliebe erinnert:

«Du wirst dran glauben oder du wirst dran glauben». (Zitat: Michael Schmidt-Salomon)