Buch
Überlastung, angehäufte Überstunden und keine Chance, sie jemals abzubauen – muss ich mir das wirklich gefallen lassen? Das fragen sich Millionen Mitarbeiter jeden Tag aufs Neue. Der Karriereberater und Bestsellerautor Martin Wehrle kennt den Wahnsinn in deutschen Firmen. Er zeigt auf, mit welchen Tricks Mitarbeiter ausgebeutet werden. Warum gibt es keinen Feierabend mehr? Warum beschleunigt Multitasking die Burnout-Quote, aber nicht die Arbeit? Martin Wehrle weist Wege aus dem Hamsterrad. Der Arbeitnehmer erfährt unter anderem, wie er Grenzen um sein Privatleben ziehen kann. Nie wieder Depp sein und auf in ein selbstbestimmtes, glückliches Berufsleben!
Autor
Martin Wehrle ist Deutschlands bekanntester Karrierecoach. Er schreibt u. a. für »Die Zeit« und »Spiegel Online«. Sein Buch »Ich arbeite in einem Irrenhaus« stand über hundert Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste. Seine Bücher sind in zwölf Sprachen erschienen und haben rund um den Globus begeisterte Leser gefunden. An seiner Karriereberater-Akademie in Hamburg bildet er Karrierecoachs aus.
Kontakt: www.karriereberater-akademie.de
Martin Wehrle
BIN ICH HIER DER
DEPP?
Wie Sie dem Arbeitswahn
nicht länger zur Verfügung stehen
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1. Auflage
© 2013 Wilhelm Goldmann Verlag, München,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München.
Umschlaggestaltung: Eisele Grafik-Design
Illustrationen: © Dirk Meissner
Redaktion: Birthe Katt
Satz: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling
BK · Herstellung: IH
ISBN 978-3-641-10903-5
V003
www.mosaik-verlag.de
Inhalt
Vorwort – Willkommen im Hamsterrad!
Teil 1 – Ich arbeite
in einem Hamsterrad
Vom Tod eines Freundes: Warum der Feierabend starb
Das höllische Arbeitsparadies
Eine Schwalbe macht noch keinen Burn-out
Ein Anruf am Nordkap
Der Propaganda-Minister empfiehlt …
Mit Helmut Kohl im Freizeitpark
Der Chef-Hamster: Wenn Führung durchdreht
Der Oberheld
Momo und die Stundendiebe
Schlaflos im Chefsessel
Das Geheimnis der geplatzten Termine
Die Mär vom Multitasking: Warum nur Drachen drei Köpfe haben
Zeitmanagement: Kirche ohne Papst
Der überfahrene Mitarbeiter
Audienz beim Chef
Der Fluch der Gleichzeitigkeit
Wie man den Kopf verliert
Klima-Katastrophe: Wenn nichts als die Rendite zählt
Das abgeschraubte Namensschild
Wir arbeiten uns zu Tode
Das Gespenst der Kündigung
Rambo als Rausschmeißer
Marmor, Stein und Eisen bricht – aber unsere Firma nicht!
Fesselnde Arbeit: Die fiesesten Tricks, um Mitarbeiter auszubeuten
Haltet den Dieb – mein Urlaub ist weg!
Schiffe versenken: So gehen Mitarbeiter unter
Der Versprechungs-Bigamist
Psychotricks: Wie saure Arbeit süßer schmeckt
Depp im Web: Mein Boss, der Facebook-Freund
Münchhausen lässt grüßenn
Arbeitest du schon – oder mailst du noch?
Nachtwächter vorm Computer
Die Glatze aus dem Internet
Chef-Agent: Der Spion, der aus der Firma kam
Das Netz, dem keiner entrinnt
Ein Detektiv in Harlem
Aufstand bei Aldi
Achtung, versteckte Kamera!
Die Frauen-Falle: Nett, fleißig, ausgenutzt
Oben ohne: Warum Frauen an der Spitze fehlen
Der Zoodirektor und die Zuchtstuten
Der Puppen-Trick
Nur Arbeits-Babys schaukeln!
Ausbildung in der Hölle: »Was Sie hier lernen, ist Lohn genug!«
Die Ausbeutungs-Maschine
Azubi – der Depp vom Dienst
Der Praktikanten-Horror
Mittagspause verboten!
Der Senioren-Hass: Vom Abflug der Alten
Opi, raus mit dir!
Die unerwünschte Geh-Hilfe
Die Abwrack-Prämie
Wenn Bewerber übers Alter stolpern
Schicht im Schacht: Wenn der Burn-out dreimal klingelt
Im Strudel der Arbeit
Das Burn-out-Zeitalter: Warum die Arbeitswelt durchdreht
Vom Absturz eines Projektmanagers
Wandern in der Wüste – so kommt es zum Burn-out
Teil 2 – Ich stehe nicht mehr zur Verfügung!
Der Depp-Faktor-Test: Wie sehr lassen Sie sich ausnutzen?
Depp werden ist nicht schwer …
Der große Depp-Faktor-Test
Die Glücks-Fährte: Auf der Suche nach dem verlorenen Leben
Wenn die Sonne der Arbeit sinkt
Der gefährliche Kindheits-Kompass
Tschüs, Glaubenssatz!
Zapfen Sie Ihre Emotionen an!
Erschöpfung ade: Der Abschied vom Hamsterrad
Von Verträgen und Fallen
Selbst-Vertrag: Reif zur Unterschrift
Der Richter und Schenker
Warum es nicht lohnt, ein Held der Arbeit zu sein
Das Zöllner-Prinzip: Von der Kunst, Grenzen zu bewachen
Sind Sie noch König Ihres Lebens?
Die drei Geheimnisse des Zöllners
Wie Sie sich vor Selbstausbeutung schützen
Zehn Tipps zum Nein-Sagen
Nie wieder Depp: Auf dem Weg zur großen Freiheit
Durchschaute Inserate: »Wir brauchen keine Warmduscher!«
So werden Sie Hamsterrad-Spion
Ein Lob der Langsamkeit
Der Weg zur Erfüllung
Alle Hamsterräder stehen still …
Sechs Richtige – was können Gesellschaft, Politik und Firmen tun?
Service
Weiterführende Literatur
Traumberuf Karrierecoach: So starten Sie durch
Register
Vorwort – Willkommen im Hamsterrad!
»Depp gesucht!« – das wäre mal eine ehrliche Stellenausschreibung. Der ideale Mitarbeiter hat kein Leben mehr, nur noch ein Berufsleben. Abend wird es für ihn, aber nicht Feierabend. Wenn das Firmenhandy klingelt, ist der Sex vorbei, der Urlaub gestorben. Er arbeitet durch, statt durchzuatmen.
Zwölf-Stunden-Tage laufen unter »Einsatzfreude«. Jede Mail schreit nach sofortiger Antwort, auch nach Feierabend. Wer nicht schnell genug protestiert, wird von seinem Chef als Facebook-Freund zwangsadoptiert und bis ins private Fotoalbum verfolgt. Früher gab es Sklavenketten; heute gibt es kabellose Computer.
Muss es uns beunruhigen, dass Arbeitnehmer in Deutschland pro Jahr drei Milliarden Überstunden leisten, die Hälfte davon unbezahlt?[1] Dass jeder dritte Vorgesetzte von seinen Mitarbeitern erwartet, bei Krankheit weiterzuarbeiten?[2] Dass jeder vierte Arbeitnehmer keine Zeit mehr für seine Pausen hat?[3] Ja, es muss!
Abteilungen gleichen Lazaretten, hausgemachtes Mobbing lichtet die Reihen, und der Burn-out, die neue Volkskrankheit, spaziert von Büro zu Büro. Jede dritte Frühverrentung hat psychische Gründe. Im Schnitt sind diese »Rentner« 48 Jahre alt![4]
Aber wenn ein Mensch von der Arbeit zerrieben wird, liegt es nicht an der Arbeit, sondern am Menschen! Die Firmen erklären ihn dreist zur »Burn-out-Persönlichkeit«. Er wird aussortiert und abserviert, Abfall der Produktion.
Millionen Mitarbeiter fühlen sich verschaukelt und fragen sich: »Bin ich hier der Depp?« In diesem Buch räume ich ein, dass die deutschen Firmen das Rad neu erfunden haben, wenn auch nur: das Hamsterrad! Wie es funktioniert, wodurch es sich beschleunigt und warum sein Drehen die Manager durchdrehen und die Mitarbeiter verzweifeln lässt – das bekommen Sie an zahlreichen Beispielen demonstriert.
Ich erkläre, warum Unternehmen, die schnell sein wollen, jeden Termin vergeigen (der Flughafen Berlin-Brandenburg ist nur ein Beispiel von vielen); warum die modernen Medien nicht nur das Tempo der Kommunikation, sondern vor allem deren Scheitern beschleunigen; und warum Mitarbeiter zu Gegenarbeitern werden, wenn Chefs sie mit der Terminpeitsche drangsalieren und mit Motivationsphrasen vollpumpen.
Zahlreiche Mitarbeiter erzählen ihre »Deppen-Erlebnisse«. Da sind die Mitarbeiter eines Mittelständlers, deren Überstunden sich über Nacht in Luft auflösen. Da ist die Beraterin, die von ihrem Chef abends wie von einem Geiselnehmer im Büro festgehalten wird. Oder die Filialleiterin, die nach mehreren Einbrüchen angewiesen wird, im kühlen Lagerraum zu übernachten – als hätte sie zur Firma ein eheähnliches Verhältnis zu pflegen.
Da ich Hunderte von Mitarbeitern aus Hunderten von Firmen berate, aber nahezu alle mit den gleichen Problemen ringen, weiß ich genau: Fehlerhaft sind nicht die einzelnen Menschen, die mit Überforderung, Dauerstress und Burn-out kämpfen – fehlerhaft ist das System, das sie jeden Tag zu diesem Kampf zwingt!
Der erste Teil dieses Buches, »Ich arbeite in einem Hamsterrad«, entlarvt eine Arbeitswelt, die nach dem Frühkapitalismus überwunden schien; eine Welt, in der die Rendite von Firmen über der Gesundheit von Menschen steht; eine Welt, in der Mitarbeiter ausgenutzt, ausgelaugt und aussortiert werden.
Der zweite Teil des Buches, »Ich stehe nicht mehr zur Verfügung!«, weist Wege aus diesem Hamsterrad. Mit einem Test können Sie prüfen, ob Sie ausgenutzt werden und wie hoch Ihre Burn-out-Gefahr ist. Zugleich bekommen Sie Anregungen, wie Sie effektiver »Nein« sagen, Ihr Privatleben abgrenzen und vom Dauerstress-Highway in ein gesundes und erfülltes Berufsleben abbiegen.
Nie wieder Depp sein, auch dafür bietet die moderne Arbeitswelt viele Chancen. Packen Sie’s an! Damit Firmen, die Deppen suchen, keine mehr finden.
Herzlichst
Ihr
Martin Wehrle
PS. Schreiben Sie mir gerne, ob Ihre Firma ein Hamsterrad ist und was Sie dort erleben. Sie erreichen mich über meine Homepage www.karriereberater-akademie.de
[1] IWH, Wirtschaft im Wandel, Unbezahlte Überstunden in Deutschland, Jg. 18 (10), 2012
[2] FAZ, 12.12.2012
[3] berliner-zeitung.de, Stress im Job nimmt für viele zu, 29.01.2013
[4] ebenda
Teil 1 – Ich arbeite
in einem Hamsterrad
Vom Tod eines Freundes: Warum der Feierabend starb