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Meiner Schwester Conchay
für die vielen gemeinsamen Erinnerungen
Übersetzung aus dem Spanischen von Petra Zickmann
ISBN 978-3-492-95312-2
September 2017
© Elia Barceló 2009
First edition by Ediciones Ámbar, S.L., Barcelona
Published by arrangement with UnderCover Literary Agents
Deutschsprachige Ausgabe:
© Pendo Verlag in der Piper Verlag GmbH, München 2011
Covergestaltung: U1 berlin / Patrizia Di Stefano
Covermotiv: »Oceanliner« (Öl auf MDF) von Edward B. Gordon
Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers www.gordon.de
Datenkonvertierung: CPI books GmbH, Leck
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Alle Figuren und Umstände dieses Romans sind meine Erfindung. Eventuelle Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig, obwohl dem Teil der Geschichte, der 1973/74 spielt, natürlich einige persönliche Erfahrungen zugrunde liegen. Was Bars, Diskotheken et cetera in meiner Heimatstadt Elda oder auf Mallorca angeht, habe ich mir die Freiheit genommen, echte und erdachte Namen zu mischen. Auch habe ich den Fahrplan der Fähre geändert, die 1974 zwischen Alicante und Palma de Mallorca verkehrte, um ihn bestimmten Erfordernissen der Erzählung anzupassen.
Ich möchte all denen danken, die mich durch eine prägende Lebensphase, meine Gymnasialzeit, begleitet haben, meinen Klassenkameraden und -kameradinnen ebenso wie Lehrern und Lehrerinnen, die, manche im positiven, manche im negativen Sinn, Einfluss auf meine Entwicklung genommen haben, indem sie mir Beispiele für nachahmenswerte oder verwerfliche Verhaltensweisen lieferten. Viele von ihnen habe ich seither nie wieder gesehen, widme ihnen aber mit diesen Seiten meine Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit und wünsche ihnen, dass die Zukunft, von der wir damals träumten und die heute unsere Gegenwart ist, ihnen wenigstens einen guten Teil dessen beschert hat, was sie sich erhofften. E. B.
Stell dir deine Geburt folgendermaßen vor:
Du wirst nicht geboren, wenn man dich dem Mutterleib entreißt. Was da geboren wird, ist ein Potenzial, ein winziges Wesen, das zu nichts weiter imstande ist, als nach Nahrung, Wärme und Zuneigung zu verlangen. Von den Erwachsenen um dich herum lernst du nach und nach, wer du bist, wo du lebst, wie deine Welt ist.
Und die Welt ist wie ein gewaltiges Schloss, voller Reize, voller Gefahren, ein verwunschener Ort, wo alles fremd und geheimnisvoll ist. Aber sie sind da, um dir zu zeigen, wo du spielen kannst, was du meiden musst, was dir zuträglich ist und was nicht.
Du stellst nichts infrage, ziehst keine Vergleiche, die Dinge sind, wie sie sind, du greifst zu und genießt sie, wenn du Glück hast. Wenn du Pech hast, selbst wenn du das noch gar nicht weißt, erduldest du sie, nimmst sie hin und forschst weiter.
Eine nach der anderen öffnen sich dir die Türen zu Räumen, deren Zweck dir kaum begreiflich ist, und, geführt von den Erwachsenen, durchwanderst du zuerst das Erdgeschoss, steigst dann, höher, immer höher, die steile Treppe hinauf, riesige Stufen aus Ebenholz und Elfenbein wie die Tasten eines Klaviers, das deine anfangs zaghaften und, je größer du wirst, immer festeren Schritte zum Klingen bringen.
Irgendwann kennst du das Schloss, oder zumindest glaubst du das. Du kennst die Anordnung der Zimmer, findest dich mühelos in den gewundenen Gängen zurecht, weißt, was sich hinter jeder geschlossenen Tür verbirgt. Die Geräusche des Hauses sind dir vertraut und seine Düfte und sein Gestank.
Und eines schönen Tages nehmen die Menschen, die dich am meisten lieben, die dich bis zu diesem Augenblick begleitet haben, plötzlich deine Hand und sagen dir in diesem geheimnisvollen Flüsterton, auf den du seit Langem sehnlich gewartet hast, dass es nun so weit ist, dass der Moment gekommen ist, das Labyrinth kennenzulernen.
Du hast immer gewusst, dass es im Schloss ein Labyrinth gibt. Du hast die Großen davon reden hören, wenn du dich bei ihren endlosen Alte-Leute-Gesprächen gelangweilt hast. Du hast sie jammern, fluchen, weinen und sinnlose Mutmaßungen darüber anstellen hören, wie der Weg hätte verlaufen können. Und immer hast du gewusst, dass du es schaffen wirst, dass für dich kein Labyrinth zu schwierig ist, weil du anders bist, besser als sie alle, weil du jung bist und niemals zurückblicken wirst.
Zuweilen befindet sich das Labyrinth im Keller des Schlosses, zuweilen unter dem Dach, immer weit weg, außerhalb deiner Reichweite, sodass du es bequem vergessen kannst, während du wartest, bis die Reihe an dir ist. Doch jetzt ist es da, vor deinen Augen, und es ist immer das Gleiche: ein einladend geöffnetes Tor, ein kleiner hell erleuchteter Vorraum mit mehreren geschlossenen Türen. Manchmal sind es nur zwei, manchmal so viele wie in einem Hotelflur, und du rührst dich lange nicht von der Stelle, siehst dir alles genau an, versuchst, dich zu entscheiden, deinen Weg zu wählen.
Dann verschwinden die Erwachsenen und lassen dich vor dem Labyrinth allein. Hinter dir geht das Licht aus, und du weißt, dass es kein Zurück gibt, dass du ihnen wiederbegegnen wirst, wenn du die richtigen Türen wählst, aber dass es nie mehr dasselbe sein wird, denn das Schloss wird sich verändern, während du im Labyrinth bist, und die Menschen werden sich verändern, auch wenn du sie immer wiedererkennen wirst. Was du nicht weißt, ist, dass auch du dich verändern wirst. Sie haben es dir gesagt, aber du hast es nicht verstehen wollen. Sie haben dir gesagt, dass du wachsen, reifen und eines Tages so sein wirst wie sie. Und du hast ihnen nicht glauben wollen.
Dennoch weißt du jetzt, dass es so ist, und mit einem Mal hast du Angst, solche Angst, dass du am liebsten kehrtmachen und dich zurück in das Schloss flüchten möchtest, in dem du dich auskennst, obwohl das hieße, dich nicht im Labyrinth zu beweisen, niemals die Kammer im Zentrum zu erreichen, die den Besten vorbehalten ist, diese Kammer, die zugleich ein Garten ist, dessen Bäume Früchte aus Edelsteinen tragen.
Plötzlich schreckt dich der Gedanke, dass du – selbst wenn du die Kammer findest – danach noch den Ausgang auf der anderen Seite suchen musst und dass jenseits davon das große Unbekannte liegt, das dir noch nie jemand in Begriffen geschildert hat, die du hättest verstehen können.
Du blickst zurück, und das Schloss mit seinen behaglichen Zimmern, die im Lauf der Jahre immer kleiner und vertrauter geworden waren, ist verschwunden, verschluckt von der Finsternis, und dir bleiben nur das Licht, das dir entgegenleuchtet, die geschlossenen Türen und der Weg nach vorn.
Irgendwann öffnest du eine der Türen, und sobald sie sich hinter dir schließt, weißt du, dass du zum letzten Mal hindurchgegangen bist, dass du eine Entscheidung getroffen hast, dass der Raum, den du vor dir siehst, jetzt die Realität ist, die du erobern, durchqueren musst, um zum nächsten Saal, zur nächsten Treppe, in den nächsten Garten zu gelangen, wo sich die Pfade gabeln und, sobald du dich für einen entschieden hast, die anderen im Dunst verschwinden werden.
Schon bist du im Labyrinth und weißt, dass du lebend nicht wieder herauskommst.
Obwohl sie eigentlich vorgehabt hatte, das Auto ein Stück weiter oben stehen zu lassen und zu Fuß hinunterzugehen, parkte Rita fast vor Lenas Haustür, stellte den Motor ab und blieb einige Minuten so sitzen, absurderweise auf der linken Seite, rechts den Hebel der Gangschaltung, die Hände am Lenkrad und den Blick verträumt auf die scheußliche Franziskus-Kirche gerichtet – weiß, modern in den Sechzigerjahren, äußerlich wie ein Fabrikgebäude –, die so gute Erinnerungen in ihr weckte.
Allmählich dachte sie, dass es ein Fehler gewesen war, Ingrid allein nach Andalusien fahren zu lassen, aber nach den letzten zwei Wochen hatte sie es für eine gute Idee gehalten, eine Weile in ihrem Heimatdorf auszuspannen, mit all den Dingen wieder in Berührung zu kommen, Menschen zu treffen und Beziehungen aufleben zu lassen, die sie für immer verloren geglaubt hatte.
Sie schaute auf die Uhr und seufzte. Fünf vor acht. Ihr blieben noch fünf Minuten, ehe sie klingeln und in Lenas Universum eintauchen würde. Lena war allem Anschein nach die Einzige von ihnen, die den Vorlieben ihrer Jugend treu geblieben war. Mechanisch, ohne zu überlegen, ob sie wirklich Lust darauf hatte, zündete Rita sich eine Zigarette an. Von Vorlieben, an denen sich seit der Jugend nichts geändert hat, musst gerade du reden!, sagte sie sich. Mit der freien Hand strich sie sich übers Haar und warf einen Blick auf den Rücksitz, auf die Flasche Rioja und das Sträußchen Wiesenblumen, die sie gekauft hatte. Ob es heutzutage in Spanien wohl üblich war, einer Freundin, die dich zum Abendessen eingeladen hatte, Wein und Blumen mitzubringen? Zu ihrer Zeit war es das nicht. Sie erinnerte sich nicht, dass ihre Eltern jemals etwas mitgenommen hätten, wenn sie gelegentlich bei befreundeten Paaren zu Gast gewesen waren. Allenfalls einen Teller Gebäck oder eine Eistorte zum Nachtisch. Aber in diesem Fall wäre das Unsinn gewesen; sie waren nur zu zweit, und in ihrem Alter sollten sie es mit Süßigkeiten nicht übertreiben. Mit Alkohol und Tabak war das etwas anderes. Allerdings war Rita überzeugt, dass Lena ihr einen Tee und eine dieser teuflisch stinkenden Heilkräuterzigaretten anbieten würde, die einem den Spaß am Rauchen verdarben.
Sie schmunzelte, stieg aus dem Wagen, nahm die Geschenke und betrachtete versonnen die Haustür, während ihr eine Flut von Bildern durch den Kopf schoss. Wie oft war sie zwischen ihrem fünfzehnten und ihrem achtzehnten Lebensjahr durch diese Tür gegangen! Und danach … nichts. Die englische Episode. Ihr Leben. Die letzten drei Jahrzehnte.
Sie hatte den Knopf der Gegensprechanlage noch nicht gedrückt, als ein Nachbar aus dem Haus trat, ihr die Tür aufhielt und ihr somit Gelegenheit gab, noch einen Moment im Treppenhaus zu verweilen, bevor Lena erfuhr, dass sie da war. Alles war gleich geblieben, außer dem Fahrstuhl, der früher von einem Metallgitter umgeben war und in den man heute nicht mehr hineinsehen konnte. Es roch sogar wie in ihrer Erinnerung: nach Reinigungsmitteln, aber mit einer undefinierbaren Beimischung von etwas anderem, Hunderten von sofritos vielleicht – gebratenen Zwiebeln, Knoblauch und Tomaten –, nach mediterranem Leben, das sie früher als normal empfunden hatte und das ihr jetzt so anders als ihr Alltag erschien, als etwas schmerzlich Entbehrtes, Schönes.
Ein dunkler Fleck auf einer der Stufen jagte ihr einen solchen Schreck ein, dass sie sich sogar bückte, um sich zu vergewissern, dass es nicht das war, was sie befürchtet hatte. Wahrscheinlich hatte ein Nachbar einen Müllsack heruntergetragen, der zu lange auf dem Balkon in der Sonne gestanden hatte und schon tropfte.
Sie fuhr sich mit der Hand über den Nacken und stellte fest, dass er feucht war. Die Hitze, vermutete sie. Und noch etwas. Die Erinnerung an jenen sechsten September. Sie wusste, dass es der sechste September war, denn als Lena, die damals noch Magda hieß, bei ihr anrief, hatte sie geduscht und wollte gerade anfangen, sich zurechtzumachen, um mit den Mädels etwas trinken zu gehen und sich das Feuerwerk anzusehen, mit dem das Stadtfest eröffnet wurde.
Als sie die Wohnung ihrer Freundin erreichte, mit nassen Haaren, in Jeans und T-Shirt, fand sie die Tür offen und eine Blutspur auf ebendieser Treppe. Magda war hinuntergelaufen, um ihr die Haustür zu öffnen, wobei sie sich die Handgelenke hielt, die sie sich mit einer Rasierklinge aufgeschlitzt hatte, und saß schluchzend auf dem Absatz vor ihrer Wohnung.
Nie hatte sie dieses Bild vergessen können. Magda, weinend, weiß wie die Wand, an der sie lehnte, in einem geblümten Nachthemd, das schon ziemlich alt gewesen sein musste, weil die Blümchen schon verblasst waren, und überall Blut. Rot in ihrem Schoß, dunkler um sie herum.
Vage erinnerte Rita sich an alles andere, das Telefon, den Rettungswagen, die Musik verschiedener Kapellen, die sie hörten, während sie mit Vollgas durch den Ort brausten, ohne durch die Milchglasscheiben irgendetwas zu sehen.
Sie hatte es nie jemandem erzählt. Magda hatte sie unter Tränen angefleht, es keinem zu sagen, und Rita hatte sich eine plausible Erklärung einfallen lassen, wie so oft. Im Erfinden glaubhafter Lügen war sie schon immer gut gewesen.
Sie schüttelte den Kopf, als wären diese Bilder lästige Moskitos. Das alles lag fast dreiunddreißig Jahre zurück. Vor zwei Wochen, als sie ihre Jugendfreundin Lena zum ersten Mal wiedergesehen hatte – dachte sie und schmunzelte, weil sie zufällig beide beschlossen hatten, ihren Namen zu ändern und künftig nur noch die zweite Hälfte zu verwenden: Magda-Lena, Marga-Rita –, hatte sie an ihren Handgelenken die Narben von damals gesucht und kaum eine feine perlmuttfarbene Linie entdecken können, die von allem Möglichen herrühren mochte. Lena hatte ihren Blick jedoch bemerkt, gelächelt und sich abgewandt.
Was wollte Lena ihr nun sagen? Wollte sie ihr tatsächlich erzählen, wie bei ihrer Einladung angedeutet, was sie über jene Nacht auf dem Schiff wusste? Und sie selbst? Wollte sie es nach all der Zeit überhaupt noch wissen?
Einen Moment lang fühlte sie sich versucht umzukehren, Lena anzurufen und zu sagen, ihr sei etwas Unvorhergesehenes dazwischengekommen und sie könne ihre Verabredung nicht einhalten, aber sie wusste, dass das feige und dumm wäre. Also stieg sie in den ersten Stock hinauf, denn mittlerweile war es sieben Minuten nach acht, spät genug, dachte sie, um nicht mit ihrer britischen Pünktlichkeit aufgezogen zu werden, wie es ihr sogar in London ständig erging.
Es war die linke Tür. Hinter der rechten hatte vor vielen Jahren Ritas längst verstorbene Großmutter gewohnt, die damals eine leutselige, lebhafte Frau gewesen war.
Als sie auf die Klingel drücken wollte, stellte sie fest, dass die Tür nur angelehnt war. Anscheinend war Lenas Vertrauen in die Nachbarschaft so groß, dass sie die Tür offen ließ, wenn sie Besuch erwartete.
Trotzdem klopfte Rita an und rief dazu mit lauter Stimme: »Lena! Ich bin’s, Rita. Entschuldige die Verspätung.«
Lena gab keine Antwort, und plötzlich krampfte sich Ritas Magen zu einem pulsierenden Klumpen zusammen.
Sicher ist sie in der Küche beschäftigt und hört mich nicht, sagte sie sich. Sie nahm die Flasche und die Blumen in die linke Hand und drückte behutsam gegen die Tür. Vom Ende des Flurs, wo früher das Wohnzimmer gewesen war, drangen sanfte Saxophonklänge. Die ganze Wohnung war vom rötlichen Schein der untergehenden Sonne erleuchtet, und die Schatten von Möbeln und Gegenständen, die Rita nicht sehen konnte, zeichneten sich an der weißen Wand zu ihrer Rechten ab und lagen auf Bildern und Büchern, die fast die gesamte Fläche einnahmen.
Irgendwo war ein hartnäckiger Tropfen zu hören, der aus einem nicht ganz zugedrehten Hahn in ein Spülbecken oder eine Badewanne voll Wasser fiel.
»Lena?«
Stille. Die Musik, der Tropfen und Stille.
Sie ging den rot erleuchteten Flur entlang, wobei sie das unsinnige Gefühl hatte, auf dem Weg zum Wohnzimmer von einer Kamera verfolgt zu werden. Die Türen auf der linken Seite standen alle offen: ein kleines Gästezimmer, Lenas Schlafzimmer mit einem großen weißen Bett und vielen Kissen, eine winzige Kammer voller Bücher mit einem Glastisch für den Computer, der mit der Rückseite zur Tür stand, das Wohnzimmer, größer, als sie es in Erinnerung hatte, denn jetzt standen dort wesentlich weniger Möbel als zur Zeit von Lenas Eltern: eine riesige Eckcouch, ebenfalls weiß, ein Tisch für vier Personen, eine Stereoanlage und ein alter Fernseher, Pflanzen, die fast bis zur Decke reichten, und eine getigerte Katze, die sich bei Ritas Eintreten faul räkelte und vom Sofa sprang.
Nichts an der Einrichtung erinnerte an Lenas Hippie-Vergangenheit, ihre häufigen Indientrips. Alles war sauber, hell, beinahe unpersönlich. Wie ihre eigene Wohnung.
Sie ließ die Flasche und die Blumen auf dem Tisch zurück und ging in die Küche, die ebenfalls verändert war. Die alten Resopalmöbel waren durch Schränke aus weißem Holz mit goldfarbenen Beschlägen und einer Arbeitsplatte aus hellem Stein ersetzt worden. Auf dem Tisch stand eine abgedeckte Schüssel mit etwas, das nach Gazpacho aussah, doch davon abgesehen deutete nichts darauf hin, dass Lena ein Abendessen für sie beide zubereitet hätte.
Jetzt blieb nur noch das Bad, aber aus irgendeinem Grund, den Rita nicht einmal sich selbst eingestehen mochte, wagte sie nicht, die Tür zu öffnen und nachzusehen, ob Lena darin war. Vielleicht war sie noch einmal einkaufen gegangen, weil sie etwas vergessen hatte, das sie für das Abendessen brauchte, und hatte sich nicht die Mühe gemacht, ihr eine Nachricht zu hinterlassen, weil sie davon ausgegangen war, dass Rita, wie bei den Mädels üblich, eine halbe Stunde später kommen würde. Aber hätte sie dann die Wohnungstür offen gelassen? Hätte sie sie nicht auf dem Handy angerufen und ihr Bescheid gesagt?
Sie klopfte mit den Fingerknöcheln an die Badezimmertür, fühlte sich dumm und fehl am Platz, wäre am liebsten aus der Wohnung gerannt und sehnte sich nach ihrem eigenen Zuhause, in ihre eigene Stadt, Tausende von Kilometern entfernt. Die Katze strich ihr um die Knöchel und begann, leise zu maunzen.
Das Licht des Sonnenuntergangs, immer glühender rot, malte Ritas Silhouette auf die weiße Tür, und immerzu fiel der Tropfen, unbeirrbar, auf der anderen Seite der Tür.
Vermutlich hat sie gebadet und ist in der Wanne eingeschlafen, dachte sie. Lena war seit jeher dafür bekannt, in den unmöglichsten Momenten einzuschlafen, mitten in einer Prüfung, kaum dass sie in einen Bus gestiegen war, wo sie ging und stand.
Rita drückte so vorsichtig die Klinke herunter, als fürchtete sie, Shane aufzuwecken, als wollte sie sich vergewissern, dass die Kinder schliefen, bevor sie sich mit Ingrid einen nicht jugendfreien Film ansah.
Das Bad, weiß und blau, hatte etwas von einem Boot, ein beunruhigend maritimes Flair.
Sie musste den Blick zweimal über den Körper ihrer Freundin gleiten lassen, um zu begreifen, dass sie beim ersten Mal richtig gesehen hatte. Der Wasserhahn ließ mit der Regelmäßigkeit eines Metronoms Tropfen ins Wasser fallen, das schon tiefrot gefärbt war. Lenas langes Haar umschwebte ihr Gesicht wie eine Seeanemone. Ihre Augen waren offen, ihre Pulsadern ebenfalls.
Rita spürte, wie die Beine unter ihr nachgaben, und musste sich am Waschbecken festhalten. Ein Brechreiz krümmte sie zusammen, und als sie flüchtig ihrem Spiegelbild begegnete, glaubte sie ein Gespenst aus vergangenen Zeiten zu sehen, ein achtzehnjähriges Mädchen mit schweißverklebtem Haar und irrem Blick.
Mit zitternder Hand zog sie das Handy heraus und wählte Anas Nummer.
»Ana, bitte«, sagte sie, und ihre eigene Stimme klang ihr fremd, »ich bin in Lenas Wohnung. Ruf einen Krankenwagen, ich weiß die Notrufnummer nicht. Und sag deinem Mann, er soll sofort herkommen. Lena hat sich umgebracht.«
Als die Polizei eintraf – David mit zwei uniformierten Kollegen –, saß Rita noch immer neben der Badewanne, betrachtete Lena und passte auf sie auf wie seinerzeit im Krankenhaus während des Stadtfestes.
Ana und Rita saßen auf der Terrasse der Bar neben Lenas Haus, blickten sich in die Augen und hielten auf dem Tisch einander fest an den Händen. David hatte sie gebeten, eine Weile hinauszugehen, damit seine Leute in Ruhe arbeiten konnten, und sie hatten widerspruchslos gehorcht, dankbar, sich von diesem Ort entfernen zu dürfen, ohne das Gefühl, ihre Freundin im Stich zu lassen. Doch jetzt, an der frischen Luft, unter einem Himmel, der sich allmählich violett färbte, kam ihnen das, was sich vor einer knappen Stunde zugetragen hatte, in seiner ganzen grotesken Realität zum Bewusstsein, und sie fühlten sich schuldig, ohne dass sie hätten sagen können, warum.
Rita entzog Ana ihre Hand und zündete sich eine Zigarette an.
»Hast du Teresa schon angerufen?«, fragte Ana.
»Teresa? Wieso?«
Mit einem leichten Schulterzucken kramte Ana in der Tasche und suchte ihr Handy.
»Ich weiß nicht. In solchen Fällen ruft man doch immer Teresa an.«
»In welchen Fällen? Immer wenn eine Freundin Selbstmord begeht?«
»Immer wenn etwas Außergewöhnliches passiert, Rita.« Ana überhörte den Sarkasmus. »Das war schon immer so. Weißt du denn nicht mehr? Zuerst Tere und dann Marga. Dich. Tere ist das Hirn. Du bist das Herz.«
»Du redest, als wären wir ein Organismus.«
»Das waren wir auch, Rita, das waren wir. Und manche Dinge ändern sich nie. Hast du das nicht bemerkt, neulich abends auf der Party?« Sie unterbrach sich, als sie die Stimme im Telefon hörte. »Teresa! Du musst sofort kommen. Wir sind im Los Laureles. Rita und ich. Nein, nicht um einen zu trinken. Lena hat sich umgebracht. Beeil dich.«
»Hast du eine Ahnung, warum sie das getan hat?«, fragte Rita, als Ana das Handy wieder einsteckte.
Ana schüttelte langsam den Kopf.
»Sie hatte keinen Grund, soweit ich weiß. Erinnerst du dich, dass sie uns vor ein paar Tagen erzählt hat, wie froh sie ist, endlich unabhängig zu sein, nicht auf der Suche nach einem Partner, zu akzeptieren, dass sie eine freie, selbstbewusste Frau von fünfzig Jahren ist? Und ihrem Sohn geht es gut. Erst vor Kurzem hat sie mir gesagt, dass sie vielleicht bald Oma würde. Darauf hat sie sich sehr gefreut.«
»Was dann?«
Ana biss sich auf die Lippen und spielte mit der Zigarettenschachtel, die Rita auf den Tisch gelegt hatte.
»Womöglich wegen der Sache auf der Party …«
»Meinst du?«
»Sieh mal, Rita, Lena hat zwar nie etwas gesagt, aber ich hatte immer das Gefühl, dass sie über den Vorfall damals etwas wusste, was sie keiner von uns jemals verraten hat. Wir hatten seit einer Ewigkeit nicht mehr davon gesprochen, bis du aufgetaucht bist.« Es sollte nicht nach Vorwurf klingen, trotzdem hatte Ana, wie sie sich eingestehen musste, mit diesen Worten Rita durchaus vor Augen führen wollen, dass ihre Ankunft der Auslöser für die Tragödie gewesen war.
»Auch ich habe niemals davon gesprochen. Meinetwegen hätten wir das Thema gern ruhen lassen können.«
»Ja, schon. Aber Ingrid …«
»Jetzt ist auf einmal Ingrid schuld.« Rita wurde immer gereizter.
»Na ja, erst fängt sie an, Fragen zu stellen, und dann findet sie auch noch …«
»Ich weiß, was sie gefunden hat, verdammt noch mal.«
»Und Lena … du hast sie ja gesehen. Sie war fix und fertig, als sie ging.«
»Lena hatte mich für heute zu sich eingeladen, weil sie mir erzählen wollte, was sie wusste«, sagte Rita fast ärgerlich. »Ich hatte Angst davor, aber ich bin hingegangen.«
»Weil du es wissen wolltest …«
»Ich weiß nicht. Ich glaube nicht.« Der Ärger in Ritas Stimme war einer großen Müdigkeit gewichen. »Weil Lena reden wollte, und weil ich es satt habe, mir von etwas, das dreiunddreißig Jahre her ist, das Leben vergällen zu lassen. Und weil alle Welt darauf besteht, mir Dinge zu erzählen, die ich gar nicht wissen will.« Rita fuhr sich mit der Hand durchs Haar und sah Ana herausfordernd an.
»Du konntest immer gut zuhören. Und schweigen. Was noch viel wichtiger ist.«
»Und vergessen, Ana. Das ist es, was die Leute nicht ahnen. Ich vergesse, was sie mir erzählen, es sei denn, es geht mir sehr nah.«
»Davon handelt dein Film, stimmt’s?«
Rita nickte und starrte in den Aschenbecher. Nach einer Weile antwortete sie stockend, als wählte sie jedes Wort mit Bedacht: »Ich habe mich immer gefragt, wie es einem Menschen, der die Geheimnisse und Bekenntnisse anderer zwar hört, aber wieder vergisst, wohl ergehen mag, wenn einer seiner früheren Gesprächspartner eines Tages beispielsweise eine hohe politische Position erreicht und fürchtet, erpressbar zu sein, weil ja ein anderer sein Geheimnis kennt. Könnte man so jemanden davon überzeugen, dass man nichts weiß, dass man das, was für ihn so beschämend oder so entscheidend war, schlicht und einfach vergessen hat?«
»Nein. Ich glaube nicht.«
»Ich auch nicht. Darum habe ich den Film gemacht.«
Sie saßen stumm da, den Blick gedankenverloren in die rötlichen Wolken gerichtet, die sich im Westen über dem Berg Bolón türmten. Nach und nach füllte sich das Lokal mit Gästen, die zum Aperitif kamen, scherzten und lachten, ohne die zwei Frauen zu beachten, die jetzt beinahe flüsternd ein für sie beide höchst brisantes Thema besprachen.
»Wir alle haben dir irgendwann einmal unsere Geheimnisse anvertraut, nicht wahr?«
Rita zuckte mit den Schultern und steckte sich eine weitere Zigarette an.
»Vermutlich, aber ich erinnere mich nicht mehr daran. Das waren die Geheimnisse fünfzehnjähriger Mädchen, die haben längst keine Bedeutung mehr.«
»Ich habe dir erzählt, dass meine Mutter einen Liebhaber hatte, weißt du noch?«
»Ja. Jetzt, da du es sagst, weiß ich es wieder, aber ich habe in den letzten dreißig Jahren nicht daran gedacht.«
»Aber ich weiß, dass du es weißt, und das verbindet uns. Wie das andere auch.«
»Hör auf, Ana, um Gottes willen. Ich kann nicht mehr. Es macht mich krank zu denken, dass Lena sich deshalb umgebracht haben könnte.«
»Ich bin der Meinung, dass man die Dinge aussprechen muss, einmal und immer wieder, bis sie ihre zerstörerische Macht über uns verloren haben. Es war ein Fehler zu schweigen.«
»Hast du es David erzählt? Weiß er, was in jenem Sommer geschehen ist?« Anas Antwort gewiss, sah Rita ihr provozierend in die Augen. Erwartungsgemäß senkte Ana den Blick.
»Nein. Nie. Keinem Menschen.«
»Siehst du? Genau wie ich. Wie alle anderen. Ingrid wusste bis zum letzten Samstag auch nichts. Und selbst jetzt weiß sie nicht einmal die Hälfte.«
»Aber David ist Polizist.«
In diesem Moment trat Teresa an ihren Tisch, und beide standen auf, um sie zu umarmen und ihr zu berichten, was geschehen war. Daraufhin saßen die drei da wie kleine Mädchen und sahen sich an, mit Tränen in den Augen und dem verängstigten Gesichtsausdruck von Kindern, die darauf warten, dass ein Erwachsener kommt und das Problem löst.
»Lena war immer die labilste«, fasste Teresa mit gewohnter Selbstverständlichkeit die Lage zusammen. »Sie war lange in Therapie, und ich war sicher, dass sie es überwunden hatte. Offenbar kennt man niemanden je wirklich. Habt ihr denn nichts zu trinken bestellt?«
Ana und Rita sahen sich verblüfft an. Es war ihnen gar nicht aufgefallen, dass sich kein Kellner ihrem Tisch genähert hatte.
»Ich brauche Wasser. Was wollt ihr?«
Wie beruhigend es ist, Teresa zu haben, dachte Rita. Ana hat recht, Teresa ist das Hirn der Clique.
»Soll ich Carmen und Candela anrufen?«, fragte Ana, während Teresa Ausschau nach dem Kellner hielt.
»Nein. Noch nicht. Wozu? Carmen wird ausrasten und uns für alles verantwortlich machen, was ihr in den Sinn kommt, und Candela wird miese Witze reißen, damit man ihr die Ergriffenheit nicht anmerkt und wir bloß nicht denken, sie sei auch nur aus Fleisch und Blut. Wir rufen sie morgen an, wenn wir mehr wissen. Ist David noch in Lenas Wohnung?«
Ana nickte.
»Er hat uns gebeten, hier zu warten. Er kommt her, sobald sie fertig sind.«
»Na ja, die Sache dürfte einfach sein. Sobald der Richter die Leiche freigibt und sie uns sagen, ob eine Autopsie gemacht wird oder nicht, denken wir über die Beisetzung nach. Lena hatte keine Familie mehr, und ihr Sohn lebt in den Vereinigten Staaten. Man wird ihn benachrichtigen und schon mal einiges in die Wege leiten müssen, bis er kommen kann.«
»Der arme Junge«, sagte Ana. »Das wird furchtbar.«
Teresa legte den Kopf zur Seite und sah sie an.
»Wenn man bedenkt, dass er seine Mutter vor vier Jahren das letzte Mal besucht hat, obwohl er gut verdient, dann wird ihn Lenas Tod wohl kaum um den Schlaf bringen. Es kann gut sein, dass es zeitlich gerade nicht in seine Pläne passt und er mir sagt, wir sollen sie ohne ihn beerdigen, dass er kommt, sobald er es einrichten kann, um sich um die Erbschaft zu kümmern.«
»Du kannst den Knaben wohl nicht besonders gut leiden«, bemerkte Rita und goss drei Gläser Wasser ein.
»Der Knabe ist dreißig Jahre alt und hat seine Mutter immer wie einen Putzlappen behandelt, trotz allem, was sie für ihn getan hat. Lena hatte bis zuletzt drei Jobs, um ihm einen höheren Lebensstandard zu ermöglichen, als er sich selbst leisten könnte. Der Junge ist intelligent, das schon, er hatte Stipendien für die besten Universitäten, und vergangenes Jahr hat er am Massachusetts Institute of Technology seinen Doktor gemacht, aber Lena hat gearbeitet wie ein Tier, damit es ihm an nichts fehlte. Als sie mir vor Jahren sagte, dass sie trotz der vielen Bücher, die sie übersetzte, und der vielen Gutachten, die sie für die Verlage schrieb, nicht über die Runden komme, beschäftigte ich sie als Sprechstundenhilfe in meiner Praxis. Um acht ging sie nach Hause und übersetzte noch bis tief in die Nacht.«
»Rufst du ihn an?«, fragte Ana.
»Jeremy? Na klar. Er hat nicht viel für mich übrig, aber ich glaube, das sollte tatsächlich ich tun.«
»Wie ist sie nur auf den Namen Jeremy gekommen?«, wunderte sich Rita.
»Das ist eine lange Geschichte«, sagte Teresa und spähte über Anas Schulter. »Da kommt dein Mann.«
Rita und Ana wandten sich um und sahen David entgegen, der mit ausholenden Schritten die Allee überquerte und sie mit den Augen suchte. Als er ihren Tisch erreicht hatte, begrüßte er Teresa und bedeutete Rita mit einer Geste, sie möge ihm in die Bar folgen.
»Ich muss dir ein paar Fragen stellen, wenn es dir recht ist. Gehen wir hinein?«
Ana und Teresa wechselten einen besorgten Blick.
»Die berühmten Routinefragen?«, erkundigte sich Ana mit gezwungenem Lächeln.
»Mehr oder weniger. Wir sind gleich wieder da.«
David bestellte einen Kaffee, und sie setzten sich an die Theke.
»Also, Rita, korrigiere mich, wenn ich mich täusche. Ich fasse noch mal zusammen, was du mir vorhin gesagt hast: Du warst mit Lena um acht Uhr verabredet. Du warst ein paar Minuten zu früh und hast dir vor dem Haus noch ein wenig die Zeit vertrieben. Als ein Nachbar herauskam, bist du hineingegangen. Wir haben ihn noch nicht gefunden, werden ihn aber später überprüfen. Reine Formsache, du weißt schon. Die Wohnungstür war offen, du hast eine Flasche Wein und einen Blumenstrauß auf dem Wohnzimmertisch zurückgelassen, hast dich auf die Suche nach Lena begeben und sie verblutet in der Badewanne gefunden. Du hast sofort Ana angerufen und nichts angefasst oder verändert. Richtig?«
»Ja. Zumindest glaube ich das. Ich meine, ich weiß nicht genau, ob ich etwas angefasst habe, während ich Lena suchte, aber ich habe nichts verändert und sie nicht berührt. Es genügte, sie anzusehen. Ich bin mir nicht mehr sicher, was ich Ana gesagt habe, aber einen Arzt hat Lena nicht mehr gebraucht. Es war ganz offensichtlich nichts mehr zu machen. Ah, ich glaube, ich habe ein bisschen ins Waschbecken gekotzt. Nur Galle. Ich hatte seit Stunden nichts gegessen.«
»Warst du früher schon einmal in Lenas Wohnung?« David war höflich, aber in seinen Fragen lag eine Kälte, die Rita aus früheren Begegnungen nicht kannte.
»Nein. Das heißt, ja, aber das ist schon über dreißig Jahre her. In ihrer Wohnung, so wie sie heute ist, war ich noch nie. Ich bin erst seit knapp zwei Wochen hier.«
»Und was wolltest du bei ihr?«
»Zu Abend essen, das habe ich dir doch schon gesagt. Nach der Party am Samstag in eurem Haus hatte Lena mich für heute Abend eingeladen, weil sie wusste, dass Ingrid nach Andalusien fahren wollte und wir beide das Bedürfnis hatten, ein paar Stunden für uns zu haben, um uns gegenseitig aus unserem Leben zu erzählen.«
»Hast du Lenas Computer gesehen?«
Rita fand Davids Fragen immer seltsamer, war aber entschlossen, sich nicht einschüchtern zu lassen.
»Ja, von hinten. Die Tür zu ihrem Arbeitszimmer war offen. Ich weiß nicht einmal, ob er eingeschaltet war.« Plötzlich ging Rita ein Licht auf. »Hat sie einen Abschiedsbrief auf dem PC hinterlassen?«
»Sie hat tatsächlich etwas hinterlassen, aber ohne Unterschrift, wie du dir denken kannst. Seltsamerweise sind es Sätze aus deinen Filmen, wie mir scheint, insbesondere aus dem letzten.«
»Aus Das Geheimnis?«
»Ja. Das erste Wort ist Geheimnis, aber man versteht nicht recht, worum es in dem Text geht.«
»Wenn du ihn mir zeigst, kommt mir vielleicht eine Idee, was sie damit sagen wollte.«
»Danke. Wir werden sehen.« David sah Rita an, unschlüssig, ob sie etwas zu verbergen suchte, ob sie ihm etwas verschwieg, wobei er einerseits zu der Überzeugung neigte, dass sie mit diesem Todesfall nichts zu tun hatte, andererseits aber deutlich spürte, dass da noch etwas war, was sie ihm bislang vorenthielt. »Hör zu, Rita, ich will dir nicht auf die Nerven gehen«, setzte er schließlich an, »aber denk bitte nach, ob es nicht irgendetwas gibt, das du mir noch nicht gesagt hast und das helfen könnte nachzuvollziehen, was sich heute Abend in Lenas Wohnung abgespielt hat.«
»Was heißt nachvollziehen? Das ist doch ziemlich klar. Lena hatte einen Aussetzer, wie vor dreißig Jahren schon einmal, und hat sich in der Badewanne die Pulsadern aufgeschnitten. Nur dass sie es diesmal durchgezogen hat.«
Davids Augen wurden schmal.
»Sie hat schon einmal einen Selbstmordversuch unternommen?«
»Wie gesagt, vor dreiunddreißig Jahren, im September 1974, aber da hat sie mich rechtzeitig angerufen, sie kam ins Krankenhaus und konnte gerettet werden. Ich bin dann nach England gegangen. Ich weiß nicht, ob es einen weiteren Versuch gab. Da müsstest du Teresa fragen.«
David saß eine Weile stumm da, dann bezahlte er seinen Kaffee und sah Rita wieder an, als wollte er ihr eine Frage stellen, wüsste aber nicht recht, welche.
»David«, sagte sie, »du bist Polizist. Du musst solche Dinge doch schon hundertfach erlebt haben. Findest du es denn so verwunderlich, dass sich jemand das Leben nimmt?«
»Was ich verwunderlich finde«, sagte er und sammelte das Wechselgeld ein, »ist, dass jemand erst den Kühlschrank mit Lebensmitteln fürs Abendessen füllt, Gazpacho macht und sich anschließend umbringt. Und ich finde es auch verwunderlich, dass sich jemand die Pulsadern aufschneidet und weit und breit keine Klinge zu finden ist.« Er blickte ihr in die Augen. »Das finde ich sogar höchst verwunderlich, Rita. Gehen wir zurück zu den anderen?«
Als David die Tür erreicht hatte und sie aufhielt, um Rita den Vortritt zu lassen, saß diese immer noch erstarrt am Tresen, einen entsetzten Ausdruck im Gesicht, aus dem alle Farbe gewichen war.
David Cuevas zeichnete mit einem schwarzen Kugelschreiber Pfeile an den Rand seines Notizblocks. Seit er mit dem Rauchen aufgehört hatte, zeichnete er im Lauf des Tages Hunderte von Pfeilen, wann immer er sich konzentrieren musste. Doch er konnte noch immer an nichts anderes denken, obwohl er fest entschlossen war, nicht wieder anzufangen.
Es war ziemlich offenkundig, dass Lenas vermeintlicher Selbstmord ein Mord war, den jemand zu tarnen versucht hatte. Allerdings musste dieser Jemand ein bemerkenswerter Trottel sein, so stümperhaft, wie er vorgegangen war. Wer konnte so dämlich sein, die Klinge verschwinden zu lassen, mit der sie sich angeblich die Pulsadern aufgeschnitten hatte? Außerdem hatte derjenige nicht mit dem Forensiker gerechnet, dem sofort aufgefallen war, dass ihr ein starkes Beruhigungsmittel in einem Kräutertee verabreicht wurde, bevor man ihr in der Badewanne die Adern geöffnet hatte. Der Mörder hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, den Gazpacho in die Spüle oder ins Klo zu kippen. Natürlich hätten sie die Reste im Abwasserrohr gefunden, aber dieser Dilettant hatte es nicht einmal versucht. Wer in Lenas Umfeld konnte so bescheuert oder so unbedarft sein und sie zugleich genügend hassen, um sie zu töten? Wer hatte etwas von ihrem Tod?
Den Sohn konnte man streichen. Die simple Tatsache, dass er sich in den USA aufhielt, schloss ihn von vornherein aus. Nach allem, was David in Erfahrung gebracht hatte – abgesehen von seinen Informationen aus erster Hand –, war Lena eine Frau mit einem ruhigen, geregelten Leben gewesen. Sie arbeitete zu Hause an Romanübersetzungen aus dem Englischen, und nachmittags half sie Teresa als Sprechstundenhilfe in der Praxis. Sie hatte weder einen festen Freund noch Affären, und ihre Sozialkontakte beschränkten sich auf die kleine Gruppe von Schulfreundinnen, zu der auch Ana gehörte.
Zum Glück hatte Ana ein hieb- und stichfestes Alibi. Während Lena ermordet wurde, war Ana vollauf mit Rickys Geburtstagsfeier beschäftigt und im Garten ihres Hauses von Kindern umringt gewesen. Nicht dass er Ana für verdächtig gehalten hätte, ihre Freundin getötet zu haben, aber es wäre ihm unmöglich gewesen, seine eigene Frau zu befragen oder mit anzusehen, wie sie von einem Kollegen verhört wurde.
Letztendlich hatte er sich zu dem Entschluss durchgerungen, den Fall Machado zu übergeben, obwohl Ana darüber nicht sehr erfreut war. Doch ihm schien es weder objektiv noch professionell, eine Untersuchung zu leiten, von der auf die eine oder andere Weise sämtliche Freundinnen seiner Ehefrau betroffen waren, zumal er vor Jahren, kurz nach seiner Ankunft in Elda, mit einer dieser Freundinnen eine Zeit lang zusammen gewesen war.
Er strichelte ein weiteres Nest aus Pfeilen und dachte an Carmen. Nicht einmal in Gedanken hätte er sie als seine Freundin bezeichnet. Sie hatten Spaß miteinander gehabt, das schon. Carmen war großartig im Bett. Und fröhlich und unbefangen, und sie hatte ein gutes Herz. Sie war ein bisschen ordinär, aber ein nettes Mädchen, das ihm die Versetzung in diesen Ort erträglicher gemacht hatte.
Dennoch wusste er nie, wie er seine Beziehung zu ihr benennen sollte. Seine »Lebensgefährtin« war sie nie gewesen; »Geliebte« klang schwülstig und nach Sünde; »Freundin« traf es nicht im Entferntesten. Warum ist es so schwierig, eine Beziehung zu definieren?, fragte er sich. Selbst die allgemein gebräuchlichen Bezeichnungen, die jedermann zu verstehen glaubt, sind trügerisch. Vater und Sohn. Eine auf den ersten Blick einfache, klare Beziehung ohne Zweideutigkeiten. Und trotzdem: Wer weiß schon, wie diese Beziehung tatsächlich ist, wie viel Liebe oder Hass sich darin verbirgt? »Freund« klingt nach viel weniger; dennoch gibt es Freunde, die bereit sind, alles zu teilen und einander bis zur letzten Konsequenz zu helfen, während es Eltern gibt, die ihre Kinder quälen, Söhne, die ihre Väter erstechen, Ehepaare, die im Dauerkrieg liegen und schließlich ihre Partner umbringen. Was mochte es in Lenas Leben gegeben haben, das jemanden dazu treiben konnte, sie zu ermorden?
An diesem Morgen hatte er mit Ana darüber gesprochen, jedoch ohne einen Schritt vorangekommen zu sein. Lena war ruhig, schweigsam, optimistisch, stets bereit, anderen unter die Arme zu greifen, in jedem Menschen und allem, was ihr im Leben widerfuhr, immer nur das Beste zu sehen. Das sagten alle, und er dachte genauso. Immerhin hatte er sie seit fast zehn Jahren gekannt.
Er fuhr sich mit der Hand übers Gesicht und rieb sich energisch die Augen. Lief hier etwa noch so ein Verrückter frei herum und ermordete wahllos allein lebende Frauen? Der letzte, der ihnen im Frühjahr ins Netz gegangen war, ein Mann, der zu seinem puren Vergnügen zwei ihm unbekannte Frauen ermordet hatte, hatte allerdings ein Schlachtermesser dazu benutzt. Er hatte seinen Opfern fast ein halbes Dutzend Stiche versetzt, einfach so, weil er, wie er in seinem Geständnis sagte, plötzlich ein dringendes Bedürfnis danach verspürt hatte.
Lenas Mörder war ein anderer Typ, was den Gedanken nahelegte, dass er sie nicht zufällig ausgewählt, sondern ein konkretes Motiv gehabt hatte, sie zu töten; sie auf diese Weise zu töten, indem er sie in der Badewanne verbluten ließ, als wollte er jene frühere Szene nachstellen, die ihm Rita Montero geschildert hatte.
Auch aus dieser Frau wurde er nicht schlau. Sie war eigenartig. Ein wenig männlich, zu intellektuell für seinen Geschmack und außerdem zu berühmt. Berühmt auch noch ausgerechnet für Filme über Intrigen und Verbrechen. Doch ebendas widersprach einem Verdacht gegen sie, denn wenn Rita Montero einen Mord geplant hätte, dann bestimmt nicht so dilettantisch, dass ihnen bereits nach einer knappen halben Stunde Zweifel an der Echtheit des Selbstmordszenariums gekommen wären. Allerdings hatte er seit ihrem Gespräch in der Bar das Gefühl, dass sie ihm etwas verschwieg, etwas, das vielleicht auch ihre Freundinnen wussten und ihm nicht sagen wollten, entweder weil sie meinten, es hätte mit dieser Angelegenheit nichts zu tun, oder weil es sich um eines dieser Frauengeheimnisse handelte, die sie niemandem erzählen wollten und einem Polizisten schon gar nicht.
Er hoffte, dass keine von ihnen in die Sache verwickelt war. Ana wäre am Boden zerstört, wenn sich herausstellen sollte, dass eine ihrer Freundinnen eine Mörderin sein könnte.
Er blätterte die Protokolle der ersten Befragungen durch, um sich noch einmal zu vergegenwärtigen, was er bereits wusste: Teresa hatte außerhalb ihrer Sprechzeiten einen Termin mit einer Patientin gehabt, die sie bezüglich eines möglichen Kaiserschnitts beraten wollte, weil die Geburt zu lange auf sich warten ließ. Carmen war im Fitnessstudio gewesen, zusammen mit zwei Dutzend Frauen aller Altersklassen. Candela lebte in Alicante und war mit ihrem Freund einkaufen gewesen. Rita war kurz vor acht bei Lenas Haus angekommen, das hatte ein Nachbar bestätigt. Zwischen sechs und halb acht war sie in einem Blumenladen und in einem Supermarkt gesehen worden, wo sie den Wein gekauft hatte, den sie ihrer Freundin mitbringen wollte. Und Ana verfügte zum Glück über acht Kinder und mehrere Mütter und Väter, die bezeugen konnten, dass sie das Haus nicht verlassen hatte.
Es sah ganz so aus, als würde man den Mörder außerhalb von Lenas engstem Freundeskreis suchen müssen. Und was konnte dann das Motiv sein? Geld sicher nicht. Sie hatte lediglich ein paar Ersparnisse auf dem Konto und die Wohnung, die nun ihr Sohn erbte. Liebe? David war seit Jahren im Polizeidienst und hatte schon viel erlebt. Er war nicht so blauäugig zu glauben, dass man nicht aus Liebe zum Mörder werden konnte, aber in Lenas Fall gab es darauf gar keine Hinweise. Rache? Wofür? In ihrer Jugend, als sie noch Magda hieß, war sie viel gereist und hatte viele Bekannte gehabt, aber Ana zufolge tauschte sie zuletzt nur noch E-Mails mit fernen Freunden und bekam nie Besuch. Und dass jetzt auf einmal jemand aus ihrer Vergangenheit aufgetaucht war, um mit ihr abzurechnen, war allzu unwahrscheinlich
Auf alle Fälle brauchte er Einblick in ihre Korrespondenz, also notierte er, dass er seinen Kollegen Arias beauftragen musste, die Mails auf ihrem Rechner durchzugehen und nachzusehen, ob sie sich regelmäßig in irgendwelche Chats eingeloggt hatte oder im Netz auf Partnersuche gewesen war. Dank der weitgehenden Anonymität im Internet gerieten in letzter Zeit viele in dunkle Machenschaften, die zunächst völlig harmlos aussahen. Aber wenn Lena ein Problem gehabt hätte, wäre sie damit zu ihren Freundinnen gegangen. Teresa wüsste es, denn sie wusste alles, was die Mädels betraf. Vor ein paar Jahren hatte sich einer der schlimmsten Ehekräche, die er je mit Ana gehabt hatte, ebendaran entzündet, dass Ana Teresa etwas erzählt hatte, das ihm viel zu intim schien, um es mit irgendjemandem zu besprechen.
Als Machado Teresa befragt hatte, hatte sie allerdings ausgesagt, Lena habe keine Probleme gehabt, sie sei sogar besonders glücklich gewesen, weil ihr Sohn, nachdem er seine Dissertation fertiggestellt und einen unbefristeten Arbeitsvertrag unterschrieben hatte, nun auch verheiratet war, mit einer Chinesin, wie es schien, und Kinder haben wollte. Natürlich konnte es sein, dass sie log. Sie könnte den guten Ruf ihrer Freundin schützen wollen, weil sie wusste, dass diese sich auf eine unsaubere Sache eingelassen hatte. Aber was sollte das sein?
Es ergab überhaupt keinen Sinn.
Schloss man die Beteiligung eines Unbekannten aus, hatte, so wie die Dinge lagen, nur Rita die Möglichkeit zu dem Mord gehabt. Wenn sie sehr schnell gewesen wäre, hätte sie gegen sieben in Lenas Wohnung sein können – nach dem Blumenladen und bevor sie den Wein kaufte –, um dann um kurz vor acht zurückzukommen und die Unschuldige zu mimen. Aber warum?
Er hatte das unbestimmte Gefühl, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Mord an Lena und dem Eintreffen von Rita Montero geben musste. Ana und die anderen benahmen sich seltsam, seit diese Frau nach dreißigjähriger Abwesenheit wieder im Dorf aufgetaucht war; und wenngleich er anfangs darin nur die natürliche Aufgeregtheit gesehen hatte, einer Freundin aus der Schulzeit wiederzubegegnen, aus der obendrein eine berühmte Filmregisseurin geworden war, beschlich ihn allmählich das dumpfe Gefühl, dass durch Ritas Ankunft in ihnen allen etwas in Unruhe geraten war. Bloß was?
Wenn er nur wüsste, was genau sich in den letzten zwei Wochen abgespielt hatte …, was zwischen den Frauen von Anas Clique Gesprächsthema gewesen war, dann hätte er wenigstens eine ungefähre Richtung für seine nächsten Schritte. Er musste herausfinden, warum Rita hergekommen war, worüber sie geredet hatten, auf welches Geheimnis die Notiz anspielte, die Lena oder wer auch immer auf ihrem Bildschirm hinterlassen hatte. Vielleicht brachte ihn das auch nicht weiter, aber mehr hatte er im Moment nicht.
Er stand auf, knüllte den Zettel mit den Pfeilen zusammen, sah, dass er soeben seine Notizen in den Papierkorb geworfen hatte, holte den Zettel wieder heraus, strich ihn glatt, verließ das Büro und machte sich auf die Suche nach Machado, damit der sämtliche Freundinnen Lenas noch einmal befragte.
»Die Gruppe ist ja doch sehr geschrumpft«, bemerkt Don Javier mit bedächtigem Nicken und sieht die wenigen Mädchen an, die während der Pause im Englischseminarraum zusammengekommen sind.
Sie erwidern erwartungsvoll seinen Blick. Das ganze Jahr haben sie Kinder gehütet, kleine Aufträge erledigt, die monatliche Schülerzeitung herausgebracht, Festivals organisiert und Eintritt kassiert, Freunden und Bekannten die Teilnahme an allen möglichen Gewinnspielen aufgeschwatzt, ganz zu schweigen von der Weihnachtslotterie, für die sie im Herbst von Haus zu Haus gezogen sind, um Lose zu verkaufen, mit dem einzigen Ziel, das Geld für die ersehnte Abiturfahrt zusammenzubekommen, und jetzt stellt sich heraus, dass von den zweiundzwanzig der Klasse nur die Clique der sieben Freundinnen, Reme und die drei aus Novelda übrig geblieben sind. Gerade mal die Hälfte.
Don Javier zieht die Liste hervor, fährt mit dem Finger langsam über die Namen und nickt wieder.
»Alles klar. Die Eltern von elf Schülerinnen haben mir geschrieben, dass ihre Töchter nicht mitkommen, demnach sind wir also vollzählig. Jetzt fehlt nur noch Doña Marisa, die jeden Moment hier sein muss.«
In diesem Augenblick geht die Tür auf, und die Englischlehrerin kommt herein, in der Hand ein belegtes Brötchen. Don Javier steht auf, überlässt ihr seinen Stuhl und holt sich einen anderen.
»Das wird super«, sagt sie lächelnd, nachdem sie die durchgestrichenen Namen auf Don Javiers Liste überflogen hat. »Da wir nur so wenige sind, genügt uns ein Kleinbus, und wenn ich mich nicht verrechnet habe, werden eure Eltern fast nichts drauflegen müssen.«
»Du hast doch nicht etwa vor, das ganze Geld für uns zu behalten, das gehört schließlich allen«, empört sich Don Javier.
Seine Kollegin sieht ihm ins Gesicht, schluckt den Bissen hinunter und erwidert lächelnd: »Aber klar doch. Das war von Anfang an so ausgemacht, weißt du nicht mehr? Was da ist, wird unter denen aufgeteilt, die mitfahren. Du und ich, wir behalten nichts davon, keine Angst, aber womöglich gibt uns die Schule ja einen kleinen Zuschuss. Telmo sagt, unsere Finanzlage sei dieses Jahr nicht schlecht, und wenn er und seine Frau die Jungengruppe begleiten …«
»Aber wir wohnen doch im selben Hotel, oder nicht?«, fällt ihr Carmen ins Wort.