Als der kleine Troll Tojok Geburtstag hatte, haben seine Eltern ein Lied gedichtet und es ihm vorgesungen. Der kleine Troll hat sich sehr darüber gefreut. Das Lied geht so:
Das Troll-Lied
Du bist mutig, du bist witzig,
Haare hast du grün wie Gras.
Deine Ohren, die sind spitzig,
und am liebsten machst du Spaß.
Du bist bekannt im ganzen Wald
bei Groß und bei Klein.
Ein Kater ist dein bester Freund.
Weißt du, wen ich mein?
Tojok, Tojok, kleiner Troll!
Tojok, Tojok, du bist toll!
Der Wald ist dein Revier,
dort kennst du jeden Baum,
dort kennst du jedes Tier!
Tojok, Tojok, kleiner Troll!
Tojok, du bist wirklich toll!
Ganz hinten im tiefen Wald steht ein Trollhaus. Darin wohnt Tojok, der kleine Troll, mit seinen Eltern.
Obwohl das Haus von außen ein bisschen wild aussieht mit seinen Mauern aus dicken Steinen, mit den Balken aus Holz und dem Dach aus Stroh, ist es eingerichtet wie ein Menschenhaus. Nur dass alles ein bisschen kleiner ist.
Da gibt es ein gemütliches Wohnzimmer mit drei Sesseln aus Weidenzweigen und einem dicken Baumstumpf als Tisch.
Natürlich gibt es auch eine große, gut eingerichtete Küche, in der mal die Mutter, mal der Vater kochen darf. Tojoks Mutter kann zwar viel mehr Gerichte als ihr Mann, aber der Sauerampfer-Salat mit jungen Löwenzahn-Blättern und kleinen Ringelblumen in Haselnussöl von Tojoks Vater ist wirklich sehr lecker.
Neben der Küche sind das Schlafzimmer der Eltern mit einem riesigen Doppelbett und daneben Tojoks Kinderzimmer.
Tojok ist ein ganz normaler Trolljunge. Das bedeutet, dass er lange, spitze Ohren hat, eine runde Nase und hochstehende grüne Haare.
Sein Vater versucht oft, Tojoks Haare zu kämmen, und macht sie sogar nass, um sie zu bändigen. Dann hängen sie links und rechts an seinem Kopf herunter.
Aber nach fünf Minuten, wenn die Haare trocken sind, sieht Tojok aus wie immer.
Am liebsten spielt Tojok draußen im Wald vor dem Haus. Manchmal allein, meistens aber zusammen mit dem Kater Mommo. Trolle können nämlich die Sprache der Tiere verstehen.
Mommo ist ein Wildkater, darauf ist er mächtig stolz. Seine Mutter ist eine echte Wildkatze.
Tojok und Mommo spielen oft Ich sehe was, was du nicht siehst. Weil wilde Katzen schärfere Augen haben als Trolle, gewinnt fast immer der Kater.
Kein Wunder, dass Tojok manchmal keine Lust mehr dazu hat. Dann schlägt er meistens vor: »Wir spielen lieber Ich höre was, was du nicht hörst!« Weil Trolle so große Ohren haben, kann Tojok genauso gut hören wie Mommo. Dieses Spiel geht meistens unentschieden aus.
Ab und zu schlägt Tojok auch vor, dass sie Buchstaben-Raten spielen. Dabei muss der eine den Buchstaben mit einem Stock in den Sandboden schreiben, und der andere muss sagen, wie der Buchstabe heißt. Tojok gewinnt fast immer. Er kennt immerhin schon elf Buchstaben.
Manchmal kommt der kleine Bär Bobo vorbei, mit dem Tojok auch ein bisschen befreundet ist. Er fragt dann: »Tokjo, darf ich mitspielen?« Oder er behauptet: »Kotjo, ich kenne mehr Buchstaben als du!« Das ist aber reine Angeberei. Er kennt nämlich gerade mal sieben.
Tojok ärgert sich jedes Mal ein bisschen, weil Bobo ständig seinen Vornamen verdreht.
»Du darfst mitspielen, wenn du endlich meinen Namen richtig aussprichst!«, sagt er deshalb.
Bobo antwortet dann so was wie: »Kein Problem, Tokok! Ich darf anfangen, ja?«
Der Kater Mommo kennt nur das M und das O. Das sind die beiden Buchstaben, aus denen sein Name besteht.
Das M erkennt er, weil er findet, dass es wie zwei Katzenohren aussieht. Das O erinnert ihn an ein Vogelei. Er frisst nämlich manchmal Vogeleier, auch wenn er das nicht gerne zugibt.
Heute spielt Tojok nicht mit seinen beiden Freunden. Heute hilft er seinem Vater beim Packen.
»Wie lange wirst du weg sein, Papa?«, fragt Tojok, als sie fertig sind.
»Mindestens zwei Wochen. Vielleicht sogar vier«, sagt Tojoks Vater. »Ich treffe mich mit ein paar Trollen aus dem Nachbarwald. Sie haben in den Bergen einen tiefen Schacht entdeckt. Da wollen wir nach Edelsteinen graben.«
»Darf ich mit?«, fragt Tojok.
»Leider nicht«, sagt sein Vater. »Viel zu gefährlich. Außerdem musst du deiner Mutter beistehen, wenn ich weg bin.«
Tojoks Vater schnallt sich einen mächtigen Rucksack auf den Rücken, umarmt noch mal seine Frau und Tojok, dann geht er los. Bevor er zwischen den hohen Bäumen verschwindet, winkt er noch einmal zurück.
»Hast du gehört, was Papa gesagt hat?«, fragt Tojoks Mutter.
»Was meinst du?«, fragt Tojok zurück.
»Dass du deiner Mutter beistehen sollst!«, sagt sie.
»Ja, und?«, fragt Tojok.
»Die Wohnung sieht sehr schmutzig aus. Findest du nicht?«, meint Tojoks Mutter.
»Nur ein bisschen«, sagt Tojok schnell. Er ahnt, was jetzt kommt.
Tojoks Mutter sagt: »Ich kenne jemanden, der oft mit schmutzigen Schuhen quer durch die Küche marschiert, sich ein Glas Waldbeeren-Saft einschenkt und damit nach draußen verschwindet. Rate mal, wer das ist!«
»Meinst du etwa mich?«, fragt Tojok.
»Gut geraten«, lobt seine Mutter. »Und deshalb wird dieser Jemand heute beim Hausputz helfen.«
Gleich darauf fangen Tojok und seine Mutter damit an.
Zuerst wird der Kühlschrank entwässert. Tojoks Vater hat ihn selbst gebaut und zusammengeschraubt. Im Winter wird der untere Teil mit Eis gefüllt. Das kühlt dann bis ins Frühjahr hinein. Jetzt im Sommer ist das Eis getaut und zu Wasser geworden. Das muss nun abgeschöpft werden. Dadurch hat man viel mehr Platz im Kühlschrank. Allerdings kühlt er dann nicht mehr und wird zu einem normalen Küchenschrank.
Als Tojok und seine Mutter mit dem Kühlschrank fertig sind, wischen sie den Küchenboden. Dann saugen sie im Wohnzimmer Staub mit einem handbetriebenen Staubsauger, den Tojoks Mutter erfunden und gebaut hat. Tojok durfte ihr dabei helfen.
Schließlich putzen sie die Fenster und holen Spinnweben von der Zimmerdecke.
Als sie endlich mit dem Hausputz fertig sind, sinkt Tojoks Mutter erschöpft in den großen Sessel. »Du hast ganz toll geholfen«, lobt sie Tojok. »Zur Belohnung darfst du dir wünschen, was für ein Abendessen ich uns heute koche. Das lassen wir zwei uns richtig gut schmecken.«
»Toll«, sagt Tojok.
»Und was wünschst du dir?«, fragt die Trollmutter.
»Ich weiß noch nicht. Ich muss erst mal darüber nachdenken«, sagt Tojok.
»Na gut. Lass dir aber nicht zu viel Zeit damit«, sagt sie. »Wenn es ein Essen ist, das lange im Backofen stehen muss, würde ich es gerne schon am Nachmittag erfahren. Abgemacht?«
»Abgemacht!«, antwortet Tojok. »Ich werde mir was Feines ausdenken.«
Zuerst einmal sucht Tojok seinen Freund Mommo. Er findet ihn gleich. Der Kater sitzt auf dem Hausdach.
Tojok klettert hoch, setzt sich neben ihn und sagt: »Ich darf mir aussuchen, was es heute bei uns zum Abendessen gibt.«
»Das ist gut«, sagt Mommo.
»Aber mir fällt nichts ein«, sagt Tojok.
»Das ist schlecht«, sagt Mommo.
Tojok fragt: »Was ist denn dein Lieblingsessen?«
Der Kater muss nicht lange überlegen. »Eine gut genährte, fette Maus«, antwortet er. »Es könnte aber auch ein Vogel sein. Die Vögel kriegt man nur so schlecht. Sie fliegen immer schnell weg. Ich ärgere mich jedes Mal, dass ich nicht fliegen kann.«
»Mach dir nichts draus«, sagt Tojok. »Ich bin auch nur ein einziges Mal geflogen.«
»Ehrlich? Richtig geflogen? Mit deinen großen Ohren als Flügel?«, fragt der Kater.
Tojok lacht. »Nein, ich bin mal hier vom Dach geflogen, als ich zu nah an den Rand kam.«
Mommo findet das gar nicht lustig. »Ha, ha. Das soll wohl ein Trollwitz sein?« Er ist ein bisschen ärgerlich. »Und? Weißt du jetzt, was du heute zu Abend essen willst?«
»Jedenfalls keine Maus«, sagt Tojok und klettert vom Dach.
»Du kannst ja mal den Biber fragen, ob der eine Idee hat!«, ruft ihm der Kater von oben nach. »Der wohnt unten am Bach. Vielleicht weiß er was Besseres als Mäuse.«
»Gute Idee!«, ruft Tojok zurück.
»Aber nimm dich unterwegs in Acht«, mahnt Mommo. »In unserem Wald treibt sich ein Hund herum. Der gehört nicht hierher, dieser Stinker. Der lebt bei den Menschen. Er könnte gefährlich sein!«
»Ich hab keine Angst vor Hunden«, behauptet Tojok. »Ich bin doch kein Wildkater!«
»Das soll wohl noch so ein Trollwitz sein«, sagt der Kater ärgerlich.
»Sei nicht gleich beleidigt!«, ruft Tojok und geht los.