„Dienstverhältnis – Teil 2“ von Benjamin Larus
herausgegeben von: Club der Sinne®, Eichenallee 26m, 16767 Leegebruch, April 2016
zitiert: Larus, Benjamin: Dienstverhältnis – Teil 2, 1. Auflage
© 2016
Club der Sinne®
Inh. Katrin Graßmann
Eichenallee 26m
16767 Leegebruch
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kontakt@club-der-sinne.de
Stand: 01. April 2016
Gestaltung und Satz: Club der Sinne®, 16767 Leegebruch
Coverfoto: © Mayer George/Shutterstock.com
Covergestaltung: Club der Sinne®
ISBN 978-3-95604-682-7
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Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden und volljährig.
Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.
Erfundene Personen können darauf verzichten, aber im realen Leben gilt:
Safer Sex!
Benjamin Larus
Dienstverhältnis
Teil 2
3. Dienstreise
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Nun sollte es also für mehrere Tage mit unserer Chefin nach Holland gehen. Im Nachhinein gab es mir ja schon zu denken, wie unausweichlich mir diese Nachricht binnen Sekunden einen brechend harten Ständer beschert hatte.
Zwecklos, es zu leugnen: Mochte ich auch unter turbulenten Umständen und ohne jede Berechnung in diese Affäre hineingepurzelt sein – mittlerweile war erheblich mehr daraus geworden als ein brisantes Abenteuer. Vor allem aber konnte ich weder meinem Liebsten noch mir selbst etwas vormachen, indem ich mich etwa als den unschuldigen, jungen Angestellten hinstellte, der sich nur wegen der existierenden Machtverhältnisse den Annäherungsversuchen seiner schätzungsweise doppelt so alten Vorgesetzten fügte und ihnen eigentlich lieber entflohen wäre. Nein, ich musste es endlich zugeben: Ich war schrecklich scharf auf diese Frau!
Trotzdem es mir an anderen Gelegenheiten zu befriedigendem Sex keineswegs mangelte, fieberte ich jeder Gelegenheit entgegen, es mit ihr zu treiben. Auch auf der anstehenden Tagung in den Niederlanden würden wir natürlich darauf achten müssen, nicht allzu vertraut miteinander umzugehen – alleine die Aussicht aber, für mehrere Tage rund um die Uhr in ihrer Nähe zu sein, ließ meine Blutzirkulation richtiggehend verrücktspielen, und darüber hinaus verließ ich mich ganz auf Frau Vollendorfs Organisationstalent. Sicher hatte sie längst dafür gesorgt, dass unsere Zimmer nicht allzu weit voneinander entfernt liegen würden.
Am Mittwoch, unmittelbar nach unserem Terrassenfick in Bad Homburg, hatte sie mich ja erstmalig ins Bild gesetzt. In den letzten beiden Tagen der Woche sah und hörte man in der Firma dann aber nicht viel von ihr, offensichtlich war sie voll und ganz mit der Ausarbeitung ihres Vortrags beschäftigt.
Fast hatte ich damit gerechnet, dass sie mich in dessen Vorbereitung einbinden würde, was ja nur logisch gewesen wäre angesichts unseres Vorhabens und somit einen unverdächtigen Grund geliefert hätte, einige Zeit zu zweit in ihrem Büro zu verbringen. Solange es aber tatsächlich ums Geschäft ging, hätte sie meine Gegenwart womöglich in ihrer Konzentration gestört. Außerdem nahm Frau Vollendorf wahrscheinlich nicht ganz zu Unrecht an, dass ich ihr in professioneller Hinsicht keine große Hilfe gewesen wäre.
Als ich am Freitagabend dann wieder einmal zu später Stunde einsam unseren Laden hütete und ihre Sekretärin mich beim Verlassen der Firma doch noch in die Chefetage hochbeorderte – halb mitleidig, halb feixend wie all die anderen Kolleginnen, bei denen sich natürlich längst herumgesprochen hatte, welch zweifelhafte Ehre mir in der folgenden Woche zuteilwürde – rechnete ich schlichtweg mit einer letzten, rein organisatorischen Instruktion. Ich wünschte Nadine seufzend einen schönen Urlaub, bevor ich um Punkt achtzehn Uhr die Eingangstür abschloss und mich in den zweiten Stock aufmachte.
„Ich werde Sie nicht lange aufhalten“, begrüßte mich die Chefin oben allerdings kurz angebunden, lief eilig um den Schreibtisch herum und schloss hinter mir die Tür ab. Als sie meinen darob verblüfften Blick bemerkte, zuckte sie entschuldigend die Schultern. „Ich weiß, ich weiß“, sagte sie, indem sie die paar Schritte zum Sofa hinüberstöckelte und sich an der Lehne abstützte, um die Schuhe auszuziehen. „Eigentlich habe ich gesagt: nicht mehr im Büro. Aber ich habe jetzt zwei Tage und Nächte praktisch durchgearbeitet. Mir raucht der Kopf, und wenn ich’s vor dem Wochenende nicht noch mal ordentlich besorgt kriege, bin ich am Montag zu nichts mehr zu gebrauchen. Auf, ziehen Sie sich aus und setzen Sie sich auf meinen Platz!“
Ihr Oberteil, eine weite, graue Bluse, landete flatternd auf dem Sofa, und schon griff sie beidseitig unter ihren recht kurzen Rock.
Ein paar Sekunden brauchte ich schon, um meine Verblüffung zu überwinden. All das hatte sie im selben Ton und in derselben, geschäftigen Eile von sich gegeben, als hätte sie etwas gesagt wie: Legen Sie die Post da auf den Tisch! Na, das hielt ja nicht lange vor mit ihren selbst aufgestellten Verhaltensregeln! Aber mir sollte es recht sein.
Im Nu war ich aus sämtlichen Klamotten gestiegen, hatte den heute mit außergewöhnlich viel Papier bedeckten Schreibtisch umrundet und mich in den breiten Sessel fallen lassen. Die Beine weit von mir gestreckt, das Haupt entspannt auf den linken Arm gebettet, hielt ich meinen senkrecht aufragenden Kolben an der Wurzel umfasst und demonstrierte wortlos volle Einsatzbereitschaft.
Auch der Chefin schien nicht nach vielen Worten zu sein, sie zog sich nicht einmal ganz aus: Den Rock wie eine Manschette um die Hüfte gerafft, trat sie mit entblößtem Po rückwärts an mich heran, schaute in einer kurzen Verrenkung vergewissernd hinter sich und fasste eigenhändig nach meinem pochenden Zauberstab, um dessen Spitze zwischen ihre schlüpfrigen Schamlippen zu führen. Dann ließ sie sich mit durchgedrücktem Kreuz einfach nach hinten sinken. Auf diese Weise zwischen meinen Beinen stehend, musste sie ihre Schenkel dabei ziemlich dicht beieinander halten, was ihr heißes Fleisch atemberaubend eng machte, als es sich auf mich stülpte. Wir stöhnten beide laut auf und genossen für einige Augenblicke das herrliche Gefühl, dann aber ging es auch schon los, und die Chefin warf sich keuchend in einen wilden Ritt.
Natürlich konnte ich nicht widerstehen, den direkt vor mir befindlichen Verschluss ihres Büstenhalters zu öffnen. Sie ließ es geschehen, schüttelte das Wäschestück ungeduldig ab und lehnte sich dann zurück an meine Brust, sodass ich ihr nach Herzenslust die schönen, vollen Titten kneten konnte. Sie genoss es, wand sich schreiend in meinen Armen, hörte selbst aber nie auf, ihren Unterleib zu bewegen, sich aufzubäumen, meinen Penis wie einen Quirl in sich rühren zu lassen. Und nach erschreckend kurzer Zeit – wie nötig musste sie es gehabt haben! – kam sie auch schon wild um sich schlagend zu einem denkbar heftigen Orgasmus.
Ebenso beeindruckend schnell und beinahe hastig stieg sie noch in den letzten Zuckungen von mir herunter, sank zwischen meinen Schenkeln auf die Knie und machte sich über meinen schier zerplatzenden, nass glänzenden Schwanz her, mit beiden Händen, mit Zunge, Lippen und allem, was ihr zur Verfügung stand. Ich war noch immer etwas perplex angesichts dieser ganzen Aktion und Frau Vollendorfs überwältigender Gier, fühlte mich geradezu hilflos – aber irgendwie war es auch wunderbar, sich so gedankenlos hinzugeben! Ich ließ den Dingen einfach ihren Lauf, war ein einziger, großer Schwanz, und schon bald fühlte ich die heiße Lava mit unaufhaltsamer Gewalt in mir emporkochen. Als alle Dämme brachen, schloss ich die Augen, warf den Kopf zurück und kümmerte mich um gar nichts mehr, ließ alles nur noch stöhnend geschehen und überantwortete mich voll und ganz den Händen meiner Chefin.
Wie wild wummerte mir der Puls in den Schläfen, und nachdem das Ärgste vorüber war, reckte ich benommen den Kopf und schaute an mir hinunter. Die Vollendorf hockte noch immer zwischen meinen Beinen, hielt mein bestes Stück an der Wurzel gepackt und blickte aus großen Augen aufmerksam, fast lauernd zu mir herauf. Sie hatte sich meinen Saft ganz offensichtlich und zweifellos mit voller Absicht mitten ins Gesicht schießen lassen. Demonstrativ langsam klaubte sie mit drei Fingern die üppigen, weißen Spuren von Wangen, Nase und Kinn, sah mir tief in die Augen dabei und verteilte den Rest genüsslich auf ihren nackten Brüsten. Ich langte benommen hin und half ihr, die noch immer glühend heiße Sahne einzumassieren. Wir lächelten uns zu, und ich kann nur sagen: Es ging mir verdammt gut.
„So ungefähr hab ich mir das vorgestellt“, flüsterte sie plötzlich. „Danke!“
„Stets zu Ihrer Verfügung!“, presste ich, noch ganz außer Atem, schwach hervor und versuchte ein schiefes Lächeln.
Sie gab sich einen Ruck und kam erstaunlich flink auf die Beine.
„Das hört man gerne“, erwiderte sie mit nun völlig klarer Stimme, halb abgewandt und in Gedanken wahrscheinlich längst wieder bei dem Kram auf ihrem Schreibtisch. „In der nächsten Woche werde ich mit Sicherheit darauf zurückkommen müssen ...“ Ein Zwinkern, das wohl verrucht aussehen sollte.
„Es bleibt dabei, Sie holen mich ab?“, fragte ich nach und reckte meine schweren Glieder.
„Montag früh gegen halb neun, ja“, bestätigte sie, indem sie schon wieder auf ihrem Laptop herumtippte. „Und am Freitag liefere ich Sie dann auch wieder ab.“
„Freitag?“, fragte ich überrascht. „Ich denke, die Tagung endet am Mittwoch?“
Sie blickte mit leicht gerunzelter Stirn zu mir herunter.
„Ach so, ja, das habe ich Ihnen noch nicht gesagt“, bekannte sie schulterzuckend. „Ich muss mir bei der Gelegenheit noch ein größeres Projekt unserer Firma ansehen, einen Ferienpark in Zeeland. Ist nur einen Katzensprung entfernt, aber den Donnerstag über sind wir dort noch mal beschäftigt. Am Freitag geht’s dann zurück.“
Ach, erfuhr ich das also auch schon. Einfach mal so zwei Tage drangehängt!
„Ist das ein Problem für Sie?“, fragte sie beiläufig nach, ohne sonderlich interessiert zu wirken.
Ich zuckte die Schultern, soweit mir dies in meiner noch immer hingefläzten Haltung in ihrem Sessel möglich war.
„Glaube kaum. Muss halt meinen Bewährungshelfer fragen“, murmelte ich knapp.
Ihr Blick zuckte rasch zu mir herüber. Als sie mein breites Grinsen sah, schüttelte sie mit streng zusammengezogenen Brauen den Kopf. Nein, Humor war wirklich nicht ihre Stärke.
***
Nach dieser überraschenden und schnellen Nummer am Freitagabend hatte ich also zwei volle Tage Ruhe vor meiner Chefin. Aber ich muss zugeben, dass ich den Montag kaum noch abwarten konnte – ich freute mich wie ein kleines Kind!
Das lag keineswegs nur an meiner Geilheit und meiner gespannten Neugier darauf, wie sich die Zeit an Frau Vollendorfs Seite wohl gestalten würde. Ein Tapetenwechsel ist grundsätzlich nie zu verachten, und alles, was ich mir im Internet über unser Tagungshotel in der Nähe von Utrecht angesehen hatte, ließ ein für meine Verhältnisse geradezu mondänes Ambiente für unsere Tage dort erwarten. Was das Ganze für mich jedoch perfekt machte, war die Tatsache, dass es eben nach Holland ging.
Ich werde ja nicht müde zu wiederholen: Vorurteile sind immer falsch, und zwar negative wie positive. Aber was die Niederlande betrifft, so habe ich nun einmal eine vielleicht nicht angeborene, aber doch in früher Kindheit verwurzelte Schwäche für alles, was mit diesem kleinen Land und seinen Bewohnern zu tun hat.
Diese nostalgisch verklärte Zuneigung kommt bei vielen Gelegenheiten zum Vorschein, etwa wenn ich jemanden mit diesem entzückenden Akzent lecker sagen höre – ein Wort, dass mir die Deutschen eigentlich viel zu oft verwenden, aber bei den Holländern klingt es einfach allerliebst (ich denke dann immer an den Satz: wat een lekker meisje!). Oder wenn ich irgendwo zu Tee oder Kaffee eingeladen werde und man unvermutet eine Tasse in Delfter Blau vor mich hinstellt.
Natürlich, wird manch einer jetzt denken, der kleine Schwuli schmeißt sich jedes Jahr in orangefarbene Reizwäsche und feiert in der Szene seinen Koninginnetag. Na gut, hab ich auch schon gemacht, zugegeben, aber das ist es gar nicht, was ich in erster Linie mit diesem Land verbinde, genauso wenig wie all das andere, das im Hinblick auf die liberale, um nicht zu sagen lose Handhabung gewisser Dinge vielen Europäern dazu einfällt. Wohl bin ich auf einem Kurzausflug mit meinem Guido schon durch die Amsterdamer Warmoesstraat flaniert und war beeindruckt; auch die Schaufenster rund um die Oude Kerk, hinter denen die teilweise sehr ansehnlichen Nutten nur auf mich zu warten schienen, habe ich mir aufmerksam betrachtet. Aber all diese vermeintlichen Verlockungen haben mich ebenso wenig gereizt wie die berühmten Koffieshops.
Eingedenk meiner schönsten Kindheitserinnerungen begeisterte ich mich zu Guidos Belustigung wesentlich mehr für die bezaubernden Fassaden entlang der Grachten, für Appeltaart, Pfannkuchenhäuser und Verkehrsschilder mit so goldigen Wörtern wie Bromfietsen, für die Farben, Gerüche und Menschen, die ich unauslöschlich mit diesem Land verbinde.
Hauptverantwortlich für diese Prägung meinerseits dürften zwei Urlaube sein, die ich als Kind dort verbrachte und die mir in bester Erinnerung geblieben sind. Der erste war tatsächlich der Einzige, den ich je gemeinsam mit meinen Eltern und zumindest zwei meiner älteren Geschwister unternahm, und ich war gerade einmal drei Jahre alt. Ich habe vielleicht schon einmal erwähnt, dass ich in der Familienplanung eigentlich nicht vorgesehen war und in für unsere Buchhandlung wirtschaftlich schwierigen Zeiten äußerst ungelegen kam, aber dieses eine Mal hatten meine Eltern sich wohl noch einmal einen Ruck gegeben und etwas Preisgünstiges auf einem Campingplatz am Ijsselmeer organisiert. Gerade weil so etwas in der Folge nicht mehr drin war, blieben mir diese ein oder zwei Wochen besonders eindrücklich und gewiss reichlich verklärt in Erinnerung. Die zweite Reise in dieses schöne Land verdanke ich einem Schulfreund beziehungsweise dessen Eltern, die wohl um unsere schwierige Situation wussten und sich meiner erbarmten, indem sie mich einluden, zwei Wochen mit ihnen in einem Bungalow in Zeeland zu verbringen. Und das waren mit Sicherheit die schönsten Ferien, an die ich mich erinnern kann.
Als wir an jenem Montagmorgen nun unter wolkenlosem Himmel auf der Autobahn dahinbrausten, ließ ich in meinem Kopf alles Revue passieren, was mir von diesen früheren Aufenthalten noch in Erinnerung war. Meine freudige Erregung muss mir wohl deutlich anzumerken gewesen sein, denn obwohl Frau Vollendorf über ihre Aufgaben als Chauffeurin hinaus sicherlich in Gedanken bei ihrem Vortrag war, schaute sie irgendwann amüsiert zu mir herüber und fragte knapp:
„So unruhig, junger Mann? Reisefieber? Oder – wie sagten Sie neulich – Stangenfieber?“
„Beides, muss ich zugeben.“
Schuldbewusst grinste ich vor mich hin, um sie dann ungeniert abzumustern. Das ärmellose, graublaue Kleid wirkte etwas legerer als die ewigen Businesskostüme aus Blazer und Rock, dennoch würde sie sich auch darin in seriöser Runde sehen lassen können. Ihre weiblichen Vorzüge kamen allemal bestens zur Geltung, besonders jetzt, da die glatten, langen Beine sich unter dem weit heraufgerutschten Saum energisch zu den Pedalen reckten.
„Meine Güte, Sie sind wirklich schlimm!“, stieß sie kopfschüttelnd hervor, aber ihrer Mimik und Körpersprache war deutlich anzumerken, dass auch sie den kommenden Tagen mit einer Spannung entgegensah, welche sich nicht alleine mit der durchaus großen Bedeutung erklären ließ, die diese Dienstreise für sie und unsere Firma haben konnte.
„Wie auch immer, jetzt kommt erst mal die Arbeit!“, rief sie uns beide dennoch mit strenger Miene zur Ordnung. „Greifen Sie mal hinter sich und nehmen Sie meinen Laptop! Wir sollten die Zeit nutzen und meinen Vortrag durchgehen.“
Seufzend tat ich, wie mir geheißen, und war aufs Neue beeindruckt von der Multi-Task-Fähigkeit dieser Frau. Es schien ihr keinerlei Probleme zu bereiten, sich Absatz für Absatz durch das umfangreiche Referat zu arbeiten (dabei offenbar sogar die grafischen Darstellungen detailliert vor Augen habend), während sie gleichzeitig unser Schiff bei rasantem Tempo souverän an Lastern, Langsamfahrern und Baustellen vorbeilenkte, ohne dass ich mich jemals unsicher gefühlt hätte. Dagegen geriet ich selbst wesentlich schneller und deutlicher an meine Grenzen.
Zum einen konnte ich nur schwer mein Entsetzen darüber verhehlen, dass sie den ganzen Vortrag natürlich auf Englisch halten würde – was mir eigentlich hätte klar sein müssen, jedoch wieder einmal die Grenzen meiner beruflichen Qualifikation vor Augen führte, genauer gesagt: meiner Qualifikation und meines Interesses, denn abgesehen von meiner erschreckenden Unkenntnis vor allem der wirtschaftlichen Realitäten unseres Metiers wurde ich schon bald von einem regelrechten Widerwillen gepackt, mich ernsthaft auf die Materie zu konzentrieren. Zum anderen vermochte ich schlichtweg nichts dagegen zu tun, dass ich, anstatt den anfangs noch eher wohlwollenden, schließlich jedoch mehr und mehr ungeduldigen Erläuterungen meiner Chefin konzentriert zu folgen, nur noch an ihre Brüste und ihren Schoß denken konnte, die keine Armeslänge von mir entfernt und nur durch wenige Schichten dünnen Stoffs bedeckt meiner Berührung harrten. Meine kaum zu verbergenden Konzentrationsschwierigkeiten, die mehr und mehr in offensichtlichen Unwillen übergingen, und Frau Vollendorfs Ärger darüber schaukelten sich in einer Weise hoch, dass ich irgendwann nur noch den Laptop zuklappen und einen abgrundtiefen Seufzer ausstoßen konnte.
„Tut mir leid, Chefin, ich fürchte, wir müssen das hier abbrechen“, bekannte ich und legte den Kopf weit zurück auf die Nackenstütze. „Mir ist ein bisschen schlecht.“
Das war nicht gelogen, denn tatsächlich erinnerte mich mein zunehmend flaues Magengefühl an jenes, welches ich schon als Kind regelmäßig bei den Versuchen verspürt hatte, auf einer Autofahrt zu lesen.
„Was, auch das noch?“, entfuhr es ihr, und sie warf mir einen halb ernüchterten, halb tadelnden Blick zu, der wirklich Bände sprach.
„Tut mir leid. Ich weiß, ich bin Ihnen keine große Hilfe“, fasste ich ihre Gedanken zusammen.
Tatsächlich schämte ich mich ein bisschen. Da ließ ich mich von dieser an die zwanzig Jahre älteren Frau über die Autobahn chauffieren, erhielt gleichzeitig beschämende Nachhilfe in Wirtschaftsenglisch und den Grundbegriffen unseres Berufszweiges und brachte nicht einmal die Konzentration auf, die Eckpunkte ihres klar gegliederten, hochprofessionellen Vortrags zu erfassen. Stattdessen machte ich schlapp. Was war ich doch für ein Weichei!
Frau Vollendorf blickte starr auf die Fahrbahn und schwieg einige grausame Sekunden lang, während ich mir über die kalte, schweißnasse Stirn wischte und mir die Krawatte lockerte (jawohl, um mir nur ja keine Blöße zu geben, hatte ich mich auch für diese Fahrt standesgemäß gekleidet). Grausam war dieses kurze Schweigen deswegen, weil ich den Eindruck hatte, dass sie nicht wusste, wie sie mir glaubhaft widersprechen konnte. Ein schneller Protest wäre zumindest höflich gewesen, aber selbst eine humorvolle Zustimmung hätte mich weniger frustriert als diese Sekunden ratloser Stille. Schließlich räusperte sie sich.
„In diesen Dingen wahrscheinlich nicht“, gab sie nüchtern zu, ohne mich anzusehen. „Aber ich selbst predige ja immer, man soll jeden Mitarbeiter entsprechend seinen Fähigkeiten einsetzen, nicht wahr? Umgekehrt sollte man aber wahrscheinlich auch realistisch bleiben und ihm keine Aufgaben übertragen, die so gar nicht mit seinen … hm … Talenten harmonieren. Ist wohl so.“
„Himmel, Sie wollen mir wohl auch noch den letzten Rest Selbstbewusstsein nehmen!“, stöhnte ich. „Am besten, Sie fahren mich gleich zurück oder lassen mich an der nächsten Raststätte aussteigen ...“
Frau Vollendorf schaute mit leicht erhobener Nase zu mir herüber, ließ sich zu einem anzüglichen Zwinkern herab und berührte kurz mein Knie.
„Lassen Sie nur!“, sagte sie halb gönnerhaft, halb tröstend. „Ihre Talente auf anderen Gebieten sind erwiesenermaßen so ausgeprägt, dass Sie diese Defizite mehr als ausgleichen. Und ich bin sicher, dass Sie mir auch in den nächsten Tagen damit sehr dienlich sein können. Das andere überlassen Sie nur mir!“
Ich fühlte mich gleichermaßen beruhigt wie herabgesetzt. Mit welchen Worten pflegten mein Liebster und ich uns bisweilen zu frotzeln, wenn einer von uns sich auf Gebieten versuchte, die ihm augenscheinlich nicht lagen? „Sieh schön aus, ansonsten halt den Mund!“
Was Guido wohl dazu gesagt hätte, dass seine und die Einschätzung meiner Chefin bezüglich meiner Person so nahe beieinander lagen?
***
Von einer kurzen Pause abgesehen, in der wir uns nach dem Toilettengang in merkwürdig verlegener Stimmung bei einem kleinen Imbiss gegenübersaßen, fuhren wir in einem Rutsch bis Utrecht durch und erreichten unser Hotel schon am frühen Nachmittag.
„Na, wunderbar“, bemerkte die Chefin mehr zu sich selbst, als sie unseren Mercedes in einer schwungvollen Kurve vor den Eingang des stattlichen Glaskastens lenkte. „Da haben wir ja noch bequem Zeit, uns ausgiebig vorzubereiten.“
Die Art und Weise, wie sie dabei ihr Äußeres im Rückspiegel musterte, ließ vermuten, dass sie damit weniger die fachliche Vorbereitung meinte. Ich fand ihr Äußeres auch nach der langen Fahrt noch tadellos (der Klimaanlage sei Dank!), hatte aber natürlich Verständnis dafür, dass sie sich für die Leute von der Konzernleitung noch einmal gründlich in Form bringen wollte.
Der moderne, dreistöckige Hotelkomplex lag weit außerhalb der Stadt mitten im Grünen und hätte von seinem Äußeren her sicher keinen Architekturpreis für innovative Gestaltung gewonnen: Als ich aber, nachdem ich unseren Mercedes auf den Parkplatz hatte fahren dürfen, die Halle betrat, war ich doch sehr beeindruckt von deren Weitläufigkeit und der Atmosphäre selbstverständlicher Gediegenheit.
Die blitzblanken Böden, die edlen Materialien der Geländer und Stufen, alleine die verschwenderische Anlage der sich quer durch die Lobby ziehenden, offenen Treppe zu den Galerien der oberen Stockwerke ließen mich ehrfürchtig erschauern. Hinzu kam die keinesfalls hektische, aber doch ernsthaft-konzentrierte Stimmung professioneller Geschäftigkeit, mit welcher zum Beispiel hinter der Rezeption sogleich Haltung angenommen wurde, als ich mich näherte. Frau Vollendorf, die bereits bedient wurde, wies mit kurzem Seitenblick darauf hin, dass es sich bei mir um ihren Mitarbeiter handelte, was mit einem entspannten Lächeln und einem Schritt zurück quittiert wurde. Alles unbeirrt freundlich.
Da ich mich mit meiner Rolle als dekorativer Kofferträger fürs Erste abgefunden hatte, konnte ich die Formalitäten des Eincheckens getrost der Chefin überlassen. Ohnehin hätte ich dabei sicherlich nicht die beste Figur gemacht, denn meine Erfahrungen waren auch auf diesem Gebiet gleich Null.
Hotels oberhalb einer gewissen Kategorie, das war eine mir unbekannte, womöglich sogar von einem Nimbus der Dekadenz umgebene Welt, von der ich bislang vor allem aus finanziellen Gründen ausgeschlossen gewesen war. Urlaube, Reisen, das hatte es in meinem bisherigen Leben sowieso nur in überschaubarer Zahl gegeben, und dann war es auf Jugendherbergen, Campingplätze, allenfalls mal auf Ferienhäuser oder – etwa bei unserem Kurztrip nach Amsterdam – auf billige Absteigen hinausgelaufen. Das deutlich verstärkte Herzklopfen, das ich verspürte, als ich nun mit gebührendem Abstand zu meiner Chefin neben unserem Gepäck wartete und mich an dem reizenden Akzent der deutsch sprechenden Empfangsdame erfreute (ohne auf den Inhalt ihrer Worte zu achten), hatte somit sicher auch den Grund, dass ich neues, aufregendes Terrain betrat. Die Unsicherheit, ob ich mich mit der gebotenen Weltgewandtheit auf ihm zu bewegen wissen würde, wich schnell einer kindlichen Neugier und Vorfreude auf mein erwartungsgemäß ebenfalls luxuriöses Zimmer, auf Speisesaal, Schwimmbad und andere Vorzüge des Hotels, von denen ich mir im Internet nur einen ungefähren Eindruck hatte verschaffen können.
Darüber hinaus aber wäre ich nicht ich selbst gewesen, hätten meine umherschweifenden Blicke nicht auch sogleich die hier verkehrenden Lebensformen einer neugierigen Betrachtung unterzogen. Es mögen mit Bediensteten und Gästen durchaus an die zwanzig, fünfundzwanzig Leute in Blickweite gewesen sein, aber in derart weiträumigen Dimensionen verloren diese sich so sehr, dass die Halle einen zwar keineswegs ausgestorbenen, aber doch eher ruhigen Eindruck vermittelte.
Die Gäste schienen in Unterzahl und zudem zu neunzig Prozent der Gattung der international gleichen Business-Klone anzugehören – unsere und womöglich gleichzeitig stattfindende, andere Tagungen warfen ihre Schatten voraus. Noch allerdings waren es nur zwei Grüppchen eher junger Anzugträger, die abseits stehend Smalltalk hielten, dazwischen waren einzelne Gäste derselben Spezies mit ihren Trolleys unterwegs zu Fahrstuhl oder Rezeption. Ein älterer Herr im offenen, bunten Hemd, der in der mittigen Sitzgruppe einsam Zeitung las, fiel dagegen richtig auf.
Apropos Auffallen: Nicht nur aufgrund jener mangelnden Ausstrahlung der Hotelgäste bezog ich die geschäftig umherwuselnden Bediensteten durchaus in meine Betrachtungen ein, auch wenn diese durch ihre Uniformierung und sicherlich irgendwelchen Hausregeln unterworfenen Frisuren einen ebenfalls eher unauffällig-geglätteten Gesamteindruck vermittelten. Und das war gut so. Ich kann nicht mehr sagen, wer wen zuerst ins Auge fasste – meinem Empfinden nach war es ein absolut gleichzeitiger, intensiver Blickkontakt.
Er kam flinken, geschäftigen Schrittes die Treppe von der Galerie heruntergeeilt und ließ seinen Blick routiniert über die Lobby schweifen, während ich zu ihm hinaufschaute, und so blieben wir aneinander hängen. Drei, vier Sekunden wohl nur, dann hätte er stehen bleiben oder sich den Hals verrenken müssen, um den Kontakt zu halten, aber die Intensität des Augenblicks ging wohl an keinem von uns spurlos vorüber.
Seine Uniform aus schwarzer Hose und Fliege, weißem Hemd und knallroter Weste wies ihn als Hotelbediensteten aus, wobei mir nicht sofort klar war, welche Aufgabe er genau erfüllte. Das Wort Page geisterte mir durch den Kopf – sagte man das überhaupt noch? Ich verband diesen Begriff vage einerseits mit Felix Krull (hatte der nicht aber den Lift bedient?), andererseits mit Spirou in seiner rot-schwarzen Uniform und jenem typischen, schildlosen Käppchen mit seitlichen Goldknöpfen.
Mein triebgesteuerter Intellekt stellte sogleich Überlegungen an, wie es sich wohl arrangieren ließe, genau diesen jungen Mann unser Gepäck aufs Zimmer bringen zu lassen. Aber ganz abgesehen von meiner anerzogenen Scheu, sich von anderen Menschen den Koffer tragen oder überhaupt irgendwie bedienen zu lassen, musste ich schnell einsehen, dass dies offensichtlich nicht zu seinen Aufgaben gehörte. Die wenigen Gäste oder ihr Gepäck keines weiteren Blickes würdigend, durchquerte der Kerl mit fast arrogant emporgerecktem Kinn die Halle und verschwand hinter einer doppelflügeligen Tür an deren hinterem Ende. Noch bevor sie hinter ihm zuschwang, erhaschte ich einen Blick auf einen beeindruckend knackigen, kleinen Hintern.
Was hatte mich so alarmiert außer der Intensität jenes ersten Blickes? Der war übrigens durchaus nicht nur aufgrund seiner beinahe frechen Direktheit so eindrucksvoll gewesen, schuld daran war auch die für solch einen eher dunklen Typen außergewöhnliche hellblaue Färbung dieses Augenpaars.
Erst als er den Fuß der Treppe erreicht hatte, erhielt ich einen ungefähren Eindruck von den absoluten Dimensionen seines Körpers. Er war nicht sonderlich groß (ich schätzte ihn auf vielleicht einsachtundsiebzig, einsneunundsiebzig), sein Körperbau durchaus sportlich – eher drahtig als muskulös, jedenfalls bestimmt nicht bullig, mit schlanker Taille, ausgewogenen Proportionen von Schultern, Brustkorb und Hüften und geschmeidig in seinen Bewegungen.
Was mich über diese erfreulichen Eckwerte hinaus aber besonders gefangen nahm, war sein ausdrucksstarkes Gesicht. Der Kurzhaarschnitt mit fast völlig glatt rasierten Seiten und einem etwas üppigeren Haarpelz auf der Schädeldecke entsprach durchaus der Mode, besonders schneidig aber wirkten seine dank der ausgeprägten Wangenknochen ohnehin kantigen Züge durch einen sorgsam getrimmten Bart, der in schmalen Ausläufern von den Koteletten an den Kieferknochen entlang zum Kinn verlief. Dort war ansonsten nur der übliche, kleine Rest im Schatten der Unterlippe stehengeblieben, auf der Oberlippe gar lag nicht mehr als ein dezenter Flaum. Ein dergestalt umrahmtes Gesicht kann leicht nackt wirken oder an einen alten Seebären erinnern, aber dieser flotte Kerl wurde dadurch, so mein Eindruck, nur noch männlicher und markanter.
Eine eindrucksvolle Erscheinung, konnte ich nur feststellen, aber zu weitergehenden Betrachtungen war bei dieser ersten Begegnung keine Zeit. Zum einen hatte der Typ, wie gesagt, die Halle denkbar schnell durchquert und war verschwunden, zum anderen stand auf einmal meine Chefin neben mir und holte mich mit einer Berührung an der Schulter in die Realität zurück.
„Na, gefällt es Ihnen hier?“, fragte sie wohlwollend, aber schon wieder mit einer gewissen Anspannung in den konzentrierten Zügen. „Kommen Sie, wir nehmen den Aufzug.“
Was mich gerade eben am meisten beeindruckt hatte, war ihr sicherlich entgangen. Aber ich gebe zu, als ich jetzt für nur wenige Sekunden – unsere Zimmer lagen im ersten Stock – neben Frau Vollendorf im Fahrstuhl stand und mein Blick in ihr Dekolleté fiel, war auch ich geneigt, die Begegnung mit dem knackigen Pagen einstweilen beiseitezuschieben. Eher fragte ich mich jetzt, wie wir es geschafft hatten, die ganze Fahrt über so dicht nebeneinander zu hocken und die Finger bei uns zu behalten.
Sie fand sich auf Anhieb zurecht und schien genau zu wissen, wohin wir uns wenden mussten. Ich folgte ihr auf einem langen Flur um zwei Ecken herum bis fast an sein hinterstes, durch eine wandhohe Glasscheibe begrenztes Ende. Sie stoppte an der vorletzten Tür, reichte mir dann eine Magnetkarte und wies auf die letzte.
„Das ist Ihres“, bemerkte sie knapp. „Entspannen Sie noch ein bisschen, um vier geht es los. Meetingraum Floris. Aber wir gehen ja zusammen runter.“
Indem sie die Karte über das Schloss zog und ihre Tür aufschnappen ließ, warf sie mir aus halb geschlossenen Lidern noch einen Blick zu, dem zum ersten Mal so etwas wie Erschöpfung nach der langen Fahrt anzumerken war.
„Ich muss jetzt erst mal durchatmen und mich in eine halbwegs vorzeigbare Verfassung bringen“, bekräftigte sie seufzend. „Bis dann!“
Damit schnappte sie ihren Trolley, entschwand mit zwei, drei ungewohnt schlurfenden Schritten ins Zimmer, ließ vor meiner Nase die Tür zufallen und mich damit alleine auf dem menschenleeren Flur zurück.
Gut, Benjamin, da wärst du nun also mit dir alleine; auch was wert, einmal ganz seine Ruhe zu haben. Schauen wir uns also erst mal das Zimmer an.
Nachdem ich die Tür im dritten Versuch (gar nicht so einfach, das mit der Magnetkarte!) endlich aufbekommen hatte, war mein erster Gedanke beim Blick in den Raum: Da hat jemand vergessen, den Fernseher auszuschalten. Als ich jedoch mitsamt meinem Koffer eingetreten und die Tür hinter mir zugefallen war, gewahrte ich erst den Wortlaut des Bildschirmtextes: „Welcome to the H... Hotel, Mr. Schrott!“, gefolgt von überschwänglichen Wünschen für einen angenehmen Aufenthalt. Wie ich inzwischen weiß, ist so etwas gängige Praxis in Hotels dieser Kategorie und technisch sicher kein Problem, dennoch war ich schon mal beeindruckt.
Der Flachbildfernseher fügte sich übrigens genauso passend in das edel-gepflegte Erscheinungsbild des in gediegenen Brauntönen gehaltenen Zimmers ein wie sämtliche anderen Möbel und Geräte. Minibar, ein Bügelautomat, es schien an nichts zu fehlen, und das riesige Doppelbett wirkte so einladend, dass ich spontan meine Schuhe von mir warf und mich so, wie ich war, in Anzug und Krawatte mit einem wahren Hechtsprung mitten auf die Matratze warf. Aber kaum hatte ich mich einmal behaglich rekelnd von der einen Seite auf die andere gewälzt, hielt es mich schon nicht mehr zwischen Kissen und Decken, und ich sprang ungeduldig auf, um voll kindlicher Entdeckerlust das Badezimmer zu erkunden.
Es gab sowohl Duschkabine als auch Badewanne, großflächige, blitzsaubere und angenehm ausgeleuchtete Spiegel oberhalb eines stabilen Waschtischs. Hier konnte man es aushalten. Während meine ungläubigen Blicke über die ordentlich vor dem Spiegel aufgereihten Packungen und Flakons unterschiedlichen Inhalts schweiften, wanderte meine Hand wie von selbst zu meinem Krawattenknoten. Endlich ausziehen!
Als ich nach dem Tod meiner Oma wieder ins Haus meiner Eltern ziehen musste, hatte ich dort für einige Jahre (gefühlte Jahrzehnte!) kein eigenes Zimmer. Und als mein jüngster Bruder dann endlich auszog, hatte ich dennoch selten das Gefühl, unbeobachtet, für mich zu sein, was gerade mit fünfzehn, sechzehn ein ziemliches Problem sein kann. Möglichst bald genug Geld zu verdienen, um unabhängig sein und mir eine auch noch so kleine, eigene Wohnung leisten zu können, war deshalb eines meiner dringendsten Bedürfnisse, und eine ganz bestimmte Angewohnheit steht mit dieser Phase meiner Jugend gewiss in direktem Zusammenhang: Sowie eine Tür hinter mir zufällt und ich mich ungestört weiß, verspüre ich das unbesiegbare Verlangen, mich nackt auszuziehen und an mir herumzuspielen. Wenn es sich obendrein um eine für mich neue Umgebung handelt, kommt womöglich noch das etwas skurrile Bedürfnis hinzu, diesen Raum gewissermaßen einzuweihen, indem ich erst einmal ausgiebig masturbiere.
Man mag das psychologisch einordnen, wie man will. Jedenfalls streifte ich, kaum fünf Minuten, nachdem ich mein Zimmer bezogen hatte, behaglich seufzend Kleidungsstück für Kleidungsstück ab, während ich gemächlich im Zimmer umherschlenderte, und ließ mich schließlich mit nacktem Hintern auf die Bettkante fallen. Für einen Moment genoss ich gleichzeitig den Blick aus dem Fenster, unter welchem sich in geringer Entfernung offensichtlich ein saftig grüner Golfplatz erstreckte, und das Gefühl meines warmen Schwanzes, den ich mir gedankenverloren gegen den Schenkel schlug. Dann sank ich mit einem lang gezogenen Laut des Wohlbehagens weit auf die Matratze zurück und streckte mich in die Länge wie ein schnurrender Kater.
Mein Gesicht kam direkt neben dem hoteleigenen, zu einem runden Paket geschnürten Bademantel zum Liegen, der am Fußende für mich bereitlag. Ich steckte meine Nase mitten in den weichen, weißen Frotteestoff, und irgendwas an dessen Duft erfüllte mich mit dem Wunsch, mich voll und ganz darin einzuhüllen.
Ohne aufzustehen und unter recht akrobatischen Verrenkungen schaffte ich mich Ärmel für Ärmel hinein und rollte mich schließlich ein wie die berühmte Wurst im Schlafrock. Meinen knochenharten Ständer hielt ich durch den Stoff hindurch fest gepackt. Als ich gerade daranging, die Penishaut hin und her zu schieben, und überlegte, ob ich dieses frische Wäschestück denn tatsächlich gleich einsauen sollte, fiel mein Blick am Rande der Kapuze vorbei auf eine Klinke an der Wand neben dem Fernseher: eine Verbindung zum Nachbarzimmer!
Mit einem unternehmungslustigen Gluckser war ich innerhalb einer Sekunde auf den Beinen, hatte einen diskret angebrachten Riegel beiseitegeschoben und zog die schmale Tapetentür weit auf. Dahinter lag eine weitere Tür, und als ich ohne zu zögern die Klinke niederdrückte und sie verschlossen fand, klopfte ich sogleich energisch an die hölzerne Füllung. Dahinter meinte ich einen überraschten Laut zu hören.
„Herr Schrott, sind Sie das? Was wollen Sie?“, erklang Frau Vollendorfs vertraute, zwischen Überraschung und Unwillen schwankende Stimme.
Ohne zunächst zu antworten, ließ ich drei Schläge mit geballter Faust folgen.
„Aufmachen!“, forderte ich lautstark, und der Gehorsam ließ nicht auf sich warten.
Nach dem Klacken des Riegels öffnete sich die Tür zunächst nur einen Spalt, aber ich verschaffte mir ohne viel Federlesens Platz und schob meine Chefin einfach zur Seite.
„Meine Güte, wollen Sie das ganze Hotel zusammentrommeln?“, fragte sie mehr fassungslos als verärgert, und es war schnell klar, dass ich sie ganz und gar auf dem falschen Fuß erwischt hatte.
Ihr verdutztes Gesicht war sehenswert und bereitete mir eine gewisse, diebische Schadenfreude. Es läuft halt nicht immer alles nach Ihrem genauen Plan, Frau Chefin!
Die Haare hingen ihr ungeordnet auf die Schultern, sie war barfuß unterwegs, und, siehe da, auch sie hatte sich in den hoteleigenen Frotteemantel gehüllt. Der gut sichtbare Ansatz ihrer vollen Brüste ließ vermuten, dass sie darunter nackt war, aber aus der Dusche weggeholt hatte ich sie wohl nicht: Die Brille auf ihrer Nase und der aufgeklappte und eingeschaltete Laptop auf dem Schreibtisch wiesen darauf hin, dass sie doch noch nicht ganz hatte abschalten können.
„Sie arbeiten ja schon wieder!“, tadelte ich mit gespielter Strenge. „Jetzt lassen Sie doch mal locker! Haben Sie nicht selbst gesagt, wir haben Zeit?“
Sie seufzte und schaute scheinbar beiläufig an mir herunter. Ich hatte mir den Gürtel fest zugezogen, die Revers über meiner nackten Brust aber standen weit offen. Ich sah es sehr wohl aufflackern in ihrem Blick, ging aber nicht darauf ein.
„Was wollen Sie?“
Von der Tür aus sah sie ungeduldig zu, wie ich ein paar Schritte ins Zimmer hineinging und mich ohne Eile umsah.
„Na, ich bin neugierig“, gab ich schulterzuckend zurück. „Wollte mal sehen, ob Sie auch so ein schönes Zimmer haben wie ich. Ihres ist ja sogar noch ein Stück größer ...“
„Ja, meines ist ...“
Sie wurde durch einen anerkennenden Pfiff meinerseits unterbrochen, denn im selben Moment hatte ich einen Blick ins Badezimmer geworfen und die größte Duschkabine entdeckt, die ich jemals gesehen hatte – im Grundriss bestimmt über zwei Quadratmeter groß.
„... barrierefrei“, ergänzte sie lächelnd, als sie mein Erstaunen sah.
Richtig, auch die Konstruktion der Toilette nebenan zeigte, dass dieses Zimmer ganz und gar auf Menschen mit Behinderung zugeschnitten war. Möglicherweise war meines von der Idee her für einen etwaigen Betreuer reserviert, deshalb vielleicht auch die Verbindungstür. Wie auch immer.
„Wahnsinn, in der Dusche kann man ja 'ne Party feiern“