Geschichten vom weiten Norden und ewigen Eis
Übersetzt von Annika Klapper, Niels-Arne Münch und Andreas Udo Schmidt
Herausgegeben von Andreas Udo Schmidt
Der Westen und Nordwesten
Überlieferungen der Tahltan
Als der Lachs ausblieb
Erzählungen der Eskimo
Die Cree-Legende von Wisukatcak
Überlieferungen der Shushwap
Bericht eines Rituals der Cree und Blackfeet: Der letzte Sonnentanz
Das Seeungeheuer Ogopogo
Der Nordosten und Sankt-Lorenz-Strom
Legenden vom Sankt-Lorenz-Strom
Überlieferungen der Mi’kmaq
Erzählungen der frühen französischen Siedler
Erzählung der Algonquin über Träume
Französisch-Kanadische Gruselgeschichten
Lieder der Akadier
Der Süden und die Great Lakes
Überlieferungen der Ojibwe
Bericht eines Ojibwe-Rituals
Beschreibungen des Pionierlebens
Erzählungen der Kainai
Erzählungen der Blackfoot
Legende der Irokesen über Atotarho
Lieder der Great Lakes
Ukrainisch-Kanadische Märchen
Isländisch-Kanadische Pula-Gedichte
Jiddisch-Kanadische Kindergeschichten
Nachwort
Quellennachweis
Hauptquellenwerk
Bildnachweis
von James A. Teit1
Am Ufer des Meeres lebten einige Menschen. Unter ihnen war ein Mann mit magischen Kräften, der nicht bei seiner Frau wohnte. Er erlaubte keinem anderen Mann, sich ihr zu nähern, und bewachte sie sehr genau. Er hatte eine verheiratete Schwester, die einen Sohn gebar, der schnell heranwuchs.
Als er alt genug zum Reisen war, fragte der Onkel die Mutter des Jungen um Erlaubnis, seinen Neffen mit auf die Jagd zu nehmen, und sie stimmte zu. Gemeinsam fuhren sie mit dem Kanu aufs Meer hinaus. Als sie ein Stück gefahren waren, sagte der Mann dem Jungen, er solle sich in den Bug des Kanus setzen. Dann ließ er es schwanken, bis der Junge ins Wasser fiel und ertrank. Der Mann kehrte zu seiner Schwester heim und erzählte ihr, der Junge sei über Bord gefallen und ertrunken.
Seine Schwester bekam einen weiteren Sohn, und als dieser groß genug war, bat sein Onkel die Mutter, den Jungen auf die Jagd gehen zu lassen. Er ertränkte ihn auf die gleiche Weise. So tötete er jeden Sohn seiner Schwester. Schließlich gebar sie abermals einen Sohn. Dies war Rabe. Er spielte auf andere Weise als die anderen Kinder. Es bereitete ihm Freude, Holzspielzeuge in der Form von Kanus, Menschen, Fischen und anderen Dingen zu schnitzen und er spielte anschließend mit ihnen. Als Rabe noch ein kleiner Junge war, forderte sein Onkel die Mutter mehrfach auf, ihm zu erlauben, auf die Jagd zu gehen. Mehrfach weigerte sie sich und sagte: »Er ist mein letztes Kind und ich will es nicht verlieren.« Schließlich sagte der Junge zur Mutter: »Lass mich gehen! Mir wird nichts Schlimmes widerfahren.« Da gab sie nach und er zog los. Vor dem Aufbruch versteckte er unter seinem Umhang ein Spielzeug-Kanu.
Sein Onkel trug Rabe auf, sich in den Bug des Kanus zu setzen und ließ es wanken, bis der Junge ins Wasser fiel. Eine Weile verbarg er sich unter der Oberfläche, bevor er, nachdem er zurück an die Oberfläche gekommen war, das Spielzeug-Kanu zur Größe eines echten Kanus anwachsen ließ und mit ihm nach Hause paddelte. Sein Onkel war zuvor eingetroffen und hatte seiner Schwester erzählt, dass ihr Sohn ertrunken und genauso töricht gewesen sei, wie ihre anderen Söhne vor ihm. Kurz darauf traf der Junge ein und berichtete seiner Mutter alles, was geschehen war. Er sagte: »Mein Onkel tötete meine Brüder auf die gleiche Weise, wie er versucht hat, mich zu töten.« Sie war froh, dass er heimgekommen war, denn sie hatte ihn tot geglaubt.
Einige Zeit später forderte der Onkel die Mutter auf, den Jungen abermals auf die Jagd zu lassen. Sie erlaubte es, und der Junge zog los. Sein Onkel versuchte, ihn zu ertränken, aber er entkam auf die gleiche Weise wie beim ersten Mal. Der Onkel fragte ihn noch ein drittes Mal, aber diesmal weigerte er sich zu gehen und sagte: »Du versuchst immer, mich zu töten.« Sein Onkel ging allein auf die Jagd, und als er weit draußen auf dem Meer war, rannte der Junge zum Haus der Frau seines Onkels und spielte mit ihr. Er bemerkte, dass sie stets die Arme gesenkt am Körper hielt. Er kitzelte sie, damit sie ihre Arme bewegte. Schließlich packte er ihren Unterleib und da hob sie die Arme. Ein Blauhäher flog aus einer ihrer Armbeugen und ein Specht aus der anderen. Sie starb sofort. Ihr Ehemann wusste sofort, dass etwas nicht in Ordnung war und kam nach Hause. Als er fand, dass seine Frau tot und die Vögel fortgeflogen waren, wurde er sehr wütend und jagte den Jungen, um ihn zu töten. Der setzte sein kleines Kanu ins Wasser. Sofort nahm es die Maße eines großen Kanus an, der Junge stieg ein und entkam.
Seitdem nennt man ihn Rabe. Er begann, durch die Welt zu reisen und kehrte nie mehr an den Ort seiner Geburt zurück.
Zu jener Zeit gab es weder Tageslicht noch Sonne, Mond oder Sterne. Rabe kam zu einem Dorf und fragte die Menschen, ob sie irgendetwas sehen könnten. »Nein«, lautete die Antwort. »Aber ein Mann hat Tageslicht und verwahrt es in einer Kiste in seinem Haus. Sobald er den Deckel öffnet, ist sein Haus hell erleuchtet.« Die Menschen konnten nicht viel arbeiten, denn es war stets Nacht. Rabe fand heraus, wo Tageslicht-Mann wohnte, und ging zu dessen Haus. Der Mann kontrollierte auch Sonne, Mond und Sterne. Rabe betrat sein Haus und kam wieder heraus. Er plante, wie er Tageslicht für sich selbst und das Volk bekommen könnte.
Tageslicht-Mann hatte viele Sklaven und eine Tochter. Sie war schon seit drei Jahren eine Frau, unterzog sich aber noch immer den Riten, die einem Mädchen in der Pubertät oblagen. Sie lebte abgeschieden in einer Nische des Hauses in einem eigenen Raum und wurde streng überwacht. Jeden Tag trank sie aus einem weißen Eimer, und jedes Mal untersuchte sie vor dem Trinken das Wasser, um zu sehen, ob irgendetwas darin wäre. Stets brachten die Sklaven das Wasser. Rabe verwandelte sich in ein Zedernblatt, das in dem von einem Sklaven herbeigetragenen Wassereimer schwamm. Das Mädchen bemerkte es und warf das Blatt fort. Rabe nahm wieder seine normale Gestalt an. Am nächsten Tag verwandelte er sich in ein sehr kleines Zedernblatt und versteckte sich im Wasser. Das Mädchen schaute ins Wasser, und da sie nichts fand, trank sie es und nahm Rabe so in sich auf. Im folgenden Monat menstruierte sie nicht. Nach drei Monaten begann sie zu schwellen. Als ihre Mutter dies bemerkte, fragte sie, ob sie noch immer nicht menstruiere. Sie antwortete, seit drei Monaten keine Menstruation gehabt zu haben. Ihre Mutter erklärte: »Du erwartest ein Kind. Du hast bei einem Mann gelegen.« Die Eltern befragten sie, doch die leugnete, einen Mann empfangen zu haben. Sie konnten sich auch nicht vorstellen, wie dies hätte möglich sein sollen, da sie doch so streng bewacht worden war. Nach neun Monaten gebar sie einen Sohn. Obwohl er keinen Vater hatte, beschlossen die Eltern des Mädchens, den Jungen aufzuziehen und als ihr Enkelkind anzuerkennen. Sie versprachen, wenn sie verriet, wer der Vater des Kindes war, würden sie erlauben, dass er ihre Tochter heirate, ihren Schwiegersohn gut behandeln, und alles wäre gut. Doch sie beharrte darauf, nie bei einem Mann gelegen zu haben.
Der Junge wuchs schnell heran und konnte schon bald sprechen und herumlaufen. Sein Großvater liebte ihn sehr. Eines Tages weinte er sehr und wollte mit dem Mond spielen. Sein Großvater befahl, den Mond herabzuholen und dem Jungen zu geben. Der Junge war zufrieden und spielte mit dem Mond, bis es ihm überdrüssig wurde und man ihn wieder aufhängte. Nach einiger Zeit begann der Mond, den Jungen zu langweilen. Er weinte sehr und sagte, er wolle die Sonne. Sie wurde ihm gegeben, und er spielte mit ihr, bis es ihm überdrüssig wurde. Dann gab er sie zurück und die Leute hängten sie wieder auf. Nach einiger Zeit begann die Sonne, den Jungen zu langweilen und er verlangte nach dem Großen Bären (den Sternen). Er durfte nun mit diesen Dingen spielen, wann immer er wollte. Viel später, als er sich stark fühlte, verlangte er das Tageslicht. Sein Großvater fürchtete sich davor, es ihm zu geben, denn es verbreitete so viel Licht, und wann immer es hervorgeholt wurde, arbeiteten Sonne, Mond und Sterne im Einklang damit, denn das Tageslicht war ihr Anführer. Schließlich durfte der Junge dennoch mit dem Tageslicht spielen. Aber wann immer er es tat, war sein Großvater unruhig. Wenn der Junge das Tageslicht emporhob, erschien viel Licht, und je höher er es hielt, desto strahlender wurde das Tageslicht. Bei diesen Gelegenheiten, wenn der Junge das Tageslicht in die Höhe reckte, sagte der alte Mann, »Eh, eh!«, als ob er verletzt oder sehr nervös war. Der Junge balancierte das Tageslicht in seinen Händen, um sich daran zu gewöhnen, es zu tragen.
Schließlich kam der Tag, an dem er sich stark genug fühlte für die Tat, die er sich vorgenommen hatte. In jede Hand nahm er je zwei seiner Spielzeuge und balancierte sie aus. Er fühlte, dass er sie leicht tragen konnte. Dann, in einem Moment, als niemand hinschaute, flog er mit ihnen durch das Rauchloch hinaus. Er warf das Tageslicht von sich und verkündete: »Von nun an soll Tageslicht sein und die Menschen sollen sehen, und arbeiten und reisen. Nach der Dämmerung wird die Sonne aufgehen, und wenn sie untergeht, kommt die Nacht. Dann werden sich die Menschen ausruhen und schlafen, denn es wird schwer sein, zu arbeiten und zu reisen. Dann werden der Große Bär und der Mond reisen und Licht geben. Diese Dinge sollen nie wieder einem Einzigen allein gehören oder an einem Ort unter Verschluss gehalten werden. Sie sollen zum Nutzen und Vorteil aller sein.« Er warf das Tageslicht in den Norden, die Sonne in den Osten, den Mond nach Westen und den Bären in den Süden. Seit es Tageslicht gibt, erheben sich die Menschen und das Wild mit dem Tageslicht und legen sich bei Einbruch der Nacht zur Ruhe.
Nun rief Rabe alle Vögel zu einem großen Fest. Jeden bemalte er auf andere Weise – die Falken, die Eulen, die Adler, die Häher und alle Vögel, Groß und Klein. Dem Rotkehlchen malte er einen roten Fleck auf die Brust. Den Blauhäher malte er blau an und flocht sein Haar zu einem Knoten auf dem Kopf. Auch das Haar des Kragenhuhns band er zum Knoten. Dem Seeadler malte er den Kopf, Nacken und Rücken weiß, den Rest jedoch schwarz. Und so bemalte er alle Vögel auf unterschiedliche Weise. Er sagte den Vögeln: »Ich rief euch zu einem Festmahl. Nun will ich den Bären zerteilen und euch bewirten.« Doch er änderte seine Meinung und wollte sie nun nicht mehr bewirten. Stattdessen steigerte er sich in einen Rausch und wollte sie jagen. Die Vögel erschraken und rannten davon. So behielten sie die Farben, mit denen er sie bemalt hatte, bis zum heutigen Tag. Diejenigen Vögel, deren Haar zum Knoten gebunden worden waren, tragen heute Kämme.
Einst waren der Baum und der Stein schwanger und die Geburt stand kurz bevor. Die Baum-Frau hielt sich an einem Ast oder Balken fest, wie auch Menschenfrauen es tun, doch die Stein-Frau hielt sich nirgendwo fest. Als es halb geboren war, verwandelte sich ihr Kind in einen Stein und starb. Kurze Zeit danach kam Rabe vorbei und fand die beiden Frauen. Er sprach: »Es tut mir leid. Ich kam zu spät. Wäre ich hier gewesen, wäre dies nicht passiert. Nun müssen die Menschen sterben, weil Baum ein Kind gebar, aber Stein nicht.« Hätte Stein ein Kind geboren aber Baum nicht, würden die Menschen niemals sterben. Dann wären Menschen wie die Steine und würden ewig währen. Doch so, wie die Dinge sind, sind Menschen wie die Bäume. Wie manche Bäume leben einige Menschen bis ins hohe Alter, vermodern und sterben. Andere hingegen sterben schon bevor sie ganz ausgewachsen sind, wie die Bäume, die stürzen, ohne je Moder anzusetzen. So kommt der Tod wie bei den Bäumen zu Menschen jeden Alters und niemand lebt sehr lange.
Die Menschen hatten Angelleinen ausgeworfen, konnten jedoch keinen Fisch fangen. Ihre Köder, ja selbst ihre Haken und Leinen verschwanden. Eines Nachts hielten einige von ihnen Wache und behielten die Leinen in den Händen. Einer von ihnen fühlte eine Bewegung, riss an seiner Leine und erwischte Rabe bei der Nase, denn er war es, der all die Köder aufgegessen hatte. Die Fischer zogen die Leine so schnell ins Kanu, dass Rabe keine Zeit blieb, seine Nase zu befreien. Da er sich aber nicht fangen lassen wollte, zog er in die Gegenrichtung und riss sich die Nase ab. Die Leute stellten fest, dass sie eine Nase gefangen hatten, wussten aber nicht, zu wem sie gehörte. Sie brachten die Nase in ihr Dorf und gaben sie einem ihrer Häuptlinge, der ein weiser und reicher Mann war. Alle kamen zu seinem Haus, um die Nase anzuschauen, aber niemand erkannte sie.
Anstelle seiner Nase nahm Rabe einen Klumpen Pech, formte und färbte ihn. Dann ging er, seinen Hut tief ins Gesicht gezogen, ins Dorf. Er betrat das erste Haus. Die Leute sagten: »Du bist ein Fremder.« Er antwortete: »Ja, ich komme von einem anderen Ort.« Sie fragten ihn, aus welchem Land er käme und warum er gekommen sei. Er antwortete: »Oh, ich bin aus einem fernen Land gekommen, weil ich etwas gehört habe.« Sie fragten ihn, was er gehört habe. »Ich hörte, ihr habt etwas gefangen.« Sie antworteten: »Ja.« Er sagte: »Ich hörte, es ist ein sehr seltsamer Gegenstand. Ich will ihn sehen. Ich bin weit gereist, um dieses seltsame Ding zu sehen.« Sie wiesen ihn zum nächsten Haus. Auf diese Weise ging er durch alle Häuser, stellte dieselben Fragen und erhielt dieselben Antworten. Schließlich betrat er das Haus des Häuptlings. Dort hatten sich viele Menschen versammelt. Der Häuptling zeigte ihm die Nase und fragte ihn, ob er sie wiedererkennen würde. Rabe nahm sie in die Hand und untersuchte sie sehr lange und gründlich, während er zugleich seine Verwunderung über dieses seltsame Ding beteuerte. Als ein Moment kam, in dem die Leute abgelenkt waren, flog er mit der Nase durch das Rauchloch hinaus, setzte sich auf die obersten Zweige eines Baums und befestigte sie wieder an seinem Körper. Deshalb trägt die Nase des Raben heute ein Muster, als sei sie abgebrochen gewesen.
von Pauline Johnson
Die »Wanderung« dieses Jahr war äußerst ertragreich gewesen, und inzwischen neigte sich die Rotlachssaison dem Ende zu. Deshalb wunderte ich mich mehr als einmal, warum meine alte Freundin, die ›Indianerin‹, sich keiner Fangflotte angeschlossen hattewar. So unermüdlich und arbeitsam wie sie war, machte sie für gewöhnlich sogar ihrem Mann, einem vortrefflichen Lachsfänger, Konkurrenz, und das gesamte Jahr über hatte sie kaum von etwas anderem als der bevorstehenden Wanderung gesprochen. Und dennoch befand sie sich ausgerechnet diesen Herbst nicht unter ihresgleichen. Die Fangflotten und Fischfabriken hatten nichts von ihr gehört, und jedes Mal, wenn ich jemanden aus ihrem Stamm fragte, erhielt ich lediglich die Antwort: »Sie ist dieses Jahr nicht dabei.«
An einem rotgoldenen Nachmittag im September aber sah ich sie schließlich. Ich war den Weg entlanggeschlendert, der vom Schwanenbecken bis um den Rand der Stromschnellen führt, als ich ihr elegantes, bogenförmiges Kanu erblickte, auf dem Weg zu dem Strand, wo die Tilikums2 der Mission am liebsten anlandeten. Ihr Kanu wirkte wie aus einem Traum, das Wasser ganz still, und über allem lag ein dünner, blauer Schleier, weil der Torf auf Lulu Island seit Tagen schwelte, sodass sein stechender Geruch und blaugrauer Dunst Meer, Ufer und Himmel in eine surreal anmutende Landschaft verwandelten.
Eilig lief ich am Ufer entlang, rief ihr in der Sprache der Chinook einen Gruß zu, und als sie mich hörte, hob sie das Paddel direkt über ihren Kopf als ›indianischen‹ Gruß.
Nachdem sie angelegt hatte, begrüßte ich sie, streckte die Hand aus, um ihr an Land zu helfen, denn die ›Indianerin‹ nähert sich allmählich einem fortgeschrittenen Alter; trotzdem paddelt sie noch wie ein junger Kerl gegen den Tidenstrom.
»Nein«, sagte sie, als ich sie bat, ans Ufer zu kommen. »Ich werde warten – ich. Ich komme nur, um Maarda abzuholen. Sie war in Stadt, sie bald kommen – jetzt.« Allerdings gab sie bei diesen Worten ihre aufrechte »Arbeits«-Haltung auf und hockte sich wie ein Schulmädchen in den Bug ihres Kanus, die Ellenbogen auf dem Paddel, das sie auf dem Dollbord abgelegt hatte.
»Ich habe dich vermisst, Indianerin. Drei Monde lang bist du nicht zu mir gekommen, hast weder gefischt noch bist du in der Konservenfabrik aufgetaucht«, bemerkte ich.
»Nein«, sagte sie. »Ich bleibe dieses Jahr zu Hause.« Dann beugte sie sich zu mir und fügte mit einer gewissen Bedeutungsschwere in ihrer Gestik, in ihren Augen und in ihrer Stimme hinzu: »Ich habe ein Enkelkind, in der ersten Juliwoche geboren, darum – bleibe ich.«
Das war also der Grund für ihre Abwesenheit. Selbstverständlich gratulierte ich ihr und erkundigte mich nach diesem besonderen Ereignis, denn schließlich war es ihr erstes Enkelkind und somit ist die kleine Person überaus wichtig.
»Und, wirst du aus ihm einen Fischer machen?«, fragte ich.
»Nein, nein, kein Jungen-Kind, es ist Mädchen-Kind«, antwortete sie mit einem gewissen unbeschreiblichen Gesichtsausdruck, der mich erahnen ließ, dass es ihr so lieber war.
»Du freust dich, dass es ein Mädchen ist?«, fragte ich überrascht.
»Sehr«, antwortete sie voller Überzeugung. »Ein Mädchen als erstes Enkelkind, sehr großes Glück. Unser Stamm ist nicht wie eurer; wir wollen Mädchen-Kinder zuerst. Wir wünschen nicht immer Knaben, geboren nur fürs Kämpfen. Deinen Leuten geht es nur um den Kriegspfad; unser Stamm ist friedlicher. Erstes Enkelkind ein Mädchen ist gutes Zeichen. Ich sage dir warum: Ein Mädchen-Kind wird vielleicht selbst eines Tages Mutter, Mutter sein ist große Sache.«
Ich fühlte, dass ich den geheimen Kern ihrer Gedanken verstanden hatte. Sie freute sich, dass dieses Kind eines Tages eine der Mütter ihres Volkes werden sollte. Wir sprachen noch etwas länger, wobei sie mehrmals Sticheleien gegen meinen Stamm austeilte, der das Muttersein viel weniger schätzte als ihrer, und dafür Schlachten und Blutvergießen umso mehr. Dann schweiften wir ab zu dem Rotlachs und hyiu chickimin3, das die ›Indianer‹ kriegen würden.
»Ja, hyiu chickimin«, wiederholte sie und seufzte zufrieden. »Immer, und hyiu muck-a-muck4, wenn große Lachswanderung. Hauptsache, das schlechte Jahr ganz ohne Fisch kommt nie wieder.«
»Wann war das?«, fragte ich.
»Vor deiner Geburt, und meiner, und«, dabei zeigte sie über den Park in Richtung Vancouver – eine Stadt, die an diesem Septembernachmittag Wohlstand und Schönheit ausstrahlte – »vor der Geburt dieses Ortes, bevor der weiße Mann herkam, oh, lange davor.«
Ach, liebe ›Indianerin‹! Ihr trüber Blick verriet mir, dass sie wieder ins Land der Legenden zurückgekehrt war und mein Schatz an ›Indianersagen‹ schon bald noch reicher sein würde. Sie saß, stützte sich immer noch auf das Paddel, die Augen halb geschlossen, den Blick auf die Umrisse der verschwommenen Berge auf der anderen Seite der Bucht gerichtet. Ich werde nicht weiter versuchen, ihr gebrochenes Englisch wiederzugeben, somit ist das hier lediglich ein trüber Spiegel ihrer Geschichte, die Legende ist ohne ihre persönliche Note, eine Blume, der es an Farbe und Duft zugleich fehlt. Sie nannte die Geschichte »Als die Lachswanderung ausblieb«.
Die Frau des Großen Tyee5 war ein blutjunges Mädchen, doch damals war einfach alles jung, selbst der Fraser River war jung und schmal, nicht der breite Strom von heute; doch der rosafarbene Lachs bevölkerte dessen Rachen schon damals, und die Tilikums fingen, pökelten und räucherten den Fisch so, wie sie es auch dieses Jahr taten und wie sie es immer tun werden. Der Winter war gekommen, die Regenfälle prasselten schräg herab und Nebelschwaden zogen über das Land, als sich die Frau des Großen Tyee vor ihn hinstellte und sagte:
»Vor der Lachswanderung werde ich dir ein großes Geschenk machen. Wirst du mir dankbarer sein für ein Jungen-Kind oder ein Mädchen-Kind?« Der Große Tyee liebte die Frau. Er war streng mit seiner Familie, streng zu seinem Stamm, leitete die Feuer-Versammlungen mit steinhartem Willen. Sein Medizinmann sagte, er trage kein menschliches Herz in seiner Brust; seine Kämpfer sagten, es fließe kein menschliches Blut in seinen Adern. Und doch umschloss er die Hände dieser Frau, und sein Blick, seine Lippen, seine Stimme waren so sanft wie die ihren, als er ihr antwortete:
»Schenke mir ein Mädchen-Kind – ein kleines Mädchen-Kind –, damit sie heranwächst und so wird wie du, und damit auch sie wiederum ihrem Ehemann Kinder schenkt.«
Als jedoch die Stammesmitglieder von dieser Wahl hörten, waren sie vor Ärger ganz aufgebracht. Voller Empörung umzingelten sie ihn in einem tiefen Kreis. »Du bist dieser Frau ein Sklave«, verkündeten sie, »und jetzt willst du dich zum Sklaven eines Frau-Kindes machen. Wir wollen einen Erben – ein Mann-Kind, der in den kommenden Jahren unser Großer Tyee wird. Wenn du alt und der Stammesangelegenheiten müde bist, wenn du in deine Decke gehüllt in der warmen Sommersonne sitzt, weil dein Blut alt und dünn ist, was kann ein Mädchen-Kind da für dich oder uns schon tun? Wer soll dann unser Großer Tyee werden?«
Und der Große Tyee stand mit verschränkten Armen inmitten dieses bedrohlichen Kreises, das Kinn stolz emporgereckt, der Blick felsenfest. Mit eiskalter Stimme entgegnete er:
»Vielleicht wird sie euch ein solches Mann-Kind schenken, und dann gehört jenes Kind euch; er wird euch gehören, nicht mir. Er wird dem Volk gehören. Aber wenn das Kind ein Mädchen wird, wird sie mir gehören – sie wird mein sein. Ihr könnte sie mir nicht wegnehmen, so wie ihr mich von der Seite meiner Mutter weggenommen und mich gezwungen habt, meinen gealterten Vater zu vergessen, um dem Stamm zu dienen. Sie wird mir gehören, die Mutter meiner Enkelkinder sein und ihr Mann wird mein Sohn sein.«
»Dir geht es nicht um das Wohl deines Stammes. Sondern nur um deine eigenen Wünsche«, protestierten sie. »Wenn die Lachswanderung nun kläglich ausfallen sollte, dann werden wir kein Essen haben, und wenn es dann kein Mann-Kind gibt, werden wir keinen Großen Tyee haben, der uns zeigt, wie wir von anderen Stämmen Essen bekommen, und somit werden wir verhungern.«
»Eure Herzen sind finster und blutleer«, erwiderte der Große Tyee darauf mit donnernder Stimme. Kampfbereit blickte er sie an: »Und eure Augen sind geblendet. Wollt ihr, dass der Stamm vergisst, wie bedeutend ein Kind ist, das eines Tages selbst Mutter sein und euren Kindern und Enkelkindern einen Großen Tyee schenken wird? Sollen die Menschen leben, wachsen und gedeihen, sollen sie sich vermehren und mächtiger werden ohne Mütter, die zukünftige Söhne und Töchter zur Welt bringen werden? Euer Geist ist tot, eure Hirne kalt. Doch selbst in dieser Ignoranz seid ihr noch meine Familie: Ihr und eure Wünsche müssen Beachtung finden. Ich werde alle großen Medizinmänner zusammenrufen, alle Hexenmeister und alle Zauberer. Sie sollen entscheiden, was passiert, je nachdem, ob es ein Jungen- oder ein Mädchen-Kind wird. Was sagt ihr dazu, ihr ach so mächtigen Männer?«
Entlang der Küste wurden Botschafter ausgesandt, den Fraser River hinauf und mehrere Meilen ins Landesinnere hinein, zu den Tälern, um all die weisen Männer einzuberufen, die sie finden konnten. Noch nie zuvor waren so viele Medizinmänner in einem Rat vereint. Sie machten große Feuer, tanzten und sangen mehrere Tage lang. Sie riefen die Götter der Berge, die Götter des Meeres an, bis sie schließlich eine »Eingebung« hatten. Sie stellten die Stammesmitglieder vor eine Wahl, und der älteste Medizinmann aus der gesamten Küstengegend erhob sich und verkündete ihren Beschluss:
»Der Stamm kann nicht alles haben. Sie wollen ein Jungen-Kind und eine ertragreiche Lachswanderung. Sie können nicht beides haben. Der Safalie Tyee, der große Mann der Magie, hat uns gezeigt, dass diese beiden Dinge zu Arroganz und Egoismus führen. Also muss der Stamm sich für eines entscheiden.«
»Ihr sollt wählen, ihr unwissenden Stammesmitglieder«, befahl der Große Tyee. »Die weisen Männer unserer Küste haben gesagt, dass das Mädchen-Kind eines Tages selbst Kinder zur Welt bringen und uns reichlich Lachs zum Zeitpunkt ihrer Geburt schenken wird, während ein Jungen-Kind lediglich sich selbst zu euch bringen wird.«
»Vergesst den Lachs«, riefen die Stammesmitglieder da, »aber schenkt uns einen neuen Großen Tyee. Schenkt uns ein Jungen-Kind.«
Und als das Kind geboren wurde, war es ein Knabe.
»Unheil wird euch heimsuchen«, wehklagte der Große Tyee. »Ihr habt eine Mutter verschmäht. Ihr werdet Unheil erfahren, an Hunger und Armut leiden, o ihr törichten Menschen! Wusstet ihr denn nicht, wie bedeutend ein Mädchen-Kind ist?«
In jenem Frühling reisten die Mitglieder dutzender Stämme zur Lachswanderung an den Fraser River. Sie kamen von weither – aus den Bergen, von den Seen, von den fernen trockenen Gebieten, doch kein einziger Fisch fand sich in den breiten Flüssen an der Pazifikküste. Die Stammesmitglieder hatten sich entschieden. Sie hatten vergessen, welche Ehre ihnen eine Mutter gebracht hätte. Sie hatten ihre Nahrung verspielt. Sie lebten in großer Armut. Im folgenden Winter litten sie Hunger. Seitdem ist die bevorstehende Geburt eines Mädchen-Kindes für unseren Stamm ein Grund zur Freude – wir wollen kein Jahr mehr, in dem der Lachs ausbleibt.
Als die ›Indianerin‹ ihre Geschichte beendet hatte, hob sie die Arme von dem Paddel, ihr Blick ließ von den verschwommenen Konturen der violett gefärbten Berge ab. Sie war wieder zurück in diesem guten Jahr – ihre Legendenwelt war verschwunden.
»Vielleicht«, fügte sie hinzu, »verstehst du jetzt, warum ich mich über ein Enkelin freue. Es bedeutet viel Lachs im nächsten Jahr.«
»Das ist eine wunderschöne Geschichte«, sagte ich, »und mich erfüllt eine diebische Freude, wenn ich daran denke, dass eure weisen Männer die Menschen für ihre törichten Entscheidungen bestraft haben.«
»Das liegt daran, dass du selbst ein Mädchen-Kind bist«, sagte sie und lachte.
Hinter mir hörte ich das leiseste Huschen eines Schrittes. Als ich mich umdrehte, stand Maarda fast neben mir. Mit steigender Flut löste sich das Kanu vom Uferboden, und als Maarda einstieg und die ›Indianerin‹ nach hinten rutschte, trieb es aufs Wasser hinaus.
»Kla-how-ya«, verabschiedete sich die ›Indianerin‹ und nickte mir zu, als sie das Paddel geräuschlos eintauchte.
»Kla-how-ya«, sagte auch Maarda lächelnd.
»Kla-how-ya, Tilikums«, erwiderte ich und schaute ihnen noch eine Weile nach, während das Kanu mit ihnen davontrieb, bis es schließlich in der verschwommenen Ferne mit dem Violett und Grau des anderen Ufers verschmolz.
von Franz Boas6
An einer einsamen Küste lebte einst ein Inung mit seiner Tochter Sedna. Seine Frau war schon lange tot und die beiden führten ein bescheidenes Leben. Sedna wuchs zu einem hübschen Mädchen heran und von überall her kamen die jungen Männer und warben um ihre Hand. Doch keinem gelang es, ihr stolzes Herz zu rühren. Schließlich – zu jener Zeit, wenn im Frühling das Eis bricht – flog ein Eissturmvogel heran und lockte Sedna mit einem verführerischen Lied. »Komm mit mir«, flüsterte er, »komm ins Land der Vögel, wo es nie Hunger gibt und mein Zelt aus den allerschönsten Fellen besteht. Du wirst auf weichen Bärenfellen ruhen. Meine Gefährten, die Eissturmvögel, werden dir alles bringen, was dein Herz begehrt: Ihre Federn werden deine Kleider sein, deine Lampe soll stets mit Öl und dein Topf mit Fleisch gefüllt sein.«
Sedna konnte diesem Locken nicht lange widerstehen und gemeinsam überquerten sie die weite See. Als sie schließlich nach einer langen und anstrengenden Reise das Land der Eissturmvögel erreichten, entdeckte Sedna, dass ihr Gatte sie schändlich getäuscht hatte. Ihr neues Haus war nicht aus schönen Pelzen gebaut, sondern mit dürftigen Fischhäuten bedeckt, die voller Löcher waren, durch die Wind und Schnee eindrang. Anstelle weicher Rentierfelle bestand ihr Bett aus harten Walross-Decken und sie musste von mickrigen Fischen leben, die ihr die Vögel brachten. Schon bald begriff sie, dass sie all ihre Möglichkeiten vertan hatte, als sie im falschen Stolz die Jugendlichen der Inuit abgewiesen hatte. In ihrem Schmerz sang sie: »Aja. O Vater, wenn du wüsstest, wie elend es mir geht, würdest du zu mir kommen und wir würden in deinem Boot über das Wasser fliehen. Die Vögel sind nicht freundlich zu mir, der Fremden, kalte Winde fegen über mein Bett, und ich bekomme nur erbärmliches Essen. Oh, komm doch und bring mich nach Hause. Aja.«
Als ein Jahr vergangen war, wurde die See erneut von warmen Winden aus ihrer Erstarrung geweckt und Sednas Vater verließ seine Heimat, um sie zu besuchen. Seine Tochter begrüßte ihn voller Freude und bat ihn flehentlich, sie mit nach Hause zu nehmen. Als der Vater von den Freveltaten erfuhr, die seiner Tochter widerfahren waren, sann er auf Rache. Er tötete den Eissturmvogel, nahm Sedna in sein Boot und verließ mit ihr schnell das Land, das ihr so viel Unglück gebracht hatte. Als die anderen Eisvögel heimkamen, ihren Gefährten tot vorfanden und seine Frau verschwunden war, flogen sie alle los, um nach den Flüchtlingen zu suchen. Sie trauerten sehr über den Tod ihres armen ermordeten Gefährten und klagen und schreien bis zum heutigen Tag.
Schon bald entdeckten sie das Boot und wühlten einen schweren Sturm auf. Die See türmte sich zu gewaltigen Wogen, die dem Paar mit der Vernichtung drohten. In dieser tödlichen Gefahr entschied sich der Vater, Sedna den Vögeln zu opfern und warf sie über Bord. In Todesangst klammerte sie sich an den Rand des Boots. Der grausame Vater griff daraufhin nach einem Messer und schnitt ihre Fingerkuppen ab. Sie fielen ins Meer und verwandelten sich in Wale, aus den Fingernägeln wurden die Walknochen. Sedna klammerte sich noch stärker an das Boot, nun schnitt der Vater durch die mittleren Fingergelenke, und sie schwammen als Robben (Pagomys foetidus) davon. Als der Vater schließlich den Rest der Finger abtrennte, verwandelten sie sich in Bartrobben (Phoca barbata). In der Zwischenzeit hatte der Sturm nachgelassen, denn die Eisvögel glaubten, dass Sedna ertrunken war. Da erlaubte der Vater ihr, zurück ins Boot zu kommen. Doch von jener Zeit an hasste sie ihn aus tiefstem Herzen und schwor bittere Rache. Als sie angelegt hatten, rief Sedna ihre Hunde und ließ sie ihres Vaters Hände und Füße abfressen während er schlief. Daraufhin verfluchte er sich selbst, seine Tochter und die Hunde, die ihn verkrüppelt hatten, worauf sich die Erde auftat und Hütte, Vater, Tochter und Hunde verschlang. Seitdem leben sie im Lande Adlivun, über das Sedna7 herrscht.
In alter Zeit lebten ein Bruder und seine Schwester in einem großen Dorf, in dem es auch ein Haus des Gesangs gab. Jede Nacht vergnügten sich die Schwester und ihre Spielgefährten in diesem Haus. Einmal geschah es, als alle Lampen im Haus des Gesangs verloschen waren, dass jemand hereinkam und sich an ihr verging. Sie konnte ihn nicht erkennen, aber sie schwärzte ihre Hände mit Ruß, und als das gleiche noch einmal passierte, beschmierte sie damit den Rücken des Mannes. Als die Lampen wieder brannten, erkannte sie, dass der Schänder ihr Bruder war. Voller Wut schärfte sie ein Messer, schnitt sich die Brüste ab und bot sie ihm mit folgenden Worten an: »Da du nach mir zu gieren scheinst, iss dies!« Ihr Bruder geriet in Wahn, und sie floh vor ihm, rannte im Raum hin und her. Sie griff nach einem hell brennenden Holzstock (mit dem die Lampen versorgt werden) und rannte aus dem Haus. Ihr Bruder griff nach einem anderen Stock, doch bei der Verfolgung stürzte er und sein Licht verlosch, bis es nur noch schwach glomm. Immer weiter wurden beide in die Höhe gehoben und setzten ihre Wege im Himmel fort: Die Schwester verwandelte sich in die Sonne und der Bruder in den Mond. Jedes Mal beim Erscheinen des neuen Mondes singt sie:
Aningaga tapika, takirn tapika qaumidjatedlirpoq; qaumatitaudle.
Aningaga tapika, tikipoq tapika.
Mein Bruder dort oben, der Mond dort oben beginnt
zu scheinen, er wird leuchten.
Mein Bruder dort oben, er geht nach dort oben.
von John MacLean
Von den vielen interessanten Legenden und Überlieferungen, die uns ›Indianer‹ erzählen, möchte ich folgende wiedergeben: Henry B. Steinhauer, ein in die Jahre gekommener Missionar, erzählte Dr. Sutherland jene Legende, als sie den Saskatchewan River hinuntersegelten. Es handelt sich um die Legende von Wisukatcak, der als übernatürliches Wesen gilt, ähnlich dem Alten Mann bei den Blackfeet.