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Die amerikanische Originalausgabe erschien 1996 unter dem Titel »Forgotten Realms®/Passage to Dawn« bei TSR, Inc., Lake Geneva, Wisconsin, U.S.A.
6. Auflage
Deutsche Erstveröffentlichung 9/97 bei Blanvalet, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH, München
Copyright © 1996, 1997 TSR, Inc. All rights reserved.
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Published in the Federal Republic of Germany
by Blanvalet Verlag in der
Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München.
Satz: deutsch-türkischer fotosatz, Berlin
Redaktion: Regina Winter
HK · Herstellung: Peter Papenbrok
eISBN 978-3-641-07485-2
V002
www.blanvalet.de
www.randomhouse.de
R. A. Salvatore wurde 1959 in Massachusetts geboren. Bereits sein erster Roman »Der gesprungene Kristall« machte ihn bekannt und legte den Grundstein zu seinen weltweit beliebten Romanen aus den Vergessenen Welten um den Dunkelelf »Drizzt Do’Urden«.
Von R. A. Salvatore bereits erschienen:
Die Vergessenen Welten:
DIE VERGESSENEN WELTEN 1-6: 1. Der gesprungene Kristall (24549), 2. Die verschlungenen Pfade (24550), 3. Die silbernen Ströme (24551), 4. Das Tal der Dunkelheit (24552), 5. Der magische Stein (24553), 6. Der ewige Traum (24554)
DIE SAGA VOM DUNKELELF: 1. Der dritte Sohn (24562), 2. Im Reich der Spinne (24564), 3. Der Wächter im Dunkel (24565), 4. Im Zeichen des Panthers (24566), 5. In Acht und Bann (24567), 6. Der Hüter des Waldes (24568)
DAS LIED VON DENEIR: 1. Das Elixier der Wünsche (24703), 2. Die Schatten von Shilmista (24704), 3. Die Masken der Nacht (24705), 4. Die Festung des Zwielichts (24735), 5. Der Fluch des Alchemisten (24736)
DIE VERGESSENEN WELTEN, WEITERE BÄNDE: 1. Das Vermächtnis (24663) [= 7. Band], 2. Nacht ohne Sterne (24664) [= 8. Band], 3. Brüder des Dunkels (24706) [= 9. Band], 4. Die Küste der Schwerter (24741) [= 10. Band], 5. Kristall der Finsternis (24931) [= 11. Band], 6. Schattenzeit (24973) [= 12. Band], 7. Der schwarze Zauber (24168) [= 13. Band], 8. Die Rückkehr der Hoffnung (24227) [= 14. Band], 9. Der Hexenkönig (24402) [= 15. Band], 10. Die Drachen der Blutsteinlande (24458) [= 16. Band]
DIE RÜCKKEHR DES DUNKELELF: 1. Die Invasion der Orks (24284), 2. Kampf der Kreaturen (24299), 3. Die zwei Schwerter (24369)
Drachenwelt:
DIE DRACHENWELT-SAGA: Der Speer des Kriegers/Der Dolch des Drachen/ Die Rückkehr des Drachenjägers. Drei Romane in einem Band! (24314)
Dämonendämmerung:
Der dunkle Mönch. Die Vorgeschichte von Dämonendämmerung (24327)
DÄMONENDÄMMERUNG: 1. Nachtvogel (24892), 2. Juwelen des Himmels (24893), 3. Das verwunschene Tal (24905), 4. Straße der Schatten (24906), 5. Der steinerne Arm (24936), 6. Abtei im Zwielicht (24937), 7. Der ewige Fluch (24988), 8. Das brennende Herz (24989)
SCHATTENELF: 1. Der dunkle Sohn (24990), 2. Das Turnier (24994), 3. Der Herr der Flammen (24995), 4. Feuerzauber (24996), 5. Die Unterwerfung (24136), 6. Der letzte Kampf (24137)
STAR WARS von R. A. Salvatore:
STAR WARS: Episode II. Angriff der Klonkrieger (35761), Das Erbe der Jedi-Ritter 1. Die Abtrünnigen (35414)
Weitere Bände sind in Vorbereitung.
Sie war sehr schön, wohlgeformt und hellhäutig, und ihr dichtes, glänzendes Haar fiel ihr bis weit über den nackten Rücken. Sie bot ihre Reize offen und kühn dar, und eine sanfte Berührung verhieß noch mehr. So sanft. Kleine, streichelnde Energieblitze kitzelten sein Kinn, seinen Kiefer, seinen Hals.
Jeder Muskel seines Körpers spannte sich, und er kämpfte um die Kontrolle, kämpfte mit jedem Fetzen Willenskraft, der ihm nach so vielen Jahren noch verblieben war, gegen die Verführerin an.
Er wußte nicht, warum er überhaupt noch Widerstand leistete, erinnerte sich nicht mehr bewußt, welche Verheißungen der anderen Welt, der wirklichen Welt, seinen Starrsinn speisten. Was hatte »falsch« und »richtig« an diesem Ort zu bedeuten? Was mochte der Preis für diesen Genuß sein?
Was hatte er noch zu geben?
Die sanfte Berührung hielt an, besänftigte seine bebenden Muskeln, erzeugte Gänsehaut, wo immer ihre Finger entlangstreichelten. Sie griff nach ihm. Befahl ihm aufzugeben.
Aufgeben.
Er spürte, wie seine Willenskraft verebbte, lag im Widerstreit mit seinem eigenen Starrsinn. Es gab keinen Grund, sich zu wehren. Er hätte weiche Decken und eine bequeme Matratze haben können; der Geruch – dieser Gestank, der so furchtbar war, daß er sich selbst nach Jahren noch nicht daran hatte gewöhnen können – würde verschwinden. Sie konnte das mit ihrer Magie bewirken. Sie hatte es ihm versprochen.
Er fiel schnell, schloß die Augen halb und spürte weiterhin die Berührung, spürte sie deutlicher als vorher.
Er hörte sie fauchen. Es war ein wildes, raubtierhaftes Geräusch.
Jetzt sah er an ihr vorbei. Sie befanden sich am Rand eines Felsgrates, einem der zahllosen Grate auf dem zerklüfteten, hügeligen Untergrund, der bebte, als wäre er ein lebendes Wesen, das ihn auslachte, ihn verspottete. Sie waren hoch oben. Das wußte er. Die Kluft hinter dem Felsgrat war breit, aber er konnte nur ein paar Fuß über den Rand hinaus sehen. Die Landschaft war durch einen wirbelnden Mantel aus Rauch verhüllt.
Der Abgrund.
Jetzt war es an ihm zu knurren, ein Laut, der nicht raubtierhaft war, nicht urtümlich, sondern aus dem Verstand, aus Moral geboren, aus jenem winzigen Funken, der noch von dem verblieben war, was er einmal gewesen war. Er packte ihre Hand und schob sie von sich, bog sie fort und verdrehte sie. Die Stärke, mit der sie ihm Widerstand leistete, bestätigte seine Erinnerungen, denn sie war übernatürlich, war viel kräftiger, als ihre zierliche Gestalt zulassen würde.
Aber dennoch war er stärker, und er schob ihre Hand fort, drehte sie herum und starrte die Frau an.
Ihr volles Haar war ein wenig zerzaust, und eines ihrer winzigen weißen Hörner ragte daraus hervor.
»Tu es nicht, Geliebter«, schnurrte sie. Die Macht ihrer Bitte zerbrach ihn beinahe. Genau wie ihre Körperkraft, hatte ihre Stimme mehr Gewicht, als zu erwarten war. Ihre Stimme war ein Ausdruck des Betrugs, der ultimativen Lüge, die dieser Ort darstellte.
Ein Schrei löste sich von seinen Lippen, und er schob sie mit aller Kraft von sich, stieß sie von der Felskante.
Riesige, fledermausartige Flügel entfalteten sich, und der Succubus schwebte in der Luft. Sie lachte ihn aus, und ihr geöffneter Mund enthüllte schreckliche Reißzähne, die sich in seinen Hals gebohrt hätten. Sie lachte, und er wußte, daß er trotz seines Widerstandes nicht gesiegt hatte, daß er niemals gewinnen würde. Diesmal hätte sie ihn beinahe gebrochen, war ihrem Ziel nähergekommen als zuvor, und beim nächsten Mal würde sie es vielleicht erreichen. Und so lachte sie ihn aus, verspottete ihn. So wie sie ihn immer verspottete!
Ihm war klar, daß es eine Prüfung gewesen war, daß es immer eine Prüfung war. Er wußte, wer dies ersonnen hatte, und war nicht überrascht, als die Peitsche ins Fleisch seines Rückens schnitt und ihn zu Boden warf. Er versuchte, in Deckung zu gehen, spürte, wie sich gewaltige Hitze um ihn herum aufbaute, und wußte, daß es kein Entrinnen gab.
Ein zweiter Hieb ließ ihn zum Felskamm kriechen. Dann kam der dritte Schlag, und er packte die Kante, schrie und zog sich hinüber. Er wollte in die Kluft stürzen, wollte sich auf den Felsen zerschmettern. Er war entschlossen zu sterben.
Errtu, der große Balor, eine zwölf Fuß große Gestalt, die nur aus qualmenden roten Schuppen und knotigen Muskelsträngen zu bestehen schien, schlenderte zum Felsrand und blickte hinüber. Mit Augen, die seit Anbeginn der Zeiten die Nebel des Abgrundes durchdrungen hatten, suchte Errtu nach der fallenden Gestalt und griff dann nach ihr.
Er fiel langsamer. Dann fiel er überhaupt nicht mehr. Er stieg langsam auf, gefangen in einem telekinetischen Netz, das von seinem Herrn eingeholt wurde. Die Peitsche wartete auf ihn, und der nächste Hieb ließ ihn in gnädiger Weise in die Bewußtlosigkeit taumeln.
Errtu holte die Peitschenschnüre nicht wieder ein. Der Balor benutzte abermals telekinetische Energie, um sie um sein Opfer zu wickeln, ihn zu binden. Errtu sah zu dem hysterischen Succubus hinüber und nickte. Sie hatte ihre Sache heute gut gemacht.
Beim Anblick der bewußtlosen Gestalt lief ihr Geifer über die Unterlippe. Sie wollte ihr Festmahl haben. In ihren Augen war der Tisch gedeckt und wartete auf sie. Ein Schlag ihrer Flügel brachte sie wieder auf den Felsgrat hinab, und sie näherte sich vorsichtig.
Errtu ließ sie nahe herankommen, dann riß er leicht an seiner Peitsche. Sein Opfer zuckte über den Boden, vorbei an den ständig lodernden Flammen des Balors. Errtu trat einen Schritt zur Seite und schob seinen massigen Leib zwischen das Opfer und den Succubus.
»Ich muß«, heulte sie und wagte, halb gehend und halb fliegend näher zu kommen. Ihre täuschend zarten Hände streckten sich aus und krallten in die rauchige Luft. Sie zitterte und keuchte.
Errtu trat beiseite. Sie schob sich stückweise näher.
Der Balor spielte mit ihr, das wußte sie, aber sie konnte nicht widerstehen, nicht mit diesem hilflosen Opfer vor Augen. Sie winselte, denn sie wußte, daß sie bestraft werden würde, aber sie konnte nicht aufhören.
In einem kleinen Bogen ging sie an dem Balor vorbei. Sie winselte erneut, während ihre Füße nach festem Halt tasteten, so daß sie sich auf das Opfer stürzen konnte und zumindest von ihm kosten konnte, bevor Errtu es ihr entzog.
Errtus Arm schoß hervor und hielt ein Schwert, das aus Blitzen geschmiedet war. Er hob es hoch empor, stieß einen Befehl aus, und der Boden erbebte wie von einem Donnerschlag.
Der Succubus wartete nicht, sondern eilte davon. Er rannte zur Kante und sprang in die Luft, dabei ununterbrochen laut kreischend. Errtus Blitz traf die Kreatur in den Rücken und riß sie herum. Sie war bereits tief unterhalb der Felskante, als sie endlich die Kontrolle zurückgewann.
Oben auf dem Felsgrat schenkte Errtu ihr keine Beachtung mehr. Der Balor dachte an seinen Gefangenen, immer nur an seinen Gefangenen. Er genoß es, das Häufchen Elend zu quälen, aber er durfte ihn nicht vernichten, durfte ihn nicht vollständig brechen, sonst würde er seinen Wert als Opfer verlieren. Es war nur ein einzelnes Wesen, und gemessen an dem Versprechen, wieder frei auf der materiellen Ebene wandeln zu dürfen, schien dies kein übermäßiger Preis zu sein.
Nur Drizzt Do’Urden, der abtrünnige Dunkelelf, derjenige, der Errtu für hundert Jahre in den Abgrund verbannt hatte, konnte ihm diese Freiheit gewähren. Errtu war sicher, daß der Drow dies im Austausch für das armselige Wesen tun würde.
Errtu wandte seinen gehörnten, affenartigen Kopf und blickte über seine massige Schulter zurück. Die Feuer, die den Balor umgaben, loderten nur noch schwach, ähnlich wie auch Errtus Zorn. Geduld, ermahnte der Balor sich selbst. Der Armselige war kostbar und mußte gehegt werden.
Errtu wußte, daß die Zeit näher kam. Er würde mit Drizzt Do’Urden sprechen, bevor noch ein weiteres Jahr auf der materiellen Ebene verstrichen war. Errtu hatte Kontakt mit der Hexe aufgenommen, und sie würde seine Botschaft überbringen.
Dann würde der Balor, einer der wahren Tanar’ri, die zu den mächtigsten Bewohnern der tieferen Ebenen gehörten, wieder frei sein. Dann würde Errtu diese armselige Kreatur vernichten, er würde Drizzt Do’Urden vernichten und jedes Wesen, das den abtrünnigen Drow liebte.
Geduld.