Lust auf mehr?

www.oetinger.de

www.oetinger.de/ebooks

»ICH WERD WAHNSINNIG! Ganz im Ernst, ich ertrag das nicht länger.« Ich kann einfach nicht anders, als zu den Bänken rüberzustarren, wo Patrick sich mit seiner neuen Flamme sonnt. Die beiden kichern und halten Händchen, als würde es dafür einen Preis geben.

»Mensch, Tamara, ich verstehe dich ja, aber ein paar Tage musst du schon noch durchhalten.« Mia streicht mir aufmunternd über die Schulter.

Wie konnte er mir das nur antun? Erst das ganze Blabla, Tamara, du bist so toll, ich liebe deine blonden Haare, dein Temperament und deine Sommersprossen, deine grünblauen Augen sind echt der Hammer, und so weiter und so weiter. Wir haben so romantische Nachmittage miteinander verbracht. Immer wieder kommt mir das Bild in den Kopf, wie wir uns auf dem Hochsitz von Patricks Opa geküsst haben. In dem Moment haben wir alles um uns herum vergessen.

Aber dann: Eine Party, und er bandelt mit dieser dunkelhaarigen Schnitte Selina an, als hätte es uns nie gegeben. Das Schlimmste ist, dass er mitten auf dem Schulhof mit mir Schluss gemacht hat. Kurz und knapp, in der kleinen Pause. Wenn ich nur daran denke, bekomme ich einen dicken Kloß im Hals.

Jetzt streichelt er Selina übers Gesicht und geht ganz nah an sie heran, wahrscheinlich um ihr zu sagen, wie wundervoll er sie findet. Oh nein, jetzt küssen sie sich auch noch!

Wenn er wenigstens nicht so gut aussehen würde.Im Gegensatz zu den meisten anderen Jungs hat er nicht nur dünne Ärmchen, sondern richtige Arme. Unter seinem weißen T-Shirt zeichnen sich seine Muskeln ab, und seine sommerlich gebräunte Haut kommt in diesem Look besonders gut zur Geltung. Seufz! Ja, ich weiß, gutes Aussehen ist nicht alles. Schön ist es aber trotzdem.

»Nur noch vier Tage, dann haben wir sechs Wochen frei!«, versucht Mia mich aufzuheitern.

»Na klasse. Dann sehe ich Patrick zwar kaum noch, muss aber trotzdem ständig an ihn denken.«

»Okay, es ist wieder Zeit für ein Ablenkungsmanöver. Mmmmmhhhh, mmmmhhhooo, mhhhhh.«

Mia fängt an zu summen, und ich soll raten, um welches Lied es sich handelt. Bisher hatte ich noch nie einen Treffer, da alles gleich und leider auch gleich fürchterlich klingt. Egal, trotzdem ist es süß von ihr, dass sie mich auf andere Gedanken bringen will. Patrick und seine neue Schnalle schlendern unterdessen Hand in Hand ins Schulgebäude. Endlich. Mein Kiefer schmerzt schon, weil ich die ganze Zeit die Zähne zusammengebissen habe.

»Tamara? Hallo, jemand zu Hause? Hast du das Lied erkannt?«

Ȁh, war das vielleicht Just give me a reason von Pink

»Nö, wie kommst du denn darauf? Ich hab Fingerprints von Katy Perry gesummt! Das hab ich seit Tagen unter der Dusche geübt.«

»Ja, wie komme ich darauf? Vielleicht, weil es so gut passt. Ich weiß immer noch nicht, warum Patrick mich einfach so hat fallen lassen.«

Meine beste Freundin streicht mir über die Wange. »Wer dir so etwas antut, kann nur eine schleimige Monsterbacke sein.«

Mia ist mein Fels in der Brandung, und ich freue mich schon darauf, in den Ferien ganz viel mit ihr zu unternehmen. Der Gedanke, mit ihr im Freibad zu liegen und Eis zu essen, stimmt mich schon etwas fröhlicher.

Der Rest des Schultages rauscht nur so an mir vorbei. Obwohl ich krampfhaft versuche, mich auf Physik und Mathe zu konzentrieren, sind meine Gedanken wieder die ganze Zeit bei Patrick, ein Klassenzimmer weiter. Eigentlich hat er es gar nicht verdient, mein erster richtiger Freund gewesen zu sein.

 

Nach der Schule gehe ich direkt zu Oma Alma. Sie wohnt bei uns im Erdgeschoss, und ich liebe ihre kleine Wohnung. Sie hat so viele Souvenirs von ihren Reisen mitgebracht, dass man meint, ein anderes Land zu betreten, wenn man sie besucht.

Alma schaut mich besorgt an. »Meine Süße, was machst du denn für ein Gesicht? Freust du dich gar nicht auf die Ferien?« Sie schenkt mir eine Tasse Tee ein. Bei Oma Alma gibt es immer Tee und Kekse.

»Ach, Omi. Doch, ich freue mich, aber …« Seufzend greife ich nach meiner Teetasse und trinke einen Schluck Sommerliche Brise.

»Ist es wegen Patrick?«, fragt Alma und drückt sanft meine Hand.

»Er will nichts mehr von mir wissen!«, platze ich heraus. »Aber ich muss trotzdem die ganze Zeit an ihn denken. Das ist so gemein! Eigentlich will ich ihn gar nicht mehr sehen, aber wenn er mal einen Tag nicht in der Schule ist, vermisse ich ihn sofort. Das ist doch verrückt, oder? In den Ferien ist er sicher nur noch mit seiner Neuen unterwegs. Was, wenn ich ihm und Selina in der Stadt begegne?« Ups, leider habe ich die Teetasse etwas zu heftig auf dem Unterteller abgestellt, und nun zeigt das feine blau-weiße Porzellan einen Riss. »Entschuldige, Omi.«

»Taminchen. Dein Temperament in allen Ehren.«

Das sagt sie immer, wenn ich mich über etwas aufrege, und meistens schafft sie es, mich zu trösten. Oft muss ich schon lächeln, wenn sie mich nur Taminchen nennt. Immerhin ist sie die Einzige, die das darf. Aber heute bringt mich nichts zum Lachen.

»Du könntest doch einfach wegfahren, dir mal etwas anderes ansehen. Ich meine, nicht immer nur diesen Patrick, der …« Ihre Stirn wirft noch tiefere Falten als ohnehin schon. Sie seufzt. »Der sich für ein anderes Mädchen entschieden hat. Ich weiß, du willst das nicht hören, aber alles ist zu etwas gut.«

Jetzt seufze ich. Wozu soll es denn gut sein, verletzt zu werden?

Omi lehnt sich in ihrem Rollstuhl zurück und schaut nachdenklich aus dem Fenster. Die Sonne scheint ihr ins Gesicht. Niemand hat so schöne grüne Augen wie sie. Plötzlich lächelt sie zufrieden. »Ich hab eine Idee, Taminchen! Die wird dir gefallen, da bin ich sicher.«

Ich habe da zwar meine Zweifel, aber als ich in Omis strahlende Augen blicke, muss ich zum ersten Mal heute lächeln.

DRIIIIIIIING. Ich zucke zusammen. Wer hat denn den Klingelton so laut gestellt?

»Taminchen, komm doch bitte mal schnell zu mir!« Ich kann hören, dass Omi lächelt, während sie spricht. Schnell sprinte ich die Treppe runter.

»Du magst doch Überraschungen, nicht wahr?«

»Ja, eigentlich schon«, antworte ich zögerlich.

»Dann wird dir meine Idee bestimmt gefallen. Denn ich hab eine gute Nachricht für dich: Du musst in den Ferien nicht zu Hause bleiben und leiden!«

Ich ziehe eine Augenbraue hoch. »Wie meinst du das? Die Jugendreise, die ich mit Mama ausgesucht hatte, ist doch komplett ausgebucht.«

»Ja, aber ich hab etwas anderes für dich gefunden. Eine Sprachreise. Die wolltest du doch immer schon mal machen.«

Wie cool! Ich darf endlich nach London. Meine Oma ist echt ’ne Wucht.

»Und deshalb habe ich zwei Sprachkurse für dich gebucht. Einen Anfänger- und einen Fortgeschrittenenkurs. Dann bist du die ganzen Schulferien über verreist.«

»Oh.« Mehr kann ich gerade nicht sagen, denn sechs Wochen sind ganz schön lang, außerdem kann ich dann gar nichts mit Mia machen. Und wieso Anfängerkurs? Ich lerne doch schon seit der fünften Klasse Englisch.

»Und jetzt halt dich fest: Du wirst sogar Mittsommer in Stockholm feiern! Taminchen? Hallo?«

Omi beugt sich zu mir vor, aber ich bekomme kein Wort raus. Sie strahlt, ich bin schockiert. Wieso Stockholm? Ich wollte nie nach Stockholm! Dort gibt’s doch nichts außer Knäckebrot, Elchen und Mücken. Und ist es im Norden nicht schrecklich kalt? Das Spannendste, was mir noch einfällt, ist IKEA. Aber den haben wir auch im Industriegebiet, dafür muss ich nicht nach Stockholm fliegen. Und Schwedisch? Wer braucht denn Schwedisch?

»Taminchen, freust du dich gar nicht?« Mit ihren roten Wangen sieht Omi aus wie ein junges Mädchen, das einen Streich ausgeheckt hat.

Ich weiß nicht, was ich sagen soll, denn ich will Omi nicht kränken. »Doch, sogar sehr, hmmm, ich … Ist das schon fest gebucht?«, stammele ich.

»Ja! Ich habe den letzten Platz für dich ergattert. Es ist jemand abgesprungen, und du konntest nachrücken, ganz spontan. Das hat mich so gefreut!«

Ich atme tief ein und aus, um nicht in Tränen auszubrechen. »Wo soll ich denn auf die Schnelle etwas zum Wohnen finden? Erlauben Mama und Papa das überhaupt?«

»Ja, mit deinen Eltern habe ich natürlich schon gesprochen. Dein Vater ist sowieso noch mit seinem Projekt in Frankfurt beschäftigt, und Mama passt es auch gut, weil sie dann viel früher in die Sinai-Wüste aufbrechen kann, um ihre Reportage zu schreiben. Wegen der Unterkunft musst du dir gar keine Sorgen machen. Das ist eine ganz tolle Geschichte! Du erinnerst dich sicher, dass ich eine liebe Freundin in Stockholm habe. Sie heißt Marie, und wir kennen uns seit der Grundschule. Marie hat getan, was ich immer tun wollte: Sie ist nach Schweden ausgewandert und hat einen Schweden geheiratet. Nun wohnt sie mitten in Stockholm und kann sich nichts Schöneres vorstellen, als dich in den Ferien bei sich aufzunehmen.«

»Wirklich?« Ich bemühe mich, begeistert zu klingen, aber es gelingt mir nicht. Sechs Wochen in einer langweiligen Stadt eine Sprache lernen, die ich nicht brauche, und dann auch noch bei einer schrulligen alten Frau wohnen? Das darf doch alles nicht wahr sein!

Entweder merkt Omi nichts, oder sie will es nicht merken. Geradezu euphorisch redet sie weiter: »Ich habe mir gedacht, dass wir Marie noch mal zusammen anrufen. Oder, wie heißt das noch mal, skippen. Ich soll dir ausrichten, dass sie einen Skipp-Anschluss hat.«

»Skipp? Meinst du Skype?«

»Ach so, ja, kann auch sein. So etwas im Computer jedenfalls.«

»Die hat einen Computer mit Skype darauf installiert?«

»Ja, mit allem Drum und Dran. Hol doch mal dein Gerät, und dann rufen wir sie gleich an.«

OMI UND ICH sitzen vor meinem Laptop, und ich gebe »Wow_Marie_underbart« in die Suchmaske ein. Das steht jedenfalls bei Omi Alma auf dem Notizzettel. Und tatsächlich: Skype findet jemanden mit diesem Namen in Stockholm. Unsere Kontaktanfrage wird sofort bestätigt.

»Dann mal los!« Ich klicke auf Videoanruf. Mal schauen, wie underbart die wirklich ist. Laut Omi bedeutet das Wort wunderbar. Wahrscheinlich ist sie aber eher wunderlich. Die Verbindung baut sich auf, und eine schrille Stimme dröhnt ein Hej ins Mikrofon. Ich traue meinen Augen nicht. Die Frau dort auf dem Bildschirm kann doch unmöglich Marie sein! Wie eine Oma sieht sie jedenfalls nicht aus.

»Marie, meine Liebe, herrlich, dass wir uns nicht nur hören, sondern auch sehen können! Vielleicht sollte ich mir auch einen Computer mit Skipp anschaffen.« Omi spricht so laut, als müsse man sie ganz ohne Internet bis nach Schweden hören.

»Ja, nicht wahr, Alma?! Geniale Sache, diese Technik. Aber brüll nicht so, sonst fallen uns noch die Ohren ab!« Daraufhin lacht Marie derart durchdringend, dass ich wünschte, meine Ohren wären bereits abgefallen. »Und das ist also Tamara mit dem Liebeskummer. Hej!« Marie winkt uns bestimmt eine Minute lang scheibenwischerartig zu. Wenn mir das Videobild keinen Streich spielt, hat sie eine grüne Strähne in ihrem kurzen weißen Haar. »Lass dir sagen, wenn es dir mies geht, ist er es nicht wert. Aber unser schönes Stockholm wird dich ganz sicher auf andere Gedanken bringen! Ich verspreche dir: Wer einmal unsere Zimtschnecken probiert hat, will nie mehr zurück.« Ihr Gesicht ist ganz groß auf dem Bildschirm zu sehen. Sie zwinkert mir zu. »Und hier gibt’s auch schöne Burschen.«

Geschieht das hier gerade wirklich? Schöne Burschen? Ich kneife mich fest in den Unterarm, muss aber leider feststellen, dass ich den Schmerz spüren kann.

Die nächsten Minuten komme ich nicht zu Wort. Das passiert mir sehr selten. Alma und Marie unterhalten sich eine gefühlte Ewigkeit. Meine Gedanken schweifen zu Patrick. Wir hätten einen super Sommer haben können, wenn er nicht Schluss gemacht hätte. Wir hätten zum Badesee fahren und abends zusammen am Lagerfeuer sitzen können. Verdammt, Patrick ist schuld. An allem!

»Also, bis Donnerstag, Tamara. Ich freue mich auf dich. Adjö, ihr beiden.« Wieder winkt sie wie verrückt.

Ich lächle tapfer und winke zurück.

»Du warst ja so schüchtern, Taminchen. Ist Marie nicht klasse? Du hättest uns früher erleben sollen. Wir haben unseren Lehrern immer Streiche gespielt. Und auch nach der Schule waren wir ein fesches Gespann.« Alma wird ein bisschen rot. »Hach, du wirst deinen Spaß haben!«

Wortlos klappe ich meinen Laptop zu.

»Weißt du, Taminchen, manchmal muss man weit weggehen, um wieder bei sich selbst anzukommen.« Omi strahlt bis über beide Ohren. »Ich freue mich wirklich sehr für dich.«

»Das ist lieb«, bringe ich gequält hervor.

Unter dem Vorwand, mit Mia verabredet zu sein, gehe ich schnell wieder nach oben. Oma Almas fröhliche Laune ist schwer zu ertragen. Ich will da nicht hin. Und nun ist alles schon gebucht und organisiert. Dummerweise denkt Omi auch noch, dass sie mir eine Riesenfreude macht. Mist, warum hat sie mich nicht einmal gefragt? Okay, sie hat es nur gut gemeint, aber trotzdem. Das ist nicht fair. Was, wenn ich mich dort gar nicht wohlfühle und schon nach ein paar Tagen wieder zurückwill? Dann wäre Omi sicher total enttäuscht. Und bestimmt hat der Kurs wahnsinnig viel Geld gekostet. Vor lauter Verzweiflung könnte ich schon wieder heulen. Was soll ich nur machen?

Am besten erst mal Mia anrufen.

 

Meine beste Freundin ist gleich nach dem ersten Klingeln dran – als wüsste sie bereits, dass es Neuigkeiten gibt.

»Du wirst nicht glauben, was Omi sich für mich ausgedacht hat!«, platze ich heraus.

»Lass mich raten. Zum nächsten Kaffeekränzchen sollst du dich endlich an die Sachertorte wagen, für die sie dir vor Wochen das Rezept gegeben hat?«

Ich seufze laut. »Schön wär’s! Nix Sachertorte. Stockholm!«

»Stockholm? Was soll das denn bedeuten?«

»Na, ich soll nach Stockholm. Für sechs Wochen! Um Schwedisch zu lernen und auf andere Gedanken zu kommen.«

Einen Augenblick lang höre ich nur Mias Atem.

»Hallo? Bist du noch dran?«

»Ja, ich musste nur kurz den Schock verarbeiten, dass ich die Sommerferien ohne dich verbringen soll. Für dich ist das doch aber genial! Auf so etwas würde meine Familie nie kommen. Die würden mich höchstens in den Harz schicken, zum Luchse-Beobachten. Dagegen finde ich Stockholm sehr spannend. Außerdem ist Sprachen lernen doch genau dein Ding!«

»Ja, schon, aber eigentlich wollte ich immer nach London. Und wie soll ich sechs Wochen ohne dich überstehen? Was, wenn es mir da nicht gefällt und ich niemanden finde, mit dem ich durch die Stadt ziehen kann? Dann muss ich immer mit dieser Marie abhängen. Außerdem wird Patrick mich nach der langen Zeit sicher voll und ganz vergessen haben.«

»Sieh’s mal positiv. So bist du wenigstens weit weg von diesem Vollhirni! Und im Sprachkurs wirst du bestimmt Freunde finden.«

»Ja, du hast ja recht. Trotzdem finde ich es blöd, dass Omi mich nicht mal fragt, bevor sie eine sechswöchige Reise bucht.«

Mia seufzt. »Hör zu, ich bin mir sicher, dass du einen klasse Urlaub haben wirst.«

»Magst du vielleicht am Donnerstag vorbeikommen und mir beim Packen helfen? Mein Flug geht schon am Freitag, gleich am ersten Ferientag. Irgendwie hab ich das Gefühl, dieses Jahr gar keinen Urlaub zu haben.«

»Ach, Tamy. Na klar helfe ich dir. Übrigens war meine Cousine letztes Jahr in Stockholm. Die Zimtschnecken sollen der Knaller sein.«

»Das habe ich heute schon mal irgendwo gehört. Ich hoffe, das ist nicht alles, was dort der Knaller ist.«

EINERSEITS kann ich es gar nicht erwarten, dass endlich Ferien sind, andererseits bekomme ich Herzrasen, wenn ich nur an Stockholm denke. Das einzig Gute an der Sprachreise ist, dass ich Patrick dann nicht mehr sehen muss. Die letzten Tage hat er in jeder Pause mit Selina auf dem Schulhof rumgeknutscht. Wenn Mia nicht an meiner Seite gewesen wäre, hätte ich das nicht durchgestanden.

 

Am Donnerstag drückt mir Mia als Erstes einen Zettel in die Hand, auf den sie in Großbuchstaben NICHT VERGESSEN geschrieben hat.

»Warum soll ich denn meinen dicken Pullover mitnehmen? Es ist doch Sommer!«, protestiere ich mit Blick auf ihre Liste.

Mia zückt ihr Handy und hält mir eine Klima-Tabelle unter die Nase. »Weil es auch im Sommer noch ganz schön kühl sein kann, jedenfalls abends. Und bestimmt wirst du mal tanzen gehen wollen, oder?« Sie zwinkert mir zu. »Du hast Glück, dass die Sommerferien so früh beginnen. Da wirst du sogar das Mittsommerfest erleben. Das soll echt toll sein.«

Es ist also wirklich kalt in Schweden. Ich hab’s ja geahnt. Missmutig lasse ich mich auf mein Bett plumpsen. »Leider bin ich mir nicht sicher, ob ich mich auf diesen Urlaub freuen kann.«

Mia grinst breit. »Das hab ich mir gedacht. Und da kommt meine Freude-Liste ins Spiel.« Sie überreicht mir feierlich ein weiteres Blatt Papier.

WORAUF ICH MICH FREUEN KANN, lautet die Überschrift. Verziert ist das Ganze mit tausend kleinen Sonnen und Blumen. Ich überfliege die verschiedenen Punkte. »Auf große, gut aussehende blonde Jungs?«

Mia guckt verträumt und lächelt in sich hinein.