Bibliografische Informationen der Deutschen Bibliothek
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Munagala Venkataramiah:
Gespräche mit Ramana Maharshi
vollständige Ausgabe
1. Auflage 2014
Titel der Originalausgabe:
Munagala Venkataramiah: Talks with Sri Ramana Maharshi,
Tiruvannamalai, 11 reprint 2003
Herstellung und Verlag: BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt
ISBN: 978-3-7386-6227-6
Umschlaggestaltung: BoD
Fotos mit freundlicher Genehmigung des Sri Ramanashram
Printed in Germany
Ramana Maharshi wurde am 30. Dezember 1879 in Tiruchuli in der Nähe von Madurai (Tamil Nadu, Südindien) geboren. Nach seinem Erleuchtungserlebnis im Alter von sechzehn änderte sich sein Leben schlagartig. Bald darauf ging er von Zuhause fort und ließ sich am heiligen Berg Arunachala in Tiruvannamalai nieder. Dort blieb er bis zu seinem Tod am 14. April 1950.
Zunächst lebte Ramana sehr zurückgezogen. Allmählich wurden Menschen auf ihn aufmerksam. Von 1935 bis 1939 war der Ramanashram auf seinem Höhepunkt. Besucher strömten von überall auf der Welt zu ihm. In dieser Zeit zeichnete Munagala S. Venkataramiah die Gespräche auf, die in der Ashramhalle stattfanden. ›Talks with Ramana Maharshi‹ erschien erstmals 1955 in drei Bänden als Publikation des Ramanashram.
Es gibt bereits eine hervorragende deutsche Übersetzung: Gespräche des Weisen vom Berge Arunachala. Sie mögen sich nun fragen: Wozu dann eine weitere? Die Übersetzung von Erich Wilzbach hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem westlichen Leser möglichst ohne viele Sanskritbegriffe einen ungehinderten Zugang zu gewähren. Eine Anzahl von Talks, die mit der indischen Philosophie zu tun haben, wurden deshalb von ihm weggelassen, einiges Weitere gekürzt. Die Übersetzung hier ist dagegen vollständig. Vor allem Miles Wright, ein Sanskritkundler aus Edinburgh, hat viel zur Klärung von Begriffen beigesteuert und jene kurzen Sanskrittexte ins Englische übersetzt, die in den Talks noch nicht übersetzt waren. Ohne ihn wäre so manches im Dunkeln geblieben. Ich danke auch Suri Suryanarayan, der ebenfalls bei der Klärung so mancher Frage mitgeholfen hat.
Die Reihenfolge der Talks ist nicht immer chronologisch. Der Grund dafür hat Major Chadwick im folgenden Vorwort erwähnt: Es war ein Fehler, der erst kurz vor Drucklegung der 1. Auflage entdeckt wurde. Er wurde in den folgenden Auflagen nie korrigiert und ist für den Inhalt auch völlig unwesentlich. Da es inzwischen Usus ist, die Talk-Nummer beim Zitieren anzugeben, habe ich alles so belassen.
Am Ende des Buches befinden sich ein Index, ein Glossar der Sanskritbegriffe sowie jeweils ein Glossar für die zitierten oder erwähnten Götter und Heiligen und die Schriften. Die Fußnoten sind in der Regel eigene Erläuterungen und Ergänzungen, um den Hintergrund etwas transparenter zu machen.
Ich danke dem Ramanashram, dass er mir die Genehmigung für diese Übersetzung und das Recht für die Verwendung der Fotos gegeben hat.
Gabriele Ebert im Oktober 2014
Munagala S. Venkataramiah
Wir können Sri Munagala S. Venkataramiah (Swami Ramanananda Saraswati) nicht genug für diese Aufzeichnungen der Gespräche danken, die den Zeitraum von 1935 bis 1939 umfassen. Obwohl der große Weise vom Arunachala meist in Schweigen lehrte, gab er auch mündliche Anweisungen, die erhellend sind, ohne dass sie seine Zuhörer verwirren. Man würde sich wünschen, dass jedes seiner Worte für die Nachwelt aufbewahrt worden wäre. Aber wir müssen für das Wenige, das aufgeschrieben wurde, dankbar sein. Die Talks erläutern die Schriften des Meisters, und vielleicht ist es am besten, sie mit ihnen zusammen zu studieren.
Sri Ramana lehrte nicht auf die übliche Art. Tatsächlich hatte der Weise keinen Sinn für Vorträge und Diskurse. Seine Worte richteten sich vorwiegend an einen bestimmten Sucher, der auf seinem spirituellen Weg auf Schwierigkeiten stieß und eine Lösung suchte. Da aber bei der Ergründung des Selbst dieselben Schwierigkeiten auftauchen und der Lösungsweg derselbe ist, besitzen die Antworten des Maharshi Allgemeingültigkeit.
Nicht alle konnten die rechten Fragen stellen oder sie richtig umreißen. Die Gespräche des Gurus sind deshalb nicht einfach auf den Punkt gebrachte Antworten wie in einer Examensarbeit. Er musste oft den Hintergrund der Frage beleuchten und die Frage berichtigen. Wenn unbedeutende und sinnlose Fragen gestellt wurden, empfand er es nicht als seine Aufgabe, die Neugierde des Fragers zu befriedigen oder ihn in seinem Irrtum zu bestätigen. Sri Ramana ließ seinen Gesprächspartner nicht dort, wo er sich befand. Ein Devotee drückte es folgendermaßen aus: »Alle unsere Fragen entsprachen unserem Standpunkt und Sri Bhagavans Antwort seinem Standpunkt. Die Fragen wurde nicht nur beantwortet, sondern untergraben.«
Man kann sich einem Heiligen mit unterschiedlicher Gesinnung nähern. Skeptiker und Agnostiker, Theisten und Atheisten, Menschen, die nach Wunder suchten und solche, die psychischen Phänomenen hinterherjagten – sie alle gingen zum Maharshi. Jeder stellte natürlich seine Fragen, die ihn beschäftigten. Die Art der Fragen hing von der Gesinnung und dem Interesse der jeweiligen Person ab. Die Stärke des Meisters lag darin, die grundlegenden Gesinnungen und Interessen des Devotee zu beseitigen und in ihm die Sehnsucht nach der höchsten Wahrheit zu wecken.
Besucher des Ashrams stellten Sri Ramana oft Fragen nach okkulten Kräften und psychischen Phänomenen. »Sollte man keine okkulten Kräfte wie Telepathie erwerben? Ist nicht die Kraft, den Körper unsichtbar zu machen, ein Kennzeichen von reifer Weisheit? Kann man die Gedanken anderer Menschen lesen?« Die Antwort des Meisters auf solche Fragen lautete, dass das Okkulte und Wundersame nicht das Spirituelle sei. Die übernatürlichen Kräfte sind vielmehr ein Hindernis als eine Hilfe auf dem Weg zum höchsten Geist. Einige Fragen bezogen sich auf die Toten: »Was geschieht mit den Toten? Kann man sie sehen?« Auch hier lehrte Sri Ramana, dass diese Probleme irrelevant seien und dass kein Wahrheitssucher sich mit ihnen befassen sollte. Eine aristokratische und vornehme Dame fragte: »Maharajji, können wir die Toten sehen?« Der Meister antwortete: »Ja.« Die Dame fragte: »Können die Yogis sie uns zeigen?« Der Meister: »Ja, das können sie. Aber erwarte nicht von mir, dass ich sie dir zeige, denn ich kann es nicht.« Die Dame: »Siehst du sie?« Der Meister: » Ja, in meinen Träumen.«
Sri Ramana lehrte vor allem Selbstergründung. Anstatt dies oder das wissen zu wollen, suche das Selbst zu erkennen. Frage ›Wer bin ich?‹, anstatt hundert andere Dinge zu fragen. Selbstergründung sollte die leichteste Aufgabe sein, aber sie ist anscheinend die schwierigste, weil wir Fremde für unser Selbst geworden sind. Was man zu tun hat, ist, einfach das Selbst zu bleiben. Das ist die letzte Wahrheit. Das ist unser ewiger, natürlicher und angeborener Zustand. Aufgrund unserer Unwissenheit identifizieren wir uns mit dem Nicht-Selbst. Die subtilste dieser Identifikationen ist die mit dem Ego. Lasst uns nach der Wurzel des Egos suchen. Woher kommt dieses Pseudo-Ich? Am Ende dieser Suche werden wir herausfinden, dass das Ego verschwindet und damit das ewige Selbst erstrahlt. Deshalb ist die beste Übung, sich zu fragen: »Wer bin ich?« Das ist das größte japa und das wahre pranayama. Der Gedanke: »Ich bin nicht der Körper (naham)« ist Ausatmung (rechaka), die Frage: »Wer bin ich?« (koham) ist Einatmung (puraka) und die Erkenntnis: »Ich bin Er« (soham) ist das Anhalten des Atems (kumbhaka). Die Frucht der Selbsterkenntnis ist zu begreifen, dass das Selbst alles ist und dass es nichts anderes gibt. Für jene, die diesem Weg folgen, ist keine andere Übung (sadhana) nötig. Aber auch jene, die den Weg der Hingabe (bhakti) einschlagen, gelangen ans selbe Ziel. Wenn man sein Ego dem Guru oder Gott hingibt, verwirklicht man das Selbst.
Sri Ramanas Lehre in den Gesprächen bringt jedem Menschen Hoffnung. Keiner braucht zu denken, er könne nicht erlöst werden. Ein alter amerikanischer Besucher fragte einmal den Meister: »Maharshi, glaubst du, dass wir schlechte Jungen sind?« Die charakteristische Antwort des Meisters lautete: »Sag das nicht. Du solltest das nicht denken.« Alles, was schlecht in uns ist, wird gewiss beseitigt, wenn wir den weisen Worten des Maharshi, die in diesem Buch aufgezeichnet sind, zuhören.
Mögen wir es lesen, um uns auf das Verständnis der höheren Lehre des Meisters, die durch Stille erfolgt, vorzubereiten!
Universität von Madras, 11. August 1958, T.M.P. Mahadevan
Diese Gespräche umfassen den Zeitraum von vier Jahren – 1935-1939 – und wurden von Sri Munagala S. Venkataramiah (jetzt Swami Ramanananda Saraswati), einem langjährigen Schüler Sri Ramana Maharshis, aufgezeichnet. Obwohl seine Muttersprache Telugu ist, spricht er fließend Englisch und Tamil und ist in Sanskrit bewandert. Dies waren die nötigen Qualifikationen für jemanden, der die Gespräche aufzeichnen wollte, die Sri Bhagavan mit verschiedenen Schülern und Besuchern führte.
Während dieser vier Jahre hatte der Ashram seinen Höhepunkt erreicht. Der Maharshi war im großen Ganzen bei guter Gesundheit, und die Halle, in der er saß, war Tag und Nacht für alle offen. Die Besucher strömten aus allen Teilen der Welt herbei. Es gab kaum ein Land, das zur einen oder anderen Zeit nicht vertreten gewesen wäre. Der Krieg behinderte natürlich den Zustrom, wobei die Zahl der indischen Besucher beständig zunahm. Viele dieser Gespräche führte der Maharshi aber mit westlichen Besuchern. Sie sind von besonderem Interesse. Die moderne Neigung zu Materialismus und Religionslosigkeit, auf die der Westen oft stolz ist, traf hier auf Widerspruch. Sri Bhagavan erstrahlte wie die Sonne, und selbst jene, die ihn nicht verstanden oder mit ihm nicht einig waren, waren fasziniert und konnten nicht anders, als sich von seiner Gegenwart erbaut zu fühlen.
Obwohl Sri Venkataramiah für diese Arbeit voll qualifiziert war, war es doch keine leichte Aufgabe, Sri Bhagavan zu folgen, wenn er einmal zu reden begonnen hatte. Er beherrschte sein Thema vollkommen, sodass es ihm nie an Worten fehlte, egal in welcher Sprache. Deshalb konnte nur einiges aufgeschrieben werden. Die Zuhörer waren zu sehr damit beschäftigt, kein einziges Wort des Gesagten zu versäumen. Zudem war das, was er sagte, nicht immer leicht zu verstehen. Sri Venkataramiah übernahm die Aufgabe des Übersetzers für die vielen englischsprachigen Besucher, die in den Ashram strömten, denn Sri Bhagavan sprach nur wenige Worte Englisch, obwohl er genug davon verstand, um die englischen Zeitungen und Zeitschriften zu lesen. Die Aufgabe als Übersetzer war noch schwieriger, als das Gesagte nur aufzuzeichnen. Sri Bhagavan sprach ohne Unterbrechung, sodass keine Pause entstand, in der der Übersetzer dem ernsthaften Sucher die Bedeutung hätte übermitteln können. Oft wurde Sri Bhagavan gebeten zu warten, bis seine Worte für den gespannten Zuhörer übersetzt worden waren. So kann man sich leicht vorstellen, wie schwierig es war, diese Aufzeichnungen zu machen. Nur jemand, der jahrelang zu Füßen des Meisters gesessen und seine Lehre und die Art, wie er sie darlegte, völlig in sich aufgenommen hatte, war dieser Aufgabe gewachsen. Glücklicherweise wurde in Sri Venkataramiah die ideale Person dafür gefunden.
Zugegeben, die Sprache ist nicht immer elegant, was unter den gegebenen Umständen auch nicht zu erwarten ist. Zweifellos hätte man sie verbessern können. Aber das meiste wurde so belassen, sonst wäre die Spontanität verloren gegangen. Obwohl die meisten Gespräche in den verschiedenen südindischen Sprachen geführt wurden, wurden sie größtenteils in Englisch aufgezeichnet und der Rest in Tamil und Telugu. Diese Teile wurden für das Buch ins Englische übersetzt. Die Notizen wurden den Fragenden oft zur Prüfung vorgelegt. Das Ganze fand Sri Bhagavans Zustimmung, da die Aufzeichnungen und auch die nötigen Änderungen in Sri Venkataramiahs Notizbuch ihm immer gezeigt wurden. Somit können wir sicher sein, dass wir hier die genaue Lehre des Meisters haben. Wenn wir sie lesen, sitzen wir erneut in der alten Halle zu seinen Füßen und nehmen jedes Wort, das von seinen Lippen kommt, in uns auf, entzückt von seinem Lächeln, den Bewegungen seiner zarten Hände und seinen Darstellungen, denn er war ein wahrer Künstler. Er spielte oft die Geschichte vor, die er erzählte, um die Pointe deutlicher zu machen.
Manche mögen dazu neigen, das Buch für eintönig zu halten, aber diese angebliche Eintönigkeit ist beabsichtigt, denn es gibt immer einen neuen Gesichtspunkt, so ähnlich sich die Gespräche auch sein mögen. Sri Bhagavan betont immer wieder die eine, essentielle Wahrheit, die für die Befreiung nötig ist, nämlich dass es nur ein Selbst gibt und nichts weiter als das Selbst. Erkenne das, und alles andere ist erkannt. Das kann nicht zu oft wiederholt werden.
Zwar bringt uns das intellektuelle Verstehen dieser Tatsache zweifellos auf den Weg, aber wenn wir diesen Weg einmal beschritten haben, muss das geistige Verstehen zum tatsächlichen Erleben werden. Um etwas unumstößlich und nicht nur oberflächlich zu kennen, muss man es sein, sonst ist das Kennen unvollständig. Wie ich bereits gesagt habe, sind wir nie etwas anderes als das Selbst, verbinden uns aber mit der Unwissenheit einer Begrenzung, mit einem Ego, vergessen den Seher und identifizieren uns mit dem Gesehenen. Was können wir dagegen tun? Diese Gewohnheit besteht schon so lange. Der Geist hat sich eine Geburt nach der anderen vorgestellt und ein Jahrhundert nach dem anderen erfunden. Dadurch hat er sich immer tiefer in diese Unwissenheit verstrickt, sodass er nun abgeneigt und fast unfähig ist, sich aus seiner Versklavung an das Spiel der Welt zu befreien, das er selbst erschaffen hat, selbst wenn er das will.
Du bist das Selbst und nichts anderes. Alles andere ist nur eine Vorstellung, also sei hier und jetzt das Selbst. Du brauchst nicht in einen Wald wegzurennen oder dich in einem Zimmer einzuschließen. Erledige weiterhin die notwendigen Dinge, befreie dich aber von der Bindung an den Handelnden. Das Selbst ist der Zeuge, und das bist du.
In diesen Gesprächen wird ein Beispiel nach dem anderen gegeben und das in einer Sprache, die allen Geschmäckern und Mentalitäten entgegenkommt. Die Lektüre dieses Buches führt den Leser von selbst nach innen zur Quelle. Diese Übung (sadhana) ist ausreichend. Betrüge dich nicht selbst. Du bist bereits Das. Es gibt nichts weiter zu erlangen. Du musst nur die falsche Verbindung loswerden und die Begrenzung als Illusion erkennen.
Sri Bhagavans Methode dafür ist bekannt: Selbstergründung. Suche immer und zu allen Zeiten die Quelle des Egos, den scheinbaren Täter. Wenn wir dieses Ziel erreichen, fällt das Ego von selbst ab, so sagt er. Nichts wird mehr übrig bleiben außer dem allseligen Selbst. Hier ist aber nicht der Ort, mehr ins Detail der Methode zu gehen. Jene, die sich dafür interessieren, können die entsprechenden Bücher vom Sri Ramanashram erhalten.
Was gibt es weiter zu sagen, als allen zu raten, dieses Buch zu lesen und zu versuchen, es Teil ihrer selbst werden zu lassen? Man sollte kein Wort leichtfertig übergehen und kein Gespräch für überflüssig halten. Es ist alles pures Gold. Hier finden wir erneut den ewigen Sri Ramana Maharshi in Person, der uns mit seinen eigenen, unvergleichlichen Worten zu unserem Wohl und zu unserer Freude belehrt.
Bei der Vorbereitung dieses Buches für den Druck wurde festgestellt, dass der erste Teil nicht chronologisch geordnet ist. Um die Veröffentlichung nicht zu verzögern, wurde beschlossen, die jetzige Anordnung nicht zu verändern, da es bezüglich des Inhalts überhaupt keinen Unterschied macht. Die Datumsangaben sind nur als Zitierhilfe und als Beweis für die Authentizität gedacht.
Sri Ramanashram, 1. Januar 1955, Sadhu Arunachala (Major A.W. Chadwick, O.B.E.)
In einer äußerst kritischen und anstrengenden Lebensphase suchte ein demütiger Devotee Bhagavan Sri Ramana Maharshis Gegenwart, um Geistesfriede zu finden. Er lebte mit der freundlichen Zustimmung des Ashram-Managers Sri Niranjananda Swami im Ashram. Der Sucher nahm es auf sich, die süßen, erfrischenden und erleuchtenden Worte des Meisters aufzuschreiben, wie es möglich war. Diese selbstauferlegte Aufgabe erfüllte er, um seinen eigenen Geist zu reinigen und die subtilen und tiefgründigen Worte Sri Bhagavans besser zu verstehen. Kurz darauf übergab der Ashram-Manager seine Mitschriften offiziell dem Ashram. Die Notizen, die den Zeitraum 1935-1939 umfassen1, wurden in diesem Buch veröffentlicht in der Hoffnung, dass einige Leser sie interessant und hilfreich für ihre spirituelle Suche finden.
Sri Ramanashram, 1. Januar 1955, Aufzeichner
1 Einige Auszüge dieser Notizen wurden bereits in ›Maharshi’s Gospel‹ (Die Botschaft des Ramana Maharshi) veröffentlicht.
Ein Wandermönch (sannyasin) bat um eine Erklärung: »Wie erkennt man, dass die ganze Welt Gott ist?«
M.: »Wenn du deine Sichtweise zur Sichtweise der Weisheit machst, dann wirst du erkennen, dass die Welt Gott ist. Wie willst du sehen, dass der höchste Geist (Brahman) alles durchdringt, wenn du Ihn nicht kennst?«
Jemand stellte eine Frage über das Wesen der Wahrnehmung.
M.: »Die Wahrnehmung entspricht dem Zustand, in dem man sich befindet. Die Erklärung dafür ist folgende: Im Wachzustand (jagrat) nimmt der grobstoffliche Körper grobstoffliche Namen und Formen wahr. Im Traum (swapna) nimmt der mentale Leib die mentalen Schöpfungen in ihren mannigfachen Formen und Namen wahr. Im traumlosen Tiefschlaf (sushupti) gibt es keine Wahrnehmung, weil die Identifikation mit dem Körper verloren gegangen ist. Ähnlich ist es im transzendentalen Zustand, wenn die Identität mit Brahman den Menschen mit allem in Harmonie versetzt und es nichts gibt, was von seinem Selbst getrennt ist.«
Jemand stellte eine Frage über das Wesen des Glücks.
M.: »Wenn ein Mensch glaubt, dass sein Glück von äußeren Umständen und seinem Besitz abhängt, dann müsste man daraus schließen, dass es mit wachsendem Besitz zunimmt und mit seiner Minderung abnimmt. Wenn er nichts besitzt, müsste sein Glück gleich Null sein. Doch was ist die wirkliche Erfahrung des Menschen? Stimmt sie mit dieser Sichtweise überein?
Im Tiefschlaf besitzt der Mensch nichts, nicht einmal seinen eigenen Körper. Doch anstatt unglücklich zu sein, ist er überaus glücklich. Jeder wünscht sich einen tiefen Schlaf. Daraus ist zu schließen, dass das Glück dem Menschen innewohnt und nicht auf äußeren Umständen beruht. Man muss sein Selbst verwirklichen, um das Vorratslager an ungetrübtem Glück zu öffnen.«
Ein gebildeter junger Mann fragte den Maharshi: »Warum sagst du, dass das Herz auf der rechten Seite liegt, während die Biologen festgestellt haben, dass es links liegt?« Der junge Mann wollte dafür einen Nachweis aus den Schriften.
M.: »Das stimmt. Keiner leugnet, dass das physische Organ links liegt. Aber das Herz, von dem ich spreche, ist nicht das physische und liegt rechts. Das ist meine Erfahrung. Ich brauchte dafür keine andere Autorität zu bemühen. Aber du kannst es in einem ayurvedischen Buch in Malayalam und in der Sita Upanishad bestätigt finden.«
Er zitierte das entsprechende Mantra aus der Sita Upanishad und den Vers aus dem ayurvedischen Buch.
Der Ingenieur Maurice Frydman bemerkte zum Thema ›Gnade‹: »Wenn eine Puppe aus Salz im Meer versinkt, dann kann sie auch kein wasserdichter Mantel vor der Auflösung schützen.«
Dies war ein sehr gelungenes Beispiel und wurde mit Beifall aufgenommen.
Der Maharshi fügte hinzu: »Der Körper ist der wasserdichte Mantel.«
Ein Mönch (sannyasin) fragte, wie man den Geist vor Ablenkungen bewahren könne.
M.: »Du siehst die Objekte, wenn du dein eigenes Selbst vergisst. Wenn du an deinem Selbst festhältst, siehst du die objektive Welt nicht mehr.«
Als er gefragt wurde, ob man okkulte Kräfte (siddhis) zusammen mit der göttlichen Allmacht (Iswaratva) erlangen könne, wie es im letzten Vers des Dakshinamurti Stotram heißt, antwortete der Maharshi: »Erlange zuerst die göttliche Allmacht, dann kannst du immer noch die anderen Fragen stellen.«02
F.: »Kann jemand davon profitieren, wenn er heilige Silben (Mantren) wiederholt, die er irgendwo aufgelesen hat?«
M. » Nein. Er muss dazu ermächtigt und in solche Mantren eingeweiht worden sein.«
Der Maharshi illustrierte das anhand folgender Geschichte: »Ein König besuchte einmal seinen Premierminister in dessen Haus. Man sagte ihm, der Premierminister sei mit Mantra-japa beschäftigt. Also wartete der König, und als der Minister endlich erschien, fragte er ihn, welches Mantra er übe. Der Minister sagte, es sei das heiligste von allen, das Gayatri. Da verlangte der König von ihm, in dessen Gebrauch eingeweiht zu werden, aber der Minister erklärte ihm, er sei dazu nicht befugt. Daraufhin lernte der König es von jemand anderem, und beim nächsten Treffen mit dem Minister sagte er es ihm auf und fragte, ob es so richtig sei. Der Minister antwortete, es sei zwar richtig, aber er sei nicht berechtigt, es zu gebrauchen. Der König wollte den Grund dafür wissen. Da rief der Minister einen Diener herbei, der in der Nähe stand, und befahl ihm, den König festzunehmen. Der Befehl wurde nicht befolgt. Der Minister wiederholte seinen Befehl immer wieder, doch er wurde immer noch nicht ausgeführt. Da wurde der König zornig und befahl demselben Diener, den Minister zu verhaften, was dieser sofort tat. Der Minister lachte und sagte, dass dies die Erklärung sei, um die der König ihn gebeten hatte. ›Wieso?‹, fragte der König. Der Minister antwortete: ›Der Befehl war derselbe und der Ausführende ebenso, aber die Autorität war verschieden. Als ich den Befehl gab, bewirkte er nichts, aber als du ihn gabst, wurde er augenblicklich ausgeführt. Mit den Mantren ist es dasselbe.‹«
Jemand fragte: » Weshalb heißt es in den Schriften, der Weise gleiche einem Kind?«
M.: »Ein Kind und ein Weiser (jnani) sind einander in dem Sinn gleich, als Ereignisse ein Kind nur so lange interessieren, wie sie andauern. Es denkt nicht mehr daran, wenn sie vorbei sind. Damit ist ersichtlich, dass sie keinen Eindruck bei ihm hinterlassen. Es wird geistig nicht von ihnen beeinflusst. Beim Weisen ist es ebenso.«
Ein Besucher fragte, wie man sich – entsprechend der Anweisung des Maharshi in Ulladu Narpadu (Vierzig Verse)03 – verwirklichen solle. Er hat Schwierigkeiten mit der Geisteskontrolle.
M.: »Man kontrolliert den Atem. Wenn du für dich alleine, ohne fremde Hilfe, Atemkontrolle übst, wird dadurch der Geist kontrolliert. Ansonsten kommt der Geist in der Gegenwart einer höheren Macht von selbst unter Kontrolle. Darin besteht die Bedeutung des Umgangs mit den Weisen (satsanga).«
F.: »Kann das Schicksal (karma) jemals enden?«
M.: »Die Taten (karmas) tragen den Samen ihrer eigenen Zerstörung in sich.«04
Ein Mann bat den Maharshi, er möge ihm etwas sagen. Als man ihn fragte, was er wissen wolle, antwortete er, dass er nichts wisse und etwas vom Maharshi hören wolle.
M.: »Du weißt, dass du nichts weißt. Gehe dieser Erkenntnis nach. Das ist die Befreiung (mukti).«
Die Engländerin M.A. Piggot kam den Maharshi besuchen. Sie hatte ›A Search in Secret India‹ [von Paul Brunton] gelesen. Ein Schüler stand als Übersetzer bereit. In der Halle waren viele Besucher, auch einige Frauen mit ihren Kindern. Es war deshalb sehr laut. Schließlich wurde es still. Plötzlich hörte man den Maharshi, der seinen Blick ins Unendliche gerichtet hatte, sanft sagen: ›Na, Äffchen!‹ Ein kleines Affenbaby stand im Eingang, unbewacht von der Mutter, die auf der anderen Seite der Tür saß. Ein großer Affe stand auf seinen Hinterbeinen bei ihm und streichelte es mit beiden Pfoten, beide friedvoll vereint in der Gegenwart des Maharshi. Als die Stimme des Maharshi ertönte, sprang der Affe gewandt davon und verschwand. Der Vorfall beeindruckte die Frau sehr.
»Ist für die Verwirklichung ein Meister nötig?«, lautete die erste Frage, die Frau Piggot stellte.
M.: »Die Gnade des Meisters trägt mehr zur Verwirklichung bei als Lehren, Vorträge, Meditation usw. Diese sind nur von zweitrangiger Bedeutung, während die Gnade die eigentliche und wesentliche Ursache ist.«
F.: »Welches sind die Hindernisse, die die Verwirklichung des Selbst vereiteln?«
M.: »Die Denkgewohnheiten (vasanas).«
F.: »Und wie soll man sie überwinden?«
M.: »Indem man das Selbst verwirklicht.«
F.: »Das ist ein Teufelskreis.«
M.: »Es ist das Ego, das solche Schwierigkeiten bereitet. Es schafft Hindernisse und leidet dann an der Verwirrung, die aufgrund der scheinbaren Widersprüche entsteht. Finde heraus, wer diese Fragen stellt, und du wirst das Selbst finden.«
F.: »Welche Hilfsmittel gibt es für die Verwirklichung?«
M.: »Die Lehren der heiligen Schriften und von Menschen, die das Selbst verwirklicht haben.«
F.: »Gehören zu diesen Lehren auch Diskussionen, Vorträge und Meditationen?«
M.: »Ja, aber diese Hilfen sind nur zweitrangig, während die Gnade des Meisters wesentlich ist.«
F.: »Wie lange dauert es, bis man sie erlangt?«
M.: »Wozu willst du das wissen?«
F.: »Damit ich hoffen kann.«
M.: »Auch dieser Wunsch ist ein Hindernis. Das Selbst ist immer da. Nichts existiert ohne es. Sei das Selbst, und Wünsche und Zweifel werden verschwinden. Das Selbst ist der Zeuge im Tiefschlaf, Traum und Wachzustand. Diese drei Zustände gehören dem Ego an. Das Selbst überschreitet das Ego. Hast du nicht auch im Tiefschlaf existiert? Warst du dir derweilen bewusst, dass du schläfst und der Welt nicht gewahr warst? Erst im Wachzustand beschreibst du die Erfahrung des Tiefschlafs als Wahrnehmungslosigkeit. Deshalb ist das Bewusstsein im Schlaf dasselbe wie im Wachzustand. Wenn du weißt, was dieses Wachbewusstsein ist, erkennst du auch das Bewusstsein, das alle drei Zustände bezeugt. Dieses Bewusstsein kann man finden, indem man das Bewusstsein sucht, das im Tiefschlaf vorhanden ist.«
F.: »Dabei schlafe ich ein.«
M.: »Das macht nichts.«
F.: »Da ist nur Leere.«
M.: »Wer sieht die Leere? Finde es heraus. Du kannst dich zu keiner Zeit selbst verleugnen. Das Selbst ist immer da und bleibt in allen Zuständen bestehen.«
F.: »Soll ich wie im Tiefschlaf bleiben und zugleich aufmerksam sein?«
M.: »Ja. Aufmerksamkeit ist der Wachzustand. Deshalb kann dieser Zustand kein Schlaf sein, sondern ist schlafloser Schlaf. Wenn du den Weg deiner Gedanken mitgehst, wirst du von ihnen davongetragen und findest dich in einem endlosen Labyrinth wieder.«
F.: »Dann muss ich also die Spur der Gedanken bis zu ihrem Ursprung zurückverfolgen.«
M.: »Genau. Auf diese Weise verschwinden die Gedanken, und nur das Selbst bleibt übrig. In Wirklichkeit gibt es für das Selbst kein Innen und Außen. Das sind ebenfalls Projektionen des Egos. Das Selbst ist rein und absolut.«
F.: »Ich verstehe das nur theoretisch. Trägt nicht auch der Verstand zur Verwirklichung bei?«
M.: »Ja, bis zu einem gewissen Grad. Trotzdem musst du erkennen, dass das Selbst den Verstand überschreitet – er muss verschwinden, um das Selbst zu erreichen.«
F.: »Hilft meine Verwirklichung den anderen?«
M.: »Gewiss. Sie ist die bestmögliche Hilfe. Aber in Wirklichkeit gibt es keine anderen, denen man helfen müsste. Denn ein Verwirklichter sieht nur das Selbst, so wie ein Goldschmied nur das Gold sieht, wenn er verschiedene Schmuckstücke schätzt. Nur wenn du dich mit dem Körper identifizierst, gibt es Formen und Gestalten. Aber wenn du deinen Körper überschreitest, dann verschwinden die anderen zusammen mit deinem Körperbewusstsein.«
F.: »Ist es mit Pflanzen, Bäumen usw. ebenso?«
M.: »Existieren sie denn getrennt vom Selbst? Finde es heraus. Du denkst, dass du sie siehst. Dieser Gedanke wird von deinem Selbst hervorgebracht. Finde heraus, wo er entsteht. Dann werden keine Gedanken mehr auftauchen, und nur das Selbst bleibt übrig.«
F.: »Ich verstehe das zwar theoretisch, aber die Pflanzen und Bäume sind immer noch da.«
M.: »Ja. Es ist wie im Kino. Die Leinwand wird vom Licht beleuchtet, und die Schatten, die darüber huschen, erwecken bei den Zuschauern den Eindruck von der Inszenierung eines Stückes. Ähnlich ist es, wenn im selben Stück auch die Zuschauer gezeigt werden. Der Seher und das Gesehene würden dann nur die Leinwand sein. Wende das auf dich selbst an. Du bist die Leinwand. Das Selbst hat das Ego hervorgebracht. Dem Ego wachsen Gedanken zu, die sich als Welt, Bäume, Pflanzen usw. zeigen, nach denen du fragst. In Wirklichkeit sind all diese Dinge nichts anderes als das Selbst. Wenn du das Selbst siehst, wirst du erkennen, dass Es alles ist, immer und überall. Es gibt nichts anderes als das Selbst.«
F.: »Ja, und trotzdem verstehe ich es noch immer nur theoretisch. Aber deine Antworten sind so einfach, schön und überzeugend.«
M.: »Sogar der Gedanke ›Ich erkenne Es nicht‹ ist ein Hindernis. In Wirklichkeit gibt es nur das Selbst.«
Ein alter Mann kam in die Halle und setzte sich. Der Maharshi las Lakshmana Sarmas Sanskrit-Fassung von Arunachala Aksharamanamalai (die ersten der fünf Hymnen an Arunachala) vor.
Der Mann fragte leise: »Es heißt, dass die Verwirklichung nicht in Worte gefasst werden könne und jeder Versuch, sie zu beschreiben, scheitere. Ist das so?«
M.: »Dieser Punkt wird im dritten Vers des Arunachala Ashtakam (Acht Verse für Arunachala) erwähnt, wo es heißt, dass es zwar unmöglich sei, über die Verwirklichung etwas auszusagen, dass es aber Anzeichen für ihr Vorhandensein gäbe.«05
Der Mann war sehr bewegt. Sein Atem ging tief und schwer. In demütiger Verehrung warf er sich zu Boden und erhob sich erst nach einigen Minuten wieder. Nachdem er eine Weile schweigend verharrt hatte, ging er. Offensichtlich hatte er eine Erleuchtung gehabt. Er hatte beim Maharshi Bestätigung gesucht und sie in seiner Antwort gefunden.
Jemand fragte nach der Bedeutung des Satzes in den Upanishaden: »Der höchste Geist ist feiner als das Feinste und größer als das Größte.«
M.: »Der Geist hat sogar die Struktur des Atoms entdeckt. Also ist der Geist feiner als das Atom. Das, was hinter dem Geist ist, nämlich die individuelle Seele, ist feiner als der Geist. Zudem hat der Tamil-Heilige Manikkavasagar gesagt: ›Wenn jedes Staubkörnchen, das im Sonnenlicht tanzt, ein Universum darstellt, dann stellt das Sonnenlicht das höchste Sein dar.‹«
Grant Duff rechts neben Ramana sitzend, Munagala Venkatataramia 1. Reihe zweiter von rechts, Yogi Ramiah 1. Reihe zweiter von links, ca. 1935
Herr Douglas Ainslie (Grant Duff), ein 70jähriger englischer Aristokrat und Neffe eines früheren Gouverneurs von Madras, Schriftsteller und Dichter, ehemaliges Mitglied der britischen Botschaften in Athen, Paris und Den Haag, war als Gast der Regierung nach Madras gekommen. Mit einem Empfehlungsschreiben von Paul Brunton besuchte er den Maharshi. Am nächsten Tag kam er wieder und blieb fast eine Stunde in der Halle. Beide Male wurde so gut wie nichts gesprochen, aber die Blicke trafen sich.
Herr Ainslie lebt sehr bescheiden. Er nimmt bis zum Mittagessen um 1 Uhr nichts zu sich. Seine Abendmahlzeit soll nur aus Kaffee und Keksen bestehen, und er geht schlafen, ohne noch etwas zu essen. Er ist sein Leben lang unverheiratet geblieben. Er wandert jeden Morgen mit nüchternem Magen einige Kilometer, spricht wenig, und seine Bewegungen sind sehr anmutig. Seine Stimme ist tief und leise, und was er sagt, kommt von Herzen. Zu seinen Freunden zählt der späte Sir John Woodroffe, Sri Sarvepalli Radhakrishnan und Professor Thomas, Sanskrit-Professor an der Oxford-Universität. Herr Ainslie äußerte den Wunsch, die Veden rezitiert zu hören.
Am Montag war ein Brief aus Riga eingetroffen mit ähnlichen Fragen, die Herr Ainslie gestellt hatte. Es handelte sich um die Existenz der Verstorbenen und wie man ihnen am besten dienen könne. Die Antwort, die für Riga bestimmt war, wurde ihm vorgelesen. Dann wurden Tamil-Lieder aus Maharshis ›Vierzig Versen‹ und aus den Veden vorgetragen. Herr Ainslie fand die Rezitation großartig.
Am folgenden Nachmittag kam er wieder und erzählte dem Maharshi, zum Erstaunen der anderen, von seinem Erlebnis in der vergangenen Nacht. Er hatte etwas wie ein elektrisches Licht in seinem rechten Herzzentrum wahrgenommen und die Sonne in seinem Inneren strahlen sehen. Der Maharshi lächelte nur und ließ ihm eine Übersetzung von Atma Vidya (Selbsterkenntnis) vorlesen, in der es geheimnisvoll heißt, dass die Verwirklichung darin bestünde, das Selbst (atman) zu erreichen, das die Ausweitung des reinen Bewusstseins (chidvyoman) im Unterschied zur Ausweitung des individuellen Geistes (chittavyoman) sei. Diese Erklärung sagte ihm zu.
Als man später über Herrn Ainslie sprach, meinte der Maharshi: »Stellt euch einen 70jährigen vor, der sich nicht dafür entschieden hat, friedvoll zuhause von seinem Vermögen zu leben. Wie tief muss sein Verlangen gewesen sein, dass er sein Heimatland verließ, eine Seereise von 6.000 Meilen wagte und die Entbehrung von langen Eisenbahnfahrten in einem fremden Land nicht scheute, ohne dessen Sprache zu kennen, den Wechselfällen eines einsamen Lebens und der Unbarmherzigkeit eines heißen Klimas ausgesetzt, in einer Umgebung, die ihm unangemessen und ungewohnt ist. Er hätte glücklich zuhause bleiben können, aber sein Sehnen nach innerem Frieden hat ihn hergebracht.«
Genau! Die Leute sagen, dass sich sein intensives Verlangen in seinem Erleuchtungserlebnis, das er bereits vier Tage nach seiner Ankunft gehabt hatte, gezeigt habe.
Die Fragen über die Toten wurden dahingehend beantwortet: »Solange sich ein Mensch mit seinem grobstofflichen Körper identifiziert, müssen auch die Gedanken, die sich als grobstoffliche Erscheinungen materialisieren, für ihn wahr sein. Da er sich vorstellt, dass sein Körper von einem anderen physischen Lebewesen abstammt, ist der andere Körper für ihn ebenso wirklich wie sein eigener. Da er einmal hier existiert hat, überlebt er auch den Tod, da sein Nachkomme immer noch da ist und glaubt, vom anderen geboren worden zu sein. Unter diesen Umständen betrachtet ist die andere Welt wahr, und den Toten kommen die Gebete zugute, die für sie verrichtet werden.
Wenn man es aber anders betrachtet, ist die eine Wirklichkeit das Selbst, aus dem das Ego gekommen ist, das die Samen der Veranlagungen aus früheren Geburten in sich trägt. Das Selbst erleuchtet das Ego, die Veranlagungen und auch die Sinne, worauf die Veranlagungen den Sinnen als das materialisierte Universum erscheinen und für das Ego, der Reflexion des Selbst, wahrnehmbar werden. Das Ego identifiziert sich mit dem Körper und verliert dadurch das Selbst aus seinem Blick. Das Ergebnis dieser Unachtsamkeit ist tiefes Nichtwissen und das Elend des gegenwärtigen Lebens. Die Tatsache, dass das Ego aus dem Selbst kommt und es vergisst, ist die Geburt. Man kann also sagen, dass die Geburt des Individuums den Tod der Mutter [i.e. des Selbst] bedeutet. Das jetzige Verlangen, seine Mutter wiederzubekommen, ist in Wirklichkeit das Verlangen, das Selbst wiederzugewinnen, und bedeutet dasselbe wie Selbstverwirklichung oder der Tod des Egos. Das ist die Hingabe an die Mutter, auf dass sie ewig lebe.«
Dann las der Maharshi die Geschichte von Deerga Tapasi aus der tamilischen Version des Yoga Vasishta vor. Deerga Tapasi hatte zwei Söhne, Punya und Papa. Nach dem Tod der Eltern trauerte der Jüngere über den Verlust. Sein älterer Bruder tröstete ihn mit folgenden Worten: »Warum betrauerst du den Verlust unserer Eltern? Ich will dir sagen, wo sie sind. Sie sind nur in uns. Wir sind sie. Denn der Lebensstrom ist durch unzählige Verkörperungen, Geburten und Tode, Freuden und Leiden hindurchgegangen, wie das Wasser eines Flusses auf seinem Weg über Felsen, durch Gruben, Sand, Erhebungen und Senkungen fließt. Aber der Fluss bleibt davon unberührt. Die Freuden und Leiden, Geburten und Tode sind in der Fata Morgana des Egos wie die Wellenbewegungen auf einer scheinbaren Wasseroberfläche. Die einzige Wirklichkeit ist das Selbst, aus dem das Ego auftaucht und durch Gedanken fließt, die sich als das Universum manifestieren, in dem Mütter und Väter, Freunde und Verwandte erscheinen und wieder verschwinden. Sie sind nur Manifestationen des Selbst. Deshalb sind unsere Eltern nicht außerhalb des Selbst, und es gibt keinen Grund zu trauern. Lerne das, verwirkliche es und sei glücklich.«
Herr W. Y. Evans-Wentz, ein englischer Forscher der Oxford Universität, kam mit einem Empfehlungsschreiben von Herrn Brunton. Er war von der Reise erschöpft und brauchte zunächst Ruhe. Er ist an die indische Lebensweise gewohnt und schon öfter in Indien gewesen. Er hat Tibetisch gelernt und das Tibetanische Totenbuch, die Biografie Milarepas, des größten tibetischen Yogi, sowie ein Buch über die tibetanischen Geheimlehren mitübersetzt und herausgebracht.
Am Nachmittag stellte er einige Fragen über Yoga. Er wollte wissen, ob es richtig sei, Tiere wie Tiger und Rehe zu töten, um ihr Fell als Unterlage für die Yoga-Stellung (asana) zu benutzen.
M.: »Der Geist ist der Tiger oder das Reh.«
F.: »Wenn alles eine Illusion ist, dann darf man also töten?«
M.: »Wer hat die Illusion? Finde das heraus. Tatsächlich ist jeder in jedem Augenblick seines Lebens ein Selbst-Mörder (atmahan).«
F.: ›Welche Yoga-Stellung ist die beste?‹
M.: »Jede Stellung, vielleicht sukha asana (die leichte oder Halb-Buddha-Stellung). Aber das ist für jnana (den Weg der Erkenntnis) unwesentlich.«
F.: »Lässt die Sitzhaltung auf die Veranlagung schließen?›
M.: »Ja.«
F.: »Was sind die Eigenschaften und Wirkungen eines Tiger- oder Rehfells oder von Wolle?«
M.: »Das wird in den Yoga-Büchern beschrieben. Es hat mit der guten oder schlechten magnetischen Leitfähigkeit usw. zu tun. Aber das alles ist für den Weg der Erkenntnis (jnana marga) bedeutungslos. Die Haltung meint in Wirklichkeit Stand und Festigkeit im Selbst, und sie ist im Innern. Beim anderen handelt es sich um äußere Haltungen.«
F.: »Welche Tageszeit ist für die Meditation am besten?«
M.: »Was ist Zeit?«
F.: »Sag es mir!«
M.: »Zeit ist lediglich eine Vorstellung. Es gibt nur die Wirklichkeit. Wofür du sie auch immer hältst, das scheint sie zu sein. Nennst du sie Zeit, ist sie Zeit. Nennst du sie Existenz, ist sie Existenz und so fort. Nachdem du sie Zeit genannt hast, unterteilst du sie in Tage und Nächte, Monate, Jahre, Stunden, Minuten usw. Zeit ist für den Weg der Erkenntnis unwesentlich. Aber einige dieser Regeln und Disziplinen sind für den Anfänger nützlich.«
F.: »Worin besteht der Pfad der Erkenntnis (jnana marga)?«
M.: »Die Konzentration des Geistes ist beiden gemein, dem Pfad der Erkenntnis und dem des Yoga. Yoga strebt die Einheit des Individuums mit dem Ganzen, mit der Wirklichkeit an. Diese Wirklichkeit kann nicht neu sein. Sie muss auch jetzt existieren, und sie existiert. Deshalb versucht man auf dem Pfad der Erkenntnis herauszufinden, wie Trennung (viyoga) entstanden ist. Die Trennung ist ja nur eine Trennung von der Wirklichkeit.«
F.: »Was ist Illusion?«
M.: »Wer hat die Illusion? Finde das heraus. Dann verschwindet sie. Immer wollen die Leute wissen, was Illusion ist, und untersuchen nicht, wer sie hat. Das ist töricht. Illusion ist etwas Äußeres und Unbekanntes. Aber der Sucher gilt als bekannt und ist im Innern. Finde heraus, was unmittelbar und vertraut ist, anstatt herauszufinden, was weit weg und unbekannt ist.«
F.: »Empfiehlt Bhagavan Europäern eine bestimmte Körperhaltung?«
M.: »Vielleicht ist es ganz nützlich, eine bestimmte Sitzhaltung einzunehmen. Doch es muss klar sein, dass das Fehlen von asanas, festen Zeiten oder anderen Nebensächlichkeiten dieser Art die Meditation nicht verhindert.«
F.: »Empfiehlt der Maharshi Europäern eine besondere Methode?«
M.: »Das hängt von der geistigen Fähigkeit des Einzelnen ab. Es gibt keine starren und festen Regeln.«
Herr Evans-Wentz stellte noch mehrere Fragen, von denen sich die meisten auf die Yoga-Vorbereitungen bezogen. Der Maharshi beantwortete alle dahingehend, dass sie Hilfsmittel fürs Yoga seien, dass Yoga aber selbst ein Hilfsmittel für die Selbstverwirklichung, dem Ziel von allem, sei.
F.: »Ist Arbeit ein Hindernis für die Selbstverwirklichung?«
M.: »Nein. Für den Verwirklichten ist allein das Selbst die Wirklichkeit. Die Handlungen gehören lediglich der Welt der Erscheinungen an. Sie berühren das Selbst nicht. Auch wenn der Verwirklichte handelt, hat er nicht das Empfinden, der Handelnde zu sein. Seine Handlungen geschehen unwillkürlich, und er bleibt ihnen gegenüber ein Zeuge, ohne ihnen verhaftet zu sein. Sein Handeln geschieht absichtslos. Auch jemand, der auf dem Weg der Erkenntnis (jnana) ist, kann üben, während er einer Beschäftigung nachgeht. Am Beginn kann es für den Anfänger schwierig sein, aber nach einiger Übung gelingt es, und die Arbeit wird nicht mehr als Hindernis für die Meditation empfunden.«
F.: »Worin besteht die Übung?«
M.: »In der beständigen Suche nach dem Ich, der Quelle des individuellen Ich. ›Wer bin ich?‹ – finde das heraus. Das reine Ich ist die Wirklichkeit, Sein-Bewusstsein-Seligkeit in seiner Absolutheit. Wenn man DAS vergisst, entsteht das ganze Elend. Wenn man DAS festhält, kann das Elend der Person nichts anhaben.«
F.: »Ist nicht brahmacharya (Ehelosigkeit) notwendig, um das Selbst zu verwirklichen?«
M.: »Brahmacharya bedeutet, in Brahman zu leben. Es hat nichts mit Ehelosigkeit zu tun, wie es üblicherweise verstanden wird. Ein wahrer brahmachari ist einer, der in Brahman lebt und in Brahman, das mit dem Selbst identisch ist, sein Glück findet. Warum sollte er dann nach anderen Glücksquellen suchen? In Wirklichkeit ist das Auftauchen aus dem Selbst die Ursache allen Elends.«
F.: »Ist nicht Ehelosigkeit eine grundlegende Bedingung für die Ausübung von Yoga?«
M.: »Ja, sie ist sicherlich für die Verwirklichung ein Hilfsmittel unter vielen anderen.«
F.: »Dann ist sie nicht unbedingt nötig? Kann ein verheirateter Mann das Selbst verwirklichen?«
M.: »Selbstverständlich. Es ist eine Frage der geistigen Reife. Verheiratet oder unverheiratet, man kann das Selbst verwirklichen, denn das Selbst ist hier und jetzt da. Wenn das nicht der Fall wäre und es nur durch Anstrengung irgendwann in der Zukunft erlangt werden könnte, wenn es etwas Neues wäre, das man erwerben müsste, dann wäre es nicht des Strebens wert. Denn was nicht natürlich ist, kann auch nicht von Dauer sein. Deshalb sage ich, dass das Selbst hier und jetzt da ist und dass ES allein existiert.«
F.: »Da Gott in allen Lebewesen wohnt, darf man kein Leben nehmen. Tut die Gesellschaft Recht daran, einen Mörder hinzurichten? Oder darf es der Staat? In den christlichen Länder beginnt man, es für unrecht zu halten.«
M.: »Was hat den Mörder veranlasst, eine Straftat zu begehen? Dieselbe Kraft lässt ihm nun die Bestrafung zuteilwerden. Gesellschaft und Staat sind nur ein Werkzeug in der Hand dieser Kraft. Du sprichst von einem Leben, das genommen wurde – was aber ist mit den unzähligen Leben, die der Krieg vernichtet?«
F.: »Genau. Töten ist in jedem Fall unrecht. Sind Kriege zu rechtfertigen?«
M.: »Für den Verwirklichten, denjenigen, der immer im Selbst bleibt, macht der Verlust eines oder mehrerer oder aller Leben in dieser Welt oder in allen drei Welten06 keinen Unterschied. Selbst wenn er es wäre, der alle vernichten würde, könnte keine Sünde eine solch reine Seele berühren.«
Der Maharshi zitierte Bhagavad Gita 18,17: »Wer frei von der Vorstellung des Egos ist, wessen Verstand ungebunden ist, der tötet nicht, selbst wenn er alle Welten vernichtet, noch ist er an das Resultat seiner Handlungen gebunden.«
F.: »Wirken sich die Handlungen eines Menschen nicht auf seine späteren Geburten aus?«
M.: »Bist du jetzt geboren? Warum denkst du an andere Geburten? In Wahrheit gibt es weder Geburt noch Tod. Soll der, der geboren wurde, an den Tod denken und an Mittel, sich Linderung zu verschaffen.«
F.: »Wie lange hat der Maharshi gebraucht, um das Selbst zu verwirklichen?«
M.: »Diese Frage stellst du, weil du Name und Form wahrnimmst. Diese Wahrnehmungen ergeben sich aus der Identifikation des Egos mit dem grobstofflichen Leib.
Wenn sich das Ego mit dem subtilen Geist identifiziert wie im Traum, dann sind auch die Wahrnehmungen subtil. Aber im Tiefschlaf gibt es keine Wahrnehmungen. War das Ego nicht trotzdem da? Andernfalls könnte es keine Erinnerung geben, geschlafen zu haben. Wer hat also geschlafen? Du sagst in deinem Schlaf nicht, dass du schläfst. Du sagst es erst jetzt im Wachzustand. Deshalb ist das Ego dasselbe im Wachen, Traum und Tiefschlaf. Finde die Wirklichkeit hinter diesen Zuständen. Das ist die Wirklichkeit, die ihnen zugrunde liegt. In diesem Zustand gibt es nur das Sein. Es gibt kein Du, Ich oder Er, keine Gegenwart, keine Vergangenheit und keine Zukunft. Dieser Zustand ist jenseits von Raum und Zeit und kann nicht mit Worten beschrieben werden. Er ist immer da.
Wie eine Bananenstaude Schösslinge aus den Wurzeln treibt, bevor sie Früchte trägt, und danach abstirbt, und wie die Schösslinge dasselbe tun, nachdem sie eingepflanzt worden sind, so hat auch der ursprüngliche alte Meister (Dakshinamurti), der die Zweifel seiner rishi-Schüler in Schweigen klärte, Schösslinge hinterlassen, die sich beständig vermehren. Der Guru ist ein Spross von Dakshinamurti.07 Die Frage taucht nicht auf, wenn das Selbst verwirklicht ist.«
F.: »Erfährt der Maharshi nirvikalpa samadhi?«
M.: »Wenn die Augen geschlossen sind, ist es nirvikalpa, wenn sie offen sind, ist es savikalpa, in dem es zwar Unterschiede, aber völlige Ruhe gibt. Der stets gegenwärtige Zustand ist der natürliche Zustand von sahaja.«
Herr Evans-Wentz fragte: »Es gibt Yogis, die okkulte Kräfte besitzen. Wie denkt der Maharshi darüber?«
M.: »Diese Kräfte sind durch Hörensagen oder Zurschaustellung bekannt. Folglich existieren sie nur im Bereich des Geistes.«
F.: »Herr Brunton erwähnte einen Yogi in Madras, der mit seinem Meister im Himalaya auf übersinnliche Weise in Verbindung stand.«
M.: »Das ist nicht erstaunlicher als Telepathie und demnach nichts Besonderes. Telepathie kann es nicht ohne den Hörenden geben und Hellsehen nicht ohne den Sehenden. Worin besteht der Unterschied zwischen dem Hören aus der Ferne oder aus der Nähe? Nur der Hörende ist von Bedeutung. Ohne ihn kann es kein Hören geben und ohne den Sehenden kein Sehen.«
F.: »Du willst also, dass ich das Subjekt beachte und nicht das Objekt.«
M.: »Subjekt und Objekt entstehen erst, nachdem der Geist aufgetaucht ist. Sie sind im Geist, genauso wie die okkulten Kräfte.«
F.: »Kann man Lichterscheinungen (jothis) auf dem Arunachala sehen?« M.: »Ja.«
F.: »Hat der Besuch heiliger Orte wie des Berges Kailash, Benares usw. eine psychische Wirkung?«
M.: »Ja.«
F.: »Ist es von Vorteil, wenn man in Benares stirbt?«
M.: »Ja. Die Bedeutung wird klar, wenn man versteht, was das wirkliche Benares und das wirkliche Sterben ist.«
F.: »Meinst du damit, dass sie im Selbst sind?«
M.: »Ja.«
F.: »Es gibt sechs Zentren (Chakren) im Körper und ihnen entsprechende Zentren in der Welt.«
M.: »Ja. Was in der Welt ist, ist auch im Körper, und was im Körper ist, ist auch in der Welt.«
F.: »Ist die Heiligkeit von Benares Glaubenssache oder entspricht sie auch objektiv der Wirklichkeit?«
M.: »Beides.«
F.: »Manche Menschen fühlen sich zum einen Pilgerort hingezogen, andere zu einem anderen. Hängt das von ihrer Veranlagung ab?«
M.: »Ja. Denk nur daran, dass ihr euch alle hier versammelt habt, obwohl ihr in verschiedenen Städten geboren worden seid und in verschiedenen Ländern lebt. Welche Kraft hat dich hierher gezogen? Wenn ihr das versteht, versteht ihr auch die andere Kraft.«
Herr Grant Duff fragte: »Wo sind Erinnerung und Vergessen lokalisiert?«
Maharshi: »Im Geist (chitta).«
Herr Evans-Wentz: »Ist Einsamkeit für einen Verwirklichten (jnani) notwendig?«
M.: »Einsamkeit ist im Geist des Menschen. Ein Mensch kann im Dickicht der Welt leben und gelassen bleiben. So jemand ist einsam. Ein anderer mag im Wald leben, doch unfähig sein, seinen Geist zu kontrollieren. Ihn kann man nicht einsam nennen. Einsamkeit ist eine Geisteshaltung. Ein Mensch, der an seinen Wünschen hängt, kann nicht einsam sein, wo immer er auch ist. Ein losgelöster Mensch ist immer einsam.«
F.: »Man kann also ohne Wünsche seine Arbeit tun und die Einsamkeit beibehalten. Ist es so?«