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Dargestellte Personen auf den Titelbildern stehen mit dem Roman in keinem Zusammenhang.
ISBN: 978-3-74097-219-6
Der weite Rock des zartgelben Seidenkleides flatterte im Sommerwind. Das Kleid hatte fast die Farbe der reifenden Kornfelder zu beiden Seiten des schmalen Weges. Und es kleidete seine dunkelhaarige Trägerin ausgezeichnet.
Leicht und beschwingt ging Denise von Schoenecker an der Seite ihres Mannes durch die Felder. Soweit das Auge reichte, gehörte das fruchtbare Land zu Gut Schoeneich. Alexander von Schoenecker war stolz auf diesen Besitz. Seine schöne Frau teilte diese Leidenschaft.
»Hier werden wir mit der Ernte anfangen«, erklärte der große, breitschultrige Mann gerade. Er zeigte dabei auf ein riesiges, goldgelbes Weizenfeld. Sanft beugten sich die reifen, schweren Ähren im Wind. Ein leises Rauschen erfüllte die Luft. Es roch nach der sommerlich warmen Erde, nach reifenden Äpfeln und frischem Heu.
Denise lehnte sich leicht gegen ihren Mann.
»Wunderschön sieht das aus«, flüsterte sie verträumt. »Ich glaube, so gut wie in diesem Jahr stand die Ernte noch nie.«
Alexander nickte schmunzelnd. »Ja, es wird einen Rekordertrag geben. Dank der neuen Düngungs- und Bewässerungsmethoden.«
»Ich bin so stolz auf dich. Lächelnd schaute Denise zu Alexander auf. Sie liebte ihn mit der ganzen Kraft ihres Herzens. An seiner Seite hatte sie das große, das echte Glück gefunden.
»Und ich bin stolz auf dich«, gab er voll Zärtlichkeit zurück.
Wie ein verliebtes junges Paar sahen sich die beiden in die Augen. Die Lippen des Mannes legten sich auf den Mund der Frau und küssten ihn ungeniert.
»Du bist eine wunderbare Frau, Denise«, murmelte Alexander und strich dabei liebevoll über ihr glänzendes dunkles Haar. »Oft frage ich mich, wie du es fertigbringst, nicht nur für deine eigene Familie stets Zeit zu haben, sondern auch für die vielen fremden Kinder auf Sophienlust, und dabei immer so wundervoll gepflegt und apart auszusehen.«
Alexander von Schoenecker betrachtete seine Frau voll offener Bewunderung. Es schien, als würden die Jahre spurlos an ihr vorübergehen. Sie war noch immer schön, schlank und zierlich wie ein junges Mädchen. Aber ihr Wesen hatte den Charme einer gütigen, reifen Frau. Das war es wohl, was Denise von Schoenecker überall so außerordentlich beliebt machte.
»Wer so glücklich ist wie ich, dem fällt alles leicht«, wehrte Denise bescheiden ab. Flüchtig dachte sie daran, wie viele Schwierigkeiten es gegeben hatte, als sie vor etwa zehn Jahren als junge Witwe für ihren Sohn das Erbe Sophie von Wellentins angetreten hatte. Missgunst, Neid und Unvernunft hatten es ihr fast unmöglich gemacht, den Wunsch von Nicks Urgroßmama, ein Kinderheim aus Sophienlust zu machen, zu verwirklichen. Vielleicht wäre es ihr nie gelungen, wäre ihr nicht Alexander von Schoenecker, ihr damaliger Nachbar, mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Es war fast selbstverständlich gewesen, dass sich aus diesem Vertrauensverhältnis Liebe entwickelt hatte. Sie hatten geheiratet. Und Denise war Alexanders Kindern aus erster Ehe eine gute Mutter geworden. Längst hatte sie Sascha und Andrea genauso lieb wie Alexander ihren Sohn Dominik. Als dann noch das Nesthäkchen Henrik dazugekommen war, war das Glück vollkommen geworden. Inzwischen war Andrea schon verheiratet, und Sascha studierte in Heidelberg. Doch die enge Bindung zum Elternhaus war bestehen geblieben.
Innig legte Alexander den Arm um die schmale Taille seiner Frau und ging langsam mit ihr weiter. Immer wieder fanden sie Gelegenheit, eine Stunde ganz allein zu sein, trotz der vielen Arbeit. Und diese Stunden gehörten zu ihren schönsten Erlebnissen.
»Das Leben ist so schön, wenn es einen Menschen gibt, mit dem man sich so gut versteht«, raunte der Mann. Liebevoll drückte er dabei Denises Hand.
»Ja«, gab Denise strahlend zurück. »Jeder Tag mit dir ist schön. Und jeder Tag ist viel zu kurz.«
»Den Eindruck habe ich auch. Ich habe nie genügend Zeit, dir all das zu sagen, was ich empfinde. Dir zu sagen, wie sehr ich dich liebe und wie gut du mir gefällst. Ich kenne dich nun schon so lange, aber ich entdecke immer wieder neue Reize an dir. Selbst wenn wir beide für den Rest unseres Lebens auf einer kleinen, einsamen Insel leben müssten, würde ich keine Minute Langeweile empfinden, solange du in meiner Nähe wärst.«
»Schmeichler«, wehrte Denise lachend ab. Ihr Mann machte ihr täglich Komplimente. Immer wieder bewies er ihr seine große Liebe. Manchmal durch Geschenke, manchmal durch ein liebes Wort, eine zärtliche Geste oder einen verliebten Blick. Er verwöhnte sie. Doch niemals nahm Denise all dies für selbstverständlich. Sie war glücklich über die vertrauten kleinen Zärtlichkeiten, und sie tat alles, um die gegenseitige Zuneigung zu fördern und zu erhalten.
»Du weißt, dass ich es ernst meine.« Alexander zog Denise noch enger an sich. Stundenlang hätte er mit ihr so durch die Felder streifen mögen. Wenn sie an seiner Seite war, schien die Sonne viel heller, war die Luft viel reiner, sangen die Lerchen noch einmal so schön.
»Schau mal, wer da kommt!« Mit fröhlichem Lachen wies Denise den Feldweg entlang.
In etwa dreihundert Meter Entfernung rannte ein etwa fünfzehnjähriger Junge. Er war groß und schmal. Das blauschwarze Haar hing ihm ein wenig ins Gesicht. Er trug engsitzende Blue Jeans und ein buntes Hemd.
Alexander nickte vielsagend. »Nick kann es wieder einmal nicht erwarten, über seine Erlebnisse zu berichten.« Stolz und väterliche Liebe lagen dabei in seinem Blick. Nick war ihm ans Herz gewachsen. Eigentlich hatte er längst vergessen, dass er nicht der Vater dieses prächtigen Burschen war.
»Mutti, Vati«, keuchte der Junge ein wenig außer Atem. »Na, endlich finde ich euch!« Nick strich sich das dunkle Haar aus dem hübschen Gesicht. Er war seiner schönen Mama sehr ähnlich. Nicht nur äußerlich, auch im Charakter.
Nick liebte Kinder und Tiere, und er setzte sich voll für sie ein, wenn es nötig war. Schon oft hatte er kleinen Kindern, die in Not gewesen waren, geholfen. Schon oft hatte er durch seine Aufmerksamkeit und seinen Mut das Leben eines Tieres gerettet.
Trotzdem blieb Dominik der bescheidene, sympathische Junge, den alle gern mochten und dessen Freundschaft als etwas ganz Besonderes galt.
»Mensch, bin ich gerannt …«
Selbstverständlich verzichtete auch Nick nicht auf den burschikosen Ton, der unter den Jungen seines Alters üblich war. Doch Alexander und Denise verwehrten es ihm nicht. Sie wussten, dass dies eine Entwicklungsphase war, die vorübergehen würde.
»Aufregende Neuigkeiten, mein Junge?« Alexander war für seine Söhne ein guter Kamerad, der alle Späße mitmachte, aber dennoch respektvoll behandelt wurde.
»Und ob!« Nick drückte seiner Mutti rasch einen Begrüßungskuss auf die Wange. Obwohl er sich eigentlich für solche Zärtlichkeiten schon zu groß fühlte, wollte er auf dieses Zeichen inniger Verbundenheit doch nicht verzichten.
»Ich bin gespannt.« Unwillkürlich ging Alexander von Schoenecker ein wenig schneller. Denn an der nächsten Wegbiegung tauchte jetzt eine kleine Gestalt auf, die rasch näher kam. Es musste Henrik sein. Der Siebenjährige hatte Nicks Tempo wohl nicht durchzuhalten vermocht.
»Stellt euch vor, heute war ein Amerikaner bei uns in der Schule. Er hielt einen Lichtbildervortrag. Mehr als vier Jahre hat er im Dschungel am Amazonas gelebt. Er hat ganz tolle Aufnahmen gemacht. Bilder von Pflanzen und Tieren, von den Leuten, die dort wohnen. Ihr müsst euch das unbedingt ansehen.«
Denise wusste, wie rasch ihr Sohn zu begeistern war und lächelte amüsiert. »Das wird kaum möglich sein. Diese Lichtbildervorträge sind sicher nur für Schulen bestimmt.
»Dany Miller würde eine Ausnahme machen«, berichtete Nick erregt.
»Ja, hast du denn schon mit ihm gesprochen?« Denise schüttelte den Kopf. Es war erstaunlich, wie rasch Nick Kontakt zu wildfremden Menschen fand. Doch erging es ihr nicht genauso? Wie oft schilderte man ihr vertrauensvoll Sorgen und Nöte? Wie oft sagten Kinder, die sie noch nie gesehen hatte, »Tante Isi« zu ihr?
»Ich habe ihm gesagt, dass sich die Kinder von Sophienlust für seine Bilder interessieren würden. Weißt du, Mutti, ich möchte so gern, dass alle diese herrlichen Aufnahmen sehen. Sie sind einmalig. Und da … Da habe ich Dany Miller eingeladen.« Es war Nick längst bewusst geworden, dass er recht eigenmächtig gehandelt hatte. Schuldbewusst senkte er den Kopf. »Ist das sehr schlimm?«, fragte er zerknirscht.
»Ich finde, das ist eine ausgezeichnete Idee«, lobte Alexander von Schoenecker den großen Jungen. Anerkennend nickte er ihm zu.
»Ja«, meinte nun auch Denise freundlich, »die größeren Kinder werden sich freuen.«
»Dany Miller kommt am Nachmittag. Dann können auch die Kleinen zuschauen. Es wird ihnen bestimmt nicht langweilig dabei.« Nick atmete erleichtert auf. Er war froh, dass ihm die Eltern nicht böse waren.
»Nicht wahr, ich darf auch zusehen?«, prustete Henrik, obwohl er die kleine Gruppe noch gar nicht erreicht hatte. Für ihn war es oft gar nicht so einfach, sich dem größeren und bedeutend älteren Bruder gegenüber zu behaupten.
»Selbstverständlich!« Denise breitete lachend die Arme aus. Sie ließ Henrik hineinlaufen und drückte ihren Jüngsten innig an sich. Henrik war seinem Vati sehr ähnlich. Er hatte dessen unbekümmertes, fröhliches Lachen. Aber er konnte auch ernst und nachdenklich sein – genau wie Alexander.
»Und wann findet das große Ereignis statt?«, erkundigte sich der Gutsbesitzer interessiert.
»Heute Nachmittag. Dany Miller hat nämlich sehr wenig Zeit. Er ist ja nur auf der Durchreise«, erklärte Nick mit glänzenden dunklen Augen.
»Mutti, ich freu’ mich schon so sehr!« Henrik machte voll Übermut einen kleinen Luftsprung.
*
»Gehen Sie nur, Frau Dähnhardt. Sie haben doch heute Ihren freien Nachmittag«, ermutigte Schwester Regine die junge Frau in der blütenweißen Schürze.
Auf Marianne Dähnhardts apartem Gesicht zeigte sich ein winziges Lächeln. »Solange Uli schläft, helfe ich gern noch ein wenig«, meinte sie und nahm das nächste Wäschestück zur Hand. Kleinigkeiten waren daran auszubessern. Manchmal war ein Knopf anzunähen oder eine geplatzte Naht zu schließen, oder es war ein Loch in einem Kindersöckchen zu stopfen. Während die Kleinen ihr Mittagsschläfchen hielten, wurden diese Arbeiten erledigt. Dabei saßen die Betreuerinnen im Wintergarten, wo es im Sommer besonders kühl und angenehm war.
Der Papagei Habakuk kauerte schläfrig auf seiner Stange. Immer wieder streckte er den Kopf unter die Flügel. Der kluge Vogel kannte den Tagesablauf in Sophienlust ganz genau. Er wusste, dass in spätestens einer Stunde, wenn die Kleinen ausgeschlafen hatten und die Großen mit den Hausaufgaben fertig waren, hier wieder munteres Gedränge herrschte. Habakuk mochte es, wenn sich die Jungen und Mädchen mit ihm unterhielten. Er kannte sie fast alle beim Namen und machte ihre Späße gern mit.
»In unserem Beruf muss man ab und zu ein wenig ausspannen«, meinte Schwester Regine kollegial. Sie schätzte Marianne Dähnhardt, die seit etwa einem Monat in Sophienlust war, sehr. Durch ihre Liebenswürdigkeit, ihre Hilfsbereitschaft und ihre gewinnende Art hatte sie rasch die Herzen der Kleinen erobert.
»Ich bin ja so froh, dass ich hier sein darf«, erwiderte Marianne nachdenklich. »So musste ich mich nicht von meinem Kind trennen und kann trotzdem unseren Lebensunterhalt verdienen.
»Haben Sie denn keine Rente von Ihrem Mann?«, fragte Schwester Regine mitfühlend. Es war das erste Mal, dass sie es wagte, eine derartige Frage an Marianne Dähnhardt zu stellen. Denn die erste Zeit hatte die junge Witwe noch sehr unter dem plötzlichen Tod ihres Lebensgefährten gelitten.
»Heinz war erst drei Jahre im Beruf, als er verunglückte«, antwortete Marianne Dähnhardt leise. Ein Schatten huschte über ihr ebenmäßiges Gesicht, das von glattem braunem Haar umrahmt wurde. Ihre dunklen Augen glänzten feucht.
Schwester Regine stellte keine weiteren Fragen. Doch nun erzählte Marianne von selbst.
Die Ruhe und Harmonie, die in Sophienlust herrschten, hatten ihr geholfen, Abstand zu den Ereignissen zu gewinnen. Nun konnte sie über das sprechen, was sie so sehr belastete.
»Heinz besuchte die Technische Hochschule, als wir uns kennenlernten. Erst zwei Jahre später machte er das Ingenieursexamen. Damals war Uli schon auf der Welt. Wir hatten geheiratet, weil wir beide allein und ohne Angehörige waren. Zuerst lebten wir sehr bescheiden von dem, was ich verdiente. Durch Nacht- und Sonntagsarbeit versuchte Heinz unsere Lage zu verbessern. Dann ging es aufwärts. Er erhielt eine gute Anstellung. Wir konnten uns eine größere Wohnung nehmen und sogar einen kleinen Wagen leisten. Ich durfte bei meinem Kind bleiben. Es war eine schöne Zeit«, erinnerte sich die junge Frau versonnen. Ein geheimes Leuchten verschönte ihr hübsches Gesicht.
»Dann geschah das Unglück in der Fabrik. Ein Gasofen explodierte. Heinz fand dabei den Tod. Es war entsetzlich für mich.« Marianne Dähnhardt schluckte. Tränen brannten in ihren Augen.
»Ich kann das gut verstehen«, meinte Schwester Regine leise. »Sie wissen ja, ich hatte ein ähnliches Schicksal. Doch Sie durften Ihr Kind behalten, Frau Dähnhardt. Meine Elke …« Jetzt senkte Regine Nielsen den Kopf tiefer über die Arbeit, denn sie hatte den Tod ihres Töchterchens noch immer nicht überwunden. Erst nach einer Weile fuhr sie fort: »Wenn Frau von Schoenecker mir nicht die Chance gegeben hätte, hier zu arbeiten, ich weiß nicht, was aus mir geworden wäre.« Voll Dankbarkeit sprach Schwester Regine diese Worte aus.
»Frau von Schoenecker hat auch mir sehr geholfen«, pflichtete Marianne ihr lebhaft bei. »Ich werde ihr das nie vergessen. Ohne sie hätte ich Uli in ein Heim geben müssen. Denn wer nimmt schon eine Frau, die einen vierjährigen Jungen mitbringt? Was glauben Sie, wie viele Absagen ich zuvor erhalten hatte. Als ich auf die Anzeige Frau von Schoeneckers schrieb, hatte ich schon allen Mut verloren. Ich war so verzweifelt. Uli muss es gemerkt haben, obwohl ich mir alle Mühe gab, meinen Kummer zu verheimlichen. Er wurde immer stiller, immer blasser. Erst in Sophienlust ist er wieder fröhlich geworden. Was das für mich bedeutet, brauche ich sicher nicht zu sagen.«
»Er kommt!« Mit diesem begeisterten Ausruf stürmte Pünktchen, ein sommersprossiges Mädchen mit veilchenblauen Augen und goldblondem Haar, in den Wintergarten.
Seit Nick angerufen und die Kinder von Sophienlust auf Millers Besuch vorbereitet hatte, war natürlich von nichts anderem mehr gesprochen worden. Deshalb ahnten auch Schwester Regine und Marianne Dähnhardt sofort, dass mit diesem »er« nur Dany Miller gemeint sein konnte. Im großen Speisesaal war bereits alles für den Lichtbildervortrag vorbereitet. Mit Eifer hatten die größeren Kinder die Stühle in Reih und Glied aufgestellt, die Tische beiseite geräumt und die schweren Vorhänge zugezogen.
»Na, dann wollen wir ihn gebührend empfangen.« Marianne legte die Handarbeit weg und stand auf.
Dankbar schaute Pünktchen zu ihr auf. Die Wangen der Elfjährigen glühten vor Begeisterung. Wenn Nick so großen Gefallen an den Fotos und dem Vortrag des Amerikaners gefunden hatte, dann war er ganz bestimmt große Klasse, war ihre Ansicht. Denn Nick war das große Vorbild aller Kinder von Sophienlust. Schon die Kleinsten eiferten ihm nach. Sie wollten ebensogut reiten, genauso rasch laufen und ebensoweit springen wie er. Sie bemühten sich aber auch, genauso ulkige Grimassen zu schneiden und ebensoviele Stücke von dem berühmten Schokoladenkuchen der Köchin Magda zu verspeisen wie er.
In der Halle wartete bereits ein großer, schlanker junger Mann mit einem umfangreichen Koffer. Er trug ein dunkelblaues Hemd zu einer hellen Hose. Sein blondes Haar bildete einen starken Kontrast zu der sonnengebräunten Haut und den für einen Mann ungewöhnlich blauen Augen.
*
Dany Miller war etwa achtundzwanzig Jahre alt. Doch er hatte jene Ausstrahlung, die sonst nur ältere Herren mit grauen Schläfen besaßen. Er war eine Persönlichkeit. Ein Mensch, der andere sofort in seinen Bann schlug.
Auch Marianne Dähnhardt konnte sich diesem Einfluss nicht entziehen. Sie schaute in diese unwahrscheinlich blauen Augen und fühlte sich wie magisch angezogen.
»Dany Miller«, sagte eine angenehm klingende Stimme. »Ich bedanke mich für die Einladung und hoffe …«