Inhaltsverzeichnis
Wir können nicht die Zukunft für unsere Jugend gestalten, aber wir können unsere Jugend auf die Zukunft vorbereiten.
Franklin D. Roosevelt
Vorwort
Das Kommunikationsverhalten der Kinder und Jugendlichen hat sich in den vergangenen Jahren enorm verändert. Verabredungen werden ausschließlich mittels des Softwareprogramms Messenger getroffen, das Handy ist mittlerweile das meistgenutzte Medium der Heranwachsenden, und nun will auch noch der Klassenlehrer, dass seine Schützlinge etwas im Internet nachschlagen.
Während eines von vier Kindern im Alter zwischen sechs und sieben Jahren mindestens einmal pro Woche online ist, sind bereits sieben von zehn der 12- bis 13-Jährigen regelmäßige Nutzer des Internets. Jeder Zweite in dieser Altersgruppe verfügt über eine oder mehrere E-Mail-Adressen. Und die Tendenz ist steigend. Dies bestätigt auch die Onlinestudie, die 2009 von ARD und ZDF in Auftrag gegeben wurde. Dieser zufolge ist der Anteil der Internetnutzer in Deutschland mittlerweile von 65,1 Prozent im Vorjahr auf 67,1 Prozent angestiegen. Das entspricht 43,5 Millionen – ein Zuwachs von 800 000 Onlinenutzern in nur einem Jahr.
Der Reiz des Mediums Internet ist für Kinder ungebrochen. Für jede Altersgruppe und jede Interessenlage offenbart das World Wide Web unzählige Seiten mit einem schier unendlichen und unüberschaubaren Angebot an Inhalten. Mit nur einem Klick lassen sich Chaträume öffnen, vorgefertigte Hausaufgaben und Referate herunterladen, Lehrer je nach Bedarf an den Pranger stellen oder in den Himmel loben oder Freundschaften aufbauen und pflegen in sozialen Netzwerken wie SchülerVZ. Kinder und Jugendliche nutzen das Internet
• zur Kommunikation (zum Beispiel Chats, ICQ, E-Mails),
• zur Selbstdarstellung (zum Beispiel eigene Homepage, SchülerVZ),
• als Informationsquelle für Schule und Freizeit,
• zum Spielen,
• um Musik, Bilder und Videos herunterzuladen (zum Beispiel Youtube, MyVideo).
Wo liegt eigentlich das Problem?
Unsere Kinder wachsen heute ganz selbstverständlich mit Internet, Handy und Computerspielen auf, doch nicht alles ist wirklich für sie geeignet. Was wir als unterhaltsam ansehen oder als reine Werbung enttarnen, kann für Kinder ängstigend sein und von ihnen als Tatsachenbericht aufgefasst werden.
Als Eltern werden wir durch diese Entwicklung vor immer neue Herausforderungen gestellt. Auf der einen Seite möchten wir, dass unser Kind die vielen Vorteile der Neuen Medien für sich nutzen lernt, auf der anderen Seite müssen wir es vor den zahlreichen Gefahren, die Internet, Handy und Co. mit sich bringen, beschützen. Das Internet ist nämlich gewiss kein rechtsfreier Raum, und schon gar nicht kann hierin eine Privatsphäre garantiert werden.
Wie im richtigen Leben tummeln sich im Netz der unbegrenzten Möglichkeiten nicht nur Freunde, sondern auch viele Kreaturen, die es auf persönliche Daten, Geld oder ein »Date« mit Minderjährigen abgesehen haben. Kinder können ungewollt Seiten aufrufen, die ihnen Angst machen oder deren Inhalte sie überfordern. Die Anonymität vor allem des Internets verleitet sie, freier, ungezwungener und unvorsichtiger zu agieren als in der wahren Welt, und macht sie anfällig für Belästigungen oder andere Gefahren. Sie entdecken bereits in jungen Jahren einen kunterbunten Spielplatz, der immer geöffnet ist und ihnen sämtliche Wünsche zu erfüllen scheint. Doch auch Pädophile nutzen die Anonymität des Internets, um beispielsweise in Chatforen oder sozialen Netzwerken wie SchülerVZ oder Lokalisten nach potenziellen Opfern zu suchen, Kontakte zu knüpfen oder gar Treffen im wirklichen Leben anzubahnen.
Ähnliche Risiken bestehen zwar auch bei den vermeintlich »alten« Medien. Im Bahnhofsbuchhandel etwa stoßen auch Kinder auf pornografisches Material, oder sie können von Pädophilen an der Bushaltestelle angesprochen werden. Neu und zunehmend riskanter an den Neuen Medien ist allerdings, dass alle Inhalte, also auch die jugendgefährdenden und für Kinder nicht geeigneten, leichter verfügbar sind und die Anzahl der Anbieter überaus groß ist. Außerdem gelten für Seiten, die im Ausland ins Netz gestellt werden, unter Umständen andere Regeln und Gesetze als hierzulande. Aus diesem Grund ist eine Bekämpfung unerwünschter Inhalte besonders schwierig.
Pornografische, rechtsradikale oder gewalthaltige Seiten im Internet
Quelle: JIM-Studie 2005 (leicht abgewandelt), Angaben in Prozent Basis: Internetnutzer, n = 1 040
Das vorstehend dargestellte Ergebnis der JIM-Studie 2005 verdeutlicht die Gefährdung der Kinder und Jugendlichen durch problematische Inhalte im Internet. 62 Prozent aller befragten Kinder und Jugendlichen waren schon 2005 über die Existenz von pornografischen, rechtsradikalen oder gewalthaltigen Seiten im Internet informiert, und jeder Zweite von ihnen war bereits auf solche Inhalte gestoßen.
Auch Computerspiele und Handys sind nicht zuletzt wegen der zunehmenden Gewalt an Schulen ins Gespräch gekommen. »Happy Slapping« beispielsweise beschreibt einen Trend, bei dem Jugendliche eine Schlägerei anzetteln, diese filmen und ins Netz stellen, von wo sich diese Datei andere Schülerinnen und Schüler in der Regel auf ihr Handy herunterladen.
Wie kann ich mein Kind schützen?
Verbote, starre Normen und das Sperren dubioser oder gefährdender Internetseiten reichen bei Weitem nicht aus. Der beste Weg, Kinder vor den Schattenseiten der Neuen Medien zu bewahren, ist, sie medienkompetent zu machen. Sie müssen eine kritische Einstellung dazu entwickeln und dürfen Informationen und Anbietern nicht blindlings vertrauen. Denn nur durch einen selbstbewussten, reflektierten und kritischen Umgang damit können sie die Chancen der erleichterten Kommunikation und Informationsbeschaffung nutzen, ohne sich selbst oder andere körperlich, ideell oder materiell zu schaden.
Eine solche Medienkompetenz müssen die Heranwachsenden lernen wie das Lesen und Schreiben. Dabei brauchen sie Unterstützung von ihren Lehrerinnen und Lehrern, aber auch – und vor allem – von ihren Eltern. Denn bei ihnen liegt eine wichtige Hauptverantwortung in Bezug auf die Medienerziehung ihrer Kinder. Wenn sie die Erziehung zu einem bewussten Umgang mit den Medien bewusst als ihre Aufgabe wahrnehmen, können Eltern erreichen, dass ihre Kinder die Medien kompetent einsetzen und das ungeheure Potenzial, das in ihnen steckt, zu ihrem ganz persönlichen Vorteil ausbauen.
Dieses Buch ist Ihnen dabei eine wertvolle Hilfe. Es vermittelt nicht nur grundlegende Informationen zur Medienkompetenz, sondern gibt Anregungen, wie Sie als Eltern die Entwicklung dieser wichtigen Kulturtechnik unterstützen können. Um Sie selbst fit in Sachen Neue Medien zu machen, erfolgt zu Beginn eines jeden Kapitels eine ausführliche und leicht nachvollziehbare Einführung in das jeweilige Medium. Hierzu zählen der Computer und die Internetnutzung, Chatforen, Messenger und soziale Netzwerke, Videospiele und Handys.
Anschließend werden alle Möglichkeiten und Chancen aufgeführt, die die jeweiligen Medien Ihren Kindern bieten können und die Sie sich und Ihren Kindern nicht vorenthalten sollten. Diesen werden die Schattenseiten und Gefahren gegenübergestellt und in jedem Kapitel ausführlich dargestellt sowie mit zahlreichen Hinweisen und Handlungsempfehlungen versehen, wie Sie Ihr Kind stark machen können in Bezug auf die Nutzung von Internet, Computer und Handy.
Tipps und Handlungsalternativen, wie Sie als Eltern gemeinsam mit Ihrem Kind die Neuen Medien entdecken können, sind mit einem Hinweisschild gekennzeichnet und runden jedes Thema ab (»Elterntipp«):
Ich möchte Sie einladen, gemeinsam mit Ihrem Kind auf Entdeckungsreise in ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu gehen, in dem es Spaß macht und spannend ist, nach Informationen zu suchen, zu spielen oder sich zu unterhalten. Ein Land, in dem man sich der dort lauernden Gefahren bewusst ist, aber diesen selbstbewusst und kompetent gegenübersteht und sich durch sie nicht einschüchtern lässt. Lassen Sie Ihr Kind nicht allein mit seinen ersten Erfahrungen mit den Neuen Medien, sondern begleiten Sie es durch diese neue, spannende und abenteuerliche Welt.
Martin Kohn Frankfurt am Main, im Frühjahr 2010
Einführung
Was Kinder an den Neuen Medien fasziniert
»Wenn ich aus der Schule nach Hause komme, gehe ich ins Internet, um mit meinen Freundinnen zu chatten. Hier können wir ungestört über die Jungs aus unserer Klasse lästern – und natürlich über die Lehrer!«
Alina, 8 Jahre
»Natürlich habe ich ein Handy. Meine Mutter wollte das auch so. Damit ich sie jederzeit anrufen kann, sagt sie. Ohne SMS geht bei mir und meinen Freundinnen gar nichts. Manchmal drehen wir auch lustige Videos mit unseren Handys.«
Mia, 10 Jahre
»Meine Mutter hat mir ein Lernprogramm besorgt, mit dem ich Rechnen üben kann. Viel lieber spiele ich aber mit dem Computer. Action- und Fantasy-Games mag ich besonders.«
Daniel, 9 Jahre
»Ohne Internet läuft bei mir gar nichts. Wenn ich aus der Schule komme, checke ich erst mal SchülerVZ und ob jemand von meinen Freunden online ist. Dann chatten wir so zwei, drei Stunden. Oft verabreden wir uns für abends oder das Wochenende. Manchmal vergesse ich sogar, meine Hausaufgaben zu machen.«
Saskia, 15 Jahre
»Klar kann ich mich noch erinnern, wie es war ohne Handy. Als ich in der Grundschule war, gab es das nur für Bonzen und Superreiche. Aber irgendwie habe ich mich so an das Telefonieren unterwegs gewöhnt, dass ich selbst zu Hause mein Handy benutze, obwohl meine Eltern einen günstigeren Festnetzanschluss haben.«
Tom, 18 Jahre
Spielen, chatten, Informationen suchen und sich mit anderen austauschen – Kinder und Erwachsene gleichermaßen tauchen mithilfe der Neuen Medien in eine andere Welt ein. Eine Welt, die sie unterhält und informiert, in der vieles einfacher zu sein scheint als im realen Leben. Eine Welt, in der die geheimsten Wünsche nur einen Klick entfernt sind, und alles zu jeder Zeit gekauft werden kann. Eine Welt, die einerseits völlig anonym ist, in der aber andererseits Freundschaften aufgebaut und gepflegt werden können.
Wie die JIM-Studie 2009 zeigt, haben mittlerweile alle Kinder im Alter zwischen 12 und 19 Jahren Zugriff auf ein Mobiltelefon und auf einen Computer und 98 Prozent leben in Haushalten mit Internetzugang.
Auch aus dem Alltag der 6- bis 13-Jährigen lassen sich die Neuen Medien nicht mehr wegdenken. Wie die 2006 veröffentlichte KIM-Studie herausstellt, hatten bereits 2006 81 Prozent dieser Altersgruppe die Möglichkeit, ins Internet zu gehen. Schon die Sechs- bis Siebenjährigen nutzten zu 57 Prozent einen Computer. Dieser Anteil stieg mit zunehmendem Alter der Kinder schnell auf 96 Prozent. Jedes zweite Kind beschäftigte sich fast täglich mit dem Computer; zwei von drei Kindern waren mindestens einmal in der Woche online, bei den Kindern unter sechs Jahren waren es immerhin bereits neun Prozent.
Geräteausstattung im Haushalt 2009 (Auswahl)
Quelle: JIM-Studie 2009 (leicht abgewandelt), Angaben in Prozent Basis: alle Befragten, n = 1 200
Was löst diese Faszination der Neuen Medien aus?
Der erwähnten KIM-Studie zufolge werden in erster Linie Computer genutzt, um zu spielen – allein oder gemeinsam mit anderen Kindern. Bereits an zweiter und dritter Stelle folgen das Arbeiten für die Schule und das Nutzen von Lernprogrammen.
Wie das nachfolgende Schaubild zeigt, ist das Internet in der Altersgruppe der 6- bis 13-Jährigen hauptsächlich ein Informationslieferant. Knapp die Hälfte aller Befragten recherchiert dort für den Unterricht oder sucht nach Themen, die sie persönlich interessieren. Erst an dritter Stelle folgen Onlinespiele. Die im Jahr 2009 von ARD und ZDF in Auftrag gegebene repräsentative Onlinestudie unter 1806 Befragten bestätigt den Trend. Wie bereits im Vorwort erwähnt, ist der Anteil derjenigen, die online sind, auf 43,5 Millionen (67,1 Prozent aller Deutschen) gestiegen. Noch bemerkenswerter ist allerdings die Tatsache, dass fast alle (96,1 Prozent) der 14- bis 29-Jährigen das Internet regelmäßig nutzen. Unter den 30- bis 49-Jährigen sind es immerhin noch 84,2 Prozent und unter den Über-50-Jährigen mittlerweile 40,7 Prozent.
Internettätigkeit 2006 (mindestens einmal pro Woche)
Quelle: KIM-Studie 2006 (leicht abgewandelt), Angaben in Prozent Basis: Internetnutzer, n = 695
Der Studie zufolge wird das Internet nicht mehr hauptsächlich zum Spielen oder Recherchieren genutzt. Knapp zwei Drittel aller Internetnutzer (62 Prozent) schauen sich online Videos an oder Fernsehsendungen, die sie zum Zeitpunkt ihrer Ausstrahlung verpasst haben. Damit wird der Computer zum Ersatz des einst hochverehrten Videorekorders. Rund die Hälfte aller Onlinenutzer (51 Prozent) laden sich Musikdateien (Songs oder ganze Radiosendungen) herunter.
Beachtenswert ist an den Ergebnissen dieser Erhebungen, dass mehr als eines von vier Kindern Internetseiten mit Inhalten nutzt, die für Erwachsene bestimmt sind.
Verschaffen Sie sich einen Überblick über das Internetverhalten Ihres Kindes. Gehen Sie gemeinsam mit ihm online und zeigen Sie ihm vorbildliche, interessante Internetseiten speziell für Kinder. Eine Orientierung hierzu gibt Ihnen das erste Kapitel dieses Buches.
Kinder suchen in den Neuen Medien vor allem die Dinge, die sie aus ihrer Lebens- und Alltagswelt kennen. Zu den bevorzugten Themen gehören mit zunehmendem Alter Aussehen und Wirkung auf andere, die Suche nach Anerkennung und das Erwachsenwerden. Rollenmodelle und Vorbilder finden sie in den Trends ihrer Spielzeugwelt genauso wie unter ihren Idolen aus der Musikbranche, dem Sport oder aus Filmen.
Jüngere Kinder nutzen den Computer und das Internet hauptsächlich zum Spielen, vor allem weil sie noch nicht ausreichend lesen können, um nach Informationen zu suchen oder online zu kommunizieren.
Auch wenn Ihr Kind noch nicht lesen oder schreiben kann, kann es – gemeinsam mit Ihnen – die vielfältigen Angebote nutzen, die die Neuen Medien bieten: Bilder herunterladen, ausdrucken und ausmalen, puzzlen, spielen.
Die Art der Mediennutzung und auch der Umfang hängen einerseits mit dem Verhalten der Freunde zusammen, aber auch der elterliche Medienkonsum beeinflusst die Kinder diesbezüglich. Werden in der Grundschule Computer eingesetzt, um an Informationen zu gelangen (etwa über das Internet oder mithilfe von Lernprogrammen), schlägt sich dies auch in der Freizeitnutzung nieder: Zwar ist auch bei Kindern ab sieben Jahren der Unterhaltungswert der Neuen Medien sehr wichtig, das Finden von Informationen gewinnt jedoch mehr und mehr an Bedeutung.
Mit zunehmendem Alter und besseren Lese- und Schreibfertigkeiten nimmt auch das Interesse an den kommunikativen Möglichkeiten des Internets zu. Während die jüngeren Kinder zur Kommunikation das Handy vorziehen, bedienen sich die über Zehnjährigen zunehmend der E-Mail- und Chatfunktionen des Computers.
Der Entdeckerdrang, das Ausprobieren von etwas Neuem und die Suche nach der eigenen Position in der Gesellschaft werden dann zunehmend bedeutsam. Auch diese Bedürfnisse vermag das Internet in besonderer Weise zu befriedigen, und so kommt es, dass Teenager und Jugendliche besonders fasziniert sind von sozialen Netzwerken, in denen sie sich selbst präsentieren, Freunde finden und flirten können oder sich einfach mit Gleichgesinnten über Probleme in der Schule oder mit den Eltern austauschen. Auch in dieser Altersgruppe ist es ratsam, dass Eltern ihren Kindern zur Seite stehen. Dies bedeutet häufig einen Balanceakt, um den Heranwachsenden nicht das Gefühl zu geben, sie würden permanent kontrolliert.
Noch intensiver genutzt als Computer und Internet werden mittlerweile Handys. Kein anderes Medium hat sich unter Kindern und Jugendlichen so schnell verbreitet: Verfügten laut JIM-Studie 1999 noch 14 Prozent der 12- bis 19-Jährigen in Deutschland über ein eigenes Mobiltelefon, waren es 2005 bereits 92 Prozent. Ab der 4. Schulklasse gehört das Handy also zur Normalität, und auch unter den Grundschülern steigt der Besitz dieser Geräte stetig an. Rund ein Drittel der Acht- bis Neunjährigen benutzt inzwischen regelmäßig ein Handy.
Im Prinzip ist dies ja eine gute Sache: Wir Eltern fühlen uns einfach sicherer, wenn wir wissen, dass unser Kind jederzeit mit uns Kontakt aufnehmen kann – und wir mit ihm. Es beruhigt uns, dass wir für unsere Kinder da sein können, auch wenn wir räumlich voneinander getrennt sind.
Dabei ist das Telefonieren aber gar nicht der ausschlaggebende Grund für den Besitz eines mobilen Telefons – zumindest für die Kinder und Jugendlichen nicht. Als Allround-Medium dient es ihnen vornehmlich zur Koordination des Tagesablaufs, zur Selbstinszenierung und als permanente Verbindung zum Freundeskreis. Darüber hinaus ist das Handy bereits in der Grundschule zu einem wichtigen Statussymbol geworden. Wie Studien ergaben, können drei von vier Zweitklässlern die Marke ihres Handys benennen. Der Besitz eines »coolen« Handys entscheidet häufig über die Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Hierzu zählt bereits in jungen Jahren das Aussehen – flache Geräte sind besonders chic, insbesondere wenn sie mit persönlichen Klingeltönen, Hintergrundbildern und anderen Accessoires ausgestattet sind.
Als meistgenutzte Funktion des Mobiltelefons wird die Möglichkeit genannt, Kurzmitteilungen (SMS) zu verfassen. Zunehmende Bedeutung gewinnt mittlerweile auch das Fotografieren und Filmen mit dem Handy, was in Bezug auf die Verbreitung jugendgefährdender Inhalte und auch pornografischen Materials nicht unproblematisch ist (vgl. hierzu Kapitel 2).
Nutzung verschiedener Handyfunkionen (täglich/mehrmals pro Woche)
Quelle: JIM-Studie 2009 (leicht abgewandelt), Angaben in Prozent Basis: Handybesitzer, n= 1 143
Kinder und Jugendliche sind also überaus fasziniert von den Neuen Medien und nutzen diese auf mannigfaltige Weise. Um sie sinnvoll und wachsam einsetzen zu können, brauchen sie vor allem bei ihren ersten Schritten die führende Hand ihrer Eltern, die sie stark macht, selbst auf dem rechten Weg zu bleiben und den Herausforderungen und Gefahren zu widerstehen. Wie Sie dies erreichen können, zeigen Ihnen die nachfolgenden Kapitel.
Level 1
Kinder auf dem Weg ins globale Dorf
»Meine Mama hat gesagt, ich darf nur ins Internet, wenn sie neben mir sitzt. Das ist manchmal echt doof. Meine Klassenkameraden dürfen das schon ganz allein.«
Alessa, 10 Jahre
»Meine Eltern kommen erst am späten Nachmittag nach Hause. Wenn ich aus der Schule komme, ist meist meine Oma da. Der ist das egal, ob ich ins Internet gehe.«
Jan, 9 Jahre
»Ich bin neulich im Internet auf einen Film gestoßen, in dem ein Junge brutal zusammengeschlagen wurde. Danach hatte ich solche Angst, dass ich gar nicht schlafen konnte.«
Marvin, 10 Jahre
Drei Kinder, drei unterschiedliche Erfahrungen mit dem Internet, drei verschiedene Verhaltensweisen der Erziehungsberechtigten. Aber welche Handhabung ist die richtige? Gibt es überhaupt die eine richtige Lösung, mit der wir Eltern dem Wunsch unserer Kinder begegnen sollten, ins Internet zu gehen? Welche Möglichkeiten bietet das weltweite Netz unseren kleinen Schätzen, welche Gefahren lauern dort? Und wie kann ich mein Kind stark machen, diesen Gefahren aus dem Weg zu gehen?
Dieses Kapitel gibt Ihnen Antworten auf Ihre Fragen, wie Kinder das Internet sinnvoll und altersgerecht nutzen können. Wenn Sie einige Vorsichtsmaßnahmen und Regeln beachten, werden Sie feststellen, dass es riesigen Spaß macht, gemeinsam mit dem Kind »surfen zu gehen«. Dazu müssen Sie kein Computerfreak oder Experte sein. Alle wichtigen Informationen finden Sie in diesem Buch.
Stufe 1
Informationen weltweit – das World Wide Web
Herzlich willkommen in der faszinierenden Welt des Internets, dem weltweit größten Computernetz, das mittlerweile seit mehr als zwei Jahrzehnten eine umfangreiche Sammlung vielfältiger Informationen der unterschiedlichsten Fachgebiete bereithält. Das Internet ist ein öffentliches, weltweit operierendes Netzwerk aus vielen einzelnen Netzwerken, das Ende der 1960er-Jahre aus dem für das amerikanische Verteidigungsministerium entwickelten ARPANET (Advanced Research Project Agency Network) hervorging. Zunächst war dieses Netz lediglich für den Austausch von Wissenschaftlern der für das Militär arbeitenden Forschungsstellen konzipiert. Jedoch schlossen sich diesem Netzwerk mit der Zeit immer mehr Universitäten an, um an dem Informationsaustausch teilhaben zu können. Heute setzt sich das Internet zusammen aus unterschiedlichen Diensten, weswegen es auch als Verbund- und Konvergenzmedium bezeichnet wird. Zu diesen Diensten gehören etwa das World Wide Web (www), das Versenden und Empfangen von elektronischen Nachrichten (E-Mails) oder Online-Kommunikationsmöglichkeiten (zum Beispiel Chats), um nur einige zu nennen. Diese Dienste bieten unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten, wie etwa die Kommunikation, Information, Unterhaltung oder den Transfer von Daten.
Entscheidend für den heutigen Erfolg des Internets war die allgemeine Nutzungsmöglichkeit, die durch die Entwicklung des World Wide Web geschaffen wurde. Dieses erlaubt dem Benutzer, die gewünschten Informationen weltweit zu jedem Zeitpunkt abzurufen und auf seinem heimischen Rechner in ansprechender Weise darzustellen. Es bietet multimediale Kombinationen von strukturiertem Text mit Grafiken, Sound und Video und ermöglicht mithilfe von Hypertext-Verweisen die Verknüpfung von einzelnen Dokumenten untereinander. In einem solchen Hypertextsystem (oder besser Hypermediasystem, da Verweise nicht nur zu Texten geführt werden können, sondern auch zu Grafiken, Filmsequenzen etc.) werden die Informationen in Abschnitte unterteilt und untereinander verknüpft. Zu diesen Abschnitten kann der Benutzer mit einem Mausklick geführt werden, sodass er nicht mehr einen gesamten Text durchlesen muss, um eine gewünschte Information zu erhalten.
Die Wurzeln des heutigen World Wide Web sind zu Beginn der 1990er-Jahre am Europäischen Forschungszentrum für Teilchenphysik CERN (Centre Européen pour la Recherche Nucléaire) in Genf zu finden, an dem man ursprünglich ein Hypertextsystem für Hochenergiephysiker in aller Welt programmieren wollte. Dieses System war als eine Plattform gedacht, auf der Forschungsberichte und Ähnliches anderen Physikern weltweit verfügbar sein sollte. Im Juli 1994 kam es schließlich zur Gründung der W3-Organisation, die für die weitere Entwicklung des World Wide Web verantwortlich ist.
Das Internet stellt dem Benutzer also ein digitales Netzwerk aus einzelnen Netzen zur Verfügung, das jedem von zu Hause und von jedem beliebigen Ort den Zugriff auf entfernte Server mit (multimedialen) Informationen ermöglicht. Es unterstützt transaktionsorientierte Anwendungen wie Homebanking, interpersonelle Kommunikation mittels elektronischer Nachrichten oder Diskussionsforen, audiovisuelle Gruppenarbeit über Kommunikationsplattformen oder Videokonferenzen sowie E-Learning. Des Weiteren erlaubt das World Wide Web jedem Benutzer, sich auf einfache Weise über seinen eigenen Rechner in einen Server einzuschalten und seine individuellen Informationen in Form von Gedanken, Wissen oder künstlerischen Darstellungen anderen zur Verfügung zu stellen.
Zum Abrufen und Anzeigen der im Internet vorhandenen Informationen wird ein sogenannter Browser benötigt. Die Kommunikation zwischen dem World Wide Web und dem Browser wird gewährleistet durch das Hypertext Transfer Protocol (http).
Die Hypertext-Auszeichnungssprache (HTML) entstand 1990 wie die Urform des World Wide Web am europäischen Hochenergieforschungszentrum in Genf, um Dokumente von Physikern weltweit zu vernetzen und Kollegen an anderen Instituten einen einfachen Zugang zu ihren Erkenntnissen zu ermöglichen.
Die Vorteile des Internets liegen auf der Hand. Durch die sekundenschnelle Übertragung von Daten wird eine konstante Aktualität der zur Verfügung stehenden Informationen gewährleistet. Diese Aktualität erstreckt sich von den minutengenauen Börsenkursen weltweiter Aktiengesellschaften über Ergebnisse aus allen Bereichen des Sports bis hin zur Information über tagesaktuelle Geschehnisse. Oftmals lassen sich schon kurze Zeit nach einem Ereignis erste Seiten im Internet finden, die darüber berichten. Die Tatsache, dass das Internet kein geschlossenes Medium ist wie beispielsweise ein Buch, garantiert außerdem eine individuelle Anpassung und mögliche Veränderung der Informationen.
Die Handhabung von Browsern
Um in die scheinbar unendliche Informationsflut des World Wide Web eintauchen zu können, benötigen Sie neben dem Internetzugang zunächst ein Programm, das Ihnen das Anzeigen der Internetseiten ermöglicht. Dieses Programm wird »Browser« genannt (von engl. to browse = schmökern, sich umsehen). Ein solcher Browser präsentiert Texte, Bilder und Videos auf dem Bildschirm und bietet ferner die Möglichkeit, Eingaben in Online-Formulare zu machen. Ein Mausklick auf einen markierten Begriff oder auf ein Bild veranlasst den Browser, Kontakt mit dem Informationsserver aufzunehmen, der sich hinter dem entsprechenden Hypertextlink verbirgt, das gewünschte Dokument abzurufen und es dem Benutzer auf seinem Bildschirm anzuzeigen.
Jeder Computer, der mit dem Internet verbunden ist, hat seine eigene Nummer, mit der er von anderen Rechnern weltweit identifiziert werden kann. Diese Internet-Protocol-Adresse (IP) besteht aus vier Zahlen, die jeweils mit einem Punkt voneinander getrennt sind. Um einen verlinkten Rechner direkt anzusprechen, benötigt man dessen Adresse. Da sich aber kaum ein Mensch derartige Ziffernfolgen merken kann, erhalten die Internetseiten einen weiteren Namen, über den sie angesprochen und identifiziert werden können – den Domainnamen (zum Beispiel ). Schon anhand dieses Namens können Sie eine Reihe von Informationen über den Urheber der Webseite ableiten. Die Buchstaben hinter dem letzten Punkt der Adresse deuten auf das Land hin, in dem die Seite veröffentlicht wurde. Dabei steht.de für Deutschland,.at für Österreich,.ch für die Schweiz,.it für Italien,.nl für die Niederlande,.uk für das Vereinte Königreich usw. In manchen Namen findet man unmittelbar vor diesem Nationalitätskennzeichen ein weiteres Kürzel. In einem solchen Fall bezeichnet in der Regel das Kürzel .org eine Organisation,.ac (USA:.edu) eine akademische Organisation (Universität, College etc.),.gov eine Regierungs-,.mil eine Militärbehörde sowie.net ein Unternehmen, das sich auf Internetdienstleistungen spezialisiert hat.
Um eine gewünschte Webseite anzuzeigen, geben Sie nun deren Adresse, die auch als URL (Uniform Resource Locator) bezeichnet wird, in der entsprechenden Eingabezeile im Browser ein. Zu einer vollständigen Adresse gehört neben dem oben erwähnten Domainnamen die Bezeichnung http:// (Hypertext Transfer Protocol – das System, mit dem Webseiten über das Internet verschickt werden), gefolgt von www (World Wide Web), also beispielsweise . Von einer geöffneten Webseite aus können Sie sich im Internet bewegen, indem Sie auf einen Hyperlink klicken. Dies kann entweder ein unterstrichenes Textelement oder eine Abbildung sein, auf die Sie klicken, um zu einer anderen Webseite zu springen. Sie erkennen einen Hyperlink daran, dass sich der Mauszeiger in eine Hand verwandelt, sobald Sie ihn in das entsprechende Feld hineinbewegen.
Eine Liste der zuletzt besuchten Seiten können Sie mit »Verlauf«, bevorzugte und häufig besuchte Webseiten durch Anklicken auf »Favoriten« anzeigen lassen. Ihr Browser speichert automatisch alle aufgerufenen Seiten in einer Liste und versieht diese Aufzeichnungen mit dem Datum Ihres Besuches. Sollten Sie nun eine Seite erneut anzeigen wollen, die Sie vor einigen Tagen schon einmal aufgesucht haben, klicken Sie auf die Schaltfläche »Verlauf«. In der daraufhin erscheinenden Liste wählen Sie das entsprechende Datum Ihres letzten Besuches dieser Seite und klicken dann auf den Namen des Dokuments.
Möchten Sie mit der Funktion »Favoriten« Ihre Lieblingsseiten oder die für Ihr Kind geeigneten Seiten anzeigen lassen, müssen Sie diese zuvor allerdings mit einem Lesezeichen, einem sogenannten Bookmark, versehen. Stoßen Sie beim Stöbern durch das Internet auf eine für Sie oder Ihr Kind interessante Webseite, müssen Sie sich nicht deren komplette Adresse merken. Viel einfacher können Sie über das Menü »Favoriten – Zu Favoriten hinzufügen...« ein Lesezeichen setzen. Geben Sie der Seite im Eingabefeld einen Namen, unter dem Sie bzw. Ihr Kind sie später wiedererkennen kann. Ihr Kind kann dann einfach aus der Favoritenliste den entsprechenden Namen auswählen und muss nicht den gefährlichen Umweg über eine Suchmaschine gehen.