Monica Davis

 

OUTCASTS

 

Teil 4: Newtown

 

Inhalt

 

Für die Liebe riskieren sie alles … Das nervenaufreibende Finale der Bestsellerautorin auf knapp 350 Seiten.

 

Im letzten Teil der Outcasts-Serie kochen die Gefühle hoch und weitere Wahrheiten kommen ans Licht. Für Liam bricht eine Welt zusammen, doch unsere Helden schmieden weiterhin Pläne, wie sie das verhasste Regime endlich stürzen können.

 

Nach einem schweren Zwischenfall muss Finn zurück in die Höhle des Löwen, aber er fällt seinem Vater in die Hände. Der setzt alles daran, seinen Sohn wieder auf die Seite der Familia zu ziehen und den Rebellen einen vernichtenden Hieb zuzufügen.

 

Wird sich Finn gegen ihn zur Wehr setzen können? Und findet Schleicher Kraft und Mut, dem Mann entgegenzutreten, der sein Leben und das seiner Freunde zerstört hat?

 

Am Ende wollen sie alle dasselbe: die schützen, die sie lieben. Deshalb riskieren sie alles.

 

Glück durch Selbstbestimmung, Wohlstand durch Zusammenhalt, ein gutes Leben in Freiheit!

 

Kapitel 1 – Pläne

 

Liam könnte wegen seiner Unachtsamkeit aus der Haut fahren. Seinetwegen würde Cane vielleicht sterben. Auch wenn der Kerl ein Riesenarschloch war, wollte Liam nicht für seinen Tod verantwortlich sein.

Zähneknirschend blickte er zu Schleicher, der wiederum zu Prue schielte. Wie ein Häuflein Elend kauerte sie auf Schleichers Bett und hielt den Kopf so weit gesenkt, dass ihr die Haare vors Gesicht gefallen waren.

»Es tut mir wirklich leid, dass ich wegen Cane nicht aufgepasst habe, Schleicher. Ich wollte nur ganz schnell zum Funkgerät und die Basis bitten, Dad eine Nachricht zu überbringen.« Verdammt, er hatte hier für das reinste Chaos gesorgt. Und Cane, dieser Idiot, hatte sich auch noch um Kopf und Kragen geredet. Er hätte die Klappe halten sollen, doch er musste Schleicher ununterbrochen provozieren. »Ich weiß, das ist keine Entschuldigung, aber … Willst du ihn tatsächlich umbringen?«

Anstatt ihm darauf zu antworten, fragte Schleicher: »Hast du deine Mutter gefunden?«

»Ja, wir …« Er räusperte sich hart. »Wir waren an ihrem Grab. Sie ist schon seit Jahren tot.«

»Das tut mir leid«, sagte Schleicher, und es klang aufrichtig.

»Mir auch«, murmelte Prue, die kurz zu ihm aufblickte, aber wegen ihrer Haare konnte er ihr Gesicht immer noch nicht sehen.

Finn sagte nichts und musterte seine Schuhe. Irgendwie wirkte er schuldbewusst. Er konnte ja nun wirklich nichts für den Tod seiner Mutter. Von Kate wusste er, dass Finn selbst früh seine Mutter verloren hatte. Somit verband Liam sogar etwas mit ihm, und Finn wirkte dadurch menschlich und verwundbar. Er war eben doch ganz anders als sein gestörter Vater. Finn Callahan hatte sich gerade wieder einen Sympathiepunkt erschlichen.

Liam war heilfroh, als Kate zu ihnen zurückkehrte. Sie hatte sich eine lange schwarze Hose und ein dunkelgrünes T-Shirt angezogen. Ihr feuchtes Haar fiel offen über ihre Schultern, damit es schneller trocknen konnte. Sie war sein Licht in all der Düsternis.

Sie stellte sich neben ihn und er ergriff ihre Hand. Dann fragte er Schleicher: »Kann ich das Funkgerät benutzen?«

Schleicher kratzte sich am Kinn. »Ich glaube nicht, dass wir die Basis bei diesem Wetter empfangen können.«

Liam wollte gerade fragen, ob er es wenigstens versuchen dürfte, als die Tür zum Flur aufflog und Ben hereingestürzt kam.

Prue zuckte zusammen und sprang auf. »Ist etwas mit Micah?«

»Nein.« Ben wedelte mit einem Buch in seiner Hand herum. »Das habe ich dir ja noch gar nicht gezeigt, Wolf. Das stand plötzlich da drin!« Er schlug das Buch auf und Liam erkannte eine handgeschriebene Nachricht.

Kate räusperte sich. »Mein Abschiedsbrief.«

»Magst du ihn mir vorlesen?«, fragte Ben. »Ich kann die verschnörkelten Buchstaben nicht alle entziffern.«

Ihre Wangen färbten sich tiefrot. »Ein andermal vielleicht.«

Liam überflog die Zeilen. Lieber Liam, wenn du zurückkommst, werde ich nicht mehr da sein … musste euch leider verlassen, sosehr sich alles in mir gesträubt hat … schwerste Entscheidung meines Lebens … muss zurück, oder wir würden beide sterben. Die Familia hat mich hergeschickt, um dich auszufragen … bin so froh, dass du mir keine Informationen geliefert hast … werde alles daransetzen, dass sich die Gesetze endlich ändern. Ich will deine Vision erfüllen und dich aus dieser Hölle holen und auch Ben, wenn er das möchte. Versprochen. Ich liebe dich. Gib Ben einen Kuss von mir. Deine Kate.

Oh Gott, wie schwer musste es für Kate gewesen sein, diese Zeilen zu schreiben. Liam konnte immer noch kaum begreifen, was sich in den letzten Tagen abgespielt hatte. Dass er ihr nach Welltown gefolgt war, sie tatsächlich zurückbekommen und auch Sarah gerettet hatte. Na ja, eigentlich hatte Finn sie gerettet, und Liam war ihm wirklich dankbar dafür.

Er legte einen Arm um Kate, um sie an sich zu ziehen. Dabei vermied sie Blickkontakt und lächelte scheu. Ob ihr der Brief peinlich war? Liam bestärkte er umso mehr, dass sie endlich gegen dieses verdammte Regime vorgehen mussten. Dieser ganze Terror, die Unterdrückung und Übergriffe mussten aufhören. Seine Mutter würde noch leben, wenn … Nicht daran denken. Er musste seinem Dad die Wahrheit erzählen!

Nachdem Ben wieder zurück zu Sarah und Micah gelaufen war, fragte er Schleicher: »Kann ich es trotzdem mal versuchen?«, und nickte zum Funkgerät, das auf dem Tisch stand.

Schleicher rieb sich über den Nacken. »Du weißt ja noch nicht, was passiert ist. Bill wurde von der Miliz geschnappt.«

»Was?« Liam keuchte auf, und Kate zuckte zusammen. »Wo ist er? Halten sie ihn gefangen?«

»Niemand weiß etwas. Die Basis hat keine Informationen.«

Verflucht! Konnte der Tag noch schlimmer werden?

Prue räusperte sich und sah Schleicher scharf an. »Du musst es ihm sagen.«

»Was ist denn noch passiert?« Liams Magen verkrampfte sich. Warum traute sich plötzlich niemand mehr, ihm in die Augen zu schauen? Selbst Finn mied seinen Blick.

»Ihr verheimlicht doch etwas«, sagte Kate.

Schleicher drehte sich zu Prue, wobei er mit den Schultern zuckte. »Was soll ich ihm denn sagen?«

»Das mit seinem Vater.«

Ein Zittern durchlief Liam. So wie Prudence die Worte hervorbrachte, leise und zögerlich, ahnte er das Schlimmste. »Was ist mit Dad?«

Weder Prudence noch Schleicher beachteten ihn. Schleicher trat näher ans Bett und kniff die Lider zusammen. »Woher weißt du von der Sache, Prue?«

»Ich habe gehört, wie du auf dem Boot mit Bill über ihn geredet hast. Außerdem habe ich Mr Thompson gesehen, als ich mit Micah geflohen bin. Da war ich mir allerdings noch nicht sicher, ob er es wirklich war.«

Liam löste sich von Kate und ging ebenfalls zum Bett, auf dem Prue saß. »Du hast meinen Vater gesehen?« Sein Herz raste. »War er in Welltown? Oder auf dem Schiff? Gehört er zu den Fightern?« Verdammt, hatte er ihn vielleicht knapp verpasst?

»Er war in Welltown … vor dem Park«, sagte Prue, wobei sie weiterhin vermied, ihn anzuschauen.

»Was hat er da gemacht?« Warum rückte keiner mit der Sprache heraus?

Sie kaute auf der Unterlippe herum und blickte flehend zu Schleicher.

»Ach, jetzt soll ich es Wolf beibringen?«, fragte er vorwurfsvoll.

»Was beibringen?« Das ungute Gefühl in Liams Magen verstärkte sich. »Ist er …«

Vehement schüttelte Prue den Kopf. »Nein, er lebt!«

»Aber?«

Nach weiteren endlosen Sekunden des Schweigens ging Schleicher zu seinem Schreibtisch und öffnete eine Schublade. »Bill hat uns einen Tablet-Computer und einen USB-Stick mit allen wichtigen Daten aus dem Familia-Netz dagelassen. Darauf war auch ein Video, das die Familia in sämtlichen Verwaltungszonen ausgestrahlt hat.« Er deutete aufs Bett. »Vielleicht solltest du dich setzen.«

Wie ferngesteuert gehorchte er, während Prue zur Seite rutschte, damit auch noch Kate Platz fand.

Sie griff nach seiner Hand und er drückte sie so fest, dass Kate zusammenzuckte. Sofort ließ er lockerer.

Schleicher tippte auf dem Display des Tablets herum und hielt es ihm schließlich vors Gesicht. Gebannt verfolgte Liam, was in dem Video geschah. Sein Vater blickte panisch in die Kamera und rief etwas, das er nicht verstehen konnte, da ein Reporter die Hintergrundgeräusche übertönte. Das passiert in Zukunft mit allen Bürgern, die sich auf die Seite der Rebellen stellen.

»Was sagt mein Vater?«, fragte Liam und achtete angestrengt auf die Mundbewegungen seines Dads. Er konnte es nur vermuten: Was ist hier los? Ich bin kein Rebell!

Miliz-Soldaten zückten ihre Messer, und im ersten Moment glaubte Liam, sie wollten seinen Dad erstechen, doch sie schlitzten mit den Klingen den Stoff des Overalls auf, um ihn von seinem Oberkörper zu ziehen. Anschließend banden sie seinen Vater an das Eisentor des Parks und …

»Nein«, wisperte Liam und keuchte auf. Dann zuckte er zusammen, als der erste Peitschenhieb den nackten Rücken seines Vaters traf.

Kate drückte sich eine Hand auf den Mund und weinte. »Das ist krank! Wieso tun die so was?«

Schleicher schaltete das Tablet aus. »Das ist wohl ein letzter verzweifelter Versuch, gegen uns anzugehen.«

»Ich glaube nicht, dass das ihr letzter Versuch sein wird!« Liam konnte nicht länger warten, er musste etwas tun! Er musste seinen Vater retten und er wollte dieses verdammte Regime endlich stürzen! »Ich brauche das Boot, Schleicher!«

Als er vom Bett aufsprang, kam Ghost auf ihn zu, um ihn zurück auf die Matratze zu drücken, und knurrte: »Genau das wollen sie doch.«

Liam krallte die Finger in die Laken. »Warum habt ihr mir das nicht gleich nach Prues Ankunft gezeigt?«

»Das wollte ich«, sagte Schleicher. »Aber dann haben Bill und ich beschlossen, dass es besser ist, dir nichts davon zu erzählen. Es ist eine Falle, Wolf. Die Familia wartet darauf, dass du einen Fehler machst und wir alle auffliegen.«

Liam war schwindelig vor Wut auf die Familia und Angst um seinen Vater. »Sitzt er nun im Gefängnis? Oder soll er auch nach Lost Island deportiert werden?« Erneut sprang er auf, um durchs Zimmer zu wandern. Er konnte jetzt nicht sitzen bleiben, musste etwas tun!

Schleicher legte den kleinen Computer auf seinen Tisch und stützte beide Hände an der Platte ab. »Wir wissen nicht, wo sich dein Vater gerade befindet. Doch die Fighter haben noch eine Nachricht von Callahan bekommen.«

Als Schleicher erneut zögerte, lief Liam zu ihm und brüllte: »Nun rede schon, Mann!«

Schleicher richtete sich zu voller Größe auf und hob die Arme. »Beruhige dich erst mal, Wolf!«

»Beruhigen?« Er fühlte sich einer Ohnmacht nah. Hier waren ihm die Hände gebunden! »Jetzt sag schon!«

»Callahan droht, dass dein Vater täglich ausgepeitscht wird, bis Sting und Kate wohlbehalten nach Welltown zurückgekehrt sind.«

»Also haben sie ihn heute wieder ausgepeitscht!« Und morgen auch und übermorgen und … Er taumelte durch den Raum, alles drehte sich. Irgendwie schaffte er es, die Tür zum Flur zu öffnen und ins Badezimmer zu gelangen. Dort sackte er vor der Toilettenschüssel auf die Knie und übergab sich.

 

***

 

Finn lief im Raum auf und ab, während er mit Schleicher, Prue und Ghost wartete, dass Kate und Liam aus dem Badezimmer kamen. Sie waren bereits fünf Minuten weg.

Prue sah aus, als würde sie es nun bereuen, dass sie Liam die Wahrheit gesagt hatten. Finn war hingegen froh darüber, denn das würde einen sicheren Verbündeten mehr bedeuten. Er hatte seinen Plan bereits mit Schleicher und Sarah geteilt, nun wollte er auch Liam einweihen. Sosehr er es auch genoss, hier mit Sarah zusammen sein zu dürfen – ein Leben in Secret City war einfach nicht lebenswert.

Ja, er war verwöhnt, das gab er zu. Er vermisste sein sauberes Bett, das gute Essen und einen Job, bei dem er einen wichtigen Posten belegte. Wobei er aber nicht die Arbeit vermisste, die sein Vater ihm aufgetragen hatte. Es machte wirklich keine Freude, die Daten von unschuldig Verurteilten zu sortieren, die einer grausamen Zukunft entgegenblickten. Damals hatte er seinem Dad gefallen wollen, um schnell in der Familia-Hierarchie aufzusteigen. Erst auf dieser Insel war ihm bewusst geworden, wie schrecklich und menschenverachtend seine täglichen Aufträge gewesen waren.

Sarah war gegen sein gefährliches Unterfangen und wollte ihn begleiten, falls er es durchzog. Er wollte aber, dass sie in Secret City blieb, bis alles vorbei war. Er würde sie niemals in Gefahr bringen, und zurück nach Welltown durfte sie auf keinen Fall. Nicht, solange dort immer noch die Familia das Sagen hatte. Sie würde Sarah hinrichten – nachdem sie alle Informationen über diese geheime Stadt und die Rebellen auf brutalste Weise aus ihr herausgeholt hatten.

Als die Tür endlich aufging und die beiden das Zimmer betraten, sagte Liam kraftlos: »Ich muss zurück nach Welltown. Ich kann meinen Dad dort nicht sterben lassen.«

Kate, die genauso weiß im Gesicht war wie ihr Freund, führte ihn an der Hand zum Bett. Seufzend ließ sich Liam darauf nieder und zog Kate auf seinen Schoß.

Jetzt oder nie, dachte Finn und lehnte sich an das Fensterbrett neben dem Bett. Der Wind hatte weiter zugenommen und zerrte an den Brettern, die außen an den Rahmen genagelt waren, und auch das Glas vibrierte leicht. »Ich habe einen Plan und ich habe schon mit Schleicher darüber gesprochen. Ich weiß vielleicht, wie wir deinen Vater retten und gleichzeitig das Regime stürzen können.«

Liam hob den Kopf und seine trübe Miene hellte sich auf. Aber noch bevor jemand etwas antworten konnte, drängte sich Ghost zwischen Finn und Schleicher. »Ach, ihr habt Pläne geschmiedet? Ohne mich?«

»Du warst bei Clover.« Schleicher legte Ghost eine Hand auf die Schulter, doch der schüttelte sie ab. »Außerdem habe ich mir Stings Plan nur angehört. Ich habe nichts entschieden.«

Ghosts Gesicht entspannte sich leicht. Er wandte sich zu Finn um und sagte: »Lass hören.«

Tief holte er Luft. »Also … mein Vater denkt, ihr haltet mich und Kate gefangen. Das ist unser Bonus.«

»Wir wissen aber nicht, ob das stimmt«, sagte Schleicher. »Das könnte eine Falle sein.«

Finn hatte gewusst, dass der Kerl wieder dieses Argument gegen seine Idee verwenden würde. »Wie ich dir vorhin schon erklärt habe: Mein Vater wird niemals glauben, dass ich übergelaufen bin. Ich habe ihm immer den treuen Sohn vorgespielt.« Seufzend atmete er aus. »Daher könnte ich jetzt so tun, als wäre ich entkommen, und …«

»Und dann wirst du uns verraten!«, rief Liam.

Liam hatte alles Recht, ihm nicht zu vertrauen. Wenn Finn ehrlich war, würde er genauso reagieren, wenn er der Outcast wäre.

Ghost baute sich mit verschränkten Armen vor ihm auf. »Warum willst du uns helfen, Sting? Ich meine … gerade du? Ich muss wirklich überzeugende Argumente hören, damit ich dir vertrauen kann.«

»Weil …« Außer Sarah hatte er bisher niemandem davon erzählt. Er ballte die Hände zu Fäusten und knurrte: »Mein Vater hat meine Mum getötet. Und er wollte Sarah hinrichten lassen. Das werde ich ihm nie verzeihen.«

Während um ihn herum plötzlich völlige Stille herrschte, kochte seine Wut hoch. So viele Jahre hatte er seine Gefühle unterdrückt, aber nun, da er vieles in einem anderen Licht sah, wollte er, dass sein Vater für den Mord an Mum die gerechte Strafe erhielt.

Kate erhob sich und stellte sich neben Finn. »Das ist furchtbar. Wie hast du es bloß so lange bei ihm ausgehalten?«

Dasselbe hatte ihn Sarah auch gefragt. Er wünschte, sie wäre jetzt hier, an seiner Seite, doch sie musste den Babysitter spielen. Na ja, womöglich war das auch besser. Sarah wollte schließlich nicht, dass er sich »opferte«, wie sie es nannte. Insgeheim hatte sie wohl sogar Angst, dass er tatsächlich zu seinem alten Leben zurückkehren wollte, genau wie es auch Liam und offenbar auch alle anderen vermuteten.

Finn hob den Kopf, um Kate in die Augen zu sehen. »Ich habe keine Ahnung, wie ich meinen Vater ertragen konnte. Ich habe irgendwie funktioniert. Tatsächlich wollte ich ihn einfach nur stolz machen. Heute weiß ich nicht mehr, warum.«

»Vielleicht, weil du Angst vor ihm hattest?« Kate griff nach seiner Hand und drückte sie leicht. »Angst, dass er dich auch tötet?«

Finn schüttelte den Kopf. »Ich glaube, er bereut seine Tat mittlerweile. Er hat vor Kurzem so einen seltsamen Satz fallen lassen.« Finn erinnerte sich an die Nacht, als sie zusammen vom Gefängnis zum Anlegesteg gegangen waren und er gehofft hatte, Vater könnte Sarahs Hinrichtung verschieben. Damals hatte sein Dad gesagt: Vielleicht wäre es tatsächlich gut, wenn du dich weiterhin an deinem Spielzeug abreagieren kannst, dann machst du nicht denselben Fehler wie ich … »Er hat reuevoll geklungen. Das heißt aber nicht, dass ich ihm verzeihe.«

Schnell entzog er Kate die Finger, weil Liam finstere Blicke zu ihnen warf. Wenn Finn ihn – oder auch Schleicher – ansah, fühlte er sich immer schuldig für die Taten seines Vaters. Die Oberkörper der beiden waren übersät mit Narben, die Gregory Callahan ihnen zugefügt hatte oder durch einen Lakaien zufügen ließ.

Wenn Sarah nicht in sein Leben getreten wäre, hätte er sich dann auch zu solch einem Monster verwandelt? Er hatte diese Leere und Kälte in sich stets begrüßt, denn es war um so vieles einfacher, sämtliche Emotionen zu verdrängen und nichts zu bereuen. Gefühle konnten verdammt wehtun. Deshalb würde es auch wehtun, Sarah zurückzulassen. Er würde sie sehr vermissen. Doch er konnte hier nicht mit ihr leben, nicht auf diese Weise. Sie hatte endlich ein besseres Leben verdient, und das wollte er ihr ermöglichen. Weil er sie liebte und weil sein Ego nicht damit zurechtkam, hier nichts Gutes für sie tun zu können.

Hart räusperte er sich. »Natürlich würde ich gerne all den Luxus zurück haben, den ich genießen durfte, oder zumindest einen Teil davon. Deshalb will ich das Regime stürzen, damit wir alle nicht mehr an solch einem Ort leben müssen. Außerdem will ich nicht, dass Vater oder ein anderes Mitglied der Familia jemals wieder foltert. Ich habe nicht alles mitbekommen, was sich auf Fort Mountain abgespielt hat, aber das, was ich gesehen habe oder mir mein Vater erzählt hat, reicht mir. Vater wird nicht aufhören, Menschen zu quälen.«

»Okay.« Liam stieß die Luft aus und fuhr sich durchs Haar. »Dein Plan sieht also vor, dass du so tust, als hättest du fliehen können. Und dann? Wie soll uns das helfen, meinen Vater zu befreien und das Regime zu stürzen?«

»Die Details müssten wir natürlich noch besprechen. Zuerst wollte ich wissen, ob ihr überhaupt mitmacht.«

»Mitmacht?« Schleicher lächelte überheblich, sagte jedoch nichts weiter.

Liam schnaubte kopfschüttelnd. »Dein toller Plan ist also gar kein Plan, sondern eher eine lächerliche Idee?«

»Er ist alles, was ihr habt«, antwortete Finn verschnupft. Er hatte mehr Begeisterung erwartet.

»Finn hat recht«, sagte Prue zu seiner Überraschung, und alle drehten ihr den Kopf zu. »Mehr haben wir im Moment nicht, und sein Vater wird nicht aufhören, andere zu foltern. Ich war auf der letzten Versammlung dabei und habe gehört, wie versessen sie auf Gewalt sind. Und sie haben über Finn gesprochen. Sein Vater hält ihn tatsächlich für loyal. Finns Plan, zurückzukehren und dann für uns zu arbeiten, könnte aufgehen. Natürlich werden ihm die Senatoren gerade in der ersten Zeit ganz besonders auf die Finger sehen, doch es wäre wohl unsere einzige Chance, Liams Dad zu retten. Finn hat Einfluss auf seinen Vater.«

»Okay, nehmen wir mal an, du verrätst uns nicht und wirst der neue Spion«, sagte Liam. »Was ist, wenn sie dir das Wahrheitsserum injizieren? Und ich wette, das werden sie tun.«

Daran hatte Finn natürlich auch schon gedacht. »Ich glaube, das wirkt eher wie ein Placebo. Warum sonst würde Vater immer noch Menschen foltern?«

»Weil er geil darauf ist?«, grollte Ghost.

»Bei uns hat es damals nicht gewirkt«, warf Schleicher ein.

»Also bei mir hat es gewirkt«, sagte Kate kleinlaut. »Zumindest hatte ich das Gefühl. Mir wurde schwindelig und ich bekam Herzrasen. Und Angst. Ganz große Angst.«

Liam stand auf und holte den Tablet-Computer. »Vielleicht finde ich etwas über das Serum. Darf ich nachsehen?«

Schleicher nickte. »Jemand sollte ohnehin alle Daten durchgehen, die Bill uns aufgespielt hat. Vielleicht stoßen wir noch auf etwas, das uns helfen könnte.«

Liam setzte sich mit dem Computer an den Schreibtisch und begann sofort, auf dem Display herumzutippen. Kate stellte sich neben ihn, um ihm über die Schulter zu sehen.

Je mehr sie über seine Idee redeten, desto lächerlicher kam sie Finn vor. Die Familia würde wissen wollen, wo er gewesen war. Sie wollte Namen, Hinweise, Koordinaten. Der Rat würde ihn isolieren, bis er sich sicher war, dass er doch noch zu ihnen gehörte. Und bis es so weit war, wäre Liams Vater tot.

»Du vertraust Sting also?«, fragte Schleicher Prue, und sie nickte.

»Sie ist eine von ihnen«, knurrte Ghost. »Ich vertraue ihr nicht.«

Prue hob den Kopf und hielt Ghosts nachtschwarzem Blick stand, während Schleichers Kiefer mahlten.

Mit einem gemurmelten Fluch brach Ghost schließlich den Blickkontakt ab und Schleicher fragte Prue: »Was haben die Senatoren noch auf der Versammlung besprochen?«

»Nichts, was ihr nicht schon wisst, außer …« Sie senkte den Kopf und fuhr leiser fort: »Es war Kates Vater, der vorgeschlagen hat, von nun an härter durchzugreifen.«

Kate drehte sich zu ihnen herum. »Was?« Sie keuchte auf und krallte eine Hand in Liams Schulter. »Mein Vater hat …« Sie zwinkerte, und ihr Gesicht wurde so weiß wie das eines Toten.

»Es tut mir so leid, Liebes.« Prue schaute sie bedrückt an. »Callahan war sofort Feuer und Flamme. Er hat sich regelrecht auf öffentliche Hinrichtungen gefreut.«

Liam, der vom Stuhl aufgesprungen war, ließ sich schwerfällig darauf nieder, als hätte er keine Kraft mehr in den Beinen. »Sie werden Dad doch nicht …«

»Wacht endlich auf!«, rief Finn und stieß sich vom Fensterrahmen ab. »Wir müssen jetzt etwas tun, oder es wird zu spät sein!«

»Okay.« Schleicher hob die Hände, und Ruhe kehrte ein. »Lasst uns mal genau überlegen, wie unsere Ausgangssituation aussieht. Die Senatoren sind in der Unterzahl, aber nicht die Miliz. An diese Leute müssen wir heran. Wir müssen den Soldaten zeigen, wie sie verblendet werden und welche Lügen die Familia ihnen auftischt.«

Ghost nickte. »Falls wir es schaffen, diese Leute auf unsere Seite zu ziehen, zumindest die Hälfte, hätten wir Chancen.«

Schleicher hob die Brauen. »Dann bist du dabei?«

»Natürlich bin ich dabei.« Ghost warf einen kurzen Blick auf Finn. »Ich würde Callahan zu gerne sterben sehen.«

Finn verdrängte den Gedanken, dass sein Vater getötet werden könnte. Auch wenn er ihm den Mord an seiner Mutter nicht verzeihen konnte, so war er immer noch sein Dad. »Die Senatoren sollen also sterben?«

»Wenn es nach mir geht, schon«, knurrte Ghost. »Ich würde sie liebend gern alle tot sehen.«

Als Kate plötzlich laut aufschluchzte, legte Liam einen Arm um sie und zog sie vom Tisch weg. »Komm, wir gehen in unser Zimmer.«

»Nein!« Sie atmete tief durch und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. »Ich will hierbleiben. Doch ich will nicht, dass meine Eltern abgeschlachtet werden.«

»Keiner wird abgeschlachtet«, erklärte Schleicher, wandte sich seinem Freund zu und kniff die Lider zusammen. »Wir sind nicht wie sie.«

Ghost schüttelte den Kopf. »Wir sollten wie sie sein. Wir sollten sogar noch schlimmer als sie sein.« Er ging zur Tür, die in den Flur führte. »Ich hau mich jetzt aufs Ohr. Ihr könnt mir ja dann von euren Kleinmädchenplänen berichten, wenn ihr sie ausgearbeitet habt.«

»Ghost …« Schleicher wollte ihm hinterhergehen, doch als ihm die Tür vor der Nase zugeknallt wurde, blieb er bei ihnen. »Er bekommt sich schon wieder ein.«

»Ich kann ihn verstehen, nach allem, was war«, sagte Prue. »Ich bin trotzdem froh, dass du anders denkst.« Sie warf Schleicher einen dankbaren und bewundernden Blick zu.

Finn atmete ebenfalls auf und fuhr schnell fort: »Ich weiß, dass es Soldaten gibt, die den Befehlen meines Vaters nur ungern nachkommen. Sie sagen nichts, aber ich habe es ihnen angesehen. Sie mussten unschöne Dinge erledigen und haben miterlebt, wie Vater Menschen gefoltert hat. Deshalb hat er in letzter Zeit diejenigen ausgesucht, die genauso versessen darauf sind wie er, andere leiden zu sehen. Doch Vater hat stets darauf geachtet, dass er ein Druckmittel gegen diese Soldaten zur Verfügung hat, damit die seine Geheimnisse bewahren.«

»Lass mich raten«, sagte Liam. »Falls sie plaudern, landen sie auch hier.«

Finn nickte. »Ich kenne einige dieser Soldaten beim Namen. Vielleicht können wir damit etwas anfangen.«

»Wir haben ehemalige Miliz-Soldaten auf dieser Insel«, erklärte Schleicher. »Zwei davon gehören zu meinen Wachmännern: Metal und Thunder. Wir sollten sie möglichst früh in unseren Plan einbeziehen.«

Finn erinnerte sich schwach an die beiden jungen Männer, die Schleicher ihnen auf dem Feld mit den Warmwassermodulen vorgestellt hatte. »Sie können bestimmt nützliches Insiderwissen beisteuern. Seit wann sind sie auf Lost Island?«

»Seit knapp zwei Jahren. Sie kamen kurz hintereinander hier an, weil sie gemeinsam einen Befehl verweigert hatten.«

»Was hätten sie tun sollen?«, wollte Liam wissen.

»Sie waren noch in der Ausbildung und sollten eine junge Frau mit einem Elektroschocker niederstrecken. Die Familia hat wohl damit angefangen, echte Menschen, die bereits zur Deportierung nach Lost Island vorgesehen waren, zu Übungszwecken zur Verfügung zu stellen.«

Diese widerlichen Schweine, dachte Finn schockiert. Davon hatte er nichts mitbekommen. Wie viel hatte Vater ihm noch verschwiegen?

Schleicher klatschte in die Hände. »Okay, solange es stürmt, können wir ohnehin nichts tun und haben genug Zeit, an dem Plan zu feilen. Lasst uns eine Nacht drüber schlafen; jeder überlegt sich etwas und morgen besprechen wir uns wieder.«

Kapitel 2 – Annäherungen

 

Prue hatte sich mit Putzzeug ins Badezimmer verzogen, weil Micah noch bei Sarah, Sting und Ben war und es ihm dort offenbar gut gefiel. Wolf war mit Kate auf ihr Zimmer gegangen, um die Daten auf dem Tablet auszuwerten, Ghost befand sich mit Clover in seinem Bereich des Gebäudes und Duncan wollte nach ihrem Gefangenen sehen. Er ließ die Tür zum Flur offen, damit er sofort hörte, falls eine Nachricht über Funk hereinkam, und steckte auf dem Weg zu Cane den Kopf ins Badezimmer. Prue schrubbte mit einem alten Schwamm und irgendeinem Putzmittel, das ziemlich ätzend roch, das Waschbecken. Mit bloßen Händen.

»Du musst das wirklich nicht tun«, sagte er.

»Das lenkt mich von allem ab«, antwortete sie, ohne sich zu ihm umzudrehen. »Außerdem hat hier definitiv eine weibliche Hand gefehlt.«

Er stellte sich so dicht hinter sie, dass er beinahe ihre Körperwärme spüren konnte. Ihr süßer, kleiner Hintern machte sich gut in der schwarzen Hose. »Du bist nicht mehr mein Hausmädchen. Ich hoffe, das weißt du.«

Sie hielt inne und fragte leise: »Was sind wir jetzt eigentlich? Außer … den biologischen Eltern unseres Sohnes?«

Als sie sich urplötzlich zu ihm umdrehte und ihm fest in die Augen blickte, erkannte er die mutige und eigensinnige Frau, die sich hinter dieser hübschen Fassade verbarg. Was für wunderschöne grüne Iriden sie hatte. Sie waren auf dieser Welt genauso selten geworden wie ihr rotes Haar. Prue war etwas Besonderes, nicht nur für ihn.

»Ich weiß noch nicht, was wir jetzt sind«, raunte er. »Aber wir werden es herausfinden.«

Er machte auf dem Absatz kehrt, bevor er noch auf die Idee kam, sie zu küssen. Das würde ihn bloß verwirren und er brauchte einen klaren Kopf für Cane.

Der Sturm toste ums Haus und Regen trommelte aufs Dach. Hier und da tropfte es von der Decke, weil Duncan immer noch nicht dazugekommen war, die undichten Stellen am Dach auszubessern. Zum Glück hielt sich der Schaden in Grenzen. Er holte ein paar alte Schüsseln und Töpfe aus dem Raum mit den gesammelten Sachen und stellte zwei davon im Flur auf. Das Badezimmer und sein Raum waren trocken, deshalb klopfte er bei Wolf und Kate.

Sofort öffnete sie ihm und blinzelte ihn an. Sie trug nur ein langes Shirt, das ihr fast bis zu den Knien reichte. Das kleine Zimmer lag im Dunkeln. Wolf hockte zwischen zusammengeschobenen Decken auf der breiten Matratze, und das Licht des Displays erhellte sein Gesicht sowie die dahinterliegende Wand. Außer zwei Rucksäcken und ein paar anderer Dinge wie Lebensmittel, die sie für die Dauer des Unwetters gehortet hatten, befand sich noch nicht viel in dem Raum. Wie Duncan Wolf einschätzte, würde er nach dem Sturm bald eine andere Unterkunft suchen.

»Regnet es bei euch rein?« Duncan zeigte Kate eine Schüssel.

»Bis jetzt nicht«, antwortete sie. »Wir haben aber einen feuchten Fleck an der Decke.«

»Dann geb ich dir die lieber mal.« Er reichte ihr das Gefäß und fragte: »Hat Wolf schon was herausgefunden?«

»Bisher nichts Relevantes. Es sind Unmengen an Daten auf diesem Stick.«

»Okay. Meldet euch einfach, sobald ihr etwas habt.« Er wünschte ihnen eine gute Nacht und überlegte, auch ein Zimmer weiter bei Sting zu klopfen, doch als er Bens und Micahs Lachen hörte, stellte er zwei Töpfe vor die Tür. Duncan wollte nicht stören. Außerdem musste er endlich zu Cane. Der Kerl brüllte herum, dass Duncan seine Worte selbst durch die dicke Tür verstand.

»Hey! Lasst ihr mich jetzt hier verrotten, oder was?«

Seufzend schob er den dicken Riegel vor der Tür zur Seite und trat ein. Er hatte für Cane das Licht angelassen, obwohl er diese Energieverschwendung nicht verdient hatte. Die Nachtspeicher funktionierten nicht mehr gut, also konnte es möglich sein, dass sie jederzeit im Dunkeln saßen.

Cane hockte auf der halb zerfledderten Matratze in seiner Zelle und hatte sich das feuchte Oberteil ausgezogen. Neben den Gitterstäben tropfte es von der Decke, weshalb Duncan dort ein Gefäß auf den Boden stellte. Dabei fiel ihm die Wunde an Canes Schulter auf. Der tiefe Schnitt war genäht worden, doch ein feines, blutiges Rinnsal, vermischt mit Eiter, floss an seinem Rücken herunter.

»Ist hier ja nicht gerade heimelig«, maulte Cane und fuhr sich durch sein kurzes schwarzes Haar. »Kann ich mal aufs Klo?«

»Ich bring dir gleich einen Eimer, Trinken, was zu essen und eine Taschenlampe. Aber erst reden wir.«

Canes Blick verdüsterte sich. »Also lässt du mich nicht raus? Ich will zurück zu Sue.«

»Du kannst nicht mehr zurück. Aber wenn du dich anständig aufführst, lasse ich dich aus der Zelle. Diesen Raum wirst du allerdings vorerst nicht verlassen.« Es gab kein Fenster und der Riegel vor der Tür war stabil genug.

Als Duncan in den Flur zurückging, rief Cane: »Hey, ich dachte, du wolltest reden!«

Und wie er das wollte. Doch zuerst musste er den Mann verarzten. Daher holte er ein Medi-Pack aus einem der Rucksäcke im Vorratsraum und kehrte damit zur Zelle zurück.

»Dreh dich um und setz dich hin. Rücken zu mir«, befahl er Cane.

»Damit du mich erwürgen kannst?«

»Wenn ich dich töten wollte, hätte ich es längst getan.« Duncan wedelte mit einem großen Pflaster und holte ein Desinfektionsspray aus der Box. In diesen Medi-Packs war wesentlich mehr Zubehör enthalten als in denen, die die Outcasts mitbekamen. »Du kannst den Fliegen aber auch weiterhin als Buffet dienen.«

Murrend folgte Cane seinen Anweisungen und zuckte zusammen, als Duncan in die Hocke ging und die Wunde besprühte. Die Ränder des etwa zehn Zentimeter langen Schnittes waren entzündet. Wenn es schlecht lief, würde er für den Kerl auch noch Antibiotika verschwenden müssen. Immerhin gab es keine Anzeichen für eine drohende Blutvergiftung. Cane war zäher als Leder, sein Körper sehnig und durchtrainiert. Die lange Zeit auf Lost Island hatte ihn abgehärtet.

Während sich Cane durch die Gitterstäbe von ihm behandeln ließ, fragte Duncan: »Wie lange bist du schon auf der Insel?«

»So um die zehn Jahre. Ich zähle die Tage längst nicht mehr.«

Von diesem Zeitraum war Duncan ausgegangen, schließlich war Ben, Canes Sohn, etwa acht Jahre alt. »Dann bist du ungefähr fünf Jahre vor mir angekommen und kannst dich trotzdem an mich erinnern?«

»Zufall«, murmelte Cane.

»Ich glaube nicht an Zufälle.« Duncan hatte es damals, als fünfundzwanzigjähriger Senator, bereits weit gebracht gehabt. Auch dank seines verstorbenen Vaters, der dem engsten Rat angehört hatte. Dennoch war er zu dieser Zeit nicht oft in der Öffentlichkeit aufgetreten. »Und wem hast du alles verraten, wer ich bin?«

»Keinem.«

»Warum?«

»Weil ich deinetwegen noch lebe«, knurrte Cane.

Duncan klebte das große Pflaster auf die Wunde, stand auf und trat von der Zelle zurück. »Kannst du das etwas genauer ausführen?« Er konnte sich an diesen Mann partout nicht erinnern. »Wie lautet dein richtiger Name?«

»Nathan Rivera.«

»Rivera …« Den Namen hatte er schon einmal gehört, nur wusste er nicht, in welchem Zusammenhang.

»Ich war einer der Landschaftsgärtner des Parks vor dem Familia Hauptgebäude.«

»Klingelt immer noch nichts.«

»Natürlich nicht«, zischte Cane, ohne ihn anzusehen. »Für euch sind wir lediglich Arbeitstiere, die euer Leben aufhübschen.«

Duncan atmete tief durch. »Ich war nie wirklich einer von ihnen. Sonst wäre ich schließlich nicht hier.«

Cane drehte sich herum, setzte sich auf die Matratze und lehnte sich mit der gesunden Schulter an die Gitterstäbe. »Ich war gerade zwanzig und noch in der Ausbildung. Mein Lehrherr hat mich Rosenstöcke ausgraben lassen. Daher saß ich hinter einem großen Busch und keiner hat mich gesehen, als du und Senator Callahan im Park spazieren gingen. Ihr habt euch genau auf die Bank gesetzt, hinter der ich gearbeitet habe. Deshalb habe ich leider mitbekommen, worüber ihr euch unterhalten habt.«

»Und was war das?« Duncan wunderte sich, dass Cane so redselig war. So kannte er den Mann nicht. Er war ihm immer als Eigenbrötler vorgekommen, der sein eigenes Ding machte. So oft waren sie allerdings nicht zusammengestoßen.

»Callahan hat dir erklärt, was er auf Fort Mountain plant. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht einmal gewusst, dass es eine eigene Gefängnisinsel gibt.« Cane rieb sich über die Schulter und kniff die Lider zusammen. »Callahan war ganz heiß darauf, rebellische Bürger zu foltern, um sie auszuhorchen, bevor er sie nach Lost Island abschiebt.« Er warf Duncan einen wissenden Blick zu, woraufhin seine Narben kribbelten.

Plötzlich erinnerte sich Duncan an dieses Gespräch. Callahan – der ihm damals angeboten hatte, ihn Gregory zu nennen – hatte ihn nach Fort Mountain eingeladen. Komm doch mal vorbei und sieh dir meine Einrichtung an, und danach gehen wir zum Angeln. Ich kenne da eine hübsche Bucht …

»Ihr wurdet auf mich aufmerksam, als mein Lehrherr mir zurief, dass ich bei der Arbeit nicht schlafen solle. Kurz darauf hat die Miliz mich abgeführt.«

Immer mehr Erinnerungen kehrten zurück. Callahan hatte gewusst, dass er Nathan nicht zum Schweigen zwingen konnte. Für ihn hatte es nur einen Ausweg gegeben: die Beseitigung des Risikofaktors. Und genau wie heute hatte Cane schon damals den Mund nicht halten können und sich immer tiefer in die Scheiße geritten.

Es hatte einen kurzen Prozess gegeben, bei dem Duncan, Callahan, Cane und zwei weitere Ratsmitglieder anwesend gewesen waren. Callahan hatte Cane töten wollen, Duncan hatte den Rat überzeugen können, dass dieser junge, kräftige Mann einen guten Arbeiter auf Lost Island abgeben würde.

»Ich habe mir oft gewünscht, dass die Familia mich umgebracht hätte, anstatt hier zu sein. Aber …« Cane atmete tief durch und blickte Duncan in die Augen. »Dank dir wurde ich weder getötet noch gefoltert, sondern gleich abgeschoben. Und wenn ich ehrlich bin: Die letzten Jahre waren zwar verdammt hart, aber mein Leben ist mir doch lieb.«

»Nur mit deinen Mitmenschen scheinst du es ja nicht so zu haben.« Duncan musterte ihn scharf. »Oder warum hast du Bens Mutter verstoßen?«

»Sie ist freiwillig gegangen; kurz nach Bens Geburt«, sagte er grollend. »Sie hatte sich einen anderen Beschützer gesucht.«

»Warst du nicht nett genug zu ihr?«

Cane brummte etwas Unverständliches.

»Und Ben hat dich lange Jahre auch nicht interessiert.«

»Weil ich dachte, er wäre nicht von mir. Aber als die Ähnlichkeiten immer gravierender wurden …« Cane räusperte sich und verschränkte die Arme vor der Brust. »Ist die Fragestunde dann vorbei? Lässt du mich raus?«

»Ja, nachdem ich dir die Sachen gebracht habe.« Er würde Ghost noch einmal holen müssen, wenn er die Zelle aufsperrte, sicher war sicher. Duncan traute Cane nach wie vor nicht. Vermutlich würde er trotz des Sturmes sofort versuchen wollen, zu Sue zu laufen, und danach würde er seinen Schlägertrupp aktivieren.

 

***

 

Als Sarah Micah zurückbrachte, befand sich Prue immer noch im Badezimmer, daher würde Duncan den Jungen ins Bett bringen. Das durfte schließlich nicht so schwer sein.

Es war düster im Zimmer, bloß auf seinem Tisch flackerten zwei Kerzen. Duncan hatte versucht, die Basis anzufunken, es aber bald aufgegeben, weil nur Störgeräusche durch den Äther hallten. Der Sturm machte eine Übertragung unmöglich. Vielleicht sollten sie auch keine relevanten Neuigkeiten austauschen und schon gar nicht ihren Plan bezüglich Stings Rückkehr. Es bestand schließlich die Möglichkeit, dass sie abgehört wurden.

Micah gähnte, setzte sich auf Duncans Nachtlager am Boden und zog sich die Schuhe aus. »Darf ich hier unten schlafen?«, fragte er.

»Na klar.« Er würde den Kleinen zu Prue ins Bett legen, sobald er eingeschlafen war.

»Können wir morgen zusammen schnitzen?« Micah versuchte, die Augen offenzuhalten, doch ein Gähner folgte dem nächsten.

»Natürlich, hab ich dir ja versprochen.« Duncan war froh, dass der Junge so müde war, denn er fürchtete sich vor seinen Fragen. Wie sollte er einem Vierjährigen die Wahrheit beibringen, ohne ihn zu überfordern? »Wir suchen dir ein kleines Messer und ein Stück Holz, dann legen wir los.«

»Hast du Holz hier?«

»Genug.« Im Lager standen ein paar alte Stühle, und Brennholz hatte er auch gesammelt, für den Fall, dass der Strom ausfiel.

Micah schlüpfte unter die Decke, drückte sein blaues Plüschtier an sich und murmelte: »Ich vermisse meine Mummy.«

Duncan kniete sich neben ihn, um ihm das Laken bis über die Brust zu ziehen. »Prue ist im Badezimmer. Soll ich sie holen?«

»Ich meine Mummy Vera. Sie hat mir zum Einschlafen immer was vorgelesen. Und gibt es hier Eis?«

»Leider nein.« Duncan streichelte seinem Sohn über den Kopf. Wie lange würde es dauern, bis er begriff, dass er Vera nie wiedersah und es auch kein Eis und andere Annehmlichkeiten gab? Außer, ihr Plan würde klappen, doch er machte sich keine Hoffnungen. »Ich kann dir eine Geschichte erzählen.«

»Echt?« Micahs Augen strahlten, und plötzlich schien er hellwach zu sein. »Hast du Bücher hier? Alice war sehr schön, aber Ben hat zu Sarah gesagt, sie soll nicht alles vorlesen, weil er sich noch etwas aufheben will.«

»Ich habe ein paar Bücher im Lager. Bloß weiß ich nicht, ob eins für Kinder dabei ist. Wir können ja morgen mal nachsehen, wenn wir Holz suchen.«

»Schade«, flüsterte Micah.

»Aber ich habe viele Geschichten in meinem Kopf. Was willst du hören?«

»Ein Abenteuer.«

»Okay.«

»Du musst dich zu mir legen.« Micah klopfte auf das Kissen.

Duncan streckte sich neben ihm aus, und sofort kuschelte sich Micah in seine Armbeuge.

Wie erstarrt blieb Duncan liegen. »Schließt du immer so schnell Vertrauen zu fremden Menschen?«

Sein Sohn wandte ihm den Kopf zu. »Aber du bist doch mein echter Daddy, oder? Also bist du nicht fremd?«

»Ja, der bin ich.« Duncan schluckte hart und sein Puls raste. Dann drehte er sich ein Stück zur Seite, um den anderen Arm um Micah zu legen. Dieses kleine, warme Wesen zu spüren, fühlte sich sehr ungewohnt an.

Duncan betrachtete sein Kind genau. Die Stupsnase mit den feinen Sommersprossen, die dunklen Augen, sein dichtes schwarzes Haar. Micahs Haut war makellos, ohne eine Narbe oder einen Kratzer. Das würde wahrscheinlich nicht mehr lange so bleiben.

»Wie geht’s deinem Knie?«

»Tut fast nicht mehr weh.« Micah fuhr mit dem Zeigefinger über die große Narbe an Duncans Schulter. »Warum ziehst du dir so selten ein Oberteil an?«

»Damit jeder sieht, was die Familia mir angetan hat.«

»Warum?«

Die Frage klang so unschuldig, dass Duncan froh war, seinen Sohn nicht mehr dem Regime ausgesetzt zu wissen. »Damit wir niemals vergessen, wer unser Feind ist und was er uns angetan hat. Was er mir angetan hat.«

»Hätten sie das mit mir auch gemacht?«, wisperte Micah. Plötzlich spiegelte sich Furcht in seinen großen Pupillen.

Zuerst war Duncan versucht zu sagen: Ja, wenn du gegen die Regeln verstoßen hättest, aber dann schüttelte er den Kopf. Er wollte Micah nicht noch mehr Angst machen. Die Narben schienen ihn sehr zu beschäftigen. Immer wieder rieb er mit dem Finger darüber, doch Duncan genoss diese Berührungen. Das hier war sein Sohn, sein Fleisch und Blut.

Sein Herz schnürte sich zusammen, wenn er daran dachte, wie viel Zeit er mit seinem Kind verpasst hatte. Zu gerne hätte er ihn nach der Geburt im Arm gehalten, das erste Lächeln miterlebt, die ersten Worte und Schritte. Duncan wäre immer für ihn da gewesen, hätte mit ihm gespielt und gelacht. Zum Glück hatte er nicht gewusst, was für ein hübsches und kluges Kind er hatte. Es hätte ihn umgebracht, Micah nicht zu sehen. Wie hatte Prue es nur ausgehalten, ihn bloß an den Wochenenden besuchen zu dürfen?

Erneut wurde ihm bewusst, was für eine starke Frau sie war und was sie alles auf sich genommen hatte.

Als Micah seine kleine Hand auf Duncans Wange legte, hielt er die Luft an. »Bekomme ich auch mal so viele Barthaare?«

Duncan grinste. Er hatte sich seit vorgestern nicht mehr rasiert. »Bestimmt.«

»Was macht ihr denn da?« Als plötzlich Prue vor ihnen stand, zuckte Duncan zusammen. Er hatte so tief in ihrem Vater-Sohn-Universum gesteckt, dass er nicht bemerkt hatte, wie sie hereingekommen war.

Er wollte sich aufsetzen, doch Micah hatte sich regelrecht in ihn verkeilt.

»Schleicher will mir eine Abenteuergeschichte erzählen, weil er kein Buch da hat. Darf er, Mummy Prudy?«

»Natürlich, mein Schatz.«

»Ich darf hier unten schlafen; er hat es erlaubt.«

Sie räusperte sich, und Duncan hätte zu gerne ihr Gesicht gesehen. Er wollte ihr sagen, dass er Micah später ins Bett legte, doch das konnte er schlecht, weil er es seinem Sohn schließlich erlaubt hatte. Verdammte Zwickmühle. Mit einem von beiden würde er es sich heute wohl verscherzen.

Er sah sich schon neben Prue auf der Matratze liegen. Er würde ihr versprechen, sie nicht anzufassen, und ihr den Rücken zudrehen.

Verflucht, das würde eine harte Nacht werden …

Immer noch stand sie vor ihnen. Wegen der Kerzen in ihrem Rücken nahm er nur Prues Silhouette wahr. Erneut musste er feststellen, wie gut ihr die Hose passte. Das T-Shirt hatte sie in den Bund gesteckt, weshalb sie, wie sie so über ihnen stand, wie eine Befehlshaberin wirkte. Dieses Bild löste ein seltsames Prickeln in Duncan aus.

Verrückt, egal was Prue tat oder welche Kleidung sie trug – er fühlte sich immer mehr zu ihr hingezogen. Genau wie früher. Da hatte es auch erst eine Weile gedauert, bis sie sich nahegekommen waren, aber dann war er ihr mit Haut und Haaren verfallen gewesen.

»Hast du dich gewaschen und die Zähne geputzt?«, fragte sie Micah.

»Ähm … Ich bin schon so müde, Mummy Prudy«, sagte er, und Duncan dachte: Verdammt, das habe ich total vergessen.

»Okay, ausnahmsweise geht es dieses eine Mal ohne Zähneputzen, aber das wird morgen Früh gleich nachgeholt.« Sie zog das T-Shirt unter der Bettdecke hervor, das sie letzte Nacht getragen hatte, und ging zurück zur Tür. »Ich bin noch mal kurz im Bad.« Und weg war sie.

Duncan seufzte leise. Wollte sie sich lediglich in Ruhe umziehen? Oder konnte sie seine Nähe nicht mehr ertragen, weil er – neben den Bandenmitgliedern – zwei weitere Menschen getötet hatte?

Er hatte ihre Reaktion darauf mitbekommen; und sie hatte sich bereits über Stunden im Badezimmer aufgehalten.

Micah drehte sich um, sodass er nun fast ganz auf seiner Brust lag, und murmelte: »Wieso schläfst du nicht mit Prudy im Bett?«

»Wir … haben uns lange nicht gesehen.«

»Mummy und Daddy schlafen in einem Bett. Na ja, haben sie.«

»Wie meinst du das?«

»Mummy Vera schläft öfter in meinem Zimmer auf der Couch. Ich mag es, wenn ich nicht allein schlafen muss. Du kannst deshalb bei mir hier unten schlafen.«

Zwischen Vera und Tim schien nicht alles zu stimmen. Kein Wunder, sicherlich lebten sie auch in einer arrangierten Ehe. Ob Prue verheiratet war? Verdammt, er wusste es nicht. Doch allein die Vorstellung, dass ein anderer Mann sie berührt hatte, gefiel ihm nicht.

Bevor Micah noch wirklich unangenehme Fragen stellen konnte, sagte Duncan: »Soll ich jetzt mit der Geschichte anfangen?«

Micahs warmer Atem stieß gegen seinen Hals. »Hm.«

Duncan legte behutsam die Arme um den kleinen Körper und schloss die Augen. Er könnte auf der Stelle selbst einschlafen, so wohl fühlte er sich. Und es freute ihn, dass Micah ihm vertraute und ihn offensichtlich mochte. Ihn, Duncan, den Oberrebellen.

»Da gab es einmal einen Ritter, der wollte die Welt für alle Menschen besser machen. Denn der mächtige König hatte seinem Volk zahlreiche Regeln auferlegt, die dem Ritter und auch dem Volk nicht gefielen.«

Micah rührte sich, und plötzlich tauchte das blaue Stofftier vor seiner Nase auf. »Hippo will wissen, was ein Ritter ist.«

»Das waren tapfere Krieger. Sie lebten lange vor der Großen Flut, trugen schimmernde Rüstungen aus Metall, kämpften mit Schwertern und hatten auch Bogen. Vielleicht finden wir ja morgen ein Buch, in dem etwas über Ritter steht.«

»Das wäre cool.« Micah gähnte abermals. »Du hast einen Bogen; und ich habe heute kurz in Ghosts Zimmer sehen können. Sarah hat mir erzählt, dass die großen Messer an seiner Wand Schwerter heißen. Seid ihr auch Ritter?«

Er grinste. »Früher wären wir vielleicht welche gewesen.« Ghost besaß tatsächlich eine beachtliche Schwertsammlung, die auf all seinen Wänden verteilt war. Zwischendurch trainierte er auch damit. Er hatte die Schwerter in einer Wohnung gefunden, die offenbar einem Sammler für antike Waffen gehört hatte.

»Erzähl weiter, Schleicher.«

»Also, der mächtige König war ein böser Mann. In seinem Land durften die Menschen nicht wählen, welchen Beruf sie ausüben wollten. Der König allein hat das bestimmt. Außerdem durften die Bürger nie etwas Böses über den König sagen und mussten ihm immer gehorchen. Für die armen Menschen gab es schlechteres Essen als für den König und sein Gefolge, und sie durften auch nicht so viele Kinder haben, wie sie wollten. Vor allem durften sie nicht den lieben, den sie gerne mochten.«

»Das ist wirklich ein gemeiner König«, murmelte Micah.

»Hm«, machte Duncan und fuhr fort: »Der König hat viele Drachen im ganzen Land verteilt, die immer dafür sorgten, dass sich die Menschen an die Regeln hielten. Wer dagegen verstieß, bekam den heißen Todesatem der Biester zu spüren.«

»Was sind Drachen?«

»Das sind große Wesen mit gewaltigen Pranken, scharfen Krallen und dicken Schuppen. Aus ihren riesigen Mäulern konnten sie Feuer spucken.«

»Gibt es heute noch Drachen?«, wisperte sein Sohn.

»Nein«, antwortete Duncan flüsternd. »Doch würde es welche geben, würde ich dich vor ihnen beschützen.« Er hauchte einen Kuss auf Micahs Scheitel und wollte weitererzählen, als sein Kopf von seiner Brust rutschte. Micah war tatsächlich von einer Sekunde auf die andere eingeschlafen. Sogar sein Plüschtier war ihm aus der Hand gefallen.