Claudia Albisser Hund
Oliver Roth

AIFACH, GUET!

Books on Demand

Fotografie: Claudia Albisser Hund

Rezepte: Oliver Roth

| Bouillon S. →

|   Inhalt

| Ziger-Ravioli S. →

|   Einleitung

Erinnerungen und Anektoden an Stammtischen, oder im Freundeskreis gehören bekanntlich zur beliebten Freizeitunterhaltung unserer Gesellschaft. Auffallend, ja schon traditionel sind Erzählungen, welche aus der Dienstzeit in der Schweizer Armee berichten. Phantasievolle Ausschmückungen, grosszügige Selbstdarstellungen gehören ebenso dazu, wie auch manch kritische Äusserung ûber die Vorgesetzten. Insgesamt also ein unerschöpfliches Feld genialer Taten und spannender Geschichten.

Für all diejenigen Leserinnen und Leser, welche an den Stammtischen, oder im Freundeskreis bei diesen Themen durch mentale Abstinenz auffallen müssen, sei das Wesen und Funktionieren der Wehrmänner in der Schweizer Armee kurz dargestellt.

Bekanntlich erhält jeder Dienstpflichtige Angehörige der Armee (AdA), Soldat, Unteroffizier oder Offizier nach seiner Ausbildung in einer Rekrutenschule in mehr oder weniger regelmässigen Jahresabständen, einen Marschbefehl. Ein Aufgebot also zu mehrwöchigen, sogenannten Fortbildungskursen. Diese Marschbefehle werden zwar im allgemeinen von den betroffenen Mitbürger und Mitbürger-innen erwartet, dennoch halten sich bei manchen Empfängern die Begeisterung hiefür in Grenzen. Einst galten diese jährlichen Aufgebote als ein unausweichlicher Befehl von oben, dem undiskutabel pünktlich Folge zu leisten war. Private und andere berufliche Gründe zur Dispensierung vom Dienst, natürlich stets stichhaltig und glaubhaft begründet, wurden nur spärlich stattgegeben.

Immerhin, für die betroffenen Bürger heisst dies, vom heimischen Herd, von der geliebten Freundin, von der Familie oder von den Geschäfts- und Sportkollegen, kurz von seinem privaten Umfeld Abschied zu nehmen und sich in die Anonymität des Tarnanzuges, eines Massenlagers und der Einheitsverpflegung zu begeben. Für manchen Einrückenden hält sich der abrupte Wechsel vom Privatleben in den Militärdienst, zumindest was die äusseren Bedingungen entspricht, einigermassen in Grenzen. Sie geniessen das Privileg in geheizten Kasernen, in modernen Zivilschutzanlagen, oder in klimatisierten Militäranlagen speisen und übernachten zu dürfen.

Während Andere hingegen, weniger beneidenwerte Bürger, in ausrangierten Schulhäusern, in einem nüchteren Gemeindesaal, oder gar in einem ausgedienten Theatersaal einer schmuddligen Dorfbeiz, ihre durchnässten Tarnanzüge, ihre dreckigen Schuhe, so gut es eben geht trocknen und putzen müssen. Ihre Rucksäcke und die wenigen, persönlichen Effekten sind nach einem strengen, aber hoffnungslosen Ordnungsplan des Feldweibels, neben ihre Matrazen zu deponieren. Improvisierte Waschanlagen im Freien, provisorisch eingerichtete Essgelegenheiten und Materialausgabestellen, lassen die unterschiedlichen Diensterlebnisse erklären.

Je nach den geschilderten Umständen und Anforderungen im Dienste der Armee ist natürlich dem Berichterstatter am runden Tisch ein staunendes, andächtiges, oder eben nur ein gelangweiltes Publikum beim Zuhören garantiert.

Im Austausch militärischer Remeniszenzen, an den Stammtischen der Nation, oder unter Freunden, vor allem aber in Anwesenheit weiblicher Aufmerksamkeit, oder militärisch, unberührter Zivilisten, spürt man trotz geduldiger Bewunderung und Mitleidens in der gemischten Runde, den unausgesprochenen, aber nicht weniger dringlichen Wunsch, das Thema doch endlich zu verlassen, weniger rücksichtsvoll formuliert: Nein, nicht schon wieder Geschichten vom Militär“, was in einem gewissen Sinne durchaus verständlich sein mag, sind doch im Kreise der Stammkunden und Freunde, „Helden“ und „schlaue Füchse“ stets ungleich verteilt.

| Adrio-Röstiblech S. →

Spätestens an dieser Stelle und um die Geduld der Zuhörer, aber natürlich auch der Lesen nicht übermässig zu strapazieren, ist ein Themawechsel angesagt. Zum Beispiel zu einem Thema, das alle Beteiligten miteinbezieht, egal ob jung oder alt, Frau oder Mann, Soldat oder Zivilist, nämlich die „Küche“. Ein Begriff, der so vieles umfasst und so unterschiedlichen Erlebnissen, Meinungen und Ansprüchen ausgesetzt ist, wie kaum ein anderer. Die Küche als Synonym für Aufwand – Kochen – Essen – Genuss – Preis.