Inhalt
Einleitungn: Faul ist schlau!
Ein paar Worte vorneweg
Kapitel 1: Jeder ist einzigartig – jeder lernt einzigartig
Vier Lernstile im Überblick
Kapitel 2: Auf der Suche nach dem Erfolgsgeheimnis
So ticken Minimal-Lerner
Kapitel 3: Die 7 Schlüssel zum effizienten Lernen
Wie sich das Tor zum Lernerfolg öffnen lässt
Schlüssel Nummer 1: Selbstwahrnehmung bestimmt den Erfolg!
Wie du deinen Lernstil akzeptieren kannst
Schlüssel Nummer 2: Ein Blick in die Lerntrick-Kiste von Faulen
Wie du clevere, unaufwendige Lernmethoden ausprobierst
Schlüssel Nummer 3: Von Taschenlampen, Treibstoffen und Käseglocken
Wie du den Turbo der Konzentration anwirfst
Schlüssel Nummer 4: Den Motor in Gang bringen
Wie du es schaffst, dich selbst zu motivieren
Schlüssel Nummer 5: Aus viel mach wenig!
Wie du dich aufs Wesentliche reduzierst
Schlüssel Nummer 6: Turbo- statt Schneckentempo-Lernen!
Wie du Informationen schneller aufnimmst
Schlüssel Nummer 7: Mit strategischem Köpfchen in die Prüfung
Wie du dich schlau auf Tests vorbereitest
Kapitel 4: Jetzt bist du dran!
Mit deiner persönlichen Roadmap erfolgreicher Minimalist werden
Kapitel 5: Was Minimalisten brauchen – und was gar nicht
Ein paar Tipps für Eltern und andere Beteiligte
Kapitel 6: Wenn Minimalisten mehr wollen
Vom Mini- zum Maximalisten
Making-of
WhatsApp-Kommunikation
Danksagung
Register
Impressum
Einleitung: Faul ist schlau!
Ein paar Worte vorneweg
Faul ist schlau. Wenn ich diesen Satz in meinen Lerncoachings sage, werde ich meist mit großen Augen angesehen. Denn es ist nicht das, was Lernende, wenn sie unter anderem mit dem Thema Motivation in die Lernberatung kommen, erwarten. Meist haben sie jahrelang von anderen oder der eigenen inneren nörgelnden Stimme gehört, dass sie „faule Hunde“ seien, dass sie so viel erreichen könnten, wenn sie sich nur anstrengen würden, und dass sie halt lediglich mehr Selbstdisziplin aufbringen müssten. Zugegeben, seit allzu langer Zeit sage ich diesen Satz auch noch nicht. War es doch immer meine Vision, Lernende so zu unterstützen, dass sie motiviert lernen können. Diese Unterstützung kann darin liegen, die richtigen Lernwege und -arten für sich zu finden oder die Konzentrationsfähigkeit zu entwickeln oder auch ganz direkt die Motivation. Ich habe mit ihnen daran gearbeitet, Interesse für den Lernstoff zu gewinnen, die Bedeutung des Lernens zu erkennen und das Lernen freudvoll zu gestalten. Ich habe mich bemüht, alle Register zu ziehen – und musste immer wieder feststellen, dass viele einfach nicht bereit sind, Aufwand für das Lernen zu betreiben. Statt immer wieder an ihnen zu ziehen und zu versuchen, sie irgendwie zum Lernen zu bewegen, höre ich nun an einem gewissen Punkt damit auf. Nämlich dann, wenn die klassische Lerncoaching-Arbeit nicht fruchtet. Wenn Motivationscoaching, Belief-Arbeit, clevere Lernstrategien und andere Methoden nicht greifen. Wenn die kleinen und großen Klienten das Gefühl haben, mit ihnen stimmt was nicht, und ein Leidensdruck da ist, den es eigentlich gar nicht bräuchte. Natürlich könnte ich sie einfach ihrem Schicksal überlassen, doch das wollte ich auch nicht.
Die Lösung lag nämlich eigentlich direkt vor mir. Denn nicht nur in Lerncoachings, sondern auch im privaten Umfeld traf ich immer wieder auf Lernende, die erfolgreich sind und dennoch nur einen geringen Aufwand betreiben. Sei es, weil sie einfach keine Lust haben, viel Zeit und Energie zu investieren. Sei es weil sie schlicht keine Zeit für ausführliches Lernen haben, da sie neben voller Berufstätigkeit eine Ausbildung machen oder Leistungssportler sind. Oder Mutter kleiner Kinder. Oder weil sie eine extrem schnelle Auffassungsaufgabe und hohe Gedächtnisfähigkeiten haben.
Also stellte ich mir die Frage: Was können wir von diesen Lernern lernen? Was machen sie anders als diejenigen, die mit viel Aufwand und Energie erfolgreich sind? Was ist der Unterschied in dem jeweiligen Lernverhalten? Ich führte Interviews, verglich Lernstrategien meiner Lerncoaching-Klienten und recherchierte. Sehr schnell zeichnete sich ein Bild ab, welches sehr gut die Erfolgsstrategien erfolgreicher Minimal-Lerner abbildet. Diese können nun die „Faulen“ übernehmen und selbst anwenden.
Dabei ist „faul“ eigentlich nicht der richtige Ausdruck. Ich bevorzuge ganz klar die Ausdrücke „Minimal-Lerner“, „Minimalisten“ oder auch „Effektiv-Lerner“, denn nichts anderes ist es: mit wenig Aufwand viel erreichen. „Faul“ ist ein abwertender Ausdruck, der nicht hilfreich für die Betroffenen ist. Wir verstehen den Begriff „faul“ zwar sehr liebevoll und verständnisvoll, verwenden ihn hier dennoch nicht allzu oft. Natürlich ist das Minimal-Lernen nicht die Idealform des Lernens. Beispielsweise wäre die ideale Wiederholungsfrequenz von Lerninhalten die Taktung: am selben Tag, am nächsten Tag, in einer Woche, in einem Monat und nach sechs Monaten. Einem Minimal-Lerner wäre das viel zu aufwendig. Er würde vielleicht die Wiederholungsschleife am selben Tag und dann am Tag vor der Prüfung machen, ist aber nicht bereit, mehr zu tun. Dadurch wird er vermutlich auch nicht das Maximum erreichen, aber durchaus genug.
Mit diesem Buch sollen all jene angesprochen werden, die immer wieder als faul bezeichnet werden, die schon einiges ausprobiert haben, um „normal“ zu lernen, es aber – aus welchen Gründen auch immer – nicht schaffen. Nun sollen sie so sein dürfen, wie sie sind. Wir wollen sie nicht ändern, sondern Möglichkeiten aufzeigen, wie sie dennoch erfolgreich sein können.
Damit ihr euch auch wirklich angesprochen fühlen könnt, haben wir hier das persönliche Du gewählt. Im Geiste haben wir unsere Leser und Leserinnen ohnehin immer bei uns sitzen und treten mit ihnen ganz automatisch in einen direkten Dialog. Bitte fühle dich als Mädchen oder Frau genauso angesprochen, wenn wir der Einfachheit halber meist (nicht immer) die männliche Form wählen.
Dieses Buch ist ein Gemeinschaftswerk von mir als Hauptautorin und meiner Tochter Felicitas, die absolute Expertin auf dem Gebiet des Minimal-Lernens ist. Sie hat mir die entscheidenden Effektivitätshebel gezeigt und viele Ideen an die Hand gegeben, wo es Sinn macht weiterzuforschen und zu recherchieren. Während der Arbeit an dem Buch ist mir nach und nach klar geworden, wie sie das all die Jahre als Schülerin und jetzt als Studentin geschafft hat: sehr wenig zu lernen und dennoch erfolgreich zu sein.
In den „Tagebucheinträgen einer überzeugten Faulen“ lässt sie uns ein wenig in die Karten schauen.
Iris Komarek
TAGEBUCHEINTRAG – EINLEITUNG VON FELICITAS: In der Grundschule habe ich schnell festgestellt, dass ich irgendwie anders lerne als meine Klassenkameraden. Mein größtes Ziel war immer, so schnell wie möglich zum Spielen rauszukommen. Also war mir klar, dass ich einfach alles möglichst schnell und auch einigermaßen gut erledigen muss, damit ich keinen Stress bekomme. Das hat von Anfang an ziemlich gut geklappt. In der dritten Klasse habe ich dann aufgehört, Hausaufgaben zu den Themen zu machen, die ich schon konnte – das erschien mir wie sinnlose Zeitverschwendung. Eigentlich habe ich das bis zum Abitur durchgezogen. Dass das nie aufflog, kann ich mir im Nachhinein nicht so recht erklären. Auf dem Gymnasium war ich in den ersten beiden Schuljahren in einer Ganztagesklasse. Das war deswegen schlimm für mich, weil hier ein bestimmtes Lernverhalten vorgeschrieben wurde, zum Beispiel wie ich das Hausaufgabenheft führen sollte. Das hat mich extrem gestört, eingeengt und mich auch ziemlich gebremst. Als ich dann wieder so lernen konnte, wie es für mich passt, war alles wieder gut. Wenn ich auf die Schulzeit zurückblicke, dann kann ich sagen: Natürlich hätte ich noch besser sein können, aber der Aufwand für den Nutzen stand für mich in keinem Verhältnis. Meine Abiturnote von 2,2 mit einer Vorbereitungszeit von circa acht Stunden hätte ich nur mit enorm viel mehr Lernen deutlich verbessern können, aber das war es mir nicht wert. Selbstverständlich hat mich immer wieder das schlechte Gewissen gepackt. Ganz oft dachte ich, ich müsste eigentlich viel mehr lernen. Doch gerade das Akzeptieren, dass ich nun mal eine Minimal-Lernerin bin, war sehr hilfreich für mich. Ich möchte hier zeigen, dass es auch andere Wege zum Lernerfolg gibt als den klassischen – und ohne dass man sich dabei schlecht fühlen muss!
Felicitas Komarek
Kapitel 1: Jeder ist einzigartig – jeder lernt einzigartig
Vier Lernstile im Überblick