Sternenschweif
Schatz der
Sterne
KOSMOS
Umschlaggestaltung: Atelier Reichert, Stuttgart
unter Verwendung einer Illustration von Carolin Ina Schröter, Berlin
Textillustrationen: © Biz Hull
Sternenschweif – Schatz der Sterne, erzählt von Ina Brandt
Based on characters created by Working Partners Ltd.
© Working Partners Ltd., 2009
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© 2013, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten
ISBN 978-3-440-14087-1
eBook-Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig
Laura schaute zu, wie die Schneeflocken vor dem Fenster auf und ab wirbelten. Die Zweige der Tanne, die im Schulhof stand, sahen aus wie mit Puderzucker bestäubt. Endlich hatte es zu schneien begonnen! Laura hatte schon befürchtet, dass sich das Schmuddelwetter der letzten Tage bis zu den Ferien halten würde. Sie hatte genug von Nieselregen und Dauernebel. Jetzt konnte sie es nicht mehr erwarten, mit ihrem kleinen grauen Pony durch die glitzernde Winterlandschaft zu galoppieren. Sie wusste, dass Sternenschweif es genauso liebte wie sie, wenn die Sonne den verschneiten Wald um sie herum funkeln und strahlen ließ.
Endlich würden sie wieder mehr Zeit füreinander haben. Momentan hatte Laura so viele Hausaufgaben und Schularbeiten, dass für etwas anderes kaum mehr eine freie Minute blieb. Nicht einmal für den täglichen Ausritt mit Sternenschweif am Nachmittag nach der Schule. Dann erzählte sie ihm normalerweise alles, was ihr gerade durch den Kopf ging. Sie wusste, dass er jedes Wort verstand, denn Sternenschweif war kein gewöhnliches Pony. In ihm verbarg sich ein großes Geheimnis! Sie würde nie vergessen, was passiert war, als sie zum ersten Mal die Zauberworte gesprochen hatte. Plötzlich war ein strahlend schönes Einhorn vor ihr erschienen! Seine seidige Mähne hatte im Mondlicht geglänzt und sein Horn silbern geglitzert. Ja, Sternenschweif war ein Einhorn! Mithilfe eines Zauberspruchs verwandelte er sich in ein magisches Wesen mit ganz besonderen Zauberkräften. Dann konnte er mit Laura reden und sogar mit ihr fliegen.
Mel stupste sie in die Seite. „He, Laura, was starrst du denn die ganze Zeit aus dem Fenster? Von allein rechnen sich diese Aufgaben nicht.“ Damit deutete sie mit dem Stift auf die aufgeschlagene Seite des Mathematikbuchs.
„Ich weiß“, seufzte Laura und zwang sich, den Blick auf ihr Heft zu richten. „Wenn mir das Prozentrechnen nur ein bisschen mehr Spaß machen würde.“
„Stattdessen träumst du lieber davon, wie du mit Sternenschweif durch den Schnee reitest, stimmt’s?“, fragte Mel grinsend.
Laura zwinkerte ihrer Freundin zu. „Wie schön, dass du mich verstehst.“
Mel beugte plötzlich wieder den Kopf über das Heft und schrieb eifrig weiter.
„Ich schon“, flüsterte sie. „Aber Mr Noland wohl nicht.“
Laura schaute kurz auf und sah, wie ihr Klassenlehrer durch die Reihen ging und langsam auf sie zukam.
Rasch fing auch sie wieder an zu rechnen. Doch schon bald wusste sie nicht mehr weiter. Für die Mathematikarbeit, die ihnen demnächst bevorstand, musste sie auf jeden Fall noch üben. Ihr Blick wanderte wieder nach draußen.
Das Schneetreiben wurde immer dichter. Alles war weiß. Sie erinnerte sich, wie sie einmal mit Sternenschweif geflogen war, als es genauso geschneit hatte. Doch das Einhorn hatte aus seinem Huf Funken strömen lassen, die in einem großen Bogen aufgestiegen waren und alle Schneeflocken von ihnen abgehalten hatten. Dies war nur eine seiner vielen magischen Fähigkeiten, die sie gemeinsam kennengelernt hatten. Laura und Sternenschweif hatten nämlich die Aufgabe, Einhörnern und ihren Freunden zu helfen, wenn sie in Not waren. Dabei entdeckten sie immer wieder neue Zauberkräfte und hatten schon viel Aufregendes erlebt. Und zum Glück hatten alle ihre Abenteuer bislang ein gutes Ende gefunden.
Plötzlich läutete die Schulglocke. Mr Noland klatschte in die Hände.
„Ab in die Pause“, rief er. „Lasst euch nach der Rechnerei frische Luft durch den Kopf blasen.“
Laura stürmte mit den anderen nach draußen. Der Schulhof war bereits mit einer dicken Schneeschicht bedeckt. Sie wollte sich gerade mit ihren beiden besten Freundinnen Jessica und Mel ein ruhiges Plätzchen suchen, als sie ein Schneeball genau in den Nacken traf. Blitzschnell drehte sie sich um. Ein paar Meter entfernt stand ihr Bruder Max und grinste über beide Backen.
„Das nennt man Volltreffer“, freute er sich und schlenderte zu den drei Mädchen.
„Na warte!“, drohte ihm Laura mit der Faust und musste lachen. „Zu Hause gibt es Revanche. Und dann wird es einige Zeit dauern, bis du wieder aufgetaut bist. Das verspreche ich dir.“
„Was du nicht sagst!“, grinste Max spöttisch. „Wenn ich mich recht erinnere, warst du es, die unsere letzte Schneeballschlacht verloren hat. Im Übrigen hast du mir damals versprochen, ein Iglu für mich zu bauen. So groß, dass wir beide und auch die Hunde darin Platz haben. Darauf warte ich heute noch.“
„Dieses Iglu hättest du besser letzten Winter gebaut“, sagte Jessica zu Laura und konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. „Buddy ist inzwischen sicher doppelt so groß.“
„Mindestens“, bestätigte Mel und musste ebenfalls grinsen, als sie an den Welpen dachte, der nun ein riesiger, noch immer nicht ganz ausgewachsener Berner Sennenhund geworden war.
„Ich glaube, du könntest ein bisschen Hilfe beim Bau dieses Iglus ganz gut gebrauchen“, meinte Mel.
„Halt, nicht so schnell. Jetzt musst es erst einmal ordentlich schneien, bevor wir mit dem Iglu loslegen können“, wehrte Laura ab.
„Nein, erst einmal müssen wir die Mathearbeit und den Englischtest hinter uns bringen“, korrigierte sie Jessica. „Und dann erst können wir an Schneeballschlachten oder Iglus denken.“
Genau in diesem Augenblick läutete die Pausenglocke. Alle Schüler strömten wieder nach drinnen. Max winkte den Mädchen zu und lief seinen Freunden hinterher.
Als Laura, Jessica und Mel das Klassenzimmer betraten, sahen sie, dass Mr Noland nicht untätig gewesen war. An der Tafel standen weitere Rechenaufgaben. Mit einem Seufzen begab sich Laura an ihren Platz. Es fiel ihr schwer, sich zu konzentrieren. Sie dachte stattdessen lieber an das Iglu und fragte sich, wie es Walter, ihrem kleinen Terrier, und Buddy darin gefallen würde. Bei dem Gedanken, wie sie mit Max und den beiden Hunden im Iglu saß, musste Laura grinsen.
„Ich habe gar nicht gewusst, dass Prozentrechnen so lustig ist, Laura“, riss sie die Stimme von Mr Noland aus ihren Gedanken. „Komm doch einmal her und rechne uns eine Aufgabe vor.“
Laura wurde es siedend heiß. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch ging sie zur Tafel. Zögernd nahm sie die Kreide in die Hand und fing an zu rechnen. Doch schon nach kurzer Zeit wusste sie nicht mehr weiter. Sie kam ganz schön ins Schwitzen. Mit Mr Nolands Hilfe brachte sie die Aufgabe jedoch schließlich zu Ende.
„Ich empfehle dir, bis zur Mathearbeit noch ein bisschen zu üben“, sagte Mr Noland und Laura spürte, wie sie einen roten Kopf bekam. Dann setzte sie sich schnell wieder hin. Mel stupste sie aufmunternd in die Seite.
„Diese Aufgabe hätte ich auch nicht rechnen können“, flüsterte sie ihr zu. „Die war wirklich schwer.“
Laura seufzte. Wenn doch nur diese Mathearbeit schon vorüber wäre! Bei Englisch wusste sie, dass sie nicht so viel lernen musste. Sie konnte es einfach nicht mehr erwarten, bis endlich Ferien waren! Dann würde sie die Schule ganz schnell vergessen und jede freie Minute mit Sternenschweif verbringen. Wie herrlich!
„Ich male hier noch ein paar verschneite Tannen hin“, erklärte Mel.
„Und ich dort ein Eichhörnchen mit einer Nuss“, fügte Laura hinzu.