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Inhaltsverzeichnis















EPILOGISCHES

VIER ZU MIR JETZT SPRICHT DER SOHN

 

 

Nein, ist die Antwort, die mir am leichtesten von den Lippen geht, wo es doch eigentlich schwerer ist, sich gegen jemanden zu stellen als ihn zu befürworten. Ich habe viel Übung darin, Nein zu sagen. Wie habe ich also als Sohn meine Mutter erlebt? Nun, um ehrlich zu sein war ich froh, wenn ich sie denn mal nicht erleben musste. Und jetzt weiß ich schon wieder, dass ich mir die Welt durch Aussagen wie diese unnötig schwer mache.

Aber ich habe es immer abgelehnt, wenn jemand anderes für oder über mich gesprochen hat, und jetzt schreibt meine Mutter gleich ein ganzes Buch. Also werde ich auch was dazu sagen. Am besten der Reihe nach.

Mich haben vier Parteien erzogen: meine Eltern, meine Lehrer, das Internet, die Mädchen.

Eltern

Meine Mutter hat mich immer getrieben. In die Schule, zum Fußball und zum Klavierunterricht. Sie wollte immer, dass ich beschäftigt bin und bloß nicht zuviel vorm Computer hocke. Ich war genervt, aggressiv und unausgeschlafen. Ich wurde immer müde, wenn ich etwas tun musste, was nicht mein eigener Antrieb war, und ich über Dinge reden musste, die mir unangenehm waren, irgendwie. Und die Schule machte ich bestimmt nicht aus eigenem Antrieb. Ich gähnte mich nachmittags durch die Hausaufgaben und wurde erst abends wach.

Die einfachsten Ratschläge sind am schwersten zu befolgen. In der Schule habe ich die Autoren solcher Floskeln immer gehasst, und das war Grund genug, denen meiner Mutter oft nicht zu folgen. Und wenn meine Mutter mich Hase nannte, wurde ich richtig wütend, obwohl ich wusste, dass es witzig gemeint sein sollte. Ich fand es einfach nur widerlich. Manchmal wollte ich ihr ja auch gern helfen, wenn sie ein Problem mit ihrem Rechner hatte oder so, aber sie wusste es ja dann doch immer besser und hat meinen Lösungen nicht vertraut. Na, dann bitte schön, kann ich ja auch gehen.

Je heftiger die Auseinandersetzung mit meiner Mutter wurde, desto besser verstand ich mich mit meinem Vater. Mir schmeckte auch das Essen immer besser, wenn er kochte. In Sachen Schule war mein Vater entspannter als meine Mutter und riet mir eher, eine andere Laufbahn einzuschlagen, als mich mit Latein und Französisch herumzuquälen. Mit anderen Worten: Ich hätte auch abgehen können.

Mein Vater war auch großzügiger mit dem Auto. Meine Mutter hat immer krampfhaft nach Ausreden gesucht, mir die Schlüssel nicht zu geben. Aber ich konnte sie nur theoretisch verstehen. Der Sprit zahlt sich nicht von allein, der Junge soll sicher sein. Am liebsten wäre ihr gewesen, ich wäre gar nicht gefahren. Und manchmal wusste ich nicht, ob sie sich nicht mehr Sorgen ums Auto als um mich machte. Trotzdem hätte sie es mir öfters geben können, schließlich bin ich ein guter Fahrer.

Ich möchte später keine Kinder haben. Wenn die so werden wie ich selbst war, dann auf keinen Fall. Wenn die nicht so werden, wie ich es war, dann erst recht nicht. Und falls doch: keine Rosensträucher im Garten, kein Cottoboden im Haus und kein Schotter in der Einfahrt. Das gibt nur Schmerzen und Ärger!

Schule

Zur Schule bin ich immer gern gegangen. Das glaubt mir keiner, aber es war tatsächlich so. Leider habe ich in den Pausen wohl mehr gelernt als im Unterricht. Nur doof, dass man Große Pause nicht als Leistungskurs belegen konnte! Ich konnte auch leider nicht wirklich viel mit den meisten Lehrern anfangen, und die wohl auch nicht mit mir. Meine Hauptwissensquelle hieß Wikipedia. Dort überprüfte ich den Lernstoff, weil ich morgens nicht zugehört hatte oder es nicht verstand. Und meine erste 6 verdiente ich mir durch Abschreiben. Das war in der 6. Klasse. In der 9. Klasse hatte ich einen Zeugnisdurchschnitt von 4,0 und bekam vier blaue Briefe. Nein, es war bestimmt nicht leicht mit mir. In erster Linie hatte ich Musik im Kopf.

Dass ich in der Schule nicht mit den Lehrern klar gekommen bin bedeutet nicht, dass ich ein grundlegendes Problem mit Autoritäten habe. Eigentlich ist auch das ganz einfach. Wenn jemand eine Autorität ist und nicht nur spielt, dann habe ich damit kein Problem.

Ich hatte genauso wenig Lust, die Sonaten russischer Komponisten zu erarbeiten, wie meine Hausaufgaben zu machen. Doch irgendwie konnte meine Klavierlehrerin aus Moskau mir bewusst machen, dass die Sonaten wichtig sind.

Ich halte Hausaufgaben bis heute für unnötig, anders gesagt: Ich habe immer noch nicht verstanden, wozu sie gut sein sollen. Kann es mir noch mal einer erklären? Die Fächerwahl in der Schule ist auch völliger Mist. Ich musste mich zwischen Fächern entscheiden, die ich alle nicht kannte. Dann wählte ich Latein. Pardon, meine Mutter meinte, es wäre die richtige Wahl. Warum wissen die Pädagogen nicht, was gut für uns ist?

In meiner 13-jährigen Schullaufbahn hatte ich sehr, sehr viele Lehrer. Erinnern werde ich mich an wenige. Manche fehlten so oft, dass ich sie für Vertretungslehrer hielt, wenn sie mal kamen.

Was auch immer mich davon abhielt, ein guter Schüler zu sein, hat mir geholfen, mich in der Gesellschaft außerhalb der Klassenräume zurechtzufinden. Und das war nicht nur die Gesellschaft, in der man in Codeschnipseln spricht, 2bh – to be honest!

Internet

Für mich ist Facebook eine unabdingbare Plattform. Zuerst um den überseeischen Kontakt aufrecht zu halten zu Freunden, die aus unseren Partnerstädten kamen und mal eine Weile auf unsere Schule gegangen sind. Doch Facebook sagt mir auch, wo ich zu feiern habe und wen ich da so treffen werde. Facebook erleichtert mein Leben ungemein, denn plötzlich lässt sich die Planung einer ganzen Nacht für andere nachvollziehen. So muss ich nicht befürchten, dass jemand den Plan für die Nacht nicht mitbekommt und auch nicht, dass ich ihn nicht mitbekomme. Und was sonst manchmal so drin steht, muss man ja nicht immer ernst nehmen.

Auch muss ich nicht mehr selbst entscheiden, ob ich etwas gut oder schlecht finde, denn ich lasse einfach andere urteilen. Und da alles öffentlich geschieht, ist es umso wichtiger, welcher Meinung man angehört. Das Beste ist jedoch, dass ich dank 3G, der dritten Generation des Mobilfunksstandards, überall auf Facebook zugreifen kann. Ist Facebook also Teil meines Lebens geworden? Ja, und der einer ganzen Generation.

Waren es früher noch die Mädchen, die mich mit Freundschaftsbüchern penetriert haben, sind jetzt beide Geschlechter gleich auf, wenn es darum geht, ein Online-Freundschaftsbuch zu pflegen. Soweit, so Facebook! Ach, und sollte ich doch Kinder haben: Bis 12 Jahre werden sie selten fotografiert und kriegen kein Handy.

Mädchen

Mädchen sind echt cool. Mädchen sind voll klasse. Mädchen sind so süß. Ein paar mehr, ein paar gar nicht. Die eine, die ich gestern noch geliebt habe, ist die, die ich ab heute hasse. Und die ihren Beziehungsstatus auf Facebook zu Single geändert hat. Mit den Mädchen war es bislang immer wie auf einer unebenen Straße mit Schlaglöchern: Es geht immer auf und ab, und stets irgendwie weiter. Die Liebe ist ein schmutziges Spiel mit Multiplayermodus, doch ich spiele es immer noch gerne.

Warum ist es ein Spiel? Es gibt Regeln, an die sich beide Beteiligten eigentlich halten sollten, aber wie das bei einem Spiel so ist, wird manchmal geschummelt, und manchmal kann man Lösungswörter benutzen, die einen weiterbringen. Ich lerne ständig dazu.

Ein beachtlicher Teil der Jugend hat die unglaublich witzige Fähigkeit entwickelt, sich selbst zu erziehen. Ich zähle mich dazu. Sich selbst zu erziehen, heißt nichts anderes, als einfach mal die Augen offen zu halten. Deshalb glaube ich, dass ich mich in dieser Gesellschaft behaupten werde, anstatt in ihr unterzugehen.

 

That’s it.

 

Maik

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2010: DEUTSCHLAND UND DIE WELT

 

ERDBEBEN

Bei einem Erdbebeb in Haitisterben über 200.000 Menschen, über eine Million werden obdachlos.

 

KIRCHE

Nach einer Alkoholfahrt im Dienstwagen tritt die hannoversche Bischöfin Margot Käßmann als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland zurück.

 

LUFTFAHRT

Aschewolken nach dem Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull auf Island beeinträchtigen tagelang den Flugverkehr über Europa.

 

UMWELT

Bei einer Explosion auf der Bohrinsel Deepwater Horizon sterben elf Arbeiter, das ausströmende Öl verursacht im Golf von Mexiko eine Umweltkatastrophe.

 

MUSIK

Die deutsche Schülerin Lena Meyer-Landrut gewinnt überraschend den Eurovision Song Contest.

 

POLITIK

Nach öffentlicher Kritik an seinen Äußerungen zum Afghanistan-Krieg erklärt Bundespräsident Horst Köhler überraschend seinen sofortigen Rücktritt.

 

UNGLÜCK

Bei einer Massenpanik während der Loveparade sterben in Duisburg 21 junge Menschen, über 500 Teilnehmer werden zum Teil schwer verletzt.

 

ABZUG

7 Jahre nach der Invasion verlassen die letzten US Truppen den Irak.

 

AUSWEIS

Der elektronische Personalausweis wird bundesweit eingeführt.

ATOMMÜLL

Der 12. Castor-Transport startet von Nordfrankreich Richtung Gorleben.

 

UNRUHEN

Die Jasminrevolution in Tunesien beginnt. Auslöser war die sich rasch verbreitende Nachricht über die Selbstverbrennung eines Gemüsehändlers als Symbol gegen die schlechten Lebensbedingungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2010: FAMILY AFFAIRS

 

FORTSCHRITT

Lysa wird 18 und fährt mein Auto jetzt ohne mich.

 

JOB

Maik hat einen Nebenjob. Für 6,50 Euro die Stunde beflockt er im Dorfladen von »Karlos T-Shirt Welt« zweimal in der Woche bunte Hemdchen. Eines Tages kommt er mit einem neuen Shirt heim; es dauert eine Weile, bis mir der Aufdruck auffällt: Muttersöhnchen.

 

ABSCHLUSS

Mit dem Motto »Abios Amigos! 13 Jahre siesta, endlich fiesta!« und einem schönen Ball verabschiedet sich Maiks Jahrgang von der Schule.

 

AUTO

Maik kann das Auto in Galway nicht kostenfrei parken, jeder Tag kostet ihn 5 Euro. Rolf fliegt rüber, um das Auto zu holen.

 

GEFÜHLE

Maik fehlt uns allen.

ZUTRÄGLICHES

NEUN MONATE SPÄTER FAMILY AFFAIRS

 

 

Neun Monate später...

 

... hat Maik in Irland an einer Demo gegen Shell teilgenommen, erstmals ein Kochbuch benutzt und sich von seinem ersten Lohn eine gebrauchte Gitarre gekauft.

 

... hat Lysa die Armbanduhr, die sie Patrick zum Geburtstag geschenkt hatte, zurückgefordert, damit einen beachtlichen Preis bei Ebay erzielt und mit einem hervorragenden Notendurchschnitt ihr Abitur bestanden.

 

... hat Rolf seinen alten Irland-Rucksack vergeblich gesucht, als Ausgleich ein neues Go-Brett angeschafft und sich für ein Turnier in Holland angemeldet.

 

... kann Silke morgens länger schlafen, weil sie keine Schulbrote mehr schmieren muss und unbeobachtet zum Sövenrock gehen, ein Amateurfestival für Cover-Bands mit Musikern ab 50.

 

... darf Matthias seinen Sohn jetzt jeden Tag aus dem Kindergarten abholen, will sich aber trotzdem um ein Ausbildungsprojekt für Journalisten in Afrika bewerben. Von der Flirtbörse hat er sich abgemeldet.

MENSCHLICHES

EIN MÄNNLEIN SCHREIT IM SAALE ANSPRUCH AUF BEWÄHRUNG

 

 

»Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil: Der Anspruch auf Erziehung des Sohnes wird zur Bewährung ausgesetzt.«

Die Luft im Saal ist stickig. Der Ventilator an der Decke verteilt nur die Hitze. Dabei friere ich. Es ist die Atmosphäre, die mich frösteln lässt, eine Atmosphäre absoluter Sachlichkeit, die jede Mutter frösteln ließe. Keine Spur von Anteilnahme. Die wollen mich hier fertigmachen. Nur weil ich das getan habe, was jede Mutter für ihren Sohn tut. Aber die Männer in den roten Roben glauben mir nicht. Weil sie mir nicht glauben wollen. Jedes Wort drehen sie mir im Munde um. Es ist wie ein Albtraum.

»Bitte setzen Sie sich!«

Mein Kleid klebt am Körper, ich rieche den Schweiß unter meinen Achseln.

»Begründung: Der Erste Senat des Bundesfamiliengerichts hat entschieden, dass die Lebensstellung der Mutter nicht im Sinne einer Bestandsgarantie unwandelbar ist. Vielmehr ist schon ihr Erziehungsbedarf durch den Grundsatz der Elternteilung begrenzt, den die Rechtsprechung der Vorinstanzen des Senats für die nachgeburtliche Müttererziehung aufgestellt hat.«

Jetzt schaut auch mein Anwalt ganz streng. Ich möchte etwas sagen, aber mit einer knappen Handbewegung wehrt er ab: »Pssst!«

Der Richter spricht mit sonorer Stimme: »Maßgeblich dafür ist, dass der Gesetzgeber den Erziehungsanspruch der Mutter auf ihren Sohn aus Gründen des Kindeswohls dem Anspruch des Vaters darauf nach § 1570 BGB immer mehr bevorzugt hat. Auch der emanzipierten Mutter sollte es möglich sein, sich ganz der Pflege und Erziehung des Sohnes zu widmen, ohne seine Bedürfnisse zu ignorieren oder zu leugnen. Insoweit unterscheidet sich der Erziehungsanspruch nach seiner Zweckrichtung nicht von dem der Tochter.«

Will mich denn keiner verstehen? Ich fühle mich so einsam wie noch nie in meinem Leben.

»Allerdings beruht der geschlechtsspezifische Erziehungsansatz zusätzlich auf einer fortwirkenden ehelichen Polarität«, fährt der Richter fort, »und ist deswegen, insbesondere hinsichtlich der Dauer, stärker ausgestaltet. Wenn aber der stärker ausgestaltete Betreuungsansatz stets durch den Halbteilungsgrundsatz begrenzt ist, muss dies erst recht für das Mitspracherecht des Vaters gelten.«

Von dem Juristendeutsch wird mir ganz schwindelig. Und mir fehlt es an Unrechtsbewusstsein.

»Die Lebensstellung der Mutter und damit ihr Erziehungsanspruch auf Söhne ist deswegen durch den Halbteilungsgrundsatz begrenzt, wenn der sprechmündige Vater nicht über so hohe männliche Eigenschaften verfügt, dass er dem Einfluss der Mutter ungeschmälert entgegentreten kann.«

Ich tippe meinen Verteidiger an. »Bin ich jetzt vorbestraft?« Er reagiert nicht, sondern zieht ein Blatt Spielkarten aus dem Jackett und fängt an auszugeben. Die Tür öffnet sich, mehrere Jungen unterschiedlichen Alters fahren mit großem Getöse auf Bobby Cars, Rutscherädern und Spielzeugtreckern durch den Gerichtssaal. Einer steuert einen kleinen Hubschrauber, aus dem Barbies Ken mit dem Fallschirm abspringt. Mein Anwalt steht auf, sucht hastig die Karten zusammen und steigt bei einem der Jungen auf den Traktor. Ich erkenne meinen Sohn, der sein Lieblingskuscheltier dem Vorsitzenden Richter zuwirft.

 

»Mama.«

Da ist noch mal mein Sohn. Diesmal älter, mit gegelten Haaren und der Hose unterm Schritt. Er geht zu Klein-Maiki auf dem Bobby Car und herzt ihn ab. Ich will zu ihnen. Zwei Vollzugsbeamte mit Schlagstöcken hindern mich. Einer von ihnen ist meine Tochter.

 

»Mama!«

Ich will endlich auch etwas sagen, aber in diesem Gewusel hört mich niemand. Die beiden Beamten schauen routiniert teilnahmslos. Dann klicken die Handschellen.

 

»Mama, warum hast Du mich nicht geweckt?«

Maik steht vor mir, jetzt hellwach, aber noch nicht angezogen. Er ist entrüstet.

»Ich muss jetzt das Auto nehmen, sonst pack’ ich es nicht mehr.«

Ich reibe mir erst die Handgelenke, dann die Augen. Das Klicken der Handschellen hallt noch nach und vermischt sich mit seiner Aufregung. Mein Auto? Himmel, es ist zwanzig nach sieben, die Schule liegt einen einzigen Kilometer von unserem Haus entfernt. Traumtaumelig wäge ich zwischen den beiden Möglichkeiten ab, die es immer gibt.

1. Ich gebe ihm das Auto nicht: Maik eilt knapp geduscht und unter Absingen schmutziger Lieder im Laufschritt zur Schule, wo er fast noch pünktlich ankommt.

2. Ich gebe ihm das Auto: Maik entspannt sich schlagartig und zieht sein Morgenprogramm wie gewohnt durch. Er erreicht die Schule fein duftend, aber deutlich zu spät. Das krawallige Liedgut entfällt.

Maik kann viel schneller laufen als sich fertig machen, einen Parkplatz findet er um diese Zeit auf die Schnelle ohnehin nicht und trotzdem entscheide ich mich für Möglichkeit zwei, was ein klares pädagogisches 1:0 für ihn ergibt. Mein Ruhebedürfnis ist enorm groß geworden und heute bin ich auch noch froh, dass ich nicht ins Gefängnis muss. Zum Glück hat Lysa – meine Tochter – das Bad schon freigegeben.

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Die Generation Golf pflanzt sich fort. Nur ein paar aus der Bildungs- und Lifestyleelite haben dem Gedanken an Kinder abgeschworen, andere überlegen noch. Viel Zeit bleibt ihnen nicht mehr. Aber mit Entscheidungen tat sich diese Generation schon immer schwer. Florian Illies hat es in seinem Buch präzise beobachtet, inzwischen hat die Realität seine Beobachtungen sogar noch überholt. Das liegt daran, dass diese Männer und Frauen noch mehr Übung darin bekommen haben, sich alles so zurechtzulegen, wie es ihnen in den Kram passt. Die Golffahrer sind auf den Golfplatz gewechselt. Sie haben die Generation der Babyboomer abgelöst, die Jahrgänge stetig steigender Geburtenraten zwischen 1950 und 1965, deren Eltern noch ohne Familienplanung auskommen mussten. Illies hat die Nachgeborenen beschrieben, deren Mütter bereits die Pille hätten nehmen können. Er beschreibt die Wunschkinder, eben seine eigene Generation. Und fast schon meine.

 

Anfang der 90er sind wir große, starke Mädchen geworden und haben es nicht einmal gemerkt. Wir waren ehrgeizig im Beruf, liberal in unseren Anschauungen und maßlos im Konsum. Wir wollten das eine tun und das andere nicht lassen. Wir sahen Zeugung, Schwangerschaft und das Gebären als Leistung, als ehrgeiziges privates Projekt, dem wir uns freiwillig eine zeitlang zuwendeten. Dafür wollten wir mindestens genauso viel Applaus wie für unsere Karriere. Während bei der Arbeit schon mal die Anerkennung von Kollegen ausreicht und uns das Lob vom Boss einen seltenen Höhepunkt beschert, muss es hier das große Publikum sein: Eltern, Freunde, Bekannte und die Nachbarn sollten jedem Zentimeter Bauchumfang freudig applaudieren und damit unserem Entschluss, im Hier und Jetzt eine Familie zu gründen. Wenn wir uns denn schon mal dazu durchgerungen haben, möge es die ganze Welt bemerken. Das waren wir von klein auf so gewohnt. Alles andere verunsicherte uns.

Wir sind aufgewachsen mit weiblichen Vorteilen und männlichen Ansprüchen. Die Fußstapfen, in die wir treten konnten, waren so gut vorgezeichnet, dass wir viele feministische Errungenschaften im privaten Miteinander nicht mehr als solche erkannt haben. Sie waren vorrätig wie lila Latzhosen. Aber die mussten wir nicht mehr anziehen, um als tough erkannt zu werden. Das ging auch mit Flower-Power-Kleidern, mit Okölatschen, Jeans und Parka. Oder im Gegenentwurf mit Kaschmirpullover, geerbter Perlenkette und Nikituch. Hippie oder Yuppie? Beides stand zur Disposition und auch das Recht zu wechseln, ohne Angabe von Gründen. Nur die, die sich an John Travoltas »Saturday Night Fever« hielten, hatten sich disqualifiziert: Ein aufgebrezelter Style und emanzipatorisch schlaue Gedanken schließen einander aus, fanden wir.

Die Jungs redeten wir in Sozialkunde an die Wand und rechneten sie in Einzelfällen auch schon in Mathe unter den Tisch. Wir gaben ihnen Pausenbrote und Hausaufgaben, wenn sie dafür unsere alten Mofas reparierten oder versprachen, uns nach Hause zu bringen. Wir konnten hemmungslos weinen, wenn sie uns im Sport mit dem Medizinball erwischten, damit sie inständig um Entschuldigung baten. Wir konnten aber auch tapfer sein, ganz nach Bedarf.

Nach dem Abitur machten wir selbst Karriere und/oder heirateten einen Mann, der das schaffte. Im Unterschied zu unseren Müttern hatten wir mehrere ernsthafte Optionen. Das erachteten wir als selbstverständlichen, aber vorübergehenden Vorteil. Wir wussten, dass die Jungs uns überholen würden, wenn wir eine Familie gründeten, denn wir hatten davon gehört, dass die Vereinbarkeit von Kindern, Küche und echter Karriere nicht einfach sei. Und in der Tat: Halbtagsstellen gab es kaum, keinen Rechtsanspruch auf Kindergartenplätze, und die gesetzlich geregelten Erziehungszeiten mit Elterngeld wurden gerade erst ausgebaut. Heute wird die großzügige Elternzeit auch gern als Reisezeit genutzt. Wenn sich die besser Verdienenden unter den Liebenden bereits in der Babyplanung über die Voraussetzungen maximaler Zuwendungen gut informieren, haben sie als junges Elternglück soviel übrig, dass es für einen langen Traumtrip in die Ferne reicht.

Wir zählten auf die Unterstützung unserer Männer und forderten eine Partnerschaft auf Augenhöhe, die in der Umsetzung einer Entmündigung gleichkam: Wir Frauen bestimmten, was geht oder nicht. Zum Beispiel, ob wir noch zu jung sind oder noch jung genug, um ein Kind zu bekommen.

Das war die zentrale Frage schon zu meiner Zeit, aber inzwischen bereitet sie schon den 20-Jährigen Stress. Bei uns führte das zu intensiven Gesprächen mit dem Mann an unserer Seite. Erst weich gezeichnet, später grell ausgeleuchtet diskutieren wir unseren Standort, miteinander und zueinander. Wir fragen uns, ob wir einem Kind überhaupt gerecht werden könnten, und meinten damit, ob es uns gerecht werden kann: Familienausflug statt Expedition ist ein Schicksalsschlag, der verkraftet sein will. Schon in der Theorie. In uns gärte die weibliche Bestimmung. Wir wollten auch Mutter werden. Komplementär zu allem, was uns sonst noch umtrieb. Wir wollen etwas weitergeben, und wenn es nur Eitelkeiten, Unpässlichkeiten und Empfindlichkeiten waren.

In den 90er-Jahren war eine Frau mit 36 Jahren spätgebärend, medizinisch betrachtet. Sie war eine Risikoschwangere, die ihrem Frauenarzt ein paar Sorgenfalten und unbegrenzt abzurechnende Ultraschalluntersuchungen bescherte. Das hat sich geändert. Wir fühlen uns viel länger fertil, als wir uns schön finden. Das Alter der Erstgebärenden steigt kontinuierlich: Ende absehbar, aber nicht akzeptiert. Dass eine Frau in die Wechseljahre kommt, während ihr Kind noch die Schultüte im Arm hält, ist schon lange keine Sensation mehr. Mein lieber Freund Matthias, der im Internet nach einer neuen Partnerin sucht, fragte mich neulich: »Weißt du«, meinte er letzthin, »was mir wirklich Angst macht?« Und gab die Antwort, bevor ich nachfragen konnte: »Frauen ab 40 mit unentschlossenem Kinderwunsch.« Da kann er ja mal froh sein, wenn er das schon dem Online-Profil entnehmen kann und nicht erst einem rosa Teststreifen.

 

Männer sind naturgemäß zögerlich in der Frage aller Fragen nach Sinn und Kind. Für sie es ist es immer früh genug und nie zu spät. Das war immer schon so, auch, als eine Schwangerschaft noch eine echte Überraschung war. Als ich in das Alter kam, in dem meine Großmutter dachte, ich sei nun reif für ein paar Wahrheiten, klärte sie mich darüber auf, woran man die Liebe eines Mannes wirklich erkennen könne. Nämlich an seiner Reaktion auf die ultimative Botschaft. Ein verlegenes »Wie, so schnell?« oder ein »Jetzt schon?« seien noch verzeihlich, schließlich komme auf die Männer jede Menge Verantwortung zu. Entgleiste Gesichtszüge indes disqualifizierten ihn vollständig. Sekunden der Offenbarung, die an der Sachlage nichts änderten. Geheiratet wurde so oder so. Und die Ehe war ein Leben nach den Regeln des Mannes. Deswegen war es für Oma so wichtig, sorgfältig auszuwählen.

Für uns sind das Geschichten von früher, dennoch benutzen wir immer noch den Begriff des Auserwählten: des auserwählten Spermas. Nur eine Frau weiß genau, von wem sie sich hat befruchten lassen. Mother’s baby, father’s maybe. Oder ob sie immer verhütet oder gerade ihren Eisprung hat. Nur sie entscheidet über Austragen oder Abtreiben, über Leben oder Tod. Mother’s destination, father’s destiny. Anschließend definiert die Frau seine Zuständigkeiten im gemeinsamen Alltag und, wenn es schief läuft, nach der Düsseldorfer Tabelle. Darauf achten seit Anfang der 90er auch die Ostfrauen, denen man ein unkompliziertes Verhältnis zum Sex nachsagt und die in der Deutschen Demokratischen Republik immer irgendwo arbeiten gegangen sind. Ein Mann war für sie noch nie ein Vermögen. Im vereinigten Deutschland änderte sich alles für sie. Mit Anfang 20 schon Kinder und mit Mitte 20 wieder geschieden sein, ganz entspannt und in aller Freundschaft, das geht jetzt nicht mehr.

Ich war 27 Jahre alt, mein Mann 32, als wir 1990 Eltern wurden. Das ist älter als unsere Eltern waren und jünger als der Durchschnitt heute. Ich mit abgebrochenem Lehramtsstudium und Meisterprüfung im Friseurhandwerk, mein Mann mit großartig abgeschlossenem Studium der Psychologie und fester Anstellung in einer Beratungsstelle. Eine recht solide Grundlage, auf der wir uns wenige Jahre später Hausbaupläne zu 8,6% effektiv erlaubten, sehr zur Freude der Eltern. Alles auf Nestbau, alles im Lot. Nicht, dass wir uns schon lange ein Kind gewünscht hätten. Wir hatten gerade einmal darüber gesprochen, dass wir es jetzt ja zulassen könnten – und schon war ich schwanger.

 

»Die Hebamme nennt das Baby Männlein, als sie es mit geübtem Griff auf meinem Bauch platziert. Da muss es ganz schnell hin. Und auch unbedingt naturgebelassen wie in der Steinzeit: ungewaschen, verschmiert, noch voller Fruchtwasser und Blut. Das sei wichtig für die Bindung, für die Familienbindung, hat sie mir gesagt.

Eigentlich wollte ich ja nur ein Baby. Jetzt habe ich ein Männlein. Und mein Mann muss nun die Nabelschnur durchtrennen. Das sei ganz wichtig für die Vater-Kind-Bindung, haben sie uns gesagt. Auch für unsere Ehe? Gewiss, sagten die Hebammen landauf, landab. Und die müssen es ja wissen. Während der Wehen wird mir der absolute Liebesbeweis zuteil: Mein Gatte begreift, was ich durchmachen muss. Und ich sehe, was er nun durchmacht. Er nimmt teil und Anteil. Wow, das bindet!«

 

Dabei wäre mindestens jeder zweite Mann froh, zu Hause bleiben zu dürfen, hätte er nur eine gescheite Ausrede parat. Aber die gab es seinerzeit nicht. Hätte Rolf gesagt: »Du Liebling, ich glaube, das ist nichts für mich« – ich hätte die Scheidung eingereicht. Seine Anwesenheit war zwingend. Alles andere wäre ein Desaster geworden, zumindest in meinem Kopf. Liebe zeigt sich oft und überall, so ganz richtig aber nur im Kreißsaal. Damals habe ich daran geglaubt.

Und jetzt habe ich die Szene im Kopf, als wäre sie nicht vor 20 Jahren sondern erst gestern gewesen, in einem deutschen Herbst, die Nacht sternenklar, die Mauer gefallen, die Wiedervereinigung organisiert. Es war die Zeit der Haus- und Wassergeburten und der PEKiP [=Prager-Eltern-Kind-Programm]-Gruppen. Impfen war out, Lammfelle waren in. Und Klein-Maik war da, zwei Wochen über die Zeit: ein Wonneproppen von 3700 Gramm. Alles sollte gut werden.

Ich hörte die Hebamme davon sprechen, dass der Vater ihr Partner sei, aber sie behandelte ihn wie ein ungeliebtes Mitbringsel. Andauernd fragte sie ihn, ob er noch könne, ob er das durchhielte. Und klärte ihn darüber auf, was er an ihrer Stelle bald zu tun haben würde. Im Nachhinein glaube ich, die Frau hat ihn gehasst. Und ich habe ihn nicht gebraucht. Ich wollte mich nur um mich selbst kümmern, niemandem dankbar sein müssen.

Heute weiß ich, dass ich nur Menschen um mich haben wollte, die dafür bezahlt werden, dass ich ihnen den Schlaf raube. Ärzte, Schwestern, Hebammen, die schon tausend Geburten erlebt haben, während ich das Gebären gerade erst erfinde. Sie sollten mir sagen, was ich zu tun und zu lassen habe. Auf gar keinen Fall wollte ich meinem Mann ins Gesicht schreien, nicht in diesem Bett, schon gar nicht vor Schmerz.

Diese Überlegungen hatten im Vorfeld keine Rolle gespielt. Erst als ich in den Wehen lag, dachte ich: Könnte er jetzt nicht gehen? Von mir aus ein Bier trinken. Ich will nicht peinlich sein. Ihm nicht und mir schon gar nicht. Aber anno 1990 gehörten die Männer in den Kreißsaal, so sicher wie das Amen in die Kirche. Leider war meiner mir dort fremd. Und ich ihm wohl auch.

Rolf und ich wollten gute Eltern sein. Wir wollten alles richtig machen zum Besten unseres Kindes, und wir wollten uns die Rechte und Pflichten gerecht teilen. Oh je! Ich kürze den Bericht ab und fasse zusammen: Ich spielte die Königin Mutter, meinen Mann ernannte ich zum Mutterschaftsassistenten. Er sollte sich um das Kind kümmern, aber genauso wie ich es wollte. Das Fläschchen sollte er im 55-Grad-Winkel halten, den Sauger bitteschön etwas flacher, die Windel andersherum. Und dem Kind das berühmte Bäuerchen zu entlocken, traute ich ohnehin keinem Mann zu.

Rolf hat es ertragen, hat mich ertragen. Mein Wort war Gesetz, und so wurde binnen Wochen klar, dass ich der bessere Elternteil bin. Heute weiß ich, dass es viel besser gewesen wäre, wenn mein Mann den Befehl verweigert hätte. Er hätte mir klare Grenzen setzen sollen, mich stoppen müssen, wo ich nicht zu bremsen war: »Entweder fütterst du, oder ich tue es. Auf meine Art.« Damit hätte er seinen geliebten Sohn bestimmt weder erstickt noch ertränkt. Doch Rolf hat sich untergeordnet, funktionierte, wie ich das von ihm erwartete. Unserem Sohn hat das nicht geschadet, wohl aber uns. Seine wortlosen Zugeständnisse waren der Grundstein für unsere nachhaltig gestörten Dialoge. Ich blieb zu Hause, er ging arbeiten. Das klassische Modell. So war das nicht gedacht, aber finanziell unausweichlich. Während der Schwangerschaft war ich noch als freiberufliche Beraterin für einen Kosmetikkonzern unterwegs gewesen. Das ging jetzt nicht mehr.

Mit dem Kind zu Hause fand ich mich mühsam in meine neue Rolle ein. Und überlegte, was ich mit dem, was ich gelernt hatte, zukünftig anstellen konnte. Die Brutpflege erschöpfte mich. Wenn Rolf heimkam, war ich froh, den Kleinen abgeben zu können. Ich drückte ihm den Knaben auf den Arm, und er hatte den Rotz an der Backe. Im wahrsten Sinne des Wortes. Eltern und Schwiegereltern wohnten weit weg, wir waren auf uns allein gestellt. Wir redeten nur noch von und über das Kind, wir waren chronisch übermüdet, wir schliefen nur noch nebeneinander.

Das Übliche also. Die Welt dreht andersherum, sobald der eigene Winzling kräht. Rolf und mir wurde bewusst, dass das erste Kind, mit dem wir überhaupt je zu tun hatten, unser eigenes war. Wir hatten keine Vorlage in der Verwandtschaft, im Freundeskreis oder in der Nachbarschaft. Niemand da, der uns sein Kind mal hätte leihweise überlassen können. Wir hatten auch keine Geschwister in der Nähe, weder ältere noch jüngere, aber vor allem keine unverheiratete Schwester, die sich gern mal anbot, unser Kind zu hüten oder einfach als dritter Erwachsener unser kleines Universum stundenweise zu vergrößern. Wir waren immer allein mit dem Kind. Und wir waren ein für die damalige Zeit typisches Akademikerpaar mit viel bürgerlicher Mitte. Beseelt vom Sinn unserer Arbeit, deren Perspektive für mich unklar und unbefriedigend war, und pragmatisch genug, auskömmlich davon leben zu können. Aber heilig war uns der Wunsch, perfekte Eltern zu sein.

Das war Stress pur, körperliche Überlastung und mentale Panik. Ich hatte Angst, den Anschluss zu verpassen. Erst nach und nach ruckelte sich unsere kleine Familie doch noch ein. Maik entwickelte sich gut. Das wussten wir, weil wir keine Vorsorgeuntersuchung ausließen und kaum eines der zahlreichen Ratgeberbücher. Und weil wir uns mit anderen Paaren trafen, die mit uns über die Kaffeetassen hinweg die Kinder verglichen. Zum alltäglichen Frust kam Elternstolz. Das fühlte sich gut an. Wir waren glücklich darüber, wie unser Kleiner täglich wacher seine Umwelt wahrnahm, wie er greifen lernte, sich aufstützte und irgendwann auch saß.

Und in mir wuchs ein Gefühl heran, mit dem die Natur wohl ihren besten Haken schlägt: Mutterliebe. Das Wohl meines Sohnes war mir oberste Pflicht. Mir ging es gut, wenn es ihm gut ging. Das wollte ich mir beweisen und allen zeigen. Die tapferste Löwin war ich.

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SMS von Maik: Die erste Stunde fällt aus.

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1990: DEUTSCHLAND UND DIE WELT

 

KOMMUNISMUS

Knapp 70 Jahre nach ihrer Gründung zerfällt die Sowjetunion. Als erste spalten sich die baltischen Republiken Estland, Lettland und Litauen ab. In Moskau wird ein McDonald’s-Restaurant eröffnet.

 

APARTHEID

In Südafrika markiert die Haftentlassung des schwarzen Nationalhelden Nelson Mandela den Anfang vom Ende der Apartheid.

 

ATTENTATE

Bei zwei Attentaten auf Wahlveranstaltungen werden der SPD-Politiker Oskar Lafontaine und wenige Monate später der CDU-Innenminister Wolfgang Schäuble schwer verletzt.

 

HOMOSEXUALITÄT

Die Weltgesundheitsorganisation streicht Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel der Krankheiten.

 

GRENZVERKEHR

Im Schengener Abkommen öffnen Deutschland, die Benelux-Staaten und Frankreich ihre Binnengrenzen.

 

PANIK

Eine Massenpanik in einem Fußgängertunnel kostet 1.427 Mekka-Pilger das Leben.

 

FUSSBALL

Mit einem 1:0-Sieg gegen Argentinien beim Finale in Rom wird die deutsche Nationalmannschaft zum dritten Mal Fußball-Weltmeister.

 

KRIEG

Irakische Truppen überfallen das kleine Nachbarland Kuwait und lösen damit den Zweiten Golfkrieg aus.

 

WIEDERVEREINIGUNG

Nach erfolgreichen Verhandlungen mit den vier Alliierten ist der Weg frei für die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten. Der 3. Oktober wird zum Tag der Deutschen Einheit.

 

ENERGIE

Mit dem Stromeinspeisegesetz werden in Deutschland Investitionen in erneuerbare Energiequellen subventioniert.

 

WAHL

Bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl wird die Koalitionsregierung von Helmut Kohl im Amt bestätigt.

 

 

 

 

 

1990: FAMILY AFFAIRS

 

MEISTER

Ich lege die Meisterprüfung im Friseurhandwerk ab.

 

VERKEHR

Ich demoliere unser Auto, als ich rückwärts aus der Einfahrt eines Parkhauses herausfahren muss, weil ich das geschlossene Tor übersehen hatte.

 

NACHWUCHS

Zwei Wochen nach dem errechneten Termin wird unser Sohn Maik wird geboren.

 

MÖBEL

Wir kaufen drei neue Billy Regale, diesmal in weiß.

 

WEIHNACHTEN

Zum ersten Mal feiern wir Weihnachten ohne unsere Eltern.

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