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Das Buch

Die vor 275 Jahren in Erlangen gegründete Friedrich-Alexander-Universität mit ihren 265 Studiengängen ist Bayerns einzige Volluniversität. Denn sie baut nicht nur auf dem klassischen Grundstock einer Philosophischen, Theologischen, Juristischen, seit 1961 auch einer Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät auf, sondern sie verfügt sowohl über eine Technische als auch über eine Medizinische Fakultät inklusive eines hoch-modernen Klinikums. Die dort oder auch in der Naturwissenschaftlichen Fakultät ansässigen Disziplinen sorgen dafür, dass die FAU heute als die innovativste deutsche Hochschule in Europa gilt. Der Historiker Gregor Schöllgen geht dieser erstaunlichen Geschichte auf den Grund und zeigt, welche Kraft diese vielseitige Universität aus der dynamischen Bewegung ihres geballten Wissens zieht.

Der Autor

Gregor Schöllgen – Jahrgang 1952, 1977 Promotion im Fach Philosophie, 1982 Habilitation für Neuere Geschichte – unterrichtete von 1985 bis 2017 Neuere und Neueste Geschichte an der Friedrich-Alexander-Universität. Er lehrte als Gastprofessor in New York, Oxford und London und war jahrzehntelang für die historische Ausbildung der Attachés im Auswärtigen Amt verantwortlich. Schöllgen ist Mitherausgeber der Akten des Auswärtigen Amtes und des Nachlasses von Willy Brandt, schreibt für Presse, Hörfunk und Fernsehen und ist Autor zahlreicher Sachbücher und Biographien. Zuletzt erschien bei DVA »Krieg. Hundert Jahre Weltgeschichte« (2017).

GREGOR SCHÖLLGEN

In Zusammenarbeit mit Claus W. Schäfer

WISSEN IN BEWEGUNG

Die Friedrich-Alexander-Universität

Deutsche Verlags-Anstalt

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1. Auflage

Copyright © 2018 Deutsche Verlags-Anstalt, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,

Neumarkter Straße 28, 81673 München

Alle Rechte vorbehalten

Lektorat und Satz: Peter Palm, Berlin

Gesetzt aus der Minion Pro

Umschlaggestaltung: Büro Jorge Schmidt, München

ISBN 978-3-641-23664-9
V001

www.dva.de

Inhalt

Vorwort

I
VIELFALT, INNOVATION, LEIDENSCHAFT

Die Friedrich-Alexander-Universität 1743–2018

Die Gründung · Neuer Sitz, neuer Name · Unter preußischer Ägide · Große Gelehrte · Die Fakultäten · Die Universität als Dienstleister · Lehre und Forschung · Drittmittel und Zielverein­barungen · Wildwuchs der Zen­tren · Die FAU und ihre Konkurrenten · Erlanger Theologie · Natur- und Kulturwissenschaften · Die FAU im Nationalsozia­lismus · Mitläufer und Täter · Neue Horizonte, neue Disziplinen · Die Achtundsech­ziger · Inflation der Professuren · Akademische Beamte · Bildungskatastrophe · Die erste Übernahme · Erlangen-Nürnberg · Gründung der Technischen Fakultät · Die Gegengründung von Nürnberg · Siemens zum Ersten · Die Verwaltung als gestaltende Kraft · Die Kliniken als Kapital · Die zweite Übernahme · Die Reform der Reform · Wissenschaft und ­Politik

II
WISSEN IN BEWEGUNG

Biographie einer dynamischen Universität

1 Die Welt begreifen

»Der Gegenwart etwas sagen« · Theologen, Philosophen und Juristen · Berufungspolitik · Maß und Mittelmaß · Die Habilitation · Neue Fragen, neue Fächer · Der Einzelne und die vielen · Kultur und Geographie · Sammlungen und Museen · Die Blüte der ­Orchideen · Die Marginalisierung der Großen · International · Bürokraten und Reformen · Brücken zwischen Disziplinen · Freie Wirtschaft und freie Wissenschaft · Angewandte Geschichte · Lange Nächte · Grobe Plagiate · Bröselnde Bauten · Vermarktung einer Universität

2 Das Leben beleben

Sport und Medizin · Duell der Chirurgen · Nürnberger Konkurrenten · Plastische Chirurgie · Translational · Generalplan Medizin · Das Auge im Blick · Spiegel und Sonden · Emerging Fields · Viren im Visier · Dienste leisten · Frauen heilen · Kinder zeugen · Versuche am Tier · Experiment am Embryo · Von schneller und langsamer Wissenschaft · Ethik an der FAU · Tanzen und Turnen · Sport und Politik · Sport als Wissenschaft · Public Health · Wo siedelt der Sport?

3 Das Unsichtbare sichtbar machen

Die Geburt der Naturwissenschaften · Die Kraft der Atome · Theorie der Physik · Baby-Boomer · Mesonen · Rufen und gerufen werden · Neutrinos und Müonen · ANTARES · Zu den Sternen · Centre for Astroparticle Physics · Der Blick ins All · Es werde Licht · Optik, Information und ­Photonik · Erlangen Graduate School · Physik des Lichts · Forschung ­im Großen und Kleinen · Photonische Fasern · Leuchtende Moleküle · Medizin und Technik · Bildgebende Verfahren · Siemens zum Zweiten · An einem Strang · Medizinische Physik

4 Die Forschung anwenden

Die Suche nach dem Ingenieur · Ein neuer Typ · Chemie- und Bioinge­nieure · Preise, Grants und Exzellente Cluster · Erneuerbare Energien · Siedeln auf der Brache · Energie Campus · Informatik · Elektrotechnik · Töne und Frequenzen · Der Transfer des Wissens · Der Wissenschaftler als Erfinder · Mikroelektronik · Collegium Alexandrinum · Spenden und Stiften · Elektronische Bauelemente · Integrierte Schaltungen · Musik ­codieren · Zukunft stiften · Einsamkeit und Freiheit · Wirtschaftsinformatik · Flügge werden · Start Ups

5 Das Neue erschaffen

Künstliche Stoffe · Werkstoffwissenschaften · Ausbilden und Bilden · Taten und Titel · Ruinen und Paläste · Fürth als Standort · Glas und Keramik · Fehlerfreie Fertigung · Siemens zum Dritten · Medical Valley · Biomaterialien · Fertigungstechnik · Laser als Werkzeug · Studentische Überlast · Frauen an der FAU · Der Charakter der Bleche · Organische Chemie · Wundermaterial Graphen · Werkstoff des 21. Jahrhunderts · Wo ein Wille, da ein Weg

III
275 JAHRE FRIEDRICH-ALEXANDER-UNIVERSITÄT

Bilanz und Ausblick

Ungeahnte Herausforderungen, souveräne Lösungen · Die Voll­universität als Kapital · Auf der Suche nach der verlorenen Identität · Ein Campus als Zentrum · Der Name als Marke

IV
QUELLEN UND LITERATUR



Abkürzungen

Personenregister

Vorwort

Mit 64 Studenten und 16 Ordinarien fing es an. 40 000 Studierende, 600 Professoren und rund 14 000 Mitarbeiter, die der Kliniken eingeschlossen, sind es 2018, dem Jahr, in dem die Friedrich-Alexander-Universität zu Erlangen ihren 275. Geburtstag feiert. Zwischen diesen beiden Polen liegt eine überraschende Geschichte. Vor allem ihre letzten Etappen sind Gegenstand dieses Buches.

Es ist keine Jubiläumsschrift, sondern eine kritische Bilanz. Alles andere wäre unglaubwürdig. Eine Universität, zumal eine Volluniversität, kennt eben nicht nur Erfolge. Außerdem spiegeln sich in der Geschichte einer Universität die Zeitläufte, und das heißt im Falle der jüngeren deutschen Geschichte auch: das Versagen einer Nation. Nicht zuletzt aber »sollten« die Angehörigen der Universität »Kenntnis davon erhalten, was sie geerbt« haben.

Mit diesem Anspruch ging Alfred Wendehorst ans Werk, als er vor 25 Jahren seine Geschichte der Universität von 1743 bis 1993 vorlegte. Aus den Beständen des Universitätsarchivs gehoben, bildet sie bis heute eine solide, auch für mich hilfreiche Grundlage der Universitätsgeschichte bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Daran schließt dieses Buch an. Es zeichnet die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte bis in unsere Tage nach, und das heißt auch: Anders als das erklärtermaßen und wohl auch generationsbedingt bei Alfred Wendehorst der Fall gewesen ist, habe ich keine Berührungsängste mit unserer Gegenwart, im Gegenteil. Anders als Wendehorst das handhabte, schließt meine Darstellung der Geschichte dieser Universität auch die Standorte ein, die jenseits der Erlanger Stadtgrenze, also in Nürnberg, Bamberg, Fürth und Pleinfeld, liegen.

Das ist keine geringe Herausforderung, denn die Geschichte der FAU während der vergangenen Jahrzehnte ist auch die Geschichte einer ungeheuer dynamischen Expansion, insbesondere in der Medizin und in den Naturwissenschaften, der Technik und der Informatik. Mit diesem Tempo konnten oder wollten die Geisteswissenschaften, die Theologie und die Rechtswissenschaften selten Schritt halten. Sie werden dort gewürdigt, wo sie das Profil der Universität geschärft oder auch geprägt haben.

Das Buch ist keine Universitätsgeschichte im herkömmlichen Sinn. Um nicht bei einem mehrbändigen Werk zu enden, habe ich mich für eine beispielhafte Darstellung und auch dafür entschieden, die Entwicklung der ausgewählten Bereiche im Spiegel der Biographien ihrer Repräsentanten zu schildern. Die Kriterien für die Auswahl erschließen sich aus der Darstellung.

Schon weil diese die Medizin und die Naturwissenschaften, die Technik und die Informatik einschließt, ist sie wegen der Fachterminologie in einigen Partien sprachlich komplex. Um das Buch auch hier lesbar zu halten, habe ich unter anderem auf die sprachliche Unterscheidung der Geschlechter (»Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter«) verzichtet und mich in den meisten Fällen des generischen Maskulinums bedient.

Ohne mannigfache Unterstützung hätte ich das Projekt kaum stemmen können. Danken will ich vor allem zahlreichen aktiven und ehemaligen Mitarbeitern und Studierenden der Universität für ihre Gesprächsbereitschaft oder auch für die Überlassung von Informationen und Materialien aller Art. Das gilt vor allem für den Universitätsarchivar Dr. Clemens Wachter.

Mein Dank gilt einmal mehr meinen Mitarbeitern Dr. Matthias Klaus Braun, Dr. Dimitrios Gounaris und insbesondere Dr. Claus W. Schäfer, von dem die Textgrundlage der Kapitel II.2 bis II.5 stammt. Zu Viert haben wir wissenschaftliche Gefilde durchstreift, die mir in manchen Gegenden fremd oder sogar unbekannt gewesen sind, obgleich ich dieser Universität 33 Jahre lang angehört habe. Dass mir Kollegen anderer Fakultäten bei der Erschließung ihrer Disziplinen behilflich gewesen sind, weiß ich sehr zu schätzen.

Nicht zuletzt danke ich den in Nürnberg ansässigen Schöller-Stiftungen. Der Friedrich-Alexander-Universität seit Jahren und auf vielfältige Art als Förderin verbunden, haben sie auch die Drucklegung der deutsch- und englischsprachigen Ausgabe dieses Buches durch einen großzügigen Druckkostenzuschuss ermöglicht.

Schließlich die Universität. Vertreten durch ihren Präsidenten, Professor Dr. Joachim Hornegger, hat sie die Entstehung des Buches von Anfang an unterstützt und vor allem durch die Bereitstellung der Infrastruktur gefördert. Dass damit weder direkt noch indirekt Einfluss auf die Ergebnisse meiner Arbeit genommen werden durfte, verstand sich für beide Seiten von selbst; dass sich die Universität bis zuletzt und ohne Abstriche daran gehalten hat, weiß ich zu würdigen.

Erlangen, im Frühjahr 2018

Gregor Schöllgen

I

VIELFALT,
INNOVATION,
LEIDENSCHAFT

Die Friedrich-Alexander-Universität 1743–2018