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Das Buch

Längst hat sich Johannes Fried in Deutschland wie international einen Ruf als herausragender Mediävist erworben. Seine in klarer, lebhafter Sprache erzählten Bücher sind Bestseller. Dieses erstmals 1994 erschienene Werk über die Anfänge der Deutschen wurde von der Presse als Meisterwerk gefeiert.

Auf der Basis beeindruckender Quellenkenntnis schildert Fried überaus anschaulich das bäuerliche Leben inmitten der noch überwiegend von Wäldern geprägten Landschaft, das Aufkommen der Städte, die Ausdehnung des Handels, den Einfluss des Adels und vor allem der Kirche, die mit ihren Klöstern und Abteien das kulturelle Leben und den Alltag der Menschen maßgeblich prägte. Er beschreibt die Reichsgründung unter Karl dem Großen und das komplizierte Machtgefüge zwischen Kaisertum, Adel und Kirche, untersucht die Einflüsse des romanischen Kulturkreises im Westen und des slawischen im Osten und zeigt, wie sich in langwierigen, mühseligen Prozessen eine deutsche Identität und eine sprachliche und kulturelle Einheit der Deutschen herauszubilden begann. Geschichtsschreibung im besten Sinne.

»Frieds Werk vermittelt dem interessierten Laien reiche Belehrung.« Die Zeit

Der Autor

Johannes Fried, geboren 1942 in Hamburg, zählt zu den international renommiertesten Mediävisten unserer Zeit. Von 1983 bis 2009 hatte er den Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main inne. Er war lange Vorsitzender der Historischen Kommission, ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gremien und wurde mit vielen Auszeichnungen geehrt.

Johannes Fried

Die Anfänge der Deutschen

Der Weg in die Geschichte

Überarbeitete und mit neuem Vorwort versehene Neuausgabe

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Propyläen

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ISBN: 978-3-8437-1169-2

© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2015
Erstausgabe: © 1994 Verlag Ullstein GmbH
Lektorat: Wolfram Mitte
Karten: Annelies Dallmer
Umschlaggestaltung: Morian & Bayer-Eynck, Coesfeld
Umschlagabbildung: akg-images

E-Book: Pinkuin Satz und Datentechnik, Berlin

Alle Rechte vorbehalten

Inhalt

Über das Buch und den Autor

Titelseite

Impressum

Vorwort zur Neuausgabe

Vorwort

Was heißt deutsch?

Land und Leute

Das Land

Die Sprache des Volkes

Menschen im werdenden Deutschland

Verhalten

Soziale Gruppen und Interaktionen

Wissen und Verstehen

Die Voraussetzungen der Einheit

Die fränkische Königsherrschaft

Die Könige und ihr Reich

Karl der Große und Ludwig der Fromme

Die Expansion des Reiches unter Karl dem Großen

Die Ordnung des Reiches

Der Gipfel des Reiches

Die Krise des Reiches

Ludwig der Fromme

Das Werden der Einheit

Der Zerfall des Karolingerreiches

Bruderkrieg und Herrschaftsteilung

Agonie und Erfolg: Lothar I. und Ludwig der Deutsche

Die Erben

Das Reich der Ottonen

Von den Franken zu den Sachsen

Die Ordnung des ottonischen Reiches

Das Kaisertum Ottos des Großen

Krise und Wandel des ottonischen Imperiums

Der Neubeginn unter Heinrich II.

Adel, Kirchen, Volk und König: das ottonische Reich als Einheit und Wirkverbund

Königshof und Sakralkönigtum

Königtum und Kirchen

Der König und die Laien

Die Königswahl

In der Gemeinschaft der Völker

Fernhandel und Städte

Weder »Volkswirtschaft« noch Wirtschaftstheorie

Wandel im Nachfrage- und Wirtschaftsverhalten

Der Wiederaufstieg der Städte

Der Aufschwung des Handels

Kirche und Frömmigkeit

Der Leib des Herrn

Mahlfeier und Liturgie

Kirchenrecht

Zönobitentum und Klosterreformen

Religiosität und Heiligenkulte

Endzeit?

Geistige Kultur

Eine einzige Kultursprache: Latein

Kloster- und Domschulen

Ein allgemeines Bildungsziel: die sieben Freien Künste

Verschmelzung der Bildungs- und der Machteliten

Offenheit

Epilog

Noch einmal: Was ist deutsch?

Anhang

Bibliographie

Vorbemerkung

Abkürzungen

Festschriften

Allgemeine Sammelwerke

Allgemeines

Recht und Verfassung

Sozial- und Wirtschaftsgeschichte

Geistes- und Kirchengeschichte

Regionalgeschichte

Was heißt deutsch?

Das Land

Die Sprache des Volkes

Menschen im werdenden Deutschland

Verhalten

Soziale Gruppen und Interaktionen

Wissen und Verstehen

Die fränkische Königsherrschaft

Die Könige und ihr Reich

Karl der Große

Ludwig der Fromme

Der Zerfall des Karolingerreiches

Die Söhne und Enkel Ludwigs des Deutschen

Das Reich der Ottonen

Konrad I. und Heinrich I.

Otto I.

Otto II. und die Kaiserinnen Adelheid und Theophanu

Otto III. und Heinrich II.

Adel, Kirchen, Volk und König: das ottonische Reich als Einheit und Wirkverbund

Königshof und Sakralkönigtum

Königtum und Kirchen

König, Adel und Volk

Fernhandel und Städte

Kirche und Frömmigkeit

Geistige Kultur

Offenheit

Ergänzende Bibliographie zur Neuausgabe

Festschriften und Sammelbände

Allgemeines

Recht und Verfassung

Sozial- und Wirtschaftsgeschichte

Geistes- und Kirchengeschichte

Regionalgeschichte

Land und Sprache

Menschen und soziale Gruppen

Königsherrschaft und Könige

Karl der Große und Ludwig der Fromme

Zerfall des Karolingerreiches

Ludwig der Deutsche, seine Söhne und Enkel

Das Reich der Ottonen

König, Adel, Kirche und Volk im ottonischen Reich

Gemeinschaft der Völker

Bildnachweis

Bildteil

Feedback an den Verlag

Vorwort zur Neuausgabe

Die erste Auflage dieses Buches wurde als Eröffnungsband der großen Propyläen Geschichte Deutschlands konzipiert. Diesem Ziel dienten die dargestellten Strukturen und Handlungsstränge. Mit ihnen sollten Bedingungen erfasst werden, die auf die Entstehung eines »deutschen« Reiches und der »Deutschen« hinführten. Es ging somit nicht um eine Geschichte Karls des Großen oder Ottos des Großen, sondern um die Wirkungen dieser und anderer Zeitgenossen, die auf die künftige »Nation« hinführten und durch die Prägungen erfolgten, die durch Jahrhunderte und bis zur Gegenwart weiterwirkten. Ziel, Anlage und Durchführung des Buches wurden für die überarbeitete zweite Auflage nicht geändert. Manches sehe ich heute freilich anders als früher. So dürfte sich die Kaiserkrönung Karls des Großen stärker an Byzanz angelehnt haben, als ich das früher meinte. In der väterlichen Familie der Kaiserin Judith erkenne ich nicht mehr – wie damals – Welfen; denn der Vater der Kaiserin hieß aller Wahrscheinlichkeit nach Ruadpreht (d. i. Robert), auch wenn er Welf genannt wurde. Die Diskussion um die neue familiäre Zuordnung dieser sich nun abzeichnenden Verwandtengruppe hat freilich noch nicht begonnen. Auch datiere ich die »Konstantinische Schenkung« nicht in das 8. Jahrhundert und lokalisiere sie nicht nach Rom, sondern verweise sie in das Frankenreich und in die Kreise der Opposition gegen Ludwig den Frommen um 830/835. Dies wurde in der jetzt vorgelegten Überarbeitung berücksichtigt. Darüber hinaus wurden lediglich offenkundige Versehen korrigiert, mir bekannt gewordene fremde Forschungen aber nur dann eingearbeitet, wenn deren Ergebnisse mich überzeugten. Über den Fortgang der wissenschaftlichen Diskussion seit 1994 unterrichtet der Anhang in bibliographischer Form.

Frankfurt am Main, im Februar 2015

Johannes Fried

Vorwort

Wer waren die Menschen, die Deutschland schufen? Wie lebten, wie dachten sie? Welche Ziele verfolgten sie? Strebten sie in eine nationale Zukunft? Die Sprödigkeit frühmittelalterlicher Autoren vermag die Neugier moderner Forscher nicht zu stillen. Einzelpersonen und Gruppen, persönliche Intentionen, individuelle Leistungen und kollektive Prozesse bleiben ohne scharfe Kontur. Doch so viel steht fest: Deutsche waren jene »Reichsgründer« nicht; erst ihre fernen Enkel sollten es sein. Wann also begann die deutsche Geschichte? Welche Entstehungsbedingungen prägten sie? Wie traten aus nichtdeutscher Umwelt und Vorzeit Deutsche hervor? Eindeutige Antworten findet der Historiker nicht, da alle Anfänge in einer überlieferungslosen Vorgeschichte verschwimmen. Wohl aber lassen sich zahlreiche Geschehensbündel und Einzelereignisse erkennen, deren Eigendynamik, Zusammenwirken und wechselseitige Verstärkung die deutsche Geschichte heraufgeführt haben und deren Einungsprozess unumkehrbar machten.

Bewusst greift die Darstellung weit zurück und setzt mit einem der umwälzendsten Prozesse ein, welche die Geschichte kennt: mit dem ersten Auftreten bäuerlicher Siedler in Mitteleuropa im Laufe des 6. Jahrtausends v. Chr. Seitdem formten Generationen von »Bauern« eine Siedlungslandschaft, die zwar durch fortwährende Ausbau- und Reduktionsphasen kontinuierlichem Wandel unterlag, doch insgesamt bis weit in die Neuzeit hinein die Entfaltung menschlicher Kultur lenkte und beherrschte. Zahlreiche fremde wie autogene Faktoren wirkten auf diesen Prozess ein. Das Eindringen von Kelten und Germanen, der Vorstoß der Römer, neue Reichsbildungen auf dem Boden ihres zerfallenden Imperiums, die Ordnungsmächte des Christentums und der heidnischen Bildung, die Antagonie von Königtum und Adel, die Einfälle asiatischer Reiternomaden, die slawische Expansion – dies alles machte in Mitteleuropa jene Verbandsbildungen in ihren spezifischen Ausprägungen möglich, in deren Nachfolge noch die heutige Gegenwart steht. Die Darstellung endet mit dem Herrschaftsanstritt der salischen Dynastie, unter der sich die Deutschen ihres Deutschseins allseits bewusst wurden. Wenn im Folgenden dennoch von »Deutschen« und »Deutschland« die Rede ist, so geschieht es in keinem ethnischen oder nationalen Sinn; die Begriffe werden so verwendet, wie etwa der Philologe von »althochdeutsch« spricht und damit keine Nationalsprache, sondern eine Sprachstufe bezeichnet. Die Deutschen sind hier die Gesamtheit der Menschen, die deutsch redeten, nicht das jüngere Volk der Deutschen, und Deutschland meint das Land, dessen Bevölkerung deutsch sprach, nicht die Heimat jenes deutschen Volkes.

Der Autor hat vielen zu danken, die bereitwillig oder unbemerkt ihm als Ratgeber, Helfer oder Gesprächspartner zur Seite standen und ihn an ihrem Wissen und Können partizipieren ließen. Maria R(adnoti)-Alföldy, Gerd Althoff, Helmut Beumann, Katharina und Volker Bierbrauer, Michael Borgolte, Arno Borst, Eckhard Freise, Dieter Geuenich, Peter Johanek, Hagen Keller, Ludolf Kuchenbuch, der unvergessliche Karl Leyser, Jens Lüning, Peter Moraw, Ulrich Muhlack, Timothy Reuter, Charlotte Warnke, Stephan Weinfurter und Thomas Zotz sind hier zu nennen. Hermann Jakobs, Heribert Müller, Rudolf Schieffer und Hanna Vollrath fanden sich liebenswürdigerweise bereit, größere oder kleinere Teile des Manuskripts zu lesen, zu kritisieren und zu korrigieren. Mein Frankfurter Kollege Heribert Müller und meine Mitarbeiter, Oliver Ramonat, Michael Rothmann, Felicitas Schmieder, ertrugen allwöchentlich geduldig mein Diskussionsverlangen. Meine Frau übte Nachsicht mit dem mental entrückten, an den Schreibtisch gefesselten Buchschreiber. Dank sei ihnen allen gesagt. Dank auch Wolfram Mitte, dessen freundliches Drängen den Abschluss des Manuskripts anmahnte und dessen auf Kürzung insistierendes Lektorat dem Buch zu seiner Fertigstellung verhalf. Dankbar gedenke ich endlich der Förderung dieses Werkes durch einen einjährigen Forschungsaufenthalt im Historischen Kolleg in München. Träger des Historischen Kollegs sind der Stiftungsfond Deutsche Bank zur Förderung der Wissenschaft in Forschung und Lehre und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Eine Woche nachdem mir die Berufung ins Historische Kolleg mitgeteilt worden war, wurde der damalige, an der Kandidatenauswahl mitwirkende Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, von Terroristen ermordet. So mag dieses Opus nicht ohne ein Wort des Gedenkens an diesen um die Geschichtswissenschaft so verdienten Mann hinausgehen.

Frankfurt am Main, im Oktober 1993

Johannes Fried