„Sonst ist einer der Doktor und ein anderer der Klient. Wer sich selbst erzieht, ist beides, selber Arzt und selbst Patient!“
(Erich Kästner)
Wenn wir nicht schlafen können und nach einem Mittel suchen, das uns in den Schlaf helfen soll, dann haben wir meist spezielle Erwartungen.
Zunächst soll es schnell wirken und natürlich den Schlaf verbessern. Diese Schlafverbesserung soll nicht nur „gefühlt“, sondern auch tatsächlich gesund in unserem Körper ablaufen. Meist haben wir ein gutes Gefühl, wenn dieses Mittel natürlichen Ursprungs ist. Pflanzliche Mittel werden gerne bevorzugt.
Wir möchten nicht, dass dieses Schlafmittel unsere Tagesbefindlichkeit negativ beeinflusst. Wir wollen schließlich wach sein, wenn wir wach sein müssen.
Weiterhin haben wir den Anspruch, dass dieses Mittel keine Nebenwirkungen erzeugt und auch keine unangenehmen Interaktionen mit anderen Stoffen aufweist, die wir unserem Körper zuführen (müssen). Außerdem wollen wir weder körperlich noch seelisch von ihm abhängig werden. Und wenn wir es nicht mehr brauchen, können wir auch gern auf Absetzeffekte verzichten.
Gut wäre ein universell helfendes Schlafmittel, egal ob wir zu den Jungen oder den Alten gehören und egal ob wir Probleme mit dem Einschlafen, Wiedereinschlafen oder Durchschlafen haben.
Bei all diesen Erwartungen an ein gutes Schlafmittel könnten wir es doch zunächst mit einem ganz natürlichen versuchen:
„Der Körper ist das beste Schlafmittel.“
(Michael Krugman)
Nicht, dass wir uns missverstehen. Sie sollen Ihren Körper nicht dreimal täglich mit etwas Wasser herunterspülen. Vielmehr können Sie ihn raffiniert nutzen, um genau die Zustände in ihm hervorzurufen, die er braucht, um Schlaf zuzulassen bzw. zu erzeugen.
Wir alle haben die Erfahrung gemacht, dass wir in unserem Körper angenehme Zustände herbeiführen und auch durch ihn. Beispiele für derart selbsterzeugte positive Zustände sind zum Beispiel das „Runners High“ (Ausschüttung von Endorphinen) oder positive Gefühle, wie sie durch das Streicheln und Schmusen entstehen (Ausschüttung von Oxytocin). Auch das Singen oder Summen eines Liedes verschafft positive Empfindungen. Die so ausgeschütteten Glückshormone stärken nicht nur die Abwehr, reduzieren Schmerzen und entspannen Muskeln, sondern lassen den Blick auf die Welt auch freundlicher werden.
Bei unserer „Schlafmethode“ verbinden wir winzige Bewegungen mit dem Atem. Dadurch beruhigen sich lästige Gedanken, der Körper entspannt sich und gleitet vom Wachzustand in einen wohligen Schlaf. Wir erzeugen quasi ein „Sleepers Low“!
„Jetzt kämpfe ich schon so lange mit meinem Schlaf und da wollen Sie mir erzählen, dass das bisschen Atmen und Bewegen helfen soll?“
(Paul, Student und Schlafschüler)
Paul ist Schüler in unserer Schlafschule. Während er das sagt, bringt er sich gerade auf seiner Matte in eine bequeme Rückenlage. Sein Tonfall ist nervös und ungeduldig. Diese Reaktion kennen wir, sie ist uns durchaus vertraut. Der Druck der Schlaflosigkeit erzeugt nicht selten eine nervöse und ungeduldige Verfassung.
Und ja, wir wollen nicht nur Paul, sondern auch Ihnen tatsächlich erzählen, dass das bisschen Atmen und Bewegen hilft! Wir halten aber nichts davon, Ihnen nur davon zu erzählen, sondern wir möchten die Wirkung für Sie erlebbar machen. Das Sounder Sleep System (SSS) ist einfach und zugleich tief greifend. Seine Wirkung lässt sich nicht so sehr gedanklich ergründen oder erklären. Seinen vollen Nutzen zeigt es beim Machen. Deshalb gibt es einige Übungen auch als Audio-Versionen.
Noch einmal kurz zu Paul zurück: Gerade die anfänglichen Skeptiker staunen über die Effekte der Methode. Oft sind sie der Annahme aufgesessen: „Viel hilft viel“ oder „Schwere Probleme brauchen schwere, komplizierte und kräftezehrende Behandlungsmethoden“. Zugegeben, oft stimmt das ja auch. Und doch: Das SSS ist faszinierend einfach und dabei äußerst wirksam. Das Wichtigste im Umgang mit dieser Methode ist, sich selbst zu erlauben, wieder angenehme Erfahrungen machen zu dürfen. Das gilt auch dann, wenn bis dato nichts geholfen hat und alles, was mit Schlaf zu tun hat, irgendwie mit unangenehmen Empfindungen verbunden ist. Werfen Sie deshalb solche Erfahrungen auf den Müll und machen Sie Platz für ein neues, angenehmes Schlaferleben. Es gilt, den Genuss zu entdecken, der in dieser Methode zu finden ist.
Sind Sie dabei?
Warum haben wir dieses Buch geschrieben? Weil es einfach Spaß macht, das Sounder Sleep System selbst anzuwenden und mit ihm zu arbeiten.
„Rosige Wangen, strubbelige Haare, ungläubiger Blick: Mir geht immer das Herz auf, wenn die Teilnehmer*innen von ihren Matten auftauchen, sich langsam aufrichten, verschlafen um sich schauen. Ich weiß jetzt: Sie sind einen Schritt weiter, weiter in Richtung Schlaf, in Richtung Gesundheit. Sie haben nun eine Ahnung davon, wie es funktioniert, was es auf sich hat mit dem Sounder Sleep System. Wieder habe ich das untrügliche Gefühl, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und dass meine Arbeit Sinn macht.“ – Dorothe Schabsky
„Seit ich das Sounder Sleep System in Schlafseminaren unterrichte oder es meinen Patient*innen in der Praxis als wirksames Instrument gegen gestörten Schlaf anbiete, freue ich mich immer wieder über die verdutzten Blicke der Menschen, die bis dato glaubten, nicht mehr zur Ruhe kommen zu können, geschweige denn wieder schlafen zu können. Ich bin jedes Mal begeistert, wenn ich beobachte, dass das Sounder Sleep System ihnen wieder Hoffnung auf einen erholsamen Schlaf geschenkt hat.“ – Konstanze Wortmann
Außerdem finden wir – wie übrigens auch andere engagierte Sounder-Sleep-Lehrer*innen –, dass möglichst viele Menschen in diesen Genuss kommen sollten! Damit folgen wir dem Wunsch des Begründers Michael Krugman, der sich immer wieder dafür einsetzte, dass Menschen ab einem Alter von sieben Jahren erfahren sollten, dass es möglich ist, kraft des eigenen Körpers Schlaf herbeizuführen.
Tatsächlich aber sind bzw. werden mehr als 90 % aller Menschen im Laufe ihres Lebens durch Schlaflosigkeit belastet. Das motivierte Michael Krugman, die Sounder-Sleep-Methode in Schulen, Universitäten, Krankenhäusern, Gesundheitsinstitutionen, Seniorenzentren etc. bekannt zu machen und Menschen darin zu unterrichten, schnell wieder schlafen zu können.
Wie schon angedeutet: Der Hauptgrund für dieses Buch ist, dass das Sounder Sleep System uns selbst und unsere Arbeit in der Schlafschule-Unna zutiefst bereichert hat. Deshalb möchten wir mit dem Buch aus vollem Herzen „Danke“ sagen: Wir danken Michael Krugman für diese wunderbare Methode!
Für all die Menschen, die genussvoll zur Ruhe kommen wollen, und natürlich für alle, die ihren Schlaf verbessern oder ihn sich zurückholen wollen.
Das Buch eignet sich für die Heilungsbegleitung bei krankheitswertigen Schlafstörungen, bei Stressfolgeerkrankungen und Autoimmunerkrankungen, genauso aber für das Training von Entspannungskompetenz. Die Methode hat ihre Stärke in der Heilungsbegleitung genauso wie in der Prävention und Rehabilitation von stressassoziierten Erkrankungen. Wir haben das Buch auch für diejenigen geschrieben, die sich für Methoden interessieren, die den Körper als „Heilungsinstrument“ mit ins Boot holen. Und die Sounder-Sleep-Methode ist ein wertvolles, gesundheitsdienliches Instrument, das Sie in der Behandlung anderer Menschen einsetzen können, aber auch für sich selbst. Eines darf man dabei jedoch nie vergessen: Krankheitswertige Schlafstörungen gehören in die Hände erfahrener, professioneller approbierter Therapeuten!
Sie können natürlich direkt mit den Übungen beginnen und sich dafür zunächst die Audio-Dateien anhören. Wenn Sie aber die Übungen von Anfang an genießen möchten, legen wir Ihnen unbedingt ans Herz, vorher den Abschnitt „Wie Sie einsteigen und optimal üben“ (Kapitel 4) zu lesen. Und am meisten werden Sie von der Lektüre profitieren, wenn Sie das Buch konsequent von vorne bis hinten lesen.
Sie „zappen“ lieber? Auch Ihnen empfehlen wir, auf alle Fälle zuerst Kapitel 4 zu lesen, um dann hin und her zu springen, wie es Ihnen beliebt.
Viel Spaß!
Woran denken Sie, wenn Sie das Wort „Sound“ hören? Vermutlich an etwas im Sinne von „klingen“ oder „tönen“? So geht es wohl den meisten Menschen, und das ursprünglich englischsprachige Wort sound ist inzwischen mehr oder weniger eingedeutscht worden. So hat etwas zum Beispiel einen angenehmen Sound, also eine angenehme Melodie, einen angenehmen Klang.
Doch im Englischen hat das Wort sound noch weitere Bedeutungen, z. B. „gesund“, „heil“ oder auch „fundiert“. Im Kontext des Sounder Sleep Systems (SSS) steht es auch für „sanft“, „weich“ bzw. „behutsam“. Die anderen Bestandteile des Begriffs sind schnell erklärt. Sleep bedeutet Schlaf, und das Wort system kennen wir auch im Deutschen. In unserem Kontext bezeichnet es eine spezielle Systematik bzw. Ordnung, um den Schlaf zu locken. Ebenso sind mit „System“ die vielen verschiedenen Übungen des SSS gemeint, die den Menschen helfen, genussvoll in den Schlaf zu sinken. Wem die amerikanische Bezeichnung nicht behagt, kann Sounder Sleep System auch mit „Sanfte Schlaf-Ordnung“ übersetzen.
Michael Krugman, der Begründer des SSS, hat sich gründlich mit dem Wesen des Schlafs auseinandergesetzt. Er hat ihn tief ergründet („tiefgründig“ ist übrigens eine weitere Übersetzungsmöglichkeit des Wortes sound) und dabei herausgefunden, was unser Schlaf braucht, um sich einfinden zu können. Aus den Ergebnissen entwickelte er eine Methode, in die man tief eintauchen kann, um all den Nutzen zu erhalten, den heilsamer Schlaf mit sich bringt. „Tiefgründig“ als Übersetzung des Wortes sound gefällt uns besonders, denn die SSS-Methode hält, was sie verspricht! So betrachtet lässt die Anwendung des SSS in uns angenehme Assoziationen „erklingen.“
Hinweise zum Umgang mit Begriffen
Der Begriff Sounder Sleep System ist ein ziemlich langer und nicht immer ganz so lesefreundlicher Begriff: Deshalb nutzen wir gelegentlich die Abkürzung SSS. In Sounder-Sleep-System-Kursen hat sich mittlerweile etabliert, dass wir nur von Soundersleep sprechen und uns den dritten Teil der Bezeichnung einfach sparen. Das finden wir definitiv „weicher“ und besser zur Methode passend. So wollen wir es auch in diesem Buch halten. Die Übenden von Soundersleep sind für uns Soundersleepler. Auch diesen Begriff werden Sie gelegentlich entdecken.
„…. es war eine dieser ‚Midlife-Krisen‘, von denen die Menschen immer reden. Und wenn du es hörst, denkst du: ‚So etwas kann dir nicht passieren!‘ Aber genau das passierte mir!“
(Michael Krugman)
Gegen Ende der 1990er-Jahre erwischte eine Midlife-Crisis Michael Krugman, und zu allem Überfluss raubte sie ihm auch den Schlaf. So sehr wir ihm gewünscht hätten, er wäre hiervon verschont geblieben: Die Krise sollte sich zu einem Segen für viele unter Schlafproblemen leidende Menschen erweisen. Doch dass es so war, erschließt sich natürlich erst in der Rückschau.
Aber der Reihe nach: Zunächst lag Michael Krugman nächtelang wach, starrte an die Decke und verzweifelte an seiner Schlaflosigkeit. Viele schlaflose Nächte später erinnerte er sich, dass er in der Zeit nach der High School moderne und traditionelle Selbstheilungsmethoden gelernt hatte. Ab da hieß es: experimentieren, experimentieren, experimentieren.
Einer seiner Lehrer war Moshé Feldenkrais gewesen, der Begründer der gleichnamigen Methode. Was er von ihm gelernt hatte, machte er sich nun nutzbar, ähnlich wie Erfahrungen aus dem Yoga, Qigong, Thai-Chi und weiteren Entspannungs- und Meditationslehren. Krugman gelangte zu Einsichten, experimentierte, stellte Hypothesen auf, verwarf sie, experimentierte weiter und kam durch seine eigene Not und Beharrlichkeit zum Ziel. Bei seinen vielen Versuchen fiel ihm auf, dass es ihm, wenn er mitten in der Nacht erwachte, zunehmend besser gelang, schnell wieder einzuschlafen. Darauf gründete er ein ungeheures Vertrauen und die Hoffnung, bald wieder schlafen zu können. Das Gefühl von Hilflosigkeit, das durch den fehlenden Schlaf in ihm entstanden war, verflüchtigte sich allmählich.
Michael Krugman wusste: „Nun habe ich etwas, das ich tatsächlich tun kann. Mit sanften beruhigenden Bewegungen, die mit der Atmung abgestimmt werden, bin ich in der Lage, den Schlaf einzuladen und ihn mit offenen Armen willkommen zu heißen.“ Der nächste Schritt war, diese Entdeckung mit anderen Menschen zu teilen, sie auf ihre allgemeine Wirksamkeit zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Aus diesem Grund lud er viele Bekannte und Feldenkrais-Kollegen ein, mit ihm zu üben und daran zu arbeiten.
Michael Krugman hatte nicht in erster Linie das Problem, zur üblichen Bettzeit in den Schlaf zu sinken. Vielmehr belasteten ihn die ausgedehnten Perioden des Wachliegens zu fortgeschrittener Nachtzeit und sie versetzten ihn in Unruhe. Mithilfe genussvoller, leichter Nachtzähmer (was das ist, erklären wir noch in Kapitel 2) fand er in der Regel schnell in den Schlaf. Und genau damit probierte er es schließlich, wenn er einige Stunden später erwachte. Er machte die gleichen Übungen wie beim Zubettgehen und fand so in kürzester Zeit in den Schlaf zurück. Sanfte Minibewegungen synchronisierte er mit dem Atem und glitt auf diese Weise allmählich und nahezu unbemerkt in einen tiefen Schlaf.
Sogar in seinen schlimmsten Nächten gelang es Michael Krugman bald, schnell wieder einzuschlafen, und er war damit auf dem Weg zurück zur Gesundheit. Wie man einzelne Perlen zu einer Halskette zusammenfügt, so reihte er nun Schlafstückchen an Schlafstückchen, bis sie am Ende zu einer Einheit wurden. Er selbst sagte darüber: „Rückblickend betrachtet waren das wohl meine erholsamsten Nächte überhaupt.“
An Ruhe und Schlaf mangelte es ihm fortan nicht mehr, was nicht ohne Konsequenzen blieb. Das Leben zeigte sich plötzlich von seiner angenehmen, also von seiner lebenswerten Seite. Michael Krugman hatte nicht nur „die Kurve“ noch einmal gekriegt, er hatte auch eine Antwort auf seine Schlaflosigkeit gefunden.
„Soundersleep is Soundersleep!“ In seinen Ausbildungsseminaren wiederholte Michael Krugman diesen Satz immer wieder. Die Quelle, aus der sich die Methode vorwiegend speist, ist jedoch eindeutig die Feldenkrais-Arbeit. Aber Soundersleep ist eben auch nicht einfach nur Feldenkrais.
Aufgrund des unbestreitbaren Zusammenhangs braucht es aber einige Basisinformation zur Körperarbeit nach der Feldenkrais-Methode: Der Körper selbst wird hier als das grundlegende Werkzeug verstanden, um tief greifende Entwicklungsprozesse im Menschen zu ermöglichen. So lehrte Moshé Feldenkrais, dass alles, was Menschen tun, ob sie nun essen, lieben, laufen, ruhen oder schlafen, nicht ohne die Muskulatur geschehen kann. Deshalb müsse der gesamte Organismus in den Zustand gebracht werden, aus dem heraus es einem Menschen möglich ist, eine beabsichtigte Handlung auszuführen. Jegliche so beabsichtigte muskuläre Handlung sei mit einer bestimmten Haltung des Skeletts verbunden, einem vegetativen Körperzustand, dem wiederum ein emotionaler Hintergrund entspreche. Und einen solchen Zustand könnten wir (wenn auch nur indirekt) über unsere Motorik kontrollieren.
Dieser Ausführung seines Lehrers folgend, fasst Michael Krugman zusammen: „Auch der Schlaf ist also kein geheimnisvolles Erscheinungsbild und auch keine undurchschaubare Auflösung von Handlung und Bewusstsein, bei der wir nicht wissen, wie und was passiert. Schlaf ist vielmehr nach Moshé Feldenkrais eine körperliche Handlung, die durch eine muskuläre Handlung herbeigeführt, also auch kontrolliert wird bzw. kontrolliert werden kann (vgl. Feldenkrais 1992, S. 132; Theuring 2008).
Auf dieser „Säule der Erkenntnis“ ruht das Sounder Sleep System. In einem 2016 veröffentlichten YouTube-Video1 beschreibt es Michael Krugman folgendermaßen: „Soundersleep ist ein System von Bewegung und einer sehr speziellen Atemtechnik, um in den Schlaf zu gleiten und bei nächtlichem Erwachen wieder schnell in den Schlaf zu finden. Generell hilft Soundersleep, tiefer und ruhiger zu schlafen. Dadurch entwickelt man mehr Lebensfreude und fühlt sich lebendiger. Jede Bewegung, die wir durchführen, hat einen Effekt auf unser Nervensystem. Einige Bewegungen sind sehr stimulierend und machen wach, andere sind sehr einschläfernd, beruhigend und entspannungsfördernd. Generell gilt: Große schnelle Bewegungen sind stimulierend, z. B. sportliche Aktivitäten. Auf der anderen Seite des Spektrums haben wir sehr winzige, feine, langsame Bewegungen, die den gegensätzlichen Effekt auf das Nervensystem haben. So nutzen wir im Soundersleep dieses Phänomen und helfen Menschen, zur Ruhe zu kommen und in den Schlaf zu finden.
Ich war als Feldenkraislehrer tätig, als ich das Sounder Sleep System kreierte. Seit Langem hatte ich mich mit Yoga, Qigong, Thai Chi und anderen Meditations- und Entspannungsmethoden intensiv beschäftigt und war deshalb von all diesen Heilsystemen stark beeinflusst. Aber schon immer interessierten mich auch die Neurobiologie und die moderne Gehirnforschung. (…). Natürlich hatte auch mein Interesse an den soeben genannten Strömungen einen starken Einfluss. Hier arbeitet man generell mit drei ‚Werkzeugen‘: Atmung, Bewegung und Aufmerksamkeit.
Als ich mein eigenes System entwickelte, nutze ich eben diese Werkzeuge, aber nicht in ihrer ursprünglichen Form. (…) Jeder Mensch hat seinen eigenen Weg in den Schlaf, und für viele sieht er so aus: Lege dich hin, mach die Augen zu und schlafe. Sich einfach nur hinlegen und auf den Schlaf warten – mehr nicht. Und sie hoffen, dass es gelingt. Ich entdeckte, dass wir unsere Bewegungen nutzen können, um den Schlaf aktiv herbeizuführen. Jede Bewegung erzeugt einen einzigartigen und deutlich unterscheidbaren neuronalen Kreislauf im Gehirn. Es gibt dort auch einen neuronalen Kreislauf, durch den Schlaf erzeugt wird, aber nicht nur den: Es gibt sehr viele Kreisläufe und indem wir verschiedene Bewegungen ausführen, können wir auch verschiedene Kreisläufe aktivieren. Im menschlichen Gehirn gibt es etwa 100 Milliarden Nervenzellen, die unendlich viele Möglichkeiten haben, sich zu vernetzen.“
Ergänzend zu Michael Krugmans Ausführungen ist anzumerken: Jedes Verhalten, jede Haltung und Bewegung, aber auch jede Emotion hat eine neuronale Entsprechung im Gehirn. Also hat auch unser Schlaf eine solche neuronale Entsprechung. Die Neurowissenschaft konnte nachweisen, dass Nervenzellen, die gemeinsam feuern, sich vernetzen, und dass auch die so vernetzten Zellen wiederum gemeinsam feuern. Das ist, ganz plakativ gesprochen, eine neuronale Abbildung eines Lernprozesses im Gehirn, die dafür spricht, dass wir im Sounder Sleep System zur Schlafanbahnung eine spezifische Bewegungs- und Atmungskoordination einüben. So wird der Weg in den Schlaf auch neuronal gebahnt.
Leider – auch das soll nicht unerwähnt bleiben – kann durch eine entsprechende neuronale Bahnung und Vernetzung natürlich auch Schlaflosigkeit entstehen. Oder, anders ausgedrückt: Schlaflosigkeit schafft eine neuronale Vernetzung und Bahnung. Wer oft grübelnd und sich herumwälzend seine Nächte genervt im Bett verbringt, wird in seinem Gehirn einen neuronalen Pfad von Herumwälzen, Grübeln und Genervt-Sein hinterlassen. In diesen „Disziplinen“ wird er schließlich immer besser, aber an Schlaf ist so nicht zu denken. Da ist es doch gut zu wissen, dass wir alles, was wir gelernt haben, auch wieder verlernen können. Setzen wir also der „gelernten“ Schlaflosigkeit das Lernen einer neuen, beruhigenden und schlaffördernden Technik entgegen: das Sounder Sleep System!
Die Sounder-Sleep-Methode „erzieht“ Körper und Geist zur Überwindung von Schlaflosigkeit und stressassoziierten Beschwerden. Den klassischen Lerngesetzen folgend, hängt die Wirksamkeit des Sounder Sleep Systems immer von der Übungspraxis des jeweiligen Anwenders ab. Deshalb gilt also: üben – üben – üben! Und für diejenigen, die Üben eher mit Mühsal verbinden, gibt es eine sehr gute Nachricht: Selbst beim Üben, beim Durchführen einer einzelnen Sounder-Sleep-Technik, sind bereits Genuss und Wohlbefinden mit an Bord.
„Schlechter Schlaf ist ein 24-Stunden-Problem.“
(Michael Krugman)
Die meisten von uns teilen die Ansicht, dass das moderne Leben stressig ist. Aber Stress hat absolut eine positive Seite, die uns hilft, aktiv den Tag zu gestalten und Aufgaben zu bewältigen. Manches Tagewerk ist ohne diesen Stress nicht denkbar. Stresshormone sind beteiligt, wenn wir in brenzlichen Situationen, z. B. im Straßenverkehr, schnell reagieren, etwa eine beherzte rettende Lenkbewegung machen oder auf die Bremse treten. Dieser Vorteil wird allerdings ab einem bestimmten Punkt zum Problem, nämlich dann, wenn sich Stresshormone anhäufen, weil es zwischendurch keine Möglichkeit der Entspannung gibt. „Die physische und mentale Spannung, die du im Verlauf des Tages erfährst, verdunstet nicht in dem Moment, wo du im Bett liegst und die Augen schließt. Ungehindert überwältigt sie dich im Schlafzimmer und hält dich wach, auch dann, wenn du eigentlich schlafen solltest“ (Krugman 2005, S. 233).
Die Reduzierung physischer und mentaler Spannung schon während des Tages ist also die Grundlage für einen tiefen und ruhigen Schlaf. Deshalb gibt es im SSS die Tageszähmer. Sie regulieren die stressigen Einflüsse des Tages. Diese Techniken werden tagsüber im Sitzen durchgeführt und tragen dazu bei, dass sich keine Übererregung aufbaut.
Die Nachtzähmer hingegen wirken schlafunterstützend in der Nacht. Es sind spezielle Übungen, die im Liegen nachts im Bett praktiziert werden.
Sowohl die Tages- als auch die Nachtzähmer werden mit der natürlichen Atmung synchronisiert. Letztere ist die Basis für alle Sounder-Sleep-System-Übungen. Um uns dieser überaus wichtigen Säule im Sounder Sleep System zu nähern, lassen Sie uns zunächst einen Blick auf unsere Atmung im Allgemeinen werfen.
Solange wir leben, atmen wir – solange wir atmen, leben wir. Dass Atmen Leben bedeutet und Nicht-mehr-Atmen den Tod, das machen wir uns nicht unbedingt im täglichen Einerlei bewusst. Wir vernachlässigen die Beschäftigung mit unserer treuen Lebensgefährtin, der Atmung. Wir müssen ja auch nichts für sie tun, denn sie geschieht einfach. – Eine wunderbare Einrichtung unseres Körpers. Wo hat man das schon im Leben, dass man etwas bekommt, für das man nichts tun muss?