EIN WORT ZUVOR

Viele Eltern wünschen sich, ihrem kranken Kind selbst schnell helfen zu können. Die Homöopathie ist für die Behandlung von Säuglingen, Klein- und Schulkindern bestens geeignet. Denn sie heilt auf sanfte Weise, ohne Nebenwirkungen, und das Gesundwerden geschieht »von innen heraus«: Die Selbstheilungskräfte werden durch individuell passende Heilmittel gezielt aktiviert. Das ist bei Kindern besonders wichtig, da sich ihr Immunsystem erst entwickelt. Und die Heilung ist immer ganzheitlich, geht über die Linderung von Symptomen weit hinaus.

Mithilfe dieses Buches können Sie die häufigsten akuten Erkrankungen im Baby- und Kindesalter selbst behandeln. Beachten Sie dabei bitte die angegebenen Grenzen der Selbstbehandlung.

Die Homöopathie ist ein sehr differenziertes Heilsystem mit entsprechenden Anforderungen ans Selbermachen. Lesen Sie deshalb bitte zunächst die einführenden Seiten, um sich mit dem Basiswissen vertraut zu machen oder um Ihr Wissen aufzufrischen. Nur wer sein Therapieinstrument genügend kennt, wird es erfolgreich anwenden können. Außerdem gefragt für die Selbstbehandlung: gesunder Menschenverstand, ein gutes Gespür für den Körper, dazu Zeit und Geduld, sich um das Kind zu kümmern, und Vertrauen in die eigene Intuition. Außerdem die Einsicht, sich im Zweifelsfall professionelle Hilfe zu holen.

Dieses Buch basiert auf meiner langjährigen therapeutischen Praxis und auf einer großen Tradition: Deshalb möchte ich mich bei den homöopathischen Meistern bedanken, die mit ihrer Leidenschaft für die Homöopathie den Weg bereitet haben zu unserem heutigen Arzneimittelwissen. Mein Dank gilt auch meiner Frau Cathrin, die mir bei der Arbeit an diesem Buch zur Seite stand.

Ich wünsche Ihnen nun viele Erfolgserlebnisse mit den homöopathischen Arzneien.

Werner Stumpf

ganzheitlich helfen mit sanften Mitteln

Machen Sie sich zunächst mit der Homöopathie theoretisch vertraut. Auf den folgenden Seiten wird alles für die Selbstbehandlung Notwendige anschaulich erklärt.

Was ist Homöopathie?

Homöopathie ist das Heilen mit Ähnlichem – im Gegensatz zur Allopathie, dem Heilen mit entgegengesetzt Wirkendem. Der Begründer der Homöopathie, der deutsche Arzt Samuel Hahnemann (1755 bis 1843), erkannte, dass wohldosiert gesetzte Krankheitsreize die unvollständig arbeitenden Selbstheilungskräfte des Kranken zu einer gezielten Abwehrleistung veranlassen. Die Selbstheilungskräfte werden gestärkt, damit der Organismus zur Harmonie zurückfindet.

Das Arzneimittelbild – Wegweiser zum richtigen Mittel

Die homöopathische Therapie stützt sich auf umfangreiche Sammlungen von Arzneibeschreibungen (die sogenannten Arzneimittellehren). Ihr Wert liegt in der bildhaften Schilderung von genau beobachteten Befindlichkeitsstörungen.

Zur homöopathischen Behandlung muss man vor allem diese zu Arzneimittelbildern zusammengefassten Beschreibungen kennen. Wenn man die größtmögliche Ähnlichkeit im Symptomenvergleich zwischen Krankem und Arzneimittelbild gefunden hat, wählt man das Mittel für die Therapie aus (siehe Grafik >). Der Arzneiwahl liegt das wichtigste homöopathische Heilprinzip zugrunde: »Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden« (lateinisch: »similia similibus curentur«). Das heißt so viel wie: Hat eine Substanz einen Gesunden krank gemacht, kann sie einen Kranken wieder gesund machen, falls seine Beschwerden in ähnlicher Weise aufgetreten sind.

Leidet jemand zum Beispiel an Beschwerden, die dem Kontakt mit Brennnesseln ähnlich sind (Nesselsucht), kann er durch homöopathisch zubereitete und veränderte Brennnesseln wieder gesund werden.

Homöopathische Arzneien haben ein breites Wirkungsspektrum, das von den unterschiedlichsten Organbeschwerden über die Gemütsverfassung bis hin zu mentalen Problemen reicht – viele umfassen 2000 bis 3000 Symptome. Hier zeigt sich bereits der ganzheitliche, das heißt Körper, Seele und Geist berücksichtigende Ansatz homöopathischer Heilkunst.

 

ÄHNLICHES MIT ÄHNLICHEM HEILEN

Die Arznei passt zur Krankheit wie ein Schlüssel zum Schloss: Das Arzneiprofil – die Form des Schlüsselbarts – muss zum Krankheitsprofil – der Kerbung des Schlosses – passen. Das heißt beispielsweise, das Arzneiprofil von Euphrasia (Augentrost) – scharfe heiße Tränen, rote brennende Lider, starke Lichtempfindlichkeit – muss mit den Symptomen der Bindehautentzündung Ihres Kindes ungefähr deckungsgleich sein, wenn das Mittel wirken soll.

 

So entsteht die homöopathische Arznei

Ausgangsstoffe homöopathischer Arzneien stammen von Pflanzen und Tieren, Mineralien und Metallen sowie sogenannten Spezialitäten, unter denen die Nosoden bedeutsam sind.

Nosoden sind Homöopathika, deren Ausgangsstoffe Krankheitserreger oder -sekrete sind – beispielsweise das in diesem Buch empfohlene Tuberculinum bovinum, das aus Tuberkelbazillen hergestellt wird. Wer bei dieser Vorstellung skeptisch wird, muss wissen, dass der Ausgangsstoff einer homöopathischen Arznei eine vollkommene Umwandlung durchläuft. Es gibt keinen Grund für hygienische Bedenken.

Die Potenzierung

Durch das besondere Verfahren der Arzneiherstellung, die Potenzierung (oder Dynamisierung, wie Hahnemann sehr anschaulich sagte), verändert sich die Ausgangssubstanz von Grund auf. Sie gewinnt dabei an Wirkungskraft und Wirkungsbreite und verliert Schritt für Schritt ihre chemischen und gegebenenfalls giftigen Eigenschaften.

Ist die arzneiliche Ausgangssubstanz löslich, so wird ein wässriger oder alkoholischer Auszug aus der ganzen Pflanze oder Teilen von ihr, aus dem ganzen Tier oder einem seiner Teile hergestellt. Dies ist die Urtinktur. Nicht lösliche Stoffe werden im Mörser eine Zeit lang mit Milchzucker in so vielen Potenzierungsschritten verrieben, bis schließlich auch diese Substanz löslich wird und wie die Urtinkturen weiterverarbeitet werden kann.

Aufgrund der Potenzierung überträgt sich etwas vom Wesen der Urtinktur auf den Verdünnungsstoff, die Trägersubstanz. Potenzierung bedeutet also, dass Stoffliches Schritt für Schritt in etwas Unstoffliches umgewandelt wird – in Energie und Information, gespeichert in der Trägersubstanz (Alkohol, Milchzucker). Als Information und Energie setzen homöopathische Mittel dann ihre ungiftigen Krankheitsreize.

 

POTENZBEZEICHNUNG IM ARZNEINAMEN

D steht für die Verdünnung im Verhältnis 1:10.

C steht für die Verdünnung im Verhältnis 1:100. LM- oder Q-Potenzen stehen für die Verdünnung im Verhältnis 1:50000.

 

So wirkt die homöopathische Arznei

Eine homöopathische Arznei wirkt durch einen gezielten Reiz auf die nicht ausreichend arbeitenden Selbstheilungskräfte. Der Reiz befindet sich als arzneiliche Information auf einer Trägersubstanz wie Alkohol oder Zucker. Er wirkt über das Immunsystem, das Nerven- und das Hormonsystem auf den Kranken ein. Er wirkt nicht aufgrund medizinisch wirksamer Inhaltsstoffe, etwa Kalk in Calcium carbonicum D12 oder Kieselsäure in Silicea D12.

Ist die Arznei in ihrem Symptomenmuster oder Arzneimittelbild ähnlich den Beschwerden des Kindes, wird sie die genau passende Information an die Selbstheilungskräfte des Kindes geben, um diese zu aktivieren. Wenn das arzneiliche Symptomenmuster nicht ähnlich dem Beschwerdemuster des kranken Kindes ist, befindet es sich nicht in passender Schwingung (Resonanz) mit dem akuten Krankheitszustand – ähnliche Schwingungen überlagern und verstärken sich, unähnliche Schwingungen haben keine Wirkung aufeinander oder können sich behindern. Folglich hat die Arznei keine Wirkung auf den Kranken, wirkt nur kurzzeitig, oder ihr Reiz wirkt sogar störend.

Mehrere homöopathische Arzneien gleichzeitig eingenommen, können sich in ihren Schwingungs-, Informations- oder Reizmustern behindern, aufheben, vielleicht aber auch unterstützen. Das Gleiche gilt, wenn Sie Homöopathie mit einer anderen energetisch und informativ wirkenden Heilmethode kombinieren wollen, zum Beispiel Schüßler-Salze, Bach-Blüten-, Edelstein- oder Magnettherapie, Akupunktur oder Akupressur. Sie sollten besser nicht gleichzeitig zur homöopathischen Behandlung angewandt werden. Eine genau passende homöopathische Arznei braucht keine Ergänzung, da ihre Wirkung optimal ist.

 

POTENZIERUNG AUS DER URTINKTUR

Vom Ausgangsstoff wird ein Auszug in Wasser oder Alkohol hergestellt: die Urtinktur. Zur Potenzierung mischt man nun 1 Teil Urtinktur mit 9 Teilen Alkohol, die Mischung wird zehnmal geschüttelt, das heißt in der Regel, auf einen Untergrund geklopft (= Schüttelschlag) – es entsteht die Potenzierung D1. Von dieser Mischung wird wiederum 1 Teil mit 9 Teilen Alkohol verdünnt und mit 10 Schüttelschlägen versehen – es entsteht die Potenzierung D2. Auf diese Weise wird weiter potenziert: D6, D12, D30 … Für C-Potenzen wird 1 Teil in 99 Teilen Alkohol verdünnt und potenziert.

 

Sonderformen der Homöopathie

Sie begegnen beim Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker in mehr als drei Viertel aller Fälle nicht der diesem Buch zugrunde liegenden eigentlichen und daher auch »klassisch« genannten Homöopathie, sondern zwei Sonderformen, die diese Heilkunst vereinfachen und entstellen. Da sie aus Sicht des klassischen Homöopathen sehr wenig mit seiner Heilkunst zu tun haben, ist es zum besseren Verständnis der homöopathischen Behandlung wichtig, auf sie einzugehen.

Klinische Homöopathie

In der klinisch verstandenen Homöopathie verwendet man zwar nur eine Arznei, betont aber die organbezogene Wirkung dieser Arznei stärker als die Wahl nach der Ähnlichkeit der Symptome. So gilt Ferrum phosphoricum als wichtiges Entzündungsmittel und wird ohne Rücksicht auf die individuelle Befindlichkeit des Erkrankten verordnet. Oder man verschreibt Chelidonium (Schöllkraut) bei Leberleiden, weil es eine deutliche Wirkung auf den Stoffwechsel der Leber hat. Homöopathische Arzneien werden überwiegend nach dem altbekannten medizinischen Denkmuster »Welche Arznei passt zu welcher Krankheit?« verordnet. Der personenbezogene ganzheitliche Therapieansatz der klassischen Homöopathie samt ihrer tiefgreifenden, schnellen Heilung wird zugunsten einer oberflächlicheren, doch einfach erlern- und anwendbaren Therapie über Bord geworfen.

 

MEHR ALS SYMPTOME HEILEN

»Wer heilt, hat recht.« Das stimmt nicht uneingeschränkt. Wer unter Heilen nur das vordergründige und kurzzeitige Verschwindenlassen lästiger Symptome versteht, haut der vielköpfigen Hydra Krankheit nur einige ihrer Erscheinungsformen (Köpfe) ab. Woraufhin die nicht wirklich Bezwungene schon bald erneut zuschlägt, den armen Kranken weiter traktiert und den Heiler zum Narren hält.

 

Komplexmittel

Eine Vereinfachung der homöopathischen Behandlung hat auch die Komplexmittelhomöopathie im Sinn. Hier wird das fundamentale Ähnlichkeitsprinzip der homöopathischen Arzneiwahl ebenfalls übergangen. Verordnet wird wieder nach dem Gesichtspunkt: »Welche Arznei passt zu welchem Leiden?« Therapeut oder Selbstbehandler müssen sich kaum Gedanken machen. Die pharmazeutische Industrie hat vorgesorgt und bietet für jede Krankheit ein Arzneigemisch mit der Absicht an, dass die Einzelmittel in ihrer Gesamtheit wirken mögen. Auch hier wieder die organbezogene, auf die Krankheitsdiagnose hin ausgerichtete Arzneiwahl. Das Problem der Wechselwirkung homöopathischer Einzelsubstanzen wird ignoriert; stattdessen unterstellt man, die Einzelmittel würden sich ergänzen. Homöopathische Heilgesetze außer Acht lassend, schlägt man die alten Pfade der pflanzlichen Kombinationspräparate ein und betreibt aus klassischer homöopathischer Sicht schlichtweg Etikettenschwindel.

Manchen Eltern ist die – wenn auch geringe – Wirkung eines Komplexmittels vielleicht lieber als ein falsch gewähltes und deshalb wirkungsloses Einzelmittel. Andere Eltern wiederum haben auch bei Komplexmitteln deren Wirkungslosigkeit erfahren müssen. Eine ganzheitliche Konstitutionsbehandlung (siehe >) im Sinne der klassischen Homöopathie ist mit Komplexmitteln nicht möglich.

Wie der klassische Homöopath behandelt

Ein klassischer Homöopath (Arzt/Ärztin oder Heilpraktiker/-in) verschreibt eine speziell zum Patienten passende Arznei. Beschwerden und Erkrankungen äußern sich nicht nur im körperlichen, sondern auch im seelischen und im allgemeinen Befinden. Daher bezieht er feinste Ausprägungen im Beschwerdenbild des Kranken in die Arzneiwahl mit ein.

Trotz der gleichen Erkrankung bringt jedes Kind seine eigenen Symptome hervor und unterscheidet sich darin meist deutlich auch von seinen Geschwistern. Da die Arznei nicht auf die Krankheit, sondern auf die Selbstheilungskräfte des Erkrankten abzielt, behandelt der Homöopath jedes Kind mit der ihm individuell entsprechenden Arznei und nicht mit einer Arznei für eine Krankheitsdiagnose wie beispielsweise Grippe.

 

DIE ARZNEIWAHL IST EINE KUNST

Dem klassischen Homöopathen stehen heute aufwändige Computerprogramme für die Arzneiwahl zur Verfügung. Trotzdem bleibt es eine Kunst, das Charakteristische eines Krankheitsbildes zu erkennen und in einer einzigen Arznei treffend wiederzuerkennen.

 

Die Selbstheilungskräfte stärken

Symptome, die während einer Krankheit auftreten, sind nach homöopathischem Verständnis nicht nur Teil einer Erkrankung, sondern sie zeigen auch das Bestreben der Selbstheilungskräfte, die Gesundheit so weit wie möglich aufrechtzuerhalten. Das gesundheitliche Befinden wird schlechter, doch die Selbstheilungskräfte verhindern noch weit schwereres Leiden. Leider gelingt es ihnen oft nicht, das alte Befinden wiederherzustellen, bis sie von der homöopathischen Arznei Unterstützung erfahren.

Homöopathie ist Hilfe zur Selbsthilfe. Egal, ob es sich um körperliche, seelische oder geistige Erkrankungen handelt, die Art der Behandlung bleibt immer die gleiche: Es geht um die Aktivierung der Selbstheilungskräfte – ohne chemisch wirksame Medikamente.

Behandlung akuter und chronischer Beschwerden

Grundsätzlich unterschieden wird zwischen der Behandlung akuter Beschwerden – wie Grippe, Zahnungsbeschwerden oder verdorbenem Magen – und chronischen, immer wiederkehrenden oder langfristigen Beschwerden – wie chronischem Schnupfen, chronischen Kopfschmerzen, chronischer Bronchitis.

Während die akuten Beschwerden unter Umständen selbst behandelt werden können, ist das bei chronischen Beschwerden nicht möglich.

Bei den akuten Beschwerden leitet sich die Mittelwahl von der aktuellen Symptomatik ab, die auch für den Laien einigermaßen überschaubar ist.

Bei den chronischen Beschwerden spielen die Krankheitsgeschichte und die Entwicklung des Kindes insgesamt eine Rolle. Die Auswahlkriterien und der Behandlungsverlauf sind sehr vielschichtig. Hier kann nur der gut ausgebildete Homöopath die Therapie bestimmen.

Die Konstitutionsbehandlung

Der Begriff Konstitutionsbehandlung bezieht sich auf die Therapie chronischer Beschwerden und steht für eine ganzheitliche Behandlung in der Homöopathie. Er bedeutet, dass die ererbten und erworbenen Anlagen für bestimmte Krankheiten in den Mittelpunkt der Therapie gestellt werden.

Den Homöopathen bewegt die Frage: Woher kommt die Bereitschaft des Kindes, auf eine ganz bestimmte Weise zu erkranken? Warum also immer wieder Mittelohrentzündung oder Scharlach. Aber auch: Woher die Bereitschaft für Konzentrationsstörungen, Lernschwierigkeiten oder sehr aggressives Verhalten?

Die Konstitutionsbehandlung will, so weit wie möglich, die krankheitsverursachenden Anlagen im Kind verändern, um eine tief greifende Heilung zu bewirken, statt oberflächlich an Symptomen herumzudoktern.

 

WICHTIG: GRENZE DER SELBSTBEHANDLUNG

Beschwerden, die immer wiederkehren beziehungsweise über längere Zeit andauern, können von medizinischen Laien nicht homöopathisch behandelt werden. Diese Beschwerden erforden eine Konstitutionsbehandlung durch den erfahrenen Homöopathen.

 

Ererbte Krankheitsanlagen

Sie finden sich im Erbgut des Menschen und sind meist bei den Eltern, den Großeltern oder noch früheren Generationen auszumachen.

Hierzu gehört in der Homöopathie auch die miasmatische Belastung (von griechisch miasma = Verunreinigung) – eine deutliche Schwächung des Erbguts durch über viele Generationen vererbte Folgen der früher seuchenhaft verbreiteten Tuberkulose, Gonorrhö und Syphilis, wie auch durch Krebserkrankungen oder unterdrückend behandelte Hautkrankheiten.

Trotz ausreichender Versorgung mit Nahrungsmitteln und weit entwickelter schulmedizinischer Behandlungsmethoden steht es um die Gesundheit der Kinder nicht zum Besten. Ihre vielschichtigen Krankheitsveranlagungen finden eine Entsprechung in der sehr differenzierten homöopathischen Behandlungsweise.

Nur in einfachen chronischen Krankheitsfällen wird ein einziges Mittel reichen, um das Kind in einen stabilen Gesundheitszustand zu bringen; dies ist das in der Literatur und von Laien häufig zitierte Konstitutionsmittel. Viel häufiger gilt es, miasmatische Krankheitsschichten Mittel für Mittel abzutragen, bis das für das jeweilige Kind optimale Befinden erreicht wird.

Erworbene Krankheitsanlagen

Diese entstehen durch auf Dauer schädliche Lebensführung oder sind auch Folgen und Nebenwirkungen herkömmlicher medizinischer Behandlung.

Ein Kind, das stundenlang vor dem Bildschirm des Fernsehers und Computers sitzt, kaum an die frische Luft kommt, wenig Bewegung hat und kaum Freunde, wird in seiner Gesundheit umso geschwächter, je länger dieser Zustand anhält. Ebenso deutlich schwächt eine zerrüttete Ehe mit täglichem Streit oder bedrückender Wortlosigkeit die Gesundheit des Kindes. Wird ein Kind viele Male pro Jahr antibiotisch behandelt, schwächt auch diese medizinische Maßnahme seine Gesundheit und bereitet die Anlage für weitere Krankheiten vor.

Selbst dem ungeborenen Kind können Krankheitsveranlagungen durch die Mutter mitgegeben werden, wenn sie während der Schwangerschaft raucht, in Angst vor dem alkoholkranken Partner lebt oder ständig zweifelt, ob sie überhaupt das Kind will und eine gute Mutter sein kann.

Die Folgen der erworbenen Krankheitsanlagen versucht die Homöopathie mittels der jedem Organismus innewohnenden Selbstheilungskräfte auszugleichen, um so den gesamtgesundheitlichen Zustand zu verbessern.

 

TIPP: Allergien frühzeitig vorbeugen

Nicht selten werden allergische Erkrankungen an die Kinder vererbt. Auch wenn das Kind diese Krankheitssymptome noch nicht zeigt, kann oft schon aufgrund der körperlichen wie der seelischen Gesamtsymptomatik des Kindes mit einer Konstitutionsbehandlung begonnen werden. Dadurch ist die Chance gegeben, einen Ausbruch zu verhindern oder abzumildern.

 

Die Selbstbehandlung

Akute Beschwerden und Erkrankungen Ihres Kindes können Sie mit homöopathischen Mitteln auf natürliche, sanfte Weise behandeln. Voraussetzung dafür ist, dass Sie sich sorgfältig mit dem Wesen und der Wirkweise der Homöopathie auseinandersetzen – und dies möglichst, bevor Sie in eine Situation kommen, in der Sie sofort gezielt handeln müssen. Wenn Sie Anfänger in der homöopathischen Selbstbehandlung sind, sollten Sie sich zunächst vor allem mit dem Kapitel »Erste Hilfe im Notfall« beschäftigen.

Die Wahl des Mittels

Alle Beschwerden sind in speziell für dieses Buch zusammengestellten Arzneimittelbildern genau erläutert – Sie finden darin örtliche Krankheitszeichen ebenso wie Veränderungen im Allgemeinbefinden und im Gefühlsleben des Kindes. Lassen Sie sich Zeit mit der Mittelwahl, vergleichen Sie die Arzneimittelbilder miteinander, und versuchen Sie, Übereinstimmungen mit den Beschwerden Ihres Kindes zu erkennen.

Die Ähnlichkeit zwischen Beschwerden- und Mittelbild besteht nicht erst dann, wenn fast alle Symptome einander entsprechen; allerdings reicht die Übereinstimmung mit nur einem Symptom auch nicht aus. Um das richtige Mittel über die Ähnlichkeit von Arzneimittel- und Beschwerdenbild herauszufinden, brauchen Sie etwas Gespür. Beobachten Sie Ihr Kind deshalb sehr sorgfältig und aufmerksam.

Im Idealfall lesen Sie drei oder vier Arzneimittelbilder und können in einem von ihnen sofort eine Übereinstimmung mit den Beschwerden Ihres Kindes feststellen.

Vielleicht aber finden Sie in zwei Arzneimittelbildern die Beschwerden Ihres Kindes dargestellt – entscheiden Sie sich dann für das Arzneimittel, in dessen Bild die etwas größere Ähnlichkeit mit den Beschwerden zu erkennen ist.

Geben Sie das Mittel Ihrer Wahl dann dreimal. Stellt sich keine Besserung ein, wählen Sie das andere Mittel. Ein Versuch dieser Art ist jedoch nur dann zulässig, wenn die Beschwerden des Kindes nicht zu baldiger Hilfe drängen.

Finden Sie in keinem Arzneimittelbild die Beschwerden Ihres Kindes, bitten Sie einen Therapeuten um Rat.

Bei der Erläuterung der Beschwerden finden Sie immer wieder Hinweise, wann ein Arzt oder klassischer Homöopath zu konsultieren ist. Bitte nehmen Sie diese Hinweise ernst und folgen Sie ihnen.

GU-ERFOLGSTIPP

Je genauer Sie die Beschwerden Ihres Kindes kennen, desto leichter fällt Ihnen die Mittelwahl. Klären Sie die folgenden Fragen: Wo hat Ihr Kind Beschwerden? Wie fühlen sie sich an? Was macht sie schlimmer/besser? Wann treten sie vor allem auf? Weshalb ist es dazu gekommen? Bis Ihr Kind etwa 5 oder 6 Jahre alt ist, wird es diese Fragen nicht beantworten können. Indem Sie Ihr Kind genau beobachten, werden Sie die Antworten aber selbst finden.

Einnahme und Dosierung

Geben Sie ein Homöopathikum nicht unmittelbar vor oder nach dem Essen; die Mundschleimhaut sollte frei sein von fremdem Geschmack.

Ihr Kind lässt die Kügelchen oder die Tabletten einfach auf der Zunge zergehen oder lutscht sie. Babys legen Sie die Kügelchen unter die Zunge, so kann die Substanz von der Mundschleimhaut aufgenommen werden.

Muss das Kind andere Medikamente einnehmen, kommt es zwar nicht zu Unverträglichkeitsreaktionen, aber die Wirkung des homöopathischen Mittels kann abgeschwächt werden.

Wie ein Mittel zu dosieren ist, habe ich Ihnen jeweils im Zusammenhang mit den Arzneimittelbildern angegeben, bitte halten Sie sich daran. Geben Sie das gewählte Mittel so lange, bis Ihr Kind wieder gesund ist.

Die Verabreichung einer homöopathischen Arznei muss dem Krankheitsprozess angepasst werden – wiederholen Sie die Arzneigabe erst dann, wenn die Wirkung der vorherigen Gabe nachzulassen beginnt.

Der richtige Umgang mit Homöopathika

Die Mittel, die ich Ihnen empfehle, können Sie rezeptfrei – und bitte in der angegebenen Potenzierung – in der Apotheke bekommen. Homöopathika sind preiswert und, wenn sie kühl, trocken und dunkel aufbewahrt werden, über viele Jahre haltbar.

Damit Sie die notwendige Arznei immer gleich zur Hand haben, ist die Anschaffung einer homöopathischen Hausapotheke empfehlenswert. Eine entsprechende Liste finden Sie ab > (»Die Hausapotheke für Kinder«). Eine spezielle Grundausstattung mit den wichtigsten Mitteln für das Baby- und Kleinkindalter habe ich Ihnen auf > zusammengestellt.

Alle Mittel gibt es in verschiedenen Darreichungsformen; die Wirkung ist stets dieselbe. Sie erhalten Tabletten, Tropfen oder Globuli (Streukügelchen) – eine Tablette entspricht fünf Globuli oder fünf Tropfen. Da Tropfen einen hohen Alkoholgehalt haben, sollten Sie Ihrem Kind nur Globuli oder Tabletten verabreichen.

 

ANDERE POTENZEN

Wenn Sie im Akutfall eine andere als die empfohlene Darreichungsform oder Potenz zur Hand haben, können Sie wie folgt umrechnen:

• 5 Globuli = 1 Tablette.

• D6-Potenzen: In den ersten Tagen wie D12-Potenzen dosieren. Wird die D12 noch 1-mal täglich empfohlen, geben Sie die D6 2-mal täglich.

• C30-Potenz: 1-mal 3 Globuli geben und die Wirkung abwarten. Sehr heftige Beschwerden können sich bereits nach 5 bis 30 Minuten bessern, weniger heftige erst nach 2 bis 4 Stunden. Nehmen die Beschwerden wieder zu, wird die Arzneigabe wiederholt. Bei einer wirksamen Arznei werden die Einnahmeintervalle zunehmend länger.

 

Beobachten Sie die Wirkung

War das Mittel richtig?