Dies Buch ist
Ole Anton
und
Lasse Max
gewidmet.
Impressum
Autorin:
Beate Darge - de Groot
Wendilaweg 8
26446 Reepsolt / Friedeburg
Rechte der Bilder:
Björn und Maike de Groot
Satz und Gestaltung:
G&H Reepsholter Verlag
Langstraßer Weg 8
26446 Reepsholt
gundhreepsholterverlag@web.de
Lektorat:
Karin und Jürgen Neese
Sabine Ehrenberg
Druck BoD - Books on Demand GmbH, Norderstedt
ISBN:978-3-7526-0054-4
„Anton, Anton aufstehen, du hast heute Geburtstag!“ krähte Max, mein kleiner Bruder und hüpfte auf meinem Bett aufgeregt hin und her. Oh Gott, dachte ich, manchmal kann Max aber auch nerven, aber ich liebte meinen Bruder. Max war sechs Jahre alt, und ich werde heute meinen neunten Geburtstag feiern und ganz entspannt die Prozedur von Max über mich ergehen lassen.
Er zupfte hier, er zupfte da und schwupp sprang er aus meinem Bett und rannte singend nach unten. „Happy Birthday to you...“.
Langsam, aber doch ganz schön aufgeregt, krabbelte ich aus dem Bett und ging verschämt runter, wo meine Mama Maria und mein Papa Venske mit Max das Geburtstagslied anstimmten. Eigentlich bin ich ein ganzer Kerl, aber nun war ich doch wieder der kleine Anton, der gerührt im Türrahmen der Küche stand.
Auf dem Küchentisch waren meine Geschenke – Kerzen und ein leckerer Kuchen aufgebaut. Es war sechs Uhr dreißig und die Sonne war schon aufgegangen. Heute wird ein schöner Tag, weil zum Geburtstagsfrühstück Omma Ate und Opa Poppo kommen.
Über Opas Namen haben alle meine Freunde sich kaputtgelacht, selbst die Erwachsenen waren schockiert, wie konnte man so heißen: Popo-Hintern-Gesäß, ganz derb Ars....Gesicht. Da sieht man mal, wie dumm die Leute sind und keinen Gedanken daran verschwenden, woher der Name kommen könnte, zumal er mit einem doppelten P geschrieben wird. Also bin ich eines Tages vor meine Klasse getreten, habe meinen ganzen Mut zusammengenommen und den Torfnasen erklärt, dass Opa einen berühmten Vornamen hat.
Einige lachten, verdrehten die Augen und tuschelten. Ich holte tief Luft und legte los. Also, begann ich: „Poppo war der Herrscher des Groß-friesischen Reiches von 719-734, und es gab sogar einen Papst Poppo von Brixen um das Jahr 1040. Dann gab es da noch den Herzog Poppo von Thüringen um 880 Jahr et cetera...“ Als ich mit meiner Aufzählung fertig war, spitzte ich meine Löffel um genau zu hören, wie meine Klasse und auch mein Lehrer Dr. Hastig, der Name passte zu ihm wie die Faust aufs Auge, reagierten: mit weit aufgerissenen Augen, den Mund bis zur Brust runter geklappt, einige hatten sogar Schnappatmung und verschluckten sich. Sie sahen mich ganz irritiert an und - was soll ich sagen - damit war es nie mehr ein Thema, einen Opa namens Poppo zu haben. Man muss nur mutig und vor allen Dingen ehrlich sein.
Omma Ate sagt immer: „Wer ehrlich ist, der ist nicht angreifbar und wer mutig ist, den respektiert man.“ Nun schnappte meine Familie mich. Es wurde geküsst und gedrückt - ekelig immer dieses Angelecke und bis zur Besinnungslosigkeit gedrückt werden. Endlich erreichte ich den Tisch mit meinen Geschenken. „Stopp“, rief meine Mutter, „erst die Kerzen auspusten“. Auch das noch! Es bleibt einem auch nichts erspart! Ich holte tief Luft und dann pustete ich mit Schmackes alle neun Kerzen auf einmal aus. Geschafft, jetzt machte ich mich über meine Geschenke her. Was ich sah, erfreute mich: einen echten Fußball aus Leder, ein Fußballtrikot und Fußballschuhe. So was nennt man Glück gehabt, meine Wünsche wurden erhört. Ich bin ein begeisterter Fußballspieler und trainiere in meinem Verein in Drillingssiel, dass liegt zwei Dörfer von uns entfernt. „So, jetzt aber los anziehen! Wir müssen zusehen, dass wir den Frühstückstisch gedeckt bekommen“, trällerte meine Mama, „schließlich rauschen Omma und Opa an, und die haben dann auch Hunger.“ Omma Ate und Opa Poppo wohnen dreißig Minuten von uns entfernt in einem Dorf namens Innenwald. Es liegt abseits der Küste in einer sanft hügeligen Region und ist von Wäldern umgeben. Für meine Großeltern war es immer eine Weltreise. Sie mochten keine langen Autofahrten, aber zu uns kamen sie gerne. Wir wohnen im Dorf Obersiel nahe der Küste bei den Deichen. Nachdem wir alle endlich angezogen waren und uns gestylt hatten - Papa war schon unterwegs um Brötchen zu holen - schoss mir der Gedanke durch den Kopf, ob mein Onkel Arno, das ist der Bruder meiner Mama, und Tante Meggy auch zum Geburtstagsfrühstück erscheinen würden. Als ich Mama fragte, zuckte sie nur mit den Schultern und sagte, Onkel Arno sei doch immer im Stress.
Onkel Arno arbeitet am Theater und nebenbei macht er großartige Musik, aber er steckt irgendwie immer in einer Zeitschleife fest. Er ist schon gefühlte hundert Jahre mit Tante Meggy zusammen, aber beide kriegen nicht die Kurve endlich zu heiraten. Was soll ich sagen: so sind sie, die Erwachsenen, können keine vernünftigen Entscheidungen treffen.
Nachdem der Tisch gedeckt, die Brötchen aufgeschnitten waren und die Eier gekocht hatten, hörte man draußen ein lautes Quieken. Diese Hupe war unverkennbar. Es waren Omma und Opa. Sie fuhren einen alten, schwarz-weißen, angerosteten Land Rover Defender. Mein kleiner Bruder Max und ich rannten hinaus, um die beiden zu begrüßen.
Als erstes stieg Omma Ate aus der Klapperkiste aus, und im Hintergrund hörte ich wie meine Mama laut zu lachen anfing und rief, Omma habe ja gar keine Schürze um. Omma zischte zurück, es sei ja schließlich völlig normal, auf Antons Geburtstag die Schürze nicht spazieren zu fahren. Wir kennen Omma immer nur mit Schürze, eine bunte lustige Latz-mit-Flügel-Schürze, wie Omma Ate sie nannte. Unsere Omma ist eine kleine, jung gebliebene, ausgeflippte Frau von über sechzig Jahren, die mit ihren bunten Klamotten überall auffällt. Ihr ergrautes Haar ist von fünf giftgrünen Strähnen durchzogen und steht in alle Himmelsrichtungen vom Kopf ab. Ihre Augen funkeln immer so seltsam magisch. Mama und Papa sind der Ansicht, Omma wird nie erwachsen mit ihrem ganzen Hokuspokus und diesen Geschichten über Kobolde und Elfen und diese ganze Geheimniskrämerei. Omma verteidigt sich immer damit, sie sei keine Hexe oder Zauberin, ganz im Gegenteil, sie sei von einer verstärkt hellhörigen, feinfühligen und spirituellen Natur. Sie sei eine magnum adiutorem natura spirituum... großartige Helferin der Naturgeister. Auf blöde Kommentare wird daher lieber verzichtet, sonst gibt es weitere große Diskussionen und Omma dreht am Rad und flippt total aus. Auf den Stress hat keiner so richtig Bock, also ganz psst und still verhalten.
Nun schnappte sie mich, küsste und herzte mich und sang ein Geburtstagslied. Ich dachte schon, es endet nie, denn Omma kann überhaupt nicht singen. Ihre Stimme klingt wie ein altes Reibeisen kurz vor der Entsorgung. Wenn sie redet, hat sie eine angenehme, herzliche und warme Stimmlage, na ja vielleicht etwas rauchig. Dann schaute sie mich an, und in ihren Augen glitzerten sämtliche Farben. Ich war ganz fasziniert, so ein Leuchten hatte ich noch nie gesehen. Sie übergab mir einen bunten Briefumschlag, der wie ein Regenbogen aussah und wandte sich jetzt Max zu.
Max wurde genauso abgeknutscht wie ich und dann marschierte Omma in die Küche und begrüßte Mama und Papa. Opa Poppo kam ganz entspannt auf mich zu, gratulierte und klopfte mir freundschaftlich auf die Schulter.
Opa ist im Gegensatz zu Omma groß und hat immer nur seine hellgrüne Latzhose an. Seine Haare sind schlohweiß und mit einem Strohcappy bedeckt. Opa ist ein ruhiger und weiser Mann. Er raucht gerne seine weiße Tonpfeife und ist glücklich, wenn er seine Ruhe hat. Ich glaube, Omma raucht auch heimlich, daher kommt bestimmt auch ihre rauchige Stimme.
Jetzt kam Max auf Opa zu gerannt um ihn zu begrüßen. Im gleichen Atemzug rief Max: „Opa, wo ist Schneeflocke?“-„Oh, sie sitzt noch im Auto, wir hätten sie glatt vergessen, schleich dich ran und hol sie.“
Max ging pfeifend zum Auto und holte die kleine Hündin aus ihrem Körbchen. Die Hündin schmiegte sich an Max und leckte ihm einmal quer übers Gesicht. „Ich habe mich schon gewaschen“, sang er und stürmte dann mit der Hündin ins Haus.
Schneeflocke ist ein kleiner Baumwollhund mit weichem, weißem Fell. Omma sagt immer, unsere Schneeflocke kann sprechen, aber ob das stimmt, weiß ich nicht. Egal, jetzt wird erst mal gefrühstückt, und dann schaue ich mir ganz in Ruhe die Karte von Omma Ate an.
Wir saßen gerade alle am Frühstückstisch, als eine Gitarre draußen zu spielen begann. „Onkel Arno, Onkel Arno ist da!“ schrie ich so laut, dass Omma Ates Hörgeräte fast explodierten. Ich sprang vom Tisch auf und rannte zur Tür, öffnete sie und tatsächlich, Onkel Arno und Tante Meggy standen mit einem breit grinsenden Gesicht vor der Tür. Onkel Arno haute in die Saiten seiner Gitarre und beide trällerten ein „Happy Birthday“. Tante Meggy überreichte mir ein kleines, buntes, mit Bändern verschnürtes Paket und stiefelte in die Küche zu den anderen. „Wo bleibt ihr?“ rief meine Mama, „wir wollen endlich frühstücken.“
„Ja, wir kommen sofort!“ rief Onkel Arno, legte seine Gitarre zur Seite und betrat mit mir die Küche. „Wird auch Zeit, ich habe nämlich Hunger wie ein Delphin“, scherzte Omma Ate. Onkel Arno lachte und meinte zu seiner Mutter: „Delphine essen aber nur Fisch.“ - „Bist du blind, da liegt doch lecker geräucherter Lachs, ist das kein Fisch oder würdest du dazu Sahnetorte sagen?“ witzelte Omma. Alle am Tisch brachen in schallendes Gelächter aus und ließen sich das Frühstück schmecken.
Als wir mit dem Essen fertig waren, öffnete ich das Paket von Tante Meggy und Onkel Arno. An Ommas Brief dachte ich in diesem Moment gar nicht mehr, das Paket war nun irgendwie wichtiger. In einer kleinen Schatulle lag eine merkwürdige Kette. Ich runzelte die Stirn und fragte, was das für eine komische Kette sei. Onkel Arno erklärte mir, es sei ein Amulett, dem magische Kräfte zugeschrieben würden. In dem Moment sah ich, dass Omma Ate ihrem Sohn einen seltsamen Blick zuwarf und mit den Augen zwinkerte und Onkel Arno diese Geste erwiderte. Sonst fiel niemandem auf, dass sich zwischen den beiden etwas abspielte. „Wenn du die Kette ständig trägst“, erklärte mein Onkel, „bist du immer beschützt.“ Dieser Gedanke gefiel mir, aber seltsam sah sie trotzdem aus. Ich hängte sie mir um und gleich darauf überkam mich ein wohliges Gefühl. Ich konnte dieses Gefühl nicht beschreiben. „Wie heißt dieses Zeichen?“ fragte ich ganz zaghaft.
„Das ist das Amulett der unzerstörbaren Schutzwand“, flüsterte Onkel Arno.
Damit war ich jetzt erst mal heftig überfordert und musste darüber nachdenken. „Wau, zeig mal her“, sagte meine Mutter, „das ist aber eine außergewöhnlich schöne Kette.“ „Ja, finde ich auch“, erwiderte ich, „echt klasse, und ich werde sie immer tragen, auch wenn ich ins Bett gehe.“
Am Frühstückstisch ging es lustig zu, alle sabbelten durcheinander und mein Bruder Max sang ein Lied nach dem anderen. „Ich muss meine Hörgeräte ausschalten, bei dem Geräuschpegel hier werde ich noch taub“, lachte Omma. Dann standen alle vom Frühstückstisch auf. Opa Poppo nahm seine Tonpfeife und setzte sich draußen in den Schaukelstuhl, um die Sonnenstrahlen zu genießen. „Die Sonne scheint mir auf den Bauch das soll sie auch, die Sonne scheint mir ins Gesicht das soll sie nicht“, alberte er mit Max herum. Schneeflocke sprang Opa auf den Schoß, dann wieder runter. Sie wollte spielen und rannte kreuz und quer durch den Garten. „Ich fang dich, ich kriege dich jetzt“, rief Max und sauste hinter der Hündin her.
Mein Papa zeigte Onkel Arno seine neueste Errungenschaft, eine Motorsäge, um sie dann laut zu starten. Die beiden waren daraufhin in Papas Halle verschwunden um sämtliche Elektrik auszuprobieren.
Mama und Tante Meggy machten sich über die Küche her, nur Omma blieb noch etwas sitzen, um mit den beiden Mädels zu plaudern. Ich flitzte nach oben in mein Zimmer, um das neue Trikot und die Fußballschuhe anzuprobieren.
Plötzlich fiel mir Ommas Karte wieder ein, wo hatte ich sie bloß hingelegt? Da hörte ich auch schon Ommas Schritte auf der Treppenstufe. „Anton, du hast dir den Briefumschlag noch gar nicht angesehen“, sagte sie etwas vorwurfsvoll, legte ihn auf mein Bett und stiefelte wieder runter. „Danke“, rief ich ihr hinterher, sie murmelte etwas und schon war sie nicht mehr zu sehen.
Ich setzte mich aufs Bett, nahm die Karte aus dem Briefumschlag, öffnete sie, und was ich dann sah, brachte mein Herz in Wallung. Hunderte von ganz kleinen, bunten Schmetterlingen stiegen aus der Karte empor und verteilten sich in meinem Zimmer. Sie flogen und flogen und ganz zum Schluss bildeten sie einen großen Fußball und verschwanden. Unglaublich, so etwas hatte ich noch nie gesehen. Ich betrachtete die Karte genauer, und da stand in großen Buchstaben:
Fahrkarte hin und zurück
aber es stand nicht wohin.
Mit hochroten Wangen, mein Kopf glühte, mein Herz klopfte wie wild, rannte ich die Treppe hinunter und schrie nach Omma. Meine Mama hatte sich so erschrocken, dass sie daraufhin meinen Geburtstagskuchen, den sie gerade in den Kühlschrank stellen wollte, fallen ließ. „Was ist los, bist du gaga geworden, so zu schreien!“
„Ich suche Omma Ate, ich muss sie unbedingt finden!“ In diesem Moment kam Schneeflocke rein, schnupperte und machte sich leckend über den am Boden liegenden Kuchen her. „Na ja“, meinte meine Mama, „der schöne Kuchen, aber unsere Schneeflocke soll ja auch nicht benachteiligt werden. Es scheint ihr gut zu schmecken, ein kleiner Trost.“ - „Wo ist denn jetzt Omma“, fragte ich immer noch ganz aufgeregt. „Omma sitzt draußen im Strandkorb und macht ein Nickerchen“. Gott sei Dank, Mama hat sich abgeregt und ist wieder entspannter. Also rannte ich nach draußen, um meine Omma zu suchen.
In welchem Strandkorb hatte sie es sich nun bequem gemacht? Es gab hier nämlich 78 von der Sorte, kleine, große, alte, neue, gestreifte und bunte. Meine Mama hatte ein Faible für Strandkörbe, nur für Papa waren diese ganzen Strandkörbe hirnverbrannt. Er sollte aber lieber schön die Klappe halten, denn mit dem vielen Werkzeug und den ganzen Maschinen die in der Halle standen, hätte er eine Fabrik eröffnen können.
Max kam mir lachend entgegen und jubelte, er wisse, in welchem Strandkorb Omma Ate sitzt. Er hüpfte singend davon und rief mir hinterher: „Es ist spaßig, mit Schneeflocke fangen zu spielen!“ und streckte mir die Zunge heraus, die von einem bunten Lutscher ganz grün war. „Mann, du alter Blödmann“, konterte ich, „kannst mir ruhig sagen, welcher Korb es ist.“ Von Max kam nur noch ein langes „Nööööö“ und „fang mich doch, fang mich doch!“ Ich klapperte einen nach dem anderen ab und endlich im fünfunddreißigsten saß meine Omma. Leise näherte ich mich dem Strandkorb. Dann hustete ich laut, damit Omma mich bemerkte. „Anton, mein Junge, ich habe dich schon von Weitem kommen hören. Ich habe nur etwas gedummelt.“
„Warum hast du dich ganz nach hinten verkrochen?“ fragte ich. „Ich sitze im Unendlichen“, antwortete sie leise. „Unendlich, wie meinst du das??“ - „Ich sitze im 35sten Strandkorb, das ist die Acht.“ - „Hä, wieso acht, die Nummer ist doch 35.“ - „So gesehen, stimmt das“, sagte Omma, „aber die Quersumme ist acht und acht ist das Unendliche.“ - „Wie rechnet man eine, wie heißt das Wort noch, Quersumme?“ fragte ich erstaunt. „Ganz einfach 3 plus 5 ist acht, und das ergibt dann die Quersumme.“ - „ Was ist denn das Unendliche?“ wollte ich nun wissen und setzte mich zu ihr in den Korb. Omma lehnte sich zurück, seufzte und sagte dann nur: „Liebe, Freude und das Licht, diese Dinge sind unendlich.“
Wir saßen eine kurze Weile schweigend da, und dann bombardierte ich Omma mit der Frage: „Wie kommen Schmetterlinge in die Karte?“
„Die hat mir unser Peterle organisiert.“ - „Immer Peterle, Peterle“ ich wurde richtig ein bisschen heftig, „ich habe ihn noch nie richtig gesehen. Du erzählst immer von ihm, aber gibt es ihn wirklich?“ - „Natürlich“, rief Omma empört aus, „du musst nur ganz fest daran glauben, dann wirst du ihn auch sehen können. Die Schmetterlinge hast du schließlich auch gesehen, oder?“ Peterle ist ein Baumelf, der in der riesigen Eiche wohnt, die im Garten meiner Großeltern steht. „Haben dir die Schmetterlinge denn nicht gefallen, Anton?“ Etwas beleidigt schmollte Omma vor sich hin. „Natürlich“, lenkte ich ein, „ die waren super, super schön!“ Als ich jetzt wieder daran dachte, lief mir eine Gänsehaut über den Rücken. „Was aber, Omma, bedeutet die Fahrkarte hin und zurück?“ Jetzt leuchteten ihre Augen wieder in allen Farben und sie sagte nur: „Überraschung!!!“ Ich quälte sie mit Fragen über Fragen, aber ohne Erfolg, Omma hielt dicht. „Ate“, rief Opa zu uns rüber, „komm wir wollen nach Hause, ich muss im Garten noch einige Blumen umpflanzen und außerdem kommen gleich Antons Freunde zum Feiern. Da wollen wir nicht stören, kommst du?“ - „Ihr stört nicht, bleibt doch noch“, bettelte ich. „Hitzebitzegeburtstagskiste, ein anderes Mal bleiben wir länger, jetzt müssen wir los.“ Omma sprang auf und ging zum Haus, um sich von allen zu verabschieden. Ich rannte hinter Omma her und meinte: „Es sind doch jetzt Sommerferien, kann ich ein paar Tage zu euch kommen und auch bei euch schlafen?“
Max hüpfte auf beiden Beinen hin und her. „Aber ich will nicht bei euch schlafen, Omma.“ - „Musst du auch nicht, mein Engel“, meinte sie zärtlich. Dann blickte sie mich an, nahm mich in den Arm und sagte: „Natürlich kannst du zu uns kommen. Frag deine Eltern und dann holt Opa Poppo dich ab.“