Das Baustellenhandbuch Bauwerksabdichtung
Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.
© 2018 by FORUM VERLAG HERKERT GMBH
Mandichostraße 18
86504 Merching
Telefon: |
+49 (0)8233 381-123 |
Fax: |
+49 (0)8233 381-222 |
E-Mail: |
service@forum-verlag.com |
Internet: |
www.baustellenhandbuch.de |
Dieses Verlagserzeugnis wurde nach bestem Wissen und nach dem aktuellen Stand von Recht, Wissenschaft und Technik zum Druckzeitpunkt erstellt. Der Verlag übernimmt keine Gewähr für Druckfehler und inhaltliche Fehler.
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Nutzung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen, schriftlichen Einwilligung des Verlags. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung in elektronischen Systemen.
Titelfoto/-illustration: © truemedia, 86167 Augsburg
Klappen: Maria Bander
Satz: mediaTEXT Jena GmbH, 07747 Jena
Druck: Druckerei & Verlag Steinmeier GmbH & Co. KG, 86738 Deiningen
Printed in Germany
ISBN: 978-3-96314-012-9
Rechtlicher Hinweis:
Wenn Sie dieses Buch lesen, es aber nicht gekauft haben oder es nicht für Ihre persönliche Nutzung gekauft wurde, gehen Sie auf forum-verlag.com und kaufen Ihre eigene Kopie.
Eine unberechtigte Weitergabe des E-Books ist verboten.
Vielen Dank, dass Sie die Arbeit des Autors respektieren und würdigen.
Weitere E-Book Angebote der Forum Verlags Herkert GmbH finden Sie hier.
Alle hier genannten E-Books und zusätzliche Sonderausgaben finden Sie auch in allen namhaften E-Bookshops (Amazon, iTunes, etc.).
Bedienung des E-Books
Hier eine kleine Anleitung zur einfacheren Bedienung des E-Books:
1. Beim Klick auf das folgende Icon bei Überschriften werden Sie immer auf das Inhaltsverzeichnis zurück geleitet.
2. Bei Querverweisen innerhalb des E-Books wird Ihnen die Absprungstelle als blauer Link angezeigt. Das gesuchte Wort ist auf der Zielseite aber nicht markiert oder farbig.
Vorwort
Die Abdichtung von Bauteilen und Gebäuden ist eine der anspruchsvollsten und schadensanfälligsten Bauaufgaben überhaupt. Eine unsachgemäße Ausführung zieht nicht nur gravierende Schäden nach sich, sondern auch hohe Kosten durch aufwendige Nachbesserungen.
Seit der Veröffentlichung der neuen Normenreihe DIN 18531 bis 18535 im Juli 2017 müssen zudem neue Anforderungen an Bauwerksabdichtungen erfüllt werden.
Für jedes Bauteil gibt es nun eine eigene Norm, die von den Anforderungen über die Abdichtungssysteme bis zur Detailgestaltung alles regelt.
Das vorliegende Baustellenhandbuch zur Bauwerksabdichtung knüpft genau hier an. Gegliedert in Abschnitten zu den einzelnen Normen – DIN 18531 Abdichtungen von Dächern bis DIN 18535 Abdichtungen von Behältern und Becken – bietet es praktische Tabellen, Übersichten und Detailzeichnungen zur Ausführung nach aktueller Normung.
So können selbst auf der Baustelle knifflige Detailfragen zur normgerechten Abdichtung sofort und sicher geklärt werden.
Anregungen zur Ergänzung des Inhalts werden von den Autoren und dem Verlag gerne angenommen.
Merching, im März 2018
Autoren
Dr. Peter Schmidt
1998 erhielt Peter Schmidt den Ruf auf die Professur für Baukonstruktion, Ingenieurholzbau und Bauphysik im Department Bauingenieurwesen der Universität Siegen. Er ist Herausgeber und Autor zahlreicher Veröffentlichungen auf den Gebieten der Bauphysik sowie des konstruktiven Ingenieurbaus. Weiterhin hält er Vorträge zu verschiedenen aktuellen Themen des Bauwesens.
Unter Mitwirkung oder Herausgeberschaft von Herrn Schmidt sind beim Forum Verlag bisher die Titel „Praxisgerechte Bauwerksabdichtungen“ und „Neubau und Instandsetzung von Flachdächern“ erschienen.
Franz-Josef Hölzen
Franz-Josef Hölzen ist eingetragener Architekt der Kammer Niedersachsen sowie von der Handwerkskammer Oldenburg öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Holz- und Bautenschutzgewerbe. Er ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen, z. B. von Fachbeiträgen zur Gebäudeinstandsetzung und Bauwerksabdichtung sowie der Fachbücher „Abdichtung von Gebäuden“ und „Kein Wärmeschutz ohne Feuchteschutz“.
Abdichtung von Dächern nach DIN 18531
Für die Planung, Ausführung und Instandhaltung der Abdichtung von Dächern gilt DIN 18531 „Abdichtung von Dächern sowie von Balkonen, Loggien und Laubengängen“. Die Norm besteht aus folgenden Teilen:
• |
Teil 1: Nicht genutzte und genutzte Dächer – Anforderungen, Planungs- und Ausführungsgrundsätze |
• |
Teil 2: Nicht genutzte und genutzte Dächer – Stoffe |
• |
Teil 3: Nicht genutzte und genutzte Dächer – Auswahl, Ausführung, Details |
• |
Teil 4: Nicht genutzte und genutzte Dächer – Instandhaltung |
• |
Teil 5: Balkone, Loggien und Laubengänge |
Zu beachten:
• |
Teile 1 bis 4 gelten für die Abdichtung von nicht genutzten und genutzten Dächern |
• |
Teil 5 gilt für die Abdichtung von Balkonen, Loggien und Laubengängen |
Nicht genutzte Dächer:
• |
flache und geneigte Dachflächen, die nur für Pflege, Wartung und Instandhaltung begangen werden |
• |
Dachflächen mit extensiver Begrünung |
Genutzte Dächer:
• |
begehbare Dachflächen (z. B. Dachterrassen, Gehwege in Dächern mit Begrünung) |
• |
Dachflächen mit intensiver Begrünung (auch mit Anstaubewässerung, Anstauhöhe ≤ 100 mm) |
• |
Dächer mit Solaranlagen (an der Tragkonstruktion befestigt oder ballastiert) und/oder haustechnischen Anlagen |
Bild 1: Nicht genutzte und genutzte Dächer (Quelle: Prof. Dr.-Ing. Peter Schmidt)
Die Abdichtung von Betonfertiggaragen nach DIN EN 13978-1 kann abweichend zu den Regeln der DIN 18531 ausgeführt sein.
Anwendungsbereich der DIN 18531
DIN 18531 (Teil 1 bis 4) gilt für
• |
die Planung und Ausführung der Abdichtung von nicht genutzten und genutzten Dächern mit bahnenförmigen und flüssig zu verarbeitenden Abdichtungsstoffen bei
|
||||||
• |
die Aufstellung, Konstruktion und Lagesicherung von Solaranlagen auf Dächern. |
DIN 18531 (Teil 1 bis 4) gilt dagegen nicht für folgende Konstruktionen:
• |
Dachdeckungen und Unterdächer |
• |
Beschichtungen, Versiegelungen und keramische Beläge |
• |
wasserundurchlässige Bauteile (z. B. Bauteile aus WU-Beton nach der DAfStb-Richtlinie für wasserundurchlässige Bauwerke aus Beton – „WU-Richtlinie“) |
Für die Planung und Ausführung der Abdichtung von Balkonen, Loggien und Laubengängen ist DIN 18531-5 anzuwenden.
Bild 2: Anwendungsbereich der DIN 18531 (Quelle: Prof. Dr.-Ing. Peter Schmidt)
Einwirkungsklassen
{Einwirkungsklasse}
Für die Festlegung der Beanspruchung der Abdichtung werden Einwirkungsklassen definiert. Diese werden für die Wahl der Abdichtungsbauart und die Dimensionierung der Abdichtung herangezogen.
Mechanische Einwirkung |
|||
hoch/Stufe I |
mäßig/Stufe II |
||
Thermische Einwirkung |
hoch/Stufe A |
IA |
IIA |
mäßig/tufe B |
IB |
IIB |
Tab. 1: Einwirkungsklassen für Abdichtungen von Dächern
Einwirkungsstufe |
Bedeutung |
Anwendung |
Stufe I |
hohe mechanische Einwirkung |
genutzte Dächer (ausgenommen Umkehrdächer) |
nicht genutzte Dächer, wenn mind. eine der folgenden Einwirkungen vorhanden ist: a) Einwirkung aus dem Untergrund und/oder der Tragkonstruktion • element-/plattenförmige Untergründe (Betonfertigteile, Betondielen), die nicht schubfest miteinander verbunden sind • Abdichtung im direkten Verbund auf rissgefährdeten Untergründen • Untergründe aus harten Dämmstoffen (XPS) mit Fugen • Tragkonstruktion aus Stahltrapezprofilen • Schalungen aus Holz/Holzwerkstoffen • Altabdichtung als Untergrund für neue Abdichtungsschicht b) Einwirkung aus der Lagesicherung bei lose verlegten Bahnen durch mechanische Befestigung c) Einwirkungen, die durch eine weiche Unterlage verursacht werden (z. B. Dämmstoffe aus Mineralwolle) d) Einwirkungen, die durch Arbeiten auf der Abdichtung resultieren (wie z. B. bei Dachflächen oder -bereichen, die häufig zu Wartungs- oder Inspektionszwecken begangen werden) e) Extensivbegrünung f) sonstige mechanische Einwirkungen, die während der Nutzungsdauer auftreten können (z. B. in Gebieten mit größerer Hagelschlaggefahr). |
||
Stufe II |
mäßige mechanische Einwirkung |
Ist anzunehmen, wenn die unter Stufe I angegebenen hohen mechanischen Einwirkungen nicht vorliegen oder durch geeignete Maßnahmen ausgeschlossen werden können. |
Stufe A |
hohe thermische Einwirkung |
Für Dachabdichtungen, die starken thermischen Wechselwirkungen ausgesetzt sind: • nicht genutzte Dächer mit einer Abdichtung ohne Oberflächenschutz oder mit lediglich leichtem Oberflächenschutz • genutzte Dächer mit einer Abdichtung, die nicht durch eine wirksame Schutz- oder Nutzschicht (z. B. Belag) vor thermischen Einwirkungen geschützt ist • Abdichtung im Bereich von An- und Abschlüssen, die nur durch eine thermisch nicht wirksame Abdeckung (z. B. eine Metallabdeckung) geschützt wird |
Stufe B |
mäßige thermische Einwirkung |
Ist anzunehmen, wenn • kein starkes Aufheizen, • keine schnellen Temperaturänderungen oder • keine direkten Witterungseinwirkungen auftreten. Beispiele: • Dächer mit schwerem Oberflächenschutz (Kiesschüttung) • Dächer mit ausreichend schützendem Belag (Nutzschicht) • Dächer, die mit Begrünung geschützt sind. • Umkehrdächer (Hinweis: Bei Umkehrdächern ist die Wärmedämmschicht auf der Dachabdichtung angeordnet.) |
Tab. 2: Einwirkungsstufen
Bild 3: Beispiele für Einwirkungen (Quelle: Dr.-Ing. Peter Schmidt)
Für weitere Einwirkungen: siehe Norm
Anwendungsklassen
{Anwendungsklasse}
Die Anwendungsklassen legen die Güte der Ausführung der Abdichtung fest. Unterschieden wird in
• |
Anwendungsklasse K1 für die Standardausführung und |
• |
Anwendungsklasse K2 für eine höherwertige Ausführung |
Grundsätzlich ist eine Abdichtung mind. der Anwendungsklasse K1 zuzuordnen.
Eine Zuordnung in die Klasse K2 kann in folgenden Fällen erfolgen:
• |
erhöhte Zuverlässigkeit |
• |
längere Nutzungsdauer |
• |
für die Instandhaltung wird ein geringerer Aufwand gefordert |
Beispiele für K2: Gebäude mit höherwertiger Nutzung (hochwertige Eigentumswohnanlagen), Hochhäuser, Dächer mit Solaranlagen oder haustechnischen Anlagen. Für Abdichtungen der Anwendungsklasse K2 gelten höhere Anforderungen (z. B. an die Stoffe, an den Systemaufbau, an die Planung des Gefälles und an die Gestaltung von Details). Die Anwendungsklasse hat einen Einfluss auf die Auswahl (Bemessung) der Abdichtung nach DIN 18531-3. Dabei ist zu beachten, dass die Anwendungsklasse der Details (An-/Abschlüsse, Durchdringungen, Bewegungsfugen usw.) mind. der Anwendungsklasse der Dachfläche entspricht.
Die Anwendungsklasse ist vom Planer in Abstimmung mit dem Bauherrn festzulegen.
Abdichtungsbauarten
Die Abdichtungsbauart (= konstruktiver und stofflicher Aufbau der Abdichtung) ist von folgenden Einflussgrößen abhängig:
• |
Einwirkungen (Einwirkungsklassen) |
• |
Dachaufbau |
• |
Art der Tragkonstruktion |
• |
Nutzung der Dachfläche (nicht genutzt/genutzt) |
• |
Nutzung der unter dem Dach liegenden Räume (beheizt/nicht beheizt) |
• |
Anwendungsklasse der Abdichtung (Standardausführung/höherwertige Ausführung |
Grundsätzlich ist bei der Planung und Ausführung der Abdichtung sowie bei der Auswahl der Stoffe die Wechselwirkung zwischen der Abdichtung und den darunter- bzw. darüberliegenden Schichten des Dachaufbaus zu berücksichtigen. Hierzu zählen:
• |
Sicherstellung der Stoffverträglichkeit der im Dachaufbau direkt aneinandergrenzenden Schichten und Stoffe, indem verträgliche Stoffe verwendet oder Trennlagen zwischen unverträglichen Schichten sowie Materialien angeordnet werden. |
• |
Ermittlung der Verformungen (auch unter Berücksichtigung von Kriech- und Schwindvorgängen), die auf den Dachaufbau einwirken, und Überprüfung der möglichen Auswirkungen. Gegebenenfalls sind konstruktive Maßnahmen zu ergreifen, um die zu erwartenden Verformungen aufzunehmen. |
• |
Verwendung geeigneter und zugelassener Materialien und Stoffe für die Schichten des Dachaufbaus. |
Es werden folgende Abdichtungsbauarten unterschieden:
• |
Abdichtungsbauart mit bahnenförmigen Abdichtungsstoffen (Bitumen- und Polymerbitumenbahnen, Kunststoff- oder Elastomerbahnen) |
• |
Abdichtungsbauart mit flüssig zu verarbeitenden Abdichtungsstoffen (Flüssigkunststoffe, Gussasphalt/Asphaltmastix) |
Ausführungsgrundsätze
Für die Ausführung der Abdichtung sind folgende Regeln zu beachten:
• |
zulässige Stoffe für die Abdichtung sowie Hilfsstoffe nach DIN 18531-2 (siehe Abschnitt „Abdichtungsstoffe“) |
• |
Planung und Ausführung der Dachabdichtung nach DIN 18531-3 (siehe Abschnitt „Wahl der Abdichtung“) |
• |
Für die weiteren Funktionsschichten des Dachaufbaus (Wärmedämmung, Dampfsperre, Luftdichtheitsschicht) sind die bauphysikalischen Anforderungen zu beachten (DIN 4108, EnEV). |
• |
Die Anforderungen an den Brandschutz für Bedachungen sind zu beachten (Landesbauordnungen). Die verwendeten Stoffe müssen darüber hinaus den Anforderungen an das Brandverhalten (DIN 4102) entsprechen. |
• |
Soll im Zuge einer Erneuerungsmaßnahme die Abdichtung auf eine bestehende Altabdichtung aufgebracht werden, ist das Altdach nach DIN 18531-4 (Instandhaltung) zu prüfen. |
• |
Abdichtungen, die im Haftverbund auf mineralische Untergründe (z. B. Beton) direkt aufgebracht werden, müssen zu erwartende Risse, die im abzudichtenden Bauteil entstehen können, überbrücken. |
Dachneigung, Gefälle und Entwässerung
{Dachneigung}
{Gefälle}
{Entwässerung}
Forderung:
• |
rasche Ableitung des Niederschlagswassers |
• |
Dazu ist in der Regel ein Mindestgefälle von 2 % erforderlich. |
• |
Ausgenommen von dieser Regelung sind intensiv begrünte Dächer mit Anstaubewässerung. |
Zu beachten:
• |
Vorübergehende Pfützenbildung ist auch auf Dachflächen mit einem Gefälle bis 5 % möglich. |
• |
Sollen Pfützen vollständig vermieden werden, ist die Entwässerungsebene mit einem Gefälle von mehr als 5 % auszuführen. |
Weitere Regeln:
• |
Dächer der Anwendungsklasse K1 (Standardausführung) können auch ohne Gefälle ausgeführt werden. In diesem Fall ist die Abdichtung so zu wählen, dass sie die Anforderungen der Anwendungsklasse K2 erfüllt. |
• |
Dächer der Anwendungsklasse K2 (höherwertige Ausführung) sind grundsätzlich mit einem Gefälle von mind. 2 % auszuführen, im Bereich von Kehlen muss das Gefälle mind. 1 % betragen. |
• |
Die Dachentwässerung ist nach DIN 1986-100 auszuführen. |
An- und Abschlüsse
Anschluss {Anschluss}: gesicherter Abdichtungsrand an aufgehenden Bauteilen (z. B. Wände), Anschluss der Abdichtung an Einbauteile
Abschluss: {Abschluss} gesichertes Ende/Rand einer Abdichtung (am Dachrand)
Kriterium |
nicht genutzte Dächer |
genutzte Dächer |
|
Dachneigung |
|||
bis 5° |
über 5° |
||
Anschlusshöhe (an aufgehenden Bauteilen) |
150 mm |
100 mm |
150 mm |
Abschlusshöhe (am Dachrand) |
100 mm |
50 mm |
100 mm |
Gegebenenfalls sind die An-/Abschlusshöhen zu erhöhen (z. B. in schneereichen Gebieten, bei Anstaugefahr in Rinnen von Sheddächern). |
Tab. 3: Anschlusshöhen an aufgehenden Bauteilen und Abschlusshöhen
Die An-/Abschlusshöhen beziehen sich auf die Oberkante der Abdichtung (bei nicht genutzten Dächern), des Belags (bei genutzten Dächern), der Begrünung oder des Oberflächenschutzes (Oberkante Kiesschicht).
Bild 4: Definition der Anschlusshöhe (Quelle: Prof. Dr.-Ing. Peter Schmidt)
An- und Abschlüsse sollten zugänglich sein (Instandhaltung).
Bei genutzten Dächern sind An- und Abschlüsse gegen mechanische Einwirkungen zu schützen, z. B. durch Bleche.
Türanschlüsse
{Türanschlüsse}
Die Anschlusshöhe sollte auch im Türbereich mind. 15 cm über Oberfläche des Belags betragen.
Eine Verringerung der Anschlusshöhe auf 5 cm ist möglich, wenn folgende Maßnahmen durchgeführt werden:
• |
Einbau einer Entwässerungsrinne unmittelbar vor der Tür auf der gesamten Türbreite und Anschluss an die Entwässerung (Entwässerung auf die Dachfläche ist nicht zulässig); ggf. beheizbar |
• |
wasserdichter und abrutschsicherer Anschluss der Abdichtung an den Türrahmen und Hochführen der Abdichtung im Bereich der Leibungen (Türrahmen muss dabei von der Abdichtung hinterfahren werden.) |
• |
Ausführung eines Oberflächengefälles des Belags von der Tür weg |
• |
Anordnung von Notüberläufen bei Dachterrassen mit geschlossener Brüstung (Anordnung so tief, dass Türschwelle nicht überflutet werden kann) |
• |
ggf. Anordnung eines Vordachs zur Verringerung der Spritzwasserbeanspruchung. |
Bild 5: Abdichtung im Bereich einer Tür (Türanschluss mit 5 cm Anschlusshöhe) (Quelle: Prof. Dr.-Ing. Peter Schmidt)
Durchdringungen
{Durchdringungen}
Unter Durchdringungen sind Bauteile zu verstehen, die die Abdichtung durchdringen, wie z. B. Leitungen, Rohrdurchführungen usw.
Der Abstand von Durchdringungen zu anderen Bauteilen (z. B. zu An- und Abschlüssen, Bewegungsfugen) beträgt mind. 300 mm. Das Maß bezieht sich auf den Abstand zwischen Flanschaußenkante zu Flanschaußenkante.
Bild 6: Mindestabstände zu Durchdringungen (Quelle: Prof. Dr.-Ing. Peter Schmidt)
Bewegungsfugen
{Bewegungsfugen}
Eine Bewegungsfuge ist der Zwischenraum zwischen zwei Bauteilen oder Bauwerken, der unterschiedliche Bewegungen zwischen diesen ermöglicht.
Regeln:
• |
Für die Ausführung der Abdichtung über Bewegungsfugen müssen die zu erwartenden Fugenbewegungen vorliegen. Bewegungsfugen und Abdichtung müssen aufeinander abgestimmt sein. |
||||||||
• |
Verlauf von Bewegungsfugen:
|
Fugentyp |
Beschreibung |
Forderung/Bemerkung |
Fugentyp I |
Fugentyp I beschreibt Fugen für Bewegungen, die langsam ablaufen und einmalig oder selten wiederholt auftreten. Beispiele sind Setzungsbewegungen, Schwindverformungen, Längenänderungen durch jahreszeitliche Temperaturänderungen. |
Bewegungen der |
≤ 5 mm bei: • Bitumen-/Polymerbitumenbahnen, • verklebter Kunststoff-/Elastomerbahn, • Abdichtung aus flüssig zu verarbeitenden Stoffen |
||
≤ 10 mm bei: lose verlegter Kunststoff-/Elastomerbahn |
||
Bei Überschreitung der max. Fugenbewegungen ist die Abdichtung der Fuge nach Fugentyp II auszuführen. |
||
Fugentyp II |
Fugentyp II bezeichnet Fugen für Bewegungen, die schnell ablaufen oder sich häufig wiederholen. Beispiele hierfür sind Längenänderungen durch tageszeitliche Temperaturschwankungen. |
Fugentyp II ist auch bei oberseitig ungedämmten Dachflächen anzunehmen. |
Tab. 4: Fugentypen bei Bewegungsfugen
Dachaufbauten
Dachaufbauten (Anlagen und Aggregate) einschließlich ihrer Zu- und Ableitungen sind so auf der Dachfläche aufzustellen, dass folgende Bedingungen eingehalten werden:
• |
Zugänglichkeit der Abdichtung sowie der An- und Abschlüsse |
• |
Fachgerechte Ausführung der Abdichtung einschließlich erforderlicher Durchdringungen |
Der Höhenabstand zwischen Abdichtung bzw. Belag oder Kiesschicht und Unterkante der Anlage sollte mind. 50 cm betragen. Bei größeren Anlagen ist dieser Abstand ggf. zu vergrößern, um Arbeiten an der Abdichtung (z. B. zum Zwecke der Instandhaltung) sicherzustellen.
Bild 7: Mindestabstand zwischen Abdichtung bzw. Belag und Dachaufbau ((Quelle: Prof. Dr.-Ing. Peter Schmidt))
Blitzschutzanlagen
{Blitzschutzanlagen}
Blitzschutzanlagen dürfen die Dichtigkeit des Dachs nicht beeinträchtigen.
Die Planung und Ausführung von Blitzschutzanlagen ist nach DIN EN 62305-1 (VDE 0185-305-1) bis DIN EN 62305-4 (VDE 0185-305-4) durchzuführen.
Die Durchführungen von Halterungen und Fangleitungen durch die Dachabdichtung sind wie Durchdringungen abzudichten.
Bei Dachneigungen > 5 % sind die Dachleitungshalter für Blitzfangschutzleitungen gegen Verschieben zu sichern. Bei Kunststoff-/Elastomerbahnen können hierfür spezielle Formteile verwendet werden.
Windsogsicherung
{Windsogsicherung}
Für die Windsogsicherung von Dächern ist DIN 18531-3 zu beachten. Bei abweichender Ausführung ist ein Einzelnachweis (statische Berechnung) erforderlich.
Bei Abdichtungen der Anwendungsklasse K2 müssen korrosionsbeständige Schrauben für die Befestigung der Abdichtung verwendet werden, sofern die Windsogsicherung durch mechanische Befestigungsmittel erfolgt.
Begrenzung der Wasserunterläufigkeit
{Wasserunterläufigkeit}
Maßnahmen zur Begrenzung der Wasserunterläufigkeit der Abdichtung können wie folgt ausgeführt werden:
• |
vollflächige Verklebung aller Schichten untereinander und mit einem massiven Untergrund |
• |
Einteilung der Dachfläche in Felder mit Abschottungen der Dämmschicht |
Dokumentation
Es wird empfohlen, die für die Abdichtung und den Dachaufbau verwendeten Stoffe und Materialien zu dokumentieren, um später eine ordnungsgemäße Instandhaltung gewährleisten zu können. Gegebenenfalls sind Proben der Dokumentation beizufügen. Die Unterlagen sind dem Bauherrn zu übergeben.
Anforderungen an den Untergrund
Der Untergrund muss folgende Anforderungen erfüllen:
• |
weitgehend lückenloser und stetiger Verlauf |
• |
ausreichend tragfähig |
• |
eben, sauber und frei von Fremdkörpern |
• |
Die Oberfläche des Untergrunds muss so geführt und gestaltet sein, dass die Abdichtung handwerklich zuverlässig verlegt werden kann und fügbar ist. (fügbar: Die einzelnen Bahnen müssen nach den entsprechenden Regeln miteinander verbunden werden können.) |
• |
frei von Verunreinigungen |
• |
oberflächentrocken bei Abdichtungen, die auf den Untergrund aufgeklebt werden |
Sind die genannten Anforderungen nicht gegeben, müssen geeignete Maßnahmen durchgeführt werden, wie z. B:
• |
Vorbehandlung und Reinigung des Untergrunds |
• |
Aufbringen eines Voranstrichs (zur Haftverbesserung) |
• |
Ausgleichsmaßnahmen |
• |
Einbau von Trennschichten und -lagen (bei unverträglichen Stoffen, als Rissüberbrückung oder zur Kraft- und Verformungsentkopplung benachbarter Schichten) |
• |
ggf. die Trocknung der Oberfläche, wenn Abdichtungen aufgeklebt werden sollen |
Untergrund |
Anforderungen |
Beton/Zementestrich |
Untergründe aus Beton oder Zementestrich müssen ausreichend erhärtet und oberflächentrocken sein, bevor die Abdichtung aufgebracht wird. Die Betonoberfläche muss einen stetigen Verlauf aufweisen und geschlossen sein. Sie darf keine Kiesnester und Grate aufweisen. |
Betonfertigteile |
Die Oberfläche von Betonfertigteilen muss eben und stetig verlaufen, d. h., es dürfen keine Kanten und Absätze an den Fugen der einzelnen Elemente auftreten. Zur Vermeidung unterschiedlicher Durchbiegungen der einzelnen Elemente an den Längskanten und im Bereich der Auflagerfugen sollten die Platten schubfest miteinander verbunden werden. Die Fugen der Elemente müssen geschlossen oder abgedeckt sein. |
Holz und Holzwerkstoffe |
An Dachschalungen aus Holz bzw. Holzwerkstoffen, die in nicht belüfteter Bauweise mit Vollsparrendämmung ausgeführt werden und die als Untergrund für die Abdichtung dienen, werden erhöhte Anforderungen gestellt, um Zerstörungen der Holzbauteile durch Feuchtigkeit zu vermeiden (DIN 4108-3, DIN 68800). Für die Nachweise der Tragfähigkeit (z. B. Biegespannungen) und Gebrauchstauglichkeit (z. B. Durchbiegungen) sind DIN EN 1995 und DIN EN 1995/NA zu beachten. |
Stahltrapezprofile |
Stahltrapezprofile, die als Unterlage für die Abdichtung verwendet werden, müssen DIN 18807-3 und DIN EN 1090-1 entsprechen. Für die Bemessung der Stahltrapezprofile sind DIN EN 1993-1-3 und DIN EN 1993-1-3/NA zu beachten. Hinsichtlich des Korrosionsschutzes sind die Regeln zu beachten. Die Blechdicke sollte mind. 0,88 mm betragen, um Beanspruchungen bei der Herstellung der Abdichtung sicher aufnehmen zu können. Die maximale Durchbiegung ist abhängig von der Anwendungsklasse: • Standardausführung K1: max. Durchbiegung: L/300 • höherwertige Ausführung (K2): max. Durchbiegung: L/500 mit L als Stützweite. Die Stahltrapezprofile sind so zu verlegen, dass ihre Obergurte eine ebene Oberfläche bilden. Die Unterlage für die Abdichtung ist auf den Obergurten ebenflächig aufzukleben oder mechanisch zu befestigen, siehe DIN 18807-3. Falls die Dampfsperre gleichzeitig als Luftdichtheitsschicht dienen soll, sind besondere Maßnahmen für die Fügung (Verbindung) der Bahnennähte erforderlich, wie z. B. die Anordnung von Blechstreifen unter den Quernähten. |
Wärmedämmschichten |
Für Wärmedämmschichten, die als Untergrund für die Abdichtung dienen, dürfen nur geeignete Dämmstoffe verwendet werden. Sie müssen entweder den Anforderungen der DIN EN 13162 bis DIN EN 13167 entsprechen oder eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abP) oder europäische technische Bewertung (ETA) besitzen sowie für den Anwendungsbereich nach DIN 4108-10 zugelassen sein. Dämmstoffe, auf die die Abdichtung aufgebracht wird, müssen dem Anwendungstyp DAA entsprechen. Dämmstoffe, die auf der Abdichtung angeordnet werden (Umkehrdächer), müssen die Anforderungen des Anwendungstyps DUK erfüllen, wie z. B. XPS. |
Untergründe aus einer vorhandenen Abdichtung (Altabdichtung) |
Soll die bestehende Abdichtung auf dem Dach belassen werden und diese als Untergrund für eine neu aufzubringende Abdichtung dienen, sind je nach Art und Zustand der Altabdichtung ggf. Maßnahmen der Vorbehandlung und Vorbereitung nach DIN 18531-4 durchzuführen. Hierzu gehören das Aufschneiden größerer Wellen, Blasen und Falten in der Altabdichtung, die Entfernung grober Verkrustungen und Schmutzablagerungen sowie die Vorbehandlung des Untergrunds, z. B. mit einem Voranstrich, Grundierung oder Primer. |
Tab. 5: Anforderungen an den Untergrund bei verschiedenen Untergrundarten