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© 2017 Raphael Achternbusch (Herausgeber)
Herstellung und Verlag:
BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt
ISBN: 978-3-7448-0793-7
„Ohne zu kauen hatte ich damals in Deutschland eine extrem gefährliche Maxime geschluckt, der die Soldaten damals nur allzu sehr folgten: Unserem Dienstherrn dienen wir ehrenvoll und tapfer, wobei es egal ist, welchem Herrn wir gerade dienen.“1
Sir James Turner (1615-1686)
1 ” had swallowed without chewing in Germanie a very dangerous maxime which militarie men then too much followed, which was that so we serve our master honestlie it is no matter what master we serve”.
Die Auswahl eines prominenten Namens aus den vielen, die gewöhnlicherweise in großen historischen Ereignissen eine Rolle spielen, ist eine passendere Art, das Wesen eines Zeitalters zu vermitteln, als erreicht werden kann durch das reine Erzählen der schwerfälligen Annalen einer Nation. Aus diesem Grund hat der Autor dieser hier der Öffentlichkeit dargelegten Memoiren sich bemüht, aus den Massen an Kriegschroniken die Karriere eines bedeutenden Glücksritters zu umreißen und dessen Leistungen zusammenzutragen.
Jegliche Abhandlung über die Meriten des Dreißigjährigen Krieges vermeidend hat der Autor um seinen Helden herum all die großen Führer in diesem langen und blutigen Streit um die Freiheiten Deutschlands gruppiert.
Die Haltung und der Heldenmut des Sir John Hepburn – ausgezeichnet auf vielen hart umkämpften Schlachtfeldern – brachte ihm die Vorrangstellung ein, als der Beste dieses kriegerischen Zeitalters angesehen zu werden, gleich neben dem großen schwedischen Anführer. Die Episoden dieser Memoiren werden zeigen, wie strahlend die Ritterlichkeit und Tapferkeit seiner schottischen Kameraden aufleuchtete inmitten der glanzvollen Heldentaten, die diesen langen Konflikt mit dem Kaiserreich auszeichneten, aber auch inmitten der herzlosen Grausamkeiten, die ihn entwürdigten.
Diese Seiten enthalten eine kurze Aufzeichnung der Dienste jener schottischen Truppen, die (um die Worte des berühmten Major Dalgetty zu benutzen) in den deutschen Kriegen unter „dem unbesiegbaren Gustav Adolf, dem Löwen des Nordens und Bollwerk der protestantischen Religion“, dienten.
Ein angemessenes Denkmal ihrer Tapferkeit und ihres Wertes hat schon lange gefehlt, um unsere nationale Geschichte zu vervollständigen.
Noch direkter hat sich der Autor auf die Leistungen von Hepburns Brigade für Schweden beschränkt. Sie wurde nachher zum ’Régiment d’Hepburn’ im Dienste Frankreichs und ist jetzt als ’Scots Royals’ oder ’First Regiment of the British Line’ bekannt.
Die Aufzeichnungen, die von diesem alten, nacheinander von den Hepburns, Lord Douglas und dem Earl von Dumbarton in Frankreich befehligten Regiment überdauert haben, sind in den militärischen Archiven dieses Landes erhalten.
Die von Schotten in allen Zeitaltern ausgeübten hohen militärischen Kommandos beweisen den Ruf der Tapferkeit, den die Nation im Ausland erworben hat. In jeder Armee in Europa sind sie zu großem Ansehen aufgestiegen. Durch ihren unerschrockenen Mut, beharrliche Wesensart und unbeugsame Rechtschaffenheit haben sie, obwohl von manchen gehässig als Abenteurer bezeichnet, die höchsten Ehren erreicht, die Untertanen zuteil werden können.
Es ist äußerst bemerkenswert, dass Hepburn – obwohl er bei den Schweden nie einen höheren Rang als den eines Obersts hatte – im befestigten Lager von Nürnberg das Kommando über nahezu vierzigtausend Infanteristen bekommen sollte, wo doch zur gleichen Zeit so viele Feldmarschälle und andere Generäle in der Armee zur Verfügung standen.
Das Haus, in dem Hepburn geboren wurde, nimmt in seinem Heimatdorf Athelstaneford noch einen herausragenden Platz ein. Es wurde dem Autor kürzlich vom Patriarchen der Gemeinde, einem Mann aufwärts der achtziger Lebensjahre, gezeigt. Dieser hatte in seiner Jugend seinen Vorgänger über Sir John Hepburn sprechen hören und vor vielen Jahren dem seligen, altehrwürdigen Amtsinhaber geholfen, die Hepburnsche Kirchenreihe und den Friedhof nach irgendwelchen Inschriften zu durchsuchen, die zum Gedächtnis an den Marschall oder seine Familie hätten geblieben sein können: Aber nichts wurde gefunden.
Der Besitz von Athelstaneford und die Grabstätte, in der die Hepburns liegen, gehören ihren Nachfolgern, den Kinlochs von Gilmerton.
Seit diese Seiten in den Druck gingen, bemerkte der Autor, dass er ein Stück weit die Anzahl der schottischen Soldaten, die dem Banner des Gustav Adolf folgten, unterschätzt hat. Dessen Regimenter wurden bei einer Stärke von eintausendundacht gewöhnlichen Soldaten aufrechterhalten. Da er dreizehn davon aus Schottland hatte, ergibt sich die Summe von dreizehntausendeinhundertundvier Soldaten – allesamt Schotten, und ohne diejenigen Landsmänner mitzuzählen, die sie und nahezu alle anderen Regimenter, Truppen und Kompanien der schwedischen Armee anführten.
EDINBURGH, Oktober 1850
James Grant wurde am 1. August 1822 in Edinburgh als ältester Sohn des Hauptmanns John Grant des 92. Gordon Highland-Regiments und Enkel des Anwalts James Grant von Corrimony geboren. Nach dem Tod seiner Mutter nahm der Vater einen Posten in Neufundland an, wo er von 1833 bis 1839 mit seinen Söhnen lebte. 1840 wurde James Grant Fähnrich im 62. Infanterieregiment in Chatham. Diesen Dienst quittierte er bereits 1843, um als begabter Zeichner in einem Architekturbüro in Edinburgh zu arbeiten. In jener Zeit wuchs seine Neigung zur Literatur: Seitdem handeln viele seiner mehr als 50 Novellen von wichtigen Persönlichkeiten und Ereignissen aus der schottischen Geschichte. Die ihm vom Vater erzählten Erlebnisse und Anekdoten aus den Kampfeinsätzen äußern sich in seinen lebhaften Darstellungen von Gefechten und Schlachten. Zahlreiche Werke wurden bereits Mitte des 19. Jahrhunderts in die deutsche Sprache übersetzt:
James Grant heiratet die älteste Tochter des James Browne und hatte von ihre zwei Söhne. Er starb am 5. Mai 1887 in London im Alter von fünfundsechzig Jahren. Bei seinem Tod war er verarmt, seine einstige Popularität längst zerfallen.
Grants Stil zeichnet sich durch eine rasche Abfolge der Ereignisse und einen lebhaften, dynamischen, malerischen Stil aus. Er hebt speziell – und aus heutiger Sicht übertrieben patriotisch – den Wagemut, die Loyalität und die Mannhaftigkeit der Schotten hervor.
Obwohl seine Werke auf akribischen Literaturrecherchen beruhen, erfüllen sie dennoch oft nicht die heutigen Kriterien an wissenschaftliche Arbeiten. Unter anderem sind fast wortwörtlich oder zumindest inhaltlich übernommene Textpassagen nicht kenntlich gemacht, was Grant von zeitgenössischen Kritikern den Vorwurf des Plagiatismus eingebracht hat. Andere Stellen werden aus historischer Sicht nicht immer als vertrauenswürdig eingeschätzt.
In dieser Hinsicht ist auch ’Memoirs and Adventures of Sir John Hepburn’ kein für Grant untypisches Werk.
Der Übersetzer dieser Arbeit hat sich – wo immer möglich – an die ursprüngliche Formulierung und Wortwahl des Autors gehalten. In Ausnahme hiervon wurden die teilweise über eine halbe Seite gehenden Sätze zerlegt und die in der englischen Schriftsprache des neunzehnten Jahrhunderts häufigen Partizipialsätze mit temporalem, kausalem oder konsekutiven Nebensinn durch deutsche Nebensätze ersetzt.
Zur Abgrenzung vom originalen Text sind Anmerkungen und Korrekturen in schräg gestelltem Schriftbild in eckigen Klammern [xxx] ergänzt. Im gleichen Format wurden Fußnoten eingefügt, um dem Leser die zeitliche und personelle Einordnung zu erleichtern: Insoweit bekannt, sind hier speziell die vollen Namen der im Werk erwähnten Kriegsteilnehmer mit Geburts- und Todesjahr aufgeführt. Die ebenso ergänzten Schaubilder mit den im Werk erwähnten Städten und Flüssen dienen der Illustration der geografischen Lage von Schlachtfeldern und Marschrouten.
ULM, Juli 2017
Der Umzug von James VI. mit seinem Hof nach London und der lange Frieden, den Schottland während seiner Regentschaft genoss, bewirkte eine große Knappheit an militärischen Anstellungen zu Hause. Dieser Umstand zwang gewaltige Zahlen dieser tapferen Seelen, deren Schwerter ansonsten gegen ihre alten Erbfeinde gezogen worden wären, Ruhm und Glück unter den Bannern der verschiedensten Fürsten zu suchen, die um die Vormachtstellung in dem großen religiösen Streit, der damals Europa erschütterte, Krieg führten – die lange und verzweifelte Auseinandersetzung zwischen Protestantismus und Katholizismus.
Für seine Ritterlichkeit und seinen Edelmut, für seine Leistungen als Ehrenmann, für seine persönliche Tüchtigkeit und Furchtlosigkeit als Soldat, für den Besitz einer besonnenen Herrschaft über seine Leidenschaften, für die Kraft, seinen eigenen Verstand zu konsultieren und mit gebotener Entscheidung inmitten großer und plötzlicher Gefahr zu handeln, war John Hepburn der Angesehenste unter diesen Abenteurern. Er war ein schottischer Glücksritter, dessen Name jeder Geschichtsschreiber seiner Zeit mit Ehre festhielt.
Abstammend von einer langen Linie illustrer Vorfahren, den Hepburns von Hailes und Bothwell (die ihr Blut ableiteten von Sir Adam Hepburn, einem erlesenen Krieger unter Robert Bruce, von dem er die Ländereien von North Hailes und Traprene erhielt), war er der zweite Sohn des George Hepburn von Athelstaneford. Dieses kleine Anwesen in East Lothian wurde von ihren Verwandten, den Hepburns von Waughton, feudal gehalten.
Die früheste Notiz zu seiner Familie findet sich am 24. November 1569, als George Hepburn von Athelstaneford vor ein Schwurgericht zitiert wurde für den Mord an „vmqle Johnne Geddes2 und die Verletzung und Verwundung diverser anderer“. Der besagte Mord war im Januar dieses Jahres während der Belagerung des Fleckens und kleinen Forts von Waughton von seinem Sohn Andrew begangen worden. Nahezu alle seines Nachnamens in Haddingtonshire waren an diesem Tumult beteiligt: Robert Hepburn, der Jüngere von Waughton, bemühte sich, sein angestammtes Haus von den Kingsmen3 zurückzugewinnen. Er brach in die Barbakane4 ein und nahm aus deren Stallungen sechzehn Rösser. Aber der Gutsherr von Carmichael, Hauptmann des Turms, stürmte mit dem Schwert in der Hand vor, erschlug drei der Angreifer und vertrieb den Rest.5 Lord Hunsdon, Gouverneur von Berwick, sagt in einem Schreiben von diesem Ort an Cecil, dass er „benachrichtigt wurde, dass die Hepburns und Hamiltons Waughton belagerten, und dass Lord Home mit all seinen Kräften käme, um es zu befreien.“6
George Hepburn wurde auch davon freigesprochen, mit Harry Hepburn von Fortune und Patrick Hepburn von Kirklandhill in Verbindung zu stehen. Diese waren damals als Rebellen und Verräter dafür gebrandmarkt, dass sie, wie er selbst, Anhänger ihres Herren und Chiefs, des vogelfreien Bothwell, Herzog von Orkney, waren. Er wurde auch unschuldig befunden, in der Schlacht von Langside drei Soldaten des Königs erschlagen zu haben, wo er im vorausgegangenen Jahr unter dem Banner der Königin Mary gekämpft hatte.7
George Hepburn hatte fünf Söhne (den Marschall einschließend) und mehrere Töchter, deren Namen herauszufinden es jetzt keine Möglichkeiten mehr gibt. Er starb vor 1616, da in diesem Jahr sein ältester Sohn, auch vom Namen George Hepburn, in die Lande von Athelstaneford zurückkehrte8.
Zwei Jahre später, erhielt Isabella „sorori germane quond. Georgij Hepburne portionerij de Ethilstanefurd“ ein Geschenk von der Abbeymill von Haddington.9
Ihre Verwandten, die Hepburns von Waughton, waren seit den Tagen des Earl von Bothwell für verschiedene Fälle unter dem Bann der Regierung. Zu der Zeit, als John Hepburn sein Zuhause für das Militärlager verließ, war sein Onkel, der Ritter, in Fede mit Douglas, dem mächtigen Baron von Whittinghame, einer starken Burg im gleichen Land.
In einem bizarren Brief an seinen Freund Murray, einen Höfling des James VI., schreibt der Earl von Mar: „Guter, ehrenwerter John, ich habe diesen Brief an Euch geschrieben in Bezug auf die derzeitige Enge Eures Freundes, des Gutsherren von Waughton, denn er wird maßlos verfolgt vom Gutsherrn von Whittinghame.“10
John Hepburn wurde um das Jahr 1598 oder 1600 herum im Haus seines Vaters geboren. Dieses steht immer noch in Athelstaneford. Es wird von den alten Einwohnern dieses abgesonderten Distrikts den Fremden gezeigt als der Geburtsort des Marschalls von Frankreich, denn an das erinnert man sich, selbst wenn der Familienname jetzt dort vergessen ist. Es ist ein schlichtes, einfaches Gebäude, gelegen am östlichen Ende des Friedhofs des Dorfes und nicht viele Meter von den Fundamenten einer zerstörten Kirche, die den Franziskanern von Haddington gehörte.
Dieses historische Herrenhaus, dessen alte Stufen der junge Hepburn auszuhöhlen half, steht etwa hundert Schritt zurück von der Hauptstraße des Weilers und ist hauptsächlich erkennbar an einem großen, hervorstehenden Schlot oder Kamin-Schornstein. Es besteht aus zwei Stockwerken und nimmt eine hervorstehende Position an einem ansteigenden Grund ein. Dabei überschaut es einen fruchtbaren Bezirk mit dem Fluss Peffer, der das Gebiet durchwandert bis hin zur Nordsee, welche in der Entfernung sichtbar ist. Der Kegel des Berwick Law erhebt sich im Nordosten, und die felsigen Hügel von Dirleton fahren abrupt im Westen empor. Davor liegen die tiefen Mulden und die Furt, an der die Schotten den Sachsenkönig Æthelstan besiegten und erschlugen. Nahebei steht die Dorfkirche mit einigen wenigen alten, moosbewachsenen Bäumen, in denen Falken und Krähen ihre Nester bauen.
Stammbaum der Hepburns von Athelstaneford
East Lothian mit Heburns Geburtsort Athelstaneford
Vom jungen Hepburn wird gesagt, dass er großgewachsen, aktiv, kräftig und hübsch in Körperbau und Gesicht war. Sein Auftreten und seine Haltung, wenn er in die prächtige Halb-Rüstung der Zeit gekleidet war, wurden als ausgesprochen nobel und eindrucksvoll erachtet. Sie ließen die Bestimmtheit eines Soldaten erkennen – vermischt mit der Höflichkeit eines Höflings. Von frühester Kindheit an war er herausragend für seine Munterkeit, seinen raschen Mut und seine unbesiegbare Entschlossenheit.11
Sein Verstand war von einer solchen Beschaffenheit, dass sie ihn höchstwahrscheinlich vor allen anderen zur Spitze führen würde. Denn seinen stärksten Kräften der Auffassungsgabe fügte er das Talent der glücklichen Entscheidung hinzu.
„Mit einem solchen Geist“, sagt Lacon, „erfolgen Entscheidung und Handeln verzögerungsfrei. Sie scheinen dem Lauf der Zeit voranzugehen, Ereignisse im Larvenstadium ihrer Ursachen vorauszusehen und denjenigen Moment zum Handeln zu ergreifen, den andere während ihrer Überlegungen verpassen.“
Von solchem Wesen war Sir John Hepburn.
Diese Anwesenheit des Verstandes, der ihn während seiner militärischen Karriere befähigte, mit Leichtigkeit von schlummernden natürlichen Ressourcen Gebrauch zu machen, inmitten dieser mit den Kriegen jener Zeit verbundenen, plötzlichen und gefährlichen Notlagen zeugte von jener Courage d’Esprit12, für die dieser tapfere Ritter herausragend war. Er ritt mit Können und Anmut. Er glänzte in der Verwendung des Schwertes – eine Wissenschaft, die in der schottischen Oberschicht zu dieser Zeit unermüdlich gepflegt wurde, denn es war die Waffe, mit der alle Streitigkeiten geklärt wurden und um dessen Entscheidung alle Ehrenleute anriefen. Oberst Robert Monro13, sein Freund und Klassenkamerad, spricht in seinem knappen und wertvollen Werk The Expedition immer von Hepburn mit dem höchsten Lob.
„Wir waren zusammen Kameraden in der Gefahr“, sagt der Oberst „und – für so lange miteinander vertraut – waren wir auch Kameraden in Zuneigung: Zuerst an der Hochschule, als nächstes bei unseren Reisen in Frankreich.“
Hepburn verließ die Schule in 1614. Aber an welcher Universität er studierte, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Es sei denn, er ließe sich identifizieren mit einem Joannes Hepburne, der zu Beginn des darauffolgenden Jahres am St. Leonard College der Universität in St. Andrews immatrikuliert war.14 Falls so, dann hat er nur für eine kurze Zeit studiert, denn gegen Ende des Jahres 1615 machte er eine Reise auf den Kontinent und besuchte mit Monro Paris und Poitiers. Sie studierten die Gewohnheiten und Sprachen der Länder, die sie passierten, und machten sich bekannt mit deren Geschichte und militärischen Institutionen.
Es ist ein populärer Trugschluss in Schottland, dass all die großen schottischen Generäle des Dreißigjährigen Krieges ungebildete Glücksritter waren. Aber wir sind bestärkt, sagt Lord Hailes, dass „Sir Robert Monro und Sir John Hepburn die bedeutenderen Vorteile des akademischen Studiums genossen, in ausländischen Landesteilen, wie auch zu Hause.“15
Es ist äußerst wahrscheinlich, dass es John Hepburn war, der am St. Leonards studiert hatte. Denn diese Universität wurde [im Jahr 1512] von einem Familienangehörigen gegründet, nämlich John Hepburne, Prior des Augustinischen Klosters und Sohn Adam Hepburns, zweiter Lord Hailes. Viele Studenten seines Namens studierten dort während der ersten zwanzig Jahre des siebzehnten Jahrhunderts. Einer von diesen, James Hepburn16, starb in Rom als Wächter der Vatikanischen Bibliothek. Nach einer Suche in den Manuskript-Akten der Universitäten sowohl von Edinburgh als auch St. Andrews konnte Robert Monros Name zwischen denen, die sich immatrikuliert hatten, nicht gefunden werden.
Uns wird gesagt, dass der aufsteigende Ruhm des Gustav Adolf, über dessen Charakter der junge Hepburn „häufige Belobigungen gehört hatte, in seiner Brust einen Funken militärischer Begeisterung entstehen ließ, der bis zu seinem Tod niemals erlosch.“ Und dass, kurz nach seiner Heimkehr vom Kontinent, sich ein Pfad öffnete für die militärische Nacheiferung der Schotten, nämlich durch den im Jahr 1620 unternommenen, beherzten Versuch, das Königreich Böhmen aus der Umklammerung des Hauses Habsburg zu retten.
Damals schlugen die Trommeln des tapferen Glücksritters Sir Andrew Gray17 für die Anwerbung von Rekruten, um ihm zu den Kriegen in Böhmen zu folgen. Mit den Kräften, die er erhoben hatte, errichtete er im Frühjahr 1620 ein Lager am Monkrigg, einer Liegenschaft der Hepburns in East Lothian und nicht weit entfernt vom ländlichen Dorf Athelstaneford.
Der Name des Sir Andrew Gray taucht öfters in der Geschichtsschreibung zur Zeit von James, dem Sechsten, auf. Als Katholik war er ausgesprochen widerwärtig gegenüber den schottischen Kirchenmännern. Im Jahr 1594 wurde „Hauptmann Andro Gray“ als ein Freund des Lord Home von der Generalversammlung zwischen Papisten und Verrätern eingeordnet.18 In der Schlacht von Glenlivet, wo am 3. Oktober desselben Jahres Argyll19 von den Gordons in einem heftigen Gemetzel besiegt wurde, kommandierte der Ritter und Oberst Andrew Gray die Artillerie des Earl von Huntly, die aus drei Feldschlangen bestand.20
Schottland
2 [vmqle: Abkürzung für umquhile = verstorben]
3 [Waughton Castle wurde vermutlich nach der Schlacht von Carberry Hill als Bestrafung von den King’s Men in den Besitz des Sir John Carmichael gegeben.]
4 [Dem Tor einer Burg vorgelagertes Verteidigungswerk]
5 Birrel’s Diary.
6 Haynes.
7 Pitcairn’s Crim. Trials.
8 Retours.
9 MS. Charter. Mag. Sig. 19th Julii 1618.
10 Letters and Stat. Papers of James VI., Nov. 1614.
11 Hist. of Royals, &c.
12 [cf. Carl von Clausewitz: ’Die Entschlossenheit ist ein Akt des Mutes in dem einzelnen Fall, und wenn sie zum Charakterzug wird, eine Gewohnheit der Seele. ’]
13 [Robert Monro von Obsdale, *1601, †1680]
14 Ich muss Rev. Principal Lee für diese Anmerkung danken.
15 Hailes, vol. iii.
16 [Father Bonaventura Hepburn, *1573, †1620 (oder 1621)]
17 [Sir Andrew Gray, *1574, †1629]
18 Booke of the Universall Kirk.
19 [Archibald Campbell, 7. Earl von Argyll, *1575, †1638]
20 Wodrow MSS., Spotswood Miscellany.
Der junge Hepburn schloss sich als Freiwilliger Sir Andrew Gray in dessen Lager am Monkrigg an. Kurz darauf erhielten sie dort eine Verstärkung von einhundertundzwanzig abgehärteten Mosstroopern21. Diese waren aufgrund von ihnen angefachter Unruhen vom Warden der Middle Marches22 verhaftet worden. Sie wurden im April von den Lords des schottischen Geheimen Rats als Soldaten an Sir Andrew übergeben.23
Diese vervollständigten seine Streitkräfte auf fünfzehnhundert Mann. Mit diesen schiffte er sich etwa gegen Ende Mai [1620] in Leith ein und segelte von dort nach Holland, en route nach Böhmen.24
Es gibt keine Möglichkeit, den genauen Weg zu ermitteln, auf welchem diese militärischen Abenteurer zu jenem Land voranschritten, von dessen Bergen die wilden Slawonen wie eine Sturzflut herabströmten, um einen Krieg gegen das Rittertum des Kaiserreichs zu wagen – in Verteidigung der bürgerlichen Freiheit und religiösen Unabhängigkeit. Es ist aber mehr als wahrscheinlich, dass sie sich einer kleinen Gruppe von Engländern anschlossen, die unter Sir Horace Vere25 ebenfalls in Holland gelandet waren. Diese überquerten den Rhein unterhalb von Wesel, um Spinola26 aus dem Weg zu gehen, dessen Truppen in Aix-la-Chapelle [Aachen] einquartiert waren.
Es war nicht ohne Gefahren und Schwierigkeiten, dass diese kleine Gruppe von [Veres] Männern so viele Länder passierte, um die Pfalz zu erreichen. In der Tat hätten sie den Versuch nicht gewagt, wenn nicht Heinrich-Friedrich, der Prinz von Nassau27, sie über Frankfurt geführt und so den wachsamen Spinola getäuscht hätte, der mit einer starken Streitkraft auf einer anderen Route wartete, um sie abzufangen.
Die Zeit war nun gekommen, dass die gegnerischen Ligen und die brennende Missgunst zwischen Katholiken und Protestanten Deutschland in den langen und zerstörerischen Dreißigjährigen Krieg tauchen sollten, über dessen Ursache hier einige Bemerkungen nötig sind.
In 1612 [1619]28 starb Kaiser Matthias, Bruder von Rudolf II. Die kaiserliche Würde schien an der Schwelle, von der alteingesessenen Linie der Habsburger abzufallen, als die Stimmen der Fürsten sich zu Gunsten des Erzherzogs von Graz, Ferdinand II., vereinten, des jüngeren Bruders [Vetters/Cousins] des Matthias. Daraufhin gab Maximilian, Herzog von Bayern, der mit ihm um den Thron des Kaiserreichs gestritten hatte, seine Ambitionen auf und unterstützte vornehm die kaiserliche Würde mit einem enormen Aufwand an Blut und Schätzen.
Voltaire sagt: „Eine Vereinigung zwischen zwei Zweigen derselben Familie hätte zu jener Zeit das Schicksal Deutschlands ändern können – das waren der Kurfürst [Friedrich V.] von der Pfalz und der Herzog von Bayern. Aber es gab zwei große Hindernisse gegen eine solche Union – die Nachfolge und der Unterschied in der Religion. Der Kurfürst von der Pfalz war ein Calvinist – der Herzog von Bayern ein Katholik. Der Kurfürst war einer der bedauerlichsten Fürsten dieser Zeit und verursachte all die langen Miseren in Deutschland.“29
Starke und in gewissem Sinn überbeanspruchte Ideen über bürgerliche und religiöse Freiheit durchfluteten zu jener Zeit den europäischen Kontinent. Die Österreicher, Ungarn und Böhmen waren alle gleichermaßen wachsam und eifersüchtig in Bezug auf ihre Privilegien. Als der kurz darauf verstorbene Kaiser Matthias bewirkte, dass Ferdinand von Graz zum König von Ungarn und Böhmen gewählt wurde, beschwerten sich diese Königreiche, dass ihren alten Vorrechten keine Beachtung geschenkt wurde. Und da die Religion keinen kleinen Punkt auf der Liste ihrer Beschwerden bildete, waren die anspruchsvollen Böhmer bald aufgebracht: Die Gewalt, auf die sie zurückgriffen, überstieg die Unterdrückung, über die sie sich beschwerten.
Statt die Protestanten zu beschwichtigen, bat der unbedachte Kaiser Ferdinand seinen Stellvertreter [in Prag], zu verhindern, dass die nächste Sitzung des Nationalrats ohne seine spezielle Genehmigung stattfand. Aber dieser Beamte war unfähig, den Befehl durchzuführen, denn die verärgerten Böhmer griffen nach den Waffen. Die Stände liefen während ihrer Versammlung im Kollegium von Karl V. als ein Ganzes in die Kanzlei, packten die Beamten des Kaisers, warfen sie aus dem Burgfenster, sechzig Fuß über dem Grund,30 und vertrieben die Jesuiten aus Prag. Die österreichischen Delegierten entkamen dem Sturz unbeschadet durch das Eingreifen der Madonna, wie eine kleine Pyramide die Nachwelt noch informiert.31
Ferdinands Entrüstung versagte, den böhmischen Protestanten Ehrfurcht einzuflößen. Jene waren schnell anspruchsvoll geworden und dachten, dass sie jedes Recht hätten, einen gewählten König abzusetzen. Deshalb machten sie dem Kurfürsten von der Pfalz, welcher Elizabeth Stuart, die Tochter des James VI. von Schottland geheiratet hatte, ein Angebot ihrer Krone.
Aufgehetzt von den Visionen eine Sehers, der wagte, dessen zukünftige Erhebung zum kaiserlichen Thron vorherzusehen, akzeptierte der schwache Kurfürst die Krone, angeboten – so wie sie war – von jenen, von denen er dachte, dass sie jedes Recht hatten, darüber zu verfügen. Er sandte den Baron Christopher d’Hona zu seinem Schwiegervater, um dessen Rat einzuholen. Aber ohne abzuwarten, dass er empfangen würde, bestrebt in seine neue königliche Würde einzutreten, stieß er mit einem kleinen Hauptteil an Truppen nach Prag vor. Dort wurde er am 4. November [1619] von den Protestanten zum König von Böhmen gekrönt.
Diese Maßnahme weckte die Aufmerksamkeit bei allen Fürsten Europas.
Kaiser Ferdinand II. und Kurfürst Friedrich IV. [V.] hatten beide ihre Freunde und Alliierten, die sich vorbereiteten, sie zu unterstützen. Währenddessen protzte der vorsichtige und gerissene James VI. damit, neutral zu sein. Er hoffte, dass die zwei Konkurrenten um Böhmen ihm – als Schiedsmann – eine Gelegenheit böten, jene Pedanterie und Weisheit zur Schau zu stellen, von der er so eingebildet war. Aber beide waren gleichermaßen eifersüchtig auf seine Einmischung: Ferdinand, weil er ein Abweichler war und der Schwiegervater seines Feindes. Friedrich, weil er sein Gebaren offen vor den englischen Ebenbürtigen missbilligt hatte.32
Hätte James dreist die Sache des Ehemanns seiner Tochter unterstützt und mit seiner Flotte Spanien und die Niederlande in Ehrfurcht gehalten, dann hätte der Kurfürst möglicherweise seine Krone bewahrt. Denn in seinem Namen hatten mehrere der deutschen Fürsten eine Armee aufgestellt und deren Befehl dem Markgrafen von Ansbach33 übergeben.
Die Revolte der Ungarn unter Bethlen Gábor34, Fürst von Transsilvanien, verärgerte den stolzen Kaiser immer noch mehr. Aber nun sprachen sich der Herzog von Bayern und die kirchlichen Kurfürsten von Mainz, Trier und Köln zu seinen Gunsten aus. Gleichzeitig versorgte ihn der Papst mit Geld, und der König von Spanien befahl seinen Streitkräften, die damals als die Erlesensten in Europa erachtet wurden, aus Neapel und Mailand zu dessen Unterstützung zu marschieren. Der Kurfürst hatte zehntausend Mann aus der Pfalz zusammengezogen und sie nach Böhmen gesandt, was den Kaiser daran denken ließ, in das vormalige Land einzumarschieren. In der Ausführung dieses Projekts warben der Erzherzog Albert und Philipp von Spanien in den Benelux-Ländern zwanzigtausend altgediente Infanteristen und viertausend Reiter an, die von dem weitberühmten Ambrose, Marquis von Spinola, kommandiert werden sollten.
Obwohl König James von den Holländern gewarnt wurde, dass diese Streitmacht sich daran setzte, in die Pfalz, das väterliche Erbe seines Schwiegersohns, einzuziehen, blieb er tatenlos. Die Kriegsvorbereitungen gingen weiter, und die Protestanten Schottlands und Englands waren gleichermaßen erstaunt und empört über diese Teilnahmslosigkeit ob der Gefahr, die seine Tochter und deren Ehegatten bedrohte. Dieses generelle Gefühl war besonders stark in Schottland, wo die Menschen die gute und sanfte Prinzessin Elizabeth als eine von sich betrachteten. Denn sie war im alten Palast von Falkland geboren worden und wurde großgezogen und ausgebildet von der Lady von Livingstone in der abgelegenen Stadt Falkirk in West Lothian.
So stark war die Erinnerung an ihre Liebenswürdigkeit und Schönheit, dass wir den tapferen Sir Andrew Gray – obwohl ein ”offenkundiger Papist”35 – in ihrer Sache Soldaten ausheben sehen. Eine Sache, für die Hepburn und andere bereitwillig ihr Schwert zogen.
James blieb distanziert. Er war empört, dass der Kurfürst die Krone Böhmens akzeptiert hatte, ohne auf seinen profunden Ratschlag zu warten. Und nur unter höchsten Schwierigkeiten konnten die Freunde seiner Tochter seine Erlaubnis bekommen, für den Krieg um Böhmen zweitausendundzweihundert englische Soldaten anzuwerben. Diese Streitmacht wurde befehligt von dem edelmütigen und altgedienten Ritter, Sir Horace Vere von Kirbyhall, der danach Lord Vere von Tilbury und Generalfeldzeugmeister war.
Nicht weniger auffallend durch seine Frömmigkeit wie durch seinen Mut wurde immer behauptet, dass „Lord Vere zuerst seinen Frieden mit Gott machte, bevor er hinausging, um Krieg mit den Menschen zu machen. Und er war stets weder begeistert vom Erfolg noch niedergeschlagen von der Kehrseite des Glücks.“36 Zum Ritter geschlagen für seinen Heldenmut bei der Einnahme von Cádiz [30. Juni 1596], hatte er mit Auszeichnung unter Prinz Maurice37 gedient. Er wurde eingesetzt bei jener ausweglosen Angelegenheit vor Sluis [Aug. 1604, 80-jähriger Krieg], wo unter Graf Wilhelm38 „das alte schottische Regiment in der Schlacht die Vorhut führte.“
Unter Sir Horace kommandierten Burroughs und Herbert als Generalmajore, während die Earls von Oxford und Dorset jeweils eine Kompanie von zweihundertfünfzig Freiwilligen führten.39 Am 9. Juli (zwei Monate, nachdem Sir Andrew Gray und seine Truppe von Leith abgesegelt waren) verließen diese Kräfte Gravesend.40
Es dauerte bis zum 1. Oktober [1620] bis diese schottischen und englischen Hilfstruppen sich einem Teil der böhmischen Armee anschlossen, bestehend aus viertausend Reitern und sechstausend Fußsoldaten, denn der Markgraf von Ansbach hatte noch nicht seine gesamte Ausrüstung zusammengebracht. Davor war der Marquis von Spinola, der Befehl hatte, Krieg gegen all die Anhänger des Kurfürsten zu führen, aus Brüssel abmarschiert und in die Pfalz eingedrungen. Bevor Sir Andrew Gray oder Sir Horace Vere dorthin gelangen konnten, hatte der Marquis sich zum Herren über etliche kleine Orte gemacht. In einem stattfindenden heftigen Scharmützel waren aber die Truppen des Kurfürsten erfolgreich. Bereit anzugreifen, blieben danach die beiden Armeen lange in Sichtweite voneinander, aber es ergab sich keine generelle Aktion.
Im Monat September liefen der Herzog von Bayern, der Kurfürst von Sachsen und Spinola – alle mit dem Auftrag, die kaiserliche Autorität durchzusetzen – mit voller Zuversicht und Entschlossenheit auf. Während der Kurfürst von Sachsen an der Spitze von zwanzigtausend Mann über die Lausitz fegte und vor Ende Oktober das ganze Land erobert hatte, unterwarf der Herzog das gesamte Oberösterreich und hatte sich zu Beginn des Monats September mit dem Grafen von Bucquoi41 vereinigt, der die Kaiserlichen in Böhmen befehligte.
Während dieser Kampagnen erhielt der junge Hepburn – damals etwa im zwanzigsten Lebensjahr – durch Kriegsglück und seinen eigenen Heldenmut den Befehl über eine Kompanie von Pikenieren [Spießgesellen] in Sir Andrew Grays Truppe, die in 1620 und für einige Zeit vor der verhängnisvollen Schlacht bei Prag eingesetzt wurde, die Person des Königs von Böhmen zu bewachen.
Unter seinen ritterlichen Kameraden, die ihre von Heide überzogenen Hügel verlassen hatten, um Ruhm und Glück in den Deutschen Kriegen zu suchen, waren nur wenige waghalsiger als einer mit Namen Edmond42, der Sohn eines Bürgers aus Stirling. Bei einer Gelegenheit durchschwamm er ohne Rüstung und mit dem Schwert zwischen seinen Zähnen die tiefe und reißende Donau vor den österreichischen Linien, stahl sich zwischen den Wachposten hindurch, und drang – begünstigt durch die Dunkelheit der Nacht – bis genau in das Herz des kaiserlichen Lagers vor. Durch diese kunstvolle Kriegslist und eine dortige Kraftanstrengung von höchstem Mut und körperlicher Kraft knebelte, fesselte und trug er ihren General, den großen Herzog de Bucquoi, fort. Er überschritt wieder den Fluss und überreichte ihn als einen Gefangenen dem Prinzen von Oranien, dem Verbündeten Böhmens.
Für diese und ähnliche Taten erhielt er bald den Rang eines Obersts und erwarb großen Wohlstand, den er großzügig mit seiner Verwandtschaft zu Hause teilte. Denn sie waren alle arm und lebten in den bescheidensten Umständen. Niemand stand höher in der Gunst des Fürsten Moritz als Oberst Edmond. Es wird berichtet, dass er, als er eines Tages an einer öffentlichen Parade stand, umgeben von einer Zahl funkelnder Ritter und Offiziere von hohem militärischen Rang, von einem Fremden angesprochen wurde: Dieser erklärte, um Edmonds gefällige Aufmerksamkeit zu bekommen, dass er kürzlich aus Schottland gekommen sei, wo er seine Verwandtschaft wohl gelassen habe. Er schloss ab, indem er mehrere Personen von hohem Rang beim Namen nannte.
„Hinweg, Sir!“, antwortete Edmond entrüstet, als er sich von ihm abwendete hin zu der vergnügten Gruppe um ihn herum. „Ich kenne diese Person nicht, die kommt, um meiner Eitelkeit zu schmeicheln. Denn ich muss Ihnen sagen, Sirs, falls Sie es nicht schon wissen, dass ich die Ehre habe (und ich soll immer stolz darauf sein) der einzige Sohn eines ehrlichen Bäckers und ein freier Mann zu sein, aus der alten Bürgerstadt von Stirling.“
Dann befahl er dem beschämten Fremden, sich zurückzuziehen. Unter dem Prinzen von Oranien und nachher unter Gustav Adolf [zeitlich nicht plausibel], sammelte er großen Wohlstand an. Gegen Ende seines Lebens kehrte er zurück, um in seiner Heimatstadt zu sterben, wo er ein hübsches Haus für den Pfarreiseelsorger baute und in dessen östliche Giebel die Waffen des Bäckers, nämlich drei Brotschieber, platzierte, die aber im Jahr 1710 entfernt wurden. Seiner Tochter [Gertrat Edmond], die Sir Thomas Livingstone, Baronet von Newbigging/Jerviswood, heiratete, ließ er ein herrliches Vermögen.43
Unter den schottischen Rittern, die in diesen Kriegen dienten, waren Robert, George und James Haig, die drei Söhne des John Haig von Beimerside und seiner Frau, Elizabeth Macdougal von Stodrig, die Amme der Königin von Böhmen war, als jene noch Prinzessin Elizabeth war. Alle diese drei starben in ihren Rüstungen, ritterlich kämpfend für ihre unbescholtene Pflegeschwester.44
Die verfeindeten Armeen setzten fort, sich zu beobachten und zu manövrieren. Inzwischen wurde das Wetter bald so rau, dass die verbündeten Fürsten ihre Truppen nach Hause führten. Sie ließen die Schotten und englischen Hilfstruppen als Garnison in den befestigten Städten. Sir Horace Vere kommandierte Mannheim, Sir Gerard Herbert in der Burg von Heidelberg und Stabsoffizier Burroughs in Frankenthal, einem befestigten Kloster und Mitgift der Prinzessin Elizabeth. Herbert wurde erschlagen, als er einen Angriff abwehrte, nachdem er sechs Piken mit seiner eigenen Hand abgebrochen hatte.45 Bald darauf nahmen die Kaiserlichen Mannheim ein. Sir Horace händigte die Stadt an Graf Tilly46 aus. Seine Soldaten marschierten heraus mit präsentierten Fahnen und erhobenen Piken.
Zu dieser Zeit hatte Hepburns alter Freund, Robert Monro, sich dem Beruf der Waffen verschrieben und diente in Frankreich als privater Ehrenmann in des Königs Garderegiment. Er erzählt uns eine Anekdote aus seinen frühen Erfahrungen des Soldatseins, die uns heftig an jene Passage in Legend of Montrose erinnert, wo Dugald Dalgetty Lord Menteith berichtet, auf welche Weise er ”die Regeln des Dienstes so fest gelernt hat” unter dem alten Sir Ludovick Leslie, der häufig in diesen Memoiren genannt werden wird.
„Einmal musste ich in meinen jüngeren Jahren am Tor des Louvre in Paris stehen, weil ich am Morgen geschlafen hatte, als ich bei meiner Truppenübung hätte sein sollen. Als Strafe, musste ich von elf Uhr vor Mittag bis acht Uhr in der Nacht als Wachposten stehen, bewaffnet bis an die Zähne mit Brust- und Rückenpanzer, Kopfbedeckung, Armschutz aus Eisen, an einem heißen Sommertag, bis ich meines Lebens überdrüssig war, was mich für alle Zeit strenger machte in der Bestrafung derer, die unter meinem Kommando standen.“
21 [’Räuber’: Entlassene oder desertierte schottische Soldaten (üblicherweise aus dem Krieg der drei Königreiche 1644-1651)]
22 [Wächter über das mittlere Grenzgebiet zwischen Schottland und England]
23 Balfours ’Annales’.
24 David Calderwoods ’The Historie of the Kirk of Scotland’.
25 [Horace Vere, 1. Baron Vere von Tilbury, *1565, †1635]
26 [Ambrosio Spinola Doria, Marqués de los Balbases, *1569, †1630]
27 [Friedrich Heinrich von Oranien, *1584, †1647]
28 [1612 ist das Todesjahr Rudolfs II.]
29 Essays on Universal History.
30 [Zweite Prager Defenestration, 23. Mai 1618]
31 Siehe Spencers ’Germany’.
32 Rushworth.
33 [Joachim Ernst von Brandenburg-Ansbach, *1583, †1625]
34 [Gabriel Bethlen von Ikar, *1580, †1629]
35 David Calderwood.
36 Thomas Fullers ’The History of the Worthies of England’.
37 [Moritz von Oranien, Graf von Nassau-Dillenburg, *1567, †1625]
38 [Wilhelm Ludwig Graf von Nassau-Dillenburg, *1560, †1620]
39 Wilsons ’Annals of James I’.
40 Camden.
41 [Charles Bonaventure de Longueval, Count Bucquoy, *1571, †1621]
42 [William Edmonds, Sohn eines Bäckers, später Oberst, gestorben 1606 bei der Verteidigung von Rheinberg]
43 Doug. Peerage. Sir Thos. Urquhart’s Works. Sir Rob. Sibbald, etc.
44 Douglas’ Baronage.
45 Wilson, fol. 1653.
46 [Johann T’Serclaes Graf von Tilly, *1559, †1632]
Mehr Ehre erfahrend als ihre englischen Kameraden, bewachten die Schotten des Sir Andrew Gray den König von Böhmen bis nach der Schlacht von Prag, wo ihn am 8. November 1620 seine Verwandtschaft Maximilian, Herzog von Bayern, an der Spitze der kaiserlichen Truppen besiegte und ihn an einem Tag vom Königreich Böhmen und dem Kurfürstentum Pfalz entkleidete. Viertausend Böhmer wurden erschlagen. An diesem Tag begann – im bitteren Ernst – der lange und schreckliche Krieg von Dreißig Jahren. Dort, am Weißen Berg, wurden der Kurfürstenhut und die angebotenen Krone von seiner Stirn gerissen. Da er – wie zu viele seines Menschenschlags – besser auf ein Bankett passte als auf das Schlachtfeld, floh der Kurfürst wie ein Feigling in die Ebenen Schlesiens und dann sukzessive nach Dänemark, nach Holland, nach England und nach Frankreich. Seine Königin, Elizabeth Stuart, ertrug große Mühsal in dieser rasanten Flucht. Als sie gezwungen war, den großen, schwerfälligen Reisewagen zu verlassen, in dem sie der Armee gefolgt war, sprang sie auf einen Pferderücken hinter Fahnenjunker Hopton47, einem jungen Ritter aus guter Familie, der ”eine Pike schleppte [to trail a pike]”, wie die Redewendung in der englischen Truppe des Sir Horace Vere war.
Er beförderte sie nach Breslau. Bis an sein Lebensende war es die stolzeste Prahlerei des Fahnenjunkers, dass er in ihrer traurigsten, äußersten Not „der schottischen Königin von Böhmen gedient und sie beschützt hatte.“48
Vom Fürsten verlassen, dessen Schicksal sie gefolgt waren, bildete Sir Andrew Grays Truppe schließlich einen Teil der von Graf Ernst von Mansfeldt49 gesammelten Kräfte, unter dem sie viele brillante Aktionen durchführten. Nachdem sie sich aus der Pfalz zurückgezogen hatten, wurden sie in Deutschland und im Elsass eingesetzt.
In 1622 verteidigten die schottischen Kompanien unter den Obristen Sir Andrew Gray und Henderson sowie die Hauptmänner John Hepburn und Hume Bergen-op-Zoom, die starke Festung, die den Verkehr zwischen Holland und Zeeland sicherte und den Weg nach Spanisch-Brabant abriegelte. Sie hatte hohe Mauern und tiefen Schützengräben, flankiert von Halbmonden und anderen Befestigungen. Ein starker Halbmond zeigte in Richtung der Straße nach Antwerpen. Der [Fluss] Zoom füllte die tiefen und starken Gräben der Stadt. Sie strotzte mit vielen grimmigen Reihen von eisernen Geschützen. Elf andere Forts lagen zwischen ihr und der See, verstärkt mit Palisaden und so vielen Batterien, dass die Holländer Bergen als unbezwingbar erachteten.50
Im Sommer dieses Jahres belagerte der Marquis von Spinola, der dreißigtausend Mann zurückgelassen hatte, um die eroberte Pfalz in Furcht zu halten, diese Stadt, und bestürmte sie mit all seiner Energie. Der Kanonenbeschuss begann am 23. Juli [1622]. Baglioni [Paolo Baglioni] griff sie im Süden an, und Borgia [Dom Innigo de Borgia] im Norden. Die Garnison traf sie in den Breschen, und die schottischen Truppen kämpften tapfer.
Einer ihrer Offiziere, Oberst Sir John [Robert] Henderson (Sohn des Gutsherren von Fordell in Fifeshire)51, wurde hier erschlagen. Er hinterließ eine vielköpfige Familie in Schottland. Aufgrund eines Vermächtnisses bevor der Todesschuss ihn traf, wurde all sein Geld und Gut unter ihnen geteilt.52
Dort auch „gab ihnen der alte Morgan53 mit seiner englischen Brigade alle Hände voll zu tun. Viele der Feinde fielen auf jeder Seite. Denn es war ein großer Nachteil für lebendige Körper, gegen tote Mauern zu kämpfen.“54
Die Garnison feuerte „zweihunderttausend Kanonenschüsse“ auf die Spanier, die beim Anrücken des Fürsten Moritz (in dessen Armee der große Turenne zukünftiger Schlachtfelder als ein untergeordneter Offizier diente) gezwungen waren, die Belagerung aufzuheben und sich zurückzuziehen. Sie ließen zwölftausend Mann hinter sich erschlagen in den Gräben.55
Der Kurfürst, nun ein Flüchtender, entließ auf den dumpfen Ratschlag seines Schwiegervaters James VI. hin seinen einzig wahren Verteidiger, den Grafen Mansfeld. Er erwartete in Holland sein eigenes Schicksal in der Gnade des siegreichen Kaisers, mit dem alle Fürsten der Union Frieden geschlossen hatten. Somit ließ er alle diese Glücksritter, die Mansfeld aus der Pfalz geführt hatte, gleicherweise mittellos an Zweck, Bezahlung und Anstellung. Dieser umherstreifende Adlige hatte nun unter seinem Banner eine starke Streitkraft von vielen Tausend, alles gut gerüstete und wohltrainierte Männer – entschlossen, zielstrebig und gewöhnt an jedes harte Vorkommnis im Krieg.
Nicht einzig die Sache des besiegten Kurfürsten hatte diese Condottieri [Söldnerführer] das Schwert ziehen lassen. Genauso wenig konnte sein Befehl, sie zu entlassen, sie dazu bringen, es wieder einzustecken. Krieg war ihr Zweck, und es war ziemlich dasselbe für die meisten von ihnen, mit wem oder gegen wen sie ihn führten.
Somit war die protestantische Religion fast vollständig aus Böhmen entwurzelt. Die kurfürstliche Würde war der Pfälzer Herrscherfamilie entrissen. Bis zu dem Zeitpunkt, dass Gustav sein Schwert zog, waren die Rechte Deutschlands damit zu Fall gebracht. Die kunstvolle Politik der Spanier hatte König James so schnell in den Schlaf gewiegt, sagt Welwood, dass man äußerte, „dass weder die Schreie seiner Tochter noch ihrer Kinder, noch die dringenden Bitten seiner Leute ihn wecken konnten.“56
Unter Gray und Hepburn blieben die Schotten bei Mansfeld. Nach einigen vergeblichen Versuchen, mit seinen umherstreifenden Truppen unter den Bannern jenes Kaisers empfangen zu werden, gegen den sie zuvor Krieg geführt hatten, marschierte er ohne jegliches Ziel nach Lothringen. Dort riefen ihre Exzesse einen Schrecken hervor, der sogar das Herz von Paris ergriff. In Lothringen warteten sie lange auf einen Anführer, der ihre Schwerter und Kriegsdienste erwerben wollte, bis die Dänen – schmerzlich bedrängt von den Spaniern unter Spinola – anboten, sie auf ihre Gehaltsrolle zu nehmen. Daraufhin marschierten diese Glücksritter mit schlagenden Trommeln und fliegenden Fahnen in Ausgelassenheit in Richtung der reichen Niederlande.
„Die Mansfelder waren zwölftausend Mann stark – Reiter und Fußsoldaten.“ Die Kavallerie hatte nur Pistolen, die Fußtruppen hatten Musketen, aber da war kaum eine Pike oder ein Oberkörperpanzer unter ihnen, denn die Notwendigkeit hatte viele dazu gezwungen, sich ihrer Waffen und Rüstungen zu entledigen. Um diese gefährlichen Gäste davon abzuhalten, nach Flandern einzudringen, schob Spinola eine schlagkräftige Streitmacht nach vorne, die sie bei Fleurus im Hennegau abfing, acht Meilen von Namur. Dort ergab sich am 30. August 1622 eine höchst blutige Schlacht, für die belegt ist, dass die schottischen Truppen, angeführt von den Hauptmännern John Hepburn, Hume und Sir James Ramsay, die höchste Tapferkeit an den Tag legten.
Unter den zwei herausragenden Rittern Verdugo57 und Gonzales de Cordova58 waren die Spanier nahe der Sambre gut postiert. Sie waren aller Entschlossenheit, den Vormarsch der Söldner Mansfelds zurückzustoßen.
Als der Letztgenannte bemerkte, dass der Konflikt unvermeidbar war, stellte er seine Soldaten in Schlachtordnung auf und ermahnte sie dazu, den Gegner zu bezwingen oder zu sterben. Halb bewaffnet und fast gänzlich hungernd sah es nach einem voreiligen und verwegenen Versuch dieser militärischen Streuner aus, die vorzüglich ausgerüsteten und wohldisziplinierten, frisch aus ihren Quartieren bei Brüssel kommenden Truppen der Spanier anzugreifen. Doch vollständig in Rüstung gehüllt führten sie Mansfeld und der ritterliche Bischof von Halberstadt59 zum Angriff. Wunderdinge von Heldenmut wurden im Anschluss vollbracht. Mansfeld übertraf sich selbst, und der kämpfende Bischof verlor seinen Zügelarm [linker Arm] durch eine Musketenkugel.
„Viele Ehrenmänner, sowohl Engländer wie Schotten, verhielten sich tapfer – aus Liebe zur Königin von Böhmen. Sie ließen die Spanier wissen, dass es mehr als ein gewöhnliches Gefecht war, in dem sie sich begegneten. Unter ihnen war Sir Charles Rich, Bruder des Earls von Warwick, eine Hauptperson. Sir James Hayes, Knevet, Hume, Heiburn und andere Befehlshaber eiferten allesamt im gemeinsamen Wettstreit der Unerschrockenheit.“60
Die Spanier blieben die Herren des Schlachtfelds. Aber Mansfelds Rückzug war gleich einem Sieg, denn er brach durch die glitzernden Reihen des Cordova und erreichte die Grenze trotz aller Anstrengung, ihn davon abzuhalten. Nach Holland eintretend zwang sein Auftauchen Spinola dazu, die neuerliche Belagerung von Bergen-op-Zoom aufzuheben. Mansfeld erlaubte seinen Truppen, sich für neue Unternehmungen in den gemütlichen Städten und friedlichen Dörfern Ostfrieslands zu erholen. Dort ermüdete deren freie Unterkunft selbst die geduldigen Holländer, denn die Soldaten lebten mit dem Besten von allem und zahlten alle ihre Schulden mit einem Wirbel auf der Trommel.
Er trieb sich für einige Zeit an den Ufern des Niederrheins herum, wo aufgrund fehlender Bezahlung und Anstellung seine Armee bald in Stücke zerfiel und im Jahr 1623 vollständig aufgelöst wurde.