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Vorwort

Was wäre, wenn Sie drei Wünsche frei hätten? Wie groß darf ein Wunsch sein? Reicht es, ihn auszusprechen, oder müssen wir etwas dafür tun? Wie können wir die Angst vor Enttäuschung loslassen und stattdessen zuversichtlich und selbstbewusst mit Wünschen umgehen?

Einfache und lebensnahe Antworten gibt die Bhagavadgita, eine 2000 Jahre alte wichtige Lehrschrift des Yoga. Sie ist der Kern meiner beratenden Arbeit als Yogalehrer und Inspiration für dieses E-Book. Die Bhagavadgita lehrt: Sich etwas innig zu wünschen, sich mit ganzem Herzen dafür einzusetzen und dann den Wunsch loszulassen, ist ein sicherer Weg zu mehr Selbstbewusstsein und innerem Frieden. Sie half mir, Menschen zu motivieren, zu ihren Wünschen zu stehen, sich von Erwartungen zu lösen und letztlich Erfüllung zu finden. Möge dieses Buch auch Ihnen helfen, Ihre Wünsche und Ziele zu klären und zu realisieren.

R. Sriram

Über das Wünschen

Das Wünschen ist der Anfang aller Kreativität. Wenn du dir etwas wünschst, dann tue das von ganzem Herzen, denn die Kraft des Wünschens ist mächtig. Sie lässt dich das Deine tun, um den Wunsch zu verwirklichen. Sie hilft dir, an dich zu glauben, loslassen und vertrauen zu lernen und so inneren Frieden und Erfüllung zu finden.

Wünsche dir alles!

Das Leben ist ein Wunder. Es gibt uns fast alles, was wir uns wünschen. Nicht unbedingt sofort oder zum von uns bestimmten Zeitpunkt. Dennoch: Die Kraft des Wünschens ist immens und lässt im Laufe unseres Lebens viele Träume wahr werden. Anders als die Gier, die zu einer Falle werden und in Frustration enden kann, ist das Wünschen ein edles Recht, das uns Antrieb und Hoffnung gibt und das Leben lebenswert macht. Ob es um Gesundheit, materielles Wohl, beruflichen oder privaten Erfolg geht – wir können viele Wünsche Wirklichkeit werden lassen. Ist der Wille gepaart mit einer gesunden geistigen Einstellung, wird der Weg für die Wunscherfüllung frei.

Ich bin überzeugt: Wenn wir uns etwas VON GANZEM HERZEN wünschen, werden wir es bekommen. Diese Überzeugung war für mich selbst nicht nur eine Erfolgsformel, sondern auch eine Kraftquelle. Sie gab mir den Mut und die Zuversicht, schwierige Entscheidungen zu treffen oder Beziehungskonflikten zu begegnen. Oft verband sie mich mit einer inneren Lichtquelle, deren Schein meine wirren Gedanken durchdrang und alles wieder sortiert, ruhig und positiv wirken ließ. Dann fühlte ich mich mit meiner kindlichen Seele verbunden, die den Kosmos und seine Regeln akzeptiert, respektiert und liebt. In solchen Momenten wuchs auf schöne, uneitle Weise mein Selbstwertgefühl.

Wie Zuversicht entstehen kann

Wie können wir darauf vertrauen, dass innige Wünsche sich tatsächlich verwirklichen lassen? In meiner Heimat Indien wird das Wünschen sehr ernst genommen: Die Menschen gehen zu den Göttern in den Tempeln, zu Älteren, Lehrern, Heilern, Wahrsagern, Zauberern oder Hexen. Der inständig ausgesprochene Wunsch in Anwesenheit von jemandem, der nicht nur die Worte, sondern auch das Gefühl dahinter bezeugt, ist für sie ein wichtiger Schritt in Richtung Ziel. Sie fühlen sich angenommen, gewinnen Zuversicht und mehr Vertrauen in die eigene Kraft. Das Gefühl des Angenommenseins ist so wertvoll, dass das Begehren nachlässt und sie große Gelassenheit gegenüber ihren Vorstellungen entwickeln. Wer diese Gelassenheit gewinnt, nimmt seine Wünsche auf neue Weise wahr. Sie werden reell, greifbar und klar, damit rückt ihre Erfüllung näher.

Dies hat sich auch für mich und meine Arbeit als Yogalehrer in Deutschland als sehr hilfreich erwiesen, denn genau diese ENTSPANNTE, ABER RESOLUTE HALTUNG gegenüber den eigenen Wünschen ist für viele Menschen, mit denen ich hier in Europa arbeite, heilsam. Das hat sich in meiner über 30-jährigen Erfahrung als Yogalehrer, davon 22 Jahre in Deutschland, immer wieder bestätigt. Ein Großteil dieser Lehrtätigkeit fand als Privatunterricht statt, um besser auf die besonderen Bedürfnisse und Wünsche des Einzelnen eingehen zu können, was dem Stil meiner beiden Lehrer Sri T. K. V. Desikachar und Sri T. Krishnamacharya entspricht. Die Gespräche über Herzenswünsche und Ziele in meinen Unterrichtsstunden waren wichtig für die Entwicklungsprozesse, die ich in vielen Menschen ausgelöst habe.

So werden Wünsche wahr

Kein Ziel oder Wunsch ist falsch, nur sollten wir uns oft erst einmal die Voraussetzungen genau anschauen. Nehmen wir zum Beispiel den einfachen Wunsch, einen Fahrradschlauch aufzupumpen. Wenn der Schlauch einen Riss hat, hilft es nicht, kräftiger zu pumpen. Ähnlich vergeblich wird ein Lungenkranker versuchen, tief Luft zu holen. Sein Wunsch nach tiefem Atmen ist angemessen und realistisch. Aber wie kann er ihn verwirklichen, wenn er sich an eine verkrampfte Atemtechnik gewöhnt hat und sein Zwerchfell verspannt ist? Einer meiner ersten deutschen Schüler war ein Mann, der unter diversen Krankheiten seelischer und körperlicher Natur litt. Die Kurzatmigkeit aber war sein größtes Problem. Nichts wünschte er sich mehr, als endlich tief durchatmen zu können. Er hatte eine Vorstellung davon, wie sich ein guter Atem anfühlt. Diese Vorstellung war jedoch von seiner Asthmaerkrankung geprägt und folglich alles andere als richtig. Er musste erst einmal lernen, vollständig auszuatmen, denn nur durch das Loslassen der Luft konnte der Weg frei werden für eine tiefe Einatmung. Nur indem er seinen Wunsch losließ, wurde dessen Verwirklichung möglich. Auf diese Weise konnte er lernen, sein Thema so entspannt anzugehen, dass das Atmen wie im Normalfall von allein geschah.

Als Erstes geht es also um KLARHEIT darüber, was man wirklich will, sodass man die passenden Schritte dorthin festlegen kann. Zweitens geht es um eine GELASSENE, ZUVERSICHTLICHE HALTUNG, mit der man sich ausgerichtet, aber entspannt am Entwicklungsprozess beteiligt. Auf diese Weise werden Wünsche wahr.

Das Fundament für dieses E-Book

Schon als stiller, unsportlicher Junge verbrachte ich viel Zeit damit, Menschen zu beobachten. Meine Wahrnehmungen fanden später ein solides Fundament in der »Bhagavadgita«, einem Buch über die Yogaphilosophie. Erstmals begegnete ich ihr in meiner Kindheit. Mein Großvater, den ich verehrte und fürchtete und der mit 102 Jahren als vitaler Mensch starb, las jeden Tag in diesem alten, in Sanskrit verfassten Werk aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. Der Eifer und die Ehrfurcht, mit der er während seines morgendlichen Rituals laut aus dem Buch las, beeindruckten mich nachhaltig. »Was ist das für ein Buch?«, fragte ich mich damals. Als ich 30 wurde, studierte ich es schließlich selbst bei meinem Lehrer und lernte, es zu rezitieren. Dieses Werk ist eine wichtige Grundlage für den beratenden Teil meiner Arbeit.

Die Bhagavadgita

Sie ist eine der bekanntesten Schriften der alten indischen Kultur und neben dem Yoga-Sutra des Patañjali das wichtigste Buch über die Yogaphilosophie. In Form eines Dialogs zwischen einem Schüler (Arjuna) und seinem Meister (Krishna) vermittelt es, wie Spiritualität in den Alltag integriert werden kann. Der Meister in Gestalt des Wagenlenkers symbolisiert hier die göttliche Seele, die ihren Gast, der unterwegs auf dem Weg des Lebens ist, nur allzu gut kennt.

Die Geschichte von Arjuna


Prinz Arjuna gilt als der beste Kämpfer des Reichs. Eines Tages sitzt er in seinem Streitwagen auf dem Schlachtfeld, das Gefecht soll beginnen – doch plötzlich zweifelt er zutiefst am Sinn des Ganzen und will sich dem Kampf entziehen. Da wendet sich Krishna, sein Freund und Wagenlenker, an ihn und spricht, dass nun die Zeit gekommen sei, die Spiritualität in sein Leben und Tun zu integrieren. In einem liebevollen Gespräch überzeugt er Arjuna, dass dies der einzige Weg sei, die tiefen Lebenserfahrungen zu machen, die er suche. Und er offenbart ihm, wie er seinen innigen Wunsch nach Frieden verwirklichen kann, selbst wenn er mitten im Zentrum eines großen weltlichen Konflikts steht.

Weisheiten von großer Aktualität

Auch für moderne Menschen steht diese Frage an erster Stelle: Wie finde ich mehr Frieden in meinem Leben und werde im Alltag gelassener? Die Bhagavadgita gibt darauf nach wie vor gültige Antworten. Deshalb ist sie immer noch das wichtigste Buch für die meisten Gelehrten und Meister Indiens und ein oft zitierter Lebensratgeber. Mahatma Gandhi zum Beispiel bezog sich während seines politischen, sozialen und spirituellen Kampfes immer wieder darauf. Viele westliche Philosophen und Schriftsteller haben über den einmaligen Wert dieses Werks gesprochen – unter anderem der Philosoph Arthur Schopenhauer, der Wissenschaftler Wilhelm von Humboldt und der Schriftsteller Hermann Hesse. Heutzutage gibt es in allen indischen Großstädten täglich Vorträge über die Bhagavadgita. Sie sprechen unzählige Menschen an – junge, alte, einfache, wohlhabende, moderne und traditionell eingestellte Inder, die Erfolg im Leben und Beruf anstreben, Antworten auf soziale oder politische Fragen suchen oder Frieden im Familienleben vermissen. Die Vortragenden haben den Text im Sanskrit-Original studiert und wissen, wie sie ihn in moderner Sprache präsentieren und seine zeitlose Bedeutung erfahrbar machen können, denn das 2500 Jahre alte Werk ist hochaktuell!

Im vorliegenden E-Book finden Sie viele Zitate aus der Bhagavadgita, zum größten Teil in meiner Übertragung. Vor allem aber basieren die Übungsschritte für einen erfolgreichen Umgang mit Wünschen auf der Bhagavadgita. Somit sind meine eigenen Lehr- und Lebenserfahrungen sowie die Bhagavadgita die Grundlage für dieses E-Book.

Unsere vielseitigen Wünsche

Was sind das überhaupt für Wünsche, die wir im Leben haben? Und warum sehnen wir uns nach all dem? Laut indischer Philosophie geht es beim Wünschen letztlich um folgende vier Lebensbereiche:

Wünsche in Bezug auf die Tätigkeit

Jeder sucht nach Geltung und Selbstausdruck im Leben. Wir wünschen uns beruflichen Erfolg nicht nur, weil wir Geld und Komfort anstreben, sondern vor allem, weil wir anerkannt werden und unseren Platz in der Welt definieren möchten. Deshalb wünschen wir uns auch eine stabile Gesundheit: nicht nur, um leidensfrei zu leben, sondern um so vital zu sein, dass wir unsere Fähigkeiten kultivieren können.

Materielle Wünsche

Wir streben nach materiellen Gütern, um eine stabile und sichere Lebensgrundlage zu schaffen – für uns selbst, die Menschen, die mit uns leben, und unsere Nachkommen. Wir möchten unser Umfeld schön und komfortabel gestalten, um eine angenehme Atmosphäre zu kreieren, in der wir uns rundum wohlfühlen können. Ein typischer Wunsch ist der nach den eigenen vier Wänden, nach eigenem Grund und Boden, um sich zugleich frei und zugehörig zu fühlen.

Der Wunsch, zu lieben und geliebt zu werden

Wir sind gesellige Wesen, die vom ersten Tag an liebevolle Zuwendung und die Begegnung mit anderen Menschen suchen. Unser Überleben und Fortbestand sind davon abhängig. Mehr als alle anderen Kreaturen haben wir durch unsere Sprachen und einen differenzierten emotionalen Ausdruck eine ganze Welt von Kommunikationsmöglichkeiten geschaffen. Ein zärtliches, liebevolles Zusammenleben ist uns sehr wichtig. Der typische Wunsch ist hier der nach einem Partner oder einer Partnerin, mit dem oder der man sich auf der gleichen Wellenlänge körperlich, emotional und geistig austauschen kann.

Der Wunsch nach innerem Frieden

In Zeiten des Alleinseins – zum Beispiel wenn wir uns zu entspannen versuchen, allein unterwegs sind oder über uns nachdenken – wird uns manchmal klar, wie sehr wir uns nach innerem Frieden sehnen, nach Momenten der Ruhe und Stille. In solchen kostbaren Momenten können wir uns mit Lebensenergie aufladen und dem Sinn des Lebens näherkommen. Sie ermöglichen uns die Erfahrung, glücklich und angstfrei zu sein und uns mit der Welt verbunden zu fühlen. Dass solche Zustände jederzeit abrufbar sind, ist ein etwas verkannter, aber großer Wunsch von uns allen. Typisch dafür ist die Sehnsucht, den Frieden in und um sich in seiner ganzen Tiefe zu spüren.

Der Weg zur Erfüllung in fünf Schritten

Wünsche werden nicht wahr, bloß weil wir sie haben. Für ihre Erfüllung ist unser Zutun unerlässlich. Dabei sollten wir gar nichts erwarten. Wir müssen loslassen, dürfen aber dennoch sicher sein, dass wir Erfolg haben werden. Der Weg vom Wunsch zum Erfolg besteht aus fünf Schritten, die jeweils eine Weile begangen – und dabei geübt – werden sollten. DIESE FÜNF ÜBUNGSSCHRITTE GEBEN UNS HALT, SIND HILFREICHE BEGLEITER UND FÜHREN SICHER ZUM ZIEL. Sie sind in den folgenden Kapiteln ausführlich beschrieben. Meditative Übungen helfen uns, unsere Stärken und Schwächen aus einer klärenden Distanz zu sehen. Zahlreiche Fallbeispiele veranschaulichen, wie man die Übungsschritte ins Leben integrieren kann.

Es sind Übungsschritte, die alle mit einer bestimmten geistigen Einstellung zum Leben zu tun haben. Sie sind einfach nachvollziehbar, erfordern jedoch, dass wir resolut und konsequent dabei sind. Sie bauen aufeinander auf, stärken sich aber auch gegenseitig im Übungsprozess. Das heißt, wenn Sie mit einem Übungsschritt nicht so gut zurechtkommen, den nächsten aber umso besser beherrschen, dann gibt das auch dem vorherigen Schritt mehr Kraft. In diesem Kapitel stelle ich Ihnen die fünf Schritte kurz vor, die Sie zu Ihrem Ziel führen können:

  1. Formuliere deinen Wunsch! Alles steht dir offen.
  2. Setz dich für deinen Wunsch ein! Du kannst es.
  3. Sei stolz auf deine Verantwortung! Zu geben macht glücklich.
  4. Vertraue auf deine kreative Kraft! Dein Potenzial ist grenzenlos.
  5. Lass deine Erwartungen los! So erfährst du wahre Freiheit.

1. Formuliere deinen Wunsch! Alles steht dir offen

JEDER KANN SICH JEDEN WUNSCH LEISTEN – fast jeden, bis auf irrationale Wünsche (ein Mann will schwanger werden) und jene, die anderen gegenüber unrecht sind (ich möchte bei dichtem Verkehr auf der falschen Spur fahren). Wenn es Menschen mit ihrem Wunsch wirklich ernst meinen, gibt es letztlich nur einen Unterschied zwischen ihnen: dass manche länger warten müssen als andere, ihren Wunsch erfüllt zu sehen. Ein Armer zum Beispiel wird wohl in der Regel länger dafür brauchen, reich zu werden, als ein Mensch aus einer wohlhabenden Familie. Das Gefühl, man bekomme nicht das, was man sich wünscht, ist meistens eine Unterschätzung des eigenen Werts. Wir glauben dann: »Ich bin nicht gut genug, um mir diesen Wunsch erlauben zu können.« An diesem Punkt sollten wir unbedingt aufhören, so zaghaft zu sein.

NIEMAND IST ZU SCHLECHT FÜR EINEN WUNSCH. Es ist nicht so, dass der Hässliche sich die Prinzessin nicht wünschen dürfte. Es hängt nicht von irgendwelchen Reserven ab, die wir, einem Guthaben ähnlich, auf dem Konto haben müssen, um uns einen Wunsch leisten zu können. Das Entscheidende beim Wünschen ist, dass wir wirklich wissen, was wir wollen, und dass wir es uns innig wünschen – unbeirrt davon, dass es scheinbar unrealistisch ist oder uns vermeintlich nicht zusteht. Dann bekommen wir es. In Anlehnung an eine alte indische Weisheit kann man sagen:

»Was immer es ist, an das wir tief glauben – wir werden es im Leben bekommen.«

[ Bhagavadgita, 9.25 ]

Wir können uns jeden Wunsch erlauben, solange wir es wirklich ernst meinen und bereit sind, uns dafür einzusetzen. So wird der Wunsch realistisch. Wer wirklich Berge versetzen will, dem gelingt das auch. Wir bekommen alles, was wir uns mit intensiver, meditativer Kraft wünschen – und wenn die Intensität unseres Wunsches groß genug ist, sogar viel mehr als das, was wir uns gewünscht haben. Das erinnert mich an eine Geschichte aus dem altindischen Epos »Bhagavatapuranam«, die man den Kindern in Indien gerne erzählt.

Weisheitsgeschichte


Ein Junge, der seine Mutter verloren hatte, musste um die Liebe seines Vaters kämpfen. Einmal rannte er zu seinem Vater und sprang glücklich auf dessen Schoß. Da kam seine Stiefmutter, drängte ihn fort und setzte ihren leiblichen Sohn auf den Schoß des Vaters, der den Älteren wieder einmal nicht in Schutz nahm. Fortan wusste dieser, was er wollte. »Ich wünsche mir, beachtet und anerkannt zu werden – von meinem Vater und von allen Vätern, heute und in Zukunft.« Er war unerschütterlich in seinem Wunsch. Er wollte in diesem Leben und auch in künftigen Inkarnationen nie wieder auf diese Weise verletzt werden.

Er verließ sein Zuhause, ging in die Wälder und versenkte sich unablässig in seinen Wunsch – über Hunderte von Jahren. Die Götter waren tief beeindruckt von seiner Beharrlichkeit. Schließlich verwandelten sie ihn in den Polarstern und gaben ihm den Namen Dhruv. Von nun an war dem kleinen Dhruv die Aufmerksamkeit aller Väter zu allen Zeiten gewiss. In Indien wendet sich nämlich jedes Brautpaar beim Hochzeitsritual an den Polarstern und schwört, genauso standhaft zu sein wie er. Zudem wird er als Konstante im Kosmos verehrt, an der sich nicht nur Reisende orientieren, sondern auch Seelen auf dem Weg zur Erlösung.

Wünsche gehen oft nur deshalb nicht in Erfüllung, weil wir nicht wirklich wissen, was wir wollen, weil sie zu vage sind. Wir wollen einen tollen Job, sind aber nicht sicher, ob uns ein bequemes Leben nicht wichtiger ist. Wir wollen ein schönes Haus besitzen, scheuen aber auch die Verantwortung, die damit verbunden ist. Wir möchten einen wahren Meister finden, der uns Lebensweisheit vermittelt, sind aber nicht sicher, ob wir so jemandem wirklich folgen würden. Doch wer sich nachhaltig eine gute Karriere wünscht und daran auch fest glaubt, wird sie machen. Wer sich nach Frieden in seinem Zuhause innig sehnt und ihn klar visualisiert, findet ihn auch.

2. Setz dich für deinen Wunsch ein! Du kannst es

Wir haben alle die Kraft, unsere Wünsche wahr werden zu lassen. Das Erwünschte wird allerdings nicht vom Himmel fallen, sondern wir wirken daran mit, dass es sich erfüllt. Zwei Dinge müssen wir auf jeden Fall dafür tun: erstens absolut klar formulieren, was wir genau wollen; zweitens all das in die Tat umsetzen, was wir unsererseits für die Realisierung tun können. Die KOMBINATION VOM GLAUBEN AN DIE SACHE UND EINEM BEHARRLICHEN STREBEN wird es ermöglichen, dass der Wunsch Gestalt annimmt.

Wir können uns nicht einfach zurücksetzen, die Arme verschränken und sagen: »Ich habe es mir gewünscht« – und erwarten, dass ein Wunder geschieht. Ohne Aktion gibt es keine Reaktion. Jedes Ergebnis verlangt eine Tat, die ihm vorausgeht. Kein Wunsch wird erfüllt, wenn wir nur auf Hoffnung und Glück bauen und dabei untätig bleiben. Aber keine Sorge! Kein Mensch ist in der Lage, lange ruhig und untätig zu bleiben, sagt die Bhagavadgita. Denn wir sind von unserem Wesen her aktiv und nicht dafür gemacht beziehungsweise nicht einmal dazu fähig, einfach stillzusitzen, wenn wir etwas wollen.

Schon als Neugeborene haben wir uns aktiv aus dem Mutterleib hinausbewegt. Wurden wir per Kaiserschnitt geboren, haben bestimmt viele Menschen die Arbeit für uns übernommen. Wir würden also gar nicht geboren werden, geschweige denn überleben, wenn wir nicht aktiv werden. Wir könnten uns nicht einmal richtig entspannen, wenn wir nicht aktiv und bewusst etwas gegen die innere Unruhe täten, indem wir zum Beispiel unsere Gedanken oder unseren Atem beruhigen. Wir würden im Übrigen unsere ganze Kraft und Energie verlieren, wenn wir immer vor dem Handeln zurückscheuten und lieber den Dingen ihren Lauf ließen in der Hoffnung, dass dabei zufällig auch unsere Wünsche erfüllt werden.

Wenn uns jedoch ein Wunsch zum Handeln motiviert, vertreiben wir damit Langeweile, Zweifel und depressive Stimmungen, und unser Tun bekommt einen Sinn und eine klare Ausrichtung. Das wiederum stärkt die Zuversicht in uns, dass der Wunsch realistisch ist und in Erfüllung gehen kann.

Weisheitsgeschichte


Ein Reisender in der Wüste legte sich nachts nieder und wünschte sich, dass ihm sein Kamel nicht gestohlen würde. Deshalb wandte er sich an Gott und sprach seinen Wunsch aus. Da hallte es durch die Wüste: »Ja, bitte binde du dein Kamel an einen Pfosten, ich mache meinen Teil.«

Wenn also die Frage auftaucht: »Kann ich mir denn meine Wünsche erfüllen?«, lautet die eindeutige Antwort: »Ja, das kannst du!« – unter folgenden Bedingungen:

3. Sei stolz auf deine Verantwortung! Zu geben macht glücklich

Warum zögern wir, uns alles zu wünschen, was wir wollen? Wenn ein Wunsch in Erfüllung geht, ist das wie ein Kind zu bekommen. Wir müssen Verantwortung übernehmen. Wer einen Kinderwunsch hat, ist glücklich, wenn das Kind kommt, muss danach aber viel für das Wohl des Kindes tun und da sein, wenn es ihn braucht.

Wir müssen in ähnlicher Weise bereit sein, Verantwortung zu übernehmen, damit unser Wunsch wahr werden kann. Weil wir aber vor Verantwortung oft zurückscheuen, zögern wir, echte Wünsche zu äu-ßern. Da hilft es, sich klarzumachen: Jede Wunscherfüllung ist wie ein Geschenk, das uns zu einer gewissen Dankbarkeit verpflichtet. Wir sind nicht allein deshalb auf der Erde, um Geschenke zu empfangen, sondern auch, um Geschenke zu verteilen. Der folgende Gedanke sollte zu einer täglichen Affirmation werden, damit wir das nicht vergessen: »Zu schenken macht ebenso viel Freude, wie Geschenke zu empfangen. VERANTWORTUNG ZU TRAGEN IST, WIE GESCHENKE ZU MACHEN.« Wir sollten uns auf die Verantwortung freuen, die unsere Wünsche mit sich bringen!Verantwortung weist uns eine klare und konkrete Aufgabe zu. Sie macht unserem Umfeld klar, wo und wozu wir stehen. Wenn wir Verantwortung übernehmen, gewinnen wir die Wertschätzung anderer. Sie stärkt damit unser Selbstwertgefühl und macht uns glücklicher.

»Wer die Suppe für sich allein kocht, wird sie nicht so genießen wie jener, der die Suppe mit anderen teilt.«

[ Bhagavadgita 3.13 ]

Weisheitsgeschichte


Ein guter Mensch kommt ins Paradies und wird dort zu einem himmlischen Abendessen empfangen. Er setzt sich an einen großen runden Tisch, wo alle schon auf seine Ankunft warten. Er beginnt zu essen und merkt zu seinem Schrecken, dass seine Schulter völlig steif geworden ist und er die Hand nicht zum Mund führen kann. Stattdessen geht seine Hand in Richtung des Mundes seines Tischnachbarn. Plötzlich geschieht das Wunder, dass jeder das gleiche Problem hat. Alle sind aktiv beim Essen, aber keiner nimmt das Essen für sich selbst, sondern jeder bedient den Nachbarn – und es geht auf!

4. Vertraue auf deine kreative Kraft! Dein Potenzial ist grenzenlos

Wir sind mit Sicherheit in der Lage, unserer Verantwortung gerecht zu werden. Es ist nicht nötig, sie als schwere Bürde zu empfinden. Das ist sie nicht! Denn wenn wir uns etwas aus tiefster Seele wünschen, werden wir auch die Kraft und die Fähigkeit entwickeln, der entsprechenden Verantwortung gerecht zu werden. Darauf können wir uns verlassen! So weit sollten wir uns selbst unbedingt vertrauen! Dann können wir in Bezug auf den Wunsch gelassen bleiben und müssen nicht ungeduldig oder nervös werden. Allein wegen dieser inneren Ruhe lohnt es sich, fest an die eigenen Fähigkeiten zu glauben und sein Selbstvertrauen zu nähren.

NIEMAND IST ZU KLEIN FÜR EINEN GROßEN WUNSCH. Es ist verheerend, wie oft die großen Wunschträume der Kinder von sogenannten realistischen Erwachsenen einfach zerstört werden. Dabei vergessen sie, dass jeder Mensch ein weit größeres Potenzial hat, als er in der Regel innerhalb eines Lebens ausschöpfen kann. Als Erwachsene müssen wir also erst recht aufstehen und unseren Zweifeln ein Ende setzen.

Wenn wir uns selbst nicht so viel zutrauen, dann brauchen wir eben Kräfte oder Menschen, die unser Vertrauen stärken. Sehr inspirierend kann es zum Beispiel sein, sich in der Natur umzuschauen. Wir müssen nur einmal ganz entspannt ein paar Minuten lang ein kleines Tier bei der Arbeit betrachten, eine Spinne etwa oder eine Ameise. Dann wissen wir schon, wie mächtig »klein« sein kann! Auch ein Mensch, zu dem wir aufschauen und der für uns vorbildhaft ist, kann unser Selbstvertrauen stärken. Wenn ein solcher Mensch an uns glaubt und wir sein Vertrauen zu uns spüren, bleibt er für uns nicht nur ein Vorbild, sondern kann uns auch sehr motivieren. Hierzu möchte ich eine Begebenheit aus meiner Kindheit schildern.

Wie es hilft, wenn jemand uns etwas zutraut

Als ich noch ein Schuljunge war, besuchte ich in den Ferien meine Großeltern auf dem Lande. Sie wohnten in einer ruhigen Straße zwischen einem Tempel und einem Fluss. Eines Tages wurden zwei Tonkrüge für ein großes Ritual vorbereitet. Es waren wertvolle, dekorierte Gefäße. Mit diesen wurde das Wasser für die Opfergaben in den Tempel gebracht. Nun sollte ich einen Krug im Fluss mit Wasser füllen und zum Priester im Tempel tragen. Ich war stolz auf die Aufgabe und wollte mein Bestes geben. Da der Weg zum Fluss aber steinig war, musste ich aufpassen, dass ich nicht stolperte und den Krug zerbrach. Außerdem war ich noch recht klein für den schweren Wasserkrug. »Ich habe ja zwei Chancen!«, rief ich laut, da zwei Krüge dort standen. »Nein, du bekommst nur eine Chance. Der andere Krug ist für den morgigen Tag, und du wirst heute deine Aufgabe gut erledigen!«, kam die strenge Stimme meines Großvaters zurück. Ich glaubte seinen Worten, vertraute mir selbst, passte auf – und es gelang mir.

»Was wir mit großem Vertrauen erbitten, das werden wir bekommen.«

[ Bhagavadgita 7.21–22 ]

5. Lass deine Erwartungen los! So erfährst du wahre Freiheit

Glück ist nicht käuflich. Über Glück können wir nicht verfügen. Es ist nichts, das wir für uns pachten können. Wir freuen uns darauf, Glück zu haben, aber wissen zugleich: Wir können nie ganz sicher damit rechnen, dass es kommt. Wenn wir von »Glück« reden, meinen wir ja normalerweise auch, dass wir entweder sein Eintreffen nicht erwartet haben oder uns dessen nicht gewiss waren. ES LIEGT NICHT IN UNSEREN HÄNDEN, DASS UNS GLÜCK BESCHERT WIRD. Wir können es nicht bestellen. Das ist genauso wie bei Geschenken. Wir können uns zwar etwas besorgen, sprich: uns selbst Geschenke machen – aber das Gefühl ist doch anders, als wenn wir ein echtes Geschenk von jemand anderem bekommen. Auf jeden Fall ist die Freude beim Empfang eines Geschenks nicht so groß, wenn wir es »bestellt« haben!