Bibliografische Information der Deutschen
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© 2020 Jupp Hartmann
Herstellung und Verlag: BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt
ISBN: 978-3-7519-2856-4
1.
In allen Dingen ist eine Essenz, die sie belebt.
Sie erzeugt unten die fünf Körner
und ordnet oben die Sterne.
Strömt sie zwischen Himmelund Erde,
sprechen wir von Geistern und Göttern.
Wird sie in der Brust von Menschen bewahrt,
sprechen wir von Weisen.1
So ist die menschliche Lebensenergie:
so hell, als ob man in den Himmel aufstiege,
so dunkel, als ginge es in den Abgrund,
so unklar, als triebe sie im Meer,
und doch ist sie im eigenen Selbst.
So ist diese Energie:
Sie kann nicht mit Gewalt gehalten werden,
doch innere Kraft kann sie bewahren.
Sie kann nicht herbeigerufen werden,
doch kannst du sie willkommen heißen.
Bewahre sie ehrfürchtig und verliere sie nicht!
Dies nennt man innere Kraft.
Kommst du zu innerer Kraft entsteht Weisheit,
und du kannst die Früchte
der zehntausend Dinge erlangen.
Es ist das Wesen aller Herzen
von selber vollund übervollzu sein,
von selbst hervorzubringen und zu vollenden.
Dies geht verloren
durch Kummer und Überschwang der Gefühle,2
durch Vergnügen und Ärger,
durch Begierde und Streben nach Gewinn.
Wer Sorge und Überschwang,
Vergnügen und Ärger,
Begierde und Gewinnstreben hinter sich lässt,
dessen Herz ist wieder ohne Last.
Die Gefühle des Herzens
kehren zu Ruhe und Gelassenheit zurück.
Stör sie nicht, bring sie nicht durcheinander,
und sie kommen von selbst in Einklang!
Was aufblitzt, als sei es ganz nah,
doch zu unversehens, um es zu erhaschen,
zu endlos, um seine Grenze zu erreichen,
das lässt sich nicht weiter ergründen.
Doch nutzen wir täglich seine Wirkungskraft.
2.
Wer dem Dao folgt, hat teilan der Fülle.
Aber der Mensch kann nicht beständig sein.
So entschwindet es und kehrt vielleicht nie wieder.
Es kommt, doch kein Trick kann es halten.
Du vernimmst von ihm keinen Laut,
doch ist es in deinem Herzen.
Es ist so dunkel, du erkennst nicht seine Gestalt.
Es ist so überaus fruchtbar, es gibt uns allen Leben,
ohne dass wir seine Form sehen,
ohne dass wir seine Stimme hören.
Doch weil sich seine Wirkung zeigt,
spricht man vom Dao.
Das Dao hat keinen festen Platz,
doch ist dein Herz friedfertig und liebevoll,
reguliert es in Ruhe deine Lebenskraft,
dann kann das Dao bei dir weilen.
Das Dao ist nicht fern.
Alle Menschen haben es von Geburt an.
Entfernen sie sich nicht von ihm,
dann erlangen sie Weisheit.
Es ist, als sei es mit allem verwoben
und doch so fein, als sei es nirgendwo.
Es ist die Art des Dao,
den Lärm zu meiden.
Kultiviere dein Herz durch Stille,
dann kannst du es erlangen!
So ist das Dao:
Der Mund kann es nicht erklären,3
das Auge kann es nicht sehen,
das Ohr kann es nicht hören.
Darum kultiviere dein Herz
um dein Wesen recht zu machen.
Es zu verlieren führt zum Tod.
Es zu erfassen fördert das Leben.
Wer es beim Handeln verliert, der scheitert.
Wer es erlangt, hat Erfolg.
So ist das Dao:
Es hat weder Wurzel, noch Stamm,
weder Blätter, noch Blüten,
und bringt doch die zehntausend Dinge hervor.
Was die zehntausend Dinge gedeihen lässt,
diese Kraft nennen wir Dao.
3.
Das Gebot des Himmels, ist Ordnung.
Das Gebot der Erde ist Ausgleich.
Das Gebot des Menschen ist Ruhe.
Frühling und Herbst, Winter und Sommer,
das sind die Zeiten des Himmels.
Berge und Hügel, Flüsse und Täler,
das sind die Glieder der Erde.
Vergnügen und Ärger, Nehmen und Geben,
das sind die Verhaltensweisen des Menschen.