Psychische Hintergründe bei Ernährungs- und Gewichtsproblemen
Wenn (Nicht-)Essen zur
Ersatzbefriedigung wird
© 2014 Marion Selzer
Kontakt: info@inspiriert-sein.de
Lektorat, Korrektorat: Raphaela Hofmann
www.texteschmiede.de
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN: 978-3-7323-1518-5 (Paperback)
ISBN 978-3-7323-2462-0 (e-Book)
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Wichtiger Hinweis:
Die hier vorgestellten Informationen verstehen sich weder als Heilversprechen noch sind sie für eine Diagnoseerhebung gedacht. Die Autorin hat die hier veröffentlichen Informationen mit größter Sorgfalt erarbeitet und geprüft. Eine Garantie kann jedoch nicht übernommen werden. Die Durchführung der hier vorgestellten Anregungen erfolgt im Rahmen der Selbstverantwortlichkeit auf eigene Gefahr. Das Lesen oder Anwenden des Inhalts ersetzt nicht den Besuch bei einem Fachmann. Bitte wenden Sie sich bei körperlichen oder psychischen Problemen an einen ausgebildeten Arzt oder Psychologen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Kapitel I: Wenn (Nicht-)Essen zur Ersatzbefriedigung wird
1. Wer ist betroffen?
2. Der Selbsttest
3. Was nun?
Kapitel II: Ist es wirklich Hunger? – Unterschiede zwischen physischem und emotionalem Hunger
1. Wie tritt der Hunger in Erscheinung?
2. Womit gibt sich der Hunger zufrieden?
4. Sonstige Besonderheiten
3. Das Gefühl danach
5. Noch mal im Überblick: Die Unterschiede zwischen physischem und emotionalem Hunger
Kapitel III: Essverhalten unter der Lupe
1. Ernährungstagebuch
2. Beobachten Sie eine Woche lang Ihr Essverhalten
3. Erster Selbstversuch
Kapitel IV: Weshalb Veränderungen so schwer fallen
Kapitel V: Den Hintergründen auf der Spur
1. Essverhalten und Lieblingsgerichte – ihre emotionale Bedeutung
a) Geschwindigkeit und Menge – Welcher Essenstyp bin ich?
b) Der Zeitpunkt – wann esse ich am liebsten?
c) Geschmacksvorlieben – was schmeckt mir?
d) Konsistenz – mit Biss oder ohne?
e) Motivation – was bestimmt über die Auswahl meiner Speisen?
2. Zusammenfassung
3. Eine Beispielsanalyse
4. Noch ein paar Tipps
5. Das suchen die meisten Menschen im Essen
6. Unser körperliches Erscheinungsbild unter der Lupe
a) Körpervolumen
b) Proportionen
Kapitel VI: Einfühlung – Verhaltensänderung durch Verständnis
1. Jeden Teil in uns verstehen und annehmen
2. Einfühlung – Ein Beispiel
3. Einfühlung üben beim „Zu-Viel-Essen“
a) Einfühlung vor dem ersten Bissen
b) Einfühlung beim Essen
c) Einfühlung hinterher
4. Einfühlung üben beim „Zu-Wenig-Essen“
5. Noch ein Tipp für die innere Harmonie
Kapitel VII: Bewusstes Sich-Ausleben kann Wunder bewirken
1. Sich dem Essensgenuss hingeben
2. Sich dem Kasteien hingeben
Anhang
I. Der Umgang mit anderen
II. Schlussbetrachtungen
III. Literaturempfehlungen
Einleitung
Liebe Leserin, lieber Leser,
wenn Sie dieses Buch in den Händen halten, kennen Sie vermutlich Situationen, in denen Sie sich nach Nahrung sehnen, ohne wirklich hungrig zu sein. Vielleicht, um sich nach einem anstrengenden Tag zu belohnen, um die angeschlagenen Nerven nach einem Streit mit dem Partner oder der Familie zu beruhigen, um sich abzulenken oder ganz einfach um sich besser zu fühlen. Dagegen ist grundsätzlich auch nichts einzuwenden. Schließlich hat die Natur es so eingerichtet, dass die Nahrungsaufnahme Genuss und Freude bereitet. Lebensmittel können aufgrund biochemischer Prozesse die Ausschüttung von Wohlfühl-, Glücks- oder auch Aufputschstoffen anregen und sind daher durchaus in der Lage unsere Stimmung zu beeinflussen.
Kritisch wird es allerdings, wenn wir Essen ständig dazu benutzen um unser emotionales Gleichgewicht wiederzuerlangen und die Nahrungsaufnahme damit zu unserer Hauptstrategie wird uns besser fühlen zu lassen. Wir essen dann nicht, weil der Magen knurrt, sondern weil wir müde, gestresst oder frustriert sind, uns nach Nähe und Geborgenheit sehnen, oder weil uns langweilig ist. Essen dient dann dazu, unsere emotionalen Bedürfnisse zu befriedigen. Ein Weg, der zum Scheitern verurteilt ist. Denn Essen kann uns zwar kurzfristigen Genuss bereiten und uns physisch satt machen, emotionalen Hunger können wir durch den Verzehr von Lebensmitteln allerdings nicht wirklich tiefgehend stillen.
Bedürfnisse, wie der Wunsch verstanden zu werden, respektiert und als Person im Ganzen angenommen zu sein, lassen sich ebenso wenig durch Cola, Schokolade, Burger oder Pommes stillen, wie die Sehnsucht nach mehr Aktivität, Abenteuer oder einem Sinn im Leben.
Wenn wir allerdings nicht gelernt haben für diese Bedürfnisse wahrhaft zu sorgen, sie uns nicht eingestehen oder nicht den Mut dazu haben anstehende Veränderungen anzupacken, kann es sein, dass Essen uns als einziger Weg erscheint um unsere emotionale Tieflage auszugleichen.
Das Problem dabei ist, dass wir uns dann zum einen immer weiter von unseren wahren Bedürfnissen entfernen und zum anderen unser Essverhalten außer Kontrolle gerät. Früher oder später merken wir dann, dass wir nicht mehr selbst bestimmen können, wann wir was in welcher Menge zu uns nehmen. Ein Teufelskreis beginnt. Während ein Teil in uns, den ich gerne als den inneren Genießer bezeichne, bei emotionalen Unpässlichkeiten nach Nahrung verlangt, protestiert unser Verstand lauthals dagegen. Schließlich wissen wir, dass ein Zuviel von dem Falschen, aber auch von dem Richtigen, negative Auswirkungen auf Gesundheit und Figur hat. Egal, wie wir uns in einer solchen Situation entscheiden, kommt es zu einem inneren Konflikt: Entweder bleiben wir emotional unausgeglichen, weil wir dem Wunsch nach Nahrung nicht nachgeben, oder aber, wir versuchen unsere Gefühlswelt durch Lebensmittel auszugleichen und essen dabei in der Regel zu viel oder das Falsche.
Wenn wir in diesen Teufelskreis hineingeraten, fühlen wir uns alles andere als wohl mit unserem Verhalten und leiden darunter, die Kontrolle verloren zu haben. Versuche, dies in den Griff zu bekommen, scheitern. Manchmal wissen wir einfach nicht mehr weiter. Und da wir die Fehler bei uns selbst suchen, frustrieren wir immer stärker und unser Selbstwert sinkt gegen Null. Der Versuch das Problem mit Diäten unter Aufbringung von Disziplin und Willensstärke zu lösen, macht alles nur noch schlimmer.
Wenn Sie liebe Leserin, lieber Leser von dieser Thematik betroffen sein sollten, können Sie herkömmliche Diät- und Ernährungstipps getrost zur Seite legen. Diese Probleme sind nicht auf einen Mangel an Willensstärke oder auf fehlende Disziplin zurückzuführen. Sie werden auch nicht durch altkluge Ratschläge wie „Iss doch einfach normal“ behoben. Die Gründe für ein solches Verhalten liegen tiefer. Psychische und emotionale Verstrickungen beim Thema Ernährung sind keine Seltenheit.
Leider wird dieser Aspekt in vielen Abnehm- oder Ernährungsratgebern nur wenig berücksichtigt oder sogar völlig ignoriert. Dies gilt es daher in den folgenden Zeilen nachzuholen. Dabei geht es nicht darum, Ihnen ein neues Programm vorzustellen, das Sie blind befolgen sollen, um dann die Tage zu zählen bis Sie endlich wieder wie gewohnt essen können. Nein, ich möchte Ihnen zeigen, wie Sie durch Arbeit an sich selbst Ihr Essverhalten von innen heraus transformieren können und Ihr Ernährungsproblem dabei sogar zu Ihrer persönlichen Wachstumschance werden kann.
Dazu werde ich Ihnen Wege und Möglichkeiten zeigen, die ich selbst als hilfreich erlebt und erfahren habe, um wieder zu einem harmonischen Essverhalten zu finden. Denn auch ich war jahrelang in diesem Kreislauf verstrickt. Die meiste Zeit konnte ich mein Essverhalten nicht zügeln, obwohl ich unzufrieden mit meiner Figur war. Diese oft über Wochen anhaltenden Phasen wechselten sich mit gegenteiligen Phasen ab. Ich schränkte meine Ernährung stark ein, achtete auf viel körperliche Betätigung und hungerte mir die angefutterten Pfunde wieder ab. Die dafür nötige Disziplin und Willenskraft hielt ich allerdings nie lange aufrecht und verfiel früher oder später wieder in meine alten Gewohnheiten.
Auf meinem Weg aus dieser Zwickmühle heraus, ist mir eins bewusst geworden: Je besser ich mit meiner inneren Stimme in Verbindung stehe, desto sicherer werde ich zu einem Essverhalten geführt, mit dem ich mich rundum wohlfühle. Und das Schöne dabei ist, dass sich ein gesundes Essverhalten immer auch positiv auf das äußere Erscheinungsbild und die Lebensenergie auswirkt.
Um in Kontakt mit meiner inneren Stimme zu kommen, war die Aufarbeitung meiner emotionalen Verstrickungen in Bezug auf das Thema Ernährung ein wichtiger und es - sentieller Schritt. Viele mögen darüber schmunzeln, doch da wir nicht nur aus einem Körper bestehen, sondern es da noch mehr gibt, was viele als Seele bezeichnen, hat un - ser Verhalten immer auch Einfluss auf unsere emotionale Seite - oder anders ausgedrückt - auf unser psychisches Wohlbefinden.
Vor allem, weil es sich bei der Nahrungsaufnahme auch um eine Sinneserfahrung handelt, spielen emotionale Verstrickungen beim Thema Ernährung sehr häufig eine Rolle. Ohne die Aufdeckung der tieferliegenden, psychischen und emotionalen Gründe hinter unserem problematischen Essverhalten, bleiben wir hilflos in der Tretmühle von Ab- und Zunehmen gefangen.
Es ist daher völlig logisch, dass Schlankheitsprogramme, die diese Ebene der Emotionalität völlig außer Acht lassen, nur solange Erfolg aufweisen, wie man die nötige Willenskraft aufrecht erhält. Da damit jedoch das Gefühl entsteht, etwas entbehren und auf Lebensfreude und Genuss verzichten zu müssen, hält man diese Anstrengungen nicht lange durch und verfällt früher oder später wieder in alte Gewohnheiten.
Mit den hier vorgestellten Informationen können Sie selbstständig und ohne fremde Hilfe, für sich allein die verborgenen Gründe Ihres Essverhaltens aufdecken. Denn aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es sein kann, sich in einer solchen Situation anderen gegenüber zu öffnen und anzuvertrauen. Durch dieses Aufdecken werden Sie ein tieferes Verständnis für sich und Ihr Verhalten erlangen, allein das kann sehr heilsam wirken. Im Erkennen und Annehmen liegen die ersten Schritte zu einer Änderung, die sich leicht und freudvoll gestaltet, da sie mit dem Herzen vollzogen wird und daher nichts mit Disziplin oder Verzicht zu tun hat.
Wenn Sie bereit sind, an und mit sich selbst zu arbeiten, dann werden auch Sie Ihrem Ziel schrittweise näher kommen. Langsam, aber sicher werden Sie immer öfter selbstbestimmt entscheiden können, wann, was und wie viel gegessen wird. Genuss und Freude werden Sie dabei ebenso begleiten wie ein Spiegelbild, das sich immer mehr Ihren Wünschen entsprechend entwickelt.
Zum größten Teil beziehe ich mich in diesem Ratgeber auf das Problem des Überessens. Da aber „Über-Essen“ und „Zu-wenig-Essen“ zwei Seiten Ausprägungen derselben Medaille sind, können mit Sicherheit auch diejenigen, die eher zu einer Art Selbstkasteiung neigen, viel Wertvolles aus den folgenden Zeilen schöpfen.
Schauen wir uns nun also gemeinsam an, was Gewichtsprobleme und Psyche miteinander zu tun haben und wie wir unser Essverhalten und unser Gewicht in Ordnung bringen können, indem wir ein seelisches Gleichgewicht in uns erzeugen.
Viel Mut und Erkenntnis bei Ihrer Entdeckungsreise,
Ihre Marion Selzer