ISBN: 978-3-96586-160-2
1. Auflage 2020, Bremen (Germany)
Klarant Verlag. © 2020 Klarant GmbH, 28355 Bremen, www.klarant.de
Titelbild: Umschlagsgestaltung Klarant Verlag mit einem Foto von shutterstock.
Sämtliche Figuren, Firmen und Ereignisse dieses Romans sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit echten Personen, lebend oder tot, ist rein zufällig und von dem Autor nicht beabsichtigt. Anmerkung des Autors: Es handelt sich bei dem Ostfrieslandkrimi »Küstenmord in Harlesiel« um eine frei erfundene Geschichte. Eventuelle Ähnlichkeiten mit realen Personen, Firmen, Gesellschaften, Behörden, Vereinen oder Örtlichkeiten sind daher grundsätzlich rein zufälliger Natur. Lediglich einige Orte der Handlung sind real, aber im Zusammenhang mit der frei erfundenen Geschichte ausschließlich fiktiv eingebunden. Dazu gehören in Carolinensiel die Cliner Quelle, das Kurzentrum, das Nordseehotel Friesenhus und die SCORE-Tankstelle, in Harlesiel das Hotel An’t Yachthafen, die Pfahlhäuser auf der Harle, der Wattkieker und das Wattwanderzentrum, aber auch das Urlauberdorf in Boltenhagen und die dortige Polizeistation. Die fiktive Einbindung gilt ebenso für die real existierenden Facebook-Gruppen wi sünd Oostfreesen un dat mit Stolt und Nordsee – Hier ist immer Watt. Und natürlich gilt dies auch – last but not least – für das Polizeikommissariat Wittmund.
Diesen 10. Band meiner Ostfrieslandkrimi-Serie »Die Kommissare Bert Linnig und Nina Jürgens ermitteln« widme ich meiner lieben Mutter, Irmgard Henriette Uliczka, geborene Augustin, zu ihrem 100. Geburtstag! Sie wurde im Januar 1920 im Schloss Güldenstein – mein Großvater war dort Oberlakai und Chauffeur (!) des Erbgroßherzogs – in dem kleinen Waldkurort Lensahn, am Rand der Holsteinischen Schweiz, unweit der Ostsee-Insel Fehmarn, in die »Goldenen Zwanziger Jahre« hineingeboren. Dabei sollten sie und ihre Generation ein Jahrhundert erleben, wie es die Menschheitsgeschichte in Bezug auf Dynamik und Dramatik – mit seinen unzähligen technischen Entwicklungen, aber auch durch den Zweiten Weltkrieg mit unsäglichem menschlichem Leid und Tod – noch nicht gesehen hatte. Trotz Entbehrungen und auch persönlicher seelischer Belastungen hatte sie 100 Jahre bis heute immer ein offenes Ohr und ein liebes Wort für ihre Familie und ihre Mitmenschen. Danke, liebe Mutter! Schön, dass es dich seit über 100 Jahren immer noch gibt!
Rund um den Globus geht jeden Morgen die Sonne auf und am Abend wieder unter, ohne dass die meisten Menschen besondere Notiz davon nehmen. Und doch wird dies – je nach Witterungsbedingungen und geografischen Gegebenheiten – an manchen Orten zu einem romantischen Erlebnis. Der Strand im ostfriesischen Harlesiel war ein solcher Ort. Zumindest in den Augen von Julia Lobemann und Fabian Kluge. Die beiden Mittdreißiger hatten sich vor eineinhalb Jahren hier bei einer Wattwanderung kennengelernt.
Es war die viel beschriebene Liebe auf den ersten Blick gewesen. Dabei wirkten Wattwanderer in ihrer speziellen Wattwanderbekleidung in der Regel alles andere als besonders sexy. Und genauso waren sie sich damals vor dem Wattwanderzentrum beim Fischrestaurant Wattkieker neben dem Strand von Carolinensiel-Harlesiel zum ersten Mal begegnet. Aber bei Julia war es eigentlich völlig egal, ob sie gar nichts oder was auch immer anhatte. Sie strahlte auf ganz besondere Weise einen außergewöhnlich reizvollen Charme aus. Ihr persönliches Vorbild war die Filmikone der 50er/60er Jahre, Gina Lollobrigida. Optisch hätte sie tatsächlich eine Tochter, sogar mit gleicher Frisur, von ihr sein können. Zu Hause in ihrem Büro hingen über ihrem Schreibtisch zwei gerahmte Schwarz-Weiß-Fotos der Diva. Eins zeigte die Schauspielerin in ihrer Jugend im Bikini und das andere als erwachsene Frau in einer sexy Korsage mit Wespentaille.
Wobei Fabian ihr in Bezug auf Attraktivität nicht viel nachstand. Mit seinen über eins achtzig, seiner schlanken, leicht muskulösen Figur, der modernen blonden Kurzhaarfrisur, seinen blauen Augen und dem leicht gebräunten Teint mit den markant geschnittenen Gesichtszügen war er für viele Frauen ein Hingucker.
Jetzt standen Julia und er, wie zwei Jungverliebte, eng umschlungen vor der Strandbar des zurzeit in Winterpause befindlichen Wattkiekers. Die Sonne schien als weiß glühende Kugel am Horizont in der Nordsee langsam zu verglühen, bis nur noch ein roter Schein in der Ferne das Meer und den Himmel überzog. Das Firmament veränderte von Westen her dabei seine Farbe von Dunkelrot über Orange bis hin zu Türkis und Dunkelblau. Julia hielt diesen Augenblick mit ihrer Kamera fest. Genauso hatten sie am ersten Abend ihrer Begegnung nach der Wattwanderung hier gestanden. Auch damals hatte die Berufsfotografin Bilder gemacht, von denen eins als großes Wandfoto zu Hause über ihrer Couch hing.
»Wenn das kein gutes Omen ist«, sagte Fabian und gab seiner attraktiven Partnerin einen intensiven, lang andauernden Kuss auf den Mund.
»Jedenfalls bist du immer noch so stürmisch wie vor eineinhalb Jahren, als wir hier zum ersten Mal standen«, bestätigte Julia. »Jetzt freue ich mich auf einen schönen Saunagang in unserem Ferienhäuschen auf dem Wasser. Mal sehen, ob das auch ein Déjà-vu wird«, hauchte sie mit einem schelmischen Augenzwinkern.
Fabian wusste nur zu genau, was sie meinte, und wäre am liebsten sofort zum Ferienhäuschen am Yachthafen der Harle losgespurtet. Er war ein sportlicher Typ, und beide absolvierten regelmäßig zweimal die Woche eine Fünf-Kilometer-Laufstrecke. Nur, dass es in ihrem Hausboot in Groningen, welches Fabian seit zwei Jahren gemietet hatte, keine Sauna gab.
Sie hatten es nicht weit bis zu ihrem jetzigen Feriendomizil beim Yachthafen der Harle. Nur über die Brücke der Schleuse, an der Hafenmeisterei vorbei und dann ein paar Hundert Meter entlang der Schleusenstraße. Rechter Hand waren mehrere Häuser auf Pfählen in die Harle gebaut, die sich etwa dreihundert Meter vor der Schleuse zum Yachthafen erweiterte. Neben einigen Häusern lagen Motorboote direkt an einem Steg seitlich an den Häusern vertäut.
»Andere haben einen Garten ums Haus. Wenn uns das Ferienhaus gehören würde, hätten wir auch unser Boot direkt am eigenen Steg liegen«, kommentierte Fabian den Anblick. »Das ist fast wie in unserem Hausboot in Groningen. Schade, dass es in Holland für uns so ungemütlich wurde. Aber vielleicht glätten sich die Wogen ja bald wieder.«
»Ehrlich gesagt, könnte ich mich hier mindestens genauso wohlfühlen. Wenn ich den Komfort hier im Ferienhaus mit unserem doch etwas beengten Hausboot vergleiche, dann gefällt es mir hier sogar noch besser. Insbesondere mit der Sauna. Du weißt ja, wie ich das liebe.«
»Mir gefällt vor allem auch die Ruhe hier. In Groningen ist es am Liegeplatz doch wesentlich lauter. Bin mal gespannt, ob sich der Vermieter darauf einlässt, uns das Häuschen auch auf längere Zeit zu vermieten. Vielleicht wäre er sogar damit einverstanden, wenn wir unser Motorboot nachholen und auf eigene Kosten seitlich am Haus einen Anlegesteg anbringen lassen. Zumal ich meine Recherchen in den Niederlanden abgeschlossen habe und mich demnächst ohnehin mit der Küstenfischerei näher beschäftigen wollte. Das kann ich von hier aus genauso gut machen wie von Groningen.«
Als die beiden das Pfahlhaus erreichten, erlosch langsam der rote Schein des Himmels über dem westlichen Harleufer und die Dämmerung setzte ein. Fabian schaltete die Sauna an. Es war gerade siebzehn Uhr dreißig und es würde noch für zwei Saunagänge vor dem Abendessen reichen. Es sei denn, Julias Déjà-vu würde dazwischenkommen. Das könnte dann zu einem späten Nachtmahl führen. Wogegen er im Moment aber auch nicht das Geringste einzuwenden hätte.
Als er mit seiner hübschen Partnerin gemeinsam unter der Dusche stand, begann bereits langsam, sein Testosteronspiegel die Regie über ihn zu übernehmen. Und nach dem ersten Saunagang, im kühlenden Duschstrahl, hatte sich auch Julias Libido bereits gemeldet. Was dann folgte, war nicht nur das Déjà-vu, sondern auch erst nach zwei weiteren Saunagängen ein sehr spätes Nachtmahl. Aber das konnten sie sich auch gönnen, denn morgen standen für sie weder Termine noch ein Arbeitstag auf dem Plan.
Obwohl der nächste Tag für beide eine unangenehme Nachricht bereithalten sollte.
***
Nach der langen Nacht war es schon fast Mittag, als Fabian Brötchen aufgebacken und für Julia eine Obstschale mit Joghurt vorbereitet hatte. Allerdings musste das Frühstück dann doch noch etwas warten. Denn nach der gemeinsamen Dusche waren sie genau da wieder gelandet, wo sie sich kurz vorher noch befunden hatten, nämlich im Bett. Da sie beide freiberuflich tätig waren, kam so etwas bei ihnen öfter vor und beflügelte ihr sehr aktives Liebesleben.
Das eigentlich für diese Jahreszeit heute mit zehn Grad viel zu warme Wetter lud zu einer Radtour ein. Daher wollten die beiden nach dem verspäteten Frühstück mit dem Fahrrad eine kleine Tour entlang der Küste in Richtung Dornumersiel unternehmen. In den nächsten Tagen sollte es wieder deutlich kühler werden.
Es war inzwischen früher Nachmittag geworden und es war zweifelhaft, ob sie es noch bis Dornumersiel schaffen würden. Julia hatte gerade das »Spätstücksgeschirr« in den Geschirrspüler geräumt und Fabian war schon draußen, um die Räder klar zu machen, da klingelte das Telefon. Julias Vater aus Bremen war dran. »Hallo Julia, ich habe keine gute Nachricht für dich. Deine Mutter wurde heute Morgen ins Krankenhaus eingeliefert. Sie ist in der Dusche unglücklich ausgerutscht. Wie ich gerade vom Krankenhaus erfahren habe, Oberschenkelhalsbruch. Sie wird einschließlich Reha für ein paar Wochen ausfallen.«
»Oh, Papa, hoffentlich hat sie sich sonst nichts getan, ist ja schon schlimm genug. Und was wird jetzt aus dir? Du kommst doch mit deiner Behinderung gar nicht allein zurecht.«
»Ob ihr sonst noch etwas fehlt, dazu hat die Klinik nichts gesagt. Und bei mir muss der mobile Pflegedienst eben noch öfter kommen und die Aufgaben deiner Mutter übernehmen. Mach dir keine Sorgen.«
»Papa, Fabian und ich machen gerade in Ostfriesland, in Carolinensiel-Harlesiel, etwas Urlaub. Von hier aus ist es doch nicht weit nach Bremen. Ich komme und kümmere mich um dich. Fabian hat gerade die Recherchen zu seinem neuen Buch abgeschlossen, da kann er dann in aller Ruhe schon anfangen zu schreiben. Wir sind mit zwei Autos hier, sodass er sich ganz gut auch selbst versorgen kann.«
»Ist was passiert?«, fragte Fabian, der gerade reingekommen war und die letzten Sätze mitbekommen hatte.
»Mama ist gestürzt. Sie liegt im Krankenhaus, Oberschenkelhalsbruch. Ich muss mich um Papa kümmern.«
»Na klar. Ich komme hier schon zurecht. Aber vor allem, wie geht es denn deiner Mutter?«
»Ich hoffe, dass ihr sonst nichts fehlt. Schlimm genug. Na, ich werde ja sehen und dich auf dem Laufenden halten.«
Julia ging ins Schlafzimmer, um ein paar Sachen einzupacken. Dann kam sie und verabschiedete sich von Fabian, der die Räder wieder in den kleinen Schuppen gestellt hatte.
»Du kommst auch wirklich klar?«, fragte sie besorgt.
»Na, was denkst du denn? Du hast doch sogar schon für die nächste Woche einen Speiseplan gemacht. Und kochen kann ich auch, wie du weißt. Falls ich mal keine Lust dazu habe, dann gehe ich eben essen. Der Wattkieker hat nächste Woche doch auch seine Saisonpause beendet und wieder offen. Wichtig ist, dass es deiner Mutter bald wieder besser geht und dein Vater versorgt ist. Du kannst meinen Wagen nehmen. In dem großen BMW fährst du sicherer als in deinem kleinen Mazda Cabrio, falls es mal glatt werden sollte. Mir reicht der Kleine hier für ein paar Einkäufe.«
»Gute Idee, Fabian. Danke. Trotzdem mache ich mir Sorgen.«
»Brauchst du nicht. Ich habe genug Beschäftigung. Ich kann dann ungestört meine Recherchen auswerten und mein nächstes Buch vielleicht sogar etwas früher rausbringen. Außerdem kann ich mich hier dann schon mal ein wenig umschauen, für meine nächste Publikation. Man muss aus jeder Situation das Beste machen. Zudem wird mir ein bisschen Ruhe guttun. Die Arbeit als Decksmann auf Fangfahrt mit dem Hochseetrawler hat doch Spuren hinterlassen. Das muss ich auch erst mal mental richtig verdauen, obwohl ich das eigentlich nicht wahrhaben wollte. Aber ich brauche wirklich nur ein bisschen Ruhe. Also mach dir keine Gedanken.«
»Mensch, Fabian, warum hast du denn nichts gesagt? Ich hatte schon irgendwie so ein Gefühl, als du von der Fahrt zurückkamst. Was ist denn draußen passiert? Ich glaube, wir sollten dringend reden. Ich fahre jetzt erst mal nach Bremen. Dann werde ich dafür sorgen, dass die Betreuung meines Vaters voll durch den mobilen Pflegedienst übernommen wird. Eventuell kann ich auch einen befristeten Heimplatz mit Vollpflege organisieren. In spätestens einer Woche bin ich wieder hier.«
Nach einer zärtlichen Verabschiedung machte sich Julia auf den Weg nach Bremen. Sie hatte geahnt, dass irgendetwas nicht stimmte. Und dann dieser plötzliche Einfall mit dem Urlaub in Ostfriesland. Ihr war das schon irgendwie fast wie Flucht vorgekommen. Obwohl sie sich bereits seit einiger Zeit mit dem Gedanken getragen hatten, sich nach einem neuen Mietobjekt umzuschauen. Aber sie kannte Fabian. Wenn er mit einer Sache »schwanger ging«, wie er es immer nannte, dann musste sie ihm Zeit lassen. Da war es vielleicht tatsächlich sogar ganz gut, wenn er mal eine Woche für sich alleine hatte. Dass aus der Woche eine Ewigkeit werden sollte, ahnte sie in diesem Moment noch nicht. Zudem überwog im Augenblick die Sorge um Mutter und Vater.
»Moin! Brigitte und Uwe Rochus, wir haben ein Zimmer bei Ihnen gebucht«, stellte sich der gemütlich wirkende blonde Mann mittleren Alters an der Rezeption des Hotels An’t Yachthafen in Harlesiel vor. Der Hotelname verriet schon, wo sie sich befanden.
»Moin, wir haben Sie schon erwartet. Sie kommen aus Bochum. Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Anreise? Ich bin Leefke und wir freuen uns auf Sie«, begrüßte die junge Ostfriesin hinter dem Tresen die Gäste.
Sie war wohl neu, denn Gitti und Uwe waren Stammgäste und sahen sie heute zum ersten Mal.
»Wohl neu hier?«, schoss es auch gleich schlagfertig mit deftigem Ruhrpottcharme und einem breiten Grinsen aus Uwe heraus. »Wir kommen aus Bochum-Wattenscheid, Leefke! So viel Zeit muss sein! Wenigstens haben die Bochumer uns vor einigen Jahren – nach dem Zusammenschluss – wieder unser altes Autokennzeichen ›WAT‹ zurückgegeben.«
»Ah, das ist Ihnen wohl sehr wichtig. Sorry, ich habe verstanden. Also nochmal und jetzt richtig: Sie sind aus Bochum-Wattenscheid mit dem Autokennzeichen ›WAT‹ angereist«, reagierte Leefke mit einem schalkhaften Augenzwinkern.
»Dat könn Se glauben, junge Frau! Deswegen stehen wir auch schon seit Jahren im Urlaub auf ›Wat(t)‹. Weil et dat hier reichlich gibt!«, erwiderte Uwe ebenfalls mit einem Zwinkern und einem noch breiteren Grinsen im Gesicht und verfiel dabei wieder in seinen Ruhrpottslang.
Gitti kannte solche Dialoge ihres Mannes und pflegte nur still in sich hineinzulächeln. Zumal sie wusste, dass er damit jetzt noch nicht am Ende war. Aber irgendwie mochte sie das auch an ihm. Es war seine Art, charmant zu sein.
Auch die Hotelangestellte konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen und sagte spontan: »Leefke, und ›du‹ reicht schon. Und Sie haben recht, von ›Watt‹ haben wir hier ganz viel. So viel, dass wir Ostfriesen das gerne unseren Millionen Feriengästen jedes Jahr zur Verfügung stellen, damit die auch was davon haben.«
»Dat is die richtige Ansprache, Leefke, die wir auch im Pott verstehn! Dat is Gitti und ich bin Uwe«, sprach’s und streckte ihr die Hand hin. »Auch dat lieben wir an Ostfriesland, ohne viel förmlichen Schnickschnack. Deswegen bin ich auch auf Facebook in den Gruppen wi sünd Oostfreesen un dat mit Stolt und Nordsee – Hier ist immer Watt. Weißt du eigentlich, dat wir in beiden Gruppen zusammen schon über sechsundzwanzigtausend Mitglieder und Fans sind?«
»Weiß ich, Uwe, bin ja selbst in beiden Gruppen«, antwortete Leefke lachend. »Aber nützt nix, trotzdem müsst ihr beiden euch hier noch eintragen.« Sie zeigte auf das Anmeldeformular.
Nachdem Uwe mit seiner Gitti das Zimmer mit Blick auf den Yachthafen bezogen hatte, wollte sich seine Frau noch ein wenig von der Fahrt ausruhen und Uwe ging nochmal zur Rezeption zurück.
»Leefke, ich hätte da mal eine Bitte. Gitti und ich sind in zwei Tagen zehn Jahre verheiratet.«
»Das ist doch die Rosenhochzeit und jetzt hättest du am Montagmorgen gerne zehn dunkelrote Rosen für deine Gitti auf dem Zimmer«, unterbrach sie ihn, denn sie war auch nicht auf den Mund gefallen. Was die sprichwörtliche Mundfaulheit der Ostfriesen in diesem Moment eher als Mythos erscheinen ließ.
»Mensch, Leefke, kannste hellsehen, oder wat? Langsam wirs’e mir unheimlich. Ja, genau dat. Und nen Pülleken Sekt am Abend vorher, damit ich mit Gitti um zwölf Uhr anstoßen kann. Dat muntert nen bisken auf, wenn’e verstehs’, wat ich meine.«
»Habe zwar erst letztes Jahr geheiratet, aber ich glaube, ich weiß sogar ganz genau, was du meinst«, antwortete die sympathische Ostfriesin hinter dem Tresen mit einem hintergründigen Lächeln. »Hab alles notiert und wünsche euch nochmal einen unvergesslichen Aufenthalt hier bei uns im An’t Yachthafen.«
Wie sich das noch bewahrheiten sollte, davon hatten beide in diesem Moment noch keine Ahnung.
Nach einer kurzen Nacht von Sonntag auf Montag, in der Gitti und Uwe aus Bochum-Wattenscheid in ihren zehnten Hochzeitstag hineingeturtelt waren, klingelte um sieben Uhr der Wecker. Die beiden machten sich nur ein wenig frisch, zogen ihre Jogginganzüge an und dicke Jacken drüber. Uwe packte zwei kleine Sektfläschchen und zwei Gläser in eine Kühltasche. Dann machten sie sich auf den Weg nach unten.
Für die ostfriesische Nordseeküste war ein wolkenloser Tag vorhergesagt. Das versprach für sieben Uhr dreißig einen wunderschönen romantischen Sonnenaufgang, den sie an ihrem zehnten Hochzeitstag mit einem Gläschen Sekt am Harlesieler Strand begrüßen wollten.
Es dämmerte noch, als sie sich mit ihrer Kühltasche auf den Weg zum Strand machten. Am Anlegesteg der Marina dümpelten um diese Jahreszeit nur drei kleine Motoryachten in der Harle.
»Bei so einem Wetter wie heute würde ich gerne mal mit so einer Yacht nach Spiekeroog oder Wangerooge fahren«, schwärmte Uwe und seine Frau warf ihm einen Handkuss zu.
»Hättste mir ja zur Rosenhochzeit schenken können«, feixte sie. »Mit dem Flitzer da, der wäre doch ganz schick. Aber was hängt denn da zwischen dem Außenbordmotor und dem Pfosten? Da, wo die beiden Möwen drauf rumhopsen. Ist das vielleicht eine tote Robbe? Aber wie soll die denn in die Harle gekommen sein?« In der Morgendämmerung war nur etwas Dunkles, Längliches zu erkennen.
»Vielleicht ist die ja einem Schiff durch die Schleuse gefolgt«, versuchte Uwe eine Erklärung zu finden. »Aber irgendwie sieht das nicht aus wie eine Robbe. Warum sollte ausgerechnet eine tote Robbe hier im Süßwasser der Harle schwimmen? Macht irgendwie keinen Sinn. Warte hier. Ich laufe mal schnell die paar Meter zurück zu dem Steg, der da vorne zum Anleger führt. Da kann man jetzt drauf. Ich hab vorhin schon gesehen, dass das Tor offen steht. Dann schaue ich mal, was es ist. Nicht, dass da nachher noch ein Mensch im Wasser liegt, wie wir das schon mal an der Ruhr bei Stiepel erlebt haben. Kannste dich erinnern?«
»Mal bloß nicht den Teufel an die Wand! Nicht schon wieder ne Wasserleiche. War kein schöner Anblick. Wird mir wohl nie aus dem Kopf gehen. Manchmal träume ich immer noch davon«, rief Gitti ihrem Mann nach, der schon zum Zugangssteg des Anlegers spurtete und ohnehin wusste, was sie jetzt sagen würde. Denn sie sprach öfter davon. Er ärgerte sich über sich selbst. Seine Bemerkung hätte er sich besser sparen sollen.
Schnell war er bei der kleinen Brücke angelangt, die von der Straße zum Steg führte. Von dort aus verlief der Anlegesteg für die Boote etwa fünfzig Meter in beide Richtungen parallel zur Straße am westlichen Harleufer entlang.
Kaum hatte Uwe das Boot erreicht, inzwischen war es auch noch ein wenig heller geworden, rief er entsetzt: »Mensch, Gitti, hier liegt tatsächlich ein toter Mann mit dem Gesicht nach unten im Wasser. Ruf über Handy die 110 an. Ich glaube, wenn der noch leben würde, hätten sich nicht schon die Möwen an dem zu schaffen gemacht. Sieht so aus, als wenn die an seinem Kopf rumgehackt hätten.«
Es dauerte keine zehn Minuten, da näherte sich auf der B 461, entlang der Ostseite der Harle, ein ziviler PKW mit Blaulicht und hoher Geschwindigkeit. Kurz darauf war er schon über die Brücke an der Hafenmeisterei und der Schleuse vorbei. Er stoppte unmittelbar vor den beiden Urlaubern.
Uwe hatte inzwischen die Kühltasche mit dem Sekt aufs Zimmer gebracht. Gitti waren mit ihrem Smartphone noch ein paar schöne Bilder vom Yachthafen im Sonnenaufgang gelungen. Nach Sekt war ihnen seit ihrer Entdeckung nicht mehr zumute, eher nach was Schärferem, wie Uwe meinte.
Jetzt konnte man auch vom Ufer aus erkennen, dass sich da ein menschlicher Körper zwischen der Schraube des Außenbordmotors des Bootes und dem im Wasser stehenden Befestigungspfahl verfangen hatte.
Ein Mann und eine Frau in Zivil stiegen aus dem Wagen mit Blaulicht, welches die Szenerie etwas gespenstisch erscheinen ließ. Die Romantik eines wunderschönen Sonnenaufgangs am Yachthafen der Harle war schnell verflogen.
»Kommissar Bert Linnig vom Kommissariat Wittmund, und das ist meine Kollegin, Kommissarin Nina Jürgens«, stellte der kräftige, mindestens einen Meter achtzig große Mann sich und seine um gut einen halben Kopf kleinere, sehr drahtig wirkende Partnerin vor. »Sie haben einen Leichenfund hier im Yachthafen gemeldet?«
»Ja«, antwortete Uwe und zeigte auf das Boot. »Aber gerade eben erst vor ein paar Minuten, dat hätt ich der ostfriesischen Polizei gar nicht zugetraut«, konnte sich Uwe den Kommentar nicht verkneifen.
»Danke«, war das Einzige, was Bert darauf antwortete. Schon war er im Laufschritt unterwegs. Er hatte die Lage sofort erkannt und wusste, dass Eile geboten war. Unter Umständen würde die Bugwelle eines vorbeifahrenden Bootes genügen und der Leichnam wäre in der Harle verschwunden. Das Gleiche konnte allerdings auch passieren, wenn er versuchte, das Boot zu betreten, um an das Heck zu gelangen. Es blieb ihm keine andere Wahl, als auf die Kollegen aus Wittmund zu warten.
Nina griff Uwes Bemerkung auf: »Wir wohnen nur wenige Kilometer von hier in Carolinensiel und wollten gerade zum Dienst nach Wittmund fahren, als uns die Kollegen alarmierten.«
Dann ging sie etwas auf die Seite, um zu telefonieren. Auch sie hatte die prekäre Situation erkannt. »Sie sind gleich mit einem Schlauchboot da«, rief sie Bert kurz darauf zu.
Der hatte inzwischen seine Jacke und seine Schuhe ausgezogen, um eventuell mit einem Sprung ins Wasser die Leiche sichern zu können. Kein angenehmer Gedanke für ihn, auch wenn kein Frost war. Er hatte für den Fall des Falles auch seine Taschen ausgeleert und die Pistole mit dem Holster abgelegt. Nina nahm inzwischen die Personalien von Brigitte und Uwe Rochus auf, als bereits in der Ferne mehrere Martinshörner sich in schneller Fahrt näherten.
Kurz darauf war bereits hektische Betriebsamkeit um den Fundort herum entstanden. Zwei Polizisten in Neoprenanzügen sprangen vom Ufer aus ins Wasser und waren im Nu bei der Leiche. Dann wurde ein Schlauchboot zu Wasser gelassen. Bevor der Tote geborgen wurde, machten die Beamten mit einer Spezialkamera Fotos von seiner Lage im Wasser. Dann brachten sie ihn mit dem Schlauchboot zum Zubringersteg, wo ihn andere Kollegen auf eine Bahre legten. Diese trugen sie dann über die inzwischen abgesperrte Straße in einen Pavillon, der auf dem Parkplatz des Hotels aufgebaut worden war. Beamte in weißen Schutzanzügen untersuchten die Taschen des Toten. In der Gesäßtasche der Hose fanden sie seine Geldbörse mit Bargeld, Scheck-, Kreditkarten sowie Ausweis und Führerschein.
»Nach Raubmord sieht das nicht aus«, bemerkte der Polizist, der die Sachen sichergestellt hatte. »Aber ziemlich brutal, wie man ihm die Kehle durchgeschnitten hat.«
»Ein geiler Typ. Den hätt ich nicht von der Bettkante geschupst. Vielleicht ne Eifersuchtsgeschichte«, stellte seine Kollegin nach einem Blick in das Gesicht des Toten fest.
In diesem Moment betrat Dr. Rabe, der Rechtsmediziner aus Oldenburg, das Zelt. »Keine voreiligen Schlüsse, junge Dame«, sagte er. »Aber gut aussehender junger Mann, da muss ich Ihnen recht geben. Na, wir werden sehen. Dann lassen Sie mich mal meine Arbeit machen. Über die sichergestellten Gegenstände können Sie inzwischen draußen Ihren Einsatzleiter informieren.«
Bert ließ sich auf dem Parkplatz des Hotels gerade von den Eheleuten, die den Toten entdeckt hatten, über den Hergang informieren. Dann entließ er die beiden mit der Auflage, sich im Hotel für eventuelle Rückfragen noch zur Verfügung zu halten.
»Wir haben das Portemonnaie des Toten mit Bargeld, Kredit- und Scheckkarten sowie seinen Perso und Führerschein«, informierte die Polizistin im weißen Overall ihren Chef. »Sieht also nicht nach Raubmord aus, trotz durchgeschnittener Kehle. Dr. Rabe untersucht ihn gerade.« Sie hielt Bert mehrere Plastikbeutel mit den angesprochenen Sachen hin.
Während Bert sich die Dinge anschaute und den Namen des Toten sowie dessen Adresse notierte, fragte Nina: »Ein Handy oder Smartphone habt ihr nicht gefunden?«
»Bis jetzt nicht. Wir haben aber auch noch nicht so intensiv geschaut, weil wir die vorläufige Untersuchung von Dr. Rabe abwarten wollten.«
»Fabian Kluge, fünfunddreißig Jahre alt, geboren in Hamburg und dort auch gemeldet«, informierte Bert Nina. »Ich frage mich, wo der in die Harle geworfen wurde. Wir haben doch zwei Hundeführer dabei. Die sollen ihre Hunde mal Witterung aufnehmen lassen und auf beiden Seiten die Ufer absuchen. Vielleicht werden wir ja fündig. Könnte auch sein, dass der Mörder den Toten einfach direkt da vorne, von der Brücke mit dem offenen Tor aus, ins Wasser geworfen hat. Hat mich schon gewundert, dass das Tor offen stand.«
Während Nina das Entsprechende veranlasste, ging Bert zu Dr. Rabe in das Zelt, um sich dort ein Bild zu machen. »Moin, Herr Doktor. Sind Sie von Oldenburg hierher geflogen? Sie waren ja bereits kurz nach uns hier.«
»Geflogen nicht. Ich war zufällig gestern bei einem alten Studienfreund zu einem runden Geburtstag in Esens. Als ich gerade auf dem Weg nach Oldenburg war, erreichte mich der Anruf von meiner Dienststelle. Da lag das hier ja fast für mich auf dem Weg und als Arzt hat man sowieso immer seine Tasche im Auto parat.«
»Das haben unsere beiden Berufe gemeinsam, man kann sich seine Arbeitszeiten und Einsätze nur bedingt einteilen. Und Verbrecher und der Sensenmann schlagen nun mal oft ohne Vorwarnung zu.«
»Kann man so sagen, Herr Linnig. Den hier scheint es völlig unerwartet getroffen zu haben. Jedenfalls sehe ich im Moment keinerlei Anzeichen von Gegenwehr. Ich würde sagen, der Schnitt wurde von hinten von einem starken Linkshänder mit einer sehr scharfen Klinge ausgeführt. Das Blut ist durch den Herzschlag stoßweise herausgeschossen, wie man auch teilweise noch an der Kleidung sehen kann. Ich gehe davon aus, dass der Tod bereits eingetreten war, als er ins Wasser der Harle geworfen wurde.«
»Und wann?«, wollte der Kriminalist wissen.
»Schätzungsweise hat er keine zwölf Stunden im Wasser gelegen. Und die Verletzungen am Hinterkopf werden ihm wahrscheinlich Möwen zugefügt haben. Wie gehabt, Näheres dazu erst nach meiner Untersuchung im Institut.«
Kurz darauf kam der erste Hundeführer mit seinem Hund in das Zelt. »Wenn das mit den Hunden was bringen soll, dann brauchen wir möglichst trockene Kleidung, die der Tote direkt auf seiner Haut getragen hat«, sagte der Mann. »Als spezielle Wasserspürhunde sind unsere Tiere nicht ausgebildet.«
Dr. Rabe hatte die gefütterte Jacke des Toten geöffnet und trennte das Sweatshirt auf. Vorsichtig schnitt er aus dem Unterhemd ein großes Stück heraus und gab es dem Uniformierten für seinen Hund. »Trocken ist gar nichts mehr. Der Ermordete muss etwa zehn bis maximal zwölf Stunden im Wasser gelegen haben. Den hat auch nur diese dicke, wasserabweisende geschlossene Jacke sowie die Luft in den Lungen davor bewahrt, längst auf dem Grund der Harle zu liegen. Gut war zudem für das schnelle Auffinden des Toten, dass sich im Rückenteil der Jacke eine richtige Luftblase gebildet hatte. Dadurch war er wohl zwischen Motorschraube und Pfahl regelrecht eingeklemmt, wie ich auf den Bildern der Kamera gesehen habe.«
Inzwischen hatte sich auch der zweite Hundeführer Witterung für seinen Hund geholt. Er war sich ebenso nicht sicher, ob es funktionieren würde. Zumal sie hier mit ihren Hunden keiner Spur folgen konnten, sondern eher nach dem Zufallsprinzip mit ihren Spürnasen am Ufer der Harle entlanggingen. Ihnen folgten in einigem Abstand jeweils einige Kollegen, die nach Auffälligkeiten in der Uferböschung schauten. Nur entlang des Westufers der Harle standen überwiegend Ferienhäuser an der Straße, die bis kurz vor der Friedrichschleuse zwischen Harle und den Häusergrundstücken verlief. Auf der östlichen Uferseite standen etwa vierzehn Pfahlhäuser in der Harle. Auf beiden Seiten schickte Nina je ein Team aus der Bereitschaft los, um die Bewohner zu befragen, ob sie seit gestern Nachmittag irgendetwas Ungewöhnliches beobachtet hätten.
Das Befragungsteam von der Ostseite kam noch vor den Hundeführern und dem Team, welches nach Auffälligkeiten in der Uferregion schauen sollte, wieder zurück. Mit den vierzehn Häusern waren sie schnell durch gewesen. Die Kollegen meldeten, dass sie in keinem der Häuser jemanden angetroffen hätten. Alles sei verschlossen gewesen.
Sie hatten einen Einheimischen gefragt, der mit dem Fahrrad auf der Schleusenstraße unterwegs gewesen war. Der hatte ihnen gesagt, dass die meisten der Pfahlbauten als Wochenendhäuser von Eigentümern bewohnt würden. Außerhalb der Ferien- und Urlaubszeit wären die auch nur in ihrer Freizeit da. Ein paar der Häuser dienten als Ferienunterkünfte für Kurgäste. Aber auch die seien in dieser Jahreszeit kaum vermietet. Wie die Beamten meldeten, hätte lediglich vor einem der Häuser ein Auto geparkt. Aber auch da wäre ihnen nicht aufgemacht worden. Es war ein kleines Mazda MX-5 Cabrio mit Bremer Kennzeichen. Nina gab das Kennzeichen an das Kommissariat mit dem Auftrag der Halterermittlung.
Wie Nina schon befürchtet hatte, kamen auch die Teams von der Westseite ohne Ergebnisse zurück. Auch die Hunde hatten nicht angeschlagen. Einer der Hundeführer meinte: »Aber einen Versuch war es wert.«
Dr. Rabe hatte seine vorläufigen Untersuchungen inzwischen abgeschlossen, und der Leichnam war bereits unterwegs in die Gerichtsmedizin nach Oldenburg. Er blieb bei seiner Einschätzung, dass der Tod durch den Kehlkopfschnitt und Verbluten erfolgte. Für ihn stand fest: Diesen Schnitt hatte ein großer, kräftiger Linkshänder mit einem scharfen Messer von hinten ausgeführt. Er ging davon aus, dass er kein Wasser in der Lunge finden würde. Was darauf schließen ließ, dass der Mörder Fabian Kluge post mortem in die Harle befördert hatte.
Wo das geschah, stand allerdings noch in den Sternen. Die Kriminalisten waren sich aber sicher: nicht allzu weit vom Fundort entfernt. Denn die Harle hatte nur eine geringe Fließgeschwindigkeit, die aber, vom Binnenwasserstand und den Gezeiten beeinflusst, schwanken konnte. Von etwa Mitternacht bis morgens gegen sechs Uhr hatten sie an der Nordsee abfließendes Wasser gehabt. Was sich durch das automatisch arbeitende Siel- und Schöpfwerk auf die Fließgeschwindigkeit in dieser Zeit ausgewirkt haben könnte.
Inzwischen war die Spurensicherung wieder unterwegs zum Kommissariat nach Wittmund. Nina und Bert sprachen noch mit dem Personal des Hotels, in der Hoffnung, dass von dort irgendjemand eine weiterführende Beobachtung gemacht hatte. Aber leider auch da Fehlanzeige. Bevor sie sich auf die Rückfahrt zu ihrer Dienststelle machten, baten sie die Eheleute Rochus noch, vor ihrer Heimreise zur Unterschrift des Protokolls ins Kommissariat nach Wittmund zu kommen.