Aus welchem Grund Luca mit seinem außergewöhnlichen Hobby begonnen hat, kann er heute nicht mehr genau sagen. »Vielleicht, weil ich niemanden traurig sehen kann. Ich will, dass alle glücklich sind! Also wird es sich so ergeben haben.«
Luca, der sein Geld noch immer mit dem Anpflanzen und Verkauf von Honigmelonen verdient und tagsüber hart auf dem Feld arbeitet, hatte dort seit jeher viel Zeit zum Nachdenken und zum Beobachten der Leute, die vorbeispazieren, ihm zuwinken und ihn sogar manchmal ansprechen.
»Viele sind einsam und brauchen jemanden zum Reden. So bin ich wohl auf die Idee gekommen, der Liebesbote von Catania zu werden.«
Diese Vision in die Wirklichkeit umzusetzen, war allerdings gar nicht einfach. Etliche Wochen des Nachdenkens waren dafür nötig: »Es ist doch so«, fährt er fort, »niemand zeigt seine Sehnsucht, niemand zeigt seine Trauer. Alle lachen, obwohl sie weinen möchten.»
Irgendwann glaubte er, die Lösung gefunden zu haben und nahm sich vor, Liebesbriefe an diejenigen zu schreiben, von deren Einsamkeit er wusste.
Leider war Luca selbst dazu nicht in der Lage, das war ihm klar. Mit nur fünf Schuljahren, in denen er sowieso fast nur geschwänzt hatte, war es mit seiner Rechtschreibung nicht weit.
Doch Luca war klug und sehr erfinderisch. Weil er eine süße Tochter, Greta, hatte, die sogar auf das Gymnasium ging, weihte er sie in seinen Plan ein.
»Was soll der Quatsch?«
Greta war gar nicht begeistert. »Woher willst du überhaupt wissen, wer einsam ist und wer nicht?»