E-Book-Konvertierung: Newgen Publishing Europe

ISBN E-​Book 978-​3-​451-​81979-​7

Inhalt

1.Vorwort

2.Die Zukunft –​ Verstehen

2.1Im Informationssturm

2.1.1Der böse Traum

2.1.2Der sogenannte Mehrwert

2.1.3Das Daedalus- und Ikarus-Problem

2.2Der Weg nach Babylon

2.2.1Der erweiterte Mensch

2.2.2Die parallelen Ebenen

2.2.3Divergenz –​ die Schlange im Paradies

2.3Hoffnung

2.3.1Neue Lehren –​ Neue Lehrer

2.3.2Die zweite Renaissance

2.3.3Utopia

3.Fazit: Was tun?

Quellennachweise

Über die Autorin

1. Vorwort

The important thing in science is not so much to obtain new facts as to discover new ways of thinking about them.

William Lawrence Bragg

Vorworte sind ein Problem. Sie sind nicht wirklich Teil des Buches und werden darum oft auch nicht gelesen. Und das ist schade. Denn einige der besten Texte, auf die ich in meinem Leseleben traf, waren in Vorworten versteckt. Dies liegt vielleicht daran, dass die meisten Bücher einer Konvention folgen, die einen gewissen Schreibstil und eine konkrete Vorgehensweise fordern. Eine Art Unterwerfung unter die Ernsthaftigkeit des gedruckten Wortes. Das Vorwort bietet hier eine kleine Flucht. Der Autor ist diesem Zwang im Vorfeld der literarischen Ordnung, die sich in Form des Inhaltsverzeichnisses manifestiert, noch nicht völlig unterworfen. Im Vorwort herrscht eine gewisse Freiheit. Und diese Freiheit will ich nutzen mit dem Ziel, dass dieses Buch zu einem einzigen Vorwort wird. Einem Beginn für ein Buch, das die Leser schlussendlich selbst zu Ende denken. Denn nicht das ist wertvoll, was in einem Buch geschrieben steht, sondern das, was die Menschen daraus mitnehmen. In diesem Sinne – willkommen am Anfang unserer Reise.

In meinem letzten Buch habe ich beschrieben, wie meine Reise ins alternative Denken an der Grenze zwischen Großstadt und Dschungel begann. Die Wunder der Natur und deren Fähigkeit, den Härten der Umwelt mit immer neuen Lösungen beizukommen, haben mich fasziniert und sind zum Schwerpunkt meiner Forschungstätigkeit geworden. Nun, einige Jahre und viele Gedankengänge später, habe ich meine Überlegungen zu einigen Aspekten niedergeschrieben, die das Geschick der Menschheit und deren Verhältnis zur Natur bestimmen. Und das war nicht einfach. Auf meinen Reisen und auch beim Studium von Publikationen, Berichten und Datensammlungen sind mir viele Dinge bewusst geworden, die mich traurig gemacht haben. Die Art und Weise, wie wir unseren gegenwärtigen Lebensstandard aufrechterhalten, ist falsch. Wir verdrängen und verschmutzen die belebte Natur und haben verschiedenste eng miteinander verwobene und voneinander abhängige lebensnotwendige, globale Abläufe gestört. Im Rahmen der Notwendigkeiten und Sachzwänge, die dem Zusammenleben der Milliarden Menschen auf dieser kleinen Erde entspringen, kann oft keine Rücksicht auf das Schicksal der Schwächeren genommen werden. Und schon gar auf die für uns so notwendige Natur. Es läge hier auf der Hand, Schuldzuweisungen zu verteilen und auf das kollektive Versagen auf allen institutionellen, kulturellen und wirtschaftlichen Ebenen hinzuweisen.

Aber wäre das gerecht? Auch wenn sich viele die menschliche Gesellschaft als gierigen Moloch vorstellen, sind die Intentionen der einzelnen Akteure oft anständig und gut. Vielmehr ist die Menschheit ein aus dem Gleichgewicht geratener Riese, der in immer größeren und ungelenken Schritten vorwärts stolpert. Dies, um entweder schwer zu fallen und in einer ultimativen Katastrophe auszusterben, oder doch die „sanfte Landung“ zu erreichen, die wir uns für unsere Nachkommen wünschen. Diese so erstrebenswerte sanfte Landung kann nur erreicht werden, wenn wir alle die Kraft haben, gute, langfristige Lösungen für möglichst Viele zu erreichen. Und dies ist, wie ich in diesem Buch zeigen werde, gar nicht so einfach. Ein erster Schritt, um bessere Lösungen zu erreichen, wird sein, die Menschheit von einem der größten Missverständnisse aller Zeiten abzubringen: Wir sind nicht die Herrscher der Natur, sondern ein Teil von ihr. Ein Teil, der sich nahezu unlösbaren Problemen gegenübersieht, der aber noch eine gute Chance hat, die Dinge zum Positiven zu verändern. Man muss es nur wollen und versuchen, anders zu denken.

Aus dieser Sicht ist Ordnung eine zeitliche Abfolge von Gleichgewichten, die sich langsam verschieben. Von den Sonnen des Universums über die Entstehung des Lebens bis hin zu unserer Gesellschaft und ihrem Verhältnis mit der Umwelt. Die Ordnung, die uns umgibt, ist ebenso komplex wie die Wunder der DNA. Und vielleicht noch viel komplexer, denn wir erkennen erst jetzt langsam, in welchem Zusammenhang sich Materie, Raum, Zeit und Energie zueinander befinden. Die Entstehung von Gleichgewichten, die Beeinflussung der Ordnungen untereinander und die daraus folgende Selbstregelung von Systemen folgt Gesetzen, die sich im Moment noch unserem Verständnis entziehen. Vielleicht existiert das wichtigste Naturgesetz außerhalb unserer Vorstellungskraft. Nur ganz knapp, aber doch in seiner Gesamtheit unerreichbar. Vor allem auch, weil jedes System nach den Gesetzen der Urordnung unvollkommen sein muss und unser Denken in diesem Zusammenhang keine Ausnahme darstellen kann. Selbst der weiseste Mensch kann aus dieser Perspektive nur „nicht dumm“ sein. Das bedeutet aus der Sicht der Ordnung der Dinge aber noch lange nicht, dass er wirklich „intelligent“ ist. In gewisser Weise mag dies vielleicht auch gut sein. Denn eines Tages wird der Mensch, ausgesetzt auf diesem endlosen Ozean von vermeintlich wissenswerten Dingen, erkennen müssen, dass es nicht wichtig ist, alles zu wissen, sondern so viel wie möglich zu verstehen. Es ist unser Leben, um das es geht. Um das Wesentliche. Und von den Dingen nur zu wissen, oder an sie zu glauben, ist hier zu wenig.

Aufbauend auf diesen Gedanken soll das hier vorliegende Werk kein Fachbuch sein. Es wurde bewusst einfach gehalten, um als Basis für eigene Überlegungen der Leserinnen und Leser zu dienen. Es soll eine Anregung sein, einige Zusammenhänge zu erkennen, die uns zu dem gemacht haben, was wir sind. Dieses Buch soll einen Ausblick auf eine mögliche Entwicklung der Zukunft geben. Gezwungenermaßen durch die verzerrte Optik unserer Zeit; denn es ist ja nahezu unmöglich, den gegenwärtigen Denkmodellen zu entfliehen und dennoch verständlich zu bleiben. Aber es wird meiner Meinung nach eine Zukunft sein, die sich anders entwickeln wird, als viele denken, und die Anlass zur Hoffnung gibt. Es wird natürlich nicht alles eitel Wonne sein, und die von so vielen herbeibeschworenen Katastrophen können natürlich, schon rein statistisch gesehen, nicht ausbleiben; aber es gibt gewichtige Gründe, auch das Positive zu sehen. Die Menschheit hat einen weiten Weg zurückgelegt und schon oft gezeigt, dass sie zu signifikanten Veränderungen im Stande ist. Denn nichts ist so stark wie Ideen, deren Zeit gekommen ist. Es ist nicht undenkbar, dass die globale Zivilisation plötzlich zusammenbrechen muss; aber eine Alternative, also eine sanfte Landung der Menschheit in der Zukunft –​ mit einem weltweit hohen Lebensstandard, einem leicht rückläufigen Bevölkerungswachstum und einer sich erholenden Umwelt –​ ist durchaus möglich. Dazu bedarf es aber einer grundlegend anderen Philosophie, die in der Folge auch andere Menschen hervorbringen wird. Diese würden uns heutigen Menschen ähnlich fremd vorkommen, wie wir den Menschen des Mittelalters erscheinen müssten. Und es steht zu befürchten, dass der Mensch der Zukunft unserer heutigen Zeit kein gutes Zeugnis ausstellen wird. Diese Wahrheit ist zugegebenermaßen unangenehm; vielleicht einer der Gründe, warum alle wollen, dass die Welt sich ändert, aber die Mehrheit der Menschen konkreten Veränderungen dennoch negativ gegenübersteht. Wir müssen uns bewusst werden, dass es an uns liegt, wie wir mit unserem Umfeld umgehen und wie einst über unsere Zeit geurteilt werden wird.

Ich habe lange darüber nachgedacht, wie einige Gedanken ­einfacher zu vermitteln wären, ohne im Detail zu trocken zu werden. Auch sollen sich einige Gedankengänge aus den Zusammenhängen erschließen. Aus diesem Grund soll dieses Buch den Leser auf eine Art Reise in die Zukunft mitnehmen. Mit der ers­ten Renaissance endete vor 500 Jahren das Mittelalter. In der Zukunft wird es eine zweite Renaissance geben, die ich für mich als „Reveillance“, das Erwachen, bezeichne. Diese zweite Renaissance wird meiner Meinung nach ähnliche Veränderungen bringen wie die erste und weitere Meilensteine des Denkens und der Wissenschaft ermöglichen. Leider im Positiven wie im Negativen. Neue Gedankenwelten werden niemals ohne Schmerzen und Konflikte geboren.

Auf Basis einer vereinfachten Illustration der Entwicklung ­unseres Denkens ist es möglich, einige Annahmen über die Zukunft und über absehbare Entwicklungen zu tätigen. Eine Perspektive, die zwar weniger düster ist als die gegenwärtigen Standardszenarios, die aber im Rückblick einige Entwicklungen unserer Zeit offenbart. Am Ende ist aber eines sicher –​ die Zukunft der Menschheit wird in den kommenden Jahrzehnten viel dynamischer und spannender verlaufen, als wir heute annehmen. Und das ist gut so, denn Veränderung tut not.

Ille C. Gebeshuber

Wien im September 2020