Buchinfo

Seinen starken linken Fuß kennt jeder. Wie viel mehr dazu gehört, Spitzenfußballer zu werden, wissen dagegen nur wenige. Hier schildert der Nationalspieler Lukas Podolski anschaulich und temporeich, wie er es vom Gummiplatz in Bergheim in die Stadien dieser Welt schaffte.

Seinen Erfolg versteht er als Verpflichtung, sich für andere einzusetzen und das nicht nur mit Geld, sondern ganz persönlich. Das wird spürbar, wenn er von seinen Begegnungen mit sozial benachteiligten Jugendlichen erzählt, denen er dabei helfen will, ihre Träume zu leben.

Herausgegeben von Bernd Siggelkow und Wolfgang Büscher vom Kinder- und Jugendwerk Die Arche

Autorenvita

© Affonso Gavinha

Der Fußballspieler Lukas Podolski wurde am 4. Juni 1985 in Gliwice in Polen geboren und lebt seit seinem zweiten Lebensjahr in Deutschland. Zur Deutschen Nationalmannschaft gehört er seit 2004; seitdem hat er weit über 100 offizielle Länderspiele absolviert. Aktuell spielt er für den FC Arsenal in der Premier League. Mit seiner Stiftung, der Lukas Podolski Stiftung, und als Arche-Botschafter engagiert er sich für sozial benachteiligte Kinder. Er ist verheiratet und hat einen Sohn.

Vorwort von Jogi Löw

Ich habe mich gefreut, als Lukas mich gefragt hat, ob ich für sein Buch ein Vorwort schreiben würde. Es gibt Menschen, die man gerne unterstützt. Zu diesen Menschen gehört Lukas Podolski, den ich nun schon seit über zehn Jahren und rund hundert Länderspielen kenne.

Über eine so lange Zeit, im Trainingslager, bei den vielen Reisen und Spielen, vor allem in der intensiven Zeit großer Turniere, lernt man sich sehr gut kennen. Da zeigt sich der Charakter, wie jemand mit Druck umgeht, mit den Teamkollegen, mit Kritik und Chancen, mit Erfolgen und Rückschlägen. Dass ich ein großer Fan des Menschen Lukas Podolski bin, ist kein Geheimnis. Natürlich hat er diese direkte, entwaffnende, fröhliche Art. Aber er ist so viel mehr als nur der Spaßvogel im Team, der für gute Laune sorgt.

Der Fußball mit seiner weltumspannenden Kraft kann und muss auch Werte vermitteln. Der DFB engagiert sich hier vielfältig, investiert sehr viel in die Jugendarbeit, setzt sich für Integration ein, für Fair Play und gegen jede Form von Gewalt und Diskriminierung.

Werte, für die auch Lukas steht.

Es passt einfach zu Lukas, dass er in seinem Buch diese Werte und die Begegnung mit Menschen in den Mittelpunkt stellt. Lukas weiß, wo er herkommt, und wer seine Herkunft und seinen Werdegang kennt, der versteht, warum er sich mit seiner Stiftung und als Arche-Botschafter für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche starkmacht. Lukas wurde sein Talent und dieser linke Fuß in die Wiege gelegt. Aber er hat nicht vergessen, dass es in seiner Jugend Menschen gab, die sein Talent erkannt haben, die ihn gefördert und ihm eine Chance gegeben haben. Er findet, dass jedes Kind, jeder einzelne Jugendliche auch eine Chance verdient.

Dieses Buch richtet sich gleichermaßen an Erwachsene – eine eindringliche Erinnerung daran, dass Kinder ihren eigenen Platz in der Gesellschaft nicht ohne Hilfe finden können – wie auch an die Jugendlichen direkt: Mit Blick auf ihr Idol sehen die meisten nur das Ergebnis, den Ruhm und die Annehmlichkeiten, aber nicht den Weg dahin, den unbedingten Willen, die harte Arbeit und den Verzicht.

Eine Chance zu bekommen ist also das eine, sie auch zu ergreifen das andere. Mit diesem Buch ergreift Lukas die Chance, sich und seine Geschichte in den Dienst einer Sache zu stellen, die ihm sehr wichtig ist und die uns allen wichtig sein sollte.

Ich wünsche ihm, dass es die Menschen erreicht, für die er es geschrieben hat.

» Schon früh zeichnete sich ab, dass mit meinem starken linken Fuß nicht zu spaßen war. Ich war ungefähr acht Jahre alt, als es in Bergheim ein großes Fußballfest gab. Eine Profimannschaft reiste an und trat auf unserem Sportplatz gegen die Bergheimer an. Wir Jungs aus dem Wohnpark konnten es kaum erwarten. Fußball war unser Leben, wir spielten jeden Tag, bis es dunkel wurde, versuchten besser zu werden und unserem Traum, selbst einmal Profis zu werden, näherzukommen. Meine Kumpels waren alle älter und im Gegensatz zu mir meist dunkelhäutig mit pechschwarzen Haaren und Augen. Im Wohnpark direkt neben dem Sportplatz lebten fast ausschließlich Menschen aus anderen Ländern und ich gehörte dazu. Ich war zwei Köpfe kleiner, blond und eher schmächtig, aber Fußball spielen konnte ich, deswegen war ich dabei. Deswegen und weil ich als Einziger immer einen Ball hatte. Das wenige Geld, das hier im Umlauf war, wurde nicht für Bälle verwendet, da waren andere Sachen wichtiger wie Essen, Miete, das Auto. Für mich war ein guter Fußball das Wichtigste.

Wir liefen also über den Festplatz von Bude zu Bude. Schließlich entdeckten wir eine Torschussanlage. Hier war es möglich, seine Schussstärke zu messen. Jetzt konnte ich endlich herausfinden, wie stark mein linker Fuß wirklich war, immerhin hatte ich damit schon drei Torwarten die Hand gebrochen.

Ich stellte mich mit meinen Kumpels in der Schlange an. Allerdings hatte keiner von uns Geld für das Märkchen, das man brauchte, um überhaupt schießen zu dürfen, und so schickte der Betreuer mich weg: »Das geht so nicht. Außerdem bist du noch zu klein, das wird nichts!«

Aber da Hartnäckigkeit schon damals zu meinen hervorstechendsten Eigenschaften gehörte, stellte ich mich einfach wieder hinten an, immer wieder, bis der Typ endlich nachgab. Ich legte mir den Ball zurecht, nahm Anlauf und schoss. Auf der digitalen Anzeige erschien eine Zahl, die so hoch vorher noch nie da gewesen war.

Keiner konnte es glauben und man vermutete, dass das Messgerät kaputt war. Es wurde kontrolliert, neu justiert und dann sollte ich noch mal schießen. Der Wert war noch höher und ich nahm mir vor, unbedingt weiter an meiner Schusskraft zu arbeiten. Dann gingen wir Fußball spielen.

1. Kapitel

Fremdes Land

Ursprünglich kommen wir aus Gliwice, einer Stadt im südlichen Teil von Polen im oberschlesischen Industriegebiet. Unsere ganze weitläufige Familie lebt hier oder in der Nähe, nur die Eltern meines Vaters sind früh nach Deutschland gegangen, für Rentner war das damals möglich. Meine ältere Schwester Justyna und ich sind in Gliwice geboren und zu meiner Geburt befragt, zuckt mein Vater nur mit den Schultern und murmelt: »Alles ganz normal, ganz normales Kind eben.« Ich hab also nicht direkt »Ball« geschrien, als ich das Licht der Welt erblickte. Aber die Leidenschaft zum Sport war mir in die Wiege gelegt. Mein Vater spielte Fußball in der ersten Liga in Polen, meine Mutter war Handballerin in der Nationalmannschaft. Es ist wohl ganz natürlich, dass so was dann auch weitergegeben wird. Wenn beide Eltern Musiker sind, wird für das Kind von Geburt an die Musik immer ein großes Thema sein, und es ist sehr wahrscheinlich, dass es in seinem Erwachsenenleben etwas damit machen wird. Meine Eltern waren und sind durch und durch Sportler. Also lag das auch bei mir nahe.

Die ersten zweieinhalb Jahre meines Lebens verbrachte ich in Polen, in einem vierstöckigen Mietshaus. Ich machte meine ersten Schritte dort, saß auf dem Schoß der geliebten Oma und lernte auf Polnisch zu sagen, was ich wollte und was nicht. Hier war mein Zuhause, bis meine Eltern beschlossen, mit uns nach Deutschland auszusiedeln. Die Eltern meines Vaters lebten schon dort in Bergheim in der Nähe von Köln. Mein Vater hatte aufgehört Fußball zu spielen und das bedeutete damals in Polen, ein privilegiertes Leben aufzugeben. Fußballer bekamen besondere Wohnungen zugewiesen, waren hoch angesehen und lebten mit den Industriellen in einem Viertel. Aber das war vorbei. Meine Mutter hatte mit dem Handball schon aufgehört, als sie mit meiner Schwester schwanger war, und so versprachen sie sich bessere Verdienstmöglichkeiten, ein angenehmeres Leben und mehr Freiheit. Sie hatten fest vor, die Chance zu ergreifen und auch in Deutschland zu bleiben.

So eine Entscheidung ist weitreichend und hat Konsequenzen, die man sich vielleicht so erst mal gar nicht vorstellen kann. Sicher haben meine Eltern sich das nicht leicht gemacht, aber davon weiß ich nichts mehr. Ich war zweieinhalb und alles, was ich hier berichte, weiß ich selbst nur aus Erzählungen. Gefühle, die ich damals vielleicht hatte, kann ich heute nur vermuten. Jedenfalls erzählten meine Eltern allen, dass wir in den Urlaub nach Deutschland fahren würden. Ausreisen war nicht erlaubt, aber wenn man Verwandte hatte, durfte man sie besuchen. Selbst meine Schwester, damals sieben, wusste nicht, dass wir dabei waren, unsere Heimat zu verlassen. Nur der Chef meines Vaters hat ihn wohl durchschaut: »Ja, ja, du kommst doch nicht mehr zurück!« Viele Polen haben das damals so gemacht und alles stehen und liegen gelassen.

Wir packten unsere sieben Sachen, verabschiedeten uns von Freunden, Verwandten und unserer Heimat und landeten im damaligen Grenzdurchgangslager Friedland.

Es war vollkommen überfüllt, alle redeten in Sprachen, die ich nicht kannte, alle waren wie wir entwurzelt und fremd. Es gab Essen, das wir so nicht gewohnt waren, und ein eigenes Zimmer hatten wir auch nicht, weil einfach nicht genug Platz da war für die vielen Menschen, die in Deutschland bleiben wollten. Im Nachhinein war das ein Glück für uns, da auch den Angestellten dort die Situation über den Kopf wuchs. Es wurde herumgefragt, wer Verwandte oder Bekannte in Deutschland hatte, ob jemand einen Platz hätte, wo er hinkönnte, und wir meldeten uns sofort. Schließlich gab es Oma Helene und Opa Josef Podolski in Bergheim. Kurz darauf bekamen wir alle Papiere und sind zu den Eltern meines Vaters weitergereist. Sie waren schon Jahre vor uns nach Deutschland gegangen, in der Hoffnung, dass ihre Kinder folgen würden. Sie kannten sich also schon aus und wussten, was alles zu tun war. In Gliwice, damals noch Gleiwitz, als Deutsche auf die Welt gekommen und auf deutsche Schulen gegangen, fühlten sie sich hier zu Hause, denn Oberschlesien gehörte erst 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg zu Polen. Mein Opa Josef kam erst 1947 aus dem Krieg zurück, eigentlich nur, um seine Papiere zu holen. Aber die Polen ließen ihn nicht mehr ausreisen. Und so verlief es bei meinen Großeltern dann genau andersrum als bei uns: Sie mussten Polnisch lernen.

Es dauerte eine Weile, bis wir eine eigene Wohnung fanden. In der Zeit wohnte ich mit meiner Mutter bei der Tante, die auch schon in Deutschland lebte, meine Schwester und der Vater kamen bei den Großeltern unter.

Die Familie lebte also getrennt. Wir hatten kaum Geld, keine gemeinsame Wohnung und verstanden nicht ein Wort von dem, was die Leute sagten. Es war für alle sehr schwierig, bis wir endlich unsere eigene Wohnung im Wohnpark beziehen konnten. Meine Oma hatte ihre Beziehungen spielen lassen und wir bekamen eine Sozialwohnung von der Stadt Bergheim zugeteilt. Sie war in einem der vielen Hochhäuser, die mit kleinen Grünflächen und Wegen dazwischen den Wohnpark bildeten. Ganz in der Nähe lag der Sportplatz mit einer Tartanbahn, einem Asche- und einem Rasenplatz. Zufall oder Schicksal? Nennen wir es Glück!

Im Wohnpark lebten fast nur Ausländer und obwohl außer uns keiner aus Polen kam, fühlte man sich doch unter seinesgleichen. Außerdem waren wir endlich wieder zusammen und meine Eltern taten alles, um uns ein neues Zuhause zu schaffen. Letztendlich lebten wir zehn Jahre hier.

Ich kann mich an diese erste Zeit nicht mehr erinnern, aber es war mit Sicherheit eine Erleichterung, dass wir endlich zusammenlebten, meine Mutter das gewohnte, polnische Essen kochte und sich das Familiengefühl wieder einstellte. Natürlich habe ich damals nichts davon mitbekommen, wie schwer es auch für die Erwachsenen war, sich in dem fremden Land zurechtzufinden. Mein Vater brauchte Arbeit, damit Geld ins Haus kam, nicht so einfach, da er sich auf Deutsch nicht verständigen konnte. Ihm hat damals der Fußball geholfen. Da ist es egal, ob du Deutsch kannst, Hauptsache, du spielst gut, schießt Tore und das konnte er ja, übrigens im Gegensatz zu mir besonders gut mit dem Kopf. Er hat in mehreren Vereinen gespielt, natürlich nur noch zum Vergnügen, aber als er sich einmal eine Knieverletzung zuzog und pausieren musste, machte er dann doch einen Sprachkurs in Köln und versuchte sich dem neuen Land, in dem wir nun lebten und auch bleiben wollten, anzunähern. Er bekam eine Arbeitsstelle als Schlosser, meine Mutter ging putzen und kümmerte sich um uns Kinder. Sie hat die Sprache einfach so gelernt, ganz ohne Kurs. Ohne ein Wort zu verstehen, hat sie sich eine Putzstelle gesucht. Sie war der Ansicht: Putzen kann man auch auf Polnisch! Verständigt hat sie sich mit Händen und Füßen, und mithilfe von Fernsehen und Zeitung wurde ihr Deutsch auch langsam immer besser. Justyna ging schon zur Schule und musste sehen, wie sie dort zurechtkam. Ich hab mich am Anfang wohl überhaupt nicht rausgetraut und saß nur mit meinem Ball unterm Arm am Fenster und hab sehnsüchtig zum Sportplatz geschaut. Irgendwann hat meine Mutter mich überredet und mir hoch und heilig versprochen, dass sie auf jeden Fall da stehen bleibt und mir vom Fenster aus zuschaut. So habe ich es langsam geschafft, mich mit meinem Ball unter die anderen Kinder zu mischen, und sie hat mich immer von oben an meinen hellen Haaren unter all den dunklen erkannt. Laut meiner Mutter war der Ball auch damals schon alles, was ich brauchte. Die erste Zeit hat sie zwar noch versucht mir andere Spielsachen anzubieten, aber das hat mich alles nicht interessiert. Bälle, Trikots, Fußballschuhe, mehr brauchte ich nicht. Der Ball hat sogar bei mir im Bett geschlafen.

Irgendwann musste ich dann in den Kindergarten. Meine Eltern haben den ganzen Tag gearbeitet und fanden es wichtig, dass ich dort die Sprache lernte. Es war natürlich ein deutscher Kindergarten, der auf mich ziemlich erschreckend gewirkt haben muss. Jeden Morgen sollte ich raus in die absolut fremde Welt, in der ich kein Wort verstand. Ein halbes Jahr lang habe ich ein riesiges Theater gemacht: »Ich will nicht in den Kindergarten, ich gehe nicht da hin, ich habe Bauchweh, aua, mein Kopf!« So erzählen es meine Eltern. Es war eine Zerreißprobe für alle. Manchmal gab meine Mutter nach, dann durfte ich zu Hause bleiben und Oma oder Opa haben auf mich aufgepasst. Opa war mir ein bisschen lieber, der war nicht so streng. Immer wenn er da war, durfte ich ihm ein Gläschen Wodka einschenken. Ich habe den Schrank aufgemacht, die große, durchsichtige Flasche herausgenommen und ihm ein kleines Glas eingeschenkt. Er war begeisterter Fahrradfahrer, das habe ich dann gleich von ihm übernommen, und er hat meins immer sofort repariert, wenn etwas daran kaputt war.

Die Hürde Kindergarten musste genommen werden, meine Eltern verfolgten eisern dieses Ziel, ließen nicht locker, und obwohl ich wohl schon damals schwer von etwas zu überzeugen war, das ich nicht wollte, habe ich schließlich aufgehört zu schreien und angefangen Deutsch zu lernen. Irgendwann haben meine Eltern erfahren, dass ich im Kindergarten immer nur trockene Brötchen aß und die anderen Sachen nicht angerührt habe. Da konnte mich auch keiner eines Besseren belehren. Bis heute esse ich am liebsten Brötchen ohne Belag oder Baguette.

Es war also nicht leicht und auch als ich dann zur Schule musste, bin ich oft einfach nicht hingegangen, habe mich fünf Stunden irgendwo rumgetrieben, um dann wieder nach Hause zu kommen. Ich hatte einfach keine Lust und die Sprache fiel mir schwer. Aber da habe ich natürlich Ärger bekommen und meine Mutter hat gesagt: »Du musst da hin, das brauchst du, also geh da hin!« Es blieb mir nichts anderes übrig und ich habe mich gefügt. Oft kamen Oma und Opa in der Pause vorbei und brachten mir ein Hörnchen oder ein Milchbrötchen. Da saß ich dann schon auf der Mauer, den Ball dicht neben mir und habe auf sie gewartet.

»Er war ja der einzige Junge von den Enkeln und noch dazu der jüngste, deswegen wurde er von allen besonders verwöhnt«, erzählt Oma Helene. »Wenn er Geld brauchte, hat er es immer irgendwie bekommen, Tante Irene gefragt, ob er für sie einkaufen gehen kann zum Beispiel, die Mama lange genug angebettelt oder ein Tor geschossen. Für jedes Tor hat er von irgendjemandem von uns Geld bekommen. Aber er war auch immer sehr sparsam. Lukas kann sehr gut mit Geld umgehen.«

Am Anfang spielte mein Vater mit mir auf den kleinen Grünflächen zwischen den Häusern und wenn er keine Zeit mehr hatte, machte ich alleine weiter. Ich übte den Ball hochzuhalten, schoss auf ein Tor, das aus zwei Stöcken bestand, die ich in die Erde rammte, oder dessen Begrenzung auf der einen Seite mein Pulli, auf der anderen meine Jacke war. Ich musste den Ball unter Kontrolle bekommen, nicht er mich, und das übe ich seitdem in jeder freien Minute. Selbst wenn meine Mutter mich zum Einkaufen schickte, war der Ball immer dabei. Hingedribbelt, dann bin ich in den Laden und habe den Ball an der Kasse abgegeben, habe eingekauft, bezahlt, den Ball wieder mitgenommen und nach Hause gedribbelt.

Besonders interessiert haben mich die älteren Jungs, Marokkaner, Albaner, Tunesier, Türken, alle schwarzhaarig und dunkelhäutig, die auf dem Gummiplatz kickten. Bei denen wollte ich mitmachen. Da kannst du nicht sagen, ich trau mich nicht, die sehen so anders aus, die sprechen anders, die glauben an einen anderen Gott. Darum geht es nicht. Natürlich musste ich mich behaupten. Ich war der kleine Blondschopf unter wilden Kerlen, und natürlich habe ich erst mal ein paar blöde Sprüche kassiert, aber es war mir egal. Ich bin einfach dageblieben, habe nicht lockergelassen und hatte den Ball schon so weit unter Kontrolle, dass sie nicht mehr Nein sagen konnten. Zumal sie ja meistens gar keinen Ball hatten, ich aber schon, und der wurde gebraucht! Ich wollte immer mit richtig guten Bällen spielen, nicht mit irgendwelchen luftleeren Plastikdingern oder Dosen. All mein Geld, und das war nicht viel, steckte ich in Bälle oder einmal auch in eine Ballpumpe, weil es mich gestört hat, wenn nicht genug Luft im Spielball war und ich ihn deswegen nicht mehr so platzieren konnte, wie ich wollte.

Jedenfalls gehörte ich schließlich dazu, da war mein Aussehen, mein Alter und meine Größe dann egal.

Wir haben gespielt, sooft wir konnten, fünf gegen fünf, oder sechs gegen sechs auf den kleinen Rasenflächen zwischen den Häusern oder auf dem Gummiplatz, und nur wenn es wirklich in Strömen geregnet hat, haben wir murrend eine Pause eingelegt. Oder ich habe mit einem meiner Freunde im Treppenhaus mit einem Tennisball weitergekickt. Er erinnert sich auch noch gut an die alten Zeiten: »Uns war allen klar, was Lukas für ein Talent hatte. Sein linker Fuß war wirklich furchterregend. Wenn Mannschaften gewählt wurden, kam er immer als Erster dran und musste dann ohne Bolzen spielen, weil sein Schuss zu hart war. Einmal haben wir einen Wettbewerb erfunden, bei dem es darum ging, so einen von diesen alten Plastikbällen, die nicht so weit fliegen, auf das Dach unseres Hochhauses zu schießen. Lukas war noch nicht da und wir haben es alle versucht, aber keiner hat es geschafft. Schließlich kam er um die Ecke, hat sich den Ball geschnappt und schon war er oben im 6. Stock. Und bei Räuber und Gendarm konnte man ihn nicht erwischen, so schnell war er. Lukas hatte diesen unheimlichen Ehrgeiz und konnte überhaupt nicht verlieren. Im Klassenzimmer hat er in der Pause versucht, den Ball in den Papierkorb zu schießen. Als es nicht geklappt hat, hat er vor lauter Wut die Tafel kaputtgetreten.«

Er hat recht. Ich wollte immer gewinnen, die Hindernisse überwinden, sei es ein Zaun, bei einem Fahrradrennen oder ganz besonders beim Fußball. Der linke Fuß kommt ja auch nicht von ungefähr. Ich habe ihn jeden Tag trainiert und versucht, ihn noch zu verbessern, noch härter und platzierter zu schießen.

Erst viel später hat mein Vater mir erzählt, dass er uns oft vom Balkon aus beobachtet hat und ihm damals schon sehr klar wurde, dass sein Sohn ein großes Talent besaß und es soeben freisetzte. Meine Eltern waren glücklich damit, sie waren ja selbst Sportler, da freut man sich, wenn die Kinder das fortsetzen, etwas mit Leidenschaft tun, das man nachvollziehen kann. Sie wussten, ich bin gut aufgehoben bei den älteren Jungs, wenn man einmal dazugehört, genießt man auch den Schutz der Gemeinschaft. Sie haben während des Spiels auf mich aufgepasst, so einen Kleinen tritt man ja auch gerne mal um. Aber dann haben sich die anderen vor mich gestellt und sich den Gegner zur Brust genommen. Wir hielten zusammen, uns konnte keiner was und daraus entstand eine unglaubliche Kraft. Der Fußball war es schließlich, der mir geholfen hat, mich in Deutschland zu Hause zu fühlen, und alle, die damals dabei waren, erinnern sich heute noch an den kleinen blonden Kerl, der immer nur in Sporthosen rumlief und einen Ball unter dem Arm oder auf dem Fahrradgepäckträger dabeihatte. Man konnte ja nicht wissen, ob sich nicht eine Gelegenheit ergab!

Willi Breuer, ein sehr guter Freund der Familie und später übrigens auch einer meiner Förderer und zuverlässiger Begleiter bis heute, beschreibt das so: »Ich habe ja damals auch in Bergheim gewohnt und erinnere mich sehr gut an den kleinen, kickenden Irrwisch. Mit seinen beiden Hasenzähnchen, ein schmächtiger Kerl, die Hose hing ihm bis auf die Knie, aber fußballerisch war er immer viel, viel weiter als die anderen. Und damals schon Linksfuß! Der ist in Bergheim direkt aufgefallen, er wäre jedem aufgefallen. Dieser kleine Kerl hatte Talent, und dass er irgendwann in der Jugendmannschaft eines großen Klubs landen würde, war klar.«

Aber noch war es nicht so weit. Noch spielten wir unter uns, mit den Mitteln, die wir hatten, und nach den Regeln, die wir aufstellten. Natürlich gab es da oft längere Diskussionen, aber irgendwann ging es immer weiter, obwohl die Ausländer meiner Ansicht nach wesentlich wilder spielen, rauer und ohne Zimperlichkeiten. Aber das hat mich stark gemacht, da habe ich viel gelernt. Ich habe überhaupt nichts gegen deutsche Fußballer und ihre Spielweise, aber damals waren eben keine Deutschen da und ich glaube, es war gut für mich, erst das sehr körperliche Spiel meiner älteren, ausländischen Mitspieler kennenzulernen. Ich habe viel von dieser Mentalität mitgenommen. Es war vollkommen egal, wie intensiv wir uns während des Spiels angerempelt hatten, wir haben das geklärt und nach dem Spiel oder am nächsten Tag einfach wieder weitergemacht, bis es dunkel wurde oder noch länger.

Einmal hatten wir einen anderen Sportplatz in Bergheim entdeckt, der nicht besetzt und mit richtigen Toren ausgestattet war. Uns ist gar nicht aufgefallen, dass es immer später wurde. Meine Eltern waren schrecklich in Sorge. Sie waren es zwar gewohnt, abends mit dem Fahrrad loszufahren, um mich einzusammeln, weil ich mal wieder die Zeit vergessen hatte, aber an diesem Tag fanden sie mich weder auf den Rasenflächen, noch auf dem Sportplatz bei uns um die Ecke.

Mutter, Vater, Schwester, Tante, Oma, alle strömten aus, um das verloren gegangene Familienmitglied zu finden, aber ohne Erfolg. Irgendwann wurde es uns wohl auch zu dunkel und wir vertagten das nächste Spiel auf morgen. Als ich vollkommen verdreckt und beseelt vom Fußballtag nach Hause kam, gab es ziemlichen Ärger.

»Wo warst du?« – »Fußball spielen!« – »Wie Fußball spielen?« – »Ja, Fußball spielen!«

Am nächsten Tag fuhr mein Vater extra zu dem Platz, um sich zu vergewissern, dass ich die Wahrheit gesagt hatte. Jetzt wusste er Bescheid, wo er in Zukunft auch noch nach mir suchen konnte. Denn dass ich beim Fußballspielen die Zeit vergaß, passierte öfter, auch wenn ich dann manchmal nicht gerade freundlich zu Hause empfangen wurde. Da gab es hinter die Ohren oder es wurde eine andere Strafe verhängt. Aber es war nicht zu ändern, ich musste Fußball spielen und Hausaufgaben habe ich immer nachts gemacht oder morgens im Bus. Tagsüber hatte ich dafür keine Zeit.

Auf dem Gummiplatz wurden wir immer mehr, so viele Jungs, die spielen wollten, dass wir ein Auswechselsystem erfinden mussten, damit jeder mal drankam. Nach jedem Tor wurde gewechselt. Man konnte nur hoffen, dass schnell wieder eines fiel, sonst ist man mit wibbelnden Beinen und voller Tatendrang am Spielfeldrand versauert. Bis heute kann ich das nicht gut aushalten. Du hast perfekt trainiert, bist voll fit und bereit, dein Bestes für die Mannschaft und den Sieg zu geben. Aber aus irgendeinem Grund, der dir manchmal nicht ganz klar ist, musst du in deine Jacke gewickelt und die Decke über den Beinen auf der Bank sitzen und zuschauen. Da kommst du dir im wahrsten Sinne des Wortes fehl am Platze vor. Von außen siehst du ja auch Dinge, die den anderen mitten im Spielgeschehen gar nicht so auffallen. Du könntest schreien, explodieren und bist natürlich die ganze Zeit fest davon überzeugt, wenn du nur spielen dürftest, würdest du alles besser machen. Als Fußballspieler möchtest du den Ball am Fuß haben, mitbestimmen, sonst fühlst du dich unvollständig, nicht gebraucht und verkannt. Deswegen ist es auch ganz schwer auszuhalten, wenn man verletzt ist und nicht spielen kann.

Einer der älteren Jungs war Nassim Touihri aus Tunesien. Er war schon in Bergheim geboren und genauso fußballbegeistert wie ich. Über die Jahre, die wir zusammen auf dem Bolzplatz verbracht haben, wurden wir Freunde und sind es bis heute geblieben. Nassim war oft bei uns zu Hause, hat auch bei mir übernachtet und immer wenn er da war, gab es bei Podolskis kein Schweinefleisch. Wir haben uns angepasst, da ist meiner Mutter schon was eingefallen. Essen war und ist bei uns immer wichtig und ausreichend vorhanden. Der Satz »Ich habe keinen Hunger mehr!«, wird nicht gehört und folglich auch nicht akzeptiert.

Es war egal, wie viel, oder besser wie wenig Geld da war, Essen musste reichlich auf dem Tisch stehen, vor allem für Gäste.

Das ist einer der vielen Bräuche, die wir aus Polen mit nach Deutschland gebracht haben, und natürlich sprechen wir auch immer noch polnisch miteinander. Genauso halten es auch die vielen anderen Nationen, die hier in Bergheim leben. Jeder pflegt seine Sprache und Bräuche. Dadurch entsteht eine ganz besondere Atmosphäre, jeder kann so sein, wie er möchte, alle sind akzeptiert, vollkommen egal, wie sie aussehen oder was sie für Vorlieben haben. Und man kann gerne daran teilhaben. Wir Jungs haben in dieser Zeit viel zusammen erlebt, es war großartig und frei, und ich möchte keine Sekunde missen.

Mit sieben habe ich dann in Bergheim im Verein gespielt und war nicht mehr der einzige Blonde.

»Da standen die alle, die Kleinen«, erzählt meine Mutter, »der eine hat geheult, der andere gepopelt, die wussten alle nicht so richtig, wie ihnen geschah. Lukas hat den Ball gesehen, genommen und ins Tor geschossen. Der hat nicht geheult!«

Ich habe ziemlich schnell bei verschiedenen Mannschaften mitgespielt und mich nicht nur auf meine E-Jugend beschränkt, weil mir das eben nicht reichte. Wenn mein Spiel vorbei war, bin ich einfach zu den anderen, älteren und hab bei denen auch noch mitgemischt. Ich konnte nicht genug bekommen und muss damals schon eine ziemlich gute Kondition gehabt haben. Außerdem war ich ehrgeizig, wollte weiterkommen, nicht aufgehalten werden und keine Zeit auf etwas anderes verschwenden, so habe ich das empfunden: Alles andere war für mich Zeitverschwendung.

Einmal sollten wir im Sommer zu einem Turnier nach Belgien fahren, aber ich hatte Mumps. Mit vierzig Grad Fieber und einem dicken Hals ließ mich meine Mutter nicht mitfahren. Das war für mich wie der Weltuntergang, die reinste Katastrophe. Ich konnte es noch nie leiden, wenn sich meinem Ziel etwas in den Weg stellt, wenn jemand glaubt, es gäbe etwas Wichtigeres als Fußball. Später, ich war schon in der Handelsschule, wurde ich vom DFB zu einem Spiel der U17 eingeladen. Aber die Schule hat mich nicht freigestellt. Ich war sehr wütend und hab den ganzen Unterricht mit verschränkten Armen dagesessen und mich komplett verweigert.

Nassim erinnert sich auch noch: »Wenn Lukas damals verloren hat, konnte er es kaum aushalten. Aber ist ja auch kein Wunder, wenn man insgesamt nur zwei-, dreimal verliert. Da musste sein Vater ihn dann immer trösten. Einmal sind seine Fußballschuhe kaputtgegangen, das war ein Drama. Es war ja damals auch nicht so leicht für die Eltern, neue zu kaufen, das ging nicht mal eben so aus der Portokasse. Aber natürlich hat er welche bekommen!«

Mein Vater hat mich von Anfang an aufmerksam begleitet. Er hätte das sowieso gemacht, aber es blieb ihm eigentlich auch nichts anderes übrig. Wir haben mit Bergheim im ganzen Kreis Spiele gehabt, immer am Wochenende, und er musste mich hinbringen, weil es damals noch keinen Fahrdienst gab. Mein Vater hat die ganze Woche gearbeitet, meistens in zwei Schichten, und sich dann am Wochenende nicht aufs Sofa gelegt, sondern mich durch die Gegend gefahren, mir meine Tasche gepackt und die Fußballschuhe gekauft. Er stand an der Seite, hat das Spiel genau beobachtet, und danach haben wir alles besprochen. Dann hat er mir gesagt, was ich hätte anders oder besser machen können. Wenn ich mal drei Tore geschossen habe, hat er nichts gesagt, nur »ja, ja, war gut« gemurmelt, und das habe ich auch übernommen. Wenn ich heute ein gutes Spiel abliefere und jeder mir auf die Schulter klopft und Lobeshymnen singt, geht mir das eher auf die Nerven. Ich finde das selbstverständlich!

Wenn es mal nicht so gut war, dann kann man drüber reden, damit es das nächste Mal wieder besser wird.

Bis heute sind mir die Tipps und Kommentare meines Vaters zum Spiel sehr wichtig. Natürlich denkt er, er kann mir jetzt nicht mehr viel beibringen, weil ich Profi bin und mittlerweile mehr Erfahrung habe, als er jemals gemacht hat. Aber ich rufe ihn nach jedem Spiel an, sogar nach dem kleinsten Freundschaftsspiel, und spreche mit ihm.

Nachdem wir 1994 die Kreismeisterschaften gewonnen hatten, war mein Vater schon nach Hause gegangen. Wir hatten den ganzen Tag gespielt und er wollte nicht noch länger bleiben. Es war ja auch alles gut. Ich sammelte nach ausführlichem Siegestaumel meine Sachen zusammen, da klopfte mir jemand von hinten auf die Schulter. Ich kannte den Mann nicht, der mich freundlich anlächelte und mir seine Visitenkarte in die Hand drückte: Ralf Krutwig, Talentscout vom 1. FC Köln.

»Ich hatte mir zu der Zeit ein sehr großes Kontaktnetz aufgebaut, um gute Spieler zu bekommen, denn damals hat sich noch jeder Trainer seine Mannschaft selbst zusammengestellt. Ich bin viel herumgefahren, habe viel telefoniert, Trainingseinheiten und Spiele angeschaut und dann habe ich irgendwann Lukas gesehen. Ich war vollkommen überzeugt von seinen Qualitäten und habe ihn sofort zum Probetraining nach Köln eingeladen!«

So schnell ist noch keiner nach Hause gerannt wie ich damals. Die Visitenkarte fest in der Hand.

2. Kapitel

Sein Talent entdecken

Ich habe ein Talent. Damit bin ich auf die Welt gekommen und ich weiß, dass es ein absolutes Glück ist, so eine ausgeprägte Fähigkeit mitzubringen. Aber man muss sie auch erkennen, etwas daraus machen und Einsatz zeigen, außerdem Menschen um sich haben, die das sehen und bedingungslos fördern. Menschen, die an dich glauben. Natürlich waren das meine Eltern, meine ganze Familie. Sie haben zugelassen, dass ich Fußball gespielt habe und zwar beinahe ausschließlich. Mal hat auch eine Tante den Fahrdienst übernommen, wenn gar nichts mehr ging, eine andere war gerne bei den Spielen dabei und hat sogar Transparente gemalt: »Lukas, wir sind stolz auf dich!« Aber die größte Unterstützung kam von meinen Eltern. Alles hat sich um mich gedreht, sie haben gefördert, was sie erkannt haben und ich auch schon als kleiner Junge auf irgendeine Art und Weise gespürt haben muss. Ich hatte eine Chance, die ich nicht einfach so liegen lassen durfte, das fühlte ich und musste es leben, ausbauen, immer besser werden. Ich musste das Talent in Können verwandeln. Viele Menschen, die heute erfolgreich sind, konnten gar nicht anders, sie mussten ihr Talent nutzen, ihre Fähigkeiten immer weiter perfektionieren. Michael Jackson zum Beispiel hat von klein auf getanzt und gesungen, er musste es tun, weil er spürte, dass er es konnte, dass er es im Blut hatte. Das ist der große Vorteil von Talent. Es treibt dich an. Es hilft dir, auf Dinge zu verzichten. Es kanalisiert deinen Willen, deinen Ehrgeiz und deine Gedanken. Du MUSST ihm folgen! Ich habe damals angefangen, mit meinen Freunden auf dem Bolzplatz zu spielen, und hatte das Glück, gefördert und erkannt zu werden. Aber Talent alleine reicht nicht, das ist nur der Anfang. Dass ich am Ende mein Ziel erreicht habe, ist hart erarbeitet und dafür habe ich auf vieles verzichtet. Ich wusste einfach immer, was mir am wichtigsten war. Am Wochenende auf Partys gehen, sich Freundinnen suchen, Alkohol trinken, das hat mich nicht interessiert. Ich habe trainiert, um Fußballer zu werden. Das war mein Weg, was nicht heißen soll, dass es nicht auch andere gibt.

» Natürlich kann nicht jeder Fußball-Profi werden. Dann würde unsere Welt ja auch ziemlich langweilig aussehen. Lukas wurde nun mal mit Fußball im Kopf, Schnelligkeit und dieser Schusskraft geboren. Aber haben Sie ihn schon mal tanzen sehen?! «
Bastian Schweinsteiger, deutscher Fußball-Nationalspieler

Sicher hat nicht jeder so ein ausgeprägtes Talent, die wenigsten wahrscheinlich, aber ich bin davon überzeugt, dass jeder etwas besonders gut kann. Das muss man erkennen, fühlen, hier bin ich gut, damit kann ich etwas anfangen. Mit dieser Fähigkeit oder Eigenschaft bin ich genau der, der ich bin, der ich sein will. Es ist eben nur oft nicht so einfach, genau das in sich zu finden, vor allem, wenn man niemanden hat, der dabei hilft.

Jakub (Name und Alter geändert) zum Beispiel ist 13, seine Eltern kommen vom Balkan, er lebt aber schon von Geburt an in Deutschland.

Er ist eines der Kinder aus der Kölner Arche, die ich kennengelernt habe. Eines von den Kindern, die alles in sich tragen, aber Hilfe dabei brauchen, ihren Weg zu finden und vor allem auch zu gehen. Einer von denen, die eben nicht die besten Startbedingungen haben. Da gibt es natürlich ganz unterschiedliche Abstufungen, auch in der Arche, aber hier werden sie aufgefangen und bekommen die Aufmerksamkeit, die sie verdient haben, weil sie Menschen sind.