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«Der Mann meines Herzens kann vielleicht mein Geliebter werden, aber mein Ehemann, nein, niemals.»

Missbrauch im Kindesalter und eine Ménage-à-trois – das ist der Stoff, aus dem auch 1879 schon Skandale waren. Luigi Capuanas realistische Schilderung eines dramatischen Frauenschicksals bewegt uns noch heute. Giacinta, eine Herzensverwandte von Anna Karenina, Madame Bovary und Effi Briest, ist hier in deutscher Erstübersetzung zu entdecken.

Giacinta Marulli ist eine erstaunliche Heldin: Kühl lächelnd und scheinbar berechnend verdreht sie den Männern den Kopf. Nur hinter vorgehaltener Hand ist von ihrer gestohlenen Kindheit die Rede, die in einer Vergewaltigung ihren traurigen Tiefpunkt fand. Als der öffentliche Tratsch meint, aus dem Opfer eine verschlagene Täterin machen zu müssen, emanzipiert sich Giancinta. Erhobenen Hauptes sucht sie ihr Seelenheil in der Ehe mit einem Conte und der gleichzeitigen Liebschaft mit dem Mann ihres Herzens.

Luigi Capuana ist ein genauer Beobachter, der in seinem Roman ein ganzes Panorama kräftig durchbluteter Figuren aus der italienischen Provinz schuf. Lebhaft und mit Liebe zum Detail erzählt er nach einer wahren Geschichte das Leben einer starken, tragischen Heldin.

Deutsche Erstübersetzung

Luigi Capuana (1839–1915), Sohn wohlhabender sizilianischer Landbesitzer, lebte nach einem abgebrochenen Jurastudium als Theaterkritiker in Mailand, Florenz und Turin. Er schrieb zahlreiche Novellen sowie drei Romane. «Giacinta», sein Romandebüt, wurde bei Veröffentlichung 1879 zu einem Riesenerfolg und erfuhr bis heute zahlreiche Auflagen.

Stefanie Römer (*1966) studierte Italianistik in Freiburg und Urbino. Sie arbeitete zunächst in der Medienbranche, dann als Dozentin für Italienisch. Heute unterrichtet sie Literarisches Übersetzen an der LMU München.

LUIGI CAPUANA

Giacinta

Roman

Aus dem Italienischen übersetzt
von Stefanie Römer

Nachwort
von Angela Oster

MANESSE VERLAG
ZÜRICH

Für Émile Zola

Ich bin mir gewiss, ein Buch geschrieben zu haben,
das weder scheinheilig noch unmoralisch ist.

Wäre ich doch ebenso sicher, geschaffen zu haben,
was in meiner Absicht stand – ein wahres Kunstwerk!