Vampire Academy
Blutsschwestern
Jubiläumsausgabe mit 4 brandneuen Bonus-Storys
Ins Deutsche übertragen
von Michaela Link
St. Vladimir’s ist nicht irgendeine Schule, es ist die Akademie für junge Vampire und ihre Beschützer. Auch die siebzehnjährige Rose Hathaway – halb Mensch, halb Vampir – wird hier zur Wächterin ausgebildet. Sie hofft, eines Tages ihrer besten Freundin Lissa zur Seiten zu stehen, der letzten Überlebenden der Vampirfamilie Dragomir. Seit Lissas Eltern bei einem Autounfall den Tod fanden, besteht zwischen den beiden Mädchen eine besondere Verbindung.
Kurz darauf kommt es zu einer Reihe merkwürdiger Vorfälle. Irgendjemand scheint es auf Lissas Leben abgesehen zu haben. Der einzige, der Rose’ Befürchtungen Glauben schenkt, ist der attraktive Wächter Dimitri …
Liebe Leser,
ich sammle Ideen. Sie kommen plötzlich, während ich ganz normalen Tätigkeiten nachgehe, etwa im Lebensmittelladen einkaufe oder mich auf einem Fitnessbike abstrampele. Aus keiner dieser Ideen wird sofort eine Geschichte. Es sind nur Bruchstücke. Eine bezieht sich vielleicht auf ein cooles Setting, eine andere auf eine Zwangslage, in die jemand geraten könnte, falls … Oder mir fällt eine merkwürdige Figur ein, über die ich gern schreiben würde. Irgendwann sind dann genug Ideen da, und ich überlege, wie ich sie zusammenbringen und daraus eine Geschichte entstehen lassen kann. Manchmal funktioniert das auch. Und manchmal eben nicht.
Die Vampire Academy hat funktioniert – und zwar weit besser, als ich je erwartet hätte. Ich hatte mich in die rumänische Sage von den zwei verschiedenen Rassen von Vampiren geradezu verliebt, und dann ließ mich die Vorstellung nicht mehr los, wie diese Vampire Gesellschaften innerhalb unserer Gesellschaft bilden. Ich hatte zahllose Romane gelesen, die von tollen Heldinnen handelten, aber nichts darüber, wie sie zu solchen Heldinnen geworden waren. Was hatten sie in ihrer Jugend gemacht? Wie hatten sie es geschafft, ihr draufgängerisches Temperament so weit zu zügeln, dass sie auf dem rechten Weg bleiben konnten? Und etwas Romantik spielte natürlich auch eine Rolle: zum Beispiel die winzige Idee von einem Mädchen, das seinen Mentor liebt, und was daraus werden könnte.
Inzwischen, zehn Jahre später, ist aus der Verdichtung dieser lockeren Sammlung von Ideen zur Geschichte eines Mädchens eine sechsbändige Serie mit einer ebenfalls sechsbändigen Folgeserie geworden, die beide überall auf der Welt geliebt werden. Ich habe Leserinnen mit Rose-Tattoos kennengelernt. Leserinnen, die sich mit der Figur identifizieren. Die mit ihr träumen. Diese Freisetzung von Gefühlen, die ich bei Lesern wie Ihnen erlebt habe, hat mich mit mehr Demut und Bewunderung erfüllt, als ich beschreiben kann. Ich habe mir niemals vorgestellt, ich würde Gelegenheit bekommen, so viele wunderbare Menschen mit meinen Büchern zu erreichen.
In diese Jubiläumsausgabe habe ich einige Geschichten mit aufgenommen, die die Ereignisse in diesem Band noch etwas lebendiger machen und ein paar Fragen beantworten werden, die sich der eine oder andere Leser gestellt hat. Wie haben sich Christians Eltern in Strigoi verwandelt? Wie fühlte sich die Flucht aus St. Vladimir für Lissa an? Was war Dimitris erster Eindruck von Rose? Und was macht Rose eigentlich so zum Spaß, wenn sie nicht gerade die Zivilisation der Moroi rettet?
Diese und weitere Fragen behandeln die Geschichten am Ende dieses Bandes. Ich hoffe, meinen Lesern wird dieser kleine zusätzliche Ausflug in die Welt der Vampire Academy gefallen – für mich jedenfalls war es eine schöne Gelegenheit, ihr noch einmal einen Besuch abzustatten. Selbst nachdem diese und die Folgeserie Bloodlines abgeschlossen sind, entwickeln sich die Figuren noch mit einer Art Eigenleben weiter – dank der Fans, die sie nach wie vor lieben. Ich bin allen Lesern, die diesen beiden Serien über die Jahre leidenschaftlich und treu zugeneigt geblieben sind, wirklich sehr dankbar. Sie haben das Schreiben für mich zu einem Vergnügen gemacht. Und wer weiß! Vielleicht warten irgendwann in der Zukunft noch weitere Abenteuer auf Rose und die ganze Bande.
Eure
RICHELLE MEAD
Ich spürte ihre Angst, noch bevor ich ihre Schreie hörte.
Ihr Albtraum drängte mit Macht in mein Bewusstsein und riss mich aus meinem eigenen Traum, der etwas mit einem Strand und irgendeinem heißen Typen zu tun hatte, der mich gerade mit Sonnenöl einrieb. Was sie in ihrer düsteren Fantasie da erlebte, erlebte auch ich: Feuer und Blut, der Geruch von Rauch, das verbogene Metall eines Wagens. Die Bilder nahmen mich gefangen, erstickten mich, bis mir mein Verstand zu Hilfe kam und mich daran erinnerte, dass dies doch gar nicht mein Traum war.
Als ich endlich aufwachte, klebte mir das lange dunkle Haar in Strähnen an der Stirn.
Lissa lag in ihrem Bett und schlug schreiend um sich. Ich sprang auf und eilte zu ihr.
»Liss«, sagte ich, während ich sie schüttelte, »Liss, wach auf.«
Sie hörte auf zu schreien und wimmerte leise. »Andre«, stöhnte sie. »Oh Gott.«
Ich half ihr, sich aufzurichten. »Liss, du bist nicht mehr dort. Wach auf.«
Nach einigen Sekunden öffnete sie mit flatternden Lidern die Augen, und in dem fahlen Licht konnte ich sehen, dass sie langsam wieder zu Bewusstsein kam. Ihre hektischen Atemzüge wurden langsamer, sie lehnte sich an mich und legte mir den Kopf auf die Schulter. Ich nahm sie in den Arm und strich ihr übers Haar.
»Es ist alles gut«, sagte ich sanft. »Alles ist in Ordnung.«
»Ich hatte wieder diesen Traum.«
»Ja. Ich weiß.«
Dann saßen wir minutenlang da und schwiegen. Als ich spürte, dass sie sich etwas beruhigt hatte, beugte ich mich über den Nachttisch, der zwischen unseren Betten stand, und schaltete die Lampe ein. Sie leuchtete nur schwach, denn keine von uns beiden brauchte viel Licht, um zu sehen. Aber es reichte doch, um Oscar, den Kater unseres Mitbewohners, auf den Sims des offenen Fensters zu locken.
Um mich machte er einen großen Bogen – Tiere mögen keine Dhampire, aus welchem Grund auch immer –, sprang aufs Bett und rieb den Kopf leise schnurrend an Lissa. Mit Moroi hatten Tiere kein Problem, sie alle liebten Lissa ganz besonders. Lächelnd kraulte sie ihn unterm Kinn, und ich spürte, dass sie noch ruhiger wurde.
»Wann habe ich dich das letzte Mal trinken lassen?«, fragte ich, während ich ihr Gesicht betrachtete. Ihre helle Haut wirkte noch bleicher als sonst. Sie hatte dunkle Ringe unter den Augen und wirkte irgendwie zerbrechlich. In der Schule war es diese Woche ziemlich hektisch zugegangen, also konnte ich mich nicht daran erinnern, wann ich ihr das letzte Mal Blut gegeben hatte. »Es ist, hm … mehr als zwei Tage her, nicht wahr? Drei vielleicht? Warum hast du nichts gesagt?«
Sie zuckte die Achseln und vermied es, mir in die Augen zu sehen. »Du hattest viel zu tun. Ich wollte nicht …«
»Zum Teufel damit«, sagte ich und suchte mir einen besseren Platz. Kein Wunder, dass sie so schwach wirkte. Oscar, der mich nicht in seiner Nähe haben wollte, sprang vom Bett und kehrte zum Fenster zurück, wo er das Geschehen aus sicherem Abstand beobachten konnte. »Komm. Lass es uns tun.«
»Rose …«
»Komm schon. Danach wird es dir besser gehen.«
Ich neigte den Kopf zur Seite und warf das Haar so zurück, dass mein Hals entblößt war. Zwar sah ich sie erst zögern, aber der Anblick meines Halses und die Verheißung dessen, was er bot, erwiesen sich dann doch als zu mächtig. Ein hungriger Ausdruck trat auf ihr Gesicht, und ihre Lippen teilten sich leicht, sodass die Reißzähne zum Vorschein kamen, die sie sonst verborgen hielt, wenn sie unter Menschen war. Diese Reißzähne stellten einen seltsamen Gegensatz zu ihrer übrigen Erscheinung dar. Mit ihrem hübschen Gesicht und dem hellblonden Haar ähnelte sie mehr einem Engel als einem Vampir.
Als sich ihre Zähne meiner nackten Haut näherten, begann mein Herz aus Furcht und Vorfreude zu rasen. Letzteres hasste ich zwar jedes Mal, aber es war doch etwas, das ich nicht verhindern konnte, eine Schwäche, die nicht abzuschütteln war.
Ihre Reißzähne gruben sich hart in mein Fleisch, und bei dem kurzen Aufflackern von Schmerz schrie ich auf. Dann verebbte der Schmerz, und an seine Stelle trat eine wunderbare goldene Glückseligkeit, die sich in meinem Körper ausbreitete. Dies war besser als jede Erfahrung, die ich mit Alkohol oder Drogen gemacht hatte. Besser auch als Sex – zumindest stellte ich mir das vor, denn wissen konnte ich es noch nicht. Es war wie eine Hülle reiner vergeistigter Wonne, die mich umfing und mir versprach, dass alles auf der Welt gut werden würde. Die Substanzen in ihrem Speichel hatten in meinem Körper einen jähen Ausstoß von Endorphinen ausgelöst, und ich verlor das Gefühl für die Welt, verlor sogar das Gefühl dafür, wer ich war.
Leider war dieser Zustand schnell vorüber. Es hatte nur weniger als eine Minute gedauert.
Sie rückte von mir ab und wischte sich mit der Hand über die Lippen, während sie mich betrachtete. »Bist du okay?«
»Ich … ja.« Ich legte mich aufs Bett, denn mir war von dem Blutverlust schwindelig geworden. »Ich muss nur etwas schlafen. Mir geht es gut.«
In ihren hellen jadegrünen Augen war Sorge zu lesen. Dann erhob sie sich. »Ich werde dir etwas zu essen holen.«
Mein Protest wollte mir irgendwie nicht recht über die Lippen kommen, und sie ging, bevor ich auch nur einen Satz herausbringen konnte. Ein wenig von dem Glücksgefühl des Bisses war in meinen Adern zurückgeblieben, auch nachdem die Verbindung abgebrochen worden war. Ich spürte, wie sich meine Lippen zu einem einfältigen Lächeln verzogen. Ich drehte den Kopf und schaute zu Oscar hinauf, der immer noch am Fenster saß.
»Du hast ja keine Ahnung, was du versäumst«, bemerkte ich.
Seine Aufmerksamkeit war auf irgendetwas dort draußen gerichtet. Er nahm Habtachtstellung ein und sträubte sein tiefschwarzes Fell. Sein Schwanz zuckte.
Mein Lächeln erlosch, ich richtete mich auf. Die Welt drehte sich, also wartete ich, bis sie wieder stillstand, bevor ich aufzustehen versuchte. Als es mir gelang, wurde mir abermals schwindelig, und diesmal wollte der Schwindel nicht vergehen. Trotzdem fühlte ich mich gut genug, um zum Fenster zu stolpern und mit Oscar hinauszublicken. Er beäugte mich wachsam, rückte ein wenig zur Seite und wandte sich wieder dem zu, was seine Aufmerksamkeit erregt hatte.
Als ich mich hinauslehnte, fuhr mir eine warme Brise – untypisch warm für einen Herbst in Portland – durchs Haar. Die Straße war dunkel und eher ruhig. Es war drei Uhr morgens, die einzige Tageszeit, zu der es auf einem College-Campus etwas ruhiger zuging. Das Haus, in dem wir seit acht Monaten ein Zimmer gemietet hatten, lag in einer Wohnstraße mit alten Häusern verschiedener Stilrichtungen. Auf der anderen Straßenseite flackerte eine Laterne, als wolle sie gleich erlöschen. Trotzdem warf sie noch genug Licht, um die Umrisse von Autos und Gebäuden erkennen zu lassen. In unserem eigenen Innenhof konnte ich die Silhouetten von Bäumen und Büschen sehen.
Ein Mann beobachtete mich.
Überrascht sprang ich zurück. Er stand neben einem Baum im Hof, etwa zehn Meter entfernt an einer Stelle, von der aus er mühelos ins Fenster schauen konnte. Er war so nah, dass ich ihn wahrscheinlich mit irgendeinem Wurfgeschoss hätte treffen können. Gewiss war er nah genug, um gesehen zu haben, was Lissa und ich gerade getan hatten.
Die Schatten hüllten ihn so gut ein, dass ich nicht einmal mit meiner guten Nachtsicht seine Züge ausmachen konnte. Ich sah nur, dass er groß war. Wirklich groß. Er stand bloß einen Augenblick da, kaum wahrnehmbar, dann trat er zurück und verschwand im Schatten, den die Bäume auf der gegenüberliegenden Seite des Hofes warfen. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich noch eine weitere Person sah, die sich zu ihm gesellte, bevor die Schwärze sie beide verschluckte.
Wer auch immer diese Personen waren, Oscar mochte sie nicht. Abgesehen von mir kam er im Allgemeinen mit den meisten Menschen gut aus und regte sich nur dann auf, wenn jemand eine unmittelbare Gefahr darstellte. Der Typ dort draußen hatte Oscar in keiner Weise bedroht, aber der Kater hatte etwas gespürt, etwas, das ihn in Alarmbereitschaft versetzte.
Etwas, das dem ähnelte, was er stets bei mir spürte.
Eisige Furcht durchzuckte mich und löschte beinahe – aber nicht ganz – die herrliche Wonne von Lissas Biss aus. Ich trat vom Fenster zurück und sprang in eine Jeans, die ich auf dem Boden fand, wobei ich beinahe umfiel. Sobald ich die Hose anhatte, schnappte ich mir meinen und Lissas Mantel sowie unsere Brieftaschen. Ich stieß die Füße in die erstbesten Schuhe, die ich sah, und lief zur Tür hinaus.
Ich fand sie unten in der kleinen Küche, wo sie im Kühlschrank stöberte. Jeremy, einer unserer Mitbewohner, saß, die Stirn in eine Hand gestützt, am Tisch und blickte bekümmert in ein Lehrbuch über Infinitesimalrechnung. Lissa sah mich überrascht an.
»Du solltest noch nicht aufstehen.«
»Wir müssen gehen. Sofort.«
Ihre Augen weiteten sich, und einen Moment später dämmerte es ihr. »Bist du … wirklich? Bist du dir sicher?«
Ich nickte. Ich konnte nicht erklären, warum ich es mit Sicherheit wusste. Ich tat es einfach.
Jeremy beobachtete uns neugierig. »Was ist los?«
Mir kam eine Idee. »Liss, hol seine Autoschlüssel.«
Er blickte zwischen uns hin und her. »Was habt ihr …«
Lissa ging, ohne zu zögern, auf ihn zu. Ich spürte ihre Furcht durch unser mentales Band, aber auch noch etwas anderes: ihr absolutes Vertrauen darauf, dass ich mich um alles kümmern würde – und wir in Sicherheit wären. Wie immer hoffte ich, dass ich mich eines solchen Vertrauens auch würdig erwiese.
Sie lächelte breit und sah ihm in die Augen. Einen Moment lang starrte Jimmy sie nur an, immer noch verwirrt, dann aber sah ich, wie er in ihren Bann geriet. Seine Augen wurden glasig, er betrachtete sie voller Bewunderung.
»Wir müssen uns deinen Wagen leihen«, sagte sie sanft. »Wo sind deine Schlüssel?«
Er lächelte, und ich schauderte. Ich besaß eine hohe Widerstandskraft gegen diese Art von Zwang, aber ich konnte seine Wirkung trotzdem spüren, wenn er sich auf eine andere Person richtete. Außerdem hatte man mich mein Leben lang gelehrt, dass es falsch war, ihn anzuwenden. Jetzt griff Jeremy wie hypnotisiert in seine Tasche und reichte Lissa ein paar Schlüssel, die an einem langen roten Band hingen.
»Danke«, sagte Lissa. »Und wo hast du ihn geparkt?«
»Die Straße runter«, antwortete er träumerisch. »An der Ecke. Bei Brown.« Also vier Häuserblocks entfernt.
»Danke«, wiederholte sie und richtete sich auf. »Sobald wir weg sind, möchte ich, dass du weiterlernst. Vergiss, dass du uns heute Nacht überhaupt gesehen hast.«
Entgegenkommend nickte er. Ich gewann den Eindruck, dass er, wenn Lissa darum gebeten hätte, auf der Stelle für sie von einer Klippe gesprungen wäre. Alle Menschen waren für den Zwang empfänglich, aber Jeremy schien mir schwächer zu sein als die meisten. Das war im Augenblick sehr praktisch.
»Komm«, sagte ich zu ihr. »Wir müssen los.«
Wir traten nach draußen und gingen auf die Ecke zu, die er uns genannt hatte. Mir war noch immer schwindelig von dem Biss, und ich stolperte wieder und wieder, außerstande, mich so schnell zu bewegen, wie ich eigentlich wollte. Lissa musste mich einige Male festhalten, damit ich nicht hinfiel. Die ganze Zeit über strömte diese Angst aus ihrem Geist in meinen. Ich tat mein Bestes, sie zu ignorieren; schließlich hatte ich meine eigenen Ängste, mit denen ich fertig werden musste.
»Rose … was werden wir tun, wenn sie uns fangen?«, flüsterte sie.
»Das werden sie nicht«, erwiderte ich grimmig. »Ich werde es nicht zulassen.«
»Aber wenn sie uns gefunden haben …«
»Sie haben uns schon früher gefunden. Und da haben sie uns auch nicht gefangen. Wir werden einfach zum Bahnhof fahren und in einen Zug nach L. A. steigen. Sie werden unsere Spur verlieren.«
Ich ließ es einfach klingen. Das tat ich immer, obwohl es nicht einfach war, auf der Flucht vor den Menschen zu sein, mit denen wir aufgewachsen waren. Wir taten dies nun schon seit zwei Jahren, versteckten uns, wo immer wir konnten, und versuchten einfach, die Highschool zu beenden. Unser letztes Jahr hatte soeben begonnen, und das Leben auf einem College-Campus war mir recht sicher erschienen. Wir waren der Freiheit so nah.
Sie sagte sonst nichts mehr, und ich spürte, wie ihr Vertrauen in mich abermals aufwallte. So war es immer zwischen uns gewesen. Ich war diejenige, die die Initiative ergriff, die dafür sorgte, dass Dinge geschahen – und manchmal war ich dabei auch ziemlich verwegen. Sie war die Vernünftigere von uns, diejenige, die alles durchdachte und bis ins kleinste Detail erforschte, bevor sie handelte. Beide Vorgehensweisen hatten zwar ihren Nutzen, aber im Augenblick war Verwegenheit vonnöten. Wir hatten keine Zeit zu verschwenden.
Lissa und ich waren seit dem Kindergarten beste Freundinnen gewesen, als unsere Lehrerin uns für den Schreibunterricht zu einem Team erklärt hatte. Es war mehr als grausam gewesen, Fünfjährige zu zwingen, Vasilisa Dragomir und Rosemarie Hathaway zu buchstabieren, und wir – oder vielmehr ich – hatten entsprechend reagiert. Ich hatte unserer Lehrerin mein Buch an den Kopf geworfen und sie einen faschistischen Bastard genannt. Ich hatte zwar keine Ahnung gehabt, was diese Worte bedeuteten, aber dafür hatte ich gewusst, wie man ein bewegliches Ziel trifft.
Seit jener Zeit waren Lissa und ich unzertrennlich.
»Hast du das gehört?«, fragte sie plötzlich.
Ich brauchte einige Sekunden, um wahrzunehmen, was ihren schärferen Sinnen bereits aufgefallen war. Schritte, die sich schnell bewegten. Ich verzog das Gesicht. Wir hatten noch mehr als zwei Häuserblocks vor uns.
»Wir müssen rennen«, sagte ich und fasste sie am Arm.
»Aber du kannst nicht …«
»Lauf.«
Es kostete mich jede Unze meiner Willenskraft, auf dem Gehweg nicht ohnmächtig zu werden. Mein Körper wollte nicht rennen, nachdem er Blut verloren hatte oder während er noch immer die Reste ihres Speichels in seinem Stoffwechsel verarbeitete. Aber ich befahl meinen Muskeln, endlich mit dem Gezicke aufzuhören, und klammerte mich an Lissa, während unsere Füße über den Beton jagten. Normalerweise hätte ich ohne besondere Mühe schneller laufen können als sie – vor allem, da sie barfuß war. Aber heute Nacht war sie alles, was mich aufrecht hielt.
Die Schritte unserer Verfolger wurden lauter, kamen näher. Schwarze Sterne tanzten mir vor den Augen. Vor uns konnte ich Jeremys grünen Honda erkennen. Oh Gott, wenn wir es doch nur schafften …
Etwa drei Meter von dem Wagen entfernt vertrat uns ein Mann den Weg. Schlitternd kamen wir zum Stehen, ich riss Lissa am Arm zurück. Er war es, der Mann, den ich auf der anderen Straßenseite gesehen hatte, wie er uns beobachtete. Er war älter als wir, vielleicht Mitte zwanzig, und so groß, wie ich geschätzt hatte, wahrscheinlich etwa zwei Meter. Unter anderen Umständen – sagen wir, wenn er nicht gerade unseren verzweifelten Fluchtversuch gestoppt hätte – hätte ich ihn für ziemlich heiß gehalten. Schulterlanges, braunes Haar, das er sich zu einem kurzen Pferdeschwanz zurückgebunden hatte. Dunkelbraune Augen. Ein langer, brauner Mantel – Staubmantel nannte man das wohl.
Aber wie heiß er auch sein mochte, das spielte im Augenblick keine Rolle. Er war nur ein Hindernis, das Lissa und mich von dem Wagen und unserer Freiheit trennte. Die Schritte hinter uns wurden langsamer, und ich wusste, dass unsere Verfolger uns eingeholt hatten. Links und rechts nahm ich weitere Bewegungen wahr, noch mehr Personen, die uns umzingelten. Gott. Sie hatten fast ein Dutzend Wächter ausgeschickt, um uns zurückzuholen. Ich konnte es nicht glauben. Nicht einmal die Königin selbst reiste mit so vielen Beschützern.
Von Panik ergriffen und nicht ganz Herr meines Verstandes, handelte ich aus dem Instinkt heraus. Ich schloss zu Lissa auf und hielt sie hinter mir und weg von dem Mann, der der Anführer zu sein schien.
»Lassen Sie sie in Ruhe«, knurrte ich. »Fassen Sie sie nicht an.«
Seine Miene war undeutbar, aber er streckte die Hände aus; offenbar sollte die Geste irgendwie beruhigend wirken, als wäre ich ein tollwütiges Tier, das er zu betäuben plante.
»Ich werde nicht …«
Er kam einen Schritt näher. Zu nah.
Ich griff ihn an und sprang zu einem offensiven Manöver los, das ich seit zwei Jahren nicht mehr angewendet hatte, nicht seit Lissa und ich weggelaufen waren. Dieser Schachzug war töricht, noch so eine aus Instinkt und Furcht geborene Reaktion. Und es war hoffnungslos. Der Mann war ein Wächter, kein Novize, der seine Ausbildung noch nicht beendet hatte. Außerdem war er auch nicht schwach und stand kurz vor einer Ohnmacht.
Mann, und er war schnell. Ich hatte vergessen, wie schnell Wächter sein konnten, dass sie sich bewegen und zuschlagen konnten wie Kobras. Er wehrte mich ab, als verscheuchte er eine Fliege, und seine Hände krachten in meinen Körper und ließen mich nach hinten kippen. Ich glaube gar nicht, dass er vorhatte, so fest zuzuschlagen – wahrscheinlich wollte er mich nur abwehren –, aber meine mangelhafte Körperbeherrschung beeinträchtigte meine Reaktionsfähigkeit. Außerstande, wieder Halt zu finden, klappte ich zusammen und steuerte geradewegs und mit der Hüfte voraus auf den Gehsteig zu. Es würde wehtun. Sehr.
Nur dass es nicht so kam.
Genauso schnell, wie er mich abgewehrt hatte, streckte der Mann eine Hand aus, bekam meinen Arm zu fassen und hielt mich aufrecht. Als ich das Gleichgewicht wiedergefunden hatte, bemerkte ich, dass er mich anstarrte – oder genauer: meinen Hals. Noch immer orientierungslos, verstand ich es nicht sofort. Dann griff ich mir langsam mit der freien Hand an die Kehle und berührte vorsichtig die Wunde, die Lissa zuvor in mein Fleisch gebohrt hatte. Als ich die Finger wieder zurückzog, sah ich klebriges, dunkles Blut auf meiner Haut. Verlegen schüttelte ich mein Haar, sodass es mir ums Gesicht fiel. Mein Haar war dick und lang und bedeckte den Nacken und die Seiten des Halses zur Gänze. Aus eben diesem Grund hatte ich es wachsen lassen.
Der Mann ließ den Blick seiner dunklen Augen noch einen Moment lang auf der inzwischen verdeckten Bisswunde ruhen, dann sah er mich an. Ich erwiderte seinen Blick voller Trotz und riss mich schnell von ihm los. Er hielt mich auch nicht fest, obwohl ich wusste, dass er das die ganze Nacht über hätte tun können, wenn er es denn gewollt hätte. Mühsam kämpfte ich gegen Übelkeit und Schwindel, tappte ein paar Schritte zurück, bis ich wieder bei Lissa stand, und wappnete mich gegen einen neuerlichen Angriff. Plötzlich ergriff sie meine Hand. »Rose«, sagte sie leise. »Nicht.«
Ihre Worte hatten zuerst keine Wirkung auf mich, allmählich aber flossen beruhigende Gedanken in meinen Geist, Gedanken, die über unser gemeinsames Band kamen. Es war nicht direkt der Zwang – den würde sie bei mir nicht anwenden –, aber es erfüllte seinen Zweck, ebenso wie die Tatsache, dass wir hoffnungslos in der Minderzahl waren und unsere Angreifer in einer ganz anderen Liga spielten als wir. Selbst ich wusste, dass Gegenwehr zwecklos sein würde. Die Anspannung wich aus meinem Körper, ich sackte geschlagen zusammen.
Der Mann, der meine Resignation spürte, trat vor und richtete seine Aufmerksamkeit auf Lissa. Sein Gesicht blieb vollkommen ruhig. Er verbeugte sich vor ihr und brachte es fertig, dabei ausgesprochen elegant zu wirken, was mich angesichts seiner Größe überraschte. »Mein Name ist Dimitri Belikov«, sagte er. Ich konnte einen schwachen russischen Akzent erkennen. »Ich bin hier, um Sie in die St.- Vladimir-Akademie zurückzubringen, Prinzessin.«
Ungeachtet meines Hasses musste ich zugeben, dass Dimitri Beli-was-auch-immer ziemlich klasse war. Nachdem sie uns zum Flughafen und in den Privatjet der Akademie verfrachtet hatten, hatte er nur einen Blick auf uns beide geworfen, während wir miteinander tuschelten, und dann befohlen, uns zu trennen.
»Lassen Sie sie nicht miteinander reden«, warnte er den Wächter, der mich in den hinteren Teil des Flugzeugs eskortierte. »Fünf Minuten zusammen, und sie werden einen Fluchtplan schmieden.«
Ich warf ihm einen hochmütigen Blick zu und stürmte den Gang hinunter. Natürlich hatten wir tatsächlich unsere Flucht geplant.
Allerdings sahen die Dinge nicht so rosig für uns aus. Sobald wir in der Luft waren, gingen unsere Chancen auf eine Flucht noch weiter in den Keller. Selbst einmal angenommen, es würde ein Wunder geschehen und ich brächte es fertig, alle zehn Wächter zu erledigen: wir hätten doch immer noch irgendwie ein Problem, aus dem Flugzeug herauszukommen. Ich vermutete, dass sie irgendwo an Bord Fallschirme hatten, aber für den unwahrscheinlichen Fall, dass es mir gelänge, einen zu bedienen, war da immer noch die kleine Frage des Überlebens, wenn man bedachte, dass wir wahrscheinlich irgendwo in den Rocky Mountains landen würden.
Nein, wir würden aus diesem Flugzeug nicht herauskommen, bis es in der hintersten Provinz von Montana landete. Dann würde ich mir etwas ausdenken müssen, das uns half, an den magischen Schutzzaubern der Akademie und einer zehnfachen Anzahl von Wächtern vorbeizukommen. Klar. Kein Problem.
Obwohl Lissa mit dem Russen vorn saß, teilte sich mir ihre Angst über unser gemeinsames Band vollständig mit und dröhnte mir im Kopf wie ein Hammer. Meine Sorge um sie brach in meinen Zorn ein. Sie konnten sie nicht dorthin zurückbringen, nicht an diesen Ort. Ich fragte mich, ob Dimitri vielleicht gezögert hätte, wenn er hätte fühlen können, was ich fühlte, und wenn er gewusst hätte, was ich wusste. Wahrscheinlich nicht. Es kümmerte ihn nicht.
Wie die Dinge lagen, wurden ihre Gefühle so stark, dass ich einen Augenblick lang den verwirrenden Eindruck bekam, auf ihrem Platz zu sitzen – in ihrer Haut zu stecken. Das geschah manchmal – ich wurde dann ohne große Vorwarnung praktisch in ihren Geist gezogen. Dimitri saß neben mir, und meine Hand – ihre Hand – hielt eine Wasserflasche umfasst. Er beugte sich vor, um etwas aufzuheben, und entblößte dabei sechs winzige Symbole, die ihm in den Nacken tätowiert waren: Molnija-Zeichen. Sie sahen wie zwei gezackte Lichtblitze aus, die einander zu einem X kreuzten. Eins für jeden Strigoi, den er getötet hatte. Über ihnen war eine gewundene Linie zu sehen, ein wenig wie eine Schlange, die ihn als Leibwächter auswies. Das Schwurzeichen.
Blinzelnd setzte ich mich gegen Lissas Sog zur Wehr und kehrte mit einer Grimasse wieder zu meinen eigenen Gefühlen und Gedanken zurück. Ich hasste diese zeitweilige Bewusstseinswanderung. Es war eine Sache, Lissas Gefühle zu spüren, aber in sie hineinzuschlüpfen, das war etwas, das wir beide verabscheuten. Sie betrachtete es als ein Eindringen in ihre Privatsphäre, daher erzählte ich es ihr im Allgemeinen nicht, wenn es geschah. Keine von uns beiden konnte es kontrollieren. Dies war eine weitere Wirkung des Bandes, eines Bandes, das weder sie noch ich vollkommen verstanden. Es gab Legenden über mentale Verbindungen zwischen Wächtern und ihren Moroi, aber etwas Derartiges wurde in den Geschichten nie erwähnt. Wir versuchten damit zurechtzukommen, so gut wir konnten.
Kurz vor dem Ende des Fluges kam Dimitri zu mir nach hinten und tauschte den Platz mit dem Wächter neben mir. Ich wandte mich demonstrativ ab und schaute geistesabwesend aus dem Fenster.
Mehrere Sekunden des Schweigens verstrichen. Schließlich fragte er: »Wollten Sie uns wirklich alle angreifen?«
Ich antwortete nicht.
»Das zu tun … sie auf diese Weise zu beschützen … es war sehr mutig.« Er hielt inne. »Dumm, aber trotzdem mutig. Warum haben Sie es überhaupt versucht?«
Ich blickte zu ihm hinüber und strich mir das Haar aus dem Gesicht, sodass ich ihm gut in die Augen schauen konnte. »Weil ich ihre Wächterin bin.« Ich wandte mich wieder dem Fenster zu.
Nach einem weiteren Augenblick der Stille stand er auf und kehrte in den vorderen Teil des Jets zurück.
Als wir landeten, hatten Lissa und ich keine andere Wahl, als uns von dem kleinen Überfallkommando zur Akademie fahren zu lassen. Unser Wagen blieb am Tor stehen, und unser Fahrer sprach mit den Wachleuten dort, die sich davon überzeugten, dass wir keine Strigoi waren, die es auf eine Mordorgie angelegt hatten. Nach einer Minute ließen sie uns durch die Schutzzauber und hinauf zur Akademie passieren. Es war kurz vor Sonnenuntergang – der Beginn des Vampirtags. Der Campus war in Schatten eingehüllt.
Er sah wahrscheinlich genauso aus wie immer, schwer überschaubar und gotisch. Die Moroi standen auf Tradition; bei ihnen veränderte sich niemals etwas. Diese Schule war nicht so alt wie diejenigen in Europa, aber sie war im gleichen Stil erbaut worden. Die Gebäude waren kunstvoll, beinahe kirchenähnlich, mit hohen Spitzbogengewölben und -fenstern sowie viel Maßwerk und Steinbildhauerei. Schmiedeeiserne Tore verwehrten den Zugang zu manchen Gärten und Durchgängen.
Die beiden Campus-Teile der Sekundarschule, der der Unter- und der der Oberstufe, umrahmten je einen eigenen großen, rechteckigen Garten mit gepflasterten Wegen und jahrhundertealten Bäumen. Beide Gevierte grenzten aneinander und teilten sich die Seite mit den Verwaltungsgebäuden. Wir gingen auf den großen Innenhof der Oberstufe zu, an dessen einer Längsseite die Bauten mit Unterrichtsräumen standen und ihnen gegenüber auf der anderen Seite das Wohnheim der Dhampire und die Turnhalle. Das Wohnheim der Moroi befand sich der Verwaltung gegenüber an einer der kürzeren Seiten. Die jüngeren Schüler lebten auf dem Primarstufencampus weiter westlich.
Um alle Akademiebereiche herum gab es Raum, Raum und noch mehr Raum. Schließlich waren wir in Montana und Welten entfernt von der nächsten richtigen Stadt. Die Luft strich mir kühl durch die Lungen; sie roch nach Kiefern und nassen, verfaulenden Blättern. Rings um die Akademie erstreckten sich Urwälder, und tagsüber konnte man in der Ferne die Bergketten der Rockies sehen.
Als wir das Hauptunterrichtsgebäude der Oberstufe betraten, löste ich mich von meinem Wächter und lief zu Dimitri vor.
»Hey, Kumpel.«
Er ging weiter und weigerte sich, mich anzusehen. »Willst du jetzt reden?«
»Bringen Sie uns zu Kirova?«
»Direktorin Kirova«, korrigierte er mich. Lissa, die auf seiner anderen Seite ging, warf mir einen Blick zu, der besagte: Fang jetzt nicht irgendetwas an.
»Direktorin. Was auch immer. Sie ist trotzdem ein selbstgerechtes altes Mist…«
Meine Worte verklangen, als uns die Wächter durch eine Doppeltür führten – direkt in die Mensa hinein. Ich seufzte. Waren diese Leute wirklich so grausam? Es musste mindestens ein Dutzend Wege zu Kirovas Büro geben, und sie ließen uns mitten durch die Mensa marschieren.
Und es war Frühstückszeit.
Wächternovizen – Dhampire wie ich – und Moroi saßen zusammen, aßen und unterhielten sich. Ihre Gesichter leuchteten, während sie den neuesten Klatsch und Tratsch der Akademie breittraten. Als wir erschienen, brach das laute Summen von Gesprächen abrupt ab, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Hunderte von Augenpaaren richteten sich auf uns.
Ich erwiderte die Blicke meiner ehemaligen Klassenkameraden mit einem trägen Grinsen und versuchte herauszuspüren, ob die Dinge sich verändert hatten. Nein. Es sah nicht danach aus. Camille Conta wirkte noch immer wie das gezierte, perfekt gestylte Miststück, das ich in Erinnerung hatte, immer noch die selbst ernannte Anführerin der Cliquen der königlichen Moroi. Am Rand des Raums beobachtete uns Lissas bäuerische Cousine x-ten Grades, Natalie, mit den großen Augen, so unschuldig und naiv wie eh und je.
Auf der anderen Seite des Raums … hm, das war interessant. Aaron. Der arme, arme Aaron, dem zweifellos das Herz gebrochen war, als Lissa verschwand. Er sah noch immer so süß aus wie damals – vielleicht sogar noch süßer –, mit denselben goldenen Locken, die so gut zu den ihren passten. Sein Blick verfolgte jede ihrer Bewegungen. Ja. Er war definitiv nicht über sie hinweg. Es war eigentlich traurig, weil Lissa nie wirklich auf ihn gestanden hatte. Ich glaube, sie ist nur deshalb mit ihm ausgegangen, weil es so schien, als erwarte man es von ihr.
Aber was ich am interessantesten fand, war der Umstand, dass Aaron offenbar eine Möglichkeit gefunden hatte, sich die Zeit ohne sie zu vertreiben. Neben ihm saß, seine Hand lag in ihrer, ein Moroimädchen, das aussah wie elf, jedoch älter sein musste, es sei denn, er hätte während unserer Abwesenheit pädophile Neigungen entwickelt. Mit rundlichen kleinen Wangen und blonden Kringellöckchen sah sie wie eine Porzellanpuppe aus. Eine sehr angekotzte und böse Porzellanpuppe allerdings. Sie umfasste seine Hand mit festem Griff und warf Lissa einen Blick von solch brennendem Hass zu, dass es mich verblüffte. Was zum Teufel hatte das zu bedeuten? Sie war niemand, den ich kannte. Nur eine eifersüchtige Freundin, vermutete ich. Ich wäre auch angekotzt gewesen, wenn mein Typ eine andere so angesehen hätte.
Unser Spießrutenlauf fand barmherzigerweise ein Ende, obwohl der neue Schauplatz – Direktorin Kirovas Büro – die Dinge nicht wirklich besser machte. Die alte Hexe sah genauso aus, wie ich sie in Erinnerung hatte, scharfnasig und grauhaarig. Sie war hochgewachsen und so schlank wie die meisten Moroi, sie hat mich immer an einen Geier erinnert. Ich kannte sie gut, weil ich sie oft in ihrem Büro besucht hatte.
Die meisten unserer Begleiter verließen uns, sobald Lissa und ich Platz genommen hatten. Nun fühlte ich mich etwas weniger wie eine Gefangene. Nur Alberta, der Hauptmann der Wächter der Schule, und Dimitri blieben zurück. Sie nahmen Positionen an der Wand ein und wirkten stoisch und beängstigend, gerade so, wie ihre Stellenbeschreibung es verlangte.
Kirova richtete ihren wütenden Blick auf uns und öffnete den Mund, um etwas zu beginnen, das zweifellos wieder einmal beweisen würde, was für ein Supermiststück sie war. Aber eine tiefe, sanfte Stimme kam ihr zuvor.
»Vasilisa.«
Verblüfft stellte ich fest, dass noch jemand im Raum war. Ich hatte es nicht bemerkt. Unvorsichtig für einen Wächter, selbst für einen angehenden. Mit erheblicher Anstrengung erhob sich Victor Dashkov von einem Stuhl in der Ecke. Prinz Victor Dashkov. Lissa sprang auf, lief zu ihm hinüber und schlang die Arme um seinen gebrechlichen Leib.
»Onkel«, flüsterte sie. Sie klang so, als wäre sie den Tränen nahe, während sie ihn noch fester umfasste.
Mit einem kleinen Lächeln tätschelte er ihr sanft den Rücken. »Du hast ja keine Ahnung, wie froh ich bin, dich in Sicherheit zu sehen, Vasilisa.« Er sah zu mir herüber. »Und dich auch, Rose.«
Ich nickte zurück und versuchte zu verbergen, wie erschrocken ich war. Er war krank gewesen, als wir fortgegangen waren, aber jetzt – es war grauenhaft. Er war Natalies Vater und erst vierzig oder so, aber er sah mindestens doppelt so alt aus. Bleich. Verhutzelt. Mit zitternden Händen. Mir brach das Herz, als ich ihn beobachtete. Bei den Unmengen abscheulicher Leute auf der Welt war es mir nie gerecht erschienen, dass ausgerechnet dieser Mann sich eine Krankheit zuziehen sollte, die ihn jung töten und definitiv davon abhalten würde, König zu werden.
Obwohl Victor technisch gesehen gar nicht ihr Onkel war – die Moroi benutzten Verwandschaftsbezeichnungen sehr locker, vor allem die königlichen Familien –, war er doch ein enger Freund von Lissas Familie und hatte sich förmlich überschlagen, um ihr nach dem Tod ihrer Eltern zu helfen. Ich mochte ihn; er war hier die erste Person, die zu sehen ich mich freute.
Kirova gönnte den beiden noch einige Sekunden und zog Lissa dann steif zu ihrem Stuhl zurück.
Zeit für die Standpauke.
Es war eine gute – eine von Kirovas besten, was einiges heißen wollte. Sie war eine Meisterin dieses Faches. Ich schwöre, dass dies der einzige Grund war, warum sie in die Schulverwaltung gegangen war, denn bisher fehlte mir noch jeder Beweis dafür, dass sie Kinder tatsächlich mochte. Die Tirade deckte die gewohnten Themen ab: Verantwortung, Leichtsinn, Selbstsucht … Bäh. Ich schaltete sofort ab und erwog stattdessen das Für und Wider einer Flucht durch das Fenster ihres Büros.
Aber als sich der Redeschwall mir zuwandte – nun, das war der Moment, in dem ich mich wieder einklinkte.
»Sie, Miss Hathaway, haben das heiligste Versprechen unserer Art gebrochen: das Versprechen eines Wächters, einen Moroi zu schützen. Dies ist eine große Verpflichtung. Eine Verpflichtung, die Sie verletzt haben, indem Sie die Prinzessin egoistischerweise von hier fortgebracht haben. Die Strigoi wären begeistert davon, die Dragomirs auszulöschen: Sie haben ihnen beinahe die Gelegenheit dazu verschafft.«
»Rose hat mich nicht entführt.« Lissa sprach, bevor ich es konnte, ihre Stimme und ihr Gesicht blieben ruhig, trotz ihrer unbehaglichen Gefühle. »Ich wollte weggehen. Machen Sie ihr keine Vorwürfe.«
Mrs Kirova sah uns beide zungenschnalzend an und ging im Büro auf und ab, die Hände hinter ihrem schmalen Rücken verschränkt.
»Miss Dragomir, nach allem, was ich weiß, hätten Sie diejenige sein können, die den ganzen Plan ersonnen hat, aber es war trotzdem ihre Pflicht, dafür zu sorgen, dass Sie diesen Plan nicht in die Tat umsetzten. Wenn sie ihre Pflicht getan hätte, hätte sie jemanden davon in Kenntnis gesetzt. Wenn sie ihre Pflicht getan hätte, hätte sie für Ihre Sicherheit gesorgt.«
Mir riss der Geduldsfaden.
»Ich habe meine Pflicht getan!«, schrie ich und sprang von meinem Stuhl auf. Dimitri und Alberta zuckten beide zusammen, ließen mich jedoch gewähren, da ich nicht versuchte, jemanden zu schlagen. Noch nicht. »Ich habe für ihre Sicherheit gesorgt! Ich habe auf sie aufgepasst, als niemand von Ihnen« – ich umfasste mit einer ausladenden Geste den ganzen Raum – »es tun konnte. Ich habe sie weggebracht, um sie zu beschützen. Ich habe getan, – was ich tun musste. Sie hätten das ganz sicher nicht getan.«
Durch das Band spürte ich, dass Lissa versuchte, mir beruhigende Nachrichten zu schicken und mich wieder zu drängen, meine Wut nicht die Oberhand gewinnen zu lassen. Allerdings zu spät.
Kirova starrte mich mit ausdruckslosem Gesicht an. »Miss Hathaway, verzeihen Sie mir, wenn es mir nicht gelingt, die Logik darin zu erkennen. Inwiefern wollen Sie sie beschützt haben, indem Sie sie aus einer schwer bewachten, magisch gesicherten Umgebung weggebracht haben? Es sei denn, es gäbe da etwas, das Sie uns nicht erzählen?«
Ich biss mir auf die Unterlippe.
»Ich verstehe. Na gut. Nach meiner Schätzung war der einzige Grund, warum Sie weggegangen sind – abgesehen von dem Reiz des Neuen zweifellos – der, dass Sie die Konsequenzen dieses schrecklichen, zerstörerischen Streichs umgehen wollten, den Sie kurz vor Ihrem Verschwinden gespielt haben.«
»Nein, das war nicht …«
»Und das macht mir meine Entscheidung nur umso leichter. Als Moroi muss die Prinzessin zu ihrer eigenen Sicherheit hier in der Akademie bleiben, aber Ihnen gegenüber haben wir keine solche Verpflichtung. Sie werden so bald wie möglich weggeschickt.«
Meine Großspurigkeit erstarb jäh. »Ich … was?«
Lissa stand neben mir auf. »Das können Sie doch nicht tun! Sie ist meine Wächterin!«
»Sie ist nichts dergleichen, erst recht nicht, wenn man bedenkt, dass sie überhaupt keine Wächterin ist. Sie ist noch eine Novizin.«
»Aber meine Eltern …«
»Ich weiß, was Ihre Eltern wollten, Gott gebe ihren Seelen den ewigen Frieden. Die Dinge haben sich aber verändert. Miss Hathaway ist entbehrlich. Sie verdient es nicht, Wächterin zu sein, und sie wird gehen.«
Ich starrte Kirova an, außerstande zu glauben, was ich da hörte. »Wohin wollen Sie mich schicken? Zu meiner Mom nach Nepal? Weiß sie überhaupt, dass ich fort bin? Oder vielleicht werden Sie mich ja auch zu meinem Vater schicken?«
Bei dem schneidenden Unterton in diesem Wort wurden ihre Augen schmal. Als ich wieder anfing zu sprechen, klang meine Stimme so kalt, dass ich sie kaum erkannte.
»Oder vielleicht werden Sie versuchen, mich wegzuschicken, damit ich eine Bluthure werde. Versuchen Sie das, und wir werden bis zum Ende des Tages fort sein.«
»Miss Hathaway«, zischte sie, »Sie vergessen sich.«
»Die beiden teilen ein Band.« Dimitris leise, von seinem russischen Akzent geprägte Stimme durchbrach die lastende Anspannung, und wir drehten uns alle zu ihm um. Ich denke, Kirova hatte vergessen, dass er da war. Ich aber hatte es nicht vergessen. Seine Anwesenheit war viel zu mächtig, um sie zu ignorieren. Er stand noch immer an der Wand und sah in seinem lächerlich langen Mantel wie eine Art Cowboy aus. Er schaute mich an, nicht Lissa, und der Blick seiner dunklen Augen ging direkt durch mich hindurch. »Rose weiß, was Vasilisa fühlt. Habe ich nicht recht?«
Ich hatte zumindest die Befriedigung zu erleben, wie Kirova für einen Augenblick das Gleichgewicht verlor, während sie zwischen uns und Dimitri hin und her blickte. »Nein … das ist unmöglich. Das ist seit Jahrhunderten nicht mehr vorgekommen.«
»Es ist offenkundig«, sagte er. »Ich hatte diesen Verdacht, sobald ich anfing sie zu beobachten.«
Weder Lissa noch ich antworteten, und ich mied seinen Blick.
»Das ist eine Gabe«, murmelte Victor aus seiner Ecke hervor. »Etwas Seltenes und Wunderbares.«
»Die besten Wächter besaßen dieses Band«, fügte Dimitri hinzu. »In den Geschichten.«
Kirovas Empörung kehrte zurück. »Geschichten, die jahrhundertealt sind«, rief sie. »Sie wollen doch nicht etwa vorschlagen, dass wir sie in der Akademie behalten, nach allem, was sie getan hat?«
Er zuckte die Achseln. »Sie mag wild und respektlos sein, aber wenn sie Potenzial hat …«
»Wild und respektlos?«, fiel ich ihm ins Wort. »Wer zur Hölle sind Sie eigentlich? Extern angeheuerte Hilfe?«
»Wächter Belikov ist jetzt der Wächter der Prinzessin«, erklärte Kirova. »Ihr sanktionierter Wächter.«
»Sie holen sich billige ausländische Arbeitskräfte, um Lissa zu schützen?«
Das war ziemlich gemein von mir – vor allem, da die meisten Moroi und ihre Wächter russischer oder rumänischer Herkunft waren –, aber diese Bemerkung schien mir zu der Zeit klüger zu sein, als sie es wirklich war. Und es schien nicht so gewesen zu sein, als hätte ich das Recht gehabt, große Töne zu spucken. Ich mochte zwar in den USA erzogen worden sein, aber meine Eltern waren beide Ausländer – meine Dhampirmutter war Schottin, rothaarig und mit einem lächerlichen Akzent –, und man hatte mir erzählt, dass mein Moroivater Türke war. Diese genetische Kombination hatte mir eine Haut von der Farbe des Inneren einer Mandel beschert und dazu noch etwas, das ich gern als semiexotische Züge einer Wüstenprinzessin betrachtete: große, dunkle Augen und Haar von einem so tiefen Braunton, dass es im Allgemeinen schwarz wirkte. Ich hätte nichts dagegen gehabt, das rote Haar zu erben, aber wir nehmen nun mal, was wir kriegen.
Kirova warf verärgert die Hände hoch und drehte sich zu ihm um. »Sehen Sie? Absolut undiszipliniert! Ein sehr rohes Potenzial, und alle mentalen Bande auf der Welt können das nicht wettmachen. Ein Wächter ohne Disziplin ist schlimmer als gar kein Wächter.«
»Dann lehren Sie sie Disziplin. Der Unterricht hat gerade erst begonnen. Schicken Sie sie wieder in ihre Klasse und lassen Sie sie trainieren.«
»Unmöglich. Sie wird trotzdem hoffnungslos hinter ihren Klassenkameraden herhinken.«
»Nein, das werde ich nicht«, wandte ich ein. Niemand aber hörte auf mich.
»Dann geben Sie ihr zusätzliche Trainingsstunden«, sagte er.
Sie machten in dieser Art weiter, während wir Übrigen den Wortwechsel beobachteten wie ein Pingpongspiel. Mein Stolz war immer noch gekränkt wegen der Mühelosigkeit, mit der Dimitri uns überlistet hatte. Aber mir kam in den Sinn: Er würde vielleicht bewirken, dass ich hier bei Lissa bleiben durfte. Es war besser, hier in diesem Höllenloch zu bleiben, als ohne sie zu sein. Durch unser Band spürte ich ein Rinnsal Hoffnung bei ihr.
»Wer wird die zusätzliche Zeit investieren?«, fragte Kirova scharf. »Sie?«
Dimitris Argumentation kam zu einem abrupten Ende. »Hm, das ist nicht das, was ich …«
Kirova kreuzte mit sichtlicher Befriedigung die Arme vor der Brust. »Ja. Genau das dachte ich mir.«
Dimitri, der offensichtlich nicht weiterwusste, runzelte die Stirn. Sein Blick flackerte zu Lissa und mir herüber, und ich fragte mich, was er wohl sah. Zwei jämmerliche Mädchen, die ihn mit großen, flehentlichen Augen ansahen? Oder zwei Ausreißerinnen, die aus einer Hochsicherheitsschule ausgebrochen waren und die Hälfte von Lissas Erbe verschleudert hatten?
»Ja«, erklärte er schließlich. »Ich kann Roses Mentor werden und sie unterrichten. Ich werde ihr zu ihren normalen Stunden noch zusätzlichen Unterricht erteilen.«
»Und wie soll es dann weitergehen?«, gab Kirova wütend zurück. »Sie kommt ungestraft davon?«
»Finden Sie eine andere Möglichkeit, sie zu bestrafen«, antwortete Dimitri. »Die Zahlen der Wächter sind zu stark zurückgegangen, um zu riskieren, einen weiteren zu verlieren. Insbesondere ein Mädchen.«
Seine unausgesprochenen Worte ließen mich schaudern, und ich dachte an meine frühere Bemerkung über »Bluthuren«. Es wurden nur noch wenige Dhampirmädchen Wächter.
Plötzlich meldete sich Victor aus seiner Ecke zu Wort. »Ich bin geneigt, Wächter Belikov recht zu geben. Es wäre eine Schande und eine Verschwendung von Talent, Rose wegzuschicken.«
Mrs Kirova starrte aus dem Fenster. Draußen war es vollkommen schwarz. Bei dem nächtlichen Zeitplan der Akademie waren Morgen und Nachmittag relative Begriffe. Außerdem ließen sie die Fenster einfärben, um ein Zuviel an Licht auszusperren.
Als sie sich wieder umdrehte, sah ihr Lissa in die Augen. »Bitte, Mrs Kirova. Lassen Sie Rose bleiben.«
Oh, Lissa, dachte ich. Sei vorsichtig. Es war gefährlich, den Zwang gegen andere Moroi einzusetzen – insbesondere vor Zeugen. Aber Lissa benutzte nur eine winzige Menge, und wir brauchten alle Hilfe, die wir bekommen konnten. Glücklicherweise schien niemand zu begreifen, was vorging.
Ich weiß nicht einmal, ob der Zwang einen Unterschied machte, aber schließlich seufzte Kirova.
»Wenn Miss Hathaway bleibt, wird das folgendermaßen aussehen.« Sie wandte sich an mich. »Wenn Sie in St. Vladimir immatrikuliert bleiben, dann geschieht dies definitiv auf Probe. Überschreiten Sie auch nur einmal die Grenzen, so sind Sie hier gewesen. Sie werden alle Kurse und erforderlichen Trainingseinheiten für Novizen Ihres Alters besuchen. Außerdem werden Sie in jedem freien Augenblick, den Sie haben, mit Wächter Belikov trainieren – vor und nach dem Unterricht. Davon abgesehen ist Ihnen die Teilnahme an allen gesellschaftlichen Aktivitäten mit Ausnahme der Mahlzeiten untersagt. Sie werden in Ihrem Zimmer bleiben. Verstoßen Sie gegen eine einzige dieser Regeln, so wird man Sie … wegschicken.«
Ich stieß ein raues Lachen aus. »Alle gesellschaftlichen Aktivitäten sind mir untersagt? Versuchen Sie, uns voneinander fernzuhalten?« Ich deutete auf Lissa. »Haben Sie Angst, dass wir wieder weglaufen werden?«
»Ich ergreife Vorsichtsmaßnahmen. Sie werden sich gewiss daran erinnern, dass Sie für die Zerstörung von Schuleigentum nie richtig bestraft wurden. Sie haben eine Menge wiedergutzumachen.« Ihre dünnen Lippen verzogen sich zu einer geraden Linie. »Sie bekommen einen sehr großzügigen Handel angeboten. Ich schlage vor, dass Sie ihn nicht mit Ihrer Einstellung gefährden.«
Ich wollte zwar schon sagen, dass der Handel ganz und gar nicht großzügig sei, aber dann fing ich Dimitris Blick auf. Er war schwer zu deuten. Vielleicht teilte er mir mit, dass er an mich glaubte. Vielleicht teilte er mir auch mit, ich sei eine Idiotin, weiter mit Kirova zu streiten. Ich wusste es nicht.
Ich wandte zum zweiten Mal während der Aussprache den Blick von ihm ab und starrte zu Boden, wobei ich mir Lissas Gegenwart an meiner Seite bewusst war sowie ihrer eigenen Ermutigung, die in unserem Band brannte. Schließlich atmete ich aus und sah die Direktorin wieder an.
»Schön. Ich akzeptiere.«